KFHist: (B 4) Rufius Festus Skip to main content

Ein Editionsprojekt der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

HHUD Düsseldorf

(B 4) Rufius Festus



S. 219

Einleitung

I. Historiographische Bemerkungen

von Mehran A. Nickbakht

Das um 370 n. Chr. verfasste und Kaiser Valens gewidmete Breviarium des Festus sieht sich als eine Kurzfassung der Geschichte Roms von der legendären Stadtgründung bis einschließlich der Regierung Kaiser Jovians (gest. 364). Der erste Werksteil zeichnet die römische Geschichte anhand der sukzessiven Ausdehnung des Imperiums nach, indem es die hinzugewonnenen Provinzen zuerst in der westlichen und dann in der östlichen Reichshälfte erfasst. An diese Übersicht der Reichsprovinzen schließt sich als zweiter Werksteil eine Übersicht der römisch-persischen Kriege an. Hierbei handelt es sich um einen geschichtlichen Beitrag zum aktuellen Diskurs über die richtige Außenpolitik gegenüber dem sasanidischen Perserreich. Festus plädiert dafür, nicht nur die im Vertrag von 363 abgetretenen Gebiete gewaltsam zurückzugewinnen, sondern darüber hinaus die Reichsgrenzen möglichst weit in Richtung Osten auszudehnen.

1. Zum Verfasser

Rufius Festus als Name des Verfassers des Breviariums ist nicht gänzlich gesichert. Die handschriftliche Überlieferung bietet leicht divergierende Namensformen, die meistenteils im Genitiv stehen.1 Während der Namensbestandteil Festus (festi) unbestritten ist, lässt die Form rufi (bzw.ruffi) den Namen Rufus als auch Rufius zu. Da einige Handschriften lediglich Festus als Verfasser angeben, wird zudem die Authentizität des ersten Namensbestandteils in Frage gestellt und die Vermutung geäußert, dass es sich bei Ruf(i)us um eine Interpolation handele, die von dem Namen des zeitgenössischen Dichters Rufius Festus Avienus oder generell der angesehenen Familie der Rufii Festi inspiriert sei.2 Umgekehrt könnte der Name Ruf(i)us – ebenso wie der Titel magister memoriae (dazu unten) – jedoch auch schlicht ausgefallen sein, zumal fraglich ist, ob der Dichter Rufius Festus Avienus S. 220 überhaupt so prominent war, als dass sein Name sich irgendwie auf die Autorschaft des Breviariums ausgewirkt hätte. Da die Namensfrage einerseits nicht zufriedenstellend lösbar erscheint und ‚Rufius Festus‘ andererseits als Name des Verfassers des Breviariums etabliert ist, wird im Wissen um die mit dem Namen verbundenen Unsicherheiten diese Namensform beibehalten.3

Aus den Incipits der Handschriften geht ferner hervor, dass Festus vir clarissimus war, also dem Senatorenstand angehörte. In mindestens einer Handschrift ist er zudem als magister memoriae tituliert, womit der Leiter des scrinium memoriae, eines der drei kaiserlichen Kanzleien gemeint ist.4 Diesem oblag es, die Reskripte (adnotationes), aber auch die Antworten auf die an den Kaiser gerichteten Bittschreiben (preces) zu verfassen.5 Dass Festus dieses Amt tatsächlich bekleidet hat, kann durch die auffällige Erwähnung des Juristen Ulpian als „Kanzleivorsteher“ (22,1 scriniorum magistrum) des Severus Alexander als indirekte Bestätigung gelten, da sonst im Werk nie Personen aus der engeren Umgebung des Kaisers näher bestimmt werden.6

Aufgrund dieser Angaben wird der Verfasser des Breviariums gewöhnlich mit dem bei Ammianus Marcellinus (29,2,22) erwähnten Festus aus Tridentum (Trient) identifiziert. Dieser aus niedrigen Verhältnissen stammende Mann wurde 365 (oder 368) Statthalter (consularis) von Syria und hatte anschließend ab ca. 370 die Kanzleileitung (magisterium memoriae) im Osten inne, bevor er 372 zum Statthalter (proconsul) von Asia befördert wurde.7 Während seiner Amtszeit in Kleinasien kam es zu zahlreichen Anklagen und Hinrichtungen im Zusammenhang mit Wahrsagerei und Magie.8 Das prominenteste Opfer war der im Rahmen des Theodoros-Prozesses 371/2 verurteilte Philosoph Maximos von Ephesos, ein enger Vertrauter Kaiser Julians.S. 221 Aber auch andere Gelehrte kamen in dieser Welle von Majestäts- und Magieprozessen zu Schaden, wobei umstritten ist, ob es sich hierbei um eine gezielt gegen Heiden gerichtete Maßnahme handelte.9

Schon bald nach dem Ende der Statthalterschaft soll der Philosoph Maximos dem Festus im Traum erschienen sein, in welchem er diesen in den Hades herabgezogen habe, damit er dort gerichtet werde. Überliefert wird dies von Eunapios in einer nicht ganz durchsichtigen Episode am Ende der Vita des Maximos.10 Demnach habe Festus diesen Traum bei einem Gastmahl seinen Gästen erzählt, die ihm deshalb rieten, zu den Nemesisgöttinnen zu beten. Er befolgte diesen Ratschlag, aber stürzte beim Verlassen des Tempels zu Boden und war auf der Stelle tot. Eunapios, der dies als Heimzahlung für die Hinrichtung des Maximos verstanden wissen will, bemerkt zu Festus’ Tempelbesuch noch, dass jener „freilich nie behauptet hatte, die Götter zu ehren, sondern hatte alle seine Opfer gerade deswegen mit dem Tod bestraft.“11 Aufgrund dieser Bemerkung wird die Identifizierung des Breviators mit dem Statthalter Festus aus Tridentum mitunter bezweifelt, denn letzterer sei „offensichtlich Christ“ gewesen, der Breviator hingegen ein Heide.12 Dass der Breviator altgläubig war, steht außer Frage, auch wenn dies in jüngerer Zeit wieder angezweifelt worden ist. Aber nicht nur der am Ende des Werkes geäußerte Beistandswunsch durch die Gottheiten beider Glaubensrichtungen (30,2) und die Erwähnung des heiligen Hains von Daphne (16,3) zeugen von seinem Heidentum, sondern vor allem die für sich sprechende Hommage an Julian als hellenischen Philosophen (28,3).13 Somit ist eher die Bedeutung der Aussage des Eunapios zu hinterfragen, zumal nicht explizit ausgesagt wird, dass Festus ein Christ war. Möglicherweise soll die ‚Gottlosigkeit‘ seines vergangenen Handelns herausgestellt werden, zu der ein Besuch im Tempel in hoffnungslosem Widerspruch steht.14 S. 222Schon der angebliche Gang zum Tempel der Nemesisgöttinnen scheint dagegen zu sprechen, Festus für einen Christen zu halten.15

2. Zum Werk

Am Anfang steht die Praefatio. Als Paratext der eigentlichen Darstellung vorangestellt, verspricht sie Aufschluss über das vorliegende Werk. Tatsächlich erfährt man aus ihr, dass der Kaiser persönlich den Auftrag erteilte, „von dem Breviarium der Taten des römischen Volkes eine Kurzübersicht“ zu erstellen.16 Gemeint ist offenbar, dass eine bestehende Kurzdarstellung (breviarium) der römischen Geschichte – wie man sie etwa von Festus’ Zeitgenossen Eutrop kennt – weiter komprimiert und in ein noch kürzeres Format (brevis) gebracht werden soll.17 Was den Kaiser zu dieser Forderung bewog, wird nicht gesagt, aber dahinter dürfte der Wunsch gestanden haben, eine raschere Übersicht über den historischen Stoff bzw. den Inhalt des Breviariums zu erlangen. Jedenfalls besteht kein Anlass dazu, an der Echtheit des Auftrags zu zweifeln und ihn für ein rhetorisch-literarisches Konstrukt des Festus zu halten.18 Dass das zu verkürzende Breviarium die gesamte Geschichte Roms umfasst hat, wird schon durch das Genitivattribut nahegelegt (1,1 rerum gestarum populi Romani), aber erst durch die programmatischen Anfangsworte ab urbe condita (2,1) auch bestätigt. Indes bleibt der Verfasser des „Breviariums der Taten des römischen Volkes“ – wie übrigens auch der Kaiser – ungenannt. Die einst von W. den Boer aufgestellte These, dass es sich hierbei um das Breviarium des Eutrop handelt, hat zu Recht keine Akzeptanz gefunden.19 Denn Festus’ Werk stimmt inhaltlich vielfach nicht mit Eutrop überein und ist auch mit seiner Ausrichtung S. 223auf die sukzessive Gebietserweiterung Roms zu andersartig, als dass es eine Zusammenfassung von Eutrops Breviarium darstellen würde.20

Eine andere Interpretation eröffnet sich, wenn man den Inhalt dessen genauer betrachtet, was unmittelbar auf die Praefatio folgt. Die beiden nachfolgenden Kapitel (2–3)21 umfassen die gesamte römische Geschichte von der Stadtgründung bis zur Gegenwart in stark reduzierter Form. Ferner weist Kapitel 2 Inhalte auf, die Aussagen aus der Praefatio exakt wiederspiegeln. In der Praefatio präsentiert nämlich Festus dem Kaiser die erfüllte Auftragsarbeit wie folgt: „Empfange also, was noch kürzer als das kurz und bündig Gesagte zusammengefasst ist, so dass Du … den Eindruck erhältst, die Jahre und das Alter des Staates sowie die Ereignisse vergangener Zeit nicht so sehr zu lesen als vielmehr aufzuzählen“.22 Festus hat also schon buchstäblich vor Augen, wie der Kaiser dank der vorgelegten Kurzfassung Jahresangaben und Gesamtalter des römischen Staates (annos et aetatem) und auch historische Begebenheiten (facta) gleichsam ‚überfliegt‘ (numerare).23 Kaum zufällig umreißen die drei Schlüsselwörter annos, aetatem und facta treffend den Inhalt der beiden nachfolgenden Kapitel (2–3).24 Roms ehrwürdiges Alter von „1117 Jahren“ steht sogleich am Anfang von Kapitel 2. Hierauf folgen die Jahresangaben zu den drei großen Epochen Roms, an die sich wiederum die Regierungsjahre der frühen Könige und andere Jahresangaben anschließen. Insgesamt beinhaltet Kapitel 2 beachtliche 18 Angaben in „Jahren“, was umso auffälliger ist, als im übrigen Teil des Werkes nur noch eine einzige Jahresangabe (6,3) vorkommt:

(1) Von der Gründung der Stadt bis zum Erscheinen Eurer Ewigkeit … werden 1117 Jahre gezählt:

so entfallen auf die Könige 243 Jahre,

S. 224

auf die Konsuln 467 Jahre,

auf die Kaiser 407 Jahre.

(2) Es herrschten in Rom während 243 Jahren der Zahl nach sieben Könige: Romulus herrschte 37 Jahre;

die Senatoren herrschten ein Jahr lang jeweils für fünf Tage;

Numa Pompilius herrschte 43 Jahre;

Tullus Hostilius herrschte 32 Jahre;

Ancus Marcius herrschte 24 Jahre;

Priscus Tarquinius herrschte 38 Jahre;

Servius Tullius herrschte 44 Jahre;

Lucius Tarquinius Superbus wurde im 24. Jahr aus seiner Herrschaft vertrieben.

(3) Es gab von Brutus und Publicola bis zu Pansa und Hirtius während 467 Jahren der Zahl nach 916 Konsuln, abgesehen von denjenigen, die aufgrund irgendeiner Fügung für dasselbe Jahr nachgewählt wurden. Während neun Jahren gab es allerdings keine Konsuln in Rom: zwei Jahre lang unter den Decemvirn, drei Jahre lang unter den Militärtribunen, und vier Jahre lang war Rom ganz ohne Magistrate.

(4) Es gab von Octavianus Caesar Augustus bis zu Jovian der Zahl nach 43 Kaiser während 407 Jahren.

Während Kapitel 2 mithin die chronologische Übersicht (annos et aetatem) umfasst, folgt in Kapitel 3 das ereignisgeschichtliche Pendant (facta). Neben der besagten Korrelation mit der Praefatio, die für beide Kapitel gilt, ist für Kapitel 3 auch noch der antizipatorische Blick auf das Nachfolgende hervorzuheben. Denn das Kapitel weist eine weitgehende inhaltliche Übereinstimmung mit der Darstellung in den Kapiteln 4–14 auf:25

(1) Wie sehr Rom unter diesen drei Arten des Herrschens, nämlich der königlichen, der konsularischen und der kaiserlichen, gewachsen ist, werde ich also kurz mitteilen. Unter den sieben Königen dehnte sich der römische Herrschaftsbereich während 243 Jahren nicht weiter als bis nach Portus und Ostia aus innerhalb eines Radius von 18 Meilen von den Toren Roms, einer natürlich noch kleinen und von Hirten gegründeten Stadt, weil die herum angrenzenden Städte sie einengten. (2) Während 467 Jahren unter den Konsuln, unter denen es mitunter auch Diktatoren gab, wurde Italien bis über den Po hinaus besetzt, wurdeS. 225 Africa [4,3] unterworfen, kam Spanien [5,2] hinzu, wurden Gallien und Britannien [6,3] tributpflichtig gemacht. Bezüglich Illyrikum [7,1] wurden Istrier, Liburner, Dalmater bezwungen; man setzte nach Achaia über [7,2]; die Makedonen wurden unterworfen [7,4]; es wurde gegen Dardaner, Moesier und Thraker gekämpft und die Donau erreicht [7,5]. (3) Nach Asia setzten die Römer ihren Fuß zum ersten Mal nach der Vertreibung des Antiochos [12,2]. Nachdem Mithridates besiegt worden war, wurde sein Reich Pontus besetzt [11,5]. Kleinarmenien, das er ebenfalls innehatte, wurde durch Waffengewalt erobert [16,1]. Das römische Heer gelangte nach Mesopotamien; mit den Parthern wurde ein Bündnis eingegangen. Es wurde gegen Karduener [20,2] und Sarazenen sowie Araber gekämpft [16,3]. Ganz Judäa wurde besiegt [14,2]. Kilikien [12,3] und Syrien [12,2] kamen in die Gewalt des römischen Volkes. Die Könige Ägyptens waren Verbündete [13,3]. (4) Unter den Kaisern aber kamen während 407 Jahren, als viele Principes mit für den Staat unterschiedlichem Glück herrschten, zum römischen Reich die See-Alpen, die Cottischen Alpen [6,2], die Raetischen, die Norischen [7,6], die Pannonischen [7,6], die Moesischen Provinzen hinzu und auch das ganze Ufergebiet der Donau [7,5] wurde zu Provinzen umgewandelt. Ganz Pontus, Kleinarmenien [14,3], der gesamte Osten mit Mesopotamien, Assyrien, Arabien [14,3] und Ägypten [13,3] ging in die Oberhoheit des römischen Reiches über.

Von den römischen Territorialerwerbungen, die in Kapitel 3 überblicksartig aufgelistet sind, kommen – abgesehen von der Phase der Königszeit samt einiger staatsrechtlicher Details – lediglich die Istrer, Liburner und Dalmater in der Darstellung selbst nicht vor.26 Wie auch immer die Erklärung hierfür lauten mag (dazu unten), stellt der von Festus in den Kapiteln 2 und 3 gebotene Überblick (1,2 accipe ergo) in seiner gedrängten Aneinanderreihung von Zahlen und Namen offenkundig genau die „Kurzübersicht“ dar, die der Kaiser zuvor verlangt hatte (1,1 brevem … praecepit).

Das Fehlen der Königszeit in der Darstellung, obwohl diese Epoche in der „Kurzübersicht“ gebührend behandelt wird, erklärt sich wohl aus der Intention, eine überflüssige Doppelung, zumal innerhalb eines kurzen Intervalls (d. h. innerhalb von Kap. 3 und 4), zu vermeiden. Es liegt der Verdacht nahe, dass die Königszeit ursprünglich am Anfang des Breviariums behandelt worden war und zwar in einem ähnlich knappen Umfang, wie es in der S. 226 „Kurzübersicht“ geschieht, da es für jene Zeit keine nennenswerten Gebietserweiterungen zu vermelden gab. Mit der Anfertigung der vorangestellten „Kurzübersicht“, dürfte der Passus über die Königszeit en bloc aus dem Breviarium in die neue „Kurzübersicht“ transponiert worden sein, wodurch Kapitel 3 eine ausgewogenere Übersicht über die drei Perioden und damit eine analoge Struktur zu Kapitel 2 erhielt, wo die drei Perioden erstmals präsentiert werden. Der Verzicht auf die Königszeit in der eigentlichen Darstellung dürfte angesichts des fehlenden Provinzerwerbs umso leichter gefallen sein. Umgekehrt setzt die Darstellung (ab Kap. 4) auf diese Weise direkt mit der Aufzählung der erworbenen Provinzen ein, so dass das Ausbleiben der Königszeit gar nicht als solches empfunden wird. Angesichts des raffinierten Verhältnisses zwischen dem breviarium und dem brevis kann jedoch auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, dass Festus den Abschnitt über die Königszeit speziell für die „Kurzübersicht“ verfasst hat.

Das Fehlen der „Istrier, Liburner und Dalmater“ in der Darstellung, obwohl sie in der „Kurzübersicht“ genannt sind (3,1), lässt sich weniger leicht erklären. Ihre Erwähnung wäre im Zusammenhang mit Illyricum in 7,1 zu erwarten gewesen, wo die kurze Notiz vielleicht auch hingehört.27 Angesichts der anderweitigen Übereinstimmung zwischen den beiden Werkteilen sollte diese singuläre Diskrepanz jedoch nicht überbewertet oder gegen die Deutung der Kapitel 2–3 als die in der Praefatio angekündigte „Kurzübersicht“ (brevis) geltend gemacht werden.

Wie dem auch sei, in jedem Fall bleibt es verwunderlich, dass die Praefatio die Entstehung des brevis erklärt (1,1), aber sich mit keinem Wort zum Zustandekommen des eigentlichen breviarium rerum gestarum populi Romani äußert. Gleichwohl ist anzunehmen, dass das breviarium, von dem Festus die „Kurzübersicht“ angefertigt hat, sein eigenes Werk ist. Denn die „Kurzübersicht“, die den Inhalt der Kapitel 4–14 ziemlich genau zusammenfasst (zu Kap. 15–29 siehe unten), ist offenbar eng mit dem Inhalt abgestimmt, als wäre sie von Anfang an mitgeplant. Das Eingangskolon der Praefatio lässt sich demnach wohl auch wie folgt verstehen: „Von meinem Breviarium der Taten des römischen Volkes eine Kurzübersicht anzufertigen, hat deine Gnade angewiesen.“28

S. 227

Die nachfolgende Darstellung bildet als „(Eroberungs-)Taten des römischen Volkes“ gleichsam den Kern des Breviariums. In den Kapiteln 4–14 wird das Wachstum des römischen Reiches anhand des Erwerbs der einzelnen Provinzen geschildert. Festus verspricht sie in der zeitlichen Reihenfolge zu präsentieren, in der sie erworben und dem Reich hinzugefügt wurden (4,1). In Wahrheit bietet er jedoch eine geographische Anordnung29, indem er sich spiralförmig ums Mittelmeer herum, zunächst durch den westlichen Reichsteil des Valentinian I. (Kap. 4–9), dann durch den östlichen des Valens (Kap. 10–14) bewegt.30 Bei den Provinzen im Westen lässt sich zudem eine Gruppierung nach Diözesen beobachten.31 Lediglich bei den ersten drei Provinzen (Sizilien, Sardinien und Korsika) wird die chronologische Reihenfolge eingehalten, wobei das geographischen Ordnungsprinzip dadurch keineswegs gestört wird.32 Die drei Provinzen bilden aber auch insofern eine Ausnahme, als es sich bei ihnen um die einzigen Territorien der beiden italischen Diözesen handelt, die in der Darstellung genannt werden. Italia Annonaria und Italia Suburbicaria bleiben ansonsten verständlicherweise unberücksichtigt, weil die darin enthaltenen Provinzen erst mit Diokletians Reform zu solchen erklärt wurden.33 Den zwei Ausnahmen – Raetien und Cottische Alpen – wird aber dadurch Rechnung getragen, dass sie in der „Kurzübersicht“ untergebracht sind (3,4).34

Einmal am Ende der Schilderung der römischen (Expansions-)Geschichte angelangt, wendet sich Festus in einer Apostrophe erneut an den Kaiser. Den Auftakt hierzu bildet das emphatisch an der Satzspitze stehende Verb scio, durch das der Verfasser sich selbst hervorhebt.35 Festus glaubt nämlich S. 228 die Gedanken des Kaisers lesen zu können: „Ich weiß nun, berühmter Princeps, wohin dein Vorhaben hinzielt.“ (15,1) Seine Ahnung aussprechend, fährt Festus fort: „Gewiss fragst Du, wie oft die Waffen Babylons und der Römer aneinandergeraten sind und mit welchem Ausgang pila und Pfeile miteinander wettstritten.“ Gemeint sind die bisherigen römisch-persischen Kriege, deren Ausgang er kurz aufzählen will. Dieses neue Thema scheint Festus beinahe spontan in den Sinn zu kommen, wie der etwas abrupte Anschluss vielleicht suggeriert. Allerdings bildet der letzte Abschnitt der Darstellung, der die heikle Frage des Grenzverlaufs zwischen den beiden Reichen erörtert (14,6 f.), den Anstoß dafür, dass Festus vorgibt, sich in seinen Leser hineinzuversetzen und zu erahnen, was der Kaiser jetzt zu wissen trachtet (15,1 scio … requiris profecto). Aufgrund dieses vermittelten Eindrucks kann die Schilderung der römisch-persischen Konflikte nur schwerlich Teil des kaiserlichen Auftrags gewesen sein. Vielmehr musste Festus’ zur Schau getragenes Gespür für das, was den Kaiser interessiert, geradezu befremdlich wirken, nachdem er in der Praefatio zugesagt hat, den Auftrag des Kaisers ausführen zu wollen (1,1 parebo … praecepto). Mehr noch, der Tenor der selbstbewussten Aussage des Festus, dass er weiß, was den Kaiser interessiert, schließt geradezu aus, dass er beauftragt war, einen historischen Überblick über die Kriege zwischen Römern und Persern zu verfassen. Schließlich weckt auch die Praefatio selbst Zweifel an einem solchen Auftrag, findet sich darin doch kein Hinweis auf die römisch-persische Thematik, die immerhin die Hälfte des Werkumfangs ausmacht (Kap. 15–29). Lediglich von einer Übersicht über die römische Geschichte ist dort die Rede, die, wie gezeigt, in Kap. 2–3 skizziert und in Kap. 4–14 dargeboten wird.

Daraus folgt, dass die zweite Hälfte von Festus’ Breviarium eine eigenständige Komposition bildet und gleichsam supplementär an die eigentliche Darstellung angehängt ist.36 Ferner erklärt dieser Befund das Vorkommen von gewissen Doppelungen innerhalb von Kapitel 14 und der zweiten Werkhälfte37, die dazu verleitet haben, das letzte Kapitel über die Provinzen für S. 229 ein „Übersichtskapitel“ der nachfolgenden Perserkriegsgeschichte zu halten, obwohl die Zäsur bildende Apostrophe zu Beginn des zweiten Teils (15,1) strukturell gegen eine solche Deutung spricht.38

Dem Kaiser aus freien Stücken ein literarisches Werk zuzueignen, ist nichts Ungewöhnliches und hat eine lange Tradition. Als zeitgenössische Beispiele lassen sich nennen die vermutlich an Valens und Valentinian I. gerichtete anonyme Schrift De rebus bellicis und das Breviarium des Aurelius Victor, das ursprünglich wohl Constantius II. zugedacht war. Beide Werke warten zudem – jedes auf seine Weise – mit praktischen Ratschlägen für den Kaiser auf.39 Ferner ist das explizit an Constantius II. gerichtete Breviarium (sog. Itinerarium Alexandri) zu nennen, das dessen anonymer Verfasser als seinen Beitrag zum aktuellen Krieg gegen die Perser erachtet und das den Kaiser mittels historischer exempla in Gestalt von Alexander dem Großen und Traian ideell unterstützen soll (Itin. Alex. 1–4). Sogar bei Eutrop findet sich das Element der freiwilligen Zugabe, wie seiner Praefatio zu entnehmen ist. Denn dem Auftrag, die römische Geschichte zusammenzufassen, hat er von sich aus noch die besonderen Qualitäten der früherer Kaiser hinzugefügt:40

Was in der römischen Geschichte an kriegerischen oder zivilen Ereignissen herausragte, habe ich auf Wunsch deiner Gnade von der Gründung der Stadt bis in unsere Zeit in chronologischer Reihenfolge und kurzer Darstellung zusammengetragen, wobei ich auch das noch knapp hinzugefügt habe, was es im Leben der Kaiser an Ausgezeichnetem gab, damit der göttliche Verstand deiner Friedfertigkeit sich daran erfreuen kann, dass er den Taten berühmter Männer bei der Regierung des Reiches schon nacheiferte, bevor er durch die Lektüre von ihnen erfuhr.41 (Übers. nach Groß)

S. 230

Für Eutrop war es freilich nicht mit viel Mühe verbunden, diese biographischen Details in sein Breviarium einzubinden, fand er sie doch schon in seinem Quellenmaterial der EKG-Tradition vor. Entscheidend ist aber, dass er die Eigeninitiative seines Tuns hervorhebt, die durch die vorgeschobene Begründung für die erbrachte Zugabe nochmals betont wird. Hierbei fungiert die rhetorisch stilisierte Begründung in Wirklichkeit als ein Kompliment an den Kaiser, während die Darbietung des zusätzlichen Stoffes offensichtlich nur darauf abzielt, dessen Gunst zu gewinnen. Der dienstbeflissene Eutrop, der unaufgefordert mehr geboten hat, als verlangt war, entpuppt sich gleichsam als unmittelbarer Vorgänger und Vorbild des Festus. Die zweite Hälfte des Breviariums des Festus ist nämlich ebenfalls als eine freiwillige Zugabe und nicht als Teil des kaiserlichen Auftrags anzusehen.42 Den Anlass hierzu bildete Festus’ Wissen um die intentio des Kaisers, womit Valens’ „Vorhaben“ gemeint ist, gegen die Perser einen Feldzug zu führen, wie aus dem weiteren Kontext des Binnenproömiums hervorgeht:43

Gewiss fragst Du, wie oft die Waffen Babylons und der Römer aneinandergeraten sind und mit welchem Ausgang pila und Pfeile miteinander wettstritten. Ich werde die Ergebnisse der Kriege kurz aufzählen. Du wirst feststellen, dass durch List die Feinde in wenigen Fällen erfolgreich waren, die Römer hingegen immer durch echte Tapferkeit als Sieger hervorgegangen sind (15,1)

Angesichts eines anstehenden oder wenigstens geplanten Unternehmens nutzt Festus die Gelegenheit, den historischen Überblick über Roms territoriale Ausdehnung um einen militärhistorischen Überblick zu ergänzen. Hierbei unterstellt er dem Kaiser geschickt, über den Ausgang der römisch-persischen Kriege Bescheid wissen zu wollen, um auf diese Weise seine eigenmächtig vorgenommene Erweiterung des Breviariums zu legitimieren und den Kaiser zu einer wohlwollenden Aufnahme zu verpflichten.

S. 231

Hintergrund ist der 363 durch Jovian abgeschlossene Friedensvertrag mit den Persern, der nicht nur einen erheblichen Prestigeverlust für Rom darstellte, weil er mit der Abtretung der Stadt Nisibis und großer Gebiete entlang der Tigrisgrenze verbunden war (29,2), sondern auch geo-strategisch einen veritablen Machtverlust bedeutete. Die Pflicht, diese Scharte auszuwetzen, fiel Valens zu, der sich nach dem 369 beendeten Krieg gegen die Goten, nunmehr dieser Aufgabe zuzuwenden schien.44 Allein schon wegen der Wirkmächtigkeit des klassischen Rollenbilds vom Kaiser als dem Schützer und Mehrer des Reiches musste Valens von sich aus zu einem militärischen Gegenschlag gegen die Perser ausholen wollen, zumal der Sieg über die Goten keineswegs so grandios ausgefallen war, wie Festus am Ende des Breviariums schmeichlerisch suggeriert (vgl. 30,2).

Indem Festus zu Beginn des Abschnitts über die Provinzen der östlichen Reichshälfte es sich nicht entgehen lässt, dem Valens den Willen zur Reichserweiterung wie selbstverständlich zu unterstellen (10,1), verleiht er der imperialen Erwartungshaltung an den Kaiser besonders Nachdruck; mehr noch, mit der Aufzählung derer, die in der Vergangenheit im Osten Gebiete für Rom erworben haben, will er den Kaiser sogar ausdrücklich zu neuen Eroberungstaten bewegen:

Nun werde ich die Urheber, die für deine Herrschaft die östlichen Gebiete und den gesamten Osten sowie die unter der ihnen nahen Sonne gelegenen Provinzen gewonnen haben, vorstellen, damit dadurch der Drang deiner Güte, den du zu ihrer Erweiterung hast, weiter angespornt werde.45

In Festus’ adhortativer Apostrophe offenbart sich nicht nur die traditionell imperialistische Mentalität der Römer. Es findet sich – allerdings in umgedrehter Weise – auch der von Eutrop geäußerte Gedanke wieder, dass Valens durch die Lektüre des Breviariums bemerken werde, „dass er den Taten berühmter Männer bei der Regierung des Reiches schon nacheiferte, bevor er durch die Lektüre von ihnen erfuhr.“ (Eutr. praef.) Bei Festus soll der Kaiser nämlich gerade durch die Lektüre dazu motiviert werden, beim Regieren den Taten berühmter Männer nachzueifern, jedenfalls was die expanS. 232sive Außenpolitik betrifft. Ganz in der Tradition der römischen Geschichtsauffassung stehend, die Vergangenheit als eine „Serie von Beispielen“ zu begreifen, kommt den nachfolgenden Kapiteln erklärtermaßen eine didaktische Funktion zu.46 Dies gilt ganz besonders für die römischen Akteure in den vergangenen römisch-persischen Konflikten (Kap. 15–29). Sie dienen als historische exempla und bieten Valens für seinen Perserfeldzug konkrete Orientierung. Hierbei spielt es auch nur eine geringfügige Rolle, ob die Protagonisten triumphierten oder kläglich scheiterten, denn wie die guten Beispiele als Vorbilder zur Imitation dienen, lassen sich auch aus den schlechten Beispielen nützliche Lehren ziehen. 47 Erfolgreich waren die Römer laut Festus jedenfalls immer dank ihrer Tapferkeit (virtute), während er für ihre Misserfolge stets irgendeine Erklärung beibringen kann (vgl. 15,1), so dass der Grundtenor seines tendenziösen Berichts keineswegs darauf hinausläuft, dem Perserreich künftig mit Maßhaltung zu begegnen, sondern er vielmehr im Vertrauen auf ungebrochene römische Tugend und Tapferkeit einen aggressiven und expansiven Imperialismus propagiert.48

Diesbezüglich unterscheidet sich Festus nicht sonderlich von Eutrop, der den „schmachvollen Vertrag“ (pacem ignobilem) von 363 ebenfalls missbilligt und implizit sogar dessen Aufkündigung fordert, indem er im letzten Buch seines Breviariums einige Präzedenzfälle aus früheren Büchern in Erinnerung ruft, in denen die Römer nachteilige Friedensverträge schon bald nach Abschluss wieder brachen und den Krieg erneuerten. 49 Die Wiederholung dieser exempla aus republikanischer Zeit am Ende des Breviariums im Zusammenhang mit der Schilderung von Jovians Friedensschluss dient nicht allein dazu, einen neuen Feldzug gegen die Perser historisch zu rechtfertigen; vielmehr soll Valens – da es Eutrop darum geht, dass der Kaiser dem Beispiel der inlustres viri nacheifert – wie nach der Methode des Festus gerade durch die Lektüre zum Handeln bewegt werden. 50

S. 233

Es lässt sich daher schwerlich von der Hand weisen, dass die beiden Breviatoren, die ihre Werke an Valens richten, ihn in seiner Funktion als Kaiser, im Fall des Festus sogar speziell als Oberbefehlshaber ansprechen und in ihm allein ihren intendierten Leser sehen. Zweifelhaft ist hingegen, ob sie darüber hinaus auch bewusst die kaiserliche ‚Umgebung‘ oder die aristokratische Elite als Zielpublikum vor Augen hatten, wie mitunter angenommen wird.51 Auch die verbreitete Auffassung, dass die historischen Breviarien – das Werk des Aurelius Victor eingeschlossen – dazu gedacht waren, „vor allem aufsteigende Schichten, die Bildungswissen benötigten“, mit dem entsprechenden geschichtlichen Grundkenntnissen zu versorgen52, kann bei näherem Hinschauen ebenso wenig überzeugen, wie die Vorstellung, sie seien für den Schulunterricht konzipiert.53

Zu welchem Zweck Eutrop und anschließend Festus von Valens mit der Anfertigung eines historischen Breviariums beauftragt wurden, lässt sich nicht zufriedenstellend klären. Sicher scheint aber, dass beide Breviatoren die Gelegenheit dazu nutzten, den Kaiser zu hofieren, indem sie freiwillig mehr boten, als von ihnen verlangt war. In Festus’ Fall ein in sich geschlossenes Opusculum, das sich thematisch an sein Auftragswerk anschließt, gleichzeitig aber auch einen hochaktuellen politischen Diskurs aufgreift.54 So gibt sich sein Überblick über die Ausgänge der römisch-persischen Kriege als ein historischer Leitfaden, von dem freilich unklar ist, auf wie großes persönliches Interesse dieser beim Kaiser stieß, denn einen praktischen Bedarf daran kann Valens nicht gehabt haben.

Gleichwohl ermuntert Festus den Kaiser zu einem Feldzug gegen die Perser, indem er die Rechtmäßigkeit und Erfolgsaussichten eines solchen S. 234Unterfangens betont, und gibt ihm indirekt noch Ratschläge (in Form von exempla) mit auf den Weg. Im Gegenzug wird Festus auf entsprechenden Dank und Anerkennung in Gestalt von materieller Belohnung und dienstlicher Beförderung gehofft haben. Ganz ähnliche Hoffnungen dürften zuvor schon Eutrop dazu veranlasst haben, mit den zusätzlich gebotenen Details aus dem Leben vergangener Kaiser dem Valens eine Gefälligkeit erweisen zu wollen. Hierbei hebt Eutrop bezeichnenderweise an den guten Kaisern immer wieder ihre Freigebigkeit, zumal gegenüber den „Freunden“ aus der höfischen Umgebung hervor und versäumt nicht zu erwähnen, dass Julian in dieser Hinsicht „weniger aufmerksam (war), als es sich für so einen bedeutenden Princeps geziemt hätte“ (Eutr. 10,16,3).55 Im Fall des Aurelius Victor erklärt sich das Zustandekommen seines Breviariums ebenfalls am ehesten damit, dass er sich durch die Übersendung seines Werkes an Constantius II. für eine Beförderung im Amt empfehlen wollte.56 Wenn schließlich der Autor des Itinerarium Alexandri bekennt, dass der militärische Erfolg des Kaisers, zu dem er mit seinem Breviarium schriftstellerisch beitragen will, ihm selbst zugute kommt, dann zielt er damit auf die Sicherheit als Reichsbewohner ab, die ein Sieg über die Perser verspricht.57 Dass aber – unabhängig von der Bedeutung der vagen Formulierung – auch unmittelbare Vorteile für den Verfasser damit gemeint sein können, erscheint keineswegs ausgeschlossen.

Vor diesem Hintergrund lässt sich Festus’ eifriges Überbieten des ursprünglichen Auftrags kaum anders beurteilen als ein kalkulierter Schritt zur persönlichen Profilierung und Karriereförderung. Sein Verhalten stellt demnach auch keine verblüffende Ausnahme dar, sondern entspricht vielmehr einem Muster, das mit der nicht zu überschätzenden Rolle des Kaisers für das Weiterkommen des Einzelnen zusammenhängt, weil jener schlicht über die größten Ressourcen verfügte.

Wenn Festus dennoch den Eindruck eines ehrgeizigen magister memoriae erweckt, der seinem Auftragswerk ein Supplement von fast gleicher Länge anfügt, kann dies als ein weiteres Indiz für die Identifizierung des Breviators mit dem bei Ammianus Marcellinus erwähnten magister memoriae und proconsul Asiae gelten (siehe oben I.1). Jedenfalls passt ein solcher EinS. 235druck durchaus zu dem besagten Festus aus Tridentum, der in seinem Ehrgeiz, eine noch höhere Amtsstellung zu erlangen, laut Ammianus auch bereitwillig über Leichen ging.58

II. Zur Überlieferung des Werks

von Carlo Scardino

1. Die Handschriften

Eine große Anzahl von Handschriften enthält Festus’ Werk.59 Die relevanten älteren Codices kann man aufgrund von Trenn- und Bindefehlern grob in zwei Klassen einteilen, die von den Subarchetypen β und ε abstammen.

Zur β-Klasse gehört als Vertreter einer eigenständigen Linie:

B = Der Codex Bambergensis E III 22 wurde im 9. Jh. in karolingischer Minuskelschrift wohl in Oberitalien angefertigt und später in der Kathedrale von Bamberg aufbewahrt. Der Codex umfasst 107 Doppelseiten zu jeweils 30 Zeilen, die von einer späteren Hand durchnummeriert worden sind. Festus’ Text folgt auf die Geschichte des Dares aus Phrygien (S. 1–32) auf den Seiten 33–52 und steht vor der Epitome des Florus (S. 53–214). Auch wenn der Codex einige Abschreibfehler enthält, gilt er als der beste Zeuge von Festus’ Breviarium.60

Innerhalb der β-Klasse bilden aufgrund von Trenn- und Bindefehlern folgende Handschriften, die von einem gemeinsamen Subarchetyp γ abstammen, eine eigene Klasse:

G = Der Gothanus Memb. I. 101 wurde Ende des 8. oder zu Beginn des 9. Jh. in karolingischer Minuskelschrift auf Pergament geschrieben. Der aus dem südelsässischen Kloster Murbach stammende Codex kam 1795 in die Herzogliche Bibliothek Gotha. Er umfasst 49 Doppelseiten zu jeweils 30 Zeilen und enthält Dekorationen. Auf Festus (fol. 1 r–8v) folgen Eutrops Breviarium (fol. 9r–40v) und Auszüge aus Frontins Strategemata. Der von mehreren Händen verfasste Codex enthält viele Schreibfehler (propter statt praeter etwa in c. 2,3), die bisweilen nachträglich korrigiert worden sind.

S. 236

P = Der Parisinus 6113a unbekannter Herkunft ist Ende des 9. oder zu Beginn des 10. Jh. in Minuskelschrift auf qualitativ schlechtem Pergament verfasst worden. Jede Seite umfasst 20 Zeilen. Das Breviarium steht wie in G, mit dem P eng verwandt ist, am Anfang (fol. 2 r–16r). Der von mehreren Händen geschriebene Codex enthält viele Fehler und mehr Abkürzungen als die übrigen Codices.

Die beiden folgenden, ebenfalls zur γ-Klasse gehörigen Handschriften stammen von einem gemeinsamen, von der η-Klasse interpolierten Subarchetyp δ ab. 61

V = Der Codex Vindobonensis 451 aus dem 12. Jh. ist auf Pergament in Minuskeln geschrieben. Die Handschrift enthält auch Jordanes’ Historia Romana. Der Text des Festus (fol. 18r–19v) ist jeweils auf zwei Spalten geschrieben und am Anfang von einer zweiten Hand korrigiert worden. Es fehlen sowohl das Incipit als auch das Explicit.

S = Der Codex Parisinus 5822 aus dem 12. oder 13. Jh. unbekannter Herkunft ist auf Pergament in Minuskeln von verschiedenen Händen verfasst und korrigiert worden. Der Text des Festus steht am Anfang (fol. 1v–8r).

Zur ε-Klasse gehören:

E = Der Codex Escorialensis der Biblioteca del Escorial R II 18 (vormals Ovetensis) aus dem 7. Jh. ist in gemischter Unzialschrift geschrieben. Im 9. Jh. gelangte der Codex in den Besitz der Bibliothek der Kathedrale von Oviedo und später in die Bibliothek des Escorials. Die Handschrift umfasst 95 Doppelseiten zu je 35 Zeilen. Neben Festus (fol. 35 r–44r) sind Werke Isidors und Exzerpte aus den Chroniken von Hieronymus und Prosper enthalten. Das Manuskript enthält viele orthographische Fehler: so werden häufig die Buchstaben b und v, d und t, t und th sowie p und b miteinander verwechselt.

Zusammen mit E zur ε-Klasse gehörig, bilden folgende Handschriften die von einem gemeinsamen Subarchetyp abstammende η-Klasse:

W = Der Codex Vindobonensis 89 aus dem 9. Jh. ist auf Pergament in karolingischer Minuskel verfasst. Die Handschrift stammt aus der Stiftsbibliothek Salzburg (Salisburgensis 72) und befindet sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek. Auf Festus (fol. 2–7) folgt Isidors De ordine temporum. Der Codex weist manche Fehler beim Abschreiben schwieriger Wörter und kleinere Lücken auf.

K = Der Codex Parisinus 6114 aus dem 11. Jh. ist von mehreren Händen auf minderwertigem Pergament in Minuskeln verfasst worden und wird inS. 237 der Bibliothèque nationale in Paris aufbewahrt. Trotz orthographischer Abweichungen stammt er aufgrund der Bindefehler von derselben Vorlage ( θ) wie W ab, ist aber wohl keine Kopie desselben. Ebenso wie in W steht Festus am Anfang (fol. 1 r–12r).

O = Der Codex Vindobonensis 323 aus dem 12. Jh. unbekannter Herkunft ist auf Pergament in Minuskeln geschrieben. Die Handschrift enthält neben Festus (fol. 29v–45v) auch das Breviarium des Eutrop sowie die Chroniken des Eusebios und des Hieronymus. Häufig ist gegenüber der Version der anderen Codices die Wortstellung geändert.

R = Der Codex Parisinus nouv. acq. lat. 310 stammt aus Deutschland und ist im 12. Jh. auf Pergament in Minuskeln geschrieben worden. Die Handschrift enthält neben Festus’ Breviarium, dem allerdings das letzte Kapitel fehlt (fol. 96v–103r), auch die Geschichtswerke Eutrops und Orosius’. Aufgrund vieler Trennfehler zu WKO stellt er möglicherweise innerhalb der η-Klasse eine eigenständige Linie dar.

Weitere Handschriften, die nicht mit Sicherheit einer der beiden Klassen zugeordnet werden können, sind:

C = Der Codex Copenhagensis frg. 19 X aus dem späten 9. Jh. stammt aus Benevent und befindet sich in der Kongelige Bibliotek in Kopenhagen. Er ist wahrscheinlich mit den Handschriften der β-Klasse verwandt, aber interpoliert und hat zur Tradition der kontaminierten recentiores beigetragen.62 Er enthält nur die c. 22–28 des Breviarium.

A = Der Codex Bruxellensis 4659 aus dem 15. Jh. stammt aus Italien und wurde für Anselmus Adorno aus Brügge angefertigt.63 Er ist auf Pergament in humanistischen Minuskeln verfasst. Festus steht am Anfang (fol. 2 r–73r).S. 238 Dieser Codex, der zu keiner der beiden Familien gehört, ist nicht Vertreter einer dritten Klasse, sondern das Produkt der (wohl auch mehrfachen und gegenseitigen) Kontamination beider Klassen (etwa der Codices O und V). Er wird von den modernen Herausgebern stellvertretend für die Tradition der recentiores verwendet, von denen Eadie etwa 70 Handschriften anführt.64

Da in den beiden letzten Ausgaben von Eadie und Arnaud-Lindet die Manuskripte z. T. mit verschiedenen Siglen bezeichnet werden (Fele gibt jeweils beide Nomenklaturen an), sind die von der vorliegenden Edition im Anschluss an Arnaud-Lindet leicht veränderten Siglen in der untenstehenden Tabelle, die auch als Konkordanz zu den beiden Vorgängereditionen dient, zusammengestellt worden.

Eadie Arnaud-Lindet KFHist
- α bzw. Π 65 β.
β. α´ γ.
- α´´ *δ.
- β bzw. Σ ε.
α β´ bzw. Δ η.
- β´´ *θ.
B B B
G G G
P P P
W1 V V
P3 S S
E E E
W W W
P1 K K
W2 O O
P2 R R
Z A A
C - C
* = Sigle wird in der Edition nicht verwendet
S. 239

2. Die neuzeitlichen Drucke und die modernen Editionen

Die editio princeps des Breviariums hat der Straßburger Sixtus Riessinger um 1468 in Rom (oder Neapel) herausgegeben. Sie beruht auf einem der jüngeren Codices, die wie A eine Mischung beider Klassen sind, und spielt daher für die constitutio textus keine Rolle.66 Dasselbe gilt für die nachfolgenden, teilweise kommentierten Editionen wie diejenigen von Campanus (1470), Tiphernas (1474), Camers (1518), Cuspinianus (1553), Sylburg (1588), Pithou (1602) und Boxhorn (1632). Verheyk (1762) hat die vor ihm kommentierten Editionen miteinander verglichen und neben einer neuen Edition auch eigene Kommentare hinzugefügt.

Die erste wissenschaftliche Edition hat W. Förster, der die ältesten Manuskripte mit Ausnahme von E eingesehen hat, 1874 herausgegeben. In seinem schmalen Apparat gibt er aber nur die wichtigsten Varianten an. Förster selbst hat 1879 E kollationiert.67 Auf dieser Grundlage hat Wagener 1886 eine neue Edition vorgelegt und dabei zusätzlich zur Einteilung des Werks in Kapitel diese weiter in Paragraphen unterteilt. Daneben hat er orthographische Fehler und Versehen der Ausgabe Försters verbessert.68

1967 hat Eadie auf der Grundlage einer neuen Kollation aller relevanten Manuskripte den Text neu herausgegeben und einen historischen Kommentar angefügt. Eadie hat den Text gegenüber den Vorgängereditionen weiter verbessert, auch wenn seine Edition nicht fehlerfrei ist.69

Die von Arnaud-Lindet 1994 besorgte zweisprachige Edition, die ebenso auf einer neuen Kollation der Handschriften beruht, verbessert einige orthographische Versehen Eadies und liefert einen sehr umfangreichen kritischen Apparat. Arnaud-Lindet hat eine neue, manchmal von Wagener abweichende Einteilung der Paragraphen vorgenommen und verwendet von den Vorgängereditionen abweichende Siglen für die Codices. In den RezensionenS. 240 ist der hypertrophe kritische Apparat, der auch rein orthographische Varianten und unbedeutende Schreibfehler der Kopisten anführt, selbst aber nicht frei von Versehen und Unklarheiten ist, getadelt worden. 70

Auf der Edition von Arnaud-Lindet fußt die Ausgabe mit rumänischer Übersetzung von Zugravu 2003. Dieser verzichtet auf einen kritischen Apparat, fügt aber sowohl eine Einleitung als auch einen ausführlichen historischen Kommentar hinzu.71

Fele 2009 bietet einen Text, der nicht auf einer neuen Kollation der Manuskripte beruht, sondern der in vielerlei Hinsicht gegen Arnaud-Lindets Ausgabe wieder an Eadies Edition anknüpft. Ebenso verzichtet sie auf einen kritischen Apparat, fügt aber neben einer italienischen Übersetzung auch einen sehr ausführlichen philologischen und historischen Kommentar hinzu, in dem sie die meisten textkritischen Probleme bespricht und fast alle sprachlichen und inhaltlichen Probleme ausführlich erörtert.72 Der Kommentar ist an manchen Stellen sehr breit angelegt, die unzähligen zitierten Parallelstellen versperren bisweilen den Blick für das Wesentliche73, und die Tabellen, in denen sprachliche Besonderheiten statistisch ausgewertet werden, liefern nur selten einen Gewinn für das Verständnis der jeweils besprochenen problematischen Stellen. 74

2020 haben Bettenworth und Schenk in der Reihe Tusculum den Text mit deutscher Übersetzung und erklärenden Anmerkungen herausgegeben, wobei ihre Ausgabe mit drei Ausnahmen (c. 3,4; 11,4 und 15,3) auf der Edition von Arnaud-Lindet fußt und den Gepflogenheiten der Reihe entsprechend keinen kritischen Apparat umfasst.

S. 241

3. Das Breviarium und seine Überlieferung

Der Werktitel des Breviarium75 wird wie auch im Falle Eutrops76 von den Handschriften nicht einheitlich überliefert, wie der Überblick über die Versionen des Incipit und Explicit in den ältesten Codices zeigt: 77

INCIPIT EXPLICIT
B INCIP(IT) BREVIARIUM FESTI V(IRI) C(LARISSIMI) MAGISTRI MEMORIAE EXPLICIT BREVIARIUM AB URBE CONDITA FESTI VC MAGISTRI MEMORIAE
G de breviario rer(um) gestarum populi romani -
P incipit festi breviarium. de breviario rerum gestarum populi romani breviarium festi explicit
E INCIPIT BREVIARIUM RUFI FESTI VIC DE BREVIARIO REGUM GESTARUM POPULI ROMANI explicitum breviarium rufi festi vic augusti valenti scriptum feliciter
W inc(i)p(it) breviarium rufi festi v c rerum gestarum populi romani. pio perpetuo domino valentiniano imperatori et semper augusto rufus festus explicit breviarium rufi festi v. c.

Der Titel erscheint in den verschiedenen Handschriften zwar in unterschiedlicher Form, aber man kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Breviarium und wahrscheinlich die Angabe des Verfassernamens Rufi Festi (das Praenomen Rufius fehlt allerdings im Incipit der Handschriften der β-Klasse, in G steht rufi festi lediglich am Rand, ist aber ein späterer Zusatz einer anderen Hand), vielleicht sogar mitsamt seinen Titeln, im Genetiv Bestandteil des ursprünglichen Titels waren. Hingegen ist dieS. 242 Widmung an den Kaiser (Valens im Explicit von E und Valentinian in W) nur in Codices der ε-Klasse belegt, fehlt aber in der β-Klasse ganz. Während die ersten Ausgaben die handschriftlich überlieferten Titel übernehmen, halten Wölfflin breviarium de breviario78 und Arnaud-Lindet de breviario rerum gestarum populi Romani (wie in G) für den ursprünglichen Titel.79 Dagegen meint Fele, dass die Vielfalt von Varianten, die auf die einzelnen Kopisten zurückgehen, es wie auch im Falle Eutrops nicht mehr erlauben, den genauen Titel zu rekonstruieren, dass aber breviarium sicherlich Bestandteil des ursprünglichen Werktitels war.80 Auf Grund der Übereinstimmungen zwischen den Codices kann man mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass der Werktitel, unter dem das Werk überliefert worden ist, wie in E und B breviarium und den Verfassernamen enthielt und in etwa breviarium Rufi Festi v. c. magistri memoriae lautete. Der von E zusammen mit dem Titel angeführte und ebenfalls rubrizierte Zusatz de breviario rerum gestarum populi Romani scheint dagegen eine unnötige Doppelung zu sein und nicht mehr zum eigentlichen Titel zu gehören. In B ist dieser nicht mehr rubriziert und erscheint auf einer neuen Zeile als erster Satz. Als Titel ist de breviario („Über den Abriss“) im Gegensatz etwa zu de rerum natura in Lukrez nicht sinnvoll und weist nirgends Parallelen auf. In seiner Ausgabe hat schon Pithou wie B den ersten Satz mit de breviario rerum gestarum populi Romani begonnen.81

Es ist nicht mehr möglich, die verschiedenen Etappen der Überlieferungsgeschichte des Breviarium vom Original bis zur ältesten aus dem 7. Jh. stammenden Handschrift E zu rekonstruieren.82 Eadie und vor allem Arnaud-Lindet glauben aufgrund der unterschiedlichen Widmungen im Incipit, dass Festus zwei Versionen des Werks verfasst habe; ein mit dem Namen Festus S. 243signiertes Exemplar für Valens und den Hof in Konstantinopel (der Archetyp der Codices der β-Klasse, die aber nirgends eine Widmung aufweisen!) und ein zweites mit dem vollen Namen Rufius Festus versehenes für den Hof im Westen, das Valentinian gewidmet war (der den Codices der ε-Klasse gemeinsame Archetyp). Von dieser zweiten Version sei nach Valentinians Tod ein weiteres Exemplar angefertigt worden, das von heidnischen Elementen (wie z. B. dem Hinweis auf die beiden Brüder c. 2,1 und auf den Neid der Götter c. 24,2) gesäubert worden sei und die Grundlage der übrigen Handschriften (der den Codices der η-Klasse gemeinsame Subarchetyp) bilde. Arnaud-Lindets These, die in einem Stemma codicum veranschaulicht wird, 83 ist aber auf harsche Kritik gestoßen. 84 Es ist aufgrund der Binde- und der Trennfehler sicherlich richtig, die relevanten Codices grob in zwei Klassen einzuteilen,85 aber die Divergenzen innerhalb der verschiedenen Klassen (vor allem zwischen E und η) und die zahlreichen Interpolationen in den jüngeren Manuskripten (V, S, R, K, O) lassen den Schluss zu, dass allen Handschriften ein gemeinsamer Archetyp zugrunde liegt, von dem zwei verschiedene Stränge abhängen, die viele Varianten und Sonderfehler enthalten.

S. 244

Vereinfachtes Stemma codicum

S. 245

Im nebenstehenden Stemma werden im Gegensatz zu Arnaud-Lindet der Einfachheit halber die Archetypen der Handschriftenklassen β, γ, ε und η mit derselben Sigle (β, γ, ε und η) wie der Konsens zwischen den von diesen abhängigen Codices in der Edition bezeichnet. So gehen z. B. zwar alle Lesarten des Konsenses der Codices der γ-Klasse (G, P, V und S) auf den Archetypus γ zurück, aber dort, wo diese Codices untereinander divergente Lesarten aufweisen, ist es nicht immer möglich, die Lesart des Archetypus γ zu bestimmen.

Mit einer gestrichelten Linie wird im Stemma der vermutete Einfluss einer Handschrift auf den andere bzw. die Kontamination der einen durch die andere angegeben.

4. Grundsätze der Textkonstitution

Insgesamt weichen die verschiedenen Editionen des lateinischen Texts des Breviarium nur in Details voneinander ab, weshalb es keiner neuen Kollation der relevanten Manuskripte mehr bedarf.86 Die vorliegende Edition folgt in vielerlei Hinsicht der neuesten kritischen Edition von Arnaud-Lindet (1994), ohne auf einige grundlegende Errungenschaften der Ausgabe von Eadie (1967) zu verzichten. Von der Ausgabe von Fele (2009) wird die gegenüber Arnaud-Lindet bisweilen abweichende Einteilung der Kapitel in Paragraphen übernommen. Zur Beurteilung einzelner Stellen wurden zusätzlich die neuzeitlichen Editionen und Kommentare von Sylburg (1588) und Verheyk (1762) sowie die älteren kritischen Editionen von Förster (1874) und Wagener (1886) herangezogen. In der vorliegenden Edition werden regelmäßig die Lesarten der Mss. B, G, P, E, W sowie der Übereinstimmungen der Handschriftenklassen β, γ, ε, η und in den wenigen, relevanten Fällen auch die von C, V, S, K, O, R und A mitgeteilt, soweit sie aus den Editionen ersichtlich sind.87 Auf die erneute Kollation der relevantenS. 246 Mss. wurde grundsätzlich verzichtet; nur einzelne Stellen, an denen die Angaben der modernen Editionen widersprüchlich sind, sind mit dem Digitalisat von B abgeglichen worden.88

B ist der beste Vertreter der β-Klasse, der sich von den übrigen Handschriften derselben Klasse (γ) unterscheidet und gemeinsame Lesarten mit ε teilt. So haben c. 4,4 B und ε adtrito per Marium capto, während γ adtributo hat; c. 10,4 fehlt im Gegensatz zu B und ε in γ in consuetudinem parendi Romanis; c. 25,3 haben B und E admiratione (admirationem W), während γ administratione hat; c. 15,1 hat γ requiris statt requires von B und ε. Selten weisen innerhalb von γ die jüngeren Codices V und S interessante Varianten auf (etwa bei Zahlen c. 1,3 DCCCCXVII statt DCCCCXVI von B, G, P), doch sind die meisten Abweichungen das Ergebnis der Interpolation von δ durch einen Codex der η-Klasse. So hat etwa c. 9,3 B vocatur, in G und P ist eine Lücke, während V, S (also δ) und ε nominatur haben; ebenso fehlen in c. 15,3 nur in G und P die Worte clibanariis et centum viginti.

Im Gegensatz zu den bisherigen Editionen verfährt die vorliegende Ausgabe in Bezug auf die Lesarten eklektisch, ohne a priori eine Handschrift oder Handschriftenklassen zu bevorzugen. Während Arnaud-Lindet in den meisten Fällen die Lesarten der β-Klasse wählt und im Falle divergenter Überlieferung innerhalb der β-Klasse in der Regel diejenige bevorzugt, die von der ε-Klasse gestützt wird, gibt Fele im Gegensatz dazu durchwegs den Lesarten der β-Klasse (und in dieser besonders B) gegenüber denjenigen der ε-Klasse auch dort den Vorzug, wo es durchaus sachliche Gründe gibt, um Lesarten der ε-Klasse zu wählen. So haben zwar in c. 3,2 sub consulibus, inter quos nonnumquam et dictatores fuerunt, per annos simul CCCCLXVII Italia usque trans Padum occupata est die drei ältesten Codices der β-Klasse, B, G und P, Italia usque trans Padum, während ε und die jüngeren Codices V und S ita usque trans Padum Italia bieten. Von den modernen Herausgebern hat nur Arnaud-Lindet den Text von ε übernommen, was angesichts des Konsenses von B, G und P und vor allem angesichts der Tatsache, dass ita in diesem Satz keine sinnvolle Funktion erfüllen würde, nicht sinnvoll erscheint.89 Ebenso schreibt Arnaud-Lindet in c. 22,1 den Zusatz von ipse vor Persarum in V, S und ε im Gegensatz zu den übrigen HerausS. 247gebern Festus zu; dagegen weist Fele darauf hin, dass Festus ipse nie anaphorisch als Ersatz von is verwendet. 90 Daher kann man auf diesen Zusatz verzichten. Doch gibt es einige Fälle, in denen E (bzw. ε) einen besseren Text bietet als β oder zumindest bedenkenswerte Varianten, besonders wenn B, G und P untereinander divergieren (aber auch in diesen Fällen kann man nicht a priori die richtige Lesart bestimmen, ohne alle sprachlichen und inhaltlichen Argumente zu gewichten). Ein interessanter Fall kommt schon c. 1,1 vor. Beide Lesarten calculatorum von E und Pp.c. und calculonum von B, G und Pa.c. ergeben einen sinnvollen Text. Wenn man indes die Klauseln betrachtet, gebührt, wie Paschoud gezeigt hat, calculatorum der Vorzug.91 Ebenso ist in c. 28,3 das von ε überlieferte ereptus e … conspectu dem von B und G gebotenen erepto … conspectu vorzuziehen, weil die Junktur e conspectu mit einem Verb des Entfernens viel besser belegt ist als das bloße erepto conspectu.92 An Stellen, an denen sowohl innerhalb der β-Klasse als auch innerhalb der ε-Klasse Divergenzen vorhanden sind, kann die Parallelüberlieferung von Nutzen sein. So hat c. 8,3 E zusammen mit G und P wie Iordanes in der Parallelüberlieferung die Zahl XVIII, während B und W die Zahl XVII bieten. Aus diesem Grund kann man G, P und E den Vorzug geben. 93 An manchen Stellen gibt es aber nur schwache sachliche Argumente für die eine oder andere Lesart: so spricht etwa in c. 9,3 für das von B überlieferte vocatur (G und P haben an dieser Stelle eine Lücke) gegen nominatur von ε die Parallelstelle Iord. Rom. 221, an der quae Adrianopolis vocitantur steht. Da die Parallele nicht wörtlich ist, darf man sie nicht zu stark gewichten.94 Ebenso ist in c. 11,4 das von β überlieferte cognominaretur dem nuncuparetur von ε vorzuziehen, da Festus an drei weiteren Stellen cognominari, dagegen nuncupare an keiner weiteren verwendet.95 Hingegen gibt es in c. 28,2 für den Vorzug der Lesart transtulit von β gegenüber transvexitS. 248 von ε, das die durchgeführte Handlung (milites in ulteriorem ripam repente) ebenso in angemessener Weise ausdrückt, weder sprachliche noch inhaltliche Gründe. Aus diesem Grund kann man keine allgemeine Regel aufstellen, sondern muss an jeder Stelle zunächst den Sprachgebrauch des Festus prüfen und inhaltlichen vor rein paläographischen Kriterien den Vorzug geben.

Der in der Regel negative kritische Apparat wird bei mehr als zwei Varianten oder unterschiedlichen Verbesserungsvorschlägen zur besseren Übersicht positiv.

5. Bemerkungen zur Orthographie

In den verschiedenen berücksichtigten Codices (hauptsächlich B, G, P, E und W) kommen zahlreiche orthographische Varianten und eindeutige Abschreibfehler besonders hinsichtlich von Personen- und Ländernamen vor. Diese werden in der vorliegenden Ausgabe in der Regel stillschweigend vereinheitlicht und der in den modernen lateinischen Editionen üblichen Schreibweise angepasst, aber, um den kritischen Apparat nicht unnötig zu belasten, nicht vermerkt. Dabei handelt es sich durchweg um Varianten, die das Resultat des Sprachgebrauchs und der Schreibpraxis der mittelalterlichen Kopisten sind und nicht auf Festus selbst zurückgehen. Ebenso werden Sonderfehler der berücksichtigten Handschriften und willkürliche Schreiberänderungen nur ausnahmsweise, vor allem bei Eigennamen und Zahlenangaben angegeben. Die im folgenden exemplarisch aufgeführten orthographischen Varianten und Fehler (vor allem bei Namen) sind in dieser Edition der in modernen Ausgaben gebräuchlichen Schreibweise angepasst worden.

ae statt e findet man z. B. in c. 9,2 glaciae βEW statt glacie und umgekehrt e statt ae in Europe in GVRKO (ebenso eurupe in E) statt Europae in B; c. 9,3 und 4 Hemimontanos in BGPSR statt Haemimontanos in V, ebenso schon c. 8,1 Velarie in P statt Valeriae der übrigen Codices und c. 14,2 Palestina in ε statt Palaestina in β. Ähnlich e statt oe in c. 8,1 Mesiam VSERWO statt Moesiam in BGP und umgekehrt c. 9,3 coepit in BPSW statt cepit (caepit E) in GVKOA und c. 14,2 Armoeniorum statt Armeniorum in G.

Die Vertauschung von i und y findet man in c. 3,2 Libyrni in BGS statt Liburni in PRWKS, c. 7,4 Illirios in ε statt Illyrios in β und ebenso c. 13,1 Ciprus in EKA statt Cyprus in den übrigen Handschriften.

Ebenso fehlt in den meisten Codices sehr häufig in griechischen Fremdwörtern, die die Buchstaben θ, φ und χ enthalten, bei der transkribierten S. 249Form das h, etwa in c. 7,2 Corintus in E statt Corinthus, ebenso c. 8,3 Tessalia in EWK statt Thessalia in den übrigen Codices; c. 9,1 Tracia statt Thracia in allen Codices; c. 10,3 Rodis in EWKOA statt Rhodis und c. 11,4 Arcelaus in EW statt Archelaus in den übrigen Codices; c. 14,2 Adrianus ε statt Hadrianus und c. 14,4 Partos in EW statt Parthos in β. Hingegen ist das h parasitär etwa in c. 7,3 Machedonia in B statt Macedonia der übrigen Codices (ebenso in c. 7,4 Machedonibus B), c. 7,5 Bathone in β statt Batone in E und c. 13,3 amichis in E statt amicis in allen anderen Handschriften. In griechischen Fremdwörtern wird oft f statt ph geschrieben, so etwa c. 14,1 fylarchi in B (filarchi GPVSO und fularci E) statt Phylarchi oder c. 14,3 Eufraten statt Euphraten in allen Handschriften außer P.

Bisweilen fällt vor einem Sibilianten der Nasallaut weg, so c. 8,2 tras in E statt trans in den übrigen Handschriften. Ebenso werden in E manchmal b und v vertauscht, so in c. 8,1 Drabum statt Dravum und c. 8,2 Decivalo statt Decibalo. Selten kommt die Verwechslung von g statt c in c. 15,2 glibanariis in B statt clibanariis in den übrigen Codices vor.

Bei einigen Konsonanten fehlt die Geminatio, so c. 8,1 Marcomani in E statt Marcomanni in den übrigen Codices; umgekehrt werden bisweilen Konsonanten geminiert wie in c. 14,1 Sarracenorum in ε statt Saracenorum in BGPSA (ebenso Sarracenos in c. 16,3 in ε). Von den vielen Sonderfehlern in E sei hier noch erwähnt, dass stets Formen von agust- statt august- vorkommen (etwa c. 8,1 agusta). Auch die Bewohner von Adiabene werden c. 21,2 in β Aziabenos genannt, das davon abgeleitete Adjektiv Adiabenicus ebenda schreiben die meisten Codices Aziabenicus.96

Zahlreiche orthographische Versehen und Sonderformen, die eindeutig sind und nur einen Codex betreffen, werden nicht vermerkt: So weist auch der beste Codex B verschiedene Fehler auf: etwa c. 4,4 saed statt sed; c. 9,4 adquaesitaestatt adquisitae; c. 13,3 fomam statt formam; c. 7,2 hat E qualiquando statt qui aliquando und c. 13,2 supermo statt supremo; c. 11,4 hat P magestatem statt maiestatem.

6. Sprache und Stil

Trotz des weitgehenden Anschlusses an das klassische Latein ist Festus’ Sprache, die sich durch hyperkorrekte Formen wie deciens (c. 8,2) oder S. 250 noviens (c. 27,1) auszeichnet, ähnlich wie Eutrop von den Phänomenen des Spätlateins geprägt. 97 In Bezug auf den von Festus gebrauchten Wortschatz, erkennt man eine Vorliebe für seltene Wörter; so ist etwa das Wort limitanei (c. 25,2) bei Festus zum ersten Mal in einem literarischen Text bezeugt.

Während in den ersten neun Kapiteln, die die geographische Beschreibung des Reiches enthalten, bei der Gliederung der Perioden vor allem die Parataxe vorherrscht und der Eindruck einer gewissen Monotonie vermittelt wird, nehmen ab c. 10 die Nebensätze zu. Ab c. 15, in dem die Erzählung des Konflikts zwischen Römern und Persern beginnt, sind die Satzstrukturen wohl aufgrund der größeren Komplexität des behandelten Gegenstandes und des höheren Engagements des Autors, vielleicht aber auch wegen des Wechsels der benutzten Quellen, komplizierter und umfassen neben partizipialen Konstruktionen vermehrt Nebensätze. 98 Trotz der Kürze und der Monotonie der Aufzählungen zeigt Festus gerade im letzten Teil des Werks (c. 25–29) eine stilistisch komplexere Ausarbeitung und beträchtliche rhetorische Fertigkeiten, weshalb schon Wölfflin Festus’ „rhetorisch gefärbte“ Sprache in Gegensatz zum nüchternen Eutrop gestellt und mit Florus verglichen hat.99 Baldwin erkennt Parallelen zur Sprache der Historia Augusta.100

Ausführlich hat zuletzt Mouchová einige stilistische Eigentümlichkeiten untersucht und anhand vieler Beispiele aus dem gesamten Werk vor allem die Funktion der Wortstellung, der Sperrung (manchmal verstärkt durch Alliteration, Homoioteleuton und rhythmische Klauseln) und der meist asyndetischen Aneinanderreihung der Sätze zur Vermittlung wichtiger Konzepte und zur eindeutigen Lenkung der Rezeption der Leser aufgezeigt. 101 Sie kommt zum Schluss, dass Festus mit seiner Schrift „ein breiteres Publikum S. 251…, von Gebildeten und von nur halbwegs Gebildeten“ zu erreichen suchte.102 Kiss hat mithilfe der Textlinguistik die Wortstellung und die Funktion der Satzkonnektoren in der spätantiken Prosa und besonders bei Festus untersucht und ebenso aufgezeigt, dass Festus die Wortstellung durchaus intentional und funktional zur Lenkung der Rezeption einsetzt. 103

Weitere auktoriale Mittel zur Rezeptionssteuerung sind Werturteile durch Superlative. So werden c. 6,1 die Kriege gegen die Gallier als gravissima, c. 9,1 der thrakische Stamm der Skordisker als saevissimi, Nero c. 20,1 als turpissimus imperator bezeichnet. Kunstvoll ist der Kommentar c. 10,4 zu den Rhodiern, die experti primum infestissimis sumus, post eisdem fidelissimis auxiliatoribus utebamur. Neben der Antithese, die durch die Superlative und die chiastische Wortstellung verstärkt wird, dient auch die Tatsache, dass das zweite Kolon länger ist, zur Erzeugung von Emphase. Weitere Mittel, um der Erzählung einen persönlichen Stempel aufzudrücken und zu einem récit motivé zu machen, sind die Verwendung der 1. Person (c. 3,1 intimabo, c. 10, 1 explicabo, c. 15,1 enumerabo), der Einschub von persönlichen Kommentaren (c. 23,2 quod turpe dictu est) und Spekulationen in if-not-Sätzen, wie z. B. seine Wertung in c. 28,2 apertas Ctesiphontis portas victor miles intrasset, nisi maior praedarum occasio fuisset quam cura victoriae zeigt (ebenso c. 27,2).104

Festus verwendet auch rhetorische Figuren wie Polyptoton (c. 1,1), Hyperbaton (z. B. c. 12,1 consequenti locorum magis quam temporum servata digestione und c. 22,1 admodum Romani gubernacula suscepit imperii), Variatio der Konstruktionen (c. 30,2 dei nutu et ab amico … numine, wo sich ein mit einem Attribut im Genetiv versehener instrumentaler Ablativ mit einer präpositionalen Konstruktion mit Adjektiv abwechselt und vielleichtS. 252 ein Hendiadyoin bildet)105 und manchmal auch literarische Reminiszenen wie eine Vergiljunktur (c. 27,4).106 Mit Recht betont Fele schließlich, dass das Werk „con intenti letterari, in una lingua sostanzialmente vicina al latino classico, non rigida e conservatrice, ma aperta alle possibilità espressive del patrimonio della lingua viva“ verfasst worden ist. 107 Dafür spricht auch die durchgehende Rhythmisierung des Texts durch den Gebrauch von Klauseln.108


1 Vgl. Fele, Breviarium 31–43, bes. 35 Tabelle 2.

2 Kelly, Roman world 75. In der Budé-Ausgabe von M.-P. Arnaud-Lindet lautet der Verfasser lediglich ‚Festus‘, vgl. auch Rohrbacher, Historians 57.

3 So auch in der jüngsten Ausgabe von Bettenworth / Schenk. F. Gasti, La letteratura tardolatina, Rom 2020, 96 spricht ebenfalls von „Rufio Festo“.

4 Handschrift B (vgl. zu den Handschriften Kap. II.1.), ferner Reeve, Rez. Arnaud-Lindet 511 mit Verweis auf weitere Zeugen.

5 Vgl. Not. dign. or. 19,6 f. und occ. 17,11 mit Jones, Later Roman Empire, Bd. 1, 367 f. und 504 f.

6 Vgl. auch unten im Kommentar die historische Erläuterung zur Stelle.

7 Schmidt, Rufius Festus 207 f. PLRE 1,334 f. Festus 3: „He is to be identified with Festus v.c., magister memoriae and author of the Breviarium.“ Die Abfassung des Breviariums fällt in die Zeit des magisterium memoriae, vgl. zuletzt Kelly, Ammianus 152 (zwischen 370 und Mai 371).

8 Amm. 29,2,23–28.

9 Vgl. Amm. 29,1,42 und Zos. 4,15 mit Hartmann, Der spätantike Philosoph 1560–79. Währendetwa Lenski, Failure of Empire 230–32 in der Prozesswelle keine systematische Heidenverfolgung sieht, vertritt Hartmann 1589 f. eine gegenteilige Position.

10 Eunap. vit. soph. 7,80–83. Goulet, Eunape de Sardes 234: „La séquence des événements est assez confuse.“

11 Eunap. vit. soph.. 7,81 καίτοι γε οὐδέποτε φήϲαϲ θεραπεύειν θεούϲ, ἀλλ᾽ οὓϲ ἐκόλαϲεν ἅπανταϲ διὰ τοῦτο ἀνῃρηκώϲ (Übers. nach Becker).

12 Hartmann, Der spätantike Philosoph 1576 Anm. 436.

13 Siehe unten im Kommentar die historischen Erläuterungen zu den jeweiligen Stellen.

14 Vgl. auch Paschoud, Zosime II.2, 362. Die von den Boer, Minor Roman historians 182 Anm. 34 und Hartmann, Der spätantike Philosoph 1576 Anm. 436 geäußerte Annahme, unter Valens habe es innerhalb eines kurzen Zeitraums zwei magistri memoriae mit dem Namen Festus gegeben, hat schon Eadie, Breviarium 6 f. als „rather improbable“ verworfen.

15 Vgl. Schmidt, Rufius Festus 208. R. v. Haehling, Die Religionszugehörigkeit der hohen Amtsträger des Römischen Reiches seit Constantins I. Alleinherrschaft bis zum Ende der Theodosianischen Dynastie, Bonn 1978, 145 f. geht auf die Episode um den Tempelbesuch nicht ein.

16 1,1 de breviario rerum gestarum populi Romani brevem fieri clementia tua praecepit.

17 Dies wird in 1,2 weiter bestätigt, vgl. den historischen Komm. zur Stelle.

18 Vgl. Baldwin, Festus 207 (kaiserlicher Auftrag nicht zwingend); Peachin, The purpose of Festus’ Breviarium 159 mit Anm. 10; Maier, Palastrevolution 320; 323 und Antiqueira, Festus 298 Anm. 11, wobei die Autoren sich auf das Werk als Ganzes beziehen, vgl. aber weiter unten.

19 Den Boer, Minor Roman historians 173 f.

20 Vgl. Arnaud-Lindet, Festus XV und Bettenworth / Schenk, Kleine Geschichte 18 f. Gleichwohl hat Festus Eutrops Breviarium nachweislich als Quelle benutzt, vgl. Komm. zu 22,2 einen Grabhügel in 20 Meilen und 21,3 Als Antoninus.

21 Die neuzeitliche Kapitelzählung schließt – anders als bei Eutrops Breviarium – die Praefatio als Kapitel 1 mit ein.

22 1,2 accipe ergo, quod breviter dictis brevius conputetur, ut annos et aetatem rei publicae ac praeteriti facta temporis non tam legere tibi … quam numerare videaris. Siehe zur Struktur der Praefatio den Komm. zu 1,1 f. Von dem Breviarium.

23 Zur Bedeutung von numerare siehe den Komm. zu 1,2 aufzuzählen.

24 Rohrbacher, Historians 61 erkennt die Korrelation zwischen Praefatio und des unmittelbar nachfolgenden Textes, allerdings nur hinsichtlich Kapitel 2: „This (sc. Praefatio) is an introduction not so much to the entire work, but rather to the subsequent chapter”.

25 Vgl. Eadie, Breviarium 99: „Festus repeats and amplifies in another context almost all the information contained in this chapter (sc. Kapitel 3)”; Fele, Il breviarium 162 f.

26 Auch die Alpes Cottiae und die beiden Raetiae kommen später nicht mehr vor, was sich daraus erklärt, dass sie in der Spätantike zur Diözese Italia Annonaria gehören, vgl. S. 227.

27 In der ältesten Handschrift (E) fehlt das gesamte Kolon (de Illyrico Histri, Liburni, Dalmatae domiti sunt), was aber nicht zwingend bedeutet, dass es sich bei dem Textpassus in den übrigen Handschriften um eine Interpolation handelt.

28 Theoretisch wäre denkbar, dass Festus das breviarium aus freien Stücken für den Kaiser verfasst hat und dieser daraufhin die Abfassung eines brevis verlangt hat.

29 Lenski, Failure of Empire 187: „Festus organized his history geographically rather than chronologically.“

30 Die Illusion der zeitlichen Reihenfolge wird bis 12,1 aufrechterhalten, als Festus mit der Ausdehnung über den Taurus ausdrücklich zu einer geographischen Abfolge wechselt.

31 Vgl. 4,6 (Africa); 5,3 (Hispaniae); 6,4 (Galliae, Aquitania [= Viennensis], Britanniae); 8,3 (Illyricum [= Pannoniae, Moesiae]) und 9,4 (Thraciae); dazu Rohrbacher, Historians 61: „An eastern provincial list is lacking, perhaps because it would have been unnecessary at the eastern court.“

32 Siehe auch unten im Komm. die historische Erläuterung zu 4,1.

33 Vgl. den Boer, Minor Roman Historians 197: „Festus commission was not to give a list of all the lands of the Empire, but of the conquered territories.“

34 Hier ergibt sich eine gewisse Parallele zur Königszeit, die ebenfalls in der „Kurzübersicht“ abgehandelt wird und in der Darstellung selbst nicht mehr auftaucht.

35 Nur noch das Verb parebo in 1,1 nimmt dieselbe prominente Position ein, sonst stehen Verben der 1. Pers. sing. immer am Kolonende.

36 Als Ganzes bildet das Breviarium freilich ein in sich geschlossenen Gesamtwerk, das sich in fünf Abschnitte untergliedern lässt, die an die Partes orationis erinnern: Prooemium (Kap. 1), Propositio (Kap. 2–3), Narratio (Kap. 4–14), Argumentatio (Kap. 15–29), Peroratio (Kap. 30).

37 Die Doppelungen werden mitunter als besondere Emphase aufgefasst, vgl. den Boer, Minor Roman Historians 206 und B. Bleckmann, Der Bericht des Petros Patrikios über den Frieden von 298, in: Goltz / Schlange-Schöningen, Zeitalter Diokletians und Konstantins 73–90, hier 86 f.

38 Vgl. etwa Baldwin, Festus 206: „It does little but adumbrate what is to come, employing very similar phraseologies, and is of no obvious utility“; Mouchová, Breviarium 146: „reine[s] Übersichtskapitel … für die Konflikte mit den Parthern/Persern“; ferner den Boer, Minor Roman historians 206.

39 Vgl. Fleury, De rebus bellicis, XXIV (und LII zur Datierung zwischen 366 und 370) und Nickbakht, Einleitung (KFHist B 2) 19 f. zu Aurelius Victor.

40 Die Communis opinio geht hingegen davon aus, es sei Valens’ eigener Wunsch gewesen, „über die Großtaten der Tradition, vor allem aber über die Qualitäten der Amtsvorgänger … unterrichtet zu werden“, so Schmidt, Rufius Festus 209.

41 Eutr. praef. res Romanas ex voluntate mansuetudinis tuae ab urbe condita ad nostram memoriam, quae in negotiis vel bellicis vel civilibus eminebant, per ordinem temporum brevi narratione collegi, strictim additis etiam his, quae in principum vita egregia extiterunt, ut tranquillitatis tuae possit mens divina laetari prius se inlustrium virorum facta in administrando imperio secutam, quam cognosceret lectione.

42 Gemäß der Communis opinio sind die Kapitel 15–29 integraler Bestandteil des von Valens beauftragten Breviariums, vgl. zuletzt Bettenworth / Schenk, Einleitung 19 mit Anm. 34, vgl. aber Peachin, The purpose of Festus’ Breviarium 159 mit Anm. 10.

43 Anders Rohrbacher, Historians 62: „The introduction to this section (15,1) suggests the instructions Festus had received from Valens.“

44 Maier, Palastrevolution 318; 321.

45 10,1: nunc Eoas partes totumque Orientem ac positas sub vicino sole provincias qui auctores sceptris tuis paraverint, explicabo, quo studium clementiae tuae, quod in isdem propagandis habes, amplius incitetur.

46 Zur ähnlichen Wirkungsweise bei Eutrop vgl. Bleckmann, Einleitung (KFHist B 3) 7.

47 Vgl. Mouchová, Breviarium 150.

48 Vgl. Lenski, Failure of Empire 195, anders etwa Grote, Another look; Elm, Death and the Tigris; Antiqueira, Festus.

49 Eutr. 2,9,1–4; 4,17,1; 4,26,1 und erneut 10,17,2, vgl. dazu Bleckmann, Einleitung (KFHist B 3) 16–18.

50 Vgl. Bird, Eutropius and Festus 12: „the Breviarium gives the impression that one of the aims of his (sc. Eutropius) work was to persuade Valens … to pursue a vigorous policy against Sapor and recover the provinces and fortresses given up by Jovian“; Lenski, Failure of Empire 195: „in keeping with the precedents of Roman history, he (sc. Valens) was obliged to break [Jovian’s treaty]“, gleichzeitig hält Lenski, 188 Anm. 187 fest, dass „the personal role of these authors (sc. Eutropius and Festus) in actively directing Valens’s eastern policy“ überschätzt werde.

51 Vgl. Schmidt, Eutropius 204; Maier, Palastrevolution 319; Mouchová, Breviarium 153 denkt an ein „breiteres Publikum … von Gebildeten und von nur halbwegs Gebildeten“.

52 Zitat aus DNP 2, 770 s. v. Breviarium. Die Hypothese wurde verbreitet durch Momigliano, Pagan and Christian historiography 85 f.; vgl. jüngst Gasti, La letteratura tardolatina 95 und Bettenworth / Schenk, Rufius Festus 17.

53 Dem Werk des Festus hat Mouchová, Breviarium 152: „schon wegen seines speziellen Themas“ einen solchen Zweck abgesprochen, vgl. entsprechende Einwände bezüglich Aurelius Victors Breviarium bei Nickbakht, Einleitung (KFHist B 2) 15 f.

54 Vgl. R. Turcan, L’abandon de Nisibe et l’opinion publique (363 ap. J.-C.), in: R. Chevallier (Hg.), Mélanges d’archéologie et d’histoire offerts à A. Piganiol, Bd. 2, Paris 1966, 875–90.

55 Vgl. Bleckmann, Einleitung (KFHist B 3) 10 f.

56 Dazu Nickbakht, Einleitung (KFHist B 2) 16–20.

57 Itin. Alex. 2 ac si quid ex eo iuverim vel praeierim, vicem sciam in me etiam redundaturam, quoniam quisque mortalium iure naturae in eo se plus diligit, a quo ipse defenditur.

58 Vgl. oben S. 220 mit Anm. 6.

59 Vgl. dazu Eadie, The Breviarium 21–32; Arnaud-Lindet, Festus xxv–xxxiv und Fele, Il breviarium 8–13

60 So etwa Eadie, The Breviarium 25 und Fele, Il breviarium 9 f.

61 Dazu Arnaud-Lindet, Festus xxxiv.

62 Vgl. dazu besonders die Beschreibung von Eadie, A fragment in Copenhagen 93–95, für den dieser Codex weder zur β- noch zur ε-Klasse gehört, sondern eine Mischung beider Traditionen darstellt, auch wenn eine Reihe von Lesarten, die nur C bezeugt, durchaus auf eine eigenständige Tradition hinweisen könnte (so hat C etwa c. 27,1 veris et gravibus pugnis, β dagegen verum pugnis, in 27,3 fügt C bello nach Narasarensi autem hinzu), doch weist Eadie 94 f. mit Recht darauf hin, dass „these modifications and additions may not have been obtained from a lost MS; indeed, they may all be the result of independent scribal ‘error’ of the kind in which misreading and stylistic emendation both play a part; … bello could have been suggested by the context. Thus, it is entirely possible that the Copenhagen fragment is a freely emended descendant of the β tradition.“ Anders Schmidt, Rufius Festus 210, für den C Vertreter einer dritten Klasse von Codices ist. Dagegen lässt Fele, Il breviarium 10 die Frage offen, ob C eine eigenständige Klasse bildet.

63 Ausführlich dazu jetzt Verweij, The Festus Manuscript 121–140, der den Codex und seine Geschichte beschreibt.

64 Eadie, The Breviarium 26–31. Einige weitere, besonders italienische Codices führen Reeve, Rez. Arnaud-Lindet 511 und Fele, Il breviarium 10 f. an.

65 Arnaud-Lindet, Festus xxxiv und 1 unterscheidet zwischen rekonstruierten Manuskripten, die mit griechischen Kleinbuchstaben angegeben werden, und den Übereinstimmungen zwischen den Codices, die mit griechischen Großbuchstaben ausgedrückt werden.

66 Vgl. dazu Eadie, The Breviarium 32–35, Arnaud-Lindet, Festus xxxv f. und Fele, Il breviarium 11 f.

67 Förster, Die Escorialhandschrift 303–9. Im Gegensatz zu Eadie, The Breviarium 22, der Förster bei der Kollation mangelnde Sorgfalt unterstellt, bemerkt Arnaud-Lindet, Festus xxxvii f. Anm. 115, dass in fast allen Fällen die Lesarten von Förster und nicht diejenigen von Eadie mit ihrem eigenen Befund übereinstimmen.

68 So etwa c. 21,1 ex statt est.

69 Vgl. dazu Barnes, Rez. Eadie 323, der vor allem kritisiert, dass zu viele Druckfehler vorkommen; so etwa c. 2,2 XXXVIII statt XXXVII, c. 3,4 provinciae statt provincias, c. 7,6 Pannoniarum statt Pannoniorum, c. 17,2 regis statt regiis.

70 Darauf weisen besonders Winterbottom, Rez. Arnaud-Lindet 264, der vor allem kritisiert, dass zu viele Sonderfehler und sinnlose Varianten angegeben werden, ebenso François, Rez. Arnaud-Lindet 417 f. und Fele, Il breviarium 12 hin.

71 Vgl. dazu Fele, Il breviarium 13.

72 Fele, Il breviarium 19 Anm. 51.

73 Vgl. Paschoud, Chronique d’historiographie tardive 314.

74 Marconi, Rez. Fele 425 zur Verwendung der Partizipien: „È così disegnata una tappa della storia del participio nella lingua latina; ma non sono evidenziate le singole, puntuali caratterizzazioni con cui Festo vuole mettere in rilievo un interesse storiografico particolare.“

75 Das von vielen Editoren und Gelehrten als Werktitel gebrauchte Breviarium rerum gestarum populi Romani geht auf die Handschrift G zurück und wurde in dieser Form von Förster und Wagener übernommen.

76 Der als Werktitel gebrauchte Breviarium ab urbe condita geht auf Mommsen, Breviarium ab urbe condita, Hermes 1 (1866) 486 zurück. Die Handschriften überliefern diesen dagegen ähnlich wie bei Festus uneinheitlich, so haben etwa GF incipit breviarius eutropi, CM incipit breviarium eutropii, I incipit liber I breviarii eutropii de rebus romanis, A incipit liber eutropii de principibus romanis.

77 Dazu Eadie, The Breviarium 13 f., Arnaud-Lindet, Festus xv und Fele, Il breviarium 19–25. Zum Titel bei Eutrop vgl. Groß, Einl. Eutrop (KFHist B 3) 24–32.

78 Wölfflin, Das Breviarium des Festus 69–72 und 173 f. meint, dass Festus mit dem Titel ausdrücke, dass er ein breviarium von Eutrops Breviar verfasst habe; dabei umschreibe de breviario einen Genetiv breviarii. Schon von Schanz / Hosius, Geschichte der römischen Literatur 83 wird dies aber als „unmöglich“ zurückgewiesen, da in diesem Fall ein Hinweis auf den gekürzten Autor Eutrop im Titel gestanden hätte. Ebenso lehnt Den Boer, Minor Roman Historians 173 f. diesen Titel aus sprachlichen Gründen ab.

79 Schmidt, Rufius Festus 209 hält diesen Titel für gesichert. Arnaud-Lindet, Festus xv glaubt, dass der Ablativ de breviario durch den Zusatz des Verbs incipit in den Nominativ breviarium verwandelt worden sei.

80 Vgl. dazu Fele, Il breviarium 19–25.

81 Vgl. zum ersten Satz auch die Diskussion im Kommentar zur Stelle.

82 Vgl. dazu am ausführlichsten Arnaud-Lindet, Festus xxv–xxxix.

83 Arnaud-Lindet, Festus xxv.

84 So mit Recht Winterbottom, Rez. Arnaud-Lindet 265: „Eadie suggested (p. 3) that 'the author first may have presented a copy of the Breviarium to Valens and later … a second copy to Valentinian'. … A(rnaud-Lindet) accepts the hypothesis without discussion or acknowledgement (pp. xxv-vi), and extends it to explain the divergent attributions to Festus and to Ruf(i)us Festus. Unfortunately, that divergence marks off Π (d. h. β ) from Σ (d. h. ε ), not E from Δ (d. h. η ) within Σ. And it is in itself improbable that a second authorial version, or even its dedication, should survive only in a sub-class of Σ. Indeed, one should hesitate to trust Δ in anything. A. remarks that it displays ‘quelques corrections et la modification de phrases a connotation paienne’ (p. xxxi); but that has no implication that such changes are authorial. Δ in fact shows all the signs of being a banalized vulgate; one notes in a single sub-section, 9.1, etiam Π, corrupted to sed iam in E and omitted for the sense in Δ; callidi Π corrupted (before multa) to gallidium in E and rescued with callidum genus in Δ; and quod (before humanum) Π, corrupted to que in E, and emended to atque in Δ.“ Ebenso Reeve, Rez. Arnaud-Lindet 510 und Fele, Il breviarium 13.

85 Während Eadie, The Breviarium 21–25 und ders., A fragment 93 drei Klassen B, γ und ε bestimmt hat, geht Schmidt, Rufius Festus 210 sogar von vier unabhängigen Traditionslinien aus: B, C (beide aus Italien), ε zusammen mit η (aus Spanien) und γ (aus Frankreich); zustimmend Fele, Il breviarium 11, ohne selbst aber die Frage zu vertiefen. Doch nimmt aufgrund der hohen Zahl von Übereinstimmungen zwischen B und γ Arnaud-Lindet, Festus xxvi mit Recht an, dass beide Linien von einem Subarchetyp β, der sich von der ε-Klasse unterscheidet, abstammen.

86 Fele, Il breviarium 13: „A parte le sicure sviste tipografiche e pochi casi, assolutamente irrilevanti, di differenze grafiche, le edizioni critiche esistenti sono tra loro coincidenti in larga misura e le divergenze, numerose, ma per lo più di entità minima. Sono dovute nella maggior parte dei casi all’accoglimento della lezione di codici diversi: solo in pochi casi gli editori, e quasi esclusivamente nella restituzione di nomi propri, si discostano dalla tradizione manoscritta.“

87 Ähnlich die von Arnaud-Lindet, Festus xxv getroffene und von Fele, Il breviarium 10 akzeptierte Auswahl. Vgl. auch den ausführlichen kritischen Apparat der Edition von Arnaud-Lindet, Festus.

88 Das Digitalisat der Handschrift ist unter https://bavarikon.de/object/SBB-KHB-00000SBB00000095 verfügbar.

89 Vgl. Fele, Il breviarium 176.

90 Vgl. Fele, Il breviarium 452.

91 S. philol. Komm. zu 1,1 calculatorum.

92 S. philol. Komm. zu 28,3 ereptus e suorum conspectu.

93 S. philol. Komm. zu 8,3 XVIII ... ⟨superiorem, Dardaniam⟩.

94 Von modernen Editoren haben Förster, Arnaud-Lindet und Bettenworth / Schenk, Rufius Festus 56 nominatur gewählt, während Eadie, The Breviarium 38 und Fele, Il breviarium 298 f. vocatur bevorzugen. Dagegen meint Winterbottom, Rez. Arnaud-Lindet 265, dass im Archetyp wie in G und P ein Verb fehlte. Da aber Festus in keinem Relativsatz das Verb auslässt, aber G und P auch andere Wörter auslassen (etwa c. 7,3 est oder c. 27,3 expeditionem), und, wie Fele, Il breviarium 299 anmerkt, eine solche Ellipse nicht dem Stil des Festus entspricht, sollte man die Lesart von B wählen.

95 S. philol. Komm. zu 11,3 cognominaretur.

96 Auch in Eutrop 8,18,4, der hier über dasselbe berichtet, haben die Codices die Formen Azabenos bzw. Azabenicus. Die Form mit z statt d ist inschriftlich CIL VIII 306 Aziabenico belegt.

97 Dazu Fele, Il breviarium 73–87 und zur Satzstruktur auch Moreno Ferrero, Estructura 692–95.

98 Dazu Fele, Il breviarium 79–84 mit einer statistischen Auswertung der Perioden; ebenso Muchová, Das Breviarium des Festus 150 f.

99 Wölfflin, Das Breviarium 73 f. und 174–180 illustriert die Besonderheiten von Festus’ Sprache und Stil, die sowohl dichterische Elemente als auch Phänomene, die typisch für das Spätlatein sind, enthalten. Ebenso steht er für Cizek, La poétique 119 f. wie Florus in der Tradition der livianisch geprägten Historiker.

100 Dazu Baldwin, Festus the Historian 212–17 zu den sprachlichen Eigentümlichkeiten in Bezug auf das verwendete Vokabular. Insgesamt hält er Festus’ stilistische Fähigkeiten für gering, auch wenn er einige Stilmerkmale hervorhebt: „The stylistic aspirations of Festus are patent. Some of his flights go back to classical models, both prose and poetry. It does not have to be presumed that his acquaintance with these was always secondary. Even the humble author of the De rebus bellicis knew a Virgilian tag.“

101 Dazu Mouchová, Das Breviarium des Festus 143–56.

102 Mouchová, Das Breviarium des Festus 153.

103 Kiss, Schéma narratif 255–63.

104 Vgl. dazu Bettenworth / Schenk, Rufius Festus 37: „Festus’ Darstellung ist darüber hinaus durch auktoriale Kommentare geprägt, die an manchen Stellen die historische Berichterstattung durchbrechen bzw. ergänzen. Ein Beispiel ist Kap. 27,3, in dem Festus in einem konditionalen Satzgefüge darüber spekuliert, wie die Schlacht bei Elis hätte gewonnen werden können. Durch Attribute, mit denen Festus einzelne Kaiser belegt, lässt er ebenfalls seine persönliche Meinung in die historische Berichterstattung einfließen.“ Zu den Beinahe-Situationen im Homerischen Epos vgl. H. G. Nesselrath, Ungeschehenes Geschehen. ‘Beinahe’-Episoden im griechischen und römischen Epos von Homer bis zur Spätantike (BzA 27), Stuttgart 1992 und in der klassischen Historiographie C. Scardino, Gestaltung und Funktion der Reden bei Herodot und Thukydides (BzA 250), Berlin 2007, 145, 327, 649 und 736 f.

105 S. philol. Komm. zu 30,2 dei nutu et ab amico ... numine indulta felicitas.

106 S. philol. Komm. zu 27,4 invicti viribus.

107 Fele, Il breviarium 87.

108 Dazu allgemein Fele, Le clausole. Kritisch Paschoud, Chronique d’historiographie tardive 315, der Zweifel am Fortbestehen einer quantitierenden metrischen neben einer akzentuierenden rhythmischen Prosa im 4. Jh. äußert.

Erklärung der Siglen, Zeichen und Abkürzungen in Text und Apparat

B cod. Bambergensis E III 22, 9. Jh.
G cod. Gothanus Memb. I. 101, 8./9. Jh.
P cod. Parisinus 6113a, 10. Jh.
V cod. Vindobonensis 451, 12. Jh.
S cod. Parisinus 5822, 12./13. Jh.
β consensus codicum BGPVS
γ consensus codicum VS
E cod. Escorialensis R II 18 (olim Ovetensis), 7. Jh.
W cod. Vindobonensis 89, 9. Jh.
K cod. Parisinus 6114, 11. Jh.
O cod. Vindobonensis 323, 12. Jh.
R cod. Parisinus nouv. acq. lat. 310, 12. Jh.
ε consensus codicum EWKOR
η consensus codicum WKOR
A cod. Bruxellensis 4659, 15. Jh.
{aaa} vom Editor getilgte Buchstaben
⟨aaa〉 vom Editor hinzugefügte Buchstaben
(aaa) vom Editor aufgelöste Abkürzungen
⟦aaa⟧ vom Schreiber oder anderer Hand getilgte Buchstaben
ạạạ unsicher erhaltene Buchstaben
[aaa] vom Editor in einer Lücke ergänzte Buchstaben
.... unleserliche Reste von Buchstaben
[ ] Zahl der in einer Lücke verlorengegangenen Buchstaben
* vom Schreiber freigelassener Raum im Umfang eines Buchstabens
Ba.c. Lesart in B vor der Korrektur (ante correctionem)
Bp.c. Lesart in B nach der Korrektur (post correctionem)
Bcorr. korrigierte Lesart in B (was vorher in B stand, ist unklar)
Bmarg. Lesart am Rand (in margine) von B
add. addidit vel addiderunt
cf. confer
corr. correxit vel correctus, -a, -um
del. delevit
dub. dubitanter
fort. fortasse
in marg. in margine
litt. litterae
om. omisit vel omiserunt
s. l. supra lineam
sc. scilicet
transpos. transposuit vel transposuerunt
ut vid. ut videtur

Breviarium Rufi Festi v. c. magistri memoriae

ante breviarium add. incipit codd.

breviarium festi vc magistri memoriae B : festi breviarium P : breviarium rufi festi vc (vic E) EW : om. scripsitque in marg. (alt. man.) rufi festi G


1. (1) de breviario rerum gestarum populi Romani brevem fieri

de breviario om. W

clementia tua praecepit. parebo libens praecepto, quippe cui desit facul-

prae­ceptis ε

tas latius eloquendi, ac morem secutus cal­cu­la­torum, qui ingentes sum-

5mas aeris brevioribus exprimunt, res gestas signabo, non eloquar. (2)

ceris η

accipe ergo, quod breviter dictis brevius conpu­te­tur, ut annos et aetatem

quod β : que E : om. η

dicta η

con­putentur ε

sissime princeps, quam numerare videaris.

videaris βη : audearis. finit praefatio E

2 de breviario om. W3 prae­ceptis ε4 cal­cu­la­torum Pp.c.E : calcu­lo­num BGPa.c. : cal­ca­to­rum W5 ceris η6 quod β : que E : om. η6 dicta η6 con­putentur ε7 annos et aetatem P : annos ac aetatem B : annos aetatem G : anos hanc ce­ci­ta­tem E : annosam vetustatem η : annosam aetatem Arnaud-Lindet7 tibi om. ε7 glo­riose ε8 videaris βη : audearis. finit praefatio E

2. (1) ab urbe condita in ortum perennitatis vestrae, quo prosperius

post urbe add. igitur η

quo  –  est β : que p. fortuna fratrum imperii Romani sortita est E : om. η

10fra­trum imperium Roma sortita est, anni numerantur MCXVII. sic sub

CCCXVII BP | sic om. η

sic om. η

re­gi­bus anni numerantur CCXLIII, sub consulibus anni CCCCLXVII,

CCCCXLVII G

sub im­peratoribus anni CCCCVII. (2) regnarunt Romae per annos

CCCVI G | regna­verunt ε

regna­verunt ε

CCXLIII re­ges numero VII. Romulus regnavit annos XXXVII;

CCXLIIII E

XXXVI W

senatores per qui­nos dies annum unum; Numa Pompilius regnavit annos

15XLIII; Tullus Hos­tilius regnavit annos XXXII; Ancus Marcius regnavit

XXXI E | an­cus om. E

an­cus om. E

annos XXIIII; Pris­cus Tarquinius regnavit annos XXXVIII; Servius

XXXIIII E

Tullius regnavit annos XLIIII; Lucius Tarquinius Superbus expulsus

lu­cius om. η

ante expulsus add. qui P

regno est anno XXIIII. (3) consules fuerunt a Bruto et Publicola in Pan-

regno Gε : a r. P : om. B

anno XXIIII B : annos XXIIII γ : anno XXIIIo E : XXV anno W

sam et Hirtium nu­mero DCCCCXVI praeter eos, qui in eundem annum

20sorte aliqua sunt subrogati, per annos CCCCLXVII. novem enim annis

CCCCXLVII E

novem enim annis β : et enim annos E : novem annis η


9 post urbe add. igitur η9 quo  –  est β : que p. fortuna fratrum imperii Romani sortita est E : om. η10 CCCXVII BP10 sic om. η11 CCCCXLVII G12 CCCVI G12 regna­verunt ε13 CCXLIIII E13 XXXVI W15 XXXI E15 an­cus om. E16 XXXIIII E17 lu­cius om. η17 ante expulsus add. qui P18 regno Gε : a r. P : om. B18 anno XXIIII B : annos XXIIII γ : anno XXIIIo E : XXV anno W19 DCCCCXVI BGP : DCCCCXVII VS : CCCCXVII EW19 propter G20 CCCCXLVII E20 novem enim annis β : et enim annos E : novem annis η


Romae con­sules defuerunt: ita sub decemviris annis duobus, sub

con­sules om. E | ita om. η

ita om. η

tribunis militari­bus annis tribus, sine magistratibus Roma fuit annis quattuor.

sine magistratibus om. GPa.c.

(4) impe­ra­tores ab Octaviano Caesare Augusto in Iovianum fuerunt

ante in add. usque ε

nu­mero XLIII per annos CCCCVII.

nu­mero γ : anni B : om. ε | LXIII E

LXIII E


1 con­sules om. E1 ita om. η2 sine magistratibus om. GPa.c.3 ante in add. usque ε3 nu­mero γ : anni B : om. ε4 LXIII E

53. (1) sub his igitur tribus imperandi generibus (hoc est regio, consu-

lari, im­peratorio) quantum Roma profecerit, breviter intimabo. sub re-

gibus septem per annos CCXLIII non amplius quam usque Portum

CCLXIII E

atque Os­tiam intra octavum decimum miliarium a portis urbis Romae,

utpote ad­huc parvae et a pastoribus conditae, cum finitimae circum civi­ta­tes

10 pre­merent, Romanum processit imperium. (2) sub consulibus, inter quos

precessit E | imperium om. ε | inter β : in EW

imperium om. ε

inter β : in EW

non­numquam et dictatores fuerunt, per annos simul CCCCLXVII

CCCCXLVII B

Italia us­que trans Padum occupata est, Africa subacta est, Hispaniae ac-

italia … padum BGP : ita … padum italia ε

est‌1 om. ε

his­pa­nias EW

cesse­runt ε

Histri, Liburni, Dalmatae domiti sunt, ad Achaiam transitum est, Mace-

histria P | ad Bε: in P : om. G

ad Bε: in P : om. G

15do­nes subacti, cum Dardanis, Moesis et Thracibus bellatum est, et ad

Da­nu­vium usque perventum. (3) in Asia expulso Antiocho primum

pedem posuere Romani; Mithridate victo Pontus regnum eius occupa-

tum est; Armenia minor, quam idem tenuerat, armis obtenta est; in Me-

est‌1 β : et ε | quem EW

quem EW

so­po­tamiam Romanus pervenit exercitus; cum Parthis foedus initum

20est; contra Carduenos ac Saracenos et Arabas bellatum est; Iudaea om-

ad arabes E

nis victa est; Cilicia et Syriae in potestatem populi Romani pervenerunt;

et om. BGP | syria B

syria B

Ae­gypti reges foederati erant. (4) sub imperatoribus vero per annos

annis B

CCCCVII, cum diversa rei publicae fortuna multi principes imperarent,

accesserunt Romano orbi Alpes Maritimae, Alpes Cottiae, Raetiae, No-

post accesserunt add. tamen η, autem E

romani urbi W

Norica Arnaud-Lindet : noricae γε : norici B

25ri­ca, Pannoniae, Moesiae, et omnis ora Danubii in provincias est red-

mesia ε

provinciam η

acta. Pontus omnis, Armenia minor, Oriens totus cum Mesopotamia,

maior Förster

Assyriis, Arabia et Aegypto sub imperii Romani iura transivit.

assyriis (assariis P) βE : assyri η : assyria Wagener

arabiae EW

aegypto γ : aegyptus B : egyptii E : aegyptum W

iure P


7 CCLXIII E10 precessit E10 imperium om. ε10 inter β : in EW11 CCCCXLVII B12 italia … padum BGP : ita … padum italia ε12 est‌1 om. ε12 his­pa­nias EW12 cesse­runt ε13 de illyrico BGP : india illiricum W : deinde inIllyrico Arnaud-Lindet14 histria P14 ad Bε: in P : om. G17 pontus β : pontis E : ponti W17 eius om. ε18 est‌1 β : et ε18 quem EW20 ad arabes E21 et om. BGP21 syria B22 annis B24 post accesserunt add. tamen η, autem E24 romani urbi W24 Norica Arnaud-Lindet : noricae γε : norici B25 mesia ε25 provinciam η26 maior Förster27 assyriis (assariis P) βE : assyri η : assyria Wagener27 arabiae EW27 aegypto γ : aegyptus B : egyptii E : aegyptum W27 iure P


4. (1) quo ordine autem singulas provincias Romana res publica

autem βη : ut est E

adse­cuta sit, infra ostenditur. prima provinciarum Sicilia facta est. eam

victo Hierone, Siculorum rege, Marcellus consul obtinuit. deinde a

prae­to­ri­bus recta, postea est commissa praesidibus, nunc a consularibus

5ad­mini­stra­tur. (2) Sardiniam et Corsicam Metellus vicit, triumphavit de

Sardis (rebellavere saepe Sardi). iuncta administratio harum insularum

rebellavere saepe Sardi om. ε

administratio harum β : administratione consulariumque ε

fuerat, post suos praetores habuit, nunc singulae a praesidibus reguntur.

post β : que E : quae W

a om. G

geruntur G

(3) in Africam pro defensione Siculorum Romana arma transmissa sunt.

per defensionem ε

ter Africa rebellavit; ad extremum deleta per Africanum Scipionem Car-

carthago ε

10thagine provincia facta est, nunc sub proconsulibus agit. (4) Numidia ab

consulibus E

ami­cis regibus tenebatur; sed Iugurthae ob necatos Adherbalem et

tenebantur B

Hiemp­salem, filios Micipsae regis, bellum indictum est, et eo per Me-

tellum consulem adtrito, per Marium capto in populi Romani potes­ta-

adtrito  –  capto Bε : adtributo γ | in om. G

in om. G

tem Numidia pervenit. (5) Mauritaniae a Boccho obtentae sunt. sed sub-

a om. G

15acta omni Africa Mauros Iuba rex tenebat, qui in causa belli civilis ab

quia W

Augusto Caesare victus mortem sibi propria voluntate conscivit. (6) ita

Mau­ritaniae nostrae esse coeperunt ac per omnem Africam sex pro­vin-

nostrae  –  ipsa om. G

ciae factae sunt: ipsa, ubi Carthago, est proconsularis, Numidia consu­la-

ris, Byzacium consularis, Tripolis et duae Mauritaniae, hoc est Siti-

20fensis et Caesariensis, sunt praesidales.

praesidiales ε

2 autem βη : ut est E6 rebellavere saepe Sardi om. ε6 administratio harum β : administratione consulariumque ε7 post β : que E : quae W7 a om. G7 geruntur G8 per defensionem ε9 carthago ε10 consulibus E11 tenebantur B13 adtrito  –  capto Bε : adtributo γ13 in om. G14 a om. G15 quia W17 nostrae  –  ipsa om. G19 byzacium GPW : bizantia B : bizancium E19 tripoli EW20 praesidiales ε

5. (1) Hispanis primum auxilium adversum Afros per Scipionem

tuli­mus. rebellantes Lusitanos in Hispania per Decimum Brutum

spaniam EW

obtinui­mus et usque Gadis ad Oceanum mare pervenimus. postea ad

et γε : sed B | Gades E

Gades E

Hispanos tu­multuantes Sylla missus eos vicit. (2) Celtiberi in Hispania saepe

tu­multuantes  –  vicit om. ε

syllanus Aa.c. , unde Silanus Foerster

celtiberos ε

ante in add. qui η

25rebella­vere, sed misso iuniore Scipione cum excidio Numantiae subacti

rebella­vere BPE : bellavere G : rebellabant η

22 spaniam EW23 et γε : sed B23 Gades E24 tu­multuantes  –  vicit om. ε24 syllanus Aa.c. , unde Silanus Foerster24 celtiberos ε24 ante in add. qui η24 rebella­vere BPE : bellavere G : rebellabant η


sunt. omnes prope Hispaniae Sertoriani occasione belli per Metellum et

pene ε

Pompeium in dicionem acceptae sunt; postea prorogato quin­quennii

imperio a Pompeio perdomitae sunt. ad extremum quoque ab Octaviano

Cae­sare Augusto Cantabri et Astures, qui freti montibus resistebant,

5 de­leti sunt. (3) ac per omnes Hispanias sex nunc sunt provin­ciae: Tarra­co-

­nen­sis, Carthaginiensis, Lusitania, Gallaecia, Baetica, trans fretum

carthagine BGP

lusitani E

freta ε

etiam in solo terrae Africanae provincia Hispaniarum est, quae

in solo BEW : insulae P : solae G

est om. GP

tingitana VRKO : tingi BGP : tingitania EW

Tingi­tana Mauretania cognominatur. ex his Baetica et Lusitania con­sulares,

ceterae sunt praesidales.

praesidales BPη : praesidiales ε : praesidiades G

1 pene ε2 dicionem BGE : deditionem P : dictionem W | post dicionem add. nostram P4 cantabri et astures BGP : : cantabres astures E : cantabros astures W4 resistetur B6 carthagine BGP6 lusitani E6 freta ε7 in solo BEW : insulae P : solae G7 est om. GP7 tingitana VRKO : tingi BGP : tingitania EW9 praesidales BPη : praesidiales ε : praesidiades G

106. (1) cum Gallis gravissima bella populus Romanus habuit. Galli

populi Romani G | habuit om. G

habuit om. G

enim etiam eam partem Italiae, in qua nunc Mediolanum est, usque ad

Rubi­conem fluvium tenebant, in tantum viribus freti, ut Romam ipsam

viribus om. ε

bello pe­terent et caesis exercitibus Romanis moenia urbis intrarent,

et om. GP

ante moenia add. apud alliam fluvium EW

Capi­to­lium obsiderent, ad cuius arcem sescenti nobilissimi senatores

obsiderent GPE : obsederint B : Wobsederent

nobilissimi senatores β : nobiles simul senatores EW

15confu­ge­rant; qui mille auri libris se ab obsidione redemerunt. postea Gallos

milia GP | ab om. B

ab om. B

cum victoria remeantes Camillus, qui in exilio erat, collecta de agris

multi­tu­dine oppressit; aurum et signa, quae Galli ceperant, reportavit.

multitudinem W

ceperant E : coeperant BGP : coepe W

(2) cum Gallis multi consules, praetores ac dictatores eventu vario

conflixerunt. Marius Gallos de Italia expulit, transcensis Alpibus feliciter

20 adversus eos pugnavit. (3) C. Caesar cum decem legionibus, quae terna

C B : G GP : ceterum ε

quae terna Bε : quaterna GPa.c. : qui quaterna Pp.c.

milia mi­li­tum Italorum habuerunt, per annos VIIII ab Alpibus ad Rhenum

annos BGη : anno P : annis E | VIII ε

VIII ε

usque Gallias subegit, cum barbaris ultra Rhenum positis conflixit,

in Brittan­niam transivit, decimo anno Gallias et Brittannias tributarias

fecit. (4) sunt in Gallia, Aquitania et Brittanniis provinciae decem et

in gallia β : Galliae cum ε | et om. EW

et om. EW

25octo: Alpes Mari­timae, provincia Viennensis, Narbonensis, Novempopulana,

Aqui­taniae duae, Alpes Graiae, Maxima Sequanorum,


10 populi Romani G10 habuit om. G12 viribus om. ε13 et om. GP13 ante moenia add. apud alliam fluvium EW14 obsiderent GPE : obsederint B : obsederent W14 nobilissimi senatores β : nobiles simul senatores EW15 milia GP15 ab om. B16 16 multitudinem W17 ceperant E : coeperant BGP : coepe W20 C B : G GP : ceterum ε20 quae terna Bε : quaterna GPa.c. : qui quaterna Pp.c.21 annos BGη : anno P : annis E21 VIII ε24 in gallia β : Galliae cum ε24 et om. EW


Germaniae duae, Bel­gi­cae duae, Lugdunenses duae; in Brittania,

duae‌1 om. ε

bel­gi­cae duae om. B

lugdunensis GEW

britaniae maxime E

Maxima Caesariensis, Fla­via Caesariensis, Brittannia prima, Brittania secunda.

Fla­via Caesariensis om. ε

caesariensis, Brittannia prima om. B


1 duae‌1 om. ε1 bel­gi­cae duae om. B1 lugdunensis GEW1 britaniae maxime E2 Fla­via Caesariensis om. ε2 caesariensis, Brittannia prima om. B

7. (1) Illyr­icum ab ore maritimo paulatim adgressi sumus. Laevinus

Laevinus Wagener : libinus B : lebinus γ : levina ε

con­sul Hadriaticum atque Ionium mare primus ingressus maritimas ob-

hadriatica ε | ionicum EW

ionicum EW

5ti­nuit civitates. Creta per Metellum proconsulem, qui Creticus dictus

proconsulem γη : pro consule B : consulem E

est, provincia facta est. (2) Graecis in fidem nostram confugientibus ad

Achai­am accessimus. Athenienses adversum Philippum, Macedonum

adversus ε

regem, auxilium nostrum petiverunt. libera diu sub amicitiis nostris

petierunt ε

Achaia fuit, ad extremum legatis Romanorum apud Corinthum violatis

10per Lucium Mummium proconsulem capta Corintho Achaia omnis ob-

Lucium om. ε | proconsulem β : consulem EW | corinthus ε

proconsulem β : consulem EW

corinthus ε

ten­ta est. (3) Epirotae, qui aliquando cum Pyrrho rege etiam ad Italiam

transire praesumpserant, victi ac Thessali simul cum Achivorum et

praesumpserunt γ

ac thessali B : a thessaliae P : a thesale G : a thessalis ε

Macedonum regionibus nobis accesserunt. (4) Macedonia ter rebellavit:

sub Philippo, sub Perse, sub Pseudophilippo. Philippum Flamininus,

15Persen Paullus, Pseudophilippum Metellus oppressit; quorum triumphis

Macedonia populo Romano adiuncta est. (5) Illyrios, qui Macedonibus

populo Romano W : p r β : populorum E

iuncta G

illyricos B

quia W

macedonum EW

auxilium tulerunt, ex eadem occasione per Lucium Anicium praetorem

lucium BP : licium G : om. ε

Anicium Förster : ancium BG : mancium P : ancilium ε

vicimus et eos cum rege Gentio in deditionem accepimus. Dardanos et

Moesiacos Curio pro consule subegit et primus Romanorum ducum ad

moesiacos BGEW : moesicos P : Moesios Eadie

curius PW

pro consule B : pro consules G : proconsul εP

20Danubium usque pervenit. (6) sub Iulio Octaviano Caesare Augusto per

Alpes Iulias iter factum est, Alpinis omnibus victis Noricorum pro­vin-

ciae accesserunt. Batone Pannoniorum rege subacto in dicionem no-

stram Pannoniae venerunt. Amantinis inter Savum et Dravum prostratis

regio Saviensis ac secundorum loca Pannoniorum obtenta sunt.


3 Laevinus Wagener : libinus B : lebinus γ : levina ε4 hadriatica ε4 ionicum EW5 proconsulem γη : pro consule B : consulem E7 adversus ε8 petierunt ε10 Lucium om. ε10 proconsulem β : consulem EW10 corinthus ε12 praesumpserunt γ12 ac thessali B : a thessaliae P : a thesale G : a thessalis ε16 populo Romano W : p r β : populorum E16 iuncta G16 illyricos B16 quia W16 macedonum EW17 lucium BP : licium G : om. ε17 Anicium Förster : ancium BG : mancium P : ancilium ε19 moesiacos BGEW : moesicos P : Moesios Eadie19 curius PW19 pro consule B : pro consules G : proconsul εP22 pannoniorum BGp.c.EW : panniorum Ga.c.P


8. (1) Marcomanni et Quadi de locis Valeriae, quae sunt inter Danu-

in ε

vium et Dravum, pulsi sunt et limes inter Romanos ac barbaros ab Au-

augusto W

gusta Vindelicum per Noricum, Pannonias ac Moesiam est constitutus.

pannonicas W

(2) Traianus Dacos sub rege Decibalo vicit et Daciam trans Danuvium

5in solo barbariae provinciam fecit, quae in circuitu habuit decies cen-

deciens Wagener

tena milia passuum; sed sub Gallieno imperatore amissa est et per Aure-

lianum translatis exinde Romanis duae Daciae in regionibus Moesiae ac

Dardaniae factae sunt. (3) provincias habet Illyricus XVIII: Norico­rum

provincias ante noricum transpos. ε

XVIII GPE : XVII BW

10superiorem, Dardaniam, Daciarum duas et in dioecesi Macedonica

macedoniae Bη

provinciae sunt septem, Macedonia, Thessalia, Achaia, Epiri duae,

provinciae om. W

macedoniae W

epiri BP : piri G : pari EW

Prae­valis, Creta.


1 in ε2 augusto W3 pannonicas W5 deciens Wagener8 provincias ante noricum transpos. ε8 XVIII GPE : XVII BW9 post moesiam add. superiorem, Dardaniam Wagener, duce Förster, qui Dardaniam; post Daciarum duas add. Dardaniam Arnaud-Lindet10 macedoniae Bη11 provinciae om. W11 macedoniae W11 epiri BP : piri G : pari EW

9. (1) in Thracias Macedonici belli occasione transcursum est. sae-

ante belli add. una E

vis­si­mi omnium gentium Thraces fuerunt. in Thraciae regionibus etiam

etiam β : sed iam E : om. η

15Scor­disci habitarunt, pariter crudeles et callidi. multa de saevitia prae-

habitaverunt ε

crudeles BGp.c.P : credules Ga.c. : crudeli E : crudele η

callidi β : gallidium E : callidum genus η

dic­torum fabulosa memorantur, quod hostiis captivorum diis suis ali-

quod hostiis β : que hostis E : qui hostes W

quando litaverint, quod humanum sanguinem in ossibus capitum potare

litaverunt η | potare BG : putare P : portare ε

potare BG : putare P : portare ε

sint soliti. (2) saepe per eos Romanus est caesus exercitus. Marcus Di­di-

us vagantes Thracas repressit, Marcus Drusus intra fines proprios conti-

traces ε

20nuit, Minucius in Hebri fluminis glacie vastavit. per Appium Claudium

proconsulem hi, qui Rhodopam incolebant, victi sunt. Europae mariti-

pro consule BP

mas urbes antea Romana classis obtinuit. (3) Marcus Lucullus per Thra­cias

cum Bessis primus conflixit. ipsam caput gentis Thraciam vicit,

Haemimontanos subegit, Eumolpiadam, quae nunc Philippopolis di-

25citur, Uscudamam, quae modo Hadrianopolis vocatur, in dicionem no-

vocatur B : nominatur ε : om. GP

stram re­degit, Cabylen cepit. supra Pontum positas civitates occupavit

cavillam ε

Apolloniam, Calathum, Parthenopolim, Tomos, Histrum; ad Danuvium

galatum EW

13 ante belli add. una E14 etiam β : sed iam E : om. η15 habitaverunt ε15 crudeles BGp.c.P : credules Ga.c. : crudeli E : crudele η15 callidi β : gallidium E : callidum genus η16 quod hostiis β : que hostis E : qui hostes W17 litaverunt η17 potare BG : putare P : portare ε19 traces ε21 pro consule BP25 vocatur B : nominatur ε : om. GP26 cavillam ε27 galatum EW


us­que perveniens Romana Scythis arma monstravit. (4) ita dicioni rei

ita dicioni β : in dicionem ε

pub­licae sex Thraciarum provinciae sunt adquisitae: Thracia, Haemi-

conquisitae ε

montus, Moesia inferior, Scythia, Rhodopa, Europa, in qua nunc se­cun-

dae arces Romani orbis sunt constitutae.

urbis PW | post constitutae add. Constantinopolis ε

post constitutae add. Constantinopolis ε


1 ita dicioni β : in dicionem ε2 conquisitae ε4 urbis PW4 post constitutae add. Constantinopolis ε

510. (1) nunc Eoas partes totumque Orientem ac positas sub vicino

hac posita E

sole pro­vincias qui auctores sceptris tuis paraverint, explicabo, quo

paraverunt EW | qui E

qui E

studium cle­mentiae tuae, quod in isdem propagandis habes, amplius

incitetur. (2) Asia societate Attali regis nota Romanis est eamque Attali

excitetur ε | est om. ε

est om. ε

testa­men­to relictam hereditario iure possedimus. ne quid tamen populus

populus Roma­nus (p r BGP) β : popularem (populare E) ε

10Roma­nus non viribus partum haberet, armis per nos ab Antiocho,

viribus β : iuribus E : viris W

partum BG : partim P: partium ε

Syriarum rege maximo, est vindicata. (3) eadem occasione etiam Lydia,

sedes an­tiqua regnorum, Caria, Hellespontus ac Phrygiae in potestatem

populi Ro­ma­ni iuncta dicione venerunt. (4) Rhodiis et insularum

rhodus BP

populis ex­perti pri­mum infestissimis sumus, post eisdem fidelissimis

expertis E

infestissimis BE : infectissumis Ga.c.P : infecti Gp.c. : infestissimus W

post G : porti B : positi P : pro E

hisdem Gp.c.E

15auxilia­tori­bus ute­ba­mur. ita Rhodus et insulae primum libere agebant,

ute­ba­mur γ : utebatur B : utaebar E : utebar W

postea in consue­tu­dinem parendi Romanis clementer provocantibus

in  –  Romanis om. γ

consuetudine EW

parenti EW

provocatis η

pervenerunt et sub Vespasiano principe Insularum provincia facta est.


5 hac posita E6 paraverunt EW6 qui E7 ante habes add. hereditatem G | habes γ : habens B : habeas ε8 excitetur ε8 est om. ε9 populus Roma­nus (p r BGP) β : popularem (populare E) ε10 viribus β : iuribus E : viris W10 partum BG : partim P: partium ε13 rhodus BP14 expertis E14 infestissimis BE : infectissumis Ga.c.P : infecti Gp.c. : infestissimus W14 post G : porti B : positi P : pro E14 hisdem Gp.c.E15 ute­ba­mur γ : utebatur B : utaebar E : utebar W16 in  –  Romanis om. γ16 consuetudine EW16 parenti EW16 provocatis η

11. (1) Pamphyliam, Lyciam, Pisidiam Servilius pro consule ad

lyciam β : frigiam ε | proconsul Gε

proconsul Gε

bellum pi­ratarum missus obtinuit. (2) Bithyniam Nicomedis defuncti

20regis testa­mento sumus adsecuti. (3) Gallograeciam, hoc est Galatiam

(sunt et­enim, ut nomen resonat, ex Gallis Galatae), quod Antiocho contra

quod β : que E : quaedum η

Ro­manos auxilium praebuissent, invasimus. Mummius pro consule Galatas

praebuisset EW | proconsul ε

proconsul ε

persecutus est et confugientes partim in Olympum,partim in Magabam

mon­tem, qui nunc Modiacus dicitur, de arduis eos in plana detrusit,

destruxit B

18 lyciam β : frigiam ε18 proconsul Gε21 quod β : que E : quaedum η22 praebuisset EW22 proconsul ε24 destruxit B


victos in perpetuam pacem redegit. postea Galatiam Deiotarus tetrar­ches

et traces ε

nobis permittentibus tenuit. ad extremum sub Octaviano Caesare

promittentibus E

Augusto Galatia in speciem provinciae redacta est et eam primus Lolli­us

galatiam BGP | et om. ε | primum ε

et om. ε

primum ε

pro praetore administravit. (4) Cappadoces primum societatem nostram

primum Wagener : primi βE : primo η

5 sub Apafrace rege petiverunt posteaque Ariobarzanes rex Cappa­do­cum

a ­Mithridate expulsus Romanorum armis est re­stitutus. semper inter

est om. EW

auxilia nostra fuere Cappadoces et ita maiestatem coluere Roma­nam, ut in

honorem Augusti Caesaris Mazaca, civitas Cappadociae max­ima,

Cae­sarea cognominaretur. postremo sub imperatore Claudio Cae­sare cum

nuncuparetur ε | postremum ε | ante sub add. cum ε

postremum ε

ante sub add. cum ε

10Archelaus rex Cappadocum Romam venisset et ibi diu detentus

archelaus om. B

rex cappadocum γ : rex cappadocie E : ex cappadocia η : om. B

et ibi β : ibi E : ibique η

tentus (tem- PE) PEW

oc­cu­bu­isset, in provinciae speciem Cappadocia migravit. (5) Pontus per

Pompeium victo Mithridate rege Pontico formam pro­vinciae accepit.

Paphlagoniam Pylaemenes rex, amicus populi Romani, te­nuit. saepe ex

ea pulsus regno a nobis est restitutus. quo mortuo pro­vinciae ius

provincia eius PEW

15Paphla­go­nibus inpositum est.


1 et traces ε2 promittentibus E3 galatiam BGP3 et om. ε3 primum ε4 primum Wagener : primi βE : primo η5 apafrace B : epafrace γ : afrace E : africae W : Ariarathe Arnaud-Lindet5 rege petiverunt β : repetierunt ε6 est om. EW9 nuncuparetur ε9 postremum ε9 ante sub add. cum ε10 archelaus om. B10 rex cappadocum γ : rex cappadocie E : ex cappadocia η : om. B10 et ibi β : ibi E : ibique η10 tentus (tem- PE) PEW13 pylaemenes γ : pylemens B : filimenses E : philemenses W14 provincia eius PEW

12. (1) ultra iuga Tauri montis quemadmodum possessio Romana

per­rexit, consequenti locorum magis quam temporum servata digestione

an perrexerit?

mon­strabitur. (2) Antiochus, Syriae potentissimus rex, bellum formida-

bile po­pulo Romano intulit. trecenta milia armatorum habuit, falcatis

trecenta milia β : CCCC m. E : XL m. W

20etiam curribus et elephantis aciem instruxit; a Scipione consule, fratre

Scipione consule, fratre om. E

consule, fratre Scipionis om. η

Scipi­o­nis Africani, in Asia apud Magnesiam victus pace accepta intra

africano η

Taurum regnare permissus est. eius filii regnum Syriae sub clientela