KFHist: (B 2) Aurelius Victor Skip to main content

Ein Editionsprojekt der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

HHUD Düsseldorf

(B 2) Aurelius Victor



S. 1

Einleitung

I. Historische Bemerkungen

Die Historiae abbreviatae des Sextus Aurelius Victor bieten eine kurze Ge­schichte der römischen Kaiserzeit von den Anfängen unter Augustus bis in die Gegenwart des Verfassers unter Constantius II. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Leben und Wirken der einzelnen Herrscher, weshalb das Werk, das gleichsam eine Serie von Kaiserbiographien darstellt, besser un­ter dem Namen De Caesaribus bekannt ist. Es zählt aufgrund seines redu­zierten Umfangs zu der Gattung der breviarium genannten und im 4. Jahr­hundert verbreiteten historischen Überblicksdarstellungen.

1. Zum Verfasser

Über das Leben des im ersten Drittel des 4. Jahrhunderts geborenen Au­re­lius Victor ist nur wenig bekannt.1 Aus der einzigen autobio­graphi­schen Äu­ße­rung in den Historiae abbreviatae, die sich im Kapitel über Sep­timius Se­ve­rus befindet, geht hervor, dass Victor wie dieser Kaiser aus Nord­af­rika stammte. „Folgendes erachte ich nämlich als ein Cha­rak­te­ris­tikum un­se­res Vol­kes, welches durch eine Schicksals­fügung wenig ertrag­reich an Recht­schaf­fenen ist: Diejenigen, die es dennoch hervor­gebracht hat, sind (…).“2 Victors beiläufige Bemerkung über „unser Volk“, womit offen­kundig das africanische gemeint ist, erweckt den Ein­druck, als habe er sich be­reits über seine Herkunft geäußert. Hierfür käme allenfalls die Prae­fatio in Fra­­ge, deren Existenz bloß vermutet wer­den kann.3 Die be­son­de­ren Um­stände der Textüberlieferung der Historiae abbreviatae, die ur­sprüng­lich ein ei­gen­ständiges Werk waren, aber uns nur als in­te­graler Be­stand­teil ei­ner spät­antiken Kompilation aus drei Werken erhalten sind, spre­chen für eine solche Hypothese. Denn es er­scheint durchaus plau­sibel, dass bei der S. 2 Zu­sam­men­stel­lung dieses sogenannten Corpus Aurelianum die hier­durch ob­so­let ge­wordene Praefatio der Histori­ae ab­bre­viatae ‚ge­tilgt‘ wur­de.4 Im­mer­hin wird Vic­tor im Ti­tulus des Corpus Aureli­anum als „Af­ricaner“ be­zeichnet (Victor Afer), wo­bei die Ap­po­sition hin­ter sei­nem Na­men selbst eine Re­mi­niszenz einer verlorenen Praefatio sein kann.5 Als weitere Be­lege für Vic­tors africanische Herkunft dienen neben der aus­führlichen und ins­ge­samt wohlwollenden Beschreibung der Herr­schaft des Septimius Se­ve­rus („es gab niemand Ausgezeichneteres im Staat“) auch das Auf­zeich­nen von eher unbedeutenden Vorgän­gen in Nordafrika, die Her­vor­he­bung Kar­tha­gos als „Schmuckstück des Erdkreises“ (40,19) sowie die der Stadt Cir­ta ge­schenkte Aufmerksamkeit (40,28).6

Über sich selbst berichtet Victor, dass er „von einem ärmlichen Bauern­hof und einem ungebildeten Vater“ herstammt, aber sich durch die un­ab­läs­sige Aneig­nung von Bildung (studia tanta) hochgearbeitet habe (20,5). Der Stolz des Arrivierten auf den sozialen Aufstieg und das Errei­chen ei­nes höheren gesellschaftlichen Sta­tus (vita honestior) ist unverkennbar. Gleich­wohl darf die Aussage nicht zu der Vorstellung verleiten, Victor sei in armen Ver­hält­nis­sen aufgewachsen, denn der Besuch des Grammatik- und Rheto­rik­unter­richts setzten ent­sprechende Geldmittel vor­aus, zumal eine gute Aus­bil­dung mit hohen Kos­ten verbunden war. Im Übri­gen war es durchaus üb­lich, die eigenen Ver­mögensverhältnisse ge­rin­ger darzustellen als sie wa­ren, sei es als rhe­to­rische Geste der Be­schei­denheit, oder um den Auf­stieg umso wir­kungs­voller erscheinen zu lassen.7

Obgleich die einzelnen Stationen von Victors Bildungsweg und seiner anfänglichen Karriere unbekannt sind, wird aufgrund seines merklichen In­teresses an der Stadt Rom gewöhnlich angenommen, dass er eine längere Zeit dort verbracht habe. Die Stadt fungierte schon lange nicht mehr als Kai­serresidenz; dennoch war es weiterhin üblich, dass hoffnungsvolle Pro­vin­zialen sich dorthin begaben, um ihre Studien zu vertiefen und S. 3 Erfah­rung in der Jurisprudenz zu sammeln. In der Tat schenkt Victor der Topo­graphie und vor allem den öffentlichen Baudenkmälern der Stadt eine hohe Auf­merksamkeit. Zahlreiche seiner Angaben sind allerdings sehr allge­mein gehal­ten und stammen zudem aus seiner Hauptquelle (dazu unten): zum Bei­spiel, dass Titus ein Amphitheater errichtet (10,5), Cara­calla prachtvolle Thermen gestiftet (21,4) oder Aurelian einen Tempel für den Son­nengott und neue Stadtmauern erbaut hat (35,7).8 Daneben gibt es ei­nige wenige Details, die auf persönliche Ortskenntnis hindeuten könnten, aber zwingend ist dies nicht: So berichtet er von einem Platz in Rom, der zum ge­gen­wärtigen Zeitpunkt der Zucht von Weissagehühnern vorbe­hal­ten war (5,17), bewertet die Konstantinsthermen im Vergleich zu den frü­her erbauten Thermen (40,27) und hat unter Umständen die Weihin­schrift an der Basilica Constantiniana ge­se­hen (40,26)9. Zudem werden auch Vic­tors spürbare Enttäuschung über das Aus­bleiben der Fes­ti­vi­tä­ten zum 1.100 Stadt­ju­bi­läum im Jahr 348 (28,2) oder seine Schilderung der blu­tigen Kämpfe im Jahr 350/51 (42,7) als Be­le­ge für einen mutmaß­li­chen Auf­enthalt in Rom geltend gemacht.10

Die ersten sicheren Nachrichten über Victors Karriere sind durch Am­mi­anus Marcellinus überliefert: Als im Frühsommer 361 der Imperator Ju­li­an, der sich im Jahr zuvor in Gallien eigenmächtig zum Augustus er­ho­ben hatte, auf dem Marsch gegen den legitimen Augustus Constantius II. einen kur­zen Zwischenhalt in der Provinzhauptstadt Sir­mi­um einlegte, kam es bei der Gelegenheit zu einer Begegnung zwischen ihm und Victor.11 Dieser war zu dem Zeitpunkt sehr wahrscheinlich als Beamter in der Pro­vinzverwaltung tätig, denn kur­ze Zeit später beorderte ihn Julian, der zwi­schenzeitlich den Pass von Suc­ci gesichert hatte, zu sich nach Naissus und ernannte ihn zum kon­su­la­rischen Provinzstatthalter (con­su­laris) für Pan­nonia Secunda. Über die Grün­de für die Beförderung Vic­tors, die ihm nicht nur ein höheres Ein­kom­men, sondern auch senatorischen Rang S. 4 ein­­trug12, lässt sich nur spe­ku­lieren.13 Die Über­nah­me der Statthalter­schaft be­deu­tete jedoch, dass sich Vic­tor in der eska­lierenden Rivalität zwischen Ju­li­an und Constantius II. von seinem bisherigen Dienstherrn abwandte und auf die Seite des Heraus­forderers stellte. Au­ßer­dem zeichnete Julian Vic­tor mit einer Bronze­statue aus, deren Aufstel­lungsort bei Ammian jedoch un­ge­nannt bleibt. Hierbei dürfte es sich um eine zu­sätz­liche, von der Statt­hal­ter­schaft unabhängige Ehrung handeln, die bisweilen mit Victors lite­ra­ri­scher Tä­tigkeit in Verbindung gebracht wird. Da nämlich die Ab­fassung der His­toriae abbreviatae noch nicht lange zurücklag (vgl. 42,20) und Vic­tor von Ammian ausdrücklich in seiner Ka­pa­zität als scriptor his­to­ricus bezeichnet ist, besteht angesichts derartiger Ehrenstatuen in Rom die Ver­mu­tung, dass Ju­lian ihn als vir litteratus für sein Ge­schichtswerk aus­ge­zeich­net ha­be.14 Allerdings ist ungewiss, ob der hochge­bil­dete Julian die his­to­risch anspruchslose Überblicksdarstellung eingehend gelesen und für aus­zeichnungswürdig befunden hat.15 Wie auch immer die of­fi­zi­el­le Be­grün­dung für die Statue gelautet haben mag, sie zeugt von Julians Wert­schät­zung Victors.16

Die Statthalterschaft über die Provinz hatte Victor höchstens bis zum Mai 365 in­ne, denn zu jenem Zeitpunkt ist ein gewisser Fortunatus als con­sularis der Pannonia Secunda belegt.17 Vielleicht ist er – wie an­de­re hoch­ge­stellte Be­amte – bereits kurz nach Julians Tod im Juni 363 von Jo­vian oder Va­len­tin­ian I. abgesetzt worden. Bis zur Bekleidung der S. 5 Stadt­prä­fek­tur Roms rund ein Vierteljahrhundert später fehlt indes jegliches Zeugnis zu Victors Leben.18 Als Dank für seine Ernennung zum Stadtpräfekten stif­te­te er Theodosius I. in Rom eine Statue, durch deren Weihinschrift sich Victors Amtszeit in die Zeitspanne 388/389 datieren lässt.19 Ne­ben Victors voll­ständigen Namen bezeugt die Inschrift auch seine Funktion als Richter am Kaisergericht, die sich vielleicht nur auf wenige Wochen im Sommer 389 beschränkte, als Theodosius I. vom 13. Juni bis zum 1. Sep­tember in Rom weil­te und seinen Triumph über den Usurpator Maxi­mus feierte.20 Victor selbst dürfte bereits seit längerem dort ansässig ge­we­sen sein und im Zirkel der heidnischen Senatoren verkehrt haben;21 vermutlich stand er auch mit Ammianus Marcellinus im Kontakt, der in Rom mit der Ab­fas­sung seines eigenen Geschichtswerks beschäftigt war.22

Die Übertragung der prestigeträchtigen Stadtpräfektur an einen An­hänger der altrömischen Religion entspricht der Politik des Christen Theo­dosius I., dem nach seinem Sieg im Bürgerkrieg die faktische Macht über das West­reich zu­gefallen war und der sich nun bemühte, die west­lichen Eliten in sein Herr­schaftssystem einzubinden. Dazu gehörte etwa die Be­förderung des Virius Ni­comachus Flavianus zum Präto­ri­a­ner­prä­fekten eben­so wie die großherzige Ernennung des Quintus Aure­lius Sym­ma­chus zum Konsul, obwohl dieser sich durch eine Lobrede auf den Usur­pator S. 6 Maximus kompromittiert hatte.23 Wenn daher Victor in der Weih­in­schrift für Theodosius I. diesem bescheinigt, die frü­heren Kaiser an Mil­de (cle­mentia), Heiligkeit (sanctitudo) und Groß­zü­gig­keit (muni­ficen­tia) über­troffen zu haben, besteht der Verdacht, dass auch Victor selbst sich mit dem Regime des Maximus zu sehr eingelassen hatte, zumal der Usur­pator zwischenzeitlich von Theodosius als legitimer Au­gus­tus anerkannt ge­wesen war. Insgesamt dürfte sich die Situation um 389 in Rom nicht we­sent­lich von der um 312 unterschieden haben, als der Bürgerkriegs­sieger Kon­stantin –in Victors Worten –„alle seine Gegner in Gnade auf­nahm“ und ihm im Gegenzug dafür „Statuen an den meist­frequentierten Orten auf­gestellt wurden“ (vgl. 41,4 und 40,28).24 Für den Aufsteiger aus Africa bil­dete die Übernahme der Stadtpräfektur Roms sicherlich die kaum er­träum­te Kulmination seiner Ämterkarriere. Sie ist zu­gleich auch das letzte bekannte Detail aus dem Leben jenes Mannes, der sich der Geschichte und Tradition dieser altehrwürdigen Stadt so ver­bun­den fühl­te.

2. Zum Werk

Wie aus dem überlieferte Titel hervorgeht, erheben die Historiae ab­bre­vi­a­tae den Anspruch, zum Genre der Geschichtsschreibung zu gehören. Die ‚Kür­zung‘ der Historiae bezieht sich dabei auf die Aus­führ­lich­keit der Er­zäh­lung, nicht etwa den zeitlichen Rahmen, der sich laut Unter­titel auf die ge­sam­te bis dahin reichende Kaiserzeit erstreckt (31 v. Chr. bis 360 n. Chr.). Er­wartungsgemäß ist die Ereignisdarstel­lung so­wohl in chro­no­lo­gisch-struk­turel­ler wie in­haltlicher Hin­sicht durch die Kai­ser geprägt, so­dass das Werk nicht zu Unrecht als „Bio­graphien­samm­lung“ an­ge­se­hen wird.25 Auch der Kir­chenvater Hie­rony­mus vermoch­te die Haupt­wer­ke des Ta­ci­tus (An­nales und His­to­riae) im We­sent­lichen als „Kaiser­bio­graphien“ auf­zu­fas­sen und bringt da­mit den Tru­is­mus auf den Punkt, dass die Ge­schichts­schreibung der ‚Kai­ser­zeit‘ sich größtenteils mit der Ge­schichte S. 7 der Kai­ser deckt.26 In der Tat ste­hen die His­toriae ab­bre­viatae den Bio­gra­phien Suetons viel näher als der breiten und anspruchs­vol­leren Er­zäh­lung des Ta­ci­tus. Wesentlicher Grund hierfür liegt in der Be­nut­zung der so­ge­nann­ten Enmannschen Kaisergeschichte (EKG), je­nes von Ale­xander En­mann auf der Basis der Übereinstimmun­gen zwi­schen Vic­tor, Eutrop und an­deren Autoren erschlossene Werk über die römi­schen Kaiser, das Victor als Hauptquelle diente.27 Dieses Werk war vermutlich in der Wei­se bio­gra­phisch angelegt, dass „jedes leben ein bestimmt abgerunde­tes ganzes ge­bil­det hat­te“28, wie aus Eutrops Breviarium geschlos­sen werden darf, von dem man annimmt, dass es die ursprüngliche Form der EKG getreuer be­wahrt als die Historiae abbreviatae. Dennoch lassen sich Ele­men­te aus­ma­chen, die als Bestreben Victors zu werten sind, nicht bloß vitae, sondern re­gel­rechte historiae zu verfassen.29 Hierzu gehören die in seine Darstel­lung der Ereignis­se eingestreu­ten per­sönlichen Anmerkungen, die über das gan­ze Werk verteilt, im­mer wieder einzelne Begebenheiten kommen­tieren oder von den erzähl­ten Vor­komm­nissen inspiriert sind. Die Äußerungen chan­gieren da­bei zwischen kur­zen Sentenzen, topischen Lebensweis­heiten und kri­ti­schen Be­mer­kun­gen über gesellschaftspolitische Missstän­de der ei­ge­nen Zeit. Hier­bei dient der Victor geistig verwandte Moralist Sal­lust als wich­tigstes li­tera­rische Vorbild, dessen Spuren die gesamten His­toriae ab­bre­viatae durch­ziehen.30 Eine unverkennbare, wenn auch we­sent­lich ge­rin­gere Rolle als Sallust spielt Taci­tus. Weshalb sich die inhaltlichen An­klän­ge an des­sen An­na­les je­doch nur in den ersten beiden Abschnitten über Au­gustus und Tiberius fin­den, lässt sich nicht mit Bestim­mt­heit sa­gen, aber viel­leicht war die Lektü­re des umfang­rei­chen Wer­kes für Vic­tors in­ten­dier­te Zwecke (dazu un­ten) schlichtweg zu auf­wändig.

S. 8

Ein weiteres Merkmal, das die Historiae ab­bre­vi­a­tae als Geschichts­werk erscheinen lässt, ist die Kontinuität der Dar­stel­lung und die Art und Weise, wie die einzelnen aufeinander fol­gen­den Biogra­phi­en mit­ein­ander ver­knüpft sind. Victors eigenständige Ge­stal­tung der Übergänge zwi­schen den ohnehin erst neuzeitlich konsti­tuier­ten ‚Kapiteln‘ erhellt aus dem Ver­gleich mit der schlichten Kompo­si­tions­wei­se Eu­trops.31 Bei diesem wird im kai­serzeit­li­chen Teil des Bre­vi­arium der An­schluss eines Kapitels an das vorhe­ri­ge na­hezu sche­matisch mit For­­mu­lie­run­gen wie „ihm folgte Ca­ius Cae­sar“32 oder „nach ihm kam Clau­dius“33 ge­bildet. Auch Victor mar­kiert ei­ne neue Kai­serherrschaft meis­tens durch den Namen des neuen Kai­sers, aber gleich­zei­tig gelingt es ihm auf viel kre­a­tivere und abwechs­lungs­rei­che­re Weise, eine Verbin­dung von der ei­nen Herr­schaft zur nächsten her­zu­stellen. So fallen etwa der Tod des Ti­be­rius und die Herr­schafts­über­nah­me durch Caligula in ein ein­ziges Satz­gefüge (3,1) oder umgekehrt wird eine detailreiche Erzählung in­klusi­ver Rück­blenden zwischen Ca­li­gu­las Tod (3,14) und dem Herr­schaftsantritt des Claudius (4,1) ein­geschoben, so dass es keine klare Trennung gibt. Der Über­gang von Vespasian zu Ti­tus (10,1) wird et­wa dadurch ge­schaf­fen, dass gegen Ende des Vespasian­ka­pi­tels der Jü­di­sche Krieg von 69/70 n. Chr. als eine von Vespasians Er­folgs­ta­ten genannt wird, wobei gleich­zei­tig auch die Kampfbetei­li­gung und der da­mit ver­bun­de­ne Sieg des Titus er­wähnt werden (9,10), bevor we­nige Zei­len da­nach das eigentliche Titus­kapitel einsetzt und dies wie­de­rum mit ei­nem Rückverweis auf Vespasian (10,1). Zu Nerva, bei dem kei­ner­lei Ver­bindung zu den Flaviern bestand, wird dadurch eine Brücke ge­schla­gen, dass Ge­danken über die geographische Herkunft der römi­schen Kai­ser ange­stellt werden, um in der Folge Nerva (allerdings irrtümlich) als aus­wär­ti­gen Kaiser einzuführen (11,12 f.­–12,1). Bereits an diesen wenigen Bei­spie­len zeigt sich der eigenständige Gestaltungs­wil­le, mit dem Vic­tor durch Kom­position und Inhalt die Kapitel bis in die Zeit um 284/285 n. Chr. kunstvoll miteinander verzahnt.34 Ab dem Bürger­krieg zwi­schen Ca­rinus und Dio­cletian und dem anschließenden Mehr­herr­schaftssystem der Tet­rar­chie entfällt die herkömmliche Abfolge separater Kaiser­herr­schaf­ten, S. 9 so dass sich wie von selbst eine organisch ver­wo­bene Er­zäh­lung er­gibt, die am En­de in die Herr­schaft des Con­stan­tius II. mün­det.35

Die Länge der einzelnen Kapitel fällt dabei recht unterschied­lich aus, oh­ne dass dies immer der realen Regierungsdauer eines Kaisers oder dem Umfang seiner er­brach­ten Leistungen geschuldet wäre. Während die ‚Bio­gra­phie‘ des Au­gustus, der immerhin den Prinzipat begründet und 44 Jahre ge­herrscht hat, mit 150 Wörtern eher kurz ausfällt, ist der rund vierjährigen Amts­zeit Ca­ligulas mehr als die dreifache Länge zugestanden, wobei das Ka­pitel mit skurrilen Anekdoten über Caligula, Viktors Gedanken über Nach­kommen­schaft und das spätantike Heer sowie der Vorgeschich­te zu Clau­dius’ Kaisererhebung angefüllt ist. Im Fall des Septimius Severus, dem ei­nes der längsten Kapitel gewidmet ist – hier kommt Victor auch auf sich selbst zu sprechen –, erklärt sich die Ausführlichkeit unter anderem mit Victors Wunsch, dem afrikanischen Lands­mann ei­nen res­pek­tab­len Platz in seinem Werk zukommen zu lassen. Das eben­falls um­fangreiche Ka­pi­tel über Gallienus wiederum ist unter an­de­rem durch die Erwähnung der zahl­reichen Usurpationen während seiner Herr­schaft bedingt. Aller­dings führt die Absicht Victors, Gallienus als überaus schlech­ten Kaiser zu brand­marken, dazu, dass in diesem Kapitel auch ei­ni­ge Ge­gen­kaiser des Gal­lischen Sonderreichs genannt sind, deren Regie­rungs­zeiten bereits in die Phase nach Gallienus’ Tod fallen.36 Überhaupt ist die Aufmerksamkeit be­achtlich, die Victor wiederholt den Gegen­kai­sern und Usur­patoren schenkt, ganz gleich, ob es sich dabei um erfolgrei­che Machthaber handelt, die wie Postumus und Carausius während Jah­ren über ein eigenes Teil­reich herrschten, ob um kurzzeitige Usurpatoren, die von ihren Heeren zum Augustus aus­ge­rufen und schon bald wieder be­sei­tigt wurden, oder ob um völlig bedeu­tungs­lose Rebellen wie Calocaerus und Patricius, deren lo­kal begrenzte Auf­standsversuche rasch beendet wur­den. Entsprech­end aus­führlich wer­den zudem die mit den Usurpationen verbundenen Bür­ger­kriegs­konflikte behandelt, besonders ab der Zeit der Reichs­krise im 3. Jahr­hun­dert, als die Kaiser vermehrt „zum Kampf ge­gen­­ein­an­der rüs­teten“ (24,9), aber auch während der Phase der Tet­rarchie und nochmals ver­stärkt nach Diocletians und Maximians Ab­dan­kung, auf die „innen­po­li­­tische Rück­schläge“ (39,48) folgten. Hieraus dürf­te sich übri­gens der Titel S. 10 „Ge­schich­te der Bürgerkriege“ erklären, der bei Jo­han­nes Lydus für Vic­tors Werk ge­braucht wird.37

Neben dem Namen des Kaisers finden sich zu Beginn der Kapitel wie­derholt Angaben zur je­weiligen ‚Herkunft‘. Hierbei kann es sich um die geographische, ethni­sche, soziale (oder bei Söhnen die verwandt­schaft­li­che) Herkunft oder eine Kom­bination daraus handeln. Diese Angaben, die auch häufig bei Eutrop an dieser Stelle vorkommen, hat Victor der EKG entnommen, wo sie fester Bestandteil der „eingangsstücke zur ge­schichte der einzelnen kaiser“ wa­ren.38 Jedoch weicht Victor gelegentlich von der An­ordnung seiner Quelle ab, um das vorgegebene Sche­ma der Vi­ten zu durchbrechen, und verlegt die besagten De­tails – wenn er nicht ganz auf sie verzichtet – an andere Stellen. So fin­det sich z. B. die bei Eutrop am An­fang ste­hende Herkunftsangabe des Septi­mi­us Severus bei Victor erst in­nerhalb des langen Kapitels und zudem auf zwei un­ter­schiedliche Stellen verteilt wieder39 oder wird der Heimatort des Carus – bei Eu­trop wie­derum zu Beginn genannt – hin­ter die Nachricht vom Tod seines Soh­nes Ca­rinus trans­po­niert, um so im Abschnitt über Di­ocle­tian das „En­de des Ca­rus und seiner Söhne“ zu markieren.40

Ähnliches gilt für die jeweilige Regierungsdauer, die in der EKG zum „beschluss der biographien“ gehörte und deshalb auch bei Eutrop regel­mä­ßig ge­gen Ende angegeben wird.41 Hierbei manifestiert sich erneut sein aus­ge­prägter Gestaltungswille. Wie frei Victor mitunter mit der An­ga­be der Re­gie­rungs­dauer verfährt, ersieht man etwa bei Ves­pa­si­an, des­sen Re­gie­rungs­zeit – zusammen mit der des Titus – erst am Ende des Ti­tus­ka­pi­tels ge­nannt ist (10,5), oder bei der kumulierten Dauer für Carus und sei­ne Söh­ne (39,12). Im Fall des Caligula wird die Dauer nicht als Ganzes ge­nannt, sondern ergibt sich aus den ersten zehn Monaten, die er gut ge­herrscht hat, und den anschließenden drei Jahren seiner Tyrannei (3,8 f.).

S. 11

Die Herrschaft eines Kaisers wird in der Regel nach den herkömm­li­chen Kategorien domi militiaeque42 betrachtet, also einerseits im Hinblick auf die zum Wohle der Untertanen im Reich erbrachten Leistun­gen, zu de­nen etwa die Errichtung öffentlicher Bauten zählt, und andererseits im Hin­blick auf die Erfolge als Feldherr im Krieg gegen auswärtige Völker und bei der Erweiterung des Reichsgebietes, wobei Victor selbstver­ständ­lich eine imperiale Außenpolitik befürwortet (vgl. 24,9) und gelegentlich die hinzuerworbenen Provinzen benennt.43 Selbst militärische Tatenlo­sig­keit beklagt er mehr als eine desaströse Niederlage, wie sie Decius im Go­ten­krieg (29,4 f.) und Valerian auf dem Perserfeldzug (32,5) wiederfuhr, die er beide für ihr klägliches Versagen aber nicht verdammt.44 Die Ein­hal­tung und Ausarbeitung dieses Schemas ist zwar von den historischen Be­ge­benheiten mitbestimmt, jedoch wird Ausgewogenheit, ganz abgese­hen von Voll­ständigkeit – vielleicht auch aus Gründen der variatio – nirgends an­gestrebt.45

Neben diesen konventionellen Rubriken schenkt Victor dem Aspekt der Bildung und den doctae artes (20,2), denen er seinen eigenen Aufstieg und Karriere im Verwaltungsdienst verdankt, gesonderte Beachtung. Die­ser The­men­komplex durchzieht das ganze Werk von Augustus an, der sich als „ei­fri­ger Förderer der Gelehrten“ betätigte und selber „vom Studium der Rhe­torik“ gefesselt war (1,5), über Hadrian, der in Rom „sogar eine Lehr­stät­te für die freien Künste“ errichtete (14,3) und Septimius Severus, der eine Au­tobiographie „mit ebenso viel Schmuck wie Wahrhaftigkeit“ ver­fass­te (20,22), bis hin zu Constantius II., dessen „lite­ra­rische Bildung“ und „Stil beim Ausschmü­cken seiner Reden“ er lobend her­vor­hebt (42,23). S. 12 Aber auch hierbei wird keine Voll­ständigkeit angestrebt, wie die Biogra­phie des Claudi­us illus­trie­rt, in welcher seine Tä­tigkeit als An­tiquar und His­toriker nicht ein­mal angedeutet wird.46

Frag­los erwartet Victor vom römischen Kaiser, dass er über eine gründ­liche Bil­dung ver­fügt, aber ebenso auch von einem jeden anständigen Mann (bo­nus vir). In einem Rückblick am Ende des Vitelliuskapitels, der zu­gleich als Über­gang zum Vespasianka­pi­tel dient, äußert er sich zur Rol­le der Bildung so: „Alle diese Kai­ser, die ich in knap­pen Zügen behandelt ha­be, be­sonders aber die aus der Fami­lie der Cae­sares waren so sehr mit Bil­dung (litterae) ausge­stattet und in Bered­samkeit (elo­quen­tia) geübt, dass, wä­ren sie mit Aus­nah­me von Augus­tus nicht in allen Lastern maßlos gewe­­sen, ihre bedeu­ten­den (sc. akademischen) Fer­tigkeiten mäßig große Schand­­ta­ten gewiss über­deckt hätten. Obgleich hinreich­end feststeht, dass wich­tiger als diese an­geeignete Bildung der Charakter (mores) ist, ist den­noch für einen jeden gu­ten Mann, besonders aber für den Lenker des Staa­tes, wenn mög­lich, bei­des glei­chermaßen vonnöten.“ (8,7 f.) Victor dürfte sich in seiner An­sicht durch ei­nen jüngst er­gan­ge­nen Kaisererlass be­stä­tigt ge­fühlt haben – wenn nicht sogar davon inspi­riert wor­den sein –, in wel­chem nicht nur die lit­te­ra­tura zur „größten alle Tugen­den“ deklariert, son­dern auch fest­ge­legt wird, dass nie­mand im Ver­wal­tungsdienst einen „er­sten Rang“ beklei­den sol­le, au­ßer er glän­ze „er­wie­sen­er­maßen im Ge­brauch und in der Aus­ü­bung der studia li­be­ra­lia und sei im Schrei­ben so be­wandert, dass er Sät­ze her­vor­bringen kann, ohne ge­gen die Regeln zu ver­stoßen.“47

Bemer­kens­wert ist in jedem Fall, dass die Forderung nach Bildung bei Victor direkt an zweiter Stelle nach einem guten Charakter steht und Bil­dung somit noch vor militärischer virtus rangiert. Victors Erwartung haben die Kaiser bis einschließlich Severus Alexander denn auch erfüllt, stamm­ten sie doch nahezu alle aus senatorischen und entsprechend gebil­de­ten Krei­sen. Keinem von ihnen wirft Victor daher mangelnde Bildung vor; im S. 13 Ge­genteil hebt er Einzelne für ihre Gelehrsamkeit sogar noch heraus.48 De­fi­zite kon­statiert er zum ersten Mal bei dem Soldatenkaiser Maximi­nus Thrax, der „nahezu ohne Bildung“ war (25,1). Entsprechend setzt Victor die sich entfaltende Krise des 3. Jahrhunderts in Korrelation dazu, dass nun­mehr „die Staatsgeschäfte sogar den hinsichtlich ihrer Geburt und Bil­dung Nied­rigsten“ überlassen wurden (24,11). Für Victor ist es völlig in­ak­zep­ta­bel, dass gemeine Männer aus dem Soldatenstand die Kaiserwürde be­klei­den. Allerdings sieht er für diese folgenschwere Entwicklung auch ei­ne Mit­ver­antwortung bei den Senatoren, die „das sogar billigten, da sie es für ge­fähr­lich hielten, sich waffenlos dem Bewaffneten zu wi­der­set­zen.“49 In­be­griff der heillosen Zustände in der verhängnisvollen Zeit des Gal­li­e­nus ist die Usurpation eines gewissen Marius, der als Eisen­schmied nicht ein­mal mi­li­tärisch sonderlich fähig war (33,9). Es illustriert für Vic­tor aber, wie „alles bis zum Letzten heruntergekommen war, dass der­artige Leu­te die Ober­befehlsgewalt und Auszeichnung sämtlicher Tu­gen­den zum Ge­spött machten.“50 Vor diesem Hintergrund erzürnt es Victor um­so mehr, dass Gal­lienus dem Senatorenstand untersagte, eine Militär­kar­riere ein­zu­schla­gen (33,34), wären doch gerade Vertreter dieses Standes die nö­ti­gen Be­fehlshaber gewesen und hätten durch ihre Anwesenheit im La­ger ver­hin­dert, dass ein beliebiger Militär sich leichtfertig zum Impera­tor ausru­fen ließ (37,6) – jedenfalls in der Vorstellung Victors, der die kom­plexen Zu­sammenhänge der Reichskrise des 3. Jahrhunderts zu verken­nen scheint und sogar ein regelrechtes Edikt des Gallienus postuliert (37,4), das es wohl nie gegeben hat. Victor glaubt zudem, dass es eine kurze Ge­le­genheit un­ter Kaiser Tacitus gegeben habe, den Erlass des Gallienus rück­gän­gig zu ma­chen, aber dass diese von den Senatoren nicht er­grif­fen wurde, und sie so „den Sol­daten und beinahe den Barbaren den Weg bahnten, über sie selbst und ihre Nachkommen zu herrschen.“51 Von den Tetrarchen heißt es dementsprechend wenig später aus­drück­lich, dass sie alle aus Illy­ri­cum stammten, das als unzivilisiert und hin­ter­wäld­lerisch galt, und sie „nur we­nig Bildung“ besaßen. Den­noch hält es ihnen Victor er­staun­licher­weise S. 14 zu­gu­te, dass sie „mit den Mühsalen des Land­le­bens und des Militär­diens­tes bes­tens vertraut“ waren, und erachtet die Tetrarchen als geradezu „ide­al für den Staat“.52 Auch wenn sich die Gesamtlage im Reich unter Di­ocletian tat­säch­lich wie­der zum Besseren wendete, spielt bei der positiven Be­wer­tung der Tet­rar­chen viel­leicht die Tat­sa­che mit hinein, dass sich un­ter ihnen Con­stan­tius I. befand, der im­mer­hin der Groß­vater der regierenden Kaiser Con­stantius II. und Juli­an war. Denn seine Abneigung gegen unge­bil­dete Usur­pa­toren, zu­mal aus den Donauprovinzen, hat Victor keines­wegs ab­ge­legt, wie die Charak­te­ri­sierung des Domitius Alexander (39,17) oder des Ve­tranio (41,26) be­zeugt.53 Aber Constantius I., der kein Usur­pa­tor, jedoch der Grün­der der herr­schen­den Dynastie war, wird deshalb nicht völlig glo­ri­fi­ziert. An ihm so­wie Ga­le­rius, die aufgrund ihrer „na­tür­lichen Talente“ be­wun­derns­wert gewesen seien, erläutert Victor sei­ne Vor­stel­lung eines voll­kom­me­nen Kai­sers. Die beiden bewiesen nämlich, wie sehr „Ge­lehr­sam­keit, Kul­tiviertheit und Anstand gerade für Herrscher un­ab­dingbar seien, da oh­ne sie die natürlichen Talente so­zu­sagen un­ge­kämmt oder so­gar strup­pig sind und damit geringgeschätzt werden.“54 Die­ses Man­ko des Groß­vaters konn­te in der Zwischenzeit Con­stantius II. aber behe­ben, be­schei­nigt ihm Victor nicht nur „eine geschmack­volle lite­ra­rische Bildung und einen sanften und angenehmen Stil beim Aus­schmü­cken sei­ner Re­den“ (42,23), son­dern ha­be Constantius sogar den Usur­pator Vetra­nio al­lein „durch die Kraft seiner Re­degabe“ der Herrschaft zu ent­kleiden ver­mocht (42,1).

Über eine ebenso gediegene, eher noch höhere Bildung ver­fügte auch Julian, der in diesem Zusammenhang aber unberücksich­tigt bleibt. Dem­nach verfasste Victor die Historiae abbreviatae offensichtlich al­lein mit dem Augustus Constantius II. vor Augen, in dessen Herrschafts­be­reich er sich damals aufhielt. Dafür, dass es sich bei dem Werk um einen kai­ser­li­chen Auftrag handelt, wie es bei Eutrop und Rufius Festus nach­weis­lich S. 15 der Fall ist, gibt es keinen Hinweis.55 Zu denken gibt aber der Um­stand, dass Victor seine Darstellung bis in die unmittelbar eige­ne Ge­gen­wart her­ab­führt.56 Denn mit dem Ein­beziehen des regierenden Kaisers in die Dar­stel­lung verstößt er ge­gen das un­geschriebene Gesetz der Ge­schichts­schrei­bung, demzufolge die Gegenwart des Verfassers auszusparen sei, um den Vor­wurf der tendenziösen Voreingenommenheit zu vermeiden.57 Wenn also selbst Eutrop sich in seinem Breviarium (10,18,3) an die­sen Grund­satz hält, stellt sich die Frage, wie ernst­haft Vic­tors An­sin­nen ist, regel­rechte Ge­­schichts­schreibung zu betreiben, und wel­ches Ziel er ei­gentlich mit sei­nem Werk verfolgt.

Nach vorherrschender Ansicht fanden historische Breviarien im Schul­be­trieb oder bei der Unterweisung einer unzureichend gebildeten Be­am­ten­schaft Verwendung.58 Ob jedoch Victors Historiae abbreviatae zu diesem Zweck verfasst wurden, scheint eher fraglich, bedenkt man, dass er beim Le­ser ein gewisses historisches Wissen bereits voraussetzt. Dazu zählt die Ver­traut­heit mit den legendären Königen Romulus, Numa, Tarquinius Pris­cus und Tarquinius Superbus als auch republikanischen Gestalten wie L. Iu­nius Bru­tus, den Decii Mures, Mʹ. Curius Dentatus, C. Fabricius Lus­ci­nus, C. Ma­rius und M. Iunius Brutus.59 Selbst der persische König Kyros der Große dient wie selbstverständlich als historisches Exempel, so dass bald der Ein­druck entsteht, Victor wolle nicht so sehr Wissen vermitteln als viel­mehr mit dem eigenen glänzen.60 Hinzu kommt Victors eigen­willi­ger Stil, der ver­gleichsweise ungeeignet für ein Werk erscheint, das primär zur Ver­mitt­lung von Grundwissen gedacht gewesen sei.61 Auch hierbei S. 16 drängt sich der Ein­druck auf, dass es Victor vorrangig darum ging, seine Fä­higkeit zu de­mon­s­trie­ren, im sal­lus­ti­anischen Stil schreiben zu können und diesen –etwa durch den ma­nieris­tischen Gebrauch des Komparativs anstelle des Po­si­tivs62 – ge­wissermaßen perfektioniert zu haben.63 In der Tat darf hierin der we­sent­liche Sinn und Zweck seines Unterfangens zu sehen sein. Hierzu griff er als Vorlage auf die EKG zurück, deren Text er ge­kürzt und kom­po­sitorisch umgeformt, vor allem aber sprachlich und sti­listisch völ­lig um­formuliert hat. Den Stoff der in einem einfachen Stil ver­fassten Kai­ser­bi­o­graphien ver­arbeitete er zu einer leidlich fortlaufenden Dar­stel­lung, die den rhe­to­risch anspruchsvolleren Stil der Geschichts­schrei­bung imi­tiert. Auf­schluss­reich ist in die­sem Zusammenhang eine Be­mer­kung des Ver­fas­sers der His­to­ria Au­gus­ta, der den Bi­ographen ‚Fla­vi­us Vo­pis­cus‘ Fol­gen­des über sein schrift­stellerisches Tun mitteilen lässt: „Nur dies wün­sche ich aus­drücklich fest­ge­stellt zu haben, dass ich den Stoff geliefert ha­be, den, wer will, in hö­he­rem Stil (eloquio cel­siore) glän­zen­der darlegen mag, sowie dass es mei­ne Absicht war, in der Behandlung von Leben und Zeit der Kai­ser nicht Män­ner wie Sallust, Livius, Tacitus, Tro­gus und alle Meis­ter der Kunst­prosa (dissertissimi viri) nachzuahmen, son­dern den Ma­ri­us Maximus, den Sue­tonius Tranquillus … und die übri­gen, die diese und ähn­liche Themen nicht so sehr ausgefeilt (diserte), als viel­mehr wahr­heits­ge­mäß nieder­ge­schrie­ben haben.“64 Auch wenn hier zu Un­recht Schreib­stil und Wahr­heits­gehalt gegeneinander aus­gespielt wer­den, thematisiert die Pas­sage haargenau das me­thodische Vorgehen Vic­tors, der in Nach­ah­mung der dissertissimi viri aus den vi­tae der EKG eine der Form nach hö­her stehende historia zu schaffen beab­sich­tigt hat.65 Hier­durch ver­moch­te er S. 17 sich selbst und seinen Zeitgenossen, vor allem aber Con­stantius II. sein li­te­ra­risches Können unter Beweis zu stellen und sich für eine be­ruf­liche Weiter­be­förderung zu empfehlen.66 In dem kaiserlichen Edikt vom 24. Fe­bru­ar 360 wird nämlich nicht nur festgelegt, dass niemand ohne die ent­sprech­en­de Befähigung einen „ersten Rang“ in der Reichs­bürokratie be­klei­den dürfe (siehe oben S. 12), sondern vielmehr auch in Aus­sicht ge­stellt, dass der­jenige, der „durch seine Studien und Beredsamkeit als eines hö­he­ren Ranges würdig zu sein scheint“, befördert werden soll.67

Ob es dieser Erlass war, der Victor zur Abfassung der Historiae abbre­vi­atae bewegte, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.68 Derartige Rahmen­be­dingungen helfen aber zu verstehen, weshalb Victor entgegen histo­ri­o­gra­phischen Konventionen die Amtszeit des regierenden Kaisers behan­delt hat, bot sich ihm so die Gelegenheit, Constantius II. indirekt zu hofie­ren und so seine Erfolgschancen zu erhöhen.69 Vor diesem Hintergrund wird dann auch besser verständlich, weshalb das Werk inhaltlich nicht immer aus­ge­wogen wirkt und vereinzelt sogar gravierende Fehler aufweist.70 His­to­ri­sche Richtigkeit ist zwar intendiert, aber hat letztlich nicht die höchste Pri­orität, und obwohl Victor zweifellos ein genuines In­teresse an Ge­schich­te besitzt und von sich selbst sogar behauptet, über den Aufstieg der Stadt Rom „vieles gehört und gelesen“ zu haben (11,13), hat er bei der Ma­te­ri­al­sammlung für die Historiae ab­bre­viatae offenkundig kei­nen gro­ßen Auf­wand, ge­schweige tiefschürfende For­schung betrie­ben, son­dern sich weit­ge­hend mit dem Stoff der EKG be­gnügt. Zu Recht wird ihm daher auch das Feh­len ei­nes tieferen Verständnisses und eigenständigen S. 18 Durch­drin­gens his­torischer Kau­salitäten vorgeworfen, so dass ihm das Etikett ei­nes His­torikers quasi ab­gesprochen wurde.71 Gleichzeitig fällt dafür bei ihm ein anderer Interessenschwerpunkt umso mehr auf. Es scheint näm­lich Vic­tor ein drin­gen­des Anliegen zu sein, die Auf­merksam­keit auf die ge­gen­wär­ti­gen Ver­hält­nisse im Reich, insbesondere auf dessen Verwaltung, zu len­ken. An me­hreren Stellen bringt er beste­hende Miss­stände zur Spra­che und be­klagt den unter den Beamten verbreite­ten Machtmissbrauch und ihre hem­mungslose Habgier. So wirft er den Prätorianerpräfekten vor, ihr ho­hes und ein­flussreiches Amt „in eine zahnlose und den Elenden ge­gen­über über­hebliche sowie gerade den Schlechtesten verliehene und un­ter dem Vor­wand der Steuererhebung raffgierige Namenshülse verwan­delt“ zu ha­ben (9,12). Dazu kommt ferner das Anprangern der „Habgier und Un­ver­schämt­heit“ derjenigen, die ihre Zuständigkeit bei der Tri­but­ein­for­de­rung für den cursus publicus miss­brauchen (13,6). Eine besonders gro­ße Ab­scheu empfindet Victor vor den Proviantmeistern im Heer (ac­tu­a­rii), die er als schlicht „nichtsnutzig, korrupt, gerissen, aufrührerisch und hab­gie­rig“ be­zeichnet, und die „quasi von Natur aus dazu geboren“ seien, Be­trü­ge­rei­en auf Kosten der steuerzahlenden Bauern zu begehen (33,13). Über­haupt be­mängelt er die hohe Steuerlast (39,31 f.) und auf die agentes in rebus ist er auch nicht gut zu sprechen (39,44 f.).

Dies alles, das vordergründig an Gesellschaftskritik bei Sallust und Ta­ci­tus zu erinnern scheint, passt nur schwerlich zu einem Kom­pen­dium, das his­torisches Grundwissen bieten und zu Unterweisungszwecken ver­fasst ge­wesen sein soll. Es erhält aber Sinn, wenn es an denjenigen gerich­tet ist, der an der Spitze des römischen Reiches steht. Hierbei ist die Be­schrei­bung der auf allen Ebenen der Reichsverwaltung bestehenden Miss­stän­de kei­nes­wegs als Kritik am Kaiser formuliert. Sie ist vielmehr als eine Art Me­mo­randum zu verstehen, das auf bestehende Defizite und Schwach­stel­len auf­merksam machen möchte. Die Wurzel aller Probleme liegt nach An­sicht Victors nämlich darin begründet, dass „die meisten Männer mehr fürs Ei­gen­in­te­res­se als für den Staat, und mehr aus Streben nach Macht als S. 19 nach Ruhm“ handeln (33,23). Victors Patentrezept zur Be­sei­­ti­gung der ge­nann­ten Missstände lautet deshalb, die Beamtenstellen mit anstän­di­gen Män­nern zu be­set­zten. Denn er ist davon überzeugt, dass „nichts im Staat so gut oder schlecht ist, dass es nicht durch die Wesensart der Lei­ten­den ins Gegenteil verkehrt werden könn­te.“72 Als Beispiel nennt er den Prä­to­ri­a­nerpräfekten Anatolius, durch den „in den jüngst­ ver­gan­ge­nen Jah­ren die Res­sourcen in Illyricum wieder her­gestellt wurden“ (13,6). Und bei allem ge­schuldeten Respekt gegenüber dem Va­ter des Constantius II., ist es be­zeich­nenderweise genau der Umstand, dass Konstantin den Zu­gang zu öf­fent­lichen Ämtern solchen Männern ge­stat­tete, die „zu wenig würdig da­für“ waren, der es am Ende verhinderte, dass Konstantins Herr­schaft einer gött­li­chen Ordnung gleichkam (vgl. 41,20). Als „wür­dig“ gilt in Victors Au­gen nur derjenige, der – wie bereits in Ka­pitel 8,8 dargelegt – er­stens ei­nen guten Cha­rakter (probi mores) aufweist und zweitens gebildet ist (lit­teris cul­tus), mit anderen Worten: nur ein bo­nus vir.

Mit seinen Überlegungen zur Verbesserung der Reichsverwaltung, die kaum als ‚Reformvorschlag‘, geschweige als ‚Fürstenspiegel‘ bezeichnet wer­den können, richtet Victor dennoch einen Appell an Constantius II., von dem er paränetisch sagt, er wisse sehr wohl, „dass die Ruhe im Staat durch den Le­benswandel der guten Kaiser bestimmt wird“ (42,23). Diese Be­haup­tung Victors steht wie eine Mise en abyme am Ende des Tex­tes, der selbst die vitae bonorum principum enthält, einschließlich der kom­ple­men­tären vi­tae malorum principum. Denn ganz abgesehen davon, dass Letz­tere auch einen Teil der Geschichte ausmachen, wird erst aus dem Ge­samt­bild wirk­lich ersicht­lich, dass „un­günstige Situa­tio­nen durch die Stär­ken der Kai­ser leicht be­hoben, und sind sie noch so stabil, durch deren Schwächen ins Verderben gestürzt werden“ können.73

Vor allem aber bezweckt Victor, der sich seine studia tanta zugutehält, mithilfe der vorgelegten Historiae abbreviatae sein Bildungsniveau unter Beweis zu stellen. Viel­leicht kann man sogar weitergehen und in dem Werk den Versuch Victors sehen, auch seine charakterliche Eignung er­weisen zu wollen, zählt er sich selbst doch zu den boni viri (20,5). Indem er gerade die zahl­reichen Auswüchse in der Reichsverwaltung beim S. 20 Na­men nennt und einen Vorschlag zu ihrer Behebung vorbringt, em­pfiehlt er sich als jemand, der neben der erforderlichen Bildung auch pro­bi mores mitbringt und so die Voraussetzungen für eine Be­för­derung er­füllt.74

Was aus diesem Versuch der Eigenwerbung gegenüber Con­stantius II. geworden ist, lässt sich nicht sagen. Wie es scheint, ist die er­hal­tene Text­fassung der Historiae abbreviatae am Schluss um einige Zeilen er­wei­tert, die sich in ih­rem Tonfall von der davorliegenden Beschreibung des Con­stantius leicht unterscheiden, aber auch fast ein bisschen resig­niert wir­­ken (42,24 f.). Überdies weist der Text ein Indiz auf, das eine letzte Pha­se der Be­arbeitung im Frühjahr 361 n. Chr. zu belegen scheint.75 Aus die­sem chro­no­logischen An­haltspunkt sowie dem überaus Constantius-freund­li­chen Te­nor des Werkes schließt Nixon, dass es alsbald danach, aber noch vor der An­kunft Julians im Frühsommer in Sirmium veröf­fent­licht wur­de; die letzten Zeilen „must have been scrawled as Julian stepped ashore at Bono­nia.“76 Indes ist un­klar, wie man sich die ‚Publikation‘ ei­gent­lich vor­zu­stellen hat. Denk­bar ist etwa, dass Victor zunächst nur eine Ab­schrift des Wer­kes anfertigen ließ, die er zusammen mit einer Widmungsepistel (Praefatio) gegen En­de des Jahres 360 an Constantius geschickt hat, der den Winter 360/61 in Antiocheia zubrachte. Während Victor auf eine po­si­tive Resonanz vom Kai­serhof wartete, könnte er auch Julian bei des­sen un­er­warteten Auf­enthalt in Pannonien eine kurzfristig (um das Er­eig­nis vom Früh­jahr 361 erweiterte) umgewidmete Abschrift überreicht haben, an die die Schlusszeilen angefügt worden waren. Das Werk hätte dann viel­leicht doch zur Beförderung Victors beigetragen, wenn auch durch je­mand an­ders, als von Victor ursprünglich erhofft.77 Die Ernennung zum con­su­laris, die er nicht zum geringsten Teil den Historiae abbreviatae zu ver­dan­ken hat­te, oder glaub­te, zu verdanken zu haben, mag ihn über­haupt erst zur öf­fent­lichen Verbreitung des Werkes bewegt haben.

S. 21

II. Zur Überlieferung des Werkes

1. Die Historiae abbreviatae und das Corpus Aurelianum

Es ist nicht mehr möglich, die verschiedenen Etappen der über tau­send­jährigen Überlieferungsgeschichte der Historiae abbreviatae78 vom Ori­gi­nal bis zu den beiden aus dem 15. Jh. stammenden Handschriften O und P, die das Werk tradieren, exakt zu rekonstruieren. Da wir keine äl­teren und bes­seren Zeugen der direkten Überlieferung haben, kann die in­di­rekte Tra­di­tion, die von Werken gebildet wird, welche Aurelius Vic­tors Werk als Vor­lage benutzt haben, für die Rekonstruktion des Textes hilf­reich sein. Indessen ist das Verhältnis zwischen den Historiae abbreviatae einerseits und anderseits der Historia Augusta und besonders der Epitome de Cae­sa­ribus, ungeklärt. Die Historiae abbreviatae werden in den beiden Hand­schriften zusammen mit der Origo gentis Romanae und dem Liber de viris illustribus urbis Romae überliefert. Da der Titel der Historiae ab­br­eviatae, der Aurelius Victor als Verfasser der Kaisergeschichte be­zeichnet, am An­fang des gesamten Corpus Aurelianum steht, wurden auch die bei­den an­de­ren Werke Aurelius Victor zugeschrieben. Indessen sind die­se bei­den Schrif­ten, deren Verfasser wir nicht kennen, wohl schon Ende des 4. Jh. von einem späteren Überarbeiter hinzugefügt worden, der of­fen­sichtlich dem Leser zusätzlich zur Kaisergeschichte auch einen Über­blick über die mythische Zeit bis zur Gründung Roms und über die re­pub­likanische Epoche geben wollte.79 Einige Jahrhunderte später hat ein wei­terer Be­ar­bei­ter das De viris illustribus mit der Historia miscella des Lan­dol­fus Sagax (11. Jh.) interpoliert und als Einheit mit der Origo als prima pars von der Kaisergeschichte Victors getrennt; ebenso hat wohl dieser Be­arbeiter dem Gesamtwerk den Titel der Historiae abbreviatae vor­angestellt. Von dieser S. 22 Version stammt der Archetyp von O und P ab.80 Aufgrund der Tatsache, dass im Titel nur die Historiae abbreviatae Au­re­lius Victor zugeschrieben werden und die Origo und das De viris illus­tribus bezüglich des Stils sowohl voneinander als auch besonders von den Historiae abbreviatae völlig abweichen, ist gemäß der Communis opi­nio Aurelius Victor nicht der Verfasser jener beiden Werke.81

Der Titel Historiae abbreviatae, der am Anfang des Gesamtwerks steht und in den Handschriften vom Beginn der Origo gentis Romanae durch eine leere Zeile getrennt ist, erinnert einerseits an den Titel Ἱϲτορίαι von He­rodots Geschichtswerk (sowie von Werken Sallusts und Tacitus’), der in der Spätantike selten war (häufiger sind etwa res gestae)82, und weist im Zusatz abbreviatae auf die Breviarien83 hin. Den Zusatz ab Augusto Oc­ta­viano84 usque ad consulatum decimum Constantii Augusti et Iuliani Cae­sa­ris tertium mit der Angabe von Anfangs- und Endpunkt findet man eben­falls in anderen Geschichtswerken wie in Livius’ Ab urbe condita oder in der Origo gentis Romanorum, ex quo primum in Italia regnare coe­perunt (KFHist G 5).85 Daher stammt wohl auch dieser Satz von Victor und nicht einem späteren Bearbeiter des Werks. Da die Angabe des End­punkts S. 23 ad consulatum decimum Constantii Augusti et Iuliani Caesaris ter­ti­um nicht aus dem Text Victors abgeschrieben werden konnte, stammt die­se sehr wahrscheinlich von Victor selbst, der den Endpunkt seines Werks pro­blemlos zu datieren wusste, während ein spätantiker bzw. mit­tel­al­ter­li­cher Bearbeiter schwerlich diese zusätzlichen Informationen besaß. Hin­ge­gen sind der nur von P überlieferte Zusatz incipiunt foeliciter und das am Ende des De viris illustribus stehende Explicit explicit prima pars huius ope­ris in O bzw. finit prima pars huius operis incipit secunda aurelii victoris in P offensichtlich nicht Victors Worte, sondern ein Zusatz dessen, der das Corpus Aurelianum geschaffen hat.

Das Werk selbst ist als Kontinuum ohne Einteilung in Kapitel gestaltet. In den beiden Codices wird der Beginn der Herrschaft eines neuen Kaisers oft dadurch markiert, dass eine neue leicht eingerückte Zeile begonnen und das erste Wort in Großbuchstaben geschrieben wird; die beiden Ma­nu­skrip­te weisen 23 bzw. 26 Einschnitte auf (etwa in c. 2. 3. 4. 5. 6. 10. 11. 12. 13 etc.), in P steht manchmal als Titel in Majuskeln der Name des neu­en Kaisers am Anfang eines neuen Abschnittes (so vor c. 5. 6. 11. 12. 13. 14. 24. 28. 29). Es ist möglich, dass diese Einschnitte schon in Victors Ori­gi­nal vorhanden waren. Die Einteilung in 43 Kapitel,86 die Schott in sei­ner Edi­tio princeps von 1579 vorgenommen hat, ist von den späteren Edi­toren in 42 Kapitel geändert worden. Diese Einteilung scheint zwar be­son­ders hin­sichtlich der Usurpatoren und der Kapitel 39–42, in denen meh­rere Kai­ser gleichzeitig an mehreren Orten herrschten, unglücklich zu sein, ist aber in der Forschung weiterhin gebräuchlich, weshalb sie auch für die vor­lie­gen­de Edition übernommen worden ist.87

2. Die Handschriften

P = cod. Bruxellensis / Pulmanni 9755–9763

Der Codex Bruxellensis oder Codex Pulmanni (P) in der Brüsseler Bib­li­o­thèque Royale (Nr. 9755–9763) stammt vom Anfang des 15. Jh., ist aus Pa­pier und wurde im Rheinland von einem Humanisten verfasst. P ge­hörte zunächst dem Lütticher Gelehrten Johannes de Loemel, dann The­o­dor S. 24 Poel­man, der den Codex Andreas Schott, der ihn für seine Editio prin­ceps aus dem Jahr 1579 verwendete, zur Verfügung stellte. Nach Poelmans Tod gehörte der Codex den Jesuiten in Antwerpen und kam dann in die Bibliothèque Royale in Brüssel, wo Theodor Mommsen ihn 1850 wie­der­ent­deckte. Der Codex enthält Ciceros De officiis, das Corpus Aurelianum (fol. 52r–81, die Historiae 68v–81r) und Reden aus Hegesipp, Sallust, Li­vius und Cicero. Seine Seiten haben jeweils 40 bzw. 41 Zeilen. Am Rand sind einige Korrekturen und Anmerkungen von einer zweiten bzw. man­chmal sogar einer dritten Hand angebracht worden (solche Kor­rekturen sind etwa c. 2,1 abnuebat, c. 9,8 transgressu, c. 40,3 urgebant). Die Hand­schrift kommt fast ohne Verwendung von Abkürzungen aus. Ei­nige Lü­cken in P können durch O gefüllt werden. Da der Schreiber ein semi­doctus war, hat der Codex weniger Fehler als O, aber wohl auch man­che falsche Kor­rekturen des Originals.88

O = Der cod. Oxoniensis Canonici Lat. 131, 15. Jh., in der Bodleian Library, ist aus Papier und ist aus zwei Teilen zusammengesetzt. Der erste Teil enthält Bessarions lateinische Übersetzung von Xenophons Memo­rabilien und wurde 1453 Kardinal Colonna gewidmet. Der zweite Teil ist von einer anderen Hand verfasst und enthält das Corpus Aurelianum (fol. 85r­–155r); dieser wurde wohl gegen Ende des 14. oder zu Beginn des 15. Jh. geschrieben. Der Codex stammt aus Italien. Seine Seiten enthalten je­weils 28 Zeilen. Er ist in einer groben Humanistenschrift mit gotischen Ele­menten verfasst und enthält viele Abkürzungen. Randbemerkungen von ei­ner weiteren Hand füllen einige Lücken im Text; im Gegensatz zu P kom­men aber weniger Randglossen (von zweiter Hand) vor. Da der Schrei­ber ungebildet war, enthält der Text zwar viele Schreibfehler (oft wer­den die Buchstaben a und o sowie c und t verwechselt), aber wohl auch ei­nige ursprüngliche Lesarten.89 Viele Konjekturen und Korrekturen, die Schott und die Gelehrten vor der Entdeckung von O auf der Grundlage von S. 25 P gemacht hatten, wurden von O bestätigt.90 Den neuzeitlichen He­raus­gebern Victors unbekannt, wurde er Ende des 19. Jh. von Hirsch Hil­des­hei­mer in Oxford entdeckt. Als erster hat Mommsen den Codex kol­la­tioniert und mit P und Schotts Edition verglichen.91 Franz Pichlmayr hat O für seine Ausgabe von 1892 ebenfalls kollationiert und berück­sich­tigt.

Beide Codices haben den gleichen Titel, bieten die drei Werke des Corpus Aurelianum in derselben Reihenfolge und weisen viele Binde-,92 aber auch Trennfehler93 auf. Es sind wohl voneinander unabhängige Zeugen derselben Familie und gehen auf einen gemeinsamen Archetypus zurück.94

Daneben hat Schott wohl noch den Codex Metelli (M), den er als an­ti­quissimus bezeichnet und der dem französischen Gelehrten Jean Matal in Köln gehörte, indirekt verwenden können, da ein Freund ihm einige Les­arten dieses Codex brieflich mitgeteilt hat. M enthielt ebenfalls wie OP das Corpus Aurelianum. Da die Handschrift, die wohl frühestens aus dem 13. Jh. stammt,95 heute verschollen ist, kann man aber nicht mehr bestimmen, ob sie der gemeinsame Archetyp von O und Ρ ist.96 Während Schott die S. 26 Lesarten von M vor allem für die Origo verwenden konnte, hat er in der Folgezeit aufgrund des Zerwürfnisses mit dem Besitzer Matal wegen des­sen Weigerung, diesem P zur Verfügung zu stellen, keine Informationen mehr über die Lesarten von M bezüglich der Historiae abbreviatae be­kommen; dafür spricht auch die Tatsache, dass Schott in seinem Kom­men­tar zur Kaisergeschichte den Codex nie explizit nennt.97 Aus diesem Grund fällt M als weiterer Zeuge wenigstens für die Historiae abbreviatae weg.

3. Die indirekten Zeugen

Da der Text an vielen Stellen wegen der schlechten Qualität der Hand­schriften unsicher ist, kann ein Vergleich mit anderen Quellen bei seiner Re­konstruktion helfen. Dazu gehören einerseits die von Victor ver­wen­de­ten Quellen wie Sueton und – in geringerem Maße – Tacitus,98 an­dererseits ebenso die von der EKG (und wohl auch von Victor) ab­hängigen Werke des Eutrop und des Rufius Festus sowie in nicht unbe­deutendem Maße die Historia Augusta und vor allem die von einem ano­nymen Ge­schichts­schreiber wohl eine Generation nach Victor verfasste S. 27 Epi­tome de Caesa­ri­bus, die in den ersten 11 Kapiteln oft wörtlich mit dem Text Vic­tors über­ein­stimmt. Besonders die von Victor abhängigen Werke ver­fügten wahr­schein­lich über eine bessere Version von Victors Text als wir heute.99

Über das Abhängigkeitsverhältnis der Epitome von Victors Historiae gehen die Meinungen auseinander. Entweder war Victor eine Quelle und Vor­lage der Epitome, oder beide Werke haben dieselbe gemeinsame Quel­le benutzt und exzerpiert.100 Besonders interessant sind die wörtlichen Über­nahmen typisch sallustischer Wendungen aus Victor in der Epitome, die nur in den ersten 11 Kapiteln vorhanden sind, so etwa c. 5,5 = Epit. 5,5 eo progressus est, uti neque suae neque aliorum pudicitiae parcens (vgl. Sall. Cat. 52,32).101 Dies lässt die Vermutung zu, dass hier Victor und nicht eine an­dere Quelle die Vorlage der Epitome war. Am wahrscheinlichsten ist also, dass der Epitomator neben anderen Quellen wie der EKG auch ein Ex­emplar von Victors Historiae, das in einem besseren Zustand als unsere Co­dices war, verwendet hat, da die wörtlichen Übereinstimmungen über weite Strecken erstaunlich sind.102

S. 28

4. Die neuzeitlichen Drucke und modernen Editionen

Die editio princeps des Corpus Aurelianum hat Andreas Schott 1579 auf der Grundlage der Handschrift P, wie er in der Einleitung anmerkt, in Antwerpen bei Christoph Plantinus herausgegeben und mit einem kurzen Kommentar versehen, in dem er auch textkritische Probleme behandelt und einige seiner Konjekturen erklärt. Dabei hat er sich auch auf die Vor­schläge der Gelehrten Olivarius, Puteanus und Nicolaus Faber stützen kön­nen. Schotts Edition blieb die Grundlage für alle späteren Herausgeber, die seinen Text abdruckten, aber meistens in kommentierenden Anmer­kun­gen Korrekturen und Konjekturen vorgeschlagen haben, die aber nicht auf der Kollation von P oder der Kenntnis anderer Textzeugen beruhten. Die wich­tigsten Editionen mit Kommentar haben Sylburg 1588, Gruter 1611, Da­ci­er 1681 und Pitiscus 1696 vorgelegt.103 Alle diese Werke hat Johannes Arnt­zen 1733 in den Anmerkungen zu seiner Edition exzerpiert und dazu eben­falls eigene Emendationen vorgeschlagen und einen umfassenden In­dex an­gefertigt. Eine weitere Edition hat Gruner 1757 mitsamt einer Über­set­zung ins Deutsche vorgelegt. Harlesius hat 1829 in seiner Edition dasselbe Material wie Arntzen präsentiert, wobei er aber die Anmerkungen in einem gesonderten Band vereinigt hat.

Die erste wissenschaftliche Edition hat Pichlmayr 1892 und in Über­ar­bei­tung 1911 publiziert. In einem Anhang hat R. Gruendel 1966 zu dieser Edi­tion Vorschläge und Emendationen von Gelehrten, die Pichl­mayr nicht be­rücksichtigt hat bzw. die nach dem Erscheinen seiner Edition ge­macht wor­den sind, angefügt. Das große Verdienst Pichlmayrs ist die er­neu­te Kol­lation von P und das Heranziehen des zweiten Codex O. In­des­sen hat Cor­bett in der Edition von Pichlmayr 158 Fehler beim Lesen von O und 117 beim Lesen von P entdeckt. Zwar handelt es sich oft nur um or­tho­gra­phi­sche Varianten, manchmal aber auch um Druckfehler oder um die un­kri­tische Übernahme von Korrekturen aus Schotts Editio prin­ceps, ohne dies im Apparat anzugeben.104 Deshalb bietet Pichlmayrs Edition nicht S. 29 wirk­lich eine zuverlässige Grundlage für die Beschäftigung mit Vic­tors Histo­riae.

Dufraigne hat in seiner 1975 erschienenen Edition ebenso beide Codi­ces neu kollationiert, auf französisch übersetzt und in den Anmerkungen mit vielen Angaben zum Inhalt und manchmal zum Text, die fast einem Kom­mentar gleichkommen, versehen. Dufraigne ist konservativer als Pichl­mayr und berücksichtigt kaum die deutschsprachige Textkritik des 19. und 20. Jh. Dazu kommen in der Edition viele Verschreibungen vor.105

Festy hat in seiner unveröffentlichten Dissertation von 1991, ausgehend von der Edition Dufraignes, den Text der Historiae auf der Grundlage ei­ner neuen Kollationierung der Handschriften herausgegeben und über­setzt. Mit Profit hat er auch die Studien von Salvatore D’Elia einbezogen, der trotz umfangreicher Vorarbeiten selbst das Vorhaben, die Historiae her­aus­zugeben, aufgegeben und Festy auch unveröffentlichtes Material zur Verfügung gestellt hat.

Bird, der keine neue Kollation der Handschriften vorgenommen hat, folgt mit ganz wenigen Ausnahmen in seiner Edition von 1994 dem Text von Pichlmayr, berücksichtigt aber auch – vor allem für seine Übersetzung – Dufraignes Edition, kennt aber Festys Arbeit nicht. Sein ausführlicher Kommentar ist vor allem historisch und berücksichtigt dementsprechend vornehmlich historische Studien wie die umfangreiche Dissertation von Ni­xon, A Historiographical Study von 1979.

Fuhrmann hat für seine Edition und Übersetzung, die in dritter, ver­bes­ser­ter Auflage 2009 erschienen ist, weitgehend Pichlmayrs Text mit weni­gen Modifikationen (es handelt sich vorwiegend um Konjekturen älterer Ge­lehrter) übernommen.

S. 30

5. Grundsätze zur Textkonstitution

Die vorliegende Edition folgt in vielerlei Hinsicht Festy, der besonders die wertvollen Vorarbeiten von D’Elia berücksichtigt hat, ohne auf einige grund­legende Errungenschaften der Ausgaben von Pichlmayr und von Du­fraigne zu verzichten. Dazu wurden die Handschriften neu kollationiert, be­son­ders um Unstimmigkeiten zwischen den bisherigen Herausgebern aus­zu­räumen. Darüber hinaus sind neuere Beiträge zur Textkritik ein­be­zogen worden.106 Die von Schott durchgeführte und von allen nachfolgenden Editoren übernommene Einteilung des Textes in Kapitel und Paragraphen wurde weitgehend belassen, da diese in der Sekundärliteratur geläufig ist. Da diese Gliederung des Textes aber oft problematisch ist, da sie zusam­men­gehörige Sinneinheiten trennt (so wird in c. 5,6 f. ein Satz in zwei Para­graphen getrennt), wurde in den Fällen, in denen es möglich war, die Ein­teilung von Schott leicht geändert:

Bisherige Editionen KFHist
15,4 f. (4) denique annos, quibus pub­lica egit, viginti idem man­sit cele­brato magnifice ur­bis non­gentesi­mo, (5) nisi forte tri­um­phorum ex­per­tem socor­di­ae vide­tur. quod lon­ge secus est, (4) denique annos, quibus pub­lica egit, viginti idem mansit cele­brato magnifice urbis non­gente­si­mo, nisi forte trium­phorum exper­tem socordiae vi­de­tur. (5) quod lon­ge secus est,
19,3 f. (3) hincque satis com­pertum cohibendae cupidini, ingenium ni iuvet, eruditionem imbe­cil­lem es­se, (4) cum praeceptor et asper qui­dem rectius vivendi in faci­nus pro­ces­serit, quod novo supplicio plec­ten­dum ediderat. neque cupito tamen po­titus diu. (3) hincque satis com­pertum cohibendae cupidini, ingenium ni iuvet, eruditionem imbe­cillem esse, cum praeceptor et asper quidem rec­tius vivendi in faci­nus pro­ces­serit, quod novo supplicio plec­ten­dum edi­derat. (4) neque cupito ta­men potitus diu.
20,1 f. (1) igitur Septimius Per­ti­nacis ne­ce, simul flagi­tiorum odio, do­lo­re atque ira com­mo­tior co­hor­tes praetorias sta­tim militia ex­emit cunctis­que par­ti­um caesis Hel­vium se­natus con­sulto inter di­vos re­fert. Sal­vii nomen atque ei­us scripta fac­tave aboleri iubet. quod unum effici nequivit: (2) tan­tum gratia doctarum artium va­let … (1) igitur Septimius Pertinacis ne­ce, simul flagitiorum odio, do­lore a­tque ira commotior co­hortes prae­to­rias statim militia ex­emit cunc­tisque partium caesis Helvium sena­tus con­sulto inter divos refert. Salvii no­men at­que eius scripta factave ab­oleri iu­bet. (2) quod unum effici ne­quivit: tan­tum gratia doctarum ar­tium va­let …
39,44 f. (44) neque minore studio pacis officia vincta legibus ae­quissi­mis ac remoto pestilenti fru­men­ta­ri­o­rum genere, quo­rum nunc agen­tes re­rum si­millimi sunt. (45) qui cum ad ex­plo­ran­dum an­nun­tian­dum­que, ecqui forte in provinciis mo­tus ex­sis­terent, instituti vi­de­ren­tur, com­po­si­tis nefarie crimina­ti­o­ni­bus, iniecto passim metu, prae­ci­pue re­mo­tissimo cui­que, cunc­ta foe­de diri­pie­bant. simul an­nona urbis … (44) neque minore studio pacis officia vincta legibus aequissi­mis ac remoto pestilenti frumenta­rio­rum ge­nere, quorum nunc agentes re­rum si­mil­limi sunt. qui cum ad ex­plorandum an­nuntian­dumque, ec­qui for­te in pro­vinciis motus ex­sis­terent, in­sti­tuti vi­derentur, com­po­si­tis ne­farie cri­minationibus, in­iec­to pas­sim metu, praecipue re­mo-tis­si­mo cui­que, cun­cta foede diri­pie­bant. (45) simul annona urbis …
S. 31

6. Bemerkungen zur Orthographie

In beiden Codices kommen zahlreiche orthographische Varianten und Fehler vor, ohne dass dabei eine besondere Absicht erkennbar ist.107 Diese werden in der vorliegenden Ausgabe in der Regel stillschweigend der in den modernen lateinischen Editionen üblichen Schreibweise angepasst und daher nicht im kritischen Apparat vermerkt, sondern in der folgenden Liste angeführt. Dabei handelt es sich wohl durchgehend um Varianten, die das Resultat des Sprachgebrauchs und der Schreibpraxis der mittelalterlichen Kopisten sind und nicht auf Victor selbst zurückgehen. Zu Recht hat schon Pichlmayr einige der im Folgenden exemplarisch aufgeführten S. 32 ortho­gra­phischen Varianten und Fehler (vor allem bei Namen) der in den mo­dernen Ausgaben gebräuchlichen Schreibweise angepasst.108

ae statt e findet man in beiden Codices in Rhetis statt Raetis (c. 1,2), in P praecipuae statt praecipue (c. 4,1) und inconsultae statt inconsulte (c. 38,3); dagegen e statt ae in Getulorum statt Gaetulorum (c. 2,3), cherea in O bzw. cerea in P statt Chaerea (c. 3,14), pelicum statt paelicum (c. 4,11), in P summe statt summae (c. 8,8 und 26,1), Vologesus statt Vologaesus (c. 9,10), seva statt saeva (c. 17,1), ceromonias statt caerimonias (c. 14,2), elius bzw. (h)elio statt Aelius bzw. Aelio (c. 14,1. 5. 10), terremotu statt terrae motu (c. 16,12), vielleicht im Namen Calocerus statt Calocaerus (c. 41,11). Ebenso steht einmal e statt oe, so fenix in O statt Phoenix (c. 4,14) und in O i statt e in quingentisimo statt quingentesimo (c. 4,14). Dagegen findet man die Vertauschung von c und t in P in Attitiani und Attitianus statt Atticiani und Atticianus (c. 33,12 f.), in O parci statt parti (c. 39,31), ocium statt otium (c. 42,1), in P patritium statt patricium (c. 42,11).

Die Vertauschung von i und y findet man in O etwa in ytalia statt Italia (c. 8,5) und ytalica statt Italica (c. 13,1).

In griechischen Fremdwörtern wird oft f statt ph geschrieben, so in O bei fenix bzw. foenix in P statt Phoenix (c. 4,14), umgekehrt nepharie statt nefarie (c. 39,45) und in P Aphrica bzw. Aphricam statt Africa bzw. Afri­cam (c. 33,3 und 39,30).

Ebenso ist das h manchmal parasitär wie in rhetis statt Raetis (c. 1,2), Chremonam statt Cremonam (c. 8,5), in P hetruscorum statt Etruscorum (c. 28,8) und hetruria statt Etruria (c. 32,4), tharsum statt Tarsum (c. 37,1), helianum statt Aelianum (c. 39,17), tharsum statt Tarsum (c. 40,29). Oft steht h an der falschen Stelle wie in Trachia und trachiae (bzw. trathia und trathiae in P) statt Thracia und Thraciae (c. 27,3 bzw. 29,2 und 40,8), Trachiam (bzw. traciam in O) statt Thraciam (c. 33,3), trachas statt Thra­cas (c. 41,8), in P thraconites statt Trachonites (c. 28,1): anthiociam in O statt Antiochiam (c. 13,11), anthonius in O statt Antonius (c. 26,1).

Die Nasallaute n und m werden in P in tentaverat statt temptaverat (c. 3,13), inprimis statt imprimis (c. 11,4 und 16,12), in P in nanque statt nam­que (c. 13,1) und in tentans statt temptans (c. 29,2) vertauscht.

S. 33

Bisweilen fällt vor einem Sibiliant der Nasallaut weg, etwa in O istans statt instans (c. 32,1), tramittere statt transmittere (c. 20,9) und tras­fer­re­tur statt transferretur (c. 33,34).

Ebenso werden manchmal c und g vertauscht in Galigula in O statt Ca­li­gula (c. 3,1) und in beiden Handschriften Caragalla statt Caracalla (c. 21,1), in O cothorum statt Gothorum (c. 41,13).

Manchmal fehlt die Geminatio der Konsonanten, so etwa in Capadocas statt Cappadocas (c. 2,3) oder Cotias und Cotio statt Cottias und Cottio (c. 5,2); bisweilen kommt in P eine zu­sätz­liche Ge­minatio vor, so in tolle­ra­bilis statt tolerabilis (c. 39,32) und Re­gal­lia­num statt Regalianum (c. 33,2).

Wie aus den hier angeführten Beispielen hervorgeht, divergieren bei den Personen- und Ländernamen die Schreibweisen innerhalb und zwi­schen den beiden Handschriften.109 In dieser Edition wurden sie, wo mög­lich, vereinheitlicht und ebenso der in den modernen lateinischen Aus­ga­ben üblichen Schreibweise angepasst. So hat O immer Formen von Ves­pe­si­anus statt Vespasianus (c. 8,1 etc.) oder Andrianus statt Hadrianus (c. 14,1). Dasselbe gilt für Alemanni, -orum anstelle von Alamanni, -orum110 (et­wa c. 33,3) und in P Terraconensium statt Tarraconensium (c. 33,4).

Schließlich haben beide Codices die auch in anderen Handschriften be­leg­te Form sextertium (als ob das Wort aus sex und tertius und nicht aus se­mis und tertius entstanden sei) statt sestertium (c. 8,5).

Weitere Besonderheiten von O sind der regelmäßige Gebrauch von se­cor­dia statt socordia (c. 15,5. 33,17. 34), die Assimilierung in attuariorum statt actuariorum (c. 33,13) und iccircoque statt idcircoque (c. 4,13. 11,4. 14,10. 20,33. 41,26), die Doppelung des -i in Formen des Demon­stra­tivums wie hijs statt his (c. 3,13. 5,17. 39,2) und hij statt hi (c. 8,6) sowie an­sie statt anxie (c. 14,6), die auf die italienische Herkunft des Kopisten hin­weisen. Ebenso kommen auch orthographische Fehler beim Abschrei­ben vor, so z. B. in c. 3,17 comptentui statt contemptui.

S. 34

7. Sprache und Stil

Im Gegensatz zu Eutrops Werk und zur Epitome ist Victors Sprache viel komplexer und origineller, da er bei der Kompilation seines Werks nicht nur seine Quellen abgekürzt, sondern mit rhetorisch ausgearbeiteten, moralischen Urteilen angereichert hat.

Als erste haben Wölfflin und Opitz in zwei Aufsätzen ausführlich ei­nige sprachliche und stilistische Charakteristika Victors, durch die sich das Werk besonders von der Epitome unterscheidet, aufgezählt.111 Dazu gehört allen voran das „Sallustianische“, das Victor – obgleich mehr Bio­graph als Historiker – wie andere spätere Historiker als Nachahmer Sal­lusts (und Ta­ci­tus’) ausweist. Ausführlich haben sich, von diesen Be­ob­achtungen aus­gehend, La Penna und Bird mit diesem Phänomen befasst und die Liste von Ausdrücken und Junkturen, die bei Sallust Ent­sprechung fin­den, er­weitert.112 Schließlich hat sich Festy auf der Grundlage all dieser Vor­ar­bei­ten mit Victors Nachahmung der Sprache Sallusts befasst und daneben auch stilistische Übernahmen Victors aus den Werken des Tacitus doku­mentiert.113

In Bezug auf den Wortschatz kommen häufig Wörter wie queo und ne­queo anstelle von possum, mortales in der Bedeutung von homines, me­mo­rare neben dicere, quis neben quibus und fore bzw. foret neben esse und esset vor. Frequentativa auf -are sind etwa adventare, affectare, af­flic­tare, agitare, consultare, contrectare, despectare, dictitare, exercitare, gras­sari, imperitare, occultare, prolatare, propulsare, reductare, retrac­tare, sus­tentare, ventitare vor. Auch Ausdrücke wie ea / hac tempestate bzw. S. 35 his tempestatibus, frustra fore, immane quantum, occipere statt inci­pere, die 3. Pl. Perfekt auf -ere (außer c. 11,9 coeperunt und c. 25,2 appro­baverunt), Simplicia statt Komposita (firmare statt affirmare, aestimare statt exis­timare, premere statt comprimere/opprimere, ferre statt efferre etc.), die häufige Verwendung des finalen Dativs (etwa c. 2,2 flagitiis ob­tentui und Sall. Hist. 1,55,24 vitiis obtentui)114 sowie des historischen In­fi­nitivs (etwa c. 6,1 rapere trahere vexare ac foedum in modum vastare cun­cta et pol­luere) erinnern an Sallust und an Tacitus. Allgemein zeigt der Vergleich mit dem Vokabular Sallusts, dass Victor einige häufig ver­wen­dete Schlüs­selbegriffe wie libido, metus oder cupido übernommen hat.115 Da­gegen war Tacitus nicht nur in Bezug auf das Vokabular und den Stil ein Vorbild für Victor, sondern (neben Sueton) auch eine Quelle für die er­sten Kapitel.116 In Bezug auf die Verwendung seiner Quellen (vornehmlich der EKG, Sallusts und Tacitus’) besteht die Eigenheit Victors darin, wie Festy mit Recht be­merkt hat, dass er „les réécrit et les amalgame au point qu’il est la plupart du temps bien difficile au critique moderne d’effectuer le che­mi­nement in­verse pour retrouver ces sources.“117

Abgesehen von diesen Arbeiten ist die Sprache Victors jedoch kaum sys­tematisch untersucht worden; lediglich Pichlmayr hat ihr wenige Sei­ten118 gewidmet und folgende Phänomene beschrieben: fast überall Feh­len ‚afrikanischen Schwulsts‘, Streben nach Sprachreinheit, wenig Grä­zis­men, „vor allem ist er ein Feind der Symmetrie, Inconcinität ist seine Lo­sung. Dazu tritt Vorliebe für Litotes und für Paarung von Gegensätzen.“ 119 Sel­ten S. 36 verwendet Victor Metapher und Simile: so benutzt er c. 24,11 das Bild der Tugend als Mauer (virtute uti muro) gegen die Willkür des Schick­sals, c. 33,3 z das Bild des Schiffbruchs (naufragio) zur Angabe des Untergangs und beschreibt c. 33,4 die Barbareneinfälle mit dem Simile „wie wenn von überallher Winde wüteten“ (quasi ventis undique saevi­en­tibus). Schon vor Pichlmayr ist der häufige Gebrauch des Komparativs an­stelle des Positivs bemerkt worden, vgl. c. 2,1 subdolus et occultior, wäh­rend etwa Tac. ann. 6,51 occultum ac subdolum schreibt, ebenso c. 4,1 pa­vidusque animi et igna­vior.120 Er meint, dass dies ein Einfluss des Punischen sei, das keinen Kom­parativ kenne.121

Ebenso hat Stabile einige sprachliche Besonderheiten herausgearbeitet: Dazu gehören die Inkonzinnität und die Konstruktionen ad sensum,122 die Vermischung von Positiv, Komparativ und Superlativ, wobei sehr häufig an­­stelle des Positivs Komparativ verwendet wird.

Betrachtet man den von Victor gebrauchten Wortschatz, erkennt man eine Vorliebe für seltene Wörter, zu denen etwa paritor (c. 2,4) und im­pa­rilis (c. 14,9) gehören; Hapax legomena sind dagegen peroccultus (c. 16,9), implanus (c. 27,2), reductare (c. 38,6) und semiagrestis (c. 39,17).

Die Vorliebe für inkonzinne Konstruktionen ist auf allen syntaktischen Ebenen erkennbar und umfasst stilistische und rhetorische Mittel: So wer­den etwa Länder- und Völkernamen nebeneinandergestellt (c. 1,2 ad­iectis im­perio civium Raetis Illyricoque), Lokativ und präpositionale Kon­struk­tion (c. 20,8 Pescennium Nigrum apud Cyzicenos, Clodium Albinum Lug­du­ni), Titel als bloße Adjektive neben der Umschreibung mit cog­no­men­tum (c. 20,17 ob haec tanta Arabicum, Adiabenicum et Parthici cog­no­men­to). Attribute und Objekte können auch durch präpositionale Ob­jek­te aus­ge­drückt werden (c. 1,4 flagrante haud modice luxuria ludo­rumque cu­pi­dine atque ad somnum intemperantia, c. 11,4 per patrem vel fratris studio und c. 20,4 publico latrocinio ac per dementiam). Ebenso variiert er manch­mal in parallelen Konstruktionen bei der Verwendung der Kasus, so et­wa c. 10,5 ita biennio post ac menses fere novem zwischen Ab­lativ S. 37 und Ak­kusativ und c. 18,1 hic doctrinae omnis ac moribus anti­quissimis, im­mo­dice par­cus zwischen Genetivus und Ablativus qua­litatis; ebenso wechselt er auch zwischen direkten und präpositionalen Objekten ab, wie etwa in c. 5,11 illa per alteros ad patrui nuptias atque alienorum cru­ci­a­ti­bus mariti exitium, hic paulatim ad sacerdotem Vestae, deinde se, post­re­mo uterque in sui scelus processerint.

Auch bei Aufzählungen verwendet Victor Asyndeton und Polysyndeton durcheinander (c. 1,6 templa, sacerdotes et collegia, c. 4,1 vecors iuxta at­que immemor pavidusque animi et ignavior esset c. 16,12 multaeque urbes conditae deductae repositae ornataeque atque in primis Poenorum Car­thago, quam ignis foede consumpserat, Asiaeque Ephesus ac Bithyniae Ni­co­media constratae terrae motu). Bezüglich der Wortstellung ist er sehr frei und trennt Zusammengehöriges wie in c. 5,6 noxiorum vinctis modo pel­le tectus ferae oder c. 8,4 nova senator familia.

Eine bisher unbemerkte Besonderheit ist der Gebrauch der Konjunktion que, welche die von Victor am häufigsten verwendete, verbindende Kon­junktion ist.123 Es ist bekannt, dass im Spätlatein „-que … tatsächlich ein totes Wort geworden“ ist und seine Funktion als verbindende Partikel an man­chen Stellen eingebüßt hat.124 Bei Victor ist es an manchen Stellen belegt, an denen es offensichtlich funktionslos ist. Daher wird es von man­chen Editoren getilgt. Umstrittene Stellen, an denen dieses funk­tionslose que wohl einfach dazu dient, dem Wort, bei dem es steht, Em­phase zu ver­leihen, sind etwa c. 3,20 (conatus vacuos a fortuna cas­sosque esse), c. 9,10 (Iudaeique), c. 20,12 (nihil bonis cum sanctique), c. 24,5 (fabricatus est ma­trisque cultu) und c. 24,10 (passim confusaque om­nia).125

Weitere rhetorische Figuren sind Enallage und Metonymie, so etwa c. 1,2 pacata externarum gentium ferocia statt pacatis externaris gentibus ferocibus. Sehr kühn ist c. 20,24: die Aufzählung mit Hyperbole, die von S. 38 Einzelpersonen über Gruppen zum Abstraktum geht (et illi magis, cui non privati neque singuli aut flagitiosi, verum imperia et exercitus atque ipsa vitia concessere). Zu nennen sind auch Ironie (c. 26,2 tamquam ea re creatus foret) und Chiasmus mit Paronomasie (c. 33,4 parvis maxima ima summis orbe toto miscebantur). In der Periode c. 33,13 beschreibt Victor parataktisch nach Behaghels Gesetz der wachsenden Glieder und unter Vermeidung des Parallelismus die Proviantmeister:

genus hominum, prae­ser­tim hac tempestate, nequam, venale, callidum, seditiosum, habendi cu­pidum

atque ad patrandas fraudes velandasque quasi ab natura factum,

annonae dominans eoque utilia curantibus et fortunis aratorum infes­tum,

prudens in tempore his largiendi, quorum vecordia damnoque opes contraxerit.126

Neben der rhetorischen Gestaltung ist auch die literarische Ausar­bei­tung von Bedeutung. Victor schreibt, wie schon aus dem Titel hervor­geht, eine Kaisergeschichte (Historiae) und keine Biographie (Vitae);127 doch weist das Werk hinsichtlich der Stoffwahl und der literarischen Gestaltung der einzelnen Kaiserbiographien viele biographische Elemente und Tech­niken auf, die etwa auch in Suetons Kaiserviten gefunden werden. In den ersten 38 Kapiteln steht jeweils die Person des Kaisers mitsamt seinem Privatleben und Anekdoten im Mittelpunkt, während andere politische Fi­guren – etwa im Gegensatz zu Tacitus – nicht oder nur kurz erwähnt wer­den.128 Ab Diokletian (c. 39–42) hat das Werk mehr monographischen Cha­rakter, da die gemeinsame Ver­waltung des Reichs durch mehrere Kaiser eine neue narrative Technik verlangt; allerdings fehlen auch in den letzten Kapiteln Hinweise auf Pri­vates und Anekdoten nicht.

Wie bei Sueton kommen auch bei Victor kurze Aussprüche in Oratio ob­liqua (vgl. c. 3,7 f.; 5,14. etc.) und Oratio recta (c. 10,4; 13,9; 20,11. 29; 21,3; gemischt 11,6) vor, die vor allem zur Dramatisierung der Erzählung S. 39 und zusammen mit explikativen, auktorialen Kommentaren zur Cha­rak­te­risierung der handelnden Figuren (vor allem der Kaiser) dienen.


1 Biographische Überblicke bieten PLRE 1,960 (Victor 13); Nixon, Historio­graphical study 1–22; P. L. Schmidt, Art. Victor 69, RE Suppl. 15 (1978) 1661 f.; Bird, Liber de Cae­sa­ribus vii–ix und Groß-Alben­hau­sen 151–3.

2 20,6quod equidem gentis nostrae reor, quae fato quodam bonorum parce fe­cun­da, quos eduxerit tamen, quemque ad sua celsos habet.

3 Vgl. den Boeft u. a., Philological and historical commentary on Ammianus Mar­cel­li­nus XXXI, Leiden 2018, 298 zu einer ähnlichen Selbstreferenz bei Am­mi­anus als miles quon­dam et Graecus: „In all probability the author refers to his pre­face, in which both cha­rac­teristics would have been more fully elaborated upon.“

4 Vgl. Penella, Lowly Born Historian 130; zum Corpus Aurelianum auch Kap. II. 1.

5 Vgl. den Titulus bei Pichlmayr, De Caesaribus 3 mit M. Sehlmeyer, Ge­schichts­bilder für Pagane, Berlin 2009, 284 f. Auch die Angabe zum Werkumfang im Untertitel (ab Au­gus­to … Iuliani Caesaris tertium) könnte aus einer ange­nom­me­­nen Praefatio stammen, vgl. Am­mianus Marcellinus’ analoge Angabe zu An­fangs- und Endpunkt seines Werkes im Epi­log (31,16,9).

6 Bird, Liber de Caesaribus vii schließt daraus sogar, dass Victor aus der Um­ge­bung von Cirta (das heutige Constantine in Algerien) stammen könnte.

7 Vgl. K. Vössing, Schule und Bildung im Nordafrika der Römischen Kaiser­zeit, Brüs­sel 1997, 590–2 (auf der Basis eines etwas anderen Textverständnisses).

8 Diese Bauten, die auch bei Eutrop (vgl. 7,21,4; 8,20,1; 9,15,1) vorkommen, waren in ihrer gemeinsamen Quelle genannt (dazu unten mehr). Victor berichtet in anderen Fällen aber auch detaillierter als Eutrop, vgl. etwa zum Kapitolstempel (11,4 / Eutr.. 7,23,5) oder Tra­iansforum (13,5 / Eutr.. 8,5,2).

9 Vgl. Kommentar zu 40,26.

10 Bird, Sextus Aurelius Victor vii hält einen Romaufenthalt in der Zeit zwi­schen 337 und 357 für möglich.

11 Amm. 21,10,6ubi Victorem apud Sirmium visum scriptorem historicum ex­in­deque ve­ni­re praeceptum, Pannoniae secundae consularem praefecit (sc. Iulianus) et honoravit ae­ne­a statua, virum sobrietatis gratia aemulandum, multo post urbi praefectum.

12 Vgl. Nixon, Historio­graphical study 17; Penella, Lowly Born Historian 126; B. Näf, Se­natorisches Standes­be­wusst­sein in spätrömischer Zeit, Frei­burg 1995, 55. Den Boer, Some minor Roman historians 28 nimmt hingegen an, dass Vic­tor bereits sena­to­ri­schen Rang besaß, ebenso Bonamente, Minor Latin his­to­rians 86 f.

13 In dem im Folgejahr gehaltenen Panegyrikus auf Julian bescheinigt Clau­dius Ma­mer­ti­nus diesem, für die Lei­tung der Provinzen gerade nicht die­jeni­gen, die dem Kaiser am nächs­ten standen, aus­ge­wählt zu haben, son­dern Männer von höchs­ter Integrität (in­no­cen­tis­simus), vgl. Pa­neg. 3(11),25,5.

14 So Bird, Aurelius Victor ix: „Julian must have ... been impressed with the general sen­ti­ments of his book.“ Vgl. zu den Statuen den Boeft u. a., Phi­lo­lo­gical and hi­storical com­men­tary on Ammianus Marcellinus XXI, Groningen 1991, 139.H. Niquet, Monumenta vir­tu­tum titulique. Senatorische Selbstdarstellung im spät­an­tiken Rom, Stuttgart 2000, 20 Anm. 26 nimmt eine Aufstellung in Rom an.

15 Für die gegenteilige, weit verbreitete Meinung vgl. etwa Bonamente, Minor Latin his­to­rians 92.

16 Nixon, Aurelius Victor 119 vermutet hinter der Statue „some spe­cial service for Julian during the latter’s two-day sojourn in Sirmium.“

17 Vgl. Cod. Theod. 8,5,27 (28. Mai 365).

18 H. W. Bird, What makes emperors bad?, in: P. Defosse (Hg.), Hommages à Carl De­roux, Bd. 3, Brüssel 2003, 73–9, hier 74 nimmt an, dass Victor bis zur Stadt­präfektur kein öf­fentliches Amt mehr bekleidete, dagegen Penella, Lowly Born Historian 123: „Un­doubt­ed­ly he held further offices in the next decades.“

19 CIL VI 1186 (= ILS 2945)[ve]terum principium clementiam [sa]ncti­tu­di­nem mu­ni­fi­cen­tiam supergresso, d(omino) n(ostro) Fl(avio) Theodosio pio vic­to­ri semper Augus­to, Sex(tus) Aur(elius) Victor v(ir) c(larissimus), urbi prae­f(ectus) iudex sa­cra­rum cog­ni­tio­num, d(evotus) n(umini) m(aiestati)q(ue) e(ius). Die Statue stand auf dem Traians­fo­rum, vgl. http://laststatues.classics.ox.ac.uk/database/detail.php?record=LSA-1304; Zur Datie­rung der Stadtpräfektur, vgl. Chastagnol, Les fastes de la Pré­fec­ture 232 f.; Nixon, His­to­rio­gra­phical study 19 f.

20 Vgl. Cons. Const. (KFHist G 1) 389; Marcell. chron.II 389,1 und Destephen, Le voyage impérial 378.

21 Den in einem Brief des Symmachus (epist. 2,66,2) genannten „Victor specta­bilis vir“ möch­te J. P. Callu, Symmaque, Lettres, Bd. 1, Paris 1972, 198 Anm. 2 gegen PLRE 1,960 und Chastagnol, Les fastes de la Préfecture 233 nicht mit Au­relius Victor identifizieren.

22 Vgl. P. Hermann Die geschichtliche Litteratur über die römische Kaiserzeit bis Theo­do­sius I, Leipzig 1897, 132 und Starr, Aurelius Victor 580.

23 Vgl. H. Leppin, Theodosius der Große, Darmstadt 2003, 143–5. Chastagnol, La Pré­fec­ture urbaine 441 vermutet dagegen, dass Theodosius sich aufgrund sei­nes angespannten Ver­hältnisses zum Mailänder Bischof Ambrosius mit dem stadt­rö­mischen Se­natsadel gut­stel­len wollte.

24 Theodosius’ Generalamnestie erwähnt auch Pacatus in Paneg. 2(12),45,4–7.

25 Vgl. Christ, Kaiserideal und Geschichtsbild 177 und öfter.

26 Hier. in Zach. 3,14Cornelius quoque Tacitus, qui post Augustum usque ad mor­tem Do­mitiani vitas Caesarum triginta voluminibus exaravit. Hingegen Victors Werk nennt er an anderer Stel­le historia, vgl. Hier. epist. 10,3.

27 Vgl. Enmann, Eine verlorene Geschichte. Daneben dürfte Vic­tor für die Zeit bis Do­mi­tian auch Sueton bzw. eine erweiterte Fassung seines Wer­kes hinzu­ge­zo­gen haben, vgl. En­mann 413.

28 Enmann, Eine verlorene Geschichte 436. Daneben dürfte für die Zeit bis Domitian auch Sueton bzw. eine erweiterte Fassung seines Werkes hinzugezogen worden sein, vgl. En­mann 413.

29 Vgl. Leo, Die griechisch-römische Biographie 307 („rein biographischer Stoff … in die Form einer historischen Darstellung gebracht“), Starr, Aurelius Vic­tor 576 und Bleck­mann, Überlegungen zur Enmannschen 21.

30 Siehe dazu unten Kap. II. 7. Sprache und Stil.

31 Siehe zur Kapiteleinteilung unten Kap. II. 1.

32 Eutr.. 7,12,1successit ei C. Caesar; vgl. 7,14,1; 7,16,1; 7,19,1; 7,21,1 u. ö.

33 Eutr.. 7,13,1post hunc Claudius fuit; vgl. 8,9,1; 8,11,1; 8,17; 9,1; 9,4 u. ö.

34 Vgl. Schlumberger, Epitome de Caesaribus 55 Anm. 182.

35 Bereits die Kapitel 6–8 (68/69 n. Chr.) und 26–27 (238 n. Chr.) sind aus ereig­nis­ge­schichtlichen Gründen weniger streng biographisch gestaltet, vgl. Schlum­berger, Epitome de Caesaribus 31.

36 Vgl. Kommentar zu 33,8Nach der Vertreibung.

37 Lyd. mag. 3,7,4Ο ὐΐκτωρ ὁ ἱϲτορικὸϲ ἐν τῇ Ἱϲτορίᾳ τῶν Ἐμφυλίων (...).

38 Enmann, Eine verlorene Geschichte 417 (Zitat 418).

39 Vgl. 20,6 „ein Charakteristikum unseres Volkes … so wie Severus selbst“ und 20,19 „von der Tripolitana, aus deren Stadt Leptis er stammte“ mit Eutr. 8,18,1 „er stammte aus Af­rica, aus der Provinz Tripolitana, aus der Stadt Lep­tis“.

40 Vgl. 39,12 „Narbonne war ihre Heimatstadt“ mit Eutr. 9,18,1 „geboren in Nar­bonne in Gal­lien.“

41 Enmann, Eine verlorene Geschichte 420. Hingegen nannte die EKG das ge­nau­e Ster­be­alter offenkundig nur bei den ‚suetonischen‘ Kaisern; Victor gibt – ähnlich wie Eutrop – au­ßer bei einigen Kaisern des 1. Jahrhunderts (vgl. 3,1; 8,6; 10,5; 11,7) nur noch bei Kon­stan­tin (41,16) das Sterbealter an.

42 Nebendomi militiaeque (16,2, vgl. 42,4) wird die Wendung auch variiert: 11,3 domi bel­loque; 13,2 domi seu militiae; 20,23 domi forisque.

43 Vgl. 1,2 (Raetia, Illyricum); 2,3 (Cappadocia); 4,2 (Mauretania, Britannia); 13,3 (Da­cia, Mesopotamia), ferner 20,15 f. und 39,36 f. Auch hierbei ist keine Voll­ständig­keit be­ab­sich­tigt, wie etwa die Provinzen Cilicia Trachia und Com­ma­ge­ne belegen, die Eutr.. 7,19,4 nennt (vgl. Epit. Caes. 9,13), aber in Victors Ves­pa­si­an­kapitel fehlen.

44 Bei Antoninus Pius’ Passivität (15,4 f.) macht Victor eine Ausnahme; an­sons­ten merkt er derartiges Verhalten negativ an, vgl. 2,3; 3,11; 14,5; 33,6; 40,20 bzw. hebt umgekehrt be­sondere Kriegsbereitschaft positiv hervor, vgl. 4,2; 8,4; 9,10; 11,3; 13,3; 16,2 u. 4; 20,14; 21,2; 24,2; 26,1; 27,8; 34,4 f.; 35,1 f. u. ö.

45 Vgl. etwa zu Hadrian Bonamente, Minor Latin historians 96: „Victor neglects the ma­jor tours throughout the empire and every aspect of foreign and admi­nis­tra­tive politics“, ähn­lich Christ, Kaiserideal und Geschichtsbild 182.Lediglich im Fall von Macrinus und sei­nem Sohn vermerkt Victor apologetisch, dass er über sie „nichts wei­­ter berichtet findet als ihren brutalen und tyrannischen Charakter“ (22,3).

46 Vgl. Suet. Claud. 41,2 f. und Christ, Kaiserideal und Geschichtsbild 179 f. Auch die ‚Selbst­be­trach­tungen‘ Marc Aurels bleiben unerwähnt.

47 Vgl. Cod. Theod. 14,1,1 (24. Febr. 360)In decuriarum ordine insigni, cui lib­ra­riorum vel fiscalium sive censualium nomen est, nequaquam aliquis lo­cum primi ordinis adi­pis­ca­tur nisi is, quem constiterit studiorum liberalium usu ad­que exer­ci­tatione pollere et ita esse lit­teris expolitum, ut citra offensam vitii ex eo­dem ver­ba procedant. (…) Ne autem lit­te­ra­tu­rae, quae omnium virtutum maxima est, prae­mia denegentur (…). Vgl. zur Datierung Destephen, Le voyage impérial 363.

48 Z. B. Titus (10,1), Marc Aurel (16,1), Helvius Pertinax (18,1), Septimius Se­ve­rus (20,22).

49 25,2quod tamen etiam patres, dum periculosum aestimant inermes armato re­sistere, approbaverunt.

50 33,10proinde cuncta ad extremum reciderant, uti talibus imperia ac virtutum om­nium decus ludibrio essent.

51 37,7munivere militaribus et paene barbaris viam in se ac posteros domi­nandi.

52 39,26his sane omnibus Illyricum patria fuit, qui, quamquam humanitatis parum, ruris ta­men ac militiae miseriis imbuti satis optimi rei publicae fuere.

53 Vgl. 40,17: „Alexander, der … durch sein bäurisches und pannonisches El­tern­haus reichlich stumpfsinnig war“ und 41,26: „Vetranio, der völlig ungebildet und von törichtem Ver­stand und deswegen in seinem bäurischen Stumpfsinn äu­ßerst katastrophal war, … er stamm­te aus den unwirtlichen Gegenden der Moesia Su­perior.“

54 40,13quare compertum est eruditionem elegantiam comitatem praesertim prin­cipibus ne­cessarias esse, cum sine his naturae bona quasi incompta aut etiam hor­rida despectui sint.

55 Penella, Lowly Born Historian 130 glaubt, dass „the work was entirely Victor’s idea“, will die Möglichkeit eines kaiserlichen Auftrags aber nicht kategorisch ausschließen.

56 Die umstrittene Frage, wie weit die EKG, die Victor als Hauptquelle dient, zeitlich reich­te, kann hier übergangen werden, vgl. zu den un­ter­schiedlichen Hy­pothe­sen aber Bo­na­mente, Minor Latin his­to­rians 94.

57 Vgl. Kommentar zu 42,1Constantius.

58 Vgl. A. Bettenworth / P. Schenk, Einleitung, in: dies. (Hgg.), Rufius Festus, Klei­ne Ge­schichte des römischen Volkes, Berlin 2020, 9–39, hier 17.

59 Romulus (24,8; 35,12), Numa (1,3; 14,1), Tarquinius Priscus (4,15; 11,12), Tar­qui­nius Su­perbus und L. Iunius Brutus (3,14), Decii Mures (34,2), Curius Dentatus und Fabricius Lus­ci­nus (18,2), Marius (39,6), M. Iunius Brutus (29,4).

60 Kyros (40,13). Der Afrikaner Hannibal kommt ebenfalls vor, vgl. 37,2 f.

61 Vgl. Starr, Aurelius Victor 576: „an affected style with tortured word order, in­volved sen­tences, and artificial conceits“; M. Fuhrmann, Rom in der Spätantike, Zürich 1994, 116: „Das Buch ist leider keine bequeme Lektüre: der Stil überbietet die Gedrängtheit und die asym­metrischen Fügungen des Sallust und des Tacitus“; Kap. II. 7. Sprache und Stil.

62 Vgl. Kap. II. 7. Sprache und Stil. In der Übersetzung wird deshalb ge­le­gent­lich darauf ver­zichtet, diesen rhetorischen Kom­pa­ra­tiv zu übertragen: 2,1ac­ri­ore; 3,5 doctioribus; 6,2 im­pati­en­ti­us; 9,9 probro­sior; 11,3 tolerantior; 12,2 emi­nen­tior und magnificentior etc.

63 Vgl. Penella, Lowly Born Historian 131: „Victor clearly had stylistic pre­ten­sions.“

64 Hist. Aug. Prob. 2,6 f.illud tantum contestatum volo me et rem scripsisse, quam, si quis voluerit, honestius eloquio celsiore demonstret, et mihi quidem id ani­mi fuit, ut non Sal­lustios, Livios, Tacitos, Trogos atque omnes disertissimos imi­tarer viros in vita prin­ci­pum et temporibus disserendis, sed Marium Maximum, Sue­tonium Tranquillum, Fabium Mar­cellinum, Gargilium Martialem, Iulium Ca­pi­tolinum, Aelium Lampridium ceterosque, qui haec et talia non tam diserte quam ve­re memoriae tradiderunt. Übersetzung nach Hohl.

65 Vgl. auch Hist. Aug. trig. tyr. 1,1 „Nachdem wir bereits mehrere Bücher nicht im his­to­rischen (historico) bzw. gehobenen (diserto), sondern im pro­sai­schen Stil (pedestri elo­qui­o) verfasst haben, (…).“ Penella, Lowly Born Historian 131 verkennt Victors Vor­ge­hen, wenn er annimmt, Victor ha­be das „humble genre“ der Biographie auf­werten wol­len, „by importing into it fea­tures of the higher kind of history written by a Sal­lust or a Ta­citus.“

66 Vgl. Starr, Aurelius Victor 575 und 582; Nixon, Historio­graphical study 401 und Pe­nel­la, Lowly Born Historian 129.

67 Vgl. Cod. Theod. 14,1,1 (24. Febr. 360) …eum, qui stu­diis et elo­qui­o dignus primo lo­co videbitur, honestiorem faciet nostra provisio sub­limitate ... tua­ve eius nomina ind­ican­te, ut deliberemus, quae in eum dignitas de­ferenda sit.

68 Immerhin erachtet es Victor für erwähnenswert, dass er als Rechtschaffener (bo­nus vir) auf das Ansehen der gelehrten Künste (doctae artes) vertraue und bis in die Ge­genwart hin­ein seine gesellschaftliche Stellung durch viel Studium (stu­dia tanta) er­höht ha­be, vgl. 20,2–5.

69 Den „panegyrical tone of his praise of Constantius“ hebt auch Ni­xon, Aurelius Victor 125 hervor, vgl. bereits Starr, Aurelius Victor 582.

70 Victor unterstellt z. B. Nerva eine freiwillige Abdankung (12,2), schreibt die all­ge­meine Verleihung des römischen Bürgerrechts Marc Aurel zu (16,12), ver­wechselt den Kai­ser Didius Iulianus mit dem Ju­ris­ten Salvius Iulianus (19,1 f.), hält Gordian II. und Gordian III. nicht aus­ein­an­der (vgl. Kom­m. zu 27,1) oder ver­ortet den Tod des Decius jenseits der Do­nau (29,4).

71 Wenn Victor sich eigene Gedanken zu ungeklärten Problemen macht, handelt es sich mitunter um Belanglosigkeiten wie die Frage, ob Nero mit seiner Mut­ter se­­xu­ell ver­kehrte (5,9), von welcher Art das Verhältnis zwi­schen Hadrian und An­tino­os war (14,9) und was der Grund für den Beinamen des Sep­timius Severus war (20,10), oder er folgt seinem sim­plen Erklärungsschema, wenn es z. B. um die Be­grün­dung für Diocletians frei­wil­li­ge Ab­dan­kung geht (39,48). Vgl. auch Leo, Die griechisch-römische Bio­graphie 307 und Christ, Kaiserideal und Geschichtsbild189.

72 13,7adeo boni malive in re publica nihil est, quod in diversum traduci neque­at mo­ri­bus praesidentium.

73 35,14 virtutibus principum res attolli facile vel afflictas easque firmiores prae­ceps vi­ti­is dari. Die Feststellung steht am Ende des Kapitels über Aurelian, der unter anderem „Hab­gier, Unterschlagung und die Ausbeuter der Provinzen“ ri­go­ros verfolgte (35,7).

74 Victor gibt sich sogar so einsichtig, dass er es für „ehrenvoll [hält], ab­zu­wä­gen, wozu man fähig ist, und sich nicht kopfüber vom Ehrgeiz antreiben zu las­sen“ (12,3).

75 Vgl. Kommentar zu 42,17ihre berühmten Könige.

76 Nixon, Aurelius Victor 124; „surely enough to prove that the Caesares was already well and truly published, for it is inconceivable that Victor would now want the last chapter to stand in the form in which we have it.“Neri, Aurelio Vit­tore 32 erwägt hingegen eine Re­vision der „ultimi tre capitoli del lavoro per pre­sen­tarlo a Giu­liano.“

77 Vgl. Bird, Julian and Aurelius 874.

78 Das von vielen Editoren und Gelehrten als Werktitel gebrauchte De Cae­sa­ribus geht auf Schotts Editio princeps zurück, wo er als Kolumnentitel vorkommt, um diesen Teil von De viris illustribus zu unterscheiden; er findet aber in den Hand­schriften keinen An­halts­punkt, weshalb in der vorliegenden Edition der hand­schriftlich überlieferte Titel His­to­riae ab­breviatae gewählt ist.

79 Vgl. dazu etwa Momigliano, Secondo contributo alla storia 177–89, der glaubt, dass dieHistoriae abbreviatae nur wenig später nach ihrer Entstehung im 4. Jh. mit den beiden anderen Schriften verbunden worden seien; dagegen D’Elia, Studi sulla tradizione 97–114, der die Vereinigung zum Corpus Aurelianum ins Hochmittelalter datiert. Festy, A propos du Corpus Aurelianum 121 tendiert eben­falls für ein Datum im 4. Jh.; ebenso Fugmann, De viris illustribus 11, insbe­son­de­re Anm. 11.

80 Dazu Festy, A propos du Corpus Aurelianum 114–118 und Fugmann, De viris illustribus 12.

81 Vgl. dazu Pichlmayr, Einleitung v–vi mit weiteren Hinweisen.

82 Vgl. ThLL s. v.historia Sp. 2835,60–65 und 2838,48–56 mit Belegen von Ge­schichts­werken mit diesem Titel (im Singular oder Plural); schon in der Kaiserzeit werden Ge­schichtswerke unter diesem Titel zitiert, vgl. Schröder, Titel und Text 56.

83 Diese römische literarische Gattung geht auf L. Ateius Philologus bzw. Praetextatus zu­rück, der ein Zeitgenosse Sallusts war und gemäß Suet. gramm. 10,6 ein historisches Werk mit dem Titelbreviarium rerum omnium Romanarum verfasste. Anders Opitz, Quaes­tiones 30, der meint, dass abbreviatae hier angebe, dass es sich um ein Exzerpt eines ur­sprünglich umfangreicheren Werks handele. Zwar scheint der Wortgebrauch von abbre­vi­are nach ThLL s. v. Sp. 51,23–35 für die zweite Variante zu sprechen, vgl. etwa Veg. mil. 3 praef. quae (Martii operis prae­cepta) per diversos auctores librosque dispersa ... medi­o­cri­tatem meam ab­bre­viare iussisti, Rufin. Orig. Rom. praef. (CCL 20,275) hoc quindecim volu­mi­num corpus ... adbreviem et ad media ... spatia coartem. Doch unterscheidet sich der Titel Victors von diesen Beispielen darin, dass kein Buch genannt wird, das ihm als Vor­la­ge diente oder das er gekürzt hat. Daher kann man Enmann, Eine ver­lorene Geschichte 398 fol­gen: „Aber es ist ein starker irrthum die bezeichnung ‚Au­relii Victoris historiae abbre­via­tae‘ mit ‚auszug aus Aurelius Victor‘ zu über­set­zen. ‚historiae abbreviatae‘ hat nicht mehr zu bedeuten als ‚bre­viarium‘, wie Eu­trop sein werkchen betitelte, also ‚eine kurz­ge­fasste geschichte‘.“

84 Zur Athetierung von id est a fine Titi Livii vgl. den philol. Komm. zur Stelle.

85 Vgl. dazu auch M. Stein, Einl. Origo gentis Romanorum (KFHist G 5) 16 f.

86 Schott beginnt in c. 42,17 mitIulianum Caesarem ein neues Kapitel 43. Diese Auf­tei­lung von Kapitel 42 haben aber die auf Schott folgenden Editoren nicht übernommen, da auch in diesem Kapitel immer noch Constantius und nicht Julian der Protagonist ist.

87 Ebenso überzeugt diese Einteilung zu Beginn von c. 35 nicht, da im Text davor (c. 34,7) eine größere Lücke ist.

88 Vgl. D’Elia, Studi sulla tradizione manoscritta 117.Als semidoctus ist P oft hyperkorrekt, vertauscht den ordo verborum und zeigt eine Präferenz etwa für dein statt deinde.

89 Vgl. D’Elia, Studi sulla tradizione manoscritta 117.O ist ungebildet und versteht oft nicht, was er schreibt. In der Regel ist zwar O besser als P, aber dennoch gilt, was schon D’Elia, Per una nuova edizione critica 68 anmerkt: “Se fra una lezione di O e una di P, la lezione di P trova conferma nell’usus scribendi di Aurelio Vittore, essa è da preferire.”

90 Vgl. etwa die Liste bei Mommsen, Zu den Caesares 953–58 f. So hat schon Schott c. 1,1partium statt des von P überlieferten patriam vorgeschlagen, was von O bestätigt wird. Ebenso c. 20,25 reorum statt eorum und c. 28,6 meritorio statt merito.

91 Mommsen, Zu den Caesares 951–58.

92 Vgl. Pichlmayr, Einleitung xiii. Aus den Historiae sind c. 9,1 prebire fecit statt brevi re­fecit, 20,13 eadem lictorum statt ea delictorum zu beachten. Daneben weist De viris illus­tri­bus viele Interpolationen nur in OP auf, die in den übrigen Handschriften fehlen.

93 Vgl. dazu D’Elia, Per una nuova edizione critica 56, der auf folgende Lücken hin­weist. In P fehlen c. 2,2 noxios; c. 2,4 simul – cohortes, c. 13,1 etiam; c. 16,9 morbo; c. 17,7 in – tutiusetc.; in O fehlt in c. 12,2 superioribus. Ebenso Festy, A propos du Corpus Au­relianum 93 f. P hat ebenso vor den Kapiteln 5; 6; 11–14; 24, 28 und 29 Überschriften, die in O fehlen.

94 Für D’Elia, Studi sulla tradizione manoscritta 56 sind es „copie indipendenti di uno stes­so manoscritto“, ebenso Festy, A propos du Corpus Aurelianum 93­–100, der davon aus­geht, dass O direkt und P über eine Zwischenstufe π auf den „N“ genannten Archetypus zu­rück­gehen.

95 So D’Elia, Studi sulla tradizione manoscritta 97–125, der ein Datum zwi­schen 1200 und 1330 annimmt. Vgl. dazu auch Festy, A propos du Corpus Au­re­li­a­num 91–136.

96 Dafür D’Elia, Studi sulla tradizione manoscritta 56–65 und 97–125, der darauf hin­weist, das wohl auch in M dasCorpus Aurelianum aus zwei Teilen (Origo und De viris und da­von durch eine Übergangsformel getrennt die His­to­riae) bestand; ebenso D’Elia, Per una nu­ova edizione critica 60–64. Kritisch Du­fraigne, Aurelius Victor lv f., der auf die vielen Di­vergenzen zwischen OP und M hinsichtlich der Origo, die D’Elia, Studi sulla tradizione ma­noscritta 72 selbst auf­gezeichnet hat, hinweist. Er folgt Mariotti, Il codex Metelli 102–111, der meint, dass M aus einer anderen Familie als OP stammt. Festy, A propos du Cor­pus Au­relianum 101–121 kommt aufgrund von Trennfehlern zwischen M einerseits und an­der­seits OP, deren Subarchetyp er N nennt, in der Origo und in De viris il­lustribus zu fol­gen­dem Schluss S. 119: „M n’a pas été copié sur N, mais N ne l’a pas été sur M : ils sont tous les deux la copie directe d’un archétype interpolé que nous appellerons Ω.“

97 Dufraigne, Aurelius Victor lvi f. zählt vier mögliche Fälle, in denen Schott bei der Edi­tion der Historiae abbreviatae Kenntnis von M haben konnte: c. 16,9 führt Schott im Kom­mentar S. 198 statt tantumque Marco sapientiae als Lesart tan­tumque in arte sa­pi­en­tiae an. Da er sich aber nicht auf einen anderen Codex beruft, geht in arte wohl auf eine fal­sche Lesung von Marco in P zurück (in und m sind in diesem Codex fast identisch, der Ab­stand nach M ist etwas mehr als ge­wöhnlich zwischen zwei Buchstaben, c und t sind eben­falls sehr ähnlich); c. 20,20 facilius eo patrabantur gibt Schott, Kommentar S. 201 als Les­art facilius ea pa­trabantur an, wobei auch hier aufgrund der Verwechslung von a und o leicht eine fal­sche Lesung von P und nicht eine Variante vorliegt. Dagegen führt Schott im Komm. S. 221 zu c. 42,12 statt ob saevitiam die Lesart scenicum aus einem vetus co­dex an, ohne aber auf M zu verweisen. Dasselbe gilt c. 42,25 für clarius, das Schott als Varia lectio zu praeclarius von P nennt. Schott selbst sagt aber im Kom­mentar S. 202 (zu c. 20,30): as­te­risco notare satis habui dum iactura sar­ci­a­tur, et lacunae Victoris impleantur ex alio ex­em­plari, quale in Ubiis Co­lo­ni­ae Ag­rip­pinae apud Io. Metellum Sequanum esse audio ex bib­liotheca Corn. Gualtheri. Daher hatte er wohl bei der Abfassung seiner Edition keine Mög­lichkeit mehr, M ein­zusehen.

98 Bei der Angabe von Zahlen können diese zusammen mit derEpitome c. 7,2 und 8,6 da­zu dienen, die Überlieferung von OP zu korrigieren, vgl. D’Elia, Per una nuova edizione cri­tica 69.

99 D’Elia, Studi sulla tradizione manoscritta 125 meint, dass dieEpitome eine „tra­di­zi­one indiretta, autorevolissima“ darstellt und für einige Teile der Historiae, besonders die Ka­pitel 1–11 und 33, ein wichtiger Zeuge ist, weil sie einen viel älteren und besseren Text Vic­tors als OP als Vorlage benutzen konnte. Ebenso befasst sich D’Elia, Per una nuova edi­zi­one critica 69–75 mit der indirekten Tra­di­tion und meint, die Epitome habe um 400 den Text Victors als Vorlage wenigstens für die ersten 11 Kapitel benutzt, S. 71: „fra il 360 e il 405/406, e si è servito, dun­que, di un testo eccezionalmente autorevole delle Historiae ab­bre­viatae.“

100 Schon im Titel bezeichnet der Epitomator (oder wahrscheinlich ein späterer Bear­bei­ter derEpitome) das Werk als breviatus ex libris Sexti Aurelii Victoris. Schott, Einleitung 15 f. hielt die Zuschreibung an Aurelius Victor für richtig, doch glaubte er, es handle sich um zwei verschiedene, gleichnamige Personen. Opitz, Quaestiones 12–31 meint, dass so­wohl die Historiae abbreviatae, die nicht Vic­tors Werk seien, als auch die Epitome auf das ver­lorene Werk Victors, das um­fangreicher gewesen sei, als gemeinsame Quelle zurück­ge­hen (S. 30 „et Cae­sares et Epitomen ex ampliore Victoris Caesarum historia excerpta es­se“). Da­ge­gen meint Cohn, Quibus ex fontibus 14–37, dass Victors Historiae abbreviatae zu­sam­men mit Sueton als Quelle für die ersten 11 Kapitel der Epitome dienten (ebenso Enmann, Eine verlorene Geschichte 396–407).

101 Weitere Beispiele bespricht Enmann, Eine verlorene Geschichte 401 f. Neben den ersten 11 Kapiteln weisen in derEpitome auch c. 16,12–14 (= Historiae 16,14 f.), c. 30,2 (= 30,2), c. 33,1 (= 33,3.6), c. 33,2 (= 33,18–20), c. 34,2 (= 33,28), c. 35,6 (=35,7), c. 36,1 (= 36,2), c. 38,6 (= 39,10) Parallen zu den Historiae ab­bre­vi­a­tae auf.

102 So zuletzt auch Festy, Abrégé des Césars xxi: „il est évident que l’auteur de l’Epitome les (d. h. Victors Historiae) connaît et les utilise amplement.“ Da der Epi­tomator aber auch die beiden Werken gemeinsame Quelle, die EKG, ver­wendet, gibt er manchmal exaktere und vollständigere Informationen als Victor. So kann der Text an verschiedenen Stellen dank der Epitome verbessert wer­den, so etwa c. 3,14; 5,2; 8,6; 9,1; 10,3. Auch sonst liefert die Epitome interessante Variae lectiones, die jeweils im kritischen Apparat der vor­lie­gen­den Edi­tion doku­men­tiert werden. Ebenso Festy, Aurelius Victor 185 f. Vgl. dazu auch die Dis­kus­sion in KFHist D 3 Epitome de Caesaribus.

103 Vgl. dazu das Quellenverzeichnis.

104 Corbett, TheDe Caesaribus 254–57. So etwa schreibt er c. 34,5 vita statt vitam der Co­dices, ohne dies im Apparat anzumerken; c. 3,8 gibt er für P veteris anstelle von recens an, was aber Schotts falsche Lesart ist; c. 28,2 schreibt er für O mea anstelle des über­lie­fer­ten nostra. Mit Recht verzichtet aber Pichlmayr darauf, für das Verständnis des Textes be­lang­lose orthographische Varianten der Hand­schrif­ten wie c. 2,3 Cappadocas und Gae­tu­lo­rum statt der überlieferten Formen Ca­padocas und Getulorum zu vermerken.

105 So etwa c. 13,13putant statt putent, c. 17,4 urerentur statt uterentur, c. 20,24 infirmo statt infimo, c. 20,30 schreibt er quem, ohne anzugeben, dass dies eine Ergän­zung Schotts ist, c. 35,9 ingenio statt arbitratu, c. 39,25 fehlt quondam, c. 39,48 steht obiecit statt abie­cit, 42,17 rebigus statt regibus. Tarrant, Rez. Du­fraigne tadelt darüber hinaus die Inter­punk­tion und den kritischen Apparat; er ur­teilt S. 362: „This is not the text of Aurelius Victor that was looked for.“ Ebenso Den Boer, Rez. Dufraigne 333: „Un éditeur judicieux usera ici d’une grande prudence, surtout pour un auteur tel que Victor, dont le style singulier et tour­men­té lui est tellement personnel que la plupart des efforts visant à améliorer le texte con­dui­sent à des résultats douteux.”

106 So Shackleton Bailey, Textual notes; Soverini, Note ad Aurelio; Rudoni, Sei note und Mol­lea, In Maehly’s Footsteps.

107 Vgl. dazu die Liste bei D’Elia, Per una nuova edizione critica 66 f.

108 Aber im Gegensatz zu Pichlmayr, der in c. 3,4calceamento anstelle des über­lieferten cal­ciamento schreibt, hält diese Edition an der tradierten Form fest, da cal­ciamentum bei Schriftstellern aus allen Epochen (wie Suet. Aug. 73 cal­ci­a­mentis) belegt ist, vgl. ThLL s. v. calceamentum Sp. 129,32–34.

109 D’Elia, Per una nuova edizione critica 115 bemerkt in Bezug auf die Namen: „È notissimo che gli scribi medievali, e in particolare quelli di OP, di errori in nomi propri ne hanno veramente a iosa. Basterà citare un breve elenco di errori marchiani riscontrabili nel codice O, che pure abbiamo detto e riteniamo poziore.“

110 ThLL s. v.Alamanni Sp. 1477,69–79 weist darauf hin, dass Alemanni eine sehr alte Varia lectio ist, die schon bei Serv. Georg. 4,278 gefunden wird.

111 Opitz, Sallustius und Aurelius Victor 217–222. Wölfflin, Aurelius Victor 285–288 gibt eine Liste von Ausdrücken und Wendungen, die genaue Parallelen imCorpus Sallustianum haben.

112 La Penna, I flosculi sallustiani 384 hält den stilistischen Einfluss Sallusts allerdings für ziemlich begrenzt: „Ma la presenza del grande storico e scrittore non è molto diffusa né in­cide nel profondo; la si avverte ben poco nella sintassi; troppo diverso è il livello sti­lis­tico: direi … che non pochi sono gli ornamenti sallustiani, in parte facilmente visibili, in par­te da scoprire con ricerca sapiente, ma che non è sallustiana la stoffa; i flosculi sono pa­recchi, ma non fanno prato.“ Dieses Urteil teilt Dufraigne, Aurelius Victor li. Vgl. auch Bird, Sextus Aurelius Victor, 90–99.

113 Festy, Aurelius Victor 195–205 (zu Sallusts Einfluss) und 206–213 (zu Tacitus’ Ein­fluss). Mit Recht weist er S. 206 darauf hin, dass weder das Oeuvre Sal­lusts noch dasjenige Ta­citus’ vollständig erhalten ist, weshalb beim Vergleich dieser beiden Corpora mit denHis­toriae manche Einflüsse der beiden Vorbilder auf Victor aus Mangel an Parallelen übersehen werden können.

114 Manchmal auch kühn wie c. 3,17contemptui … haberetur, c. 10,10 re­li­que­rat ex­ter­nae militiae und c. 20,34 cui amori ac magisterio erat.

115 Festy, Aurelius Victor 199: Der Vergleich der beiden Corpora „montre qu’Aurélius Vic­tor connaît l’ensemble de l’œuvre de Salluste et partage en général son choix des mots. … Lorsque il s’écarte de Salluste, c’est pour se rapprocher de Ta­cite.“

116 Festy, Aurelius Victor 210 f. verwirft die Hypothese, dass Victor Tacitus nur aus der EKG kannte, da Tacitus auch in den Schlusskapiteln des Werks, wo Victor nicht mehr die EKG zur Verfügung hatte, als stilistisches Modell verwendet wur­de.

117 Festy, Aurelius Victor 213.

118 Pichlmayr, Zu den Caesares 14–16. Vgl. auch die kurze Zusammenfassung bei Schmidt, Aurelius Victor 1670.

119 Pichlmayr, Zu den Caesares 15. Als Beispiele für Inkonzinnität führt er u. a. c. 3,8 eg­re­gia ad populum, inter patres, cum militibus, c. 11,4 per patrem vel fratris studio und c. 40,28 ex auro aut argenteae an. Als Beispiele für die Litotes nennt er die Verwendung von haud (z. B. c. 1,1 haud difficulter, c. 6,1 haud secus nobilis und c. 26,1 haud incommode). Als Beispiel für die Paarung von Ge­gen­sät­zen erwähnt er u. a. c. 2,1 insontes noxios, suos pa­riter externosque, c. 9,12 bo­nis indocti ac prudentibus inertes und c. 24,9 boni malique, no­biles atque igno­bi­les.

120 Ebenso Wölfflin, Aurelius Victor 291 und Corbett, TheDe Caesaribus 256. Vgl. dazu auch H.-Sz. 168.

121 Mit Recht weist aber H.-Sz. 766 darauf hin, dass es in der Spätantike kaum mehr pu­ni­sche Einflüsse im Latein Afrikas gab.

122 Darauf hat auch Baehrens, Ad Sexti Aurelii 252 f. aufmerksam gemacht.

123 Bei Victor wird von den verbindenden Konjunktion que 336-mal (56%), ac 95-mal (16%), atque 91-mal (15%) und et 76-mal (13%) verwendet, vgl. Cardinali s. v.; damit ist Victor der Historiker, der que am häufigsten als verbindende Konjunktion gebraucht. Da­gegen kommen in der Epitome que 174-mal und et 153-mal, bei Sallust que 482-mal und et 851-mal und bei Tacitus que 3273-mal und et 5976-mal (62%) vor.

124 So Löfstedt, Syntactica 2,342; auch H.-Sz. 474–76 spricht vom Be­deu­tungs­schwund von que, gibt aber als Beispiele zusammengesetzte Wörter wie ideoque, cum­que, quique, utque, utinamque etc. an.

125 Vgl. dazu jeweils die Einträge im Komm. Ebenso bewahrt O an einigen Stellen que, das in P fehlt (c. 4,13 idcircoque, c. 5,5 inventoque, c. 11,5 multoque, 17,4 feroque etc., da­ge­gen hat c. 4,6 P passimque).

126 Vgl. auch die Beispiele bei Dufraigne, Aurelius Victor xlix f. Anm. 156.

127 Vgl. auch Kap. I. 2.

128 Vgl. dazu Dufraigne, Aurelius Victor xlv–l f. Er weist darauf hin xlv, dass das Werk „à la fois selon les normes d’une technique biographique (pour les 38 pre­miers chapitres), et celles d’une technique historiographique (pour les 4 der­niers)“. Zur Debatte His­to­ri­ographie – Biographie vgl. auch Schmidt, Au­re­lius Vic­tor 1669 f., der den Unterschied zwi­schen den c. 1–38 (biographisch) und 39–42 (hist. monographisch) mit den verschiedenen Vor­lagen erklärt.

Erklärung der Siglen, Zeichen und Abkürzungen in Text und Apparat

O cod. Oxoniensis Canonici Lat. 131, 15. Jh.
P cod. Bruxellensis / Pulmannianus 9755–9763, 15. Jh.
{aaa} vom Editor getilgte Buchstaben
⟨aaa〉 vom Editor hinzugefügte Buchstaben
(aaa) vom Editor aufgelöste Abkürzungen
⟦aaa⟧ vom Schreiber oder anderer Hand getilgte Buchstaben
aaa unsicher erhaltene Buchstaben
[aaa] vom Editor in einer Lücke ergänzte Buchstaben
.... unleserliche Reste von Buchstaben
[ ̣ ̣ ̣] Zahl der in einer Lücke verlorengegangenen Buchstaben
* vom Schreiber freigelassener Raum im Umfang eines Buchstabens
Pa.c. Lesart in P vor der Korrektur (ante correctionem)
Pp.c. Lesart in P nach der Korrektur (post correctionem )
Pcorr. korrigierte Lesart in P (was vorher in P stand, ist unklar)
Pmarg. Lesart am Rand von P
add. addidit vel addiderunt
cf. confer
corr. correxit vel correctus, -a, -um
del. delevit
dub. dubitanter
fort. fortasse
in marg. in margine
litt. litterae
om. omisit vel omiserunt
s. l. supra lineam
s.c. scilicet
transpos. transposuit vel transposuerunt
ut vid. ut videtur

Aurelii Victoris historiae abbreviatae ab Augusto Octaviano {id est a

Aurelii  –  tertium suspectum

id  –  Livii del. D’Elia

fine Titi Livii} usque ad consulatum de­cimum Constantii Augusti et

Iuliani Caesaris tertium.

post tertium add. incipiunt foeliciter P

1 Aurelii  –  tertium suspectum1 id  –  Livii del. D’Elia3 post tertium add. incipiunt foeliciter P

1. (1) anno urbis septingentesimo fere vicesimoque duobus etiam,

5mos Romae incessit uni prorsus parendi. namque Octavianus patre Oc-

tavio atque adoptione magni avunculi Cae­sar ac mox procerum con­sulto

Cae­sar Rudoni : Caesaris OP | consultum Pa.c.

consultum Pa.c.

ob victoriam partium placide exercitam Augusti cognomento dic­tus, il-

lec­tis per dona militibus atque annonae curandae specie vulgo ceteros

per s. l. P

haud difficulter subegit. (2) eoque modo annis quattuor circiter et qua-

10dra­ginta actis morbo Nolae consumptus, adiectis imperio civium Raetis

Illyricoque ac pacata externarum gentium ferocia nisi Germa­niae, (3)

ac P : a O

quam­quam tertius post Numam victo Antonio Ianum clauserit, quod

iure Romano quiescentibus bellis accidebat. (4) mores viro civiles lepi-

civiles Schott : civilis OP

di­que flagrante haud modice luxuria ludorumque cupidine atque ad

que percultor, cum eloquentiae studio ac religionibus mire attine­re­tur.

(6) pater patriae ob clementiam ac tribunicia potestate perpetuo habitus.

ac OP : vocatus Freudenberg

ante habitus add. dignus Fuhr­mann | habuit Freudenberg

hinc­que uti deo Romae provinciisque omnibus per urbes celeberrimas

vivo mortuoque templa, sacerdotes et collegia sacravere. (7) felix adeo

20abs­que liberis tamen simulque coniugio, ut Indi, Scythae, Garamantes

iudei P

ac Bactri legatos mitterent orando foederi.


4 ante anno add. explicit prima pars huius operis O, finit prima pars huius operis incipit secunda aurelii victoris (victor Pa.c.) P4 duobus OP : secundo Gruter4 etiam OP : iterum Maehly6 Cae­sar Rudoni : Caesaris OP6 consultum Pa.c.7 patriam P, ut vid.7 exercitum O8 per s. l. P11 ac P : a O 13 civiles Schott : civilis OP15 in­temperantia Dacier : intemperantis OP : intemperantior Knecht16 attine­re­tur O : retineretur P17 ac OP : vocatus Freudenberg17 ante habitus add. dignus Fuhr­mann | habuit Freudenberg20 iudei P

2. (1) deinde Claudius Tiberius Nero in Augusti liberos e privigno

dein P

re­dac­tus arrogatione, ubi, quae metuebantur, satis tuta animadvertit,

arrogationem O | ubi quae Schott : ubique OP

ubi quae Schott : ubique OP

impe­rium complexus est, cuius nomen astu abnuebat. subdolus et oc-

obtinebat Pa.c.

25cultior hisque saepe simulando infensus, quae maxime cuperet, et in­si-

cupuret O

diose de­ditus, quae odio erant, ingenio ad repentina longe acriore. bonis


22 dein P23 arrogationem O23 ubi quae Schott : ubique OP24 obtinebat Pa.c.25 cupuret O


initiis deinde perniciosus quaesitissimis in omnem fere aetatem sexum-

que libidinibus atque atrocius puniens insontes noxios, suos pa­riter

noxios om. P

exter­nosque. (2) adhuc dum urbes et conventus exsecratur, Capreas in-

post conventus add. adhuc P

su­lam quaesiverat flagitiis obtentui. (3) quare solutis militiae artibus di-

quaesierat P

quare solutis Schott : qua resolutis O : quare solitis P : quare resolutis Maehly : quo resolutis D’Elia

5repta pleraque iuris Romani nihilque praeter Cappadocas, idque inter

ruris O

ex­ordia, in provinciam subactum remoto rege Archelao compressaque

ex­ordia Olivarius : exedra OP

provinciam Opitz : provincia OP

Gae­tulo­rum latrocinia, quae Tacfarinate duce passim proruperant. (4) si-

Tacfarinate Schott : de farnace OP

si­mul  –  cohortes om. P

mul Ma­robodus callide circumventus Suevorum rex. neque minus con-

Suevorum Dufraigne : suenorum O : sueborum Pichlmayr

tractas undique cohortes praetorias, quae dispersae proximis muni­cipiis

dispersas O

10seu Romae quaeque per domos habebantur, in castra apud urbem rede-

git, qua tenebantur, praefecturam appellans vel augens praetorio. nam

appellans vel del. D’Elia

ce­teros paritorum praesidesque Augustus instituerat.

apparitorum Gruter

1 deinde O : idem P : fine Gruter1 quaesitissimus O2 noxios om. P3 post conventus add. adhuc P4 quaesierat P4 quare solutis Schott : qua resolutis O : quare solitis P : quare resolutis Maehly : quo resolutis D’Elia5 ruris O6 ex­ordia Olivarius : exedra OP6 provinciam Opitz : provincia OP7 Tacfarinate Schott : de farnace OP7 si­mul  –  cohortes om. P8 Suevorum Dufraigne : suenorum O : sueborum Pichlmayr9 dispersas O11 appellans vel del. D’Elia12 apparitorum Gruter

que viginti, aevi octogesimum uno minus anno egisset, Gaius Caesar

annos P

15cog­no­mento Caligula aventibus cunctis deligitur maiorum gratiae

gratia D’Elia

parentisque. (2) namque per filiam proavus Augustus, genere materno

Agrippa, Drusus, Germanici pater e quo is oriebatur, avi erant. (3) quo-

ante Drusus add. paterno dub. Schott

avi Schott : avii O : anii P

rum modestia atque immaturo absque Octaviani interitu vulgus, simul

matris fratrumque, quos vario Tiberius exitio interceperat, per­mo­veban-

permovebatur Schott

20tur. (4) qua causa nitebantur omnes casum tantae familiae lenire adole-

qua  –  nitebantur om. Oa.c.

scentuli spe, tum quia natus in exercitu (unde cognomentum cal­cia-

mento militari quaesiverat) legionibus carus acceptusque habebatur. (5)

praeterea prudentissimus quisque similem fore suis credebat. quod

suis dub. Schott : sui OP

longe secus quasi naturae lege, quae crebro tamquam ex industria malos

25e bonis, agrestes ex doctioribus et ceteros huiuscemodi seu contra gig-

doctoribus O | gingit O

gingit O

nit. (6) quo demum exemplo sapientium plures caruisse liberis utilius

duxere. (7) ceterum in Caligula haudquaquam vero plurimum aberant,

haudquamquam O

quippe qui diu immania animi ita pudore ac parendi specie obtexerat,


13 febri an Pichlmayr : ferian OP : fere iam Pmarg. : del. Opitz14 annos P15 gratia D’Elia17 ante Drusus add. paterno dub. Schott17 avi Schott : avii O : anii P19 permovebatur Schott20 qua  –  nitebantur om. Oa.c.23 suis dub. Schott : sui OP25 doctoribus O25 gingit O27 haudquamquam O


uti merito vulgaretur neque meliores famulos neque atrociorem domi-

meliorem famulum dub. Schott

num illo fuisse. (8) denique nactus potestatem, uti talia ingenia recens

vidisse Oa.c.

recens OP : verti Gruter : deteri Pithou

solent, decem mensibus egregia ad populum, inter patres, cum militibus

gessit. delataque coniuratione quasi minus credens prae­di­cavit vix con-

5venire in eum, cuius vita nullius oneri aut incommodo esset. (9) sed

repente caesis primum vario facinore inno­centium paucioribus tamquam

inno­centium Schott : innocentum P : nocentium O

beluae hausto sanguine ingenium exeruit. itaque deinceps triennium

belua Maehly | exercuit P

exercuit P

con­sumptum, cum senatus atque optimi cuiusque multiplici clade terra-

multiplice O

rum orbis foedaretur. (10) quin etiam sororum stupro ac matrimoniis

sturpro O | post stupro add. turpis Damsté

post stupro add. turpis Damsté

10illu­dens nobilibus deorum habitu incedebat, cum Iovem se ob incestum,

ex choro autem Bacchanali Liberum assereret. (11) neque secus con-

choro Op.c.(cf. Epit. Caes. 3,5) : thoro Oa.c. P

trac­tis ad unum legionibus spe in Germaniam transgrediendi conchas

specie Schott

umbilicosque in ora maris Oceani legi iussit, (12) cum ipse nunc fluxo

cultu Venereoque interesset, nunc armatus spolia a se non ex homini-

Venereoque P : venereque O : venerioque Schott

15bus, sed caelestium capi dictitaret, scilicet quod huiuscemodi pisces

scilicet P : set O

Graecorum dicto, quis augendi omnia studium est, Nympharum lumina

post lumina add. nominari Freudenberg

accepisset. (13) his elatus dominum dici atque insigne regni nectere ca-

piti temptaverat. (14) qua causa auctore Chaerea moti, quibus Romana

virtus inerat, tanta pernicie rem publicam confosso eo levare. rela-

confosso SchottOP : confesso

levavere dub. Pichlmayr

rela­tumque Pichlmayr : praelatumque OP

20tumque excellens Bruti facinus eiecto Tarquinio foret, si per Quirites

torquinio O

modo militia exerceretur. (15) verum ubi cives desidia externos barba-

rosque in exercitum cogere libido incessit, corruptis moribus libertas

oppressa atque habendi auctum studium. (16) interim dum senatus de-

creto gentem Caesarum, etiam muliebri sexu, omnemque affinitatem ar-

25mati persequuntur, forte Vimius ortus Epiri, centurio e cohortibus, quae

uimius O : unius P : iunius dub. Festy

palatium per opportunos locos obsidebant, Titum Claudium occultan-

Titum P : titus O

claudius O

tem se repperit deformi latebra protractatoque eo exclamat apud socios,

reperit Schott

si sapiant, adesse principem. (17) et sane, quia vecors erat, mitissimus


1 meliorem famulum dub. Schott2 vidisse Oa.c.2 recens OP : verti Gruter : deteri Pithou3 decem Nickbakht : anni OP : anni primi primis vel prioribus Hertz3 patres Schott : partes OP4 prae­di­cavit dub. Schott : praedicaret OP : praedicarat Peteschenig6 inno­centium Schott : innocentum P : nocentium O7 belua Maehly7 exercuit P8 multiplice O9 sturpro O9 post stupro add. turpis Damsté11 choro Op.c.(cf. Epit. Caes. 3,5) : thoro Oa.c. P12 specie Schott14 Venereoque P : venereque O : venerioque Schott15 scilicet P : set O16 post lumina add. nominari Freudenberg19 confosso Schott : confesso OP19 levavere dub. Pichlmayr19 rela­tumque Pichlmayr : praelatumque OP20 torquinio O25 uimius O : unius P : iunius dub. Festy26 Titum P : titus O26 claudius O27 reperit Schott


videbatur imprudentibus. quae res adversum nefariam patrui Neronis

patrui Schott : patri Op.c.P : patris Oa.c.

mentem auxilio neque apud fratris filium Caligulam invidiae fuit; quin

fratres O | Caligulam Schott : caligula OP

Caligulam Schott : caligula OP

etiam militares plebisque animos conciliaverat, dum flagrante suorum

dominatione ipse contemptui miserabilior haberetur. (18) talia plerisque

5memorantibus repente eum nullo retractante, quae aderant, turbae

cum O

circumsistunt simulque affluebant reliqui militum et vulgi magna vis.

quod ubi patres accepere, mittunt ocius, si valerent, ausum comprimere.

ocius Pmarg. : hoc ius OP

ocius  –  comprimere OP : qui ocius ausum comprimeret Freudenberg

si valerent om. P

(19) sed postquam variis tetrisque seditionibus civitas cunctique ordines

lacerabantur, tamquam ex imperio omnes dedere se. (20) ita Romae

se P : set O

10regia potestas firmata proditumque apertius mortalium conatus vacuos a

a del. Klotz

fortuna cassosque esse.

cassos{que} Klotz

1 patrui Schott : patri Op.c.P : patris Oa.c.2 fratres O2 Caligulam Schott : caligula OP5 cum O7 ocius Pmarg. : hoc ius OP7 ocius  –  comprimere OP : qui ocius ausum comprimeret Freudenberg7 si valerent om. P9 se P : set O10 a del. Klotz11 cassos{que} Klotz

4. (1) igitur Claudius, quamquam ventri foede oboediens, vecors

iuxta atque immemor pavidusque animi et ignavior esset, pleraque per

for­midinem tamen egregie consultabat nobilitatis praecipue consiliis,

consiliis quae Schott : consiliisque OP

15quae metu colebatur, quippe stolidorum ingenia proinde agunt, uti mo-

ni­to­res sunt. (2) denique bonis auctoribus compressa per eum vitia ac

per Gal­liam druidarum famosae superstitiones, lata iura quam com­mo-

druidarum Schott : drysadarum (-sud- P) OP

superstitione O

dis­sima, curatum militiae officium, retenti fines seu dati imperio Ro­ma-

no, Mesopotamia per orientem, Rhenus Danubiusque ad septemtrio­nem

20et a me­ridie Mauri accessere provinciis demptis regibus post Iubam cae-

sa­que Musulamiorum manus. simul ultima occasus, Britan­niae partes

contusae, quam solam adiit Ostia profectus mari. nam cetera duces cura-

solum O | adiit Schott : adit OP

adiit Schott : adit OP

vere. (3) adhuc annonae egestas composita, quam Caligula invexerat,

induxerat P

dum ad­ac­tis toto orbe navigiis pervium mare theatris curri­bus­que

25damno publico efficere contendit. (4) neque secus censu novato cum se-

se­natu Schott : senatus OP

natu motis pluribus lascivum adolescentem, quem sibi probatum pa­rens

asseruerat, reti­nuisset, censorem et liberis patrem debere esse recte ad­ie-

aiecerat O

cerat. (5) ast ubi Messalinae coniugis simulque libertorum de­li­nimentis,

qui­bus se­met dediderat, in pravum abstractus, non illa modo ty­ranno-

30rum ad­missa, verum quae postremum genus mulierum atque ser­vile qui-

verum quae Schott : verumque OP

bat facere viro amenti dominoque. (6) namque uxor primo passim quasi

passimque P

14 consiliis quae Schott : consiliisque OP17 druidarum Schott : drysadarum (-sud- P) OP17 superstitione O21 Musulamiorum Op.c.marg. : musul*** Oa.c. : musalamiorum P22 solum O22 adiit Schott : adit OP23 induxerat P25 se­natu Schott : senatus OP27 aiecerat O30 verum quae Schott : verumque OP31 passimque P


iure adulteris utebatur, eoque exstincti cum suis plerique in­genio seu

minatur. (7) dehinc atrocius ac­censa {nobiliore quas} nobi­lio­res quas-

nobiliore quas del. Schott

que nuptas et virgines scortorum modo secum prostituerat coac­ti­que

5mares, uti adessent. (8) quod si qui talia horruerat, afficto crimine in

quis Epit. Caes. 4,5 | horruerant O

horruerant O

ipsum omnemque familiam saeviebatur. (9) namque Claudium, uti

supra docuimus, natura performidolosum iniecto metu sui agitabant ma-

xime coniurationis. quo commento liberti etiam, quos vellent, perditum

10sunt, eam quoque ignaro, quasi iubente tamen domino per satellites in-

interfecere Schott

ter­ficere. (11) et sane in id progressa mulier erat, uti animi ac pae­licum

gratia marito Ostiam profecto Romae nuptias cum altero frequen­taret. et

marito MommsenO : om. P : merito

hostiam O

adultero Arntzen

hinc notior, dum mirum videtur apud imperatorem virum alii viro

hinc P, ut vid. : huic O

OP : viro Opitz, duce Epit. Caes. 4,5

alii viro add. Shackleton Bailey

quam im­peratori nuptam esse. (12) ita liberti potestatem nacti summam

15stup­ris, exilio, caede, proscriptionibus omnia foedabant eoque herilem

stuporis O

stulti­tiam perpulere, uti senex fratris filiam in nuptias concupisceret.

(13) quae quamvis superiore absurdior haberetur idcircoque paria ex­ti-

absurdior OP : abstinentior Shack­leton Bailey : adulteriis sordidior Soverini

post haberetur add. cum adulterii conscia esset Shackleton Bailey

idcircoque O : idcirco P

mes­ceret, veneno coniugem interemit. (14) huius anno sexto, cum

quattuor­decim regnaret, octingentesimus urbis mire ce­le­bratus visusque

regnarit P

20apud Aegyptum Phoenix, quam volucrem ferunt anno quingentesimo ex

quinquagesimo P

Ara­bis memoratos locos advolare, atque in Aegaeo mari repente insula

repete O

in­gens emersit nocte, qua defectus lunae acciderat. (15) ceterum funus

ceterum O : tetrum P

uti quondam in Prisco Tarquinio diu occultatum, dum arte mulieris cor-

rupti custodes aegrum simulant atque ab eo man­da­tam interim privigno,

25quem paulo ante in liberos asciverat, curam rei publicae.


2 petisse pe­titos Damsté : peti a se petitos OP : peti se a petitis Schott3 nobiliore quas del. Schott5 quis Epit. Caes. 4,55 horruerant O9 coniventes Mommsen, duce Olivario : cohibentes OP : colludentes dub. Schott10 interfecere Schott12 marito Mommsen : merito O : om. P12 hostiam O12 adultero Arntzen13 hinc P, ut vid. : huic O13 OP : viro Opitz, duce Epit. Caes. 4,513 alii viro add. Shackleton Bailey15 stuporis O17 absurdior OP : abstinentior Shack­leton Bailey : adulteriis sordidior Soverini17 post haberetur add. cum adulterii conscia esset Shackleton Bailey17 idcircoque O : idcirco P19 regnarit P20 quinquagesimo P21 repete O22 ceterum O : tetrum P

5. (1) eo modo Lucius Domitius (nam id certe {lucius domicius ne-

ante eo modo add. de imperio neronis P

luciusq O

certe Schott : certi OP

lucius domicius nero del. Schott : lacunam statuit Dufraigne

ro} no­men Neroni patre Domitio erat) imperator factus est. (2) qui cum

longe adolescens dominatum parem annis vitrico gessisset, quinquen-

nium tamen tantus fuit augenda urbe maxime, uti merito Traianus saepe

troianus O | sae­pius P

sae­pius P


26 ante eo modo add. de imperio neronis P26 luciusq O26 certe Schott : certi OP26 lucius domicius nero del. Schott : lacunam statuit Dufraigne29 troianus O29 sae­pius P


testaretur procul differre cunctos principes Neronis quinquennio. quo

etiam Pontum in ius provinciae Polemonis permissu redegit, cuius gra-

permissu Schott, : permissum OP

tia Polemoniacus Pontus appellatur, itemque Cottias Alpes Cottio rege

mortuo. (3) quare satis compertum est neque aevum impedimento vir-

est om. P | aevum P : eum O

aevum P : eum O

5tuti esse et eam facile mutari corrupto per licentiam ingenio omissam-

et add. Scardino

que adolescentiae quasi legem perniciosius repeti. (4) namque eo dede-

core reliquum vitae egit, uti pigeat pudeatque memorare huiuscemodi

quem­piam, nedum rectorem gentium, fuisse. (5) qui dum psallere per

quem­quam P

coetus Grae­corum invento in certamen coronae coepisset, eo progressus

inventoque O | coepisset P : cepisset Op.c. : pisset Oa.c.

coepisset P : cepisset Op.c. : pisset Oa.c.

10est, uti ne­que suae neque aliorum pudicitiae parcens ad extremum

pudicie O

amictus nu­bentium virginum specie palam senatu dote data cunctis festa

data OP : dicta Freudenberg

post festa dub. sollemni add. Sylburg

more ce­le­brantibus in manum conveniret lecto ex omnibus prodigiosis.

(6) quod sane in eo levius aestimandum, (7) quippe noxiorum vinctis

in eo levius O : in eo narrantur scelera neronis laevius P

vinctis vel iunctis P : iuctis O

15sector marium maiore flagitio. (8) atque inter haec matrem etiam con­ta-

minavisse plu­res habent, dum ea quoque ardore dominandi scelere

dominandi ardore P

quolibet subici fi­lium cupit. (9) id ego quamquam scriptoribus diversa

firmantibus verum puto. (10) namque ubi mentem invaserint vitia,

nequa­quam verecundiae †externis societate humanius† datur, peccandi

nequam­quam O : nequam Maehly, qui post levius interpunxit

nequa­quam  –  consuetudo OP : nec quidquam verecundiae est et externis satiata immanius excitatur peccandi consuetudo Freudenberg

inverecundiae Walter : an verecundia?

externis societate humanius P : extenis societate humani O : externae societate immanius Olivarius : externa satietate humanis (humanius Den Boer) Arntzen : externis satiatae humanior vis Walter : externis societate humana ius Dufraigne : an externis affectis vel soluta societate humani iuris?

post externis add. expetitis Soverini

20consuetudo nova et eo dulciora affectans ad extremum in suos agit. (11)

agens P

quod his proditum magis, dum quasi quodam pro­gressu illa per alteros

adulteros Arntzen

ad patrui nuptias at­que alienorum cruciatibus mariti exitium, hic

partui O

paulatim ad sacerdotem Vestae, deinde se, postremo uterque in sui

sui OP : se Schott

scelus processerint. (12) ne­que blandimentis talibus tamen coalescere

talibus Schott : latibus OP

25potuere, sed eo praeceps dari: dum insidiantur invi­cem, mater praeversa

dati Schott

praeversa Pichlmayr : perversa OP : praeventa Freudenberg

interiit. (13) igitur cum omne ius fasque parricidio trivisset ac magis

ius om. O

2 permissu Schott, : permissum OP4 est om. P4 aevum P : eum O5 et add. Scardino8 quem­quam P9 inventoque O9 coepisset P : cepisset Op.c. : pisset Oa.c.10 pudicie O11 data OP : dicta Freudenberg11 post festa dub. sollemni add. Sylburg13 in eo levius O : in eo narrantur scelera neronis laevius P13 vinctis vel iunctis P : iuctis O14 ex­sector marium Pantinus : exactor parium OP : exactor marium Freudenberg : ex­sec­tor parium D’Elia16 dominandi ardore P19 nequam­quam O : nequam Maehly, qui post levius interpunxit19 nequa­quam  –  consuetudo OP : nec quidquam verecundiae est et externis satiata immanius excitatur peccandi consuetudo Freudenberg19 inverecundiae Walter : an verecundia?19 externis societate humanius P : extenis societate humani O : externae societate immanius Olivarius : externa satietate humanis (humanius Den Boer) Arntzen : externis satiatae humanior vis Walter : externis societate humana ius Dufraigne : an externis affectis vel soluta societate humani iuris?19 post externis add. expetitis Soverini20 agens P21 adulteros Arntzen22 partui O23 sui OP : se Schott24 talibus Schott : latibus OP25 dati Schott25 praeversa Pichlmayr : perversa OP : praeventa Freudenberg26 ius om. O


magisque in optimos saeviretur, con­iu­ra­vere plures varia sane

serviretur Oa.c.

tempestate ad liberandam rem publicam. (14) quis proditis caesisque

immanior urbem incendio, plebem feris vulgo missis, senatum pari

morte tollere decreverat, nova sede regno quae­sita maximeque incitante

morte OP : modo Schott : more Arntzen

5legato Parthorum, qui forte inter epulas aulicis, uti mos est, canentibus,

cum sibi citharistam poposcisset, re­sponso dato liberum esse, adiecerat

sumeret ipse quem vellet e suis, os­tentans, qui con­vivio aderant, quod

con­vivio aderant Schott : convivia oderant OP

liber sub imperio nullus haberetur. (15) ac ni Galba, qui Hispaniae

praesidebat, cognito mandatum sui exi­tium quam­quam senecta aetate

10imperio correpto subvenisset, tantum fa­cinus haud dubie patraretur. (16)

corrupto dub. Arntzen

verum eius adventu desertus undique nisi ab spa­done, quem quondam

exsectum formare in mulierem tenta­verat, semet ictu transegit, cum

trasiegit O

implorans percussorem diu ne ad mor­tem quidem meruisset cuiusquam

officium. (17) hic finis Caesarum genti fuit, quem fore prodigiorum

15multa de­nuntiavere praecipueque eorum praediis arescens lauri nemus

dicatum triumphantibus atque interitus gallinarum, quae adeo multae

albaeque erant aptioresque religionibus, ut his Romae habeatur hodie

locus.


1 serviretur Oa.c.4 morte OP : modo Schott : more Arntzen 7 con­vivio aderant Schott : convivia oderant OP10 corrupto dub. Arntzen12 trasiegit O17 albaeque  –  locus del. Jordan17 aptiores erant P17 eis Schott

6. (1) at Galba, haud secus nobilis e gente clarissima Sulpiciorum,

ante at Galba add. Galba P

at Schott : [ . ]t (a add. alt. man. Pmarg.) OP

20ubi Ro­mam ingressus est, quasi luxuriae aut etiam crudelitati auxilio

venti­ta­visset, rapere trahere vexare ac foedum in modum vastare cuncta

et pollu­ere. (2) quis rebus intestabilior (dum gravius offendunt, quos

mol­lius consultaturos spes erat), simul quia opes militum nimis pecu-

con­sul­turos P

niae cupidus attenuaverat, Othone auctore interficitur. qui praelatum ad-

25optione eius Pisonem impatientius dolens accensas cohortes arma­tas­que

in forum deduxerat. (3) quo cum lorica tectus Galba tumultum leni­turus

contenderet, ad lacum Curtium caesus est mense imperii ac die septimo.

contempneret O

Curtium Schott : ortium OP

caesus P : occisus O


19 ante at Galba add. Galba P19 at Schott : [ . ]t (a add. alt. man. Pmarg.) OP23 con­sul­turos P27 contempneret O27 Curtium Schott : ortium OP27 caesus P : occisus O

7. (1) igitur Salvius Otho, Neroni quondam criminose familiaris,

Otho Schott : othon OP | ante quondam add. quoque P

ante quondam add. quoque P

haud multo fine adolescentiae grandior potentiam invadit. (2) qua dies

qua O : qui Pcorr.

30fere quinque et nonaginta praecognitis moribus potitus, postquam a

nonaginta D’Elia OP: octoginta

praecognitis (pro- O) moribus OP

Vitellio, qui e Gallia descenderat, Veronensi proelio pulsus est, mortem

Cremonensi dub. Dufraigne

sibimet con­scivit.


28 Otho Schott : othon OP28 ante quondam add. quoque P29 qua O : qui Pcorr.30 nonaginta D’Elia : octoginta OP30 praecognitis (pro- O) moribus OP31 Cremonensi dub. Dufraigne


8. (1) ita ad Aulum Vitellium potestas delata, quae progressu fu-

nestior ta­li­bus initiis foret, si Vespasianus aliquamdiu Iudaeorum bello,

quod Nero­nis iussu susceperat, impensius attineretur. (2) is ubi gesta

per Gal­bam ipsumque oppressum accepit, simul quoniam legati Moe-

exspecatveris Moesici

5siae Pan­no­nici­que exercitus hortantium venerant, imperium capit. (3)

hortatum dub. Schott

namque milites praedicti, postquam Othonem praetoriis, Vitellium Ger-

mani­ci­anis legionibus factum comperere, aemuli ut inter se solent ne

comperere Schott : compè O : competer P | ut om. O

ut om. O

dis­simi­les viderentur, Vespasianum perpulere, in quem iam Syriacae

co­hortes ob egregia vitae consenserant. (4) quippe Vespasianus nova

10sena­tor fa­milia Reatinis maioribus industria rebusque pacis ac militiae

longe nobilis habebatur. (5) huius legatorum in Italiam transgressu

Italiam Schott : Italia OP

fusisque apud Cremonam suis Vitellius ab Sabino urbi praefecto,

Vespa­siani fratre, sestertium milies pepigerat arbitris militibus imperio

miles O

decedere. sed postquam mox circumventum se nuntio ratus est, quasi

15renovato fu­rore ipsum ceterosque adversae partis cum Capitolio, quod

cum O : non P

remedium saluti ceperant, cremavit. (6) ast ubi vera esse ac propinquare

saluti remedium P

hostes patefactum est, productus e tugurio, quo se abdiderat, ianitoris

in­iecto laqueo parricidarum more ad scalas Gemonias perque eas

pertractus. simul ictibus, quantum quisque valuerat, confosso corpore in

protractus O | confesso O

confesso O

20Tiberim de­icitur tyrannidis octavo mense annos natus quinquaginta et

septem amplius. (7) hi omnes, quos paucis attigi, praecipueque Caesa-

pauci O

post praecipueque add. nota quod omnes hi imperatores fuerunt litterati sed scelerati Pmarg.

rum gens adeo litteris culti atque eloquentia fuere, ut, ni cunctis vitiis

ni P : in O

absque Au­gusto nimii forent, tantae artes profecto texissent modica

flagitia. (8) quis rebus quamquam satis constet praestare mores, tamen

25bono cuique, praesertim summae rectori, utroque, si queat, iuxta opus,

bono om. P

summo O

post summae add. rei Opitz

sin aliter, vitae proposito immensum progrediente elegantiae satis atque

aliter O : autem P

proposito O : propositum Pa.c. : proposito Pp.c., ut vid.

immensum Pa.c. : in mensum O : in immensum Pp.c., ut vid.

progrediente P : pregrediente O : regrediente Mommsen

elegantiam Closs

satis P : saltem O


4 exspecatveris Moesici5 hortatum dub. Schott6 ante praetoriis add. praedictum P6 germicianis P7 comperere Schott : compè O : competer P7 ut om. O11 Italiam Schott : Italia OP13 miles O15 cum O : non P16 saluti remedium P18 Gemonias Schott: gemonas OP19 protractus O19 confesso O20 quinquaginta et septem D’Elia : septuaginta et quinque OP21 pauci O21 post praecipueque add. nota quod omnes hi imperatores fuerunt litterati sed scelerati Pmarg.22 ni P : in O25 bono om. P25 summo O25 post summae add. rei Opitz26 aliter O : autem P26 proposito O : propositum Pa.c. : proposito Pp.c., ut vid.26 immensum Pa.c. : in mensum O : in immensum Pp.c., ut vid.26 progrediente P : pregrediente O : regrediente Mommsen26 elegantiam Closs26 satis P : saltem O27 auctoritatis su­mat eruditione D’Elia : auctoritatis su­mat eruditionem OP : eruditionis sumat auctoritatem Pichlmayr


9. (1) hoc item ex genere Vespasianus, sanctus omnia, facundiae

haud egens promendis, quae senserat, exsanguem diu fessumque terra-

haud P : aut O

rum or­bem brevi refecit. (2) namque primum satellites tyrannidis, nisi

qui forte atrocius longe processerant, flectere potius maluit quam ex-

5cruciatos delere prudentissime ratus nefaria ministeria a pluribus metu

curari. (3) deinde coniurationum multas scelere inulto abscedere patie-

dein P | inulto P, ut vid. : multo O

inulto P, ut vid. : multo O

batur, comi­ter uti erat stultitiae coarguens, qui ignorarent, quanta moles

comi­ter OP : humaniter Pmarg. | arguens P

arguens P

molestia­que imperio inesset. (4) simul divinis deditus, quorum vera

deditus Schott : deditos OP

plerisque negotiis compererat, successores fidebat liberos Titum ac Do-

10mitianum fore. (5) praeterea legibus aequissimis monendoque, quodque

monendo P

vehemen­tius est, vitae specie vitiorum plura aboleverat. (6) infirmus

abolerat O

tamen, uti qui­dam prave putant, adversum pecuniam, cum satis constet

aerarii inopia ac labe urbium novas eum neque aliquamdiu post habitas

ac labe OP : et clade Epit. Caes. 9,7 | postea P

postea P

vecti­ga­lium pensiones exquisivisse. (7) namque Romae Capitolium,

15quod con­fla­gravisse supra (c. 8,5) memoravimus, aedes Pacis, Claudii

conflagrasse P

monu­menta, amphi­theatri tanta vis multaque alia ac forum coepta seu

vis OP : an moles?

multaque alia Maehly : multaeque aliae OP

ac om. O

seu O : ac P

patrata. (8) ad­huc per omnes terras, qua ius Romanum est, renovatae

ius Romanum P : vis romanorum O

urbes cultu egre­gio viaeque operibus maximis munitae et cavati montes

per Flami­niam prono transgressui. (9) quae tot tantaque brevi confecta