KFHist: (B 3) Eutropius Skip to main content

Ein Editionsprojekt der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

HHUD Düsseldorf

(B 3) Eutropius



Einleitung

S. 3

I. Historiographische Bemerkungen

Das Breviarium Eutrops bietet eine kurz gefasste Geschichte Roms von der legendären Gründung bis zur Regierungszeit Jovians (363–364 n. Chr.). Unterteilt ist es in zehn Bücher, von denen Buch 1 bis 6 die Geschichte der Republik, Buch 7 bis 10 die Geschichte der Kaiserzeit als eine Serie von Kaiserbiographien behandelt.1

Über das Leben des Autors weiß man wenig. Gesichert ist durch die einzige autobiographische Aussage innerhalb des Textes, dass Eutrop Teilnehmer des Perserfeldzugs Julians war, vgl. 10,16,1 ingenti apparatu Parthis intulit bellum, cui expeditioni ego quoque interfui. Er war dabei wohl kein Soldat, sondern gehörte zu den comites des heidnischen Kaisers, dessen Standpunkt er bei der Beurteilung der Geschichte seiner Vorgänger des Öfteren übernommen zu haben scheint.2 Sein Geschichtswerk widmete S. 4 er dem Kaiser Valens, der es zuvor in Auftrag gegeben hatte.3 Trotz einiger jüngst geäußerter Zweifel kann ferner weiterhin als relativ sicher gelten, dass Eutrop magister memoriae am Hofe des Valens war.4 Schließ­lich scheint auch festzustehen, dass die Widmung des Geschichtswerks bald nach 369 erfolgte, nämlich nach der Annahme des Titels eines Gothicus maximus durch Valens.5

Andere im Werk selbst zu entdeckende Angaben sind mit Ausnahme eines Hinweises auf das Lager Kirkesion, das Eutrop als Teilnehmer der Julian-Expedition gekannt haben muss (Eutr. 9,2,3), zu vage, um daraus Informationen für die Biographie des Autors zu gewinnen.6 Von den übri­gen späteren Zeugnissen zum Autor, die wiederholt zusammengetragen worden sind,7 bieten dagegen einige nur Extrapolationen, die aus demS. 5 Geschichtswerk selbst entwickelt sind. In anderen Fällen ist angesichts der Tatsache, dass der Name Eutropius sehr verbreitet war, unklar, ob wirklich eine Identität mit dem Profanhistoriker anzunehmen ist. Nach der meist vorgenommenen, mit großen Unsicherheiten behafteten Rekonstruktion seiner Laufbahn könnte Eutrop nach seiner Zeit als magister memoriae als Prokonsul Asiens amtiert haben. Nachdem er sich dann durch seine Verwicklung in die Theodorus-Affäre vom Hofe des Valens zurückziehen musste, machte er unter Gratian und Theodosius weiter Karriere, vielleicht als comes sacrarum largitionum, weiter dann als praefectus praetorio in Illyricum8 und als Konsul von 387.

Die Herkunft des Eutropius möchte die Suda in Italien verorten.9 Doch sind hier lediglich aus der Tatsache, dass Eutrop in „italischer Sprache“ schreibt, Schlussfolgerungen vorgenommen worden.10 Bonamente hält dagegen Eutrop für einen Griechen und zieht für diese Vermutung Nikephoros Gregoras heran.11 Allerdings kann Nikephoros das Urteil über den „Hellenen“ Eutrop nur aus dem Text Eutrops selbst gewonnen haben. Es ist daher wahrscheinlich, dass es sich ausschließlich auf den heidni­schen Glauben des Autors bezieht,12 der vor allem aus der negativen Cha­rakterisierung Konstantins und der Ignorierung christlicher Tatbestände hervorgeht.13 Des Weiteren weist Bonamente Eutrop dem antiochenischen Freundeskreis des Libanios zu. Diese Annahme beruht auf der S. 6Identifi­zierung des Historikers mit einem gleichnamigen Korrespondenten des Libanios sowie auf den Angaben über die Verwicklung des Prokonsuls Asiens Eutrop in die Theodorus-Verschwörung.14

Eine gewisse Wahrscheinlichkeit hat für sich, dass der Korrespondent des Symmachus (ep. 3,46–53) mit dem Breviator identisch ist. Denn dieser Korrespondent hat offenkundig bereits Proben historiographischer Expertise vorgelegt und Symmachus spricht die Erwartung aus, dass diese für die Verherrlichung der Kriegstaten des Kaisers Gratians eingesetzt werden möge.15 Aus dieser Korrespondenz geht zwar hervor, dass Eutrop Grundbesitz in Asien (ep. 3,53) hat. Dies schließt allerdings bei einem Spitzenfunktionär, der an verschiedenen Kaiserhöfen wirken konnte, eine Provenienz aus dem Westen nicht aus. So könnte durchaus Bordeaux der Herkunftsort des Historikers gewesen sein, wenn man eine Identifizierung mit dem gleichnamigen bei Marcellus erwähnten Autor in Betracht ziehen möchte.16

Sollte die These von der östlichen Herkunft zutreffen, würde Eutrop zu den griechischen Intellektuellen gehören, deren sprachlichen Leistungen – wie Ammian oder Claudian – die spätlateinische Literatur so viel verdankt. Bei einer solchen westlichen Identität müsste Eutrop zu den Anhängern Julians gehört haben, die ihm aus Gallien gefolgt waren.

Über hypothetisch bleibende, aber nicht völlig spekulative Kombina­tionen ist angesichts der Homonymien nicht hinauszugelangen. Die bereits erwähnten Elemente, die aus dem Geschichtswerk (einschließlich des Widmungskapitels) selbst gewonnen werden können, genügen aber bereits für eine zufriedenstellende historische Einordnung. Das GeschichtswerkS. 7 stammte aus der Feder eines hochrangigen Bürokraten und sprachlich versierten Experten17 am Hofe des Valens, der aus welchen Gründen auch immer Teilnehmer der Persienexpedition Julians gewesen ist, aber unter den Folgekaisern weiter Karriere gemacht haben dürfte. Seine Stellung als Mitglied einer Elite von Hoffunktionären ermöglichte es ihm, das Reich in seiner Gesamtheit in den Blick zu nehmen.

Diese Funktionärselite wusste gegenüber dem Kaiser durchaus Erwar­tungen und Empfehlungen zu formulieren. Raffiniert betont Eutrop in seinem Proömium, Valens sei bei der Verwaltung des Reiches „den Taten berühmter Männer schon gefolgt (…), noch bevor er sie durch Lektüre kennenlernte“. Damit legt er den Kaiser in pädagogischer Weise darauf fest, entsprechend dem vertrauten Modell römischer Geschichtsauffas­sung18 die römische Geschichte als eine Serie von Beispielen zu begreifen, in denen die Ideale der Funktionärselite bald erfüllt, bald in tadelnswerter Weise vernachlässigt wurden.19 Vor allem für die Vorgängerkaiser, die als Nachfolger der „berühmten Männer“ gesehen wurden, wird in der Art ei­ner Bilanz verzeichnet, wer die Normen erfüllt und wer zu den schlechten Kaisern zählt.20

Dabei wird die Regierung eines Kaisers nach zwei Hauptgesichtspunk­ten gewertet. Für die Innenpolitik umschreibt Eutrop sein Ideal mit civilis, bzw. mit civilitas.21 Diese Begriffe sind dabei im Deutschen nicht einfach wiederzugeben. „Bürgerlich“ wirkt bisweilen antiquiert, wurde aber hier in der Regel belassen, da es die Sache eher trifft, als Ausdrücke wie „leutse­lig“ oder „herablassend“. Der Begriff ist nur aus der Problematik der Prinzipatsideologie zu verstehen, in der der Kaiser zwar Monarch ist, sichS. 8 aber innerhalb der vermeintlich weiter existierenden alten Verfassungs- und Gesellschaftsordnung nicht nur so verhalten muss, als sei er nur ein nobilis unter anderen, ein primus inter pares, sondern dies auch noch am besten selbst glaubt. Als Variante von civilitas kann moderatio gelten.22 Das Gegenteil ist die Arroganz, also die superbia, für die Eutrop auch den Begriff insolentia verwendet.23 Für die Außenpolitik besteht das Ideal in der Demonstration imperialer Stärke. Umschrieben wird dieses Ideal mit Adjektiven wie strenuus, mit Substantiven wie fortitudo, virtus, gloria,24 vor allem aber dadurch, dass imperiale Großtaten in positiv wertender Weise in der Art eines Bulletins aufgeführt werden.

Im besten Falle gelingt es, beiden Gesichtspunkten gleichermaßen gerecht zu werden. Unerreichbar ist nach Überzeugung Eutrops hier Trajan gewesen. Dieser Kaiser verschiebt die seit Augustus stabilen Grenzen, wobei die imperialen Erfolge von Eutrop übertrieben werden, indem Trajan die Wiedergewinnung von Städten im rechtsrheinischen Germanien zugeschrieben wird.25 Für die Eroberung Dakiens stellt Eutrop, um den imperialen Erfolg dieses Kaisers deutlich zu machen, eine scharfe Kontrastierung zu den Verhältnissen der Gegenwart her, indem er darauf hinweist, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Taifalen, Victofalen und Terwingen das Gebiet besetzt halten (Eutr. 8,2,2). In ungewöhnlich kleinteiliger Weise werden die Eroberungen und Erfolge Trajans im Osten aufgeführt (Eutr. 8,3). Diesen militärischen Ruhm überstrahlt dann noch die civilitas des Kaisers, für die Eutrop zahlreiche Beispiele anführt (Eutr. 8,5). Weitere Musterkaiser in der Porträtserie des Breviators sind Mark Aurel, Claudius Gothicus oder Probus, der Aurelian gloria militari gleichkommt, morum autem civilitate übertrifft.

In diesen Wertungen ist Eutrop selbstverständlich wenig originell, sondern greift bekannte Muster auf. Denn beide Ideale sind bereits in der frühkaiserzeitlichen Geschichtsschreibung Normen gewesen, die für die Beurteilung von Kaisern maßgeblich waren.26 Bei schlechten Kaisern wieS. 9 Tiberius korrespondiert tyrannisches Verhalten im Innern mit der Erlah­mung des imperialen Schwunges, bei seinem Gegenspieler, dem potentiel­len besseren Princeps Germanicus, gehen Bürgersinn und Sinn für imperiale Größe Hand in Hand. Trotzdem hatte die Festlegung des regie­renden Kaisers auf diese konventionellen Programme, wie sie durch das historische Kurzhandbuch des Eutrop erfolgte, für die Eliten des ausgehenden vierten Jahrhunderts durchaus auch aktuelle politische Be­deutung. Mit der bei Eutrop geradezu penetranten Betonung des Ideals des civilis princeps, die gegenüber Aurelius Victor als Besonderheit auf­fällt,27 die sich aber ähnlich beispielsweise im Panegyrikus des Claudius Mamertinus findet,28 formulierte nämlich die Funktionärselite, die sich in einer Kontinuität zum altrömischen Senat wähnte, auch wenn sie insbeson­dere im Osten mit dem früheren Senat wenig gemeinsam hatte, ihre Erwartungen. Wenig berechenbare und potentiell gefährliche Parvenüs wie Valentinian und Valens sollten darauf festgelegt werden, dass trotz der absoluten Macht des Kaisers, die nicht grundsätzlich in Frage gestellt wurde, die Illusion eines angemessenen Umgangs mit der unmittelbaren Umgebung von Würdenträgern gepflegt wurde. Exemplarisch beschreibt Eutrop diesen Aspekt anhand der Charakterisierung Mark Aurels: „Er stand mit allen in Rom auf gleichem Fuß und wurde dadurch, dass er auf dem Gipfel der Macht stand, zu keiner arroganten Überhebung fortgerissen und war von bereitwilligster Großzügigkeit.“ (Eutr. 8,12,1)Die Be­deutung, die dieses Verhalten für Eutrop hat, erklärt sich damit, dass sich bekanntlich an der Wende des dritten zum vierten Jahrhundert die monarchische Repräsentation in besonderem Maße sakralisiert und abgehoben hatte, einen Prozess, den Eutrop, seinen Quellen folgend, im Zusammenhang mit der Regierung Diokletians charakterisiert und beklagt hat.29 Trotz dieser Formen des „Dominats“ und hieratischen Überhöhung, die für das spätantike Kaisertum als typisch betrachtet werden, blieben Kommunikation und Betonung der Ansprechbarkeit dem spätantiken Kaisertum nicht unbekannt, sondern waren zum Machterhalt unabdingbar.S. 10 Die Architektur spätantiker Residenzen betont zwar auf der einen Seite die erhabene Unnahbarkeit des Kaisers im zeremoniellen Kontext, stellt aber auf der anderen Seite durch die Serie von Banketträumen die Gastlichkeit und den sozialen Umgang des Kaisers heraus.30 In Eusebs Vita Constantini ist dementsprechend Konstantin auf der einen Seite ein halbgöttliches We­sen, das in Edelsteinprunk in einem Sitzungssaal thront, auf der anderen Seite aber ein Kaiser, der in freundlichem Gespräch gemeinsam mit den Funktionärsbischöfen beim Bankett tafelt.31 Auch im Bericht Ammians über den Rombesuch des Constantius fällt auf, dass der Kaiser einerseits seine imperiale Hoheit zur Schau stellt, andererseits um die Demonstration seiner Leutseligkeit bei Volk und Senat bemüht ist.32

Eutrop verbindet also mit der Betonung des Ideals des civilis princeps die Hoffnung, Valens auf einen angemessenen und respektvollen Umgang mit den höfischen Würdenträgern festzulegen. Zu diesem Ideal gehörte seiner Ansicht nach, abweichend von dem, was einem modernen Staatsideal entsprechen würde, dass der Kaiser zwar auch sonst freigiebig ist, aber seine „Freunde“ – d. h. vor allem seine hochgestellte höfische Umgebung, zu der etwa Eutrop selbst gehörte – mit Wohltaten und Ehren überhäuft. Für Augustus wird rühmend hervorgehoben, er habe „auf die bürgerlichste Weise“ gelebt, „gegen jedermann äußerst freigiebig, gegen seine Freunde im höchsten Maße treu, die er zu so großen Ehren erhob, dass er sie beinahe seiner eigenen Höhe gleichstellte.“33 In der Bilanz des Claudius wird positiv verzeichnet, dass er sich zumindest „gegen bestimmte Freunde (gesittet verhielt)“ und sie an herausragenden Ehrungen partizipieren lässt (Eutr. 7,13,4). Der Musterkaiser Trajan „bereicherte öffentlich und privat alle und erhöhte sie mit Ehrenämtern, auch wenn er sie nicht besonders gut kannte“ (Eutr. 8,4). Die Bilanz des Antoninus Pius ist unter anderem deshalb positiv, weil dieser „sein ganzes Vermögen durch die Soldzahlungen an die Soldaten und durch Gefälligkeiten für seine Freunde verringert“ habe (und das alles bei gefüllter Staatskasse!) (Eutr. 8,8,3).

S. 11Besonders eingehend mustert Eutrop das Verhältnis zu den „Freunden“ der höfischen Umgebung für die Kaiser der eigenen Zeit. Im Urteil über Konstantin wird in Zusammenhang mit der Katastrophe von 326 zwar eine schwankende Haltung konstatiert, gleichwohl insgesamt die Bereicherung bzw. angemessene Belohnung der höfischen Umgebung durch den Kaiser positiv hervorgehoben.34 Ebenso differenziert fällt das Urteil über Constan­tius II. aus, der einerseits (in religionspolitischen Fragen?) zu sehr seiner Umgebung folgt, gleichwohl aber andererseits insgesamt gerade im Verhältnis zu den Freunden, die er angemessen belohnt, richtig handelt.35 Bei Julian ist zwar das Verhalten gegenüber den Freunden korrekt, aber aus der Sicht eines Höflings hätte man sich angemessenere Entlohnungen für die geleisteten Dienste vorstellen können: Julian sei zwar „gegenüber den Freunden großzügig“ gewesen, aber angeblich weniger sorgfältig, als es einem so großen Princeps geziemt hätte (Eutr. 10,16,3). Letzteres kann man als ein Indiz dafür verstehen, dass Eutrop trotz seiner Gefolgschaft zu Julian leer ausging.

Aus der Perspektive eines zivilen Funktionärs, die Eutrop einnimmt, ist auch verständlich, dass er stets die Kaiser rühmend hervorhebt, die von der Armee strenge Disziplin einfordern und deren übertriebene Ansprüche in großer moderatio zurückweisen. Von einem guten römischen Kaiser wird erwartet, dass er in gleicher Weise wie republikanische Heerführer seine Armee zu zügeln versucht36 und für eine expansive und aggressive Außenpolitik einsetzt. Die von Eutrop aufgeführten zahlreichen Beispiele der Beziehung zwischen Kaisern und Soldaten zeigen freilich, dass der Autor sich durchaus klar darüber ist, wie schwer die Durchsetzung derS. 12 Disziplin für die römischen Kaiser des dritten und vierten Jahrhunderts ist. Bei Aurelius Alexander (Severus Alexander) erwähnt er zwar den Namen Severus, mit dem etwa der Autor der Historia Augusta spielt, nicht, wohl aber weiß er zu berichten: „Die militärische Disziplin lenkte er sehr streng. Einige aufrührerische Legionen entließ er in ihrer Gesamtheit.“ (Eutr. 8,23) Postumus stellt sich der Disziplinlosigkeit seiner Soldaten entgegen und wird getötet, „weil er die Stadt Mainz … den Soldaten nicht zur Plünderung überlassen wollte“ (Eutr. 9,9,1). Einer der wenigen positiven Züge Aurelians besteht darin, dass er „großenteils ein Verbesserer der militärischen Disziplin und der verkommenen Sitten“ (Eutr. 9,14) war. Probus, „ein strenger, tatkräftiger und gerechter Mann“ kündigt an, dass „man in Kürze keine Soldaten mehr brauchen werde“37. Das Thema der militärischen Disziplin und der Beziehung zwischen Kaisern und Soldaten erscheint gerade auch für die Geschichte des vierten Jahrhunderts als eine Konstante der Darstellung Eutrops.38 Im Einzelnen lassen sich anführen: 10,2,3 (Aufruhr der Prätorianer); 10,2,4 (Soldaten lassen Severus im Stich); 10,3,1 (Maximian muss Aufruhr und Beschimpfungen der Soldaten ertragen); 10,9,1 (Dalmatius wird durch einen Militärputsch beseitigt); 10,9,4 (Durchsetzung des Constans gegenüber den Soldaten); 10,10,1 (Constantius entgleitet wegen der Disziplinlosigkeit der Soldaten der Sieg von Singara); 10,11,1 Vetranio (wird durch Konsens der Soldaten zur Abdankung gezwungen).

Die von Eutrop beschriebenen Normen kaiserlichen Verhaltens gewin­nen dadurch ihre Durchschlagskraft, dass sie ohne den Hauch eines Zwei­fels als über Jahrhunderte gültig hingestellt werden, so dass sich aktuell regierende Kaiser ihnen verpflichtet fühlen müssen. Nur unterschwellig lässt sich bei Eutrop die Wahrnehmung von Veränderungen registrieren, wenn etwa der Senat ab dem dritten Jahrhundert als Institution nach der Reichskrise keine Rolle spielte und dementsprechend auch seine Mitwir­kung in der Darstellung von Ereignissen des vierten Jahrhunderts fast völlig ausgeblendet wird,39 und zwar auch für Situationen, in denen andereS. 13 Quellen noch von einer Restbedeutung des Senats berichten.40 Auffällig ist aber sonst, dass Veränderungen nicht bemerkt werden, weder die Ver­wandlung der aus der senatorischen Aristokratie stammenden „Freunde“ des Kaisers in eine Elite ziviler Funktionäre, noch die Veränderungen der Armee, wie sie mit dem Stichwort der „Barbarisierung“ verbunden sind.41

Diese statischen Vorstellungen werden dadurch verfestigt, dass es für Eutrop keinen Bruch zwischen Republik und Kaiserzeit gibt. Eine Reihe von Verweisen macht ganz deutlich, dass es in seinen Augen trotz der tausendjährigen Entwicklung, die er beschreibt, eine historische Tiefen­schärfe nicht gibt, sondern die römische Geschichte von den Anfängen der Republik bis in die späte Kaiserzeit einen einzigen Nahraum bildet, in dem die Nobiles der mittleren Republik sich von spätantiken Kaisern kaum unterscheiden. Die Illusion der Gleichförmigkeit konnte sich daraus ent­wickeln, dass in der Tat die Reihe der Konsuln vom frühen Rom bis in die eigene Zeit reichte (Eutr. 1,9,1). In einem solchen homogenen Geschichts­kontinuum erschien dann der Vergleich der Kaiserwürde mit der (positiv aufgefassten) Diktatur nachvollziehbar: „Nichts anderes als die alte Dikta­tur kann man ähnlicher nennen der Herrschaftsgewalt, die jetzt Eure Fried­fertigkeit innehat“ (Eutr. 1,12,2). Die angebliche Kontinuität von Diktatur und Kaiserwürde wird von Eutrop dabei unter anderem durch den irrigen Verweis auf die Übernahme der Diktatur durch Augustus illustriert.42 Verschränkt wird die altehrwürdige Vergangenheit mit der kaiserzeitlichen Gegenwart durch den Vergleich Traians mit Romulus sowie den des Antoninus Pius mit Numa Pompilius (Eutr. 8,8,1), während Mark Aurel sogar von Numa abstammen soll (Eutr. 8,9,1), oder durch den Vergleich zwischen Markomannenkrieg und den Punischen Kriegen (Eutr. 8,12,2). Besonders wichtig – und zweifelsohne nicht nur durch die stilistische Anlehnung an Cicero – ist die ständige Benutzung von Vokabular aus demS. 14 öffentlichen Leben der Republik, um Phänomene der Gegenwart zu bezeichnen, wie etwa die nobiles (Eutr. 10,4,3), senatus auctoritas (Eutr. 9,1), homo novus43, factio44 oder proscriptio45. Manchmal dient die Angleichung an die Verhältnisse der späten Republik der Zeitkritik: Die Verluste der Schlacht von Pharsalos werden mit denen der Schlacht von Mursa durch identische Betrachtungen über die entgangenen Chancen zur imperialen Expansion durch die Vernichtung militärischer Ressourcen gleichgesetzt.46 Die identische Bezeichnung von Sulla und Konstantin als vir ingens zeigt ebenfalls an, wie der Vergleich mit der republikanischen Bürgerkriegsepoche hier Kritik an den aktuellen Zuständen implizieren kann.47 Religionspolitische Bedeutung hat, dass Eutrop offenkundig die Divinisierung der römischen Kaiser, die er für jeden einzelnen Kaiser bis zu den kürzlich verstorbenen Kaisern Julian und Jovian sorgfältig verzeichnet, durch Details zur Geschichte des Romulus zu erklären und auf diese Weise auch die in der Gegenwart herrschenden christlichen Kaiser zu belehren versuchte.48

Auch in untergeordneten Details und Verweisen auf die eigene Gegenwart geht es immer wieder um die Vorstellung vermeintlicher Kontinuität zwischen Republik und eigener Zeit, etwa in der Behauptung zur Neugründung Karthagos: „Unter den Konsuln Lucius Caecilius Metellus und Titus Quintius Flamininus wurde Karthago in Africa, 22 Jahre, nachdem es von Scipio vernichtet worden war auf Befehl des Senats wiedererrichtet; es steht auch jetzt noch“ (Eutr. 4,21).Für die Verwal­tungsgeographie werden wiederholt Verhältnisse der späten Kaiserzeit auf die Republik zurückprojiziert, etwa im permanenten Pluralgebrauch von Hispaniae, womit nicht die Provinzen der Republik, sondern eher die der spätantiken Diözese Hispaniae gemeint sind, oder aber in der eindeutig anachronistischen Benennung der Provinz Rhodope (6,2,1). Das neben Syrien aufgeführte Phönikien (6,8,4 und 13) spiegelt wohl ebensoS. 15 Verhältnisse der spätantiken Provinzialordnung wider49 wie die mit dem Gebiet der Helvetier identifizierten Provinz Maxima Sequanorum (6,17,2). Ähnliches gilt vermutlich für die armenischen Kleinsatrapien Arzanene und Sophanene, die im Zusammenhang mit Tigranes erwähnt werden (6,9 und 13), aber vor allem in den Friedensschlüssen von 298 und 363 relevant waren. Die Gebiete, die Antonius im zweiten Triumvirat zugesprochen werden, werden eindeutig als Einheiten der spätantiken Verwaltungsgeo­graphie umrissen.50 Bei der Erwähnung von Byzanz wird auf Konstanti­nopel verwiesen: „nach Byzanz, das jetzt Konstantinopel heißt“ (Eutr. 6,6,3).

Die Orientierung an der Vergangenheit bedeutet bei Eutrop einerseits, dass es keinen qualitativen Unterschied zwischen den damaligen und den gegenwärtigen Verhältnissen gibt, was Voraussetzung dafür ist, dass sich die in der Vergangenheit funktionierenden Erfolgsrezepte ohne weiteres in der Gegenwart wiederholen lassen. Sie bedeutet aber andererseits, dass die als nahe empfundene Vergangenheit beständigen Vorbildcharakter hat. Die großen Truppenführer der Republik sind aus dieser Perspektive betrachtet, wie schon das Vorwort Eutrops suggeriert, einerseits direkte Vorgänger der römischen Kaiser, andererseits aber auch deren Vorbilder. Vespasian, Probus oder Constans51 sehen sich bei der Disziplinierung des römischen Heers mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert wie der vir militaris P. Scipio Africanus Numantinus, der „zuerst das lasterhafte und feige Heer mehr durch Übung als durch Strafe ohne jede Grausamkeit auf den richtigen Weg“ brachte (Eutr. 4,17,2). Exemplarisch bei der Durchsetzung von Disziplin ohne die Anwendung von Grausamkeit ist dann auch Metellus: „Dieser brachte das Heer durch gewaltige Strenge und Mäßigung, weil er niemandem etwas Blutiges antat, zur Ordnung und führte es zur römischen Disziplin zurück“ (Eutr. 4,27,1). Eutrop verzeichnet, wie Probus und – mit Einschränkungen – auch Constans in gleicher Form wie Metellus diese ausgewogene Mischung von Strenge undS. 16 Mäßigung gelingt, während Aurelian eindeutig an dieser Herausforderung scheitert.52

Besonders deutlich wird im Zusammenhang mit dem Jovianfrieden von 363 dargelegt, wie Normen der republikanischen Außenpolitik auch für die Gegenwart Geltung haben und als wie anstößig das Verhalten des Vorgän­gers des aktuell regierenden Kaisers Valens gelten muss. Denn der Verzichtfrieden, den Jovian im Sommer 363 mit den Persern schließen musste und der insbesondere die Abgabe von Territorien im östlichen Mesopotamien, die Aufgabe der Tigrisgrenze und die Überlassung der Hoheit über Armenien an die persische Monarchie vorsah,53 rief in senatorischen Kreisen anscheinend einhellige Empörung hervor,54 jeden­falls spätestens, als nach dem Tode Jovians mit dessen politischer Leistung abgerechnet wurde. Eutrop interpretiert den Vertrag als skandalöse Abwei­chung von Regeln, die eine kontinuierliche Expansion Roms garantiert hätten. Jovian habe „einen Frieden mit Schapur, der zwar notwendig, aber schmachvoll war“ geschlossen. Die Grenzen seien aufgegeben und ein „beträchtlicher Teil des römischen Reiches“ ausgeliefert worden. Dieses Verhalten stellt nach Ansicht Eutrops einen Bruch mit einer über 1000 Jahre andauernden Tradition der römischen Außenpolitik dar: „Das geschah vor ihm in den fast 1.118 Jahren seit der Gründung des römischen Reiches zu keinem Zeitpunkt. Ja, unsere Legionen wurden bei Caudium von Pontius Telesinus, in Spanien bei Numantia und in Numidien zwar sogar unter das Joch geschickt, aber es wurde nichts von den Grenzen aufgegeben. Und diese Friedensbedingung wäre nicht völlig zu tadeln, wenn er die aus dem Vertrag sich ergebende Notwendigkeit damals, sobald es möglich war, hätte ändern wollen, so wie es von den Römern in allen diesen Kriegen, von denen ich berichtet habe, gemacht worden ist. Denn die Samniten, Numantiner und Numider wurden sofort angegriffen und der Frieden war nicht gültig.“ (Eutr. 10,17,2).

Die Bewertung des Jovianfriedens durch Eutrop ist in mehrfacher Hinsicht hochtendenziös, etwa in der Verschiebung der Verantwortung von Julian, der die Katastrophe zu verantworten hatte, auf Jovian und derS. 17 Unterstellung, Jovian sei es beim Friedensschluss ausschließlich darum gegangen, seine Herrschaft zu sichern. Als skandalös wird nicht nur – wie bei Festus – die Abtretung von römischen Gebieten als solche empfunden, sondern vor allem die Tatsache, dass der Friedensschluss überhaupt ratifi­ziert und nicht sofort für ungültig erklärt wurde. In diesem Zusammenhang verweist – und hier wird wieder die Einheit des Kontinuums von republi­kanischer und eigener Geschichte deutlich – Eutrop auf die Gegenbei­spiele, nämlich die angebliche sofortige Verwerfung von ungünstigen Frie­densschlüssen im zweiten Samnitenkrieg, im Krieg gegen Numantia und im Bellum Jugurthinum. Diese mit dem Jovianfrieden kontrastierenden Beispiele werden dementsprechend in der Darstellung der republikani­schen Geschichte breiter behandelt. In der Darstellung des Zweiten Samni­tenkriegs wird nach Auskünften Eutrops wie im Jovianfrieden nach der Niederlage von Caudium ein Frieden aus der Zwangslage heraus zunächst abgeschlossen, aber vom Senat und Volk abgelehnt, so dass weiterge­kämpft werden muss: „Später brachten die Samniten den Römern unter den Konsuln Titus Veturius und Spurius Postumius eine schmachvolle Niederlage bei und schickten sie unter das Joch. Der Friedensvertrag, der mit ihnen nur aus Zwang geschlossen worden war, wurde jedoch von Senat und Volk aufgehoben. Danach wurden die Samniten vom Konsul Lucius Papirius besiegt und 7.000 von ihnen unters Joch geschickt. Papirius triumphierte über die Samniten.“ (Eutr. 2,9,1 f.) Ähnliches wiederholt sich Eutrop zufolge bei Numantia, wo die unrühmlichen Friedensschlüsse des Q. Pompeius und des Hostilius Mancinus auf Befehl von Volk und Senat gebrochen und Mancinus als Verantwortlicher den Feinden ausgeliefert werden sollen (Eutr. 4,17,1). Schließlich zeigt Eutrop, wie der „äußerst schmachvolle“ Friedensschluss des Calpurnius Bestia vom Senat für ungültig erklärt wird (Eutr. 4,26,1).

Neben diesen Beispielen, die Eutrop im Zusammenhang mit dem Jovianfrieden explizit wieder in Erinnerung bringt, führt er in seiner Darstellung der republikanischen Geschichte darüberhinaus weitere Fälle an, die die vermeintliche Intransigenz der res publica gegenüber nachteiligen Friedensschlüssen in schwierigen Situationen illustrieren. Friedensfühler der Karthager im Ersten Punischen Krieg werden von römischer Seite auf Initiative des Regulus so entschieden abgelehnt, dass S. 18kein Senator überhaupt dafür ist, karthagische Gesandte vorzulassen.55 3,10,3 heißt es im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten des Zweiten Punischen Kriegs: „Angesichts dieser Übel hielt es gleichwohl kein Römer für richtig, auf einen Friedensschluss zu sprechen zu kommen.“ Des weiteren betont Eutrop, wie Rückschläge im Krieg gegen Perseus die Römer nicht von der Fortsetzung der Kriegführung abhalten: „Obwohl besiegt, wollten die Römer dennoch dem König nicht den Frieden gewähren, um den er bat, außer unter den folgenden Bedingungen, dass er sich und die Seinen dem Senat und Volk von Rom übergab“ (Eutr. 4,6,3).

Gerade die Beurteilung des Jovianfriedens, der mit seiner Abtretung von Territorien56 ein vermeintlicher Verstoß gegen seit jeher aufrecht erhaltene Grundprinzipien römischer Außenpolitik gewesen sein soll, zeigt die geringe Originalität der Darstellung Eutrops. Eine ähnliche Auffassung findet sich in verkürzter Form und ohne den Verweis auf Parallelbeispiele bei Rufius Festus, im Zusammenhang mit einem Exkurs über die römische Ostgrenze seit Lucullus und Pompeius bei Zosimos.57 Die Besonderheit des Beitrags des Eutrop ist hier vor allem in der expliziten Erläuterung zu den Vergleichsfällen aus der Geschichte der Republik zu erkennen.58

Die Art und Weise, in der Eutrop den Jovianfrieden verurteilt, lässt deutlich werden, dass seine scheinbar nüchterne Darstellung in Wirklich­keit eine deutlich tendenziöse Bewertung der Geschichte der letzten zwei bis drei Generationen vornimmt. Julian gehört in dieser Darstellung zweifelsohne zu den besonders positiv dargestellten Kaisern, trotz seines Misserfolges im Perserkrieg, der allerdings seinem Nachfolger in die Schuhe geschoben wird. Dagegen ist das Bild Konstantins und seinerS. 19 Söhne extrem ambivalent und im Einzelnen deutlich von den Themen beeinflusst, durch deren Formulierung sich Julian von Cousin und Onkel distanziert hatte, insbesondere dem Thema des Familienmordes oder dem des angeblichen Versagens in der Kriegführung nach außen.59

Die Haltung gegenüber Konstantin und Julian lässt erkennen, dass Eutrop nicht selbst Christ war.60 Er legt Wert darauf, die Divinisierung für jeden Kaiser sorgfältig zu verzeichnen, ignoriert dagegen die neuen religiösen Gegebenheiten so gut wie völlig. Die Bekehrung Konstantins kommt, abweichend von den Äußerungen Julians oder später Eunaps, überhaupt nicht zur Sprache. Ob es Eutrop darum geht, den Eindruck einer geradezu statischen historischen Kontinuität nicht zu stören, ob er Verfechter des Toleranzprinzips, religiös indifferent oder versteckter paganer Ideologe war, bleibt offen. In der Distanzierung gegenüber dem ersten christlichen Kaiser Konstantin wirkt zwar offenkundig das Ressentiment der julianischen Epoche ein, wie etwa die Bemerkung über die Verwandtenmorde und die Angleichung Konstantins an Nero zeigt.61 Gleichwohl deutet sich für die Bewertung der Religionspolitik eine gewisse Äquidistanz gegenüber Konstantin und Julian an, wenn Eutrop dem Julian einen allzugroßen Verfolgungseifer gegenüber den Christen vorwirft (10,16,3). Wichtiger bei der Negativcharakterisierung Konstantins und seiner Söhne, die Eutrop in der Nachfolge Julians vornimmt, ist wohl weniger die Religionspolitik dieser Kaiser gewesen, als vielmehr der Um­stand, dass die neue valentinianische Dynastie sich von der Vorgänger­dynastie abgrenzen wollte und aus diesem Grunde Eutrop hoffen konnte, mit seinen Äußerungen gegen Konstantin und seine Söhne keinen Anstoß zu erregen. Um dabei gleichwohl sowohl der Toleranzpolitik Valentinians I. wie der prochristlichen Politik des Valens gerecht zu werden, schien es Eutrop angebracht, einen kritischen Hinweis auf die Verfolgungspolitik Julians einzufügen.

Zum Bild des Geschichtsschreibers Eutrop gehört auch die Frage des von ihm gewählten Umgangs mit dem ihm vorliegenden Quellenmaterial. Für die von ihm angestrebte orientierende Behandlung der Gesamtheit der römischen Geschichte genügte die Zusammenfassung weniger einschlägi­S. 20ger Geschichtsdarstellungen. Sein eigenes Bestreben lag vor allem darin, bekannte Sachverhalte in komprimierter Form zusammenzufassen. Für die Geschichte der Republik bietet Eutrop im Großen und Ganzen eine Epitome des Livius62, wobei er nicht selbst die Masse des livianischen Werkes verarbeitet hat, sondern von einer oder mehreren bereits existieren­den handhabbaren Kurzfassungen ausgegangen ist, die bisweilen abweichende Versionen und zusätzlichen Stoff enthielten. Aus diesen Livius-Epitomen haben eventuell auch Rufius Festus und Hieronymus (für sein Chronikwerk) geschöpft.63 Die Sache wird dabei – wie in kontaminierten Überlieferungen – dadurch kompliziert, dass zumindest Hieronymus neben der Quelle Eutrops durchaus Eutrop selbst benutzt haben kann, und zwar sowohl für die Geschichte der Republik als auch für die Geschichte der Kaiserzeit.

Sicher ist, dass Eutrop für die meisten Informationen zur Geschichte der Kaiserzeit von Augustus bis in die Zeit Constantius II. die sogenannte Enmannsche Kaisergeschichte (EKG), also die von Alexander Enmann erschlos­sene Geschichte der römischen Kaiser, benutzt hat, die in die Zeit bis zur Schlacht von Straßburg (357) reichte.64 Diese Kaisergeschichte benutzte wiederum für die Zeit bis Domitian im Großen und Ganzen Sueton65, so dass Eutrop für diese Epoche der Kaisergeschichte nur wenigeS. 21 Angaben hat, die sonst nicht bekannt sind. Unentbehrlich werden die aus der EKG schöpfenden Autoren als historische Infor­mationsquelle dann vor allem für das dritte und frühe vierte Jahrhundert. Zweifelsohne war auch für diese Zeit die EKG weiterhin kein sehr umfangreiches Geschichtswerk, bot aber doch eine erhebliche Fülle an Details. Dort wo Eutrop der einzige Gewährs­mann für diese oder jene Angabe ist und sich bei Aurelius Victor keine Parallelen finden, wird man für die über­wiegen­de Zahl der Fälle annehmen dürfen, dass Eutrop hier die gemeinsame Quelle weiter benutzt hat, während Aurelius Victor sich eine größere Freiheit im Umgang mit seiner Vorlage nimmt, sehr vieles ausklammert und Informationen aus zusätzlichen Quel­len einfügt. In anderen Fällen hat aber auch Eutrop Informationen, die in der vollständigeren Vorlage enthalten waren, ausgeblendet. Was Eutrop jenseits der EKG aus anderen Quellen entnom­men hat, lässt sich so gut wie nicht feststellen. Für die Zeit Konstantins und seiner Söhne ist allerdings erkennbar, dass er die ursprünglich gegen­über dem konstantinischen Herrscherhaus sehr positive Tendenz der EKG umgekehrt oder nuanciert hat, was eventuell durch die Aufnahme von Zusatzinformationen aus weiteren Quellen noch stärker akzentuiert worden ist. Dagegen ist für die Zeit der Tetrarchie und des Constantius Chlorus ebenso wie für die Schilderung des gallischen Sonderreichs der Charakter der EKG bei Eutrop noch gut zu erkennen, etwa in der zugunsten des Constantius Chlorus eingenommenen Darstellung historischer Zusammen­hänge.66

Schwierig ist die Frage nach den Quellen für die Kapitel, die die Zeit nach der Schlacht von Straßburg behandeln und die daher, selbst wenn man mit 357 das spätestens mögliche Datum für die Fertigstellung der EKG wählt,67 nicht auf die EKG zurückgehen können. Es fallen für die Darstellung der Zeit von 357 bis zum Jovianfrieden von 363 enge Bezie­hungen zwischen Rufius Festus, Hieronymus und Eutrop auf. Ähnlich formuliert sind beispielsweise die Angaben über den notwendigen, nach Eutrop aber schmachvollen Frieden bei Hieronymus und Eutrop. Hier. chron. 243 c schreibt: Iovianus rerum necessitate compulsus Nisibin et S. 22magnam Mesopotamiae partem Sapori Persarum regi tradidit. Bei Eutrop 10,17,1 heißt es: pacem cum Sapore, necessariam quidem, sed ignobilem, fecit, multatus finibus ac nonnulla imperii Romani parte tradita. Eutrop bringt stärker seine Empörung über den Frieden zum Ausdruck, weiß statt von der Abtretung eines Teils Mesopotamiens von der Abtretung eines nicht unbeträchtlichen Teils des römischen Reiches und betont anschlie­ßend durch den Kontrast zu den republikanischen Exempeln die Schmach des Friedens: quod ante eum annis mille centum et duobus de viginti fere, ex quo Romanum imperium conditum erat, numquam accidit (es folgen Kontrastbeispiele aus der Zeit der Republik). Anschließend weiß Eutrop hinzuzufügen, dass sich Jovian wegen der Begierde, die Herrschaft zu sichern, ehrlos verhält: sed dum aemulum imperii veretur intra Orientem residens, gloriae parum consuluit. Ähnlich berichtet in diesem Punkt Festus, der aber gleichzeitig die Friedensbedingungen selbst sehr viel genauer als Eutrop überliefert und hierin mit Hieronymus übereinstimmt: condicionibus (quod numquam antea accidit) dispendiosis Romanae rei publicae impositis ut Nisibis et pars Mesopotamiae traderetur, quibus cupidior regni quam gloriae Iovianus in imperio rudis adquievit.68 Dass es für den schmachvollen Frieden keinen Präzedenzfall gibt, betont weiter Festus in der zitierten Passage in gleicher Weise wie Eutrop, auch wenn er dies nicht durch historische Parallelen unterstreicht. Festus enthält dabei wiederum freilich keinen Hinweis auf die Notwendigkeit des Friedens­schlusses, den man bei Eutrop und Hieronymus findet. Eutrop, Festus und Hieronymus scheinen also unabhängig voneinander ähnliches Quellenma­terial benutzt zu haben, auch wenn nicht ausgeschlossen ist, dass Hierony­mus und Rufius Festus neben dieser Quelle auch Eutrop selbst benutzt haben.69 Auch für Ammianus Marcellinus, der ebenfalls deutliche Paral­lelen zu diesen Erzählungen enthält und etwa wie Eutrop als Motiv für den S. 23übereilten Friedensschluss die Angst vor potentiellen Rivalen nennt,70 ist durchaus anzunehmen, dass er innerhalb seines kunstvoll aus diversen Quellenmaterialien geflochtenen Textgewebes Eutrop selbst benutzt und erweitert hat. Eine eindeutige Klärung der zeitgenössischen Quellengrund­lage ist angesichts dieser vielfachen Verschränkungen nicht möglich. Sie zeigen aber auf jeden Fall an, dass Eutrop als Schriftsteller sich mitten in einem durch heftige Diskussionen geprägten historiographischen Kontext befand und dass seine Stimme hier Autorität und Gewicht hatte. Diese Autorität und die handhabbare Kürze und der prägnante Stil haben seinem Werk ein Nachleben gesichert. Ein Aspekt dieses Nachlebens ist der Umstand, dass bis heute das Bild der geschichtlichen Entwicklungen des dritten und vierten Jahrhunderts vom Standpunkt dieses Autors geprägt ist.

II. Bemerkungen zum Text

1. Handschriftliche Überlieferung

Wenn auch für diese Edition keine erneute Prüfung des reichen hsl. Materials zu Eutrop vorgenommen wurde, sollen doch die erhaltenen Hss. in aller Kürze aufgeführt und ihr Zusammenhang erläutert werden. Dies scheint insbesondere deshalb geboten, weil die letzte auf Autopsie der wichtigsten Hss. basierende Edition von Hellegouarc’h (1999; 22002) die Überlieferungsgeschichte allzu knapp darstellt.71 Eine eingehende Untersu­chung über diese, die auch die Textgeschichte einschlösse, ist immer noch ein Desiderat.72 So können auch diese Ausführungen zur Überlieferungsge­schichte des Breviariums nur eine Skizze sein, die Santinis und Hellegou­arc’hs Ausführungen unter Berücksichtigung der neueren kodikologischen S. 24Literatur zusammenfasst und in einzelnen Punkten (besonders hinsichtlich der Datierung und Einordnung einzelner Hss.) korrigiert oder ergänzt.

Die heutige Kenntnis der Eutrop-Überlieferung ruht auf dem von Hartel und Droysen in den 1870er Jahren gelegten Fundament, das in den 1960er und 70er Jahren von Scivoletto und Santini erweitert wurde.73 Das von diesen aufgestellte Stemma erfuhr jedoch Kritik, weil es der Kontamina­tion einiger Eutrop-Hss. zu wenig Rechnung trägt.74 Einigkeit besteht in der Scheidung mehrerer Überlieferungsstränge des Eutrop-Textes, die jeweils verschiedene gleichberechtigte Vertreter haben. Daneben stehen einige Hss., die Merkmale verschiedener Klassen aufweisen.

Die wichtigste Unterscheidung betrifft Eutrop und seine Fortsetzer: Im 2. Drittel des 8. Jh. überarbeitete Paulus Diaconus in Montecassino das Breviarium ab urbe condita und setzte es bis in Justinians Zeit fort.75 Diese unter dem Titel Historia Romana bekannte Fortsetzung ist in mehr als 160 Hss. überliefert.76Paulus behielt Eutrops Bucheinteilung bei, fügte 6 (in einigen Hss. 7) Bücher hinzu und ergänzte die ersten 10 Bücher um einige Zusätze aus Hieronymus, Orosius, der Epitome de Caesaribus u. a. (z. B. um einen Abriss der italischen Urgeschichte bis zur Gründung Roms). Die Widmungsepistel an Kaiser Valens ersetzte Paulus durch eine an seine Schülerin Adelperga, die Tochter des Langobardenherzogs Desiderius. Da die Abfassungszeit der Historia Romana die ältesten erhaltenen Eutrop-Hss. um ein Jh. übertrifft, kommt ihr bei der Beurteilung der Eutrop-Überlieferung große Bedeutung zu. Allerdings zogen viele Schreiber den Eutrop-Text zur ‚Korrektur‘ der Historia Romana heran, so dass eine Unzahl kontaminierter Hss. entstand; auch in Bibliothekskatalogen wurden hin und wieder Paulus-Hss. irrtümlich dem Eutrop zugeschrieben. Einen ersten Versuch, aus der Paulus-Tradition den Text des Breviariums S. 25wiederzugewinnen, stellt das von William von Malmesbury und seinen Schülern im Jahr 1129 angefertigte Exemplar dar.77Ein weiteres, größten­teils von Paulus’ Zusätzen befreites Exemplar ist der Vaticanus Latinus 1860 aus dem Jahr 1313, wahrscheinlich in Italien (möglicherweise in Montecassino) entstanden, der den Text der ersten 10 Bücher enthält.78 Während Droysen in dieser Hs. eine Kopie von Paulus’ Eutrop-Exemplar sah, erkannte Scivoletto in ihr eine nachträglich ‚bereinigte‘, gekürzte Fassung der Historia Romana.79 – Um das Jahr 1000 verfasste Landolfus Sagax eine Fortsetzung der Fortsetzung, die mit einer von Eutrop und Paulus abweichenden Einteilung in 24 Bücher bis zum Jahr 806 reicht. Dieses ebenfalls ‚Historia Romana‘ benannte Werk wird seit der editio princeps von Pierre Pithou (1569) zur Unterscheidung von Paulus’ Werk als Historia Miscella bezeichnet und ist für den Eutrop-Text ohne Belang.80

Das Breviarium ab urbe condita selbst ist in mehr als 20 Hss. über­liefert,81 deren wichtigste für die Textkonstitution nach den Studien von Scivoletto, Santini und Hellegouarc’h82 in vier Klassen einzuordnen sind:

1. Zur ersten Klasse (Droysen: A, Scivoletto / Santini: φ) gehören zwei Hss., darunter die älteste erhaltene: G (Forschungsbibliothek Gotha, Ms. Memb. I. 101),83 geschrieben im 9. Jh. (vor 840) im Kloster Murbach, im Februar 1795 für die Herzogliche Bibliothek Gotha erworben und kurz darauf von Tzschucke für seine Edition herangezogen,84 aber erst von S. 26Mommsen in ihrem vollen Wert erkannt.85 Sie enthält viele Schreibfehler und wurde von verschiedenen Schreibern nachträglich korrigiert, teils in Übereinstimmung mit anderen Textzeugen, teils offen­bar eigenmächtig.86 An einer Stelle (Eutr. 2,13,4) ergänzt die jüngere Hand das richtige Cogno­men des Konsuls Decimus Mus und ist damit allen anderen Textzeugen überlegen. Eng verwandt mit dieser Hs. ist der verlorene Fuldensis (F), den F. Sylburg in seiner Edition (1590) benutzte.87 Hellegouarc’h datierte dieses „exemplar pervetustum“ vermutungsweise ins 11. Jh. Wie Droysen gezeigt hat, stimmt der Text von F oft mit G überein, ist aber stellenweise besser (z. B. 4,17,2; 5,3,4), was allgemein auf eine genauere Wiedergabe der gemeinsamen Vorlage zurückgeführt wird. Die von Sylburg mitgeteilten Incipit-/Explicit-Angaben an den Buchgren­zen belegen auch den Titelzusatz ab urbe condita.

2. Die zweite, von Santini etablierte Klasse (κ/λ/μ)88 besteht vor allem aus den Hss. CIHM, die Droysen zwar z. T. kannte, aber als unwichtig für die Textgestaltung erachtete; er hielt diese Hss. für kontaminierte Vertreter der A-Familie, während Rühl ihnen einen höheren Stellenwert zuschrieb. Die Varianten der Klasse haben meist keinen Überlieferungswert, aber gelegentlich weisen sie einen den übrigen Klassen überlegenen Text auf.89 C (Paris, Bibliothèque nationale, Latinus 7240, früher Colbertinus 3001), in Chartres Ende des 11. Jh. geschrieben,90 enthält nicht den gesamten Text, sondern bricht hinter 9,8,1 factus esset ab. Der älteste vollständige Vertre­ter dieser Klasse, I (Oxford, Bodleian Library, Lincolniensis Lat. 100), wurde um 1125 in der Abtei Malmesbury von William und seinen Schülern geschrieben.91 Er hat weniger Schreibfehler als C und kann daher zur Kontrolle herangezogen werden. Der Text ist von denselben Schrei­S. 27bern nachträglich korrigiert worden; die Änderungen lassen sich nach Santini eher als Konjekturen denn als Interpolationen aus anderen Hss. erklären.92 Möglicherweise am selben Ort wie C (Chartres), auf jeden Fall aber in Frankreich sind auch zwei weitere Hss. entstanden: im 12. Jh. H (London, British Library, Harleianus 2729),93 deren Text jedoch unvollen­det ist und nach 2,7,2 victoriae in94 abbricht (auf der nächsten Quaternio folgt die Historia Romana des Paulus von einem anderen Schreiber, mit dem Titel incipit lib(er) eut(r)opii [sic]historiographi de romana historia); und gegen Ende des 12. Jh. M (Paris, Bibliothèque nationale, Latinus 18104) mit dem ganzen Text.95 Gerade die letztere Hs. ist jedoch durch viele Auslassungen (vgl. 6,7,2 [paraverunt]; 7,18,4 [ideo]) entstellt.

Zu derselben Klasse gehört auch die Mitte des 12. Jh. in Chartres ent­standene Hs. Pa (Paris, Bibliothèque nationale, Latinus 5802), die über Mailand nach Paris gelangte und erstmals von Rühl verglichen wurde.96 Ihr Eutrop-Text, der weitgehend mit C übereinstimmt, ist mit Korrekturen und Marginalien verschiedener Schreiber des 13. und 14. Jh. (u. a. Petrarca) versehen. Die Lesarten in den Marginalien stammen aus G oder den Hss. des Paulus Diaconus.97

Gewissermaßen zwischen der 1. und 2. Klasse steht die verlorene Hs. S aus dem Dominikanerkloster in Bordeaux, die Vinetus in seiner Edition (1553) heranzog.98 Ihre Varianten stimmen nach Santini mit G und CIHM überein und bieten außerdem einige Male gegen diese und alle anderen Hss. den richtigen Text (3,22,2 centum milibus; 3,5 per consulem; 6,20,2 Palaeopharsalum). Aus diesen Zusammenhängen hat Santini überzeugend S. 28geschlossen, dass S auf dieselbe Vorlage wie G und CIHM zurückgeht; Hellegouarc’h stellt S dagegen zur 2. Klasse, ohne die Übereinstimmungen mit G zu erörtern.99

3. Zur dritten Klasse (Droysen: B, Scivoletto / Santini: χ/ψ) zählen als wichtigste die Hss. VLO, zu denen Santini A und Hellegouarc’h Br hinzu­fügte. Die Hs. V (Vaticanus Latinus 1981), geschrieben Ende des 10. oder im 11. Jh. in der Abtei Saint-Vivant de Vergy (Bistum Autun), wurde von Scivoletto entdeckt und klassifiziert.100 Der Text ist unvollendet und reicht nur bis einschließlich Eutr. 7,9 in Galliam [sic] collocavit; die letzte Seite (fol. 21 verso, ab Eutr. 7,7 Gnaeus Cornelius Gallus) ist von einer anderen Hand geschrieben. Viele abweichende Lesarten der Hs. sind willkürliche Änderungen des Schreibers, die auf intensives Studium des Textes hinweisen. Daneben finden sich aber auch echte Überlieferungsvarianten,101 in denen V teils in Übereinstimmung mit anderen Hss., teils gegen diese (auch gegen LO) das Richtige hat. Scivoletto (und nach ihm Santini) nahm für G und VLO eine gemeinsame Vorlage an, einen ‚codex gallicus‘ (γ) merowingischer Zeit; Fehler in G und VLO führte er auf falsche Auflösungen von Ligaturen dieser Vorlage zurück.102

Der zweite wichtige Vertreter der 3. Klasse ist die karolingische Hs. L (Leiden, Universitätsbibliothek, Bibliotheca Publica Latina 141), im letzten Viertel des 9. Jh. wohl in der Abtei Saint-Armand (Départment Nord) geschrieben und vor der Mitte des 16. Jh. nach Gent verkauft;103 spä­ter gelangte sie nach Leiden. Sie wurde erstmals 1545 von Schoonhoven zur Ausscheidung der paulinischen Zusätze herangezogen104 und galt bis zur Entdeckung von G als maß­geblicher Überlieferungszeuge. Der Text hat S. 29zwar viele Sonderfehler (auch größere Auslassungen wie 7,8,1 f. duodecim – ante enim),105 aber hin und wieder auch bessere Lesarten als die anderen Klassen. Jünger als L, aber nicht direkt abhängig von ihr ist O (St. Omer, Bibliothèque d’agglomération, Bertinianus 697) aus dem 10. oder 11. Jh., die im 14. Jh. in die Abtei St. Bertin in St. Omer gelangte.106 Ihr Eutrop-Text ist durch zahlreiche ortho­graphische und sonstige Fehler entstellt (Verwechslung von Kardinal- und Ordinalzahlen, Auslassung von praenomina), hat aber z. B. keine Lücke in 7,8,1 f.107 Eine Abschrift von O ohne eigenen Überlieferungswert ist die Hs. Br (Brüssel, Königliche Bibliothek, 6439–6451),108 die gegen Ende des 11. oder Anfang des 12. Jh. in Nordfrankreich geschrieben wurde.109 Durch Blattverlust fehlt der Anfang vor 1,11,1 recipe]retur in regnum) sowie der Text von 8,19,1 Britannia bis 9,21,1 ordine. Während Droysen, Rühl und Santini diese Hs. ignorierten, teilte Hellegouarc’h ihre Lesarten im Apparat mit.

Wichtiger ist die Beurteilung der Hs. A (Cambridge, Corpus Christi College, Parker Library, Ms. 129), geschrieben in der 1. Hälfte des 14. Jh. in der Abtei St. Augustin zu Canterbury,110 die zuerst von Santini herange­zogen wurde. Ihr Text stimmt größtenteils mit VLO überein, ist aber gele­gentlich überlegen (z. B. 2,11,3 adverso A : atro VLO; 5,7,1 medos A : metos LO). Diese Vorzüge deutete Santini als Zeichen für eine genauere Übereinstimmung mit dem Hyparchetyp der 3. Klasse. Dagegen wies Reynolds zu Recht auf die Möglichkeit hin, dass die überlegenen Varianten aus anderen Hss. kontaminiert sein könnten.111 So hat A auch gemeinsame Fehler mit der Paulus-Tradition (z. B. 3,6,1 finitumque bellum : ‑toque bello A Paul.; 4,4,3 concessae sunt : concesserunt A Paul.; 4,8,2 venit om. A Paul.; 4,27,4 per Marium : per Marium acti sunt A Paul.), auf die Santini und Hellegouarc’h nicht eingegangen sind. Wenn demzufolge S. 30die Filiation von A nicht eindeutig festzustellen ist, kann die Hs. doch am sichersten als ein mit Paulus Diaconus kontaminierter Abkömmling der dritten Klasse angesehen werden.

4. Die vierte Klasse (Droysen: C; Scivoletto / Santini: π) bilden die Hss. des Paulus Diaconus, die ihrerseits in zwei Familien zerfallen.112 Von den neun Paulus-Hss., die Santini in seinen kritischen Apparat aufnahm,113 stammt die älteste (die allerdings nur Ausschnitte des Textes bietet) noch aus dem 8. oder 9. Jh.114 Über Paulus’ Vorlage (π, Scivolettos ‚codex italicus‘) lässt sich nur so viel sagen, dass ihr Text meist mit der 1. und 3. Klasse und nur selten mit der 2. Klasse des Eutrop-Textes übereinstimmt.115 Die Paulus-Hss. weichen gelegentlich auch so voneinander ab, dass sie mit verschiedenen Eutrop-Klassen übereinstimmen; eine Kontamination dieser Hss. mit den ‚reinen‘ Eutrop-Hss. ist dabei ebenso möglich wie willkür­liche Schreiberänderungen. Weil Paulus’ Historia Romana bei der Text­konstitution des Breviariums nur schiedsrichterliche Bedeutung zukommt, werden ihre Lesarten im Apparat dieser Edition nur nach dem von Crivel­lucci konstituierten Text zitiert (wie bei Hellegouarc’h) und Abweichun­gen der Paulus-Hss. voneinander nicht berücksichtigt.

Neben diesen klassifizierbaren Textzeugen stehen einige Hss., deren Position in der Überlieferungsgeschichte schwer zu bestimmen ist, da sie Einflüsse verschiedener Klassen aufweisen und z. T. hohen Alters sind. An erster Stelle steht ein Eutrop-Florilegium, das im 8. oder 9. Jh. in Nord­italien entstand und von dem zwei voneinander unabhängige Abschriften existieren.116 Die (von Rühl bekannt gemachte) ältere D (Sankt Petersburg, Russische Nationalbibliothek, Class. Lat. Q.v.9) ist Teil einer im 9. Jh. in S. 31Norditalien (wohl in Verona)117 entstandenen Miszellan-Hs., die auch Justi­nus, Isidor von Sevilla, Jordanes und den Anonymus Valesianus enthielt und später aufgeteilt wurde.118 Der Eutrop-Text, der das 1.–4. und 6.–7. Buch (bis Eutr. 7,9 Romana res floruit) umfasst, hat viele Lücken (2,7,1–17. 19,1–20,3. 22,1–24,1. 26,1–28. 3,1,2–7,1. 14,3–17. 18,3–19. 4,2,2. 6,1–17,2. 19–27,4. 6,1,1–7,2. 8,1–13. 15 f. 17,3–18,2); incipit, explicit und inscriptio fehlen. Zur Ergänzung zog Droysen die Hs. P (Vaticanus Palatinus Latinus 927) heran, die im Jahr 1181 im Kloster Sancta Trinitas bei Verona geschrieben wurde.119 Ihre Eutrop-Exzerpte setzen unter dem Titel epythoma ex libris eutropi victorini historici de consulibus mit 1,8,2 hinc consules cepere (sic) ein und reichen bis 7,8,4 in campo marcio (sic) sepultus; teils ergänzen sie D, teils decken sie sich mit ihr.120 Der Text von DP stimmt meist mit der 3. Klasse überein, gelegentlich aber auch mit G.121 Ob darin ein Zeichen für Kontakt der 1. mit der 3. Klasse vor dem 9. Jh. zu sehen ist oder ob man die Veroneser Exzerpte (wie Droysen) mit dem Hyparchetyp beider Klassen in Verbindung bringen darf, ist nicht zu entscheiden. Santini sah in D einen unabhängigen Zeugen der 3. Klasse, Hellegouarc’h stellte die Hs. dagegen zur 4. Klasse, mit­hin zur Paulus-Tradition.122 Der Exzerptor hat den Text mit einigen Interpolationen und willkürlichen Änderungen versehen, die bei der Konstitution von Eutrops Text nicht in Betracht kommen.123

Santini und Hellegouarc’h brachten mit D noch eine andere Hs. in Ver­bindung: Q (Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 323), aus der 2. Hälfte des 12. Jh. (wohl aus Deutschland)124 enthält das Breviarium mit S. 32drei großen Lücken (1,20–2,2; 2,18–6,12; 6,18–22). Der Text stimmt mit keiner der vier Klassen überein und ist insbesondere von den Fehlern in G frei. Während Hartel den besseren Text auf Schreiberkonjekturen zurück­führte und Droysen die Hs. demzufolge ignorierte, sahen Santini und Hellegouarc’h Q als eigenständig an und zogen sie als Kontrollinstanz für gute Lesarten heran.125

Ebenfalls außerhalb der sonstigen Tradition steht der Blattfüller der Hs. J (Bamberg, Universitätsbibliothek, Msc. Class. 31 = E. III. 22), die im frühen 10. Jh. in Italien geschrieben wurde und im 12. Jh. an die Stiftsbi­bliothek Bamberg gelangte.126 Auf dem freien Platz unter dem explicit von Festus’ Breviarium (auf einem mit der Ziffer 52 nummerierten verso und vor dem fol. 53 recto vom selben Schreiber verfassten Inhaltsverzeichnis, dem auf dem verso Florus’ Epitome folgt) hat ein etwas späterer Schreiber die Widmungsepistel von Eutrops Breviarium sowie einige weitere (rätsel­hafte) Bemerkungen hinzugefügt.127 Die Hs. ist von großer Bedeutung, weil sie als einzige den Titel magister memoriae für Eutropius bezeugt. Welche Vorlage der Schreiber verwendete, ist ungewiss; P. L. Schmidt stellte die Hs. aufgrund des fehlenden Titels Gothico zur 1. und 2. Klasse.128 Da der Schreiber den Inhalt des Breviariums mit ordo imperii Romani a rege Romulo usque Valentiniano et Valente Augusti wiedergab, ist es unwahr­scheinlich, dass er seine Vorlage aufmerksam bis zum Ende gelesen hat, denn das Breviarium endet bekanntlich mit Jovian.

Darüber hinaus sind noch fünf weitere Hss. aus dem 12. bis 15. Jh. bekannt, die Eutrops Breviarium (ganz oder teilweise) enthalten: Eine Hs. in Hereford (Cathedral Library, O. II. 9) aus dem 12. Jh., wohl in der S. 33benachbarten Belmont Abbey entstanden,129 deren Text nach 9,18 abbricht. Eine weitere Hs. in Paris (Bibliothèque nationale, Latinus 6113), unbe­kannter Herkunft, stammt auch aus dem 12. Jh.,130 ist aber unvollendet und reicht nur bis 7,19,1 factus in palestinam imperator; ihr Text geht offenbar auf mehrere Vorlagen zurück, denn er weist gemeinsame Varianten mit allen vier Hss.-Klassen auf.131 Eine Londoner Hs. (British Library, Royal 13 A X) hat vier Einzelblätter aus dem späten 12. Jh., mit dem Text 4,24 Cato consul – 5,9,2 bella funestissima; (fol. 106; 104) und 6,15 claris quidem – 7,4 qui superfuerant (fol. 105; 107), dessen Textgestalt mit der 2. Klasse übereinstimmt.132 In Oxford (Bodleian Library, Laud. Lat. 4) befin­det sich eine 1406 von Johannes Merylynch in der Abtei Glastonbury geschriebene Hs. mit voll­ständigem Eutrop-Text.133 Eine historiographische Sammelhs. in Augsburg (Universitätsbibliothek, Cod. II.1.2°190), die 1464 im Kloster Sankt Mang in Füssen geschrieben wurde, enthält eine gekürzte Fassung der Bücher 1–2 und 6–10.134

Zu erwähnen sind ferner drei kurze Eutrop-Exzerpte, die in Hss. des 11. und 12. Jh. unbekannter Herkunft (wohl aus Deutschland) als Ergänzung zu Sallusts Catilina und Jugurtha angefertigt wurden. Die älteste und ausführlichste Hs. dieser Gruppe befindet sich in Rostock (Universitätsbibliothek, Mss. philol. 27).135 Sie wurde vielleicht in Fulda im S. 342. Viertel des 11. Jh. geschrieben und enthält neben einer Marginalie mit Eutr. 4,27,4 ante currum – strangulatus est den ganzen Text des 5. Buchs.136 Allerdings ist das Exzerpt nicht Eutrops Breviarium zuzuordnen, wie die Kataloge fälschlich angeben, sondern der Historia Romana des Paulus Diaconus, wie die Bindefehler und Zusätze aus Orosius belegen. Ein weiteres Exzerpt mit Eutr. 4,27,4 (mit einigen Eingriffen des Schreibers) befindet sich im Vatikan (Palatinus Latinus 883, 12. Jh.)137 und ist keiner Klasse sicher zuzuordnen. Das dritte Exzerpt, eben­falls mit Eutr. 4,27,4, befindet sich in Wien (Österreichische Nationalbi­bliothek, Cod. 284, aus der 2. Hälfte des 12. Jh.).138 Der Text ist durch einen Bindefehler (acti sunt nach Marium) als Abkömmling der paulinischen Tradition zu erkennen.

Schließlich gibt es noch zwei bisher übersehene Exzerpte bzw. Schrei­berzitate aus dem 8. Buch in Hss. des 15. Jh.: Eines im Vaticanus Latinus 1900 (geschrieben in Norditalien zwischen 1432 und 1440),139 einer Hs. der Historia Augusta. Der Eutrop-Text (8,2,1–8,5,3) auf fol. 116 verso ist von einem späteren Schreiber in zwei Spalten mit dem Titel vita sive perbreve epitho(me) divi Traiani Augusti p(rincipis) opti(mi) atq(ue) sa(n)ctis(simi) hinzugefügt und enthält außer einer Reihe unerheblicher Sonderfehler einige geist­reiche Zusätze, die offenbar vom Schreiber selbst herrühren.140 Aufgrund einiger Bindefehler (z. B. 8,3,1 Ctesiphontem : et Tesifontem; 8,5,2 CXLIV pedes : CXL pedes) ist auch bei diesem Exzerpt Paulus’ Historia Romana als Vorlage anzunehmen.141 Das zweite Exzerpt ist neben S. 35zahlreichen anderen Klassikerzitaten im Vaticanus Latinus 2940 (15. Jh.) auf fol. 168 recto aufgeführt (Traianus respondit: talem se imperatorem esse privatis quales esse sibi imperatores privatos optassent = Eutr. 8,5,1).142

Aufgrund des bis jetzt bekannten Materials kann die Textgeschichte des Breviariums nur annäherungsweise umrissen werden. Trotz Etablierung der vier Klassen liegt die Entstehungszeit der verschiedenen Überliefe­rungsstränge im Dunkeln.143 Die Untersuchungen von Mommsen, Droysen und Wagener haben ergeben, dass die 1. Klasse (trotz aller Fehler ihres wichtigsten Zeugen G) im Allgemeinen die beste Überlieferung bietet. Die anderen Klassen sind nur dann vorzuziehen, wenn sie gegen die 1. Klasse übereinstimmen, oder wenn sie Lücken und offensichtliche Fehler der 1. (und 2.) Klasse verbessern.144 Ein schematisches Vorgehen aufgrund dieser Gewichtungen genügt allerdings nicht zur Herstellung des Textes: Wie schon Wagener hervorhob, sind in schwierigen Fällen immer Eutrops Nachahmer und Zeitgenossen (Festus, Hieronymus, Orosius) sowie die Übersetzung des Paianios heranzuziehen, die allerdings (trotz Wageners Hochschätzung) mit Vorsicht zu gebrauchen ist. Wenn auch das nicht weiterführt, müssen Entscheidungen anhand des Sprachgebrauchs und der Wahrscheinlichkeit getroffen werden.

Über die Frage, wann und wo die verschiedenen Überlieferungsstränge entstanden sind, besteht nach wie vor keine Einigkeit. Von den Ansichten Droysens und Wageners, die die Scheidung der 1., 3. und 4. Klasse in der Spätantike ansetzten,145 ist man inzwischen abgekommen. Plausibler scheint Scivolettos (von Santini weiterentwickelte) Hypothese, dass die 1., 2. und 3. Klasse auf einen ‚codex gallicus‘ (γ) und die 4. Klasse auf einen ‚codex italicus‘ (π) des frühen Mittelalters zurückgehen.146 Santini hält es darüber S. 36hinaus für wahrscheinlich, dass Eutrop selbst zwei verschiedene Fassungen des Breviariums herausgegeben habe: Den Titel Gothico, der nur in der 3. Klasse belegt ist, habe er nach dem Tod des Kaisers in der Schlacht von Adrianopel (378) getilgt.147 Umgekehrt hält P. L. Schmidt die Version mit dem Titel Gothico (und dem Schluss Eutropius v. c. peculiariter suus) für jünger und hält es für denkbar, sie als „Versuch des (372–378 amtlosen) Aufsteigers“ zu deuten, „mit Valens wieder ins Reine zu kommen.“148 Die erste Fassung wäre dann unmittelbar nach Jovians Tod publiziert worden.

2. Die griechischen Übersetzungen

Zur Verbreitung von Eutrops Breviarium trugen die früh entstandenen griechischen Übersetzungen bei. Die erste, bis auf wenige Lücken vollstän­dig erhaltene stammt von einem gewissen Paianios, der wohl mit dem in mehreren Briefen des Libanios erwähnten Sophisten aus Antiocheia zu identifizieren ist.149 Als einzige bekannte griechische Übersetzung eines profanen Geschichtswerks der Spätantike ist diese Übertragung von großem Interesse für die Literaturgeschichte. Wie aus einer Bemerkung zu den Perserkönigen Hormizd II. und Schapur II. zu schließen ist,150 verfasste Paianios seine μετάφραϲιϲ τῆϲ τοῦ Εὐτροπίου Ῥωμαϊκὴϲ ἱϲτορίαϲ um 379, also nur zehn Jahre nach Eutrop. Von den fünf erhaltenen Hss. des Werks hat nur eine (Athos, Kloster Iviron, Nr. 812, wohl aus dem 12. Jh.)151 einen nahezu vollständigen Text (es fehlt der Schluss ab 10,16,3), während die übrigen alle die Kapitel 6,9–11 auslassen S. 37und in 10,12,2 abbrechen.152 Die jüngste Hs. dieser Gruppe, eine (später verlorene) Abschrift des Exemplars aus der Bibliothek von F. Pithou, lag der editio princeps von F. Sylburg 1590 zugrunde.153 Die erste von Sylburg unabhängige Edition, für die neue Kollationen vorgenommen wurden, war die von Th. Mommsen initiierte und von H. Droysen erarbeitete MGH-Ausgabe (1879). Leider waren die Herausgeber einem Hinweis von C. de Boor auf die Hs. im Kloster Iviron nicht nachgegangen.154 So blieb es S. Lambros vorbehalten, diese 1897 bekannt zu machen und 1912 in seiner Paianios-Edition zu verwerten.155 Bedauerlicherweise ignorierte Lambros seinerseits wichtige Vorarbeiten (so den grundlegenden Aufsatz von Schulze, De Paeanio) und nahm auch die MGH-Ausgabe nicht zur Kenntnis.

Philologische und historische Studien zu Paianios sind selten: Seitens der Philologie wurde er mehr als Orakel für Konjekturen im Eutrop-Text gebraucht als um seiner selbst willen untersucht. Beim Erscheinen von Lambros’ Edition hatte sich auch dieses Interesse weitgehend gelegt. Die wenigen eingehenden Studien heben übereinstimmend hervor, dass es dem Übersetzer gelungen ist, den trockenen Stil des Breviarium in ein recht elegantes Griechisch zu übertragen.156 Im Gegensatz zu Eutrops oft stereo­typer Ausdrucksweise strebt Paianios nach Variation. Seine Formulierun­gen sind dementsprechend frei gewählt; außerdem hat er Einzelheiten ergänzt, ausgelassen oder umgestellt, womit teils die Darstellung klarer als bei Eutrop, teils aber auch der Sinn des lateinischen Originals verfälscht wird. Die Kürzungen des Übersetzers betreffen Praenomina und Einzelhei­S. 38ten der Erzählung, die Erweiterungen erstrecken sich auf die Erläuterung oder Umschreibung römischer Termini und Beinamen.

Eine zweite griechische Übersetzung hat nach der Suda der Historiker Kapiton von Lykien verfasst,157 dessen schriftstellerische Tätigkeit in die Regierungszeit der Kaiser Anastasios I. (491–518) und Maurikios I. (518–527) fällt.158 Ob dieses Werk mit den Spuren einer von Paianios verschiede­nen Eutrop-Übersetzung zu verbinden ist, die sich in der Chronik des Johannes von Antiochia sowie in der Suda und den Konstantinischen Exzerpten finden, ist ungewiss. Während die meisten Eutrop-Editoren sich dieser von Henri Valois aufgestellten Hypothese vorbehaltlos anschlos­sen,159 überwiegt in jüngerer Zeit die Skepsis:160 Die von Johannes benutzte Übersetzung kann ebenso gut von ihm selbst wie von Kapiton oder jemand anderem stammen. Dass mehrere griechische Über­setzungen im Umlauf waren, illustriert eine dritte Version der Diokletian-Passagen, auf die sich im 9. Jh. Theophanes Confessor stützte.161 Jedenfalls zeichnet sich die von Johannes benutzte griechische Übersetzung durch eine größere Nähe zum Wortlaut des Eutropius aus.162

Die große Bedeutung der griechischen Übersetzungen, insbesondere der fast gleichzeitigen des Paianios, für die Textkritik von Eutrops Brevia­rium ist seit dem 19. Jh. grundsätzlich anerkannt. Für die Textkonstitution sind sie jedoch nur von begrenztem Nutzen, weil bei Abweichungen vom lateinischen Text oft nicht zu entscheiden ist, ob es sich um willkürliche Eingriffe des Übersetzers handelt oder ob ihm ein anderer als der über­lieferte Text vorlag. Von den Dutzenden Verbesserungsvorschlägen, die unter Verweis auf Paianios (gegen die hsl. Eutrop-Überlieferung) vorgetra­S. 39gen wurden,163 fanden nur wenige die Billigung der Editoren. Meist geben Paianios’ Abweichungen vom überlieferten Eutrop-Text keinen Anlass zum Eingriff in den lateinischen Text, sondern sind eher Beispiele zeitgenössischer Interpretation des Breviariums.

3. Zur Textkonstitution und Anlage des kritischen Apparats

Der lateinische Text des Breviariums ist nach den kritischen Ausgaben von Santini (1979; 21992) und Hellegouarc’h (1999; 22002) gestaltet. Dabei werden regelmäßig die Lesarten der Hss. G CIHMPa VLOA und in einigen Fällen die von F S D Q J mitgeteilt, soweit sie aus den Editionen ersichtlich sind. Auf die erneute Kollation der Hss. wurde, wie eingangs erwähnt, weitgehend verzichtet, abgesehen von einzelnen Stellen in den Hss., die als Digitalisate im Internet zur Verfügung stehen.164 Zur Evaluation einzelner Stellen wurden außerdem die Editionen Droysen (1879), Wagener (1884) und Rühl (1887) sowie die einschlägige Literatur heran­gezogen, die in deutscher Sprache vor allem im späten 19. Jh. und in italienischer seit Mitte des 20. Jh. erschienen ist. Zur Verifikation älterer Konjekturen wurden außerdem die älteren Ausgaben von Schoonhoven (Basel 1546 / 1552), Vinetus (1553), Sylburg (1590), Verheyk (1762), Tzschucke (ed. maior 1796), Dietsch (1849) und Hartel (1872) geprüft.165 Die Orthographie des lateinischen Textes folgt den von Droysen und Wa­gener erarbeiteten Grundsätzen.166 Die (seltenen) Zitate (Fabius Pictor: 3,5; Suet.: 7,21,1. 3; Verg.: 9,13,1) sind mit den aktuellen Ausgaben verglichen worden. Wo Eutrops Quellen und Benutzer zur Textkonstitution hilfreich sind, wurden im Apparat Hinweise auf die Belegstellen gesetzt.

Um den kritischen Apparat nicht unnötig zu belasten, wurde nur eine Auswahl der Lesarten und Konjekturen berücksichtigt, die Droysen und Santini in ihren Ausgaben mitteilten. Rein orthographische Varianten und eindeutige Abschreibfehler wurden nicht verzeichnet, Sonderfehler einzel­ner Hss. (oder Hss.-Klassen) und willkürliche Schreiberänderungen nur S. 40ausnahmsweise, vor allem bei Eigennamen und Zahlenangaben. Der kriti­sche Apparat ist in eindeutigen Fällen negativ gehalten, bei mehr als zwei Varianten und unterschiedlichen Verbesserungsvorschlägen jedoch zur besseren Übersicht positiv. Nach dem Vorbild von Hellegouarc’h wurden die von Scivoletto und Santini etablierten griechischen Siglen der verschie­denen Klassen (φ, κ/λ/μ, χ/ψ, π) in ihre jeweiligen Hss.-Siglen aufgelöst; ebenso wurden die Varianten der paulinischen Tradition nach der Edition von A. Crivellucci, Pauli Diaconi Historia Romana, Roma 1914angege­ben, ohne zwischen verschiedenen Hss. zu unterscheiden. Da Paulus in der Historia Romana seine Vorlage überarbeitete und erweiterte, sind seine Umformulierungen und Sonderfehler grundsätzlich nicht berücksich­tigt worden. In den seltenen Fällen, wo Varianten innerhalb der paulinischen Tradition für die Textgestaltung wichtig sind, werden diese unter Angabe einer bestimmten Paulus-Hs. oder mit der pauschalen Bemerkung cum nonnullis Pauli codd. angeführt.

Gelegentlich sind im Apparat die griechischen Übersetzungen des Bre­viariums angeführt. Bei Paianios wurden die Editionen von Droysen (1879) und Lambros (1912) parallel benutzt, da die Edition von Lambros zwar den vollständigsten Text bietet, aber leider nicht ganz zuverlässig ist.167 Die Fragmente der jüngeren Übersetzung, die Kapiton von Lykien zuge­schrieben wird (s. o.), werden mit Stellenangaben nach ihren jeweiligen Textzeugen, der Suda und der Chronik des Johannes Antiochenus, zitiert, und zwar nach Adler-Nummern bzw. bei Johannes nach den Editionen von Roberto (2005) und Mariev (2008).

S. 41

4. Bemerkungen zur Übersetzung

Die Übersetzung wurde für die Bücher 1–9 von Jonathan Groß, für das Buch 10 von Bruno Bleckmann angefertigt.

Eutrops Breviarium bietet trotz der augenscheinlichen Anspruchslosig­keit seiner Diktion unerwartete Schwierigkeiten, da der Stil des Autors ei­ner­seits vom Streben nach Ausdruckskürze bis hin zur Prägnanz zeugt und andererseits durch Wiederholungen, stereotype Wendungen und Inkonzin­nitäten gekennzeichnet ist. Eutrop war bemüht, wiederkehrende Vorgänge jeweils unterschiedlich wiederzugeben, und weist ein entsprechend reiches Vokabular auf; sein dichter Stil kann im Deutschen oft nicht in ähnlicher Kürze wiedergegeben werden, wenn eine möglichst klare Wiedergabe der Gedanken das Ziel ist. Wo eine von Friedhelm Müller oder anderen Über­setzern geprägte Formulierung an Klarheit und Kürze nicht mehr zu über­treffen war, wurde sie daher dankbar übernommen; das gilt insbesondere für die zahlreichen wiederkehrenden Ausdrücke, die Eutrop verwendet.

Die Personennamen wurden je nach ihrer Herkunft in lateinischer oder griechischer Form wiedergegeben. So steht für Ptolomaeus Ptolemaios, für Seleucus Seleukos und für Odenathus Odainathos. Die im lateinischen Text abgekürzten lateinischen Praenomina wurden in der Übersetzung aus­geschrieben. Bei den Ortsnamen wurden die im Deutschen gebräuchlichen Formen bevorzugt bzw. die modernen, soweit sie mit einer antiken Stadt zu identifizieren sind. Besondere Schwierigkeiten ergaben sich bei der Wiedergabe der Ländernamen: Hier folgt Eutrop manchmal den Gegeben­heiten der spätantiken Territorialverwaltung, manchmal gebraucht er nur geographische Begriffe, also beispielsweise Britanniae (7,13,3. 9,21 f.) oder Britannia (7,14,4. 19. 8,19,1. 10,2,1). Bisweilen ist nicht zu erkennen, warum nebeneinander Gallia (vielleicht für die Prätorianerpräfektur) und Galliae steht, letzteres entweder im Sinne der nordgallischen Diözese oder der Gesamtheit der gallischen Provinzen.168 Solchen Feinheiten in der Übersetzung entsprechen zu wollen, wäre ein vergebliches Unterfangen.

Eutrops Jahresangaben mit Äquivalenten der christlichen Zeitrechnung zu versehen, schien nicht empfehlenswert, da Eutrops Chronologie einer­seits unzuverlässig und inkonsistent ist und gerade im republikanischen Teil oft um mehrere Jahre fehlgeht, und da andererseits die Chronologie der spätantiken Ereignisse, die im Fokus dieser Edition stehen, im histori­schen Kommentar dargelegt wird. Dagegen wurden die Entfernungs-, Flächen- und Raum­maße sowie Gewichte, die Eutrop vor allem in den ersten Büchern oft nennt, zur besseren Anschaulichkeit in Einheiten des metrischen Systems umgerechnet.169 Auf eine Umrechnung des Nennwertes S. 42der Edelmetalle (sowie der Eutr. 6,17,3 genannten 40.000.000 Sesterzen) wurde verzichtet.


1 Für die genaue Einteilung s. Bird, Structure and Themes 87–90. Buch 1 behandelt die Geschichte bis zur Eroberung Roms durch die Gallier und entspricht der ersten Dekade des Livius. Buch 2 behandelt die Zeit vom Galliereinfall bis zum Ende des Ersten Punischen Kriegs bzw. dem Nachspiel, der Eroberung von Falerii, und entspricht Livius Buch VI bis Buch XX. Buch 3 behandelt die Zeit vom Ende des Ersten Punischen Kriegs bis zum Ende des Zweiten Punischen Kriegs (Sieg bei Zama). Im 4. Buch wird die Entsprechung zu den Dekaden des Livius aufgegeben, das Buch reicht vom Ende des Zweiten Punischen Kriegs bzw. dem Anfang des Zweiten Makedonischen Kriegs bis zum Triumph des Marius über Jugurtha. Das kürzeste Buch (5) behandelt die Geschichte von der Niederlage gegen Kimbern und Teutonen bis zum Sieg Sullas und des Pompeius über die Marianer, Buch 6 die Zeit von der Ordnung des Staates durch Sulla bis zur Ermordung Caesars, beide Bücher lassen sich als Bücher über den ersten und zweiten Bürgerkrieg verstehen (Bird, 88). Für die Kaiserzeit sind die Zäsuren folgendermaßen: Buch 7 behandelt die Zeit von den Anfängen des Augustus bis zum Ende Domitians; Buch 8 beginnt in Anspielung auf Valens mit dem Konsulat von Vetus und Valens und der Regierung Nervas und schließt mit der Regierungszeit des Severus Alexander; Buch 9 setzt mit Maximinus Thrax als dem ersten Soldatenkaiser ein und reicht bis zur Abdankung Diokletians; Buch 10 behandelt die Zeit von der Übernahme der Oberkaiserherrschaft durch Constantius (305) bis zum Tode Jovians (364). Überlegungen, in welcher Form eine Gesamtaufteilung des Geschichtswerks vorzunehmen sind, bei Gasti, Introduzione XXVI f.: zwei (Republik I–VI; Kaiserzeit VII–X) oder drei Teile (Republik, Kaiserzeit bis Domitian, Kaiserzeit ab Domitian). Einen Hinweis auf eine Zweiteilung will Gasti, XXVII der Einleitung entnehmen.

2 S. Kommentar zu 10,16,1. Scivoletto, La civilitas 36 f. Anm. 48 bringt Argumente dafür, dass Eutrop Julian als Militär begleitete.

3 Vgl. Proömium.

4 In den Eutrophandschriften, die dem Paulus Diaconus beigegeben sind, findet sich diese Angabe nicht. Sie ist isoliert nur beim Codex J (Bamberg, Msc. Class. 31 = E. III. 22) zu finden, was von R. Peiper, Zu Eutropius, Philologus 33 (1874) 686 zum ersten Mal ausgewertet wurde. Argumente für die Benutzung dieser Angabe bei Bonamente, La dedica del „Breviarium“, bes. 282–84. Gegen die Benutzung dieser Angabe der Bamberger Handschrift Burgess, Eutropius.

5 Der Titel Gothicus findet sich allerdings jeweils nur in einem Teil der Überlieferung, s. Bonamente, La dedica del „Breviarium“. Die Schwierigkeiten, denen Valens ab 371/372 begegnete, ignoriert Eutrop anscheinend, vgl. Bird, Eutropius and Festus 16 f. Das würde darauf hinweisen, dass sein Geschichtswerk 369 oder spätestens 370 publiziert wurde.

6 Auffällig ist, dass Caesarea maritima in einer Notiz, die allerdings von einigen Editoren als später Zusatz gesehen wird, sehr deutlich als blühende Metropole der eigenen Zeit gerühmt wird, obwohl es im Kontext nicht notwendig ist, vgl. Eutr. 7,10,3: (Caesarea) in Palaestina, quae nunc urbs est clarissima. Nur vor dem Hintergrund eines Aufenthalts während der Geschichte des Valens, insbesondere während der in Phrygien bei Nakoleia durchgeführten Aktionen gegen Procopius, ist vielleicht die auffällige Prominenz von Eumeneia in der Erzählung Eutrops zu erklären, vgl. Eutr. 4,4,2. Die Angabe über die Nachkommen der Zenobia, die „noch heute“ in Rom leben (Eutr. 9,13,2), erlaubt natürlich nicht den Schluss, dass hier persönliche Bekanntschaft mit den Verhältnissen in Rom aufscheint. Auf Kenntnis der Zustände jenseits der Donaugrenze scheint die aktualisierende Passage über das ehemalige trajanische Dakien hinzuweisen, vgl. Eutr. 8,2,2: provincia trans Danubium facta in his agris, quos nunc Taifali, Victohali et Tervingi habent. Diese Informationen waren am Hof des Valens verfügbar. In 9,23 verweist Eutrop auf die Regelungen Diokletians in Ägypten, die bis zur eigenen Zeit nachwirken.

7 Vgl. die Synthesen bei PLRE 1, 317 s. v. Eutropius 2; Seeck, Briefe des Libanius 151–53; Schmidt, Eutropius 202 f.; Müller, Eutropii Breviarium 1–5; Gasti, Introduzione XX–XXIV. Im Einzelnen sind die Details und insbesondere die Frage, welche Zeugnisse man hinzuziehen kann und welche nicht, umstritten, ohne dass es sinnvoll wäre, hier diese Diskussion genauer darzustellen, vgl. im Einzelnen (auch zu den folgenden Ausführungen) Bonamente, La biografia di Eutropio lo storico; ders.; Giuliano 19–45; Neri, Medius Princeps 65–68.

8 Bonamente, Giuliano 35 f. Belege in PLRE 1, 317 s. v. Eutropius 2.

9 Suda ε 3375. Vgl. Schmidt, Eutropius 202 T 1.

10 Vgl. dazu von Haehling, Religionszugehörigkeit 221; Bonamente, Giuliano 20; Neri, Medius princeps 65.

11 Zum Zeugnis des Nikephoros Gregoras (bei Lambecius [P. Lambeck], Comment. De bibl. Caesar. Vindobon. libri VIII, Wien 1665–79, VIII 136) Schmidt, Eutropius 202 T. 5; Müller, Eutropii breviarium 1 Anm. 2. Bonamente, Giuliano 21 Anm. 4 bezieht allerdings gegen diese Skepsis gegenüber der Benutzung des Zeugnisses des Nikephoros Gregoras Stellung und bringt Argumente dafür, dass Nikephoros vom Hellenentum des Eutrop nicht im konfessionellen Sinn ausgegangen ist.

12 S. auch Gasti, Introduzione XXI Anm. 21.

13 So auch Paulus Diaconus im Widmungsschreiben der Historia Romana (Schmidt, Eutropius 202 T 14): quia utpote vir gentilis in nullo divinae historiae cultusque nostri fecerit mentionem. Vgl. Bonamente, Giuliano 21 f. Zum negativen Urteil über Konstantin und positiven Urteil über Galerius als Indiz für die Glaubenseinstellung Eutrops von Haehling, Religionszugehörigkeit 218 f. und weitere Literatur bei Bonamente, Giuliano 15 Anm. 14.

14 Lib. or. 1,159; Amm. 29,1,36. Vgl. Bonamente, Giuliano 21–29. Bonamente 24 besteht auf der Identität zwischen dem Schüler und Neffen des Akakios und Sophisten Eutrop mit dem Historiker. Er folgt den Rekonstruktionen von Seeck, Briefe des Libanius 151–53. Eine Verbindung ergebe sich auch daraus, dass der Übersetzer des Eutrop, Paianios, gemeinsamer Schüler des Akakios und des Libanios war, vgl. Lib. ep. 1307,6 mit Bonamente 27, vgl. Seeck. Die Nähe zu Libanios würde dann auch erklären, warum Eutrop Teilnehmer des Perserfeldzugs war.

15 Symm. ep. 3,47.

16 Marcellus in der Praefatio seines Werkes über Medizin (Schmidt, Eutropius 202 T 2): Nec solum veteres medinicae artis auctores (Latine dumtaxat sermone perscriptos), cui rei operam … aliique nonnulli etiam proximo tempore inlustres honoribus viri, cives ac maiores nostri, Siburtius, Eutropius atque Ausonius, commodarunt, lectione scrutatus sum … Zur These der Identität mit diesem Eutrop vgl. Bonamente, Giuliano 20 mit Anm. 3 (Literatur).

17 Der einfache Stil des Eutrop ist in Wirklichkeit durchaus kunstvoll.

18 Vgl. U. Walter, Memoria und res publica. Zur Geschichtskultur im republikanischen Rom, Frankfurt 2004, 42–50.

19 Das gleiche Bemühen um eine exemplarische Auffassung der Geschichte wird in Epit. Caes. 48,11 f. Theodosius zugeschrieben

20 Die abschließende Notiz, wer divinisiert wurde und wer nicht, fällt allerdings nicht völlig mit dieser Bewertung zusammen, da auch von Eutrop als eher problematisch betrachtete Figuren wie Konstantin durchaus divinisiert werden.

21 Sammlung der Passagen bei Scivoletto, La civilitas 20–22. Der Begriff civilitas ist nach Scivoletto, 29 f. mit Anm. 29 von Eutrop selbst in systematischer Form gebraucht worden für Fälle, die entweder für clementia oder für comitas stehen. Eutrop hat, wie Scivoletto, La civilitas 22 zeigt, mit seinem Konzept der civilitas, in der letztlich die Fähigkeit des Kaisers zu erkennen ist „di scendere dal fastigium imperii“, Ammian und die Historia Augusta beeinflusst.

22 Eutr. 8,4 (von Traian):gloriam tamen militarem civilitate et moderatione superavit.

23 Eutr. 8,12,1. In Eutr. 10,6,3 wird insolentia anders gebraucht, aber eine Assoziation mit der tyrannischen superbia ist gleichwohl hier möglich.

24 Eutr. 8,19,1 (bellica gloria).

25 Eutr. 8,2,2. Bordone 338 bezieht das auf die Errichtung der Städte Nijmwegen (Ulpia Noviomagus Batavorum) und Xanten (Colonia Ulpia Traiana). Aber diese Städte liegen diesseits des Rheins. Gemeint sind vielleicht im Dekumatgebiet errichtete Städte.

26 Vgl. das civile ingenium bei Germanicus (Tac. ann. 1,33), dem ein aggressiver Kurs in der Außenpolitik gegenübersteht. Generell zum Problem des civilis princeps im frühen Prinzipat A. Wallace-Hadrill, Civilis Princeps: Between Citizen and King, JRS 72 (1982) 32–48.

27 Bei Aurelius Victor gibt es nur zwei Belege für civilis in diesem Sinne, vgl. Scivoletto, 23; vgl. Bonamente, Giuliano 169.

28 Civilitas bei Claudius Mamertinus, vgl. Paneg. 3,27,3; 28,1 und 31,1. S. Bonamente, Giuliano 167 Anm. 127.

29 Eutr. 9,26. Vgl. zu diesen neuen Formen des Zeremoniells Kolb, Herrscherideologie 38–42.

30 Aussagen für diese formalisierten Festbankette lassen zumindest die Reste der Villen/Palastarchitektur in Gamzigrad oder Split zu, vgl. U. Brandl / M. Vasić, Roms Erbe auf dem Balkan. Spätantike Kaiservillen und Stadtanlagen in Serbien, Mainz 2007, 71–74.

31 Eus. vit. Const. 3,10 und 3,15,2.

32 R. Klein, Der Rombesuch des Kaisers Konstantius II. im Jahre 357, Athenaeum 57 (1979) 98–115

33 Eutr. 7,8,4. Die Gleichstellung ist vermutlich auf Freunde wie Agrippa und Maecenas zu beziehen.

34 Eutr. 10,7,2: „Zwar war er bei einigen Freunden von schwankender Haltung, aber bei den übrigen vortrefflich, wobei er nichts an Gelegenheiten ausließ, wodurch er sie reicher und glänzender machen konnte.“; vgl. Eus. vit. Const. 4,1.

35 Eutr. 10,15,2: „Er verdiente es, zu den Vergöttlichten gerechnet zu werden, ein Mann von herausragender Ruhe, sanft, allzu sehr den Freunden und Vertrauten vertrauend, bald auch zu sehr den Frauen ergeben, einer, der freilich sich in den ersten Jahren seiner Herrschaft sich mit großer Bescheidenheit aufgeführt hat, auch jemand, der seine Vertrauten bereicherte, und nicht zuließ, dass diejenigen ohne Ehrungen blieben, deren mühevollen Dienste er erprobt hatte.“

36 Von der Sache ist diese Forderung nach severitas für römische Kaiser bei Eutrop deutlich vorhanden, auch wenn der Begriff severus für die Kaiser des dritten und vierten Jahrhunderts wenig begegnet. Vgl. die Untersuchung von M. Molin, Severitas, une valeur politique romaine en échec au IIIe siècle, in: M. H. Quet (Hg.), La crise de l’empire romain de Marc Aurèle à Constantin. Mutations, continuités, ruptures, Paris 2006, 185–209.

37 Eutr. 9,17,3.Viele dieser Urteile stammen aus der Enmannschen Kaisergeschichte.

38 Eine Sammlung von Verhaltensregeln im Umgang zwischen dem Kaiser und dem Heer, die in Manchem Ähnlichkeiten mit den von Eutrop festgestellten Normen enthält, bietet Julian in seiner zweiten Rede an Constantius, vgl. Iul. Imp. or. 3, 86 d–87 d.

39 Für die Epoche der Reichskrise wird in einigen Fällen noch auf die Mitwirkung des Senats bei der Kaisererhebung verwiesen, vgl. 9,7 oder 9,12. Zu 9,1 (Nichtbeteiligung des Senats) s. Kommentar.

40 Nur in den Bemerkungen zur Divinisierung von Kaisern des vierten Jahrhunderts ist noch ein impliziter Hinweis auf institutionelle Mitwirkung des Senats zu erkennen, vgl. den Kommentar zu Eutr. 10,8,3; 15,2; 18,2. Nicht erwähnt wird beispielsweise, dass der Senat nach 312 Konstantin in den ersten Rang im Kaiserkollegium aufrücken ließ.

41 Dieses Stichwort bezeichnet allerdings in unzureichender Weise die Veränderungen im römischen Heer, vgl. den Überblick bei M. Rocco, L’esercito romano tardoantico. Persistenze e cesure dai Severi a Teodosio I, Padua 2012. Hervorzuheben ist auch, dass Eutrop immerhin für das Heer Julians die Herkunft der Elitetruppen aus dem rechtsrheinischen Raum kennt, vgl. Kommentar zu Eutr. 10,15,1.

42 Eutr. 1,12,2. Diese Behauptung wird in der Augustusbiographie im siebten Buch nicht wiederholt.

43 Eutr. 10,4,2 mit Kommentar.

44 Eutr. 9,20,3 und 10,9,3 mit Kommentar.

45 Eutr. 9,23 mit Kommentar. Zum bellum civile vgl. Kommentar zu 10,4,3.

46 Vgl. Eutr. 6,21,1 und 10,12,1.

47 Eutr. 4,27,2 und 10,5 mit Kommentar.

48 Zur Bedeutung von Eutr. 1,1,2 vgl. Bonamente, Giuliano 155. Bonamente 156 geht davon aus, dass Eutrop in systematischer Form religionspolitische Notizen eingefügt hat, wie z. B. zu Numa Pompilius (1,3,2); Tarquinius Superbus (1,8,1); Domitian (7,23,5). Letzteres ist eine Notiz zur Baupolitik, die sich in der Enmannschen Kaisergeschichte in Anpassung an das suetonische Schema befunden hat.

49 Syrien ist bis in die Zeit des Septimius Severus eine einzige Provinz. Eine selbständi­ge Provinz mit der Bezeichnung Phoenice (und der Provinzhauptstadt Tyros) gibt es erst im vierten Jahrhundert.

50 Eutr. 6,3,3. Asia, Pontus, Oriens entspricht den Diözesen Asiana, Pontica, Oriens.

51 Eutr. 7,20,1; 9,17,3; 10,9,4.

52 Eutr. 9,13,1 und 14 mit Kommentar. Zur Mischung von Strenge und Mäßigung s. das angebliche Idealverhältnis bei Tiberius: Vell. Pat. 2,114,3.

53 Vgl. den Kommentar zu Eutr. 9,18,1.

54 Vgl. R. Turcan, L’abandon de Nisibe et l’opinion publique (363 ap. J.-C.), in: R. Chevalier, Mélanges d’archéologie et d’histoire offerts à A. Piganiol, Bd. 2, Paris 1966, 875–90.

55 Detaillierte Darstellung der Regulusepisode, einer prototypischen Erzählung zur Un­nachgiebigkeit römischer Außenpolitik, bei Eutr. 2,24,3–25,3. Nicht-Vorlassen karthagi­scher Gesandter: Eutr. 2,25,2.

56 E. Chrysos, Räumung und Aufgabe von Reichsterritorien. Der Vertrag von 363, BJ 193 (1993) 165–202.

57 Ruf. Fest. 3,32; Amm. 25,9,7–11; Zos. 3,32. Die Reste eines vergleichbaren Exkurses im Zusammenhang mit dem Frieden Jovians finden sich in der Leoquelle des Zonaras, vgl. dazu Bleckmann, Reichskrise 76–93: Dabei wird auch der von Philippus Arabs abgeschlossene und dann angeblich vom Senat kassierte Frieden zum kontrastierenden Exemplum stilisiert.

58 Die Ausführungen bei Amm. 25,9,9 und 11 sind mit ihren Beispielen (Niederlage an den caudischen Pässen, Albinus, Mancinus) Eutrop auffällig ähnlich und vermutlich von diesem abgeleitet. S. im Einzelnen zu den Beziehungen zwischen Ammian und Eutrop Kelly, Ammianus 246–50. Zusätzlich hat Ammian noch Beispiele über die Verweigerung des Triumphs für lediglich zurückeroberte Gebiete aus Val. Max. 2,8,4 integriert.

59 Vgl. zu Konstantin vor allem die Beobachtungen von Neri, Medius princeps; Barbero, Costantino 714–19.

60 Das war bereits dem literaturgeschichtlichen Urteil des Nikephoros Gregoras nicht entgangen. S. oben S. 5.

61 Vgl. den Kommentar zu Eutr. 10,6,3.

62 Zum expliziten Zeugnis der Suda κ 342 vgl. Scivoletto, La civilitas 33 Anm. 40.

63 S. zur Ableitung von Eutrop und Festus aus einer gemeinsamen Grundquelle für die Geschichte der Republik G. Reinhold, Das Geschichtswerk des Livius als Quelle späterer Historiker. Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht des Luisenstädtischen Gymnasi­ums zu Berlin, Ostern 1898, Berlin 1898; zu den Gemeinsamkeiten von Eutrop und Hieronymus für die Geschichte der Republik, s. Helm, Hieronymus und Eutrop I. Andere Forscher gehen dagegen für die Republikgeschichte von der Benutzung Eutrops durch Festus aus, vgl. z. B. M. Capozza, Nota sulle fonti di Eutropio per l’età regia, AAPat 75 (1962–1963) 349–85, hier 357 mit Anm. 23. Gleichwohl hat Capozza Zweifel an einer direkten Benutzung des Livius durch Eutrop, sondern betont Unterschiede. Beispiele für Unterschiede zu Livius Scivoletto, La civilitas 35 f. Die These der Zwischenquelle bereits bei Pirogoff, De Eutropii fontibus, 39 f.

64 Vgl. Enmann, Eine verlorene Geschichte; P. L. Schmidt, § 536. Die sogenannte Enmannsche Kaisergeschichte, in: R. Herzog (Hg.), Restauration und Erneuerung 284–374 n. Chr., München 1989, 196–98; Bleckmann, Überlegungen zur Enmannschen Kaiserge­schichte; Burgess, On the Date of the Kaisergeschichte. Zur Enmannschen Kaisergeschich­te ist auf KFHist B 1 zu verweisen, ferner auf Passagen, in denen in diesem Kommentar bereits einige Gemeinsamkeiten zwischen Eutrop und Aurelius Victor behandelt werden.

65 Zu dem um einige Informationen erweiterten Grundstock aus Sueton bzw. zur Benut­zung eines „Suetonius auctus“ Scivoletto, La civilitas 34.

66 Vgl. Eutr. 9,8–11; 9,23–10,3 (s. den Kommentar).

67 Enmann, Eine verlorene Geschichte 443–60 war noch von einem von den Tetrarchen bis zur Schlacht von Straßburg reichenden Fortsetzer der Kaisergeschichte ausgegangen, eine Annahme, die durch die damalige Datierung der Historia-Augusta in die tetrarchische Zeit notwendig war. Mit der durch Dessau entdeckten späten Entstehungszeit der Historia Augusta fällt diese Notwendigkeit weg.

68 Ruf. Fest. 29,1.

69 Als gering stuft Helm, Hieronymus und Eutrop 301 an dieser Stelle die Übereinstim­mungen zwischen Eutrop und Hieronymus ein. Als Indiz für eine gemeinsame Benutzung einer ersten Auflage des Nicomachus Flavianus hat Ratti, der allerdings später eine andere Auffassung hinsichtlich des Nicomachus Flavianus vertreten hat, diese Übereinstimmungen aufgefasst, vgl. S. Ratti, Jérôme et Nicomaque Flavien: sur les sources de la Chronique pour les années 357–364, Historia 46 (1997) 479–508, hier 495–99 (mit Verweis auf Be­rührungspunkte auch zu anderen Quellen).

70 Eutr. 10,17,3: dum aemulum imperii veretur; Amm. 25,9,8: dum extimescit aemulum potestatis. Vgl. den Kommentar. Zur Abhängigkeit Ammians von Eutrop Bird, Eutropius and Festus 16. S. auch die Studien von Kelly, Ammianus 240–253.

71 Vgl. die Rez. von M. Festy, AntTard 9 (2001) 448–51; P. K. Marshall, CR 51 (2001) 271 f.; H. W. Bird, Gnomon 74 (2002) 726–28; C. M. Lucarini, A&R 48 (2003) 41–44; C. Santini, Latomus 62 (2003) 168–71.

72 So schon Reynolds, Text and Transmission 161 f.; Mortensen, Diffusion 114 f. Im DNP Suppl. 2 (2007), Geschichte der antiken Texte, fehlt Eutrop. Das hsl. Material zu Eutrop und seinen Fortsetzern hat L. B. Mortensen (Syddansk Universitet, Odense) weitge­hend vollständig gesammelt; seine Angaben zu Datierung und Textumfang einzelner Hss. sind jedoch im Einzelnen korrekturbedürftig.

73 Scivoletto, Traduzione manoscritta; Santini, Praefatio XIII.

74 Vgl. die Rez. von H. Bardon, Latomus 40 (1981) 452 f.; R. Verdière, Latomus 41 (1982) 396 f.; J. Hellegouarc’h, RPh 56 (1982) 169 f. sowie Reynolds, Text and Transmis­sion 159–62; Schmidt, Eutropius 206 f.

75 Zur Datierung um 770 (die Vorschläge reichen von 763 bis 784) vgl. B. Cornford, Paul the Deacon’s Understanding of Identity, his Attitude to Barbarians, and his “Strategies of Distinction” in the Historia Romana, in: R. Corradini u. a. (Hgg.), Ego Trouble. Authors and their Identities in the Early Middle Ages (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 15) Wien 2010, 47–68, hier 47 f. Anm. 2.

76 Mortensen, Diffusion 115–17. Die maßgebliche Edition stammt von A. Crivellucci, Pauli Diaconi Historia Romana, Roma 1914; vgl. dens., Per l’edizione della Historia Romana di Paolo Diacono, Bullettino dell’istituto storico italiano 40 (1921) 7–103.

77 Heute in Oxford, Bodleian Library, Arch. Selden B.16; s. Mortensen, Diffusion 184 (Nr. 117).

78 Mortensen, Diffusion 195 (Nr. 187). Droysen verwendete für diese Hs. die Sigle D, Santini und Hellegouarc’h Vt.

79 Scivoletto, Traduzione manoscritta 148–51 weist auf Bindefehler der Hs. mit G hin.

80 Edition: A. Crivellucci, Landolfi Sagacis Historia Romana, 2 Bde., Roma 1912 / 1913. Von den 26 Hss. (s. Mortensen, Diffusion 117 f.) kommt hauptsächlich der Vaticanus Palatinus Latinus 909 in Betracht, den Droysen, Praefatio LXII als das Handexemplar des Landolfus Sagax erwies.

81 Mortensen, Diffusion 115 zählt 20 Hss., zu denen noch fünf kurze Exzerpte und zwei verlorene Hss. hinzutreten.

82 Scivoletto, Traduzione manoscritta; Santini, Praefatio V–XV; Hellegouarc’h, Intro­duction LVIII–LXXII.

83 Mortensen, Diffusion 173 (Nr. 51).

84 K. H. Tzschucke, Eutropii Breviarium historiae Romanae (editio minor), Leipzig 1804. In der editio maior (1796, s. u.) hatte Tzschucke die Hs. bereits erwähnt (LX f.), aber noch nicht verwenden können.

85 Th. Mommsen, Eutropius Breviarium ab urbe condita, Hermes 1 (1866) 486 = ders., Gesammelte Schriften, Bd. 7, Berlin 1909, 432 f.

86 Z. B. Eutr. 2,24,1CXXX : tantus Gp.c.; 4,17,2 fame confecitlaborare⟩ Gp.c.

87 F. Sylburg, Romanae historiae scriptores Graeci minores, Bd. 3, Frankfurt 1590, 62–233; 901–12. Vgl. F. Lüdecke, Sylburgs Codex des Eutropius, Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik 112 (1875) 874–9.

88 Santini, Praefatio VI. Die drei Siglen ergeben sich daraus, dass C und H nur einen Teil des Eutrop-Textes haben.

89 Z. B. Eutr. 2,2,1 (Praeneste); 9,4 (inter divos relati); 10,10,2 (liberalium artium).

90 Rühl, Praefatio VI; Santini, Praefatio VII; Reynolds, Text and Transmission 160 mit Anm. 7; Morten­sen, Diffusion 188 (Nr. 142).

91 Reynolds, Text and Transmission 160 mit Anm. 9; Mortensen, Diffusion 184 f. (Nr. 121).

92 Santini, Praefatio VII.

93 Mortensen, Diffusion 179 (Nr. 86). Die Hs. enthält außerdem die Historia Romana des Paulus Diaconus, allerdings mit falscher Zuschreibung an Eutrop.

94 Die Angabe victoriae ui bei Santini, Praefatio VI ist ein Druckfehler. Der Schreiber der Hs. hat an mehreren Stellen Platz für rubrizierte Anfangsbuchstaben gelassen, die aber nur bis fol. 53 recto eingefügt wurden.

95 Mortensen, Diffusion 189 (Nr. 147).

96 Rühl, Praefatio VI f.; E. Pellegrin, La Bibliothèque des Visconti et des Sforza, ducs de Milan au XVe siècle, Paris 1955, 111. Zu Entstehungsort und ‑zeit vgl. Munk Olsen, L’étude 1,387; Mortensen, Diffusion 187 (Nr. 139). Santini, Praefatio VII datierte die Hs. ins 13. Jh.

97 Santini, Praefatio VII; Hellegouarc’h, Introduction LXII f.

98 Wann der „antiquus ille Dominicalium Burdigalensium liber“ (Vinetus) verloren gegangen ist, steht nicht fest; in den Bibliothekskatalogen des späten 18. Jh. taucht er nicht (mehr?) auf, s. L. Desgraves, Élie Vinet, humaniste de Bordeaux (1509–1587), Genève 1977, 111 Anm. 2.

99 Santini, Praefatio VII; Hellegouarc’h, Introduction LXIII f.; Droysen, Praefatio XX f. äußert sich nicht zur Abstammung von S.

100 Scivoletto, Traduzione manoscritta 133–35 („11. sec.“); ebenso Munk Olsen, L’étude 3,1,237; Mortensen, Diffusion 195 (Nr. 191), der allerdings „Germany?“ als Entstehungsort angibt. Auf Ende des 10. Jh. datieren Santini, Praefatio VIII und Hellegouarc’h, Introduc­tion LXIV die Hs.

101 Scivoletto, Traduzione manoscritta 160–62. Als wichtigste Varianten führt Scivoletto an: 3,21,3 profugos statt perfugas; 4,27,1 elephantos; 6,3 deditionem; 6,12,3 militem.

102 Scivoletto, Traduzione manoscritta 134–45; Santini, Praefatio XIII.

103 Munk Olsen, L’étude 2,726; Mortensen, Diffusion 176 (Nr. 69). Santini, Praefatio VIII und Hellegouarc’h, Introduction LXV datieren die Hs. in das frühe 10. Jh.; jedoch hat der Text Marginalien in einer Reimser Schrift des 9. Jh., s. B. Bischoff, Katalog der festlän­dischen Handschriften des neunten Jahrhunderts, Teil II, Wiesbaden 2004, 45 (Nr. 2161).

104 Hartel, Eutropius und Paulus Diaconus 61–5; vgl. H. Droysen, Die Eutropausgaben von Schoonhoven und E. Vinetus, Hermes 12 (1877) 385 f.

105 Droysen, Praefatio V; Hellegouarc’h, Introduction LXV.

106 Reynolds, Text and Transmission 160; Mortensen, Diffusion 191 (Nr. 161).

107 Santini, Praefatio V–IX; Hellegouarc’h, Introduction LXV f.

108 So bereits Droysen, Praefatio V; vgl. Scivoletto, Traduzione manoscritta 132 f. Helle­gouarch teilte einige Lesarten der Hs. unter der Sigle Br mit.

109 Als Entstehungsorte kommen die Abteien Lobbes, Saint-Vaast und St. Bertin in Frage, vgl. Reynolds, Text and Transmission 160 mit Anm. 12; Mortensen, Diffusion 191 (Nr. 20). Scivoletto, Traduzione manoscritta 132 f. nimmt mit Gewissheit St. Bertin als Entstehungsort von O und Br an.

110 Mortensen, Diffusion 169 (Nr. 22). Ins späte 13. Jh. datieren Santini, Praefatio VIII und Hellegouarc’h, Introduction LXVI die Hs.

111 Santini, Praefatio IX; Reynolds, Text and Transmission 160 Anm. 13.

112 Vgl. Droysen, Praefatio XXIX; Crivellucci, Praefatio IX–XXIII.

113 Santini, Praefatio X–XII zog aus der 1. Familie fünf ältere Hss. unterschiedlicher geographischer Herkunft heran (ERTYW), dazu zwei aus der 2. Familie (Va Pe) sowie Vt und B.

114 Paris, Bibliothèque nationale, Baluze 270 (aus Mittelitalien; bei Santini B); s. Morten­sen, Diffusion 185 f. (Nr. 127). Über diese seit 1909 bekannte Hs. vgl. noch Scivoletto, Traduzione manoscritta 151–55.

115 Droysen, Praefatio IX–XIV; Scivoletto, Traduzione manoscritta 148–55; Santini, Praefatio X–XII; Hellegouarc’h, Introduction LXVII f.

116 Für die beiden Abschriften verwendete Droysen, Praefatio XIV die Siglen D und P; Santini und Hellegouarc’h ignorierten den Palatinus.

117 So übereinstimmend Reynolds, Text and Transmission 160 f.; Mortensen, Diffusion 167 (Nr. 14). Dagegen geben Santini (IX) und Hellegouarc’h (LXIX) als Entstehungsort Frankreich an.

118 Rühl, Praefatio VII; R. Cessi, Di due miscellanee storiche medioevali, Archivio Muratoriano 13 (1913) 69–96. Die übrigen Teile befinden sich ebenfalls in der Russischen Nationalbibliothek (Class. Lat. Q.v.IV.5) sowie in der Staatsbibliothek zu Berlin (Phillipps 1885 und 1896).

119 Mortensen, Diffusion 193 (Nr. 175).

120 Zum Verhältnis von D und P vgl. Droysen, Praefatio XIV–XVIII.

121 Vgl. Droysen, Praefatio XIV–XX; Rühl, Praefatio VII.

122 Santini, Praefatio IX f.; XIII; Hellegouarc’h, Introduction LXIX f.

123 Beispiele bei Droysen, Praefatio XV–XVIII.

124 Hartel, Eutropius und Paulus Diaconus 60 f., Santini, Hellegouarc’h und Mortensen, Diffusion 198 (Nr. 206) datieren sie ins 12. Jh. Die exaktere Datierung nach Munk Olsen, L’étude 2,359 bestätigte mir Katharina Kaska (Wien) brieflich am 21.12.2017; nach ihrer Ansicht ist aber auch das von St. L. Endlicher, Catalogus codicum philologicorum Latino­rum Bibliothecae Palatinae Vindobonensis, Wien 1836, 39 (Nr. 76) angegebene Datum „saeculi XIII“ nicht ganz auszuschließen.

125 Santini, Praefatio IX f.; Hellegouarc’h, Introduction LXIX. Santini, Praefatio XIII stellte sie im Stemma über D als unabhängige Abschrift des ‚codex gallicus‘.

126 Vgl. Munk Olsen, L’étude 1,366; Mortensen, Diffusion 166 (Nr. 5). Ein Digitalisat der Hs. ist unter https://bavarikon.de/object/SBB-KHB-00000SBB00000095 verfügbar.

127 Nach dem letzten Wort der Widmungsepistel lectionem (sic) folgt in derselben Zeile: lege censorine cum liberis tuis p(ro)pitio d(omi)no chr(isto) semp(er). In den zwei letzten Zeilen am unteren Blattrand steht: ordo imperii romani a rege romulo usq(ue) ualentiniano et ualente augusti (sic) lib. x. h(o)c e(st) breuia(r)i(u)s ut fecisti. incipit. Zu diesen Zusätzen vgl. Burgess, Eutropius 79 f.

128 Schmidt, Eutropius 206.

129 R. A. B. Mynors, R. M. Thomson (Hgg.), Catalogue of the Manuscripts of Hereford Cathedral Library, Hereford 1993, 15 f. (Nr. 58); Mortensen, Diffusion 174 (Nr. 57).

130 Mortensen, Diffusion 188 (Nr. 140). Die Hs. ist über die Samm­lungen von Thuanus und Colbert im 18. Jh. in die Nationalbibliothek gelangt.

131 Aus der 1. und 2. Klasse: 5,8,1 CCCC; 7,18,5 in vultum; 6,7,2; aus der 3. Klasse: 6,7,2 moverat paravere; 6,11,1 multis auxiliis; 6,10 Uscudamam : usque ad danuvium Par. Lat. 6113 : usque adamam VLOA; aus der 4. Klasse: 5,8,2 tantis exercitibus; 7,14,1 deformavit et minuit. Eine Übereinstimmung mit Paianios (5,4,1 septuagesimo) gegen alle anderen Hss. ist wohl Zufall.

132 G. F. Warner, J. P. Gilson, Catalogue of Western Manuscripts in the Old Royal and King’s Collections, Vol. 2, London 1921, 79 f.; Mortensen, Diffusion 180 (Nr. 91). Die Hs. enthält mehrere Marginalien von mindestens fünf verschiedenen Schreibern; fol. 106 mit dem Anfang (bis 5,4,1 gaius marius) ist an der falschen Stelle eingebunden worden.

133 Mortensen, Diffusion 184 (Nr. 120).

134 Mortensen, Diffusion 165 f. (Nr. 4); H. Hilg, Lateinische mittelal­terliche Handschrif­ten in Folio der Universitätsbibliothek Augsburg, Wiesbaden 1999, 320–2.

135 J. Ch. W. Dahl / P. D. F. Zäpelihn, Notitia codicis manuscripti C. C. Sallustii Bellum Catilinarium et Iugurthinum itemque Eutropii fragmentum continentis qui in bibliotheca Rostochiensi academica asservatur, Leipzig 1791, 6 f.; 35–40; Munk Olsen, L’étude 2,346; Mortensen, Diffusion 200; K. Heydeck, Die mittelalterlichen Handschriften der Universi­tätsbibliothek Rostock, Wiesbaden 2001, 111 f.

136 Nicht nur Eutr. 5,9,2, wie Mortensen angibt. Eine Auswahl der Lesarten teilten Dahl und Zäpelihn (vgl. vorige Anmerkung) mit. Ein Digitalisat der Hs. ist seit April 2016 verfügbar unter der URL http://purl.uni-rostock.de/rosdok/ppn719576652.

137 Munk Olsen, L’étude 2,350 f.; Mortensen, Diffusion 200. Beide geben irrtümlich an, dass das Exzerpt Eutr. 4,11 enthalte.

138 Munk Olsen, L’étude 2,360; Mortensen, Diffusion 200 (der fälschlich Eutr. 4,11 angibt). Genauere Kenntnis der Hs. und eine Bestä­tigung ihrer Datierung in die 2. Hälfte des 12. Jh. verdanke ich Katharina Kaska (Wien).

139 Zur genauen Herkunft und Datierung s. O. Desbordes / J.-P. Callu, Le “Quattrocento” de l’Histoire Auguste, RHT 91 (1989) 253–75, hier 270 f., die auch das Eutrop-Exzerpt erwähnen.

140 Am interessantesten ist wohl der Eutr. 8,4 eingeschaltete Vergleich Traians mit Galen (Schlusssatz: sub Traiano imperium revixit, sub Galeno medicina reluxit).

141 Nach den bei Crivellucci mitgeteilten Varianten kommt am ehesten die Hs. M (Mün­chen, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 3516, spätes 9. Jh.; vgl. K. Bierbrauer, Die vorkaro­lingischen und karolingischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, Wiesbaden 1990, 140 f. [Nr. 266]) in Frage, mit der der Vat. Lat. 1900 einige Bindefehler hat (8,5,1 ipsius : illius Vat.; 8,5,2 mense nono Eutr. (uno Paul.) : mense iunio M : mense iulio Vat.).

142 É. Pellegrin, Les manuscrits classiques latins de la Bibliothèque Vaticane, Tom. 3,2, Paris 2010, 46–51.

143 Vgl. Reynolds, Text and Transmission 162; Schmidt, Eutropius 206.

144 Droysen, Praefatio XIV; Wagener, Jahresbericht 1,512–18.

145 Die 3. Klasse ist nach Droysen, Praefatio XXIII f. älter als Paianios, also vor 380 entstanden (dagegen Duncker, De Paeanio 14–7; Wagener, Jahresbericht 1,394–401); nach Wagener (ebd. 401 f.; 523–26; 529–31) lag sie Orosius und Isidor von Sevilla vor (gegen Isidor: Santini, Adversum Paganos 83). – Die 4. Klasse datierte Droysen, Praefatio XXVIII vor Cassiodor, Wagener (Eutropius Jahresbericht 1,512) vor die Epitome de Caesaribus.

146 Scivoletto, Traduzione manoscritta 148–59; Santini, Praefatio XIII f.

147 Santini, Praefatio XV.

148 Schmidt, Eutropius 206 f.

149 Sohn des Statthalters von Bithynien Kalliopios (PLRE 1, 174 s. v. Calliopius 1), Schüler des Akakios von Caesarea und des Libanios, ab 364 als Advokat in Palästina tätig; s. PLRE 1, 657 s. v. Paeanius; P. Janiszewski / K. Stenicka / E. Szabat (Hgg.), Prosopo­graphy of Greek Rhetors and Sophists of the Roman Empire, Oxford 2015, 271 f. (Nr. 766).

150 Zu Eutr. 9,24 πάπποϲ δὲ ἦν οὗτοϲ (Narseh) Ϲάπωρί τε καὶ Ὁρμίϲδῃ τοῖϲ εἰϲ τὴν ἡμετέραν ἡλικίαν ἀφικομένοιϲ. Zur Datierung (nach Sylburg) vgl. Schulze, De Paeanio 285 f.

151 Zu dieser Hs. vgl. S. Lambros, Ein neuer Codex des Päanius, ClRev 11 (1897) 382–90; dens., Catalogue of the Greek Manuscripts on Mount Athos / Κατάλογοϲ τῶν ἐν ταῖϲ βιβλιοθήκαιϲ τοῦ Ἁγίου Ὄρουϲ ἑλληνικῶν κωδίκων, Vol. 2, Cambridge 1900, 228 (Nr. 4932; 14. Jh.); Mariev, Ioannis Antiocheni fragmenta 20* f. mit weiterer Literatur. Anders als Lambros und seine Nachfolger datiert I. Pérez Martin, The Role of Maximos Planudes and Nikephoros Gregoras in the Transmission of Cassius Dio’s Roman History and of John Xiphilinos’ Epitome, Medievo Greco 15 (2015) 175–93 die Hs. ins frühe 12. Jh.

152 Die älteste dieser Hss. (Florenz, Biblioteca Laurenziana, Pluteus 70, 5, geschrieben ca. 1334–1342) ist nach Schulze, De Paeanio sowie Droysen, Praefatio XXI Anm. 11 und Lambros, Paianiu Metaphrasis 113 f. die Vorlage der jüngeren (Venedig, Biblioteca Marciana, Gr. Z. 523 [= 846], Mitte des 15. Jh.; München, Bayerische Staatsbibliothek, Cod. graec. 101, ca. 1555; Lanvellec, Bibliothèque de M. le Marquis de Rosanbo, Nr. 296, 16. Jh.).

153 Zu Sylburgs Hs. s. C. M. Lucarini, Il Codex Pithoei di Peanio e l’apografo di Sylburg, GIF N. S. 3 (2012) 267–71.

154 Droysen, Praefatio XXI Anm. 11; de Boor kannte die Hs. nur aus einem Katalog.

155 S. Lambros, Ein neuer Codex des Päanius, ClRev 11 (1897) 382–90. Näheres zu seiner Edition (Lambros, Paianiu Metaphrasis) unten S. 39.

156 L. Baffetti, Di Peanio traduttore di Eutropio, Byz.-Neugr. Jbb. 3 (1922) 15–36; Reichmann, Römische Literatur 62–87; Malcovati, Traduzioni greche di Eutropio; Venini, Peanio traduttore.

157 Suda κ 342 (= FGrHist 750 T 1) Καπίτων· Λύκιοϲ ἱϲτορικόϲ. οὗτοϲ ἔγραψεν … μετάφραϲιν τῆϲ ἐπιτομῆϲ Εὐτροπίου Ῥωμαϊϲτὶ ἐπιτεμόντοϲ Λίβιον τὸν Ῥωμαῖον.

158 So K. Müller, Fragmenta Historicorum Graecorum, Bd. 4, Paris 1851, 133. Vgl. FGrHist 750; PLRE 2, 259 f. s. v. Capito; A. Kaldellis, BNJ 750.

159 Vgl. Droysen, Praefatio XXV; Santini, Praefatio XV; Ratti, Introduction 17; Helle­gouarc’h, Introduction LVI. Droysen stellte die mutmaßlichen Kapiton-Fragmente in der MGH-Ausgabe unter dem Paianios-Text zusammen.

160 Vgl. U. Roberto, Il Breviarium di Eutropio nella cultura greca tardoantica e bizantina: la versione attribuita a Capitone Licio, MEG 3 (2003) 241–70; Mariev, Ioannis Antiocheni fragmenta 33* f. Skeptisch schon E. Schwartz, Art. Capito 10, RE 3,2 (1899) 1527.

161 Vgl. C. de Boor, Zu Iohannes Antiochenus, Hermes 30 (1885) 321–30, bes. 324–27; E. Condurachi, Una versione greca di un passo di Eutropio, RFIC 65 (1937) 47–50.

162 Reichmann, Römische Literatur 86 f. Als Beispiel vgl. phil. Komm. zu 4,27,1.

163 Schulze, De Paeanio Eutropii interprete 298 f.; Malcovati, Le traduzioni greche 295–7. Weitere Vorschläge referiert Wagener, Jahresbericht 1,394–402.

164 Neben den oben erwähnten Digitalisaten der Bamberger und Rostocker Exzerpte ist vor allem auf die Angebote der Digital Vatican Library (https://digi.vatlib.it/) und Gallica (http://gallica.bnf.fr/) hinzuweisen. Fotografien einer Stelle der Hs. L und Cod. Vindobo­nensis 284 verdanke ich Antje Wessels (Leiden) bzw. Katharina Kaska (Wien).

165 Zu den früheren Ausgaben s. K. H. Tzschucke, Eutropii Breviarium historiae Roma­nae, Leipzig 1796, LXI–LXXXVII; Wagener, Jahresbericht 1,381–87.

166 Droysen, Praefatio VII–IX; Wagener, Jahresbericht 2,320–25.

167 Lambros stützte sich auf die zweisprachige Edition (alt- und neugriechisch) von N. Dukas, Εὐτροπίου Ἐπιτομὴ τῆϲ Ῥωμαϊκῆϲ ἱϲτορίαϲ εἰϲ βιβλία δέκα μεταφραϲθεῖϲα ἐκ τῆϲ Λατινίδοϲ εἰϲ τὴν Ἑλληνίδα παρὰ Παιανίου, 2 Bde., Wien 1807. Wie oben erwähnt, ignorierte er wichtige Veröffentlichungen zu Paianios und wiederholte infolgedessen z. B. die Konjektur 5,1,4 Τευτόβοδον von M. Haupt, Coniectanea, Hermes 7 (1873) 7–13, hier 12. Lambros’ Text ist nicht fehlerfrei: 1,1,1 steht ἔτι statt οὔτε, 1,2,1 fehlt der Artikel bei τοὺϲ προβεβηκόταϲ, während er bei τῶν Ἰταλῶν gegen die Überlieferung hinzugefügt ist; 1,2,2 steht gegen die Überlieferung δέ (all dies ohne Anmerkungen im kritischen Apparat); 7,23 fehlen die Worte καὶ τὸ Ϲεράπιον.

168 Vgl. Eutr. 9,14,1 a quo … apud Argentoratum, Galliae urbem, ingentes Alamannorum copiae extinctae sunt, rex nobilissimus captus, Galliae restitutae.

169 Auf der Grundlage von Hultsch, Metrologie 80 f. Für die Gewichtsangaben wurde allerdings statt der dort vertretenen, von Boeckh geprägten ‚schweren libra‘ (= 327,5 g) die ‚mittlere libra‘ (= 325 g) bevorzugt, die W. Hahn, Moneta Imperii Byzantini. Rekonstruk­tion des Prägeaufbaues auf synoptisch-tabellarischer Grundlage, Bd. 1: Von Anastasius I. bis Justinianus I (491–565), Wien 1973, 20 empfiehlt.

Erklärung der Siglen, Zeichen und Abkürzungen in Text und Apparat

G cod. Gothanus Memb. I. 101
F cod. Fuldensis deperditus
C cod. Parisinus Latinus 7240 (Colbertinus 3001)
I cod.Lincolniensis Latinus 100
H cod. Harleianus 2729
M cod. Parisinus Latinus 18104
Pa cod. Parisinus Latinus 5802
S cod. Burdigalensis deperditus
V cod. Vaticanus Latinus 1981
L cod. Leidensis Bibliothecae Publicae Latinae 141
O cod. Audomarensis Bertinianus 697
A cod. Cantabrigiensis C. C. C. 129
D cod. Petropolitanus Class. Lat. Q.v.9 (Dubrowski 327)
Q cod. Vindobonensis 323
J cod. Bambergensis Class. 31 (E. III. 22)
Paul. Paulus Diaconus, Historia Romana. Edition: A. Crivelluc­ci, Pauli Diaconi Historia Romana, Roma 1914
Paean. Paeanius. Editionen: Droysen (MGH); S. Lambros,Παι­ανίου Μετάφραϲιϲ εἰϲ τὴν τοῦ Εὐτροπίου Ῥωμαϊκὴν ἱϲτορίαν, Νέοϲ Ἑλληνομνήμων 9 (1912) 1–115
Aa.c. Lesart in A vor der Korrektur (ante correctionem)
Ap.c. Lesart in A nach der Korrektur (post correctionem)
As.l. über der Zeile (supra lineam) übergeschriebene(r) Buch­stabe(n) in A
Atext. Lesart im Text von A
Amarg. Lesart am Rand (in margine) von A
{aaa} vom Editor getilgte Buchstaben
⟨aaa〉 vom Editor hinzugefügte Buchstaben
[aaa] vom Editor in einer Lücke ergänzte Buchstaben
* vom Schreiber freigelassener Raum im Umfang eines Buchstabens
add. addidit
cf. confer
cod(d). codex (-ices)
corr. correxit (-erunt) vel correctus, -a, -um
del. delevit (-erunt)
dub. dubitanter
om. omisit (-erunt) vel omissus, -a, -um
rell. reliqui
transpos. transposuit (-erunt)
Die Belegstellen der im kritischen Apparat angeführten Konjekturen sind im Abkürzungsverzeichnis II (unter Eutr., nach Erscheinungsjahr) sowie III (alphabetisch) aufgeführt.

Domino Valenti Gothico Maximo Perpetuo Augusto Eutropius v. c.

om. Q Paul. Paean.

domino om. J

Gothico LOA : om. G CIHMPa J : valenti ****** maximo V

magister memoriae.

magister memoriae solus exhibet J

res Romanas ex voluntate mansuetudinis tuae ab urbe condita ad no-

stram memoriam, quae in negotiis vel bellicis vel civilibus eminebant,

5per ordinem temporum brevi narratione collegi, strictim additis etiam

his, quae in principum vita egregia extiterunt, ut tranquillitatis tuae

ut G CIHMPa A J : tot VLO | tuae quo VLO

tuae quo VLO

possit mens divina laetari prius se inlustrium virorum facta in

administrando imperio secutam, quam cognosceret lectione.


999 om. Q Paul. Paean.999 domino om. J999 Gothico LOA : om. G CIHMPa J : valenti ****** maximo V2 magister memoriae solus exhibet J6 ut G CIHMPa A J : tot VLO6 tuae quo VLO8 post lectione add. eutropius v. c. peculiariter suus VLO

liber I

1. (1) Romanum imperium, quo neque ab exordio ullum fere minus

10neque incrementis toto orbe amplius humana potest memoria recordari,

a Romulo exordium habet, qui Reae Silviae Vestalis virginis filius et,

quantum putatus est, Martis cum Remo fratre uno partu editus est. (2) is

cum inter pastores latrocinaretur, decem et octo annos natus urbem

exiguam in Palatino monte constituit XI Kal. Maias, Olympiadis sextae

XI Kal. Maias codd. : πρώτῃ τοῦ Μαίου μηνόϲ Paean.

15anno tertio, post Troiae excidium, ut qui plurimum minimumque

tradunt, anno trecentesimo nonagesimo quarto.


3 XI Kal. Maias codd. : πρώτῃ τοῦ Μαίου μηνόϲ Paean.

2. (1) condita civitate, quam ex nomine suo Romam vocavit, haec

fere egit: multitudinem finitimorum in civitatem recepit, centum ex se-

ferme VLOA

ni­oribus legit, quorum consilio omnia ageret, quos senatores nominavit

20propter senectutem. (2) tum, cum uxores ipse et populus suus non habe-

rent, invitavit ad spectaculum ludorum vicinas urbis Romae nationes

urbi Rühl

atque earum virgines rapuit. commotis bellis propter raptarum iniuriam

Caeninenses vicit, Antemnates, Crustuminos, Sabinos, Fidenates, Ve-

ien­tes. haec omnia oppida urbem cingunt. et cum orta subito tempestate


2 ferme VLOA20 tum cum Gp.c. CIHMPa D Paul. : tunc cum VLOA Q : cum Ga.c.F2 urbi Rühl


non comparuisset, anno regni tricesimo septimo ad deos transisse

imperaverunt et his regnantibus annus unus completus est.


7 creditus est et consecratus Gp.c. VLOA D Paul. (cf. Paean. πεπίϲτευται πρὸϲ θεοὺϲ ἀνειλῆφθαι. καθιερώθη οὖν ...) : creditus et consecratus CI : creditus et conse­cratus est HMPa : creditus est Ga.c.F

3. (1) postea Numa Pompilius rex creatus est, qui bellum quidem

5nullum gessit, sed non minus civitati quam Romulus profuit. (2) nam et

leges Romanis moresque constituit, qui consuetudine proeliorum iam

latrones ac semibarbari putabantur, et annum discripsit in decem

discripsit Sanders : descripsit codd.

menses prius sine aliqua supputatione confusum, et infinita Romae

sacra ac templa constituit. morbo decessit quadragesimo et tertio

10imperii anno.


3 discripsit Sanders : descripsit codd.

4. (1) huic successit Tullus Hostilius. hic bella reparavit, Albanos

vicit, qui ab urbe Roma duodecimo miliario sunt, Veientes et Fidenates,

quorum alii sexto miliario absunt ab urbe Roma, alii octavo decimo,

bello superavit, urbem ampliavit adiecto Caelio monte. (2) cum triginta

15et duos annos regnasset, fulmine ictus cum domo sua arsit.

5. (1) post hunc Ancus Marcius, Numae ex filia nepos, suscepit

imperium. (2) contra Latinos dimicavit, Aventinum montem civitati

decimo miliario ab urbe Roma condidit. vicesimo et quarto anno imperii

20morbo periit.


2 ostium Tiberis Verheyk, duce Paean. (πρὸϲ ταῖϲ τοῦ Θύμβριδοϲ ἐκβολαῖϲ) : hostiam vel hostium codd.

6. (1) deinde regnum Priscus Tarquinius accepit. hic numerum

senatorum duplicavit, circum Romae aedificavit, ludos Romanos

instituit, qui ad nostram memoriam permanent. vicit idem etiam Sabinos

et non parum agrorum sublatum isdem urbis Romae territorio iunxit

25primusque triumphans urbem intravit. (2) muros fecit et cloacas,

Capitolium inchoavit. tricesimo octavo imperii anno per Anci filios

occisus est regis eius, cui ipse successerat.

7. (1) post hunc Servius Tullius suscepit imperium genitus ex nobili

femina, captiva tamen et ancilla. hic quoque Sabinos subegit, montes

30tres Quirinalem Viminalem Esquilinum urbi adiunxit, fossas circum

fossas circum om. VLOA D


30 fossas circum om. VLOA D


murum duxit. primus omnium censum ordinavit, qui adhuc per orbem

murum duxit om. VLOA D

terrarum incognitus erat. (2) sub eo Roma omnibus in censum delatis

habuit capita LXXXIII milia civium Romanorum cum his, qui in agris

LXXXIII Gp.c. VLOA Paul. : LXXIII Ga.c. CIHMPa

erant. occisus est scelere generi sui Tarquinii Superbi, filii eius regis,

post est add. XLII imperii anno VLOA

5cui ipse successerat, et filiae, quam Tarquinius habebat uxorem.


4 murum duxit om. VLOA D2 LXXXIII Gp.c. VLOA Paul. : LXXIII Ga.c. CIHMPa3 post est add. XLII imperii anno VLOA

8. (1) L. Tarquinius Superbus septimus atque ultimus regum Vol-

scos, quae gens ad Campaniam euntibus non longe ab urbe est, vicit,

Gabios civitatem et Suessam Pometiam subegit, cum Tuscis pacem fecit

et templum Iovi in Capitolio aedificavit. postea Ardeam oppugnans in

iovi GF CIHMPa Paul. : iovis VLOA Q

10octavo decimo miliario ab urbe Roma positam civitatem imperium

perdidit. (2) nam cum filius eius, et ipse Tarquinius, iunior, nobilissi-

mam feminam Lucretiam eandemque pudicissimam, Collatini uxorem

stuprasset eaque de iniuria marito et patri et amicis questa fuisset, in

omnium conspectu se occidit. propter quam causam Brutus, parens et

15ipse Tarquinii, populum concitavit et Tarquinio ademit imperium. (3) mox exercitus quoque eum, qui civitatem Ardeam cum ipso rege

oppugnabat, reliquit; veniensque ad urbem rex portis clausis exclusus

est, cumque imperasset annos quattuor et viginti cum uxore et liberis

suis fugit. ita Romae regnatum est per septem reges annis ducentis

20quadraginta tribus, cum adhuc Roma ubi plurimum vix usque ad

quintum decimum miliarium possideret.


4 iovi GF CIHMPa Paul. : iovis VLOA Q6 nobilissimam – collatini G CIHMPa Paul. : nobilissimi collatini VLOA

9. (1) hinc consules coepere, pro uno rege duo hac causa creati, ut, si

creari Schoonhoven

unus malus esse voluisset, alter eum habens potestatem similem

coerceret. (2) et placuit, ne imperium longius quam annuum haberent,

25ne per diuturnitatem potestatis insolentiores redderentur, sed civiles

semper essent, qui se post annum scirent futuros esse privatos. (3) fuerunt igitur anno primo expulsis regibus consules L. Iunius Brutus,

qui maxime egerat, ut Tarquinius pelleretur, et Tarquinius Collatinus

maritus Lucretiae. (4) sed Tarquinio Collatino statim sublata est

30dignitas. placuerat enim, ne quisquam in urbe remaneret, qui Tarquinius

remaneret CIHMPa A DQ Paul. : maneret GF LO


7 creari Schoonhoven3 sublata Gp.c.F LOA DQ Paul. : ablata CIHMPa : conlata Ga.c.30 remaneret CIHMPa A DQ Paul. : maneret GF LO


vocaretur. ergo accepto omni patrimonio suo ex urbe migravit et loco

ergo G CIHMPa Paul. : qui LOA

et loco G CIHMPa VLOA : in loco Q Paul.

ipsius factus est L. Valerius Publicola consul. (5) commovit tamen

bellum urbi Romae rex Tarquinius, qui fuerat expulsus, et collectis

multis gentibus, ut in regnum posset restitui, dimicavit.


3 ergo G CIHMPa Paul. : qui LOA3 et loco G CIHMPa VLOA : in loco Q Paul.

510. (1) in prima pugna Brutus consul et Arruns Tarquinii filius in

vicem se occiderunt, Romani tamen ex ea pugna victores recesserunt.

(2) Brutum matronae Romanae defensorem pudicitiae suae quasi

communem patrem per annum luxerunt. Valerius Publicola Sp.

Lucretium Tricipitinum collegam sibi fecit Lucretiae patrem, quo

10morbo mortuo iterum Horatium Pulvillum collegam sibi sumpsit. (3) ita

primus annus quinque consules habuit, cum Tarquinius Collatinus

propter nomen urbe cessisset, Brutus in proelio perisset, Sp. Lucretius

morbo mortuus esset.

11. (1) secundo quoque anno iterum Tarquinius, ut reciperetur in

15regnum, bellum Romanis intulit auxilium ei ferente Porsenna Tusciae

rege, et Romam paene cepit. verum tum quoque victus est. (2) tertio

anno post reges exactos Tarquinius, cum suscipi non posset in regnum

neque ei Porsenna, qui pacem cum Romanis fecerat, praestaret

auxilium, Tusculum se contulit, quae civitas non longe ab urbe est,

20atque ibi per quattuordecim annos privatus cum uxore consenuit. (3) quarto anno post reges exactos, cum Sabini Romanis bellum intulissent,

persenuit VLO

victi sunt et de his triumphatum est. (4) quinto anno L. Valerius ille,

Bruti collega et quater consul, fataliter mortuus est adeo pauper, ut

collatis a populo nummis sumptum habuerit sepulturae. quem matronae

25sicuti Brutum per annum luxerunt.

per annum VA Paul. : annum GF CIHMPa LO : anno D

20 persenuit VLO25 per annum VA Paul. : annum GF CIHMPa LO : anno D

12. (1) nono anno post reges exactos, cum gener Tarquinii ad

iniuriam soceri vindicandam ingentem collegisset exercitum, nova

Romae dignitas est creata, quae dictatura appellatur, maior quam

consulatus. eodem anno etiam magister equitum factus est, qui dictatori


obsequeretur. (2) neque quicquam similius potest dici quam dictatura

antiqua huic imperii potestati, quam nunc tranquillitas vestra habet,

ante eum C. Caesar sub dictaturae nomine atque honore regnaverint. (3)

regnaverunt CMPa VLO

5dictator autem Romae primus fuit T. Larcius, magister equitum primus

T. Larcius Eussner

3 octavianus CIHMPa VLOA DQ (cf. Paean. Ὀκταβιανόϲ) : octavius GF Paul. (cf. Ioh. Ant. fr. 32 Mariev = 80,1 Roberto Ὀκταούιοϲ)4 regnaverunt CMPa VLO5 T. Larcius Eussner2 spurius cassius G CIHMPa Paul. : spurius papirius LO : papirius cassius VA

13. (1) sexto decimo anno post reges exactos seditionem populus

Romae fecit, tamquam a senatu atque consulibus premeretur. (2) tum et

ipse sibi tribunos plebis quasi proprios iudices et defensores creavit, per

10quos contra senatum et consules tutus esse posset.


2 plebis HIMPa VLp.c.A D Paul. (cf. Paean. τριβούνουϲ πλήβιϲ) : plebi GF C La.c.O Q

14. sequenti anno Volsci contra Romanos bellum reparaverunt et

contra Romanos om. VLOA Q Paean.

victi acie etiam Coriolos civitatem, quam habebant opimam, perdide-

acie G CIHMPa Paul. : et capti VLOA

opimam GF : optimam CIHMPa VLOA Paul.

runt.


4 contra Romanos om. VLOA Q Paean.2 acie G CIHMPa Paul. : et capti VLOA2 opimam GF : optimam CIHMPa VLOA Paul.

15urbe Q. Marcius dux Romanus, qui Coriolos ceperat Volscorum

civitatem, ad ipsos Volscos contendit iratus et auxilia contra Romanos

accepit. (2) Romanos saepe vicit, usque ad quintum miliarium urbis

romanosque VLOA

accessit oppugnaturus etiam patriam suam legatis qui pacem petebant

suam om. GF CIHMPa

repudiatis, nisi ad eum mater Veturia et uxor Volumnia ex urbe venis-

20sent, quarum fletu et precatione superatus removit exercitum. atque hic

precatione VLOA DQ Paul. : deprecatione GF CIHMPa

secundus post Tarquinium fuit, qui dux contra patriam suam esset.


4 postquam  – erant GF CIHMPa Paul. : post reges eiectos VLO : post reges exactos A D : post exactos reges Q4 romanosque VLOA2 suam om. GF CIHMPa20 precatione VLOA DQ Paul. : deprecatione GF CIHMPa

16. (1) C. Fabio et L. Virginio consulibus trecenti nobiles homines,

qui ex Fabia familia erant, contra Veientes bellum soli susceperunt

soli om. CIHMPa

promittentes senatui et populo per se omne certamen implendum. (2)

25itaque profecti, omnes nobiles et qui singuli magnorum exercituum

duces esse deberent, in proelio conciderunt. (3) unus omnino superfuit

superfuit CIHMPa VLOA Paul. : superavit GF

ex tanta familia, qui propter aetatem puerilem duci non potuerat ad

pugnam. post haec census in urbe habitus est et inventa sunt civium

capita CXVII milia CCCXIX.


2 soli om. CIHMPa2 superfuit CIHMPa VLOA Paul. : superavit GF


17. (1) sequenti anno cum in Algido monte ab urbe duodecimo fere

anno VLOA : tamen anno CIMPa Q Paul. : anno tamen G H

fere GF D Paul. : ferme CIHMPa VLOA Q

miliario Romanus obsideretur exercitus, L. Quintius Cincinnatus

romanus G CIHMPa Paul. : magnus VLOA

quintius G CIHMPa Paul. : quintus VLOA D

dictator est factus, qui agrum quattuor iugerum possidens manibus suis

colebat. (2) is cum in opere et arans esset inventus, sudore deterso

5togam praetextam accepit et caesis hostibus liberavit exercitum.

praetextam VLOA Paul. : -tatam GF CIHMPa

anno VLOA : tamen anno CIMPa Q Paul. : anno tamen G H fere GF D Paul. : ferme CIHMPa VLOA Q2 romanus G CIHMPa Paul. : magnus VLOA2 quintius G CIHMPa Paul. : quintus VLOA D5 praetextam VLOA Paul. : -tatam GF CIHMPa

18. (1) anno trecentesimo et altero ab urbe condita imperium consu-

lare cessavit et pro duobus consulibus decem facti sunt, qui summam

potestatem haberent, decemviri nominati. (2) sed cum primo anno bene

decemviri nominati VLOA : decemviris nominatis G CHMPa Paul.: ac decemviri nominati sunt

bene G VLOA Paul. : benigne CHMPa : benignissime I

egissent, secundo unus ex his, Ap. Claudius, Virginii cuiusdam, qui

10honestis iam stipendiis contra Latinos in monte Algido militabat, filiam

militarat dub. Droysen, duce Paean. (μεμαχημένοϲ)

virginem corrumpere voluit. quam pater occidit, ne stuprum a decem-

viro sustineret, et regressus ad milites movit tumultum. sublata est de-

cemviris potestas ipsique damnati sunt.


3 altero codd. : primo Paean. (ἑνὶ) et Suda ν 469 (πρώτῳ)3 decemviri nominati VLOA : decemviris nominatis G CHMPa : ac decemviri nominati sunt Paul.3 bene G VLOA Paul. : benigne CHMPa : benignissime I10 militarat dub. Droysen, duce Paean. (μεμαχημένοϲ)

19. (1) anno trecentesimo et quinto decimo ab urbe condita Fidenates

15contra Romanos rebellaverunt. auxilium his praestabant Veientes et rex

Veientium Tolumnius. (2) quae ambae civitates tam vicinae urbi sunt,

ut Fidenae sexto, Veii octavo decimo miliario absint. coniunxerunt se

his et Volsci. sed Mam. Aemilio dictatore et L. Quintio Cincinnato

magistro equitum victi etiam regem perdiderunt. Fidenae captae et

20excisae.

20. (1) post viginti annos Veientani rebellaverunt. dictator contra

ipsos missus est Furius Camillus, qui primum eos vicit acie, mox etiam

civitatem diu obsidens cepit antiquissimam Italiaeque ditissimam. (2) post eam cepit et Faliscos non minus nobilem civitatem. sed commota

25est ei invidia, quasi praedam male divisisset, damnatusque ob eam

causam et expulsus civitate. (3) statim Galli Senones ad urbem venerunt

et victos Romanos undecimo miliario a Roma apud flumen Alliam

secuti etiam urbem occupaverunt; neque defendi quicquam nisi Capito-

lium potuit. quod cum diu obsedissent et iam Romani fame laborarent, a

potuit, quoad Santini

30Camillo, qui in vicina civitate exulabat, Gallis superventum est gravis-


6 viginti GF CIHMPa : viginti deinde VLOA DQ : viginti inde Paul.4 potuit, quoad Santini


simeque victi sunt. (4) postea tamen etiam accepto auro, ne Capitolium

accepto  – sed post fame laborarent transpos. Rühl

obsiderent, recesserunt, sed secutus eos Camillus ita cecidit, ut et

aurum, quod his datum fuerat, et omnia, quae ceperant, militaria signa

revocaret. (5) ita tertio triumphans urbem ingressus est et appellatus

5secundus Romulus quasi et ipse patriae conditor.


6 accepto  – sed post fame laborarent transpos. Rühl

liber II

1. (1) anno trecentesimo sexagesimo quinto ab urbe condita, post

captam autem primo, dignitates mutatae sunt et pro duobus consulibus

facti tribuni militares consulari potestate. hinc iam coepit Romana res

romana res CIHMPa VLOA Paul. : roma GF

crescere. (2) nam Camillus eo anno Volscorum civitatem, quae per

10septuaginta annos bellum gesserat, vicit et Aequorum urbem et Sutri-

norum {atque} omnibus deletis earundem exercitibus occupavit et tres

atque del. Baumgarten-Crusius

simul triumphos egit.


3 romana res CIHMPa VLOA Paul. : roma GF3 atque del. Baumgarten-Crusius

2. (1) T. etiam Quintius Cincinnatus Praenestinos, qui usque ad urbis

Romae portas cum bello venerant, persecutus ad flumen Alliam vicit,

15octo civitates, quae sub ipsis agebant, Romanis adiunxit, ipsam Prae-

neste adgressus in deditionem accepit. (2) quae omnia ab eo gesta sunt

viginti diebus triumphusque ipsi decretus.


15 ipsam praenestem GF VLOA Paul. : ipsum praeneste CIHMPa

3. verum dignitas tribunorum militarium non diu perseveravit. nam

post aliquantum nullos placuit fieri et quadriennium in urbe ita fluxit, ut

tares consulari potestate iterum dignitatem et triennio perseveraverunt.

rursus consules facti.


20 praesumpserunt Ga.c.F IM A DQ Paul. : -rint CHPa : resumpserunt Gp.c. VLO4 triennio LOA Paul. : triennum Ga.c.F V : ad triennium CIHMPa

4. L. Genucio et Q. Servilio consulibus mortuus est Camillus. honor


2 delatus VLOA DQ Paul. : adlatus GF : allatus IH : oblatus C : ablatus MPa


5. T. Quintius dictator adversus Gallos, qui ad Italiam venerant,

missus est. hi ab urbe quarto miliario trans Anienem fluvium consede-

quinto VLOA

rant. ibi nobilissimus de senatoribus iuvenis L. Manlius provocantem

Gallum ad singulare certamen progressus occidit et sublato torque aureo

5colloque suo imposito in perpetuum Torquati et sibi et posteris

et sibi om. CIHMPa VLOA

et posteris G VLOA Paul. : a posteris CIHMPa

cognomen accepit. Galli fugati sunt, mox per C. Sulpicium dictatorem

etiam victi. non multo post a C. Marcio Tusci victi sunt et octo milia

captivorum ex his in triumphum ducta.

ducta CIHM Paul. : ducti Pa : adducta G VOA DQ : om. L

2 quinto VLOA5 et sibi om. CIHMPa VLOA5 et posteris G VLOA Paul. : a posteris CIHMPa8 ducta CIHM Paul. : ducti Pa : adducta G VOA DQ : om. L

6. (1) census iterum habitus est, et cum Latini, qui a Romanis subacti

10erant, milites praestare nollent, ex Romanis tantum tirones lecti sunt

factaeque legiones decem, qui modus sexaginta vel amplius armatorum

milia efficiebat; parvis adhuc Romanis rebus tanta tamen in re militari

virtus erat. (2) quae cum profectae essent adversum Gallos duce L.

Furio, quidam ex Gallis unum ex Romanis, qui esset optimus, provoca-

15vit. (3) tum se M. Valerius tribunus militum obtulit, et cum processisset

armatus, corvus ei supra dextrum bracchium sedit. (4) mox commissa

adversum Gallum pugna idem corvus alis et unguibus Galli oculos

idem {corvus} Duncker

verberavit, ne rectum posset aspicere. ita a tribuno Valerio interfectus

interfectus. corvusDuncker

non solum victoriam ei, sed etiam nomen dedit: nam postea idem

20Corvinus est dictus. ac propter hoc meritum annorum trium et viginti

consul est factus.


2 idem {corvus} Duncker3 interfectus. corvusDuncker

7. (1) Latini, qui noluerant milites dare, hoc quoque a Romanis exi-

gere coeperunt, ut unus consul ex eorum, alter ex Romanorum populo

crearetur. (2) quod cum esset negatum, bellum contra eos susceptum est

25et ingenti pugna superati sunt; ac de his perdomitis triumphatum est.

statuae consulibus ob meritum victoriae in rostris positae sunt. (3) eo

anno etiam Alexandria ab Alexandro Macedone condita est.


8. (1) iam Romani potentes esse coeperunt. bellum enim in

coeperant CIMPa V Paul.

centesimo et tricesimo fere miliario ab urbe apud Samnitas gerebatur,

qui medii sunt inter Picenum, Campaniam et Apuliam. (2) L. Papirius

L. om. VLO Paean.

Cursor cum honore dictatoris ad id bellum profectus est. qui cum

est G CIMPa Paul. : erat VLO Q

5Romam rediret, Q. Fabio Maximo magistro equitum, quem apud

rediret Duncker : redisset codd.

exercitum reliquit, praecepit, ne se absente pugnaret. (3) ille occasione

reperta felicissime dimicavit et Samnitas delevit. ob quam rem a

dictatore capitis damnatus, quod se vetante pugnasset, ingenti favore

militum et populi liberatus est tanta Papirio seditione commota, ut

10paene ipse interficeretur.


3 coeperant CIMPa V Paul.2 et tricesimo fere G CIMPa Paul. : ferme et tricesimo VLOA3 L. om. VLO Paean.2 est G CIMPa Paul. : erat VLO Q5 rediret Duncker : redisset codd.

9. (1) postea Samnites Romanos T. Veturio et Sp. Postumio

consulibus ingenti dedecore vicerunt et sub iugum miserunt. pax tamen

et om. VLOA

a senatu et populo soluta est, quae cum ipsis propter necessitatem facta

fuerat. postea Samnites victi sunt a L. Papirio consule, septem milia

15eorum sub iugum missa. Papirius de Samnitibus triumphavit. (2) eo

Papirius primus Duncker, duce Paean. (πρῶτοϲ)

tempore Ap. Claudius censor aquam Claudiam induxit et viam Appiam

stravit. Samnites reparato bello Q. Fabium Maximum vicerunt tribus

milibus hominum occisis. postea, cum pater ei Fabius Maximus legatus

ei post legatus transpos. VLO

legatus Ga.c.F CIMPa : legatus datus Gp.c. A Q Paul. : legatus ei datus VLO

fuisset, et Samnitas vicit et plurima ipsorum oppida cepit. (3) deinde P.

20Cornelius Rufinus M’. Curius Dentatus, ambo consules, contra Samni-

tas missi ingentibus proeliis eos confecere. (4) tum bellum cum Samni-

tibus per annos quadraginta novem actum sustulerunt: neque ullus

hostis fuit intra Italiam, qui Romanam virtutem magis fatigaverit.


2 et om. VLOA15 Papirius primus Duncker, duce Paean. (πρῶτοϲ)4 ei post legatus transpos. VLO4 legatus Ga.c.F CIMPa : legatus datus Gp.c. A Q Paul. : legatus ei datus VLO

10. interiectis aliquot annis iterum se Gallorum copiae contra Roma-

25nos Tuscis Samnitibusque iunxerunt, sed, cum Romam tenderent, a Cn.

a om. G CIMPa

Cornelio Dolabella consule deletae sunt.

deletae G Paul. : deleti CIMPa VA : delicti LO

25 a om. G CIMPa3 deletae G Paul. : deleti CIMPa VA : delicti LO

11. (1) eodem tempore Tarentinis, qui iam in ultima Italia sunt,

bellum indictum est, quia legatis Romanorum iniuriam fecissent. hi

Pyrrum, Epiri regem, contra Romanos auxilium poposcerunt, qui ex


genere Achillis originem trahebat. is mox ad Italiam venit; tumque

primum Romani cum transmarino hoste dimicaverunt. (2) missus est

contra eum consul P. Valerius Laevinus. qui cum exploratores Pyrri

cepisset, iussit eos per castra duci, ostendi omnem exercitum tumque

5dimitti, ut renuntiarent Pyrro, quaecumque a Romanis agerentur. com-

missa mox pugna, cum iam Pyrrus fugeret, elephantorum auxilio vicit,

quos incognitos Romani expaverunt. (3) sed nox proelio finem dedit;

Laevinus tamen per noctem fugit, Pyrrus Romanos mille octingentos

cepit et eos summo honore tractavit, occisos sepelivit. quos cum adver-

10so vulnere et truci vultu etiam mortuos iacere vidisset, tulisse ad caelum

manus dicitur cum hac voce: se totius orbis dominum esse potuisse, si

potuisse om. VLOA

tales sibi milites contigissent.


5 quaecumque a Vinetus : quae cum codd. : quaecumque Santini potuisse om. VLOA

12. (1) postea Pyrrus coniunctis sibi Samnitibus, Lucanis, Brittiis

Romam perrexit, omnia ferro ignique vastavit, Campaniam populatus

15est atque ad Praeneste venit miliario ab urbe octavo decimo. (2) mox

praenestem GF

terrore exercitus, qui eum cum consule sequebatur, in Campaniam se

eum om. VLOA

recepit. legati ad Pyrrum de redimendis captivis missi ab eo honorifice

redimendis om. Ga.c.F CIMPa S | missi om. VLO

missi om. VLO

suscepti sunt, captivos sine pretio Romam misit. (3) unum ex legatis

Romanorum Fabricium sic admiratus, cum eum pauperem esse cogno-

20visset, ut quarta parte regni promissa sollicitare voluerit, ut ad se trans-

iret; contemptusque est a Fabricio. (4) quare, cum Pyrrus Romanorum

ingenti admiratione teneretur, legatum misit, qui pacem aequis condi-

cionibus peteret, praecipuum virum, Cineam nomine, ita ut Pyrrus

partem Italiae, quam iam armis occupaverat, obtineret.


15 praenestem GF2 eum om. VLOA3 redimendis om. Ga.c.F CIMPa S3 missi om. VLO

2513. (1) pax displicuit: remandatum Pyrro est a senatu eum cum

Romanis, nisi ex Italia recessisset, pacem habere non posse. (2) tum

Romani iusserunt captivos omnes, quos Pyrrus reddiderat, infames


legatus Pyrri reversus est. (3) a quo cum quaereret Pyrrus, qualem

Romam comperisset, Cineas dixit regum se patriam vidisse; scilicet

5tales illic fere omnes esse, qualis unus Pyrrus apud Epirum et reliquam

ferme VLOA | esse om. VLOA

esse om. VLOA

Graeciam putaretur. (4) missi sunt contra Pyrrum duces P. Sulpicius et

Decius Mus consules. certamine commisso Pyrrus vulneratus est,

elephanti interfecti, viginti milia caesa hostium et ex Romanis tantum