KFHist: (G 4) Alexandrinische Weltchronik Skip to main content

Ein Editionsprojekt der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

HHUD Düsseldorf

(G 4) Alexandrinische Weltchronik



S. 283

Einleitung

I. Inhalt und historische Einordnung

1905 veröffentlichten der Althistoriker an der Universität Wien A. Bauer und sein Kollege, der Kunsthistoriker J. Strzygowski, illustrierte Papyrus­fragmente, die der russische Sammler W. Golenischtschew1 um 1900 in Gizeh erworben hatte. Nach der Rekonstruktion durch Bauer erwiesen sich die Fragmente als Teil einer typischen christlichen Chronographie,2 nämlich eines Sammel­werks, in dem eine Liste der Inseln Chams (als Teil der im Diamerismos nach der Landung Noahs verteilten Gebiete), eine Liste kleinasiatischer Provinzen, von Prophetensprüchen, von römischen, lake­dämonischen und makedonischen Königen und von lydischen Dynasten ent­halten sind. Dem folgen Consularia, d. h. eine Konsulnliste, die mit zusätz­lichen histori­schen Notizen angereichert ist. In den erhaltenen Blättern der Alexandrini­schen Weltchronik sind es Ereignisse von 383 bis zum Tod des Usurpators Eugenius, der in der Chronik irrig ins Jahr 392 datiert wird, und zur Zer­störung des Sarapeion. Der großenteils zerstörte Text der Chronik kann dadurch rekonstruiert wer­den, dass mit dem Barbarus Scaligeri ein an­scheinend eng verwandter Text erhalten geblieben ist. Dort sind in der gleichen Weise die oben beschrie­benen Listen zusammengestellt und im Consularia-Teil, soweit erkennbar, die gleichen Nachrichten mit Konsuln­listen kombiniert.3 Die Parallelen der Consularia im Barbarus Scaligeri und in der Alexandrinischen Weltchronik erstrecken sich dabei auf die Zeit von 383 bis 389.S. 284

Die Consularia, die Vorlage der beiden Quellen (des Barbarus Scaligeri und der Alexandrinischen Weltchronik) waren, begannen mit der Königs­zeit und reichten bis in die frühe Kaiserzeit. Nach einer Lücke, die zumin­dest beim Barbarus Scaligeri auffällt, setzten die Consularia wieder mit der Regie­rungszeit des Diokletian ein, nämlich wohl kaum zufällig, mit dem Beginn der in Alexandria benutzten diokletianischen Ära. Sie reichten, was die chronographischen Notizen betrifft, mindestens bis ins frühe 5. Jh. Zum Zeitpunkt der Abfassung der Alexandrinischen Welt­chronik war jedenfalls der alexandrinische Bischof Theophilos bereits verstorben.4 Der Text muss daher nach 412 entstanden sein. Nach Bauer, der dafür auch unzutreffende paläographische Argumente anführte, stammt die Chronik aus der ersten Hälfte des 5. Jh.5 Blatt 6 wäre dann so etwas wie ein End- und Höhepunkt der mit Theophilos und der Zerstörung des Sarapeions endenden Chronik gewesen.6

Burgess und Dijkstra, die eine verdienstvolle Neupublikation des Consularia-Teils vorgelegt haben, gehen dagegen davon aus, dass die Consularia-Vorlage des Barbarus Scaligeri und der Alexandrinischen Weltchronik erst aus dem fortgeschrittenen 6. Jh. stammt. Sie illustrieren ihre Hypothesen durch ein Stemma, das im Großen und Ganzen Überlegungen entspricht, die Mommsen in seiner Einlei­tung zu den Consularia Italica vorgebracht hat.7 Da der Barbarus Scaligeri enge Beziehungen zur gemeinsamen Vorlage der Fasti Vindobonenses priores und posteriores aufweise, stehe fest, dass die alexandrinische Quelle dieses Barbarus letztlich diese in der ersten Hälfte des 6. Jh. redigierte Version der Consu­laria Italica benutzt habe.8 Der anonyme Alexandriner habe im fortge­schrittenen 6. Jh.S. 285 diese Fastennachrichten übernommen und in sein Werk integriert, indem er zusätzliche spezifisch alexandrinische Angaben hinzugefügt habe, etwa die Datierung nach der diokletianischen Ära, nach Indiktionen, die Angaben zu den Augustales, die ägyptischen Monats­namen und die Angaben über die Erhebung von Bischöfen sowie spe­zifisch christ­liche Notizen. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt sei schon einmal eine Vorgänger­version der Chronica Italica mit alexandrinischem Material verschmolzen worden. Diese Version sei in den Notizen des Theophanes zu greifen. Allerdings habe diese Version in der vom Barbarus Scaligeri und vom P. Golenischtschew reflektierten alexandrinischen Kompi­lation so gut wie keine Spuren hinterlassen.9

Folgt man dieser eng von Mommsen abhängigen Rekonstruktion, müss­ten in der allerdings ohnehin nicht strengen Systematik der in den „kleinen und fragmentarischen Historiker“ vorgelegten Auswahl die Notizen des P. Golenischtschew eher nach den Consu­laria Italica behandelt wer­den. Wir haben uns dagegen dafür entschieden, die Edition der Alexandri­nischen Weltchronik nach den Consularia Constantinopolitana und der Fastenquelle des Sokrates und vor den Consularia Italica einzufügen, ausgehend von der Überle­gung, dass Verwandtschaften zwischen den Fasti Vindobonenses auf der einen Seite und Barbarus Scaligeri und Alexan­drinischer Welt­chronik zwar nicht geleugnet werden können, dass es aber anderer­seits durchaus Gründe dafür gibt, die alexandrinische Tradition nicht für einen Ableger einer erst im 6. Jh. geformten italischen Tradition zu halten.10 Dabei ist darauf hinzuweisen, dass Mommsen weder die Ale­xandrinische Welt­chronik noch die ebenfalls in einem wesentlichen Punkt mit den Fasti Vindobonenses verwandte Berliner Chronik kannte und daher mög­licherweise nicht genügend berücksichtigt hat, wie weit verbrei­tet die späS. 286ter in die Consularia eingeflossene Modifikation der offiziösen Konstantinopolitaner Stadtchronik im Osten des Reiches war.

Mommsen beschreibt die Entstehung der Consularia Italica als einen Prozess ständiger Erweiterung und Fortsetzung. Basis der Consularia Itali­ca sind die in Konstantinopel zusammengetragenen Fastennachrich­ten,11 die in ständiger Weise variiert und erweitert worden sind, so dass eine exakte quellenkritische Zuweisung angesichts der fließenden Übergänge zwischen redaktionellen Varianten und wirklich neuen Werken kaum möglich ist.12 Mommsen warnt dabei zu Recht davor, bei der Zuordnung zu Einzel­traditionen der Consularia Italica einzelne Anhaltspunkte wie fehler­hafte Konsulndatierungen oder einzelne Formulierungen zu überschät­zen.13 Die­se Warnung gilt aber vielleicht auch für die scharfe Scheidung der italisch-alexandrinischen Tradition von der Konstantinopolitaner Tradition. Das zeigt sich bei einem Vergleich zwischen der Konstantinopolitaner Tradi­tion und der Alexandri­nischen Weltchronik bzw. dem Barbarus Scaligeri. Um den Nachweis anzutreten, soll von einer der Quellen, die die in Kon­stantinopel entstan­dene Grundversion dokumentieren, ausgegangen wer­den, nämlich von Marcellinus Comes, der für die Zeit des Theodosius I. eine besonders voll­ständige, wenn auch partiell durch andere Quellen wie Orosius ergänzte Version darstellt. Neben Marcellinus Comes, werden weitere Zeugen der Konstantinopolitaner Stadtchronik aufgeführt. Bei ihnen kann – was für Marcellinus Comes im Grunde auch zutrifft, aber durchaus auch bestritten worden ist – eine Ver­mittlung einzelner Nachrichten durch eine italische Tradition ausge­schlossen werden. Dies gilt insbesondere für die Fastenquelle des Sokrates sowie für die Consularia Constantinopolitana, die für die Regierungsjahre des Theodosius noch (über 388 hinaus) sehr deutlich mit Marcellinus Comes übereinstimmen. Vergleicht man für Zeit von 380–395 die Stellen aus Stücken der Alexandrinischen Weltchronik, des Barbarus Scaligeri und die insbesondere durch Marcellinus Comes repräsentierte konstantino­poli­tanische Grundversion, wird man feststellen, dass die alexandrinische Tradition einerseits undS. 287 Marcellinus Comes auf der anderen Seite immer nur aus dem gleichen Pool von Informationen schöpfen.14

1.) Für 379 fehlt das Zeugnis des erst später einsetzenden Alexandriner Papyrus. Die Erhebung des Theodosius beschreibt der Barbarus Scaligeri (Exc. barb. 316) knapp: eo anno Theodosius elevatus est in imperio sub Gratiano imperatore in Sirmio kl. Febroār̄. Das entspricht dem Text des Marcell. chron. II 379,1: Theodosius … a Gratiano Augusto apud Sirmium XIIII kalendas Februarias imperator creatus est. Die Consularia Con­stan­tinopolitana (Cons. Const. 379,1) bieten einen fast identischen Text: his conss. levatus est Theodosius Augustus ab Augusto Gratiano. In der Wortwahl stimmen die Fasti Vindobonenses priores (Fast. Vind. I 497) mit den Cons. Const. überein: his cons. Theodosius levatus est imp. a Gra­tiano Sirmi. Sie nennen dabei allerdings als einzige Gratian nicht selbst Kaiser. Alle Versionen sind nahe verwandt. Eine scharfe Scheidung von italisch-alexandrinischer und Konstantinopolitaner Tradition lässt sich nicht vornehmen.

2.) Die erste erhaltene historische Notiz der Consularia des Papyrus gilt der Ermordung Gratians durch Maximus im Jahre 383. Die Rekonstruktion der Notiz der Alexandrinischen Weltchronik lautet (fol. 6 recto 1–4):

[τούτῳ τῷ ἔτει ἐϲφάγη Γ]ρ̣[ατια]-

[νὸϲ ὁ βαϲιλεὺϲ ὑπὸ] Μ̣αξίμου

[τοῦ τυράννου ἐν Λουγδ]ούνῳ πρὸ

[ηʹ Καλ(ανδῶν) Ϲεπτεμ(βρίων), ὅ ἐϲτι]ν Θὼθ κϛʹ

Entsprechend schreibt der Barbarus Scaligeri (321): eo anno occisus est Gratianus imperator sub Maximo tyranno in Leuduna VIII kl. Septembris. Marcellinus Comes (chron. II 383,3) bietet: Gratianus imperator Maximi tyranni dolo apud Lugdunum occisus est VIII kal. Septembris. Eine Entlehnung dieser sich ganz mit dem Tenor des Barbarus Scaligeri deckenden Notiz aus einer italischen Tradition kann bei Marcellinus Comes ausgeschlossen werden, da diese Notiz auch bei Sokrates zu finden ist, der sie zerteilt hat und zunächst über die Tatsache der Ermordung des Gratian berichtet, um dieses Ereignis wenige Paragraphen später präzise zu datieren,S. 288 vgl. Socr. 5,11,6: Γρατιανὸϲ δόλῳ τοῦ τυράννου Μαξίμου ἀνῄρετο und Socr. 5,11,9 (= G 2 fr. 39).15

3.) Falsch in das Jahr 383 wurde von der Weltchronik die Geburt des Honorius datiert (fol. 6 recto 5–9):

[καὶ αὐτῷ τῷ ἔτει ἐγε]ννήθη

[Ὁνώριοϲ ἐν Κωνϲταν]τινουπό‑

[λει πρὸ εʹ Ἰδῶν Ϲεπτεμ]β̣ρίων, ὅ

[ἐϲτιν Θὼθ ιαʹ]

Vermutlich wurden dabei zwei Nachrichten, die im Barbarus Scaligeri noch als separate Nachrichten zu entdecken sind, verschmolzen. Die Betonung, dass ein Ereignis im gleichen Jahr stattfand wie die Ermordung des Gratian, findet sich beim Barbarus Scaligeri (322) zur Erhebung des Arcadius: et eodem anno coronatus est in imperio Arcadius in Con­stan­tinopolim V idus Septembris. Die Nachricht über Honorius wurde dann später (328) angeführt, nämlich zum Jahre 385: eo anno natus est Hono­rius in Constantinopolim V idus Sep.

Wie im Barbarus Scaligeri finden sich beide Nachrichten zu Arcadius und Honorius auch bei Marcellinus Comes, allerdings bei diesem mit kor­rekter Datierung auf das Jahr 383 und 384. Vgl. Marcell. chron. II 383,2: Arcadius patri suo Theodosio Augusto consors imperii septimo ab urbe miliario coronatus est; sowie Marcell. chron. II 384,2: eodem tempore Honorius alter Theodosio natus est filius mense Septembrio. Auch hier schöpfte Marcellinus aus seiner Konstantinopolitaner Zusammen­stellung der Consularia-Nachrichten, vgl. Socr. 5,12,3 (= G 2 fr. 40,2); Cons. Const. 384,2. Dass die Vorlage des Barbarus Scaligeri in ihrer ursprüng­lichen Version sowohl die Geburt des Honorius als auch die Erhebung des Arcadius in das gleiche Jahr setzte (383) und dass damit eine Zuweisung an die Consularia-Italica-Tradition16 möglich sein soll, ist angesichts derS. 289 Störungen in der Anordnung der Ereignisse von 383 bis 384 wohl nicht zwingend. Diese Störungen werden deutlich, wenn man den Zusammen­hang der drei Nachrichten (Erhebung des Arcadius, Mord an Gratian, Ge­burt des Honorius) bei Marcellinus Comes, in den Fasti Vindo­bonenses und beim Barbarus Scaligeri betrachtet.

Bei Marcellinus Comes ist die richtige Anordnung zu lesen, nämlich in der Reihenfolge ABC:

(A) Marcell. chron. II 383,2: Arcadius patri suo Theodosio Augusto con­sors imperii septimo ab urbe miliario coronatus est. Vgl. Cons. Const. 383,1: his. conss. levatus est Arcadius Augustus Constantinopolim etc.

(B) Marcell. chron. II 383,3: Gratianus imperator Maximi tyranni dolo apud Lugdunum occisus est VIII kal. Septembris.

(C) Marcell. chron. II 384,2: eodem tempore Honorius alter Theodosio na­tus est filius mense Septembrio. Vgl. Cons. Const. 384,2: ipso anno natus est Honorius nobilissimus in purpuris die V Id. Sept.

Die Fasti Vindobonenses (502 f.) bieten dagegen die Reihenfolge BCA:

(B) 502: his. cons. Gratianus occisus est a Maximo Leudimo VIII kl. Sept.

(C) eo anno natus est Honorius Constantinopoli V idus Sept.

(A) et levatus est Arcadius.

Der Barbarus Scaligeri (321 f.; 328) wiederum hat die Reihenfolge BAC:

(B) eo anno occisus est Gratianus imperator sub Maximo tyranno in Leuduna VIII. kl. Septembris.

(A) et eodem anno coronatus est in imperio Arcadius in Constanti­no­polim V idus Septembris.

(C) eo anno natus est Honorius in Constantinopolim V idus Sep.

Es mag sein, dass die Vorlage des Barbarus Scaligeri in gleicher Weise wie die Fasti Vindobonenses die Erhebung des Arcadius und Geburt des Ho­norius in das gleiche Jahr platzierte, wenn die Identität des Monatsdatums beim Barbarus Scaligeri diesen Schluss erlaubt.17 Einige WendungenS. 290 hat der Barbarus Scaligeri aber nicht mit den Fasti Vindobonenses gemeinsam. Die Wendung coronatus est für die Erhebung des Arcadius teilt der Barbarus Scaligeri vielmehr mit Marcellinus, während die Wendung levatus est sich in den Consularia Constantinopolitana und in den Fasti Vindobonenses findet. Die Varianten Leuduna / Leudimum ergeben sich aus vulgärlateinischen Formen der Zeit, in der die Handschriften entstanden sind.18 Einen Bindefehler, der die italisch-alexandrinische von der Kon­stanti­no­politaner Tradition scheiden würde, kann man hier wohl kaum erkennen.

4.) Für das Jahr 387 bot die Weltchronik (fol. 6 recto 17–22) eine Notiz über den Bischofs­wechsel:

τούτῳ τῷ ἔ[τει Τιμό]θεοϲ ὁ ἐ‑

πίϲκοποϲ Ἀ̣[λεξανδ]ρ̣είαϲ, ὁ ἀ‑

δελφὸϲ Πέ[τρου τοῦ ἐ]πιϲκό‑

που, ἐτελεύ̣[τηϲεν Ἐπ]ε̣ὶφ κϛʹ

ἰνδικ(τίονοϲ) βʹ κ[αὶ ἐκάθιϲε]ν ἀντ’ αὐ‑

τοῦ Θεόφ[ιλοϲ ἔτη κηʹ]

Der Barbarus Scaligeri (chron. I p. 297, Exc. barb. 325) hat hier (für das Jahr 384): eo anno Timotheus episcopus Alexandrinus obiit Epifi XXVI et sedit pro eo Theofilus archidiaconus annos XXVIII et illos sacrilegos ex­ter­minavit. Eine Parallele hierzu gibt es bei Marcellinus Comes nicht. Man könnte hier mit Mommsen den Eindruck gewinnen, diese Notiz sei einfach der alexandrinischen Redaktion der italischen Vor­lage zu verdanken. Völlig sicher ist dies jedoch nicht. Denn bei Sokrates (5,12,5) findet sich – richtig für das Jahr 38519 – ein gleichartiger, nach Konsuln datierter Eintrag über den Wechsel im Bischofsamt, der somit in der östlichen Consularia-Tradition vorhanden war:20 τῇ δὲ ἑξῆϲ ὑπατείᾳ, ἥτιϲ ἦν Ἀρκαδίου Αὐ­γούϲ­του τὸ πρῶτον καὶ Βαύδωνοϲ, τελευτήϲαντοϲ Τι­µοθέου τοῦ ἐπι­ϲκό­που Ἀλεξανδρείαϲ Θεόφιλοϲ τὴν ἐπιϲκοπὴν ἐκ­δέ­χεται. 21S. 291

5.) Aufgrund des Fehlens einer Parallele beim Barbarus Scaligeri ist die Nachricht, die sich im P. Golenischtschew zum Jahr 387 rekonstru­ieren lässt, sehr schwer zu interpretieren. Ergänzt worden ist der Text (fol. 6 recto 22–26) fol­gendermaßen:

καὶ αὐ‑

τῷ τῷ ἔ[τει Μάξιμοϲ] ἐπήρθη

εἰϲ βαϲιλ[έα πρὸ 1–2 litt. Καλα]νδ(ῶν) Μαρ‑

τίων κα[ὶ ἐϲφάγη . . . ] . ρτω‑

νι πρὸ εʹ Καλαν[δ(ῶν) Ϲεπτ]εμβρ(ίων).

Erstaunlich ist, dass der Bericht über die Usurpation des Maximus noch einmal wiederholt wird, obgleich die Erhebung bereits im Jahre 383 erfolgt war. Weiter scheint es um den eigentlich 388 zu datierenden Tod des Maximus zu gehen. Da viele Quellen als Todesort des Maximus nicht Aquileia selbst nennen, sondern diesen unmittelbar in der Nähe von Aquileia, am dritten Meilenstein, sterben lassen,22 hat Bauer vermutet, dass die Alexandrinische Weltchronik eine Präzision zum Todesort bot.23

Die Parallele mit Marcellinus Comes und verwandten Quellen zeigt aber, dass in der Konstantinopolitaner Tradition zwei Dinge festgehalten wurden, die möglicherweise für die Erklärung der Angaben im Papyrus relevant sind. Es geht dabei um die Notizen, die unmittelbar der Angabe über den Rombesuch des Theodosius im Jahre 389 vorausgehen und damit den gleichen Ort einnehmen, wie die rätselhaften Angaben der Alexan­drinischen Weltchronik. Zunächst wurde für das Jahr 387 zwar nicht über die Usurpation des Maximus berichtet, wohl aber darüber, dass Theodosius gegen den Usurpator aufbrach, vgl. nämlich Marcell. chron. II 387,2: Theodo­sius Magnus Italiam contra Maximum tyrannum pugnaturus ac­cessit.24S. 292 Das könnte die Nachricht der Alexandrinischen Weltchronik über die Erhebung des Maximus im Jahre 387 erklären. Ferner wurde für den Sieg von 388 darauf hingewiesen, dass nicht nur Maximus, sondern auch dessen Sohn Victor bezwungen wurde, vgl. Marcell. chron. II 388,1: Valentinianus Gratiani frater et Theodosius imperatores Maximum tyran­num et Victorem filium eius apud Aquileiam rebellantem vicerunt. Die Provenienz all dieser Nach­richten des Marcellinus Comes aus der östlichen Consularia-Tradition, der Tradition der „Reichsfasten“, ist durch die Paral­lelen mit den identischen Notizen bei Socr. 5,14,1 und Cons. Const. 388,2 f. gesichert, wobei letzterer für Victor auch korrektere Angaben bietet.25 Vielleicht war beim rätselhaf­ten . . . ] . ρτωνι etwas zu lesen, was einem cum Victori (ϲὺν Βίκτωρι) entsprach und auf den Tod des Victor hinwies, der wie Maximus selbst Augustus war. Wichtig ist jedenfalls, dass es keinen wirklich zwingenden Hinweis darauf gibt, dass die Alexandrinische Weltchronik inhaltlich etwas bot, was von den anderen Zeugen der Konstantinopolitaner Stadtchronik abwich, etwa besondere und einmalige Informationen zum Todesort des Maximus.

6.) Für die Nachrichten zum Jahr 389 bietet der Barbarus Scaligeri wieder keine Parallele. Es lässt sich aufgrund der Stellung der Notiz, aber auch aufgrund der Abbildung, die einen großen und einen kleinen Kaiser zeigt, annehmen, dass in Analogie zu den anderen Consularia-Quellen vom Einzug des Theodosius und seines Sohnes Honorius im Jahre 389 die Rede war, vgl. fol. 6 verso 1–5:

[τούτῳ τῷ ἔτει μετὰ τοῦ υἱοῦ]

Ὁν[ωρίου Θεοδόϲιοϲ εἰϲῆλθε]

ἐν [Ῥώμῃ καὶ αὐτὸν εἰϲ βαϲι]-

S. 293

λέ[α ἔϲτεψεν Ἰδ(οῖϲ) Ἰουν(ίαιϲ) καὶ]

ἔδ[ωκε κογγιάριον Ῥωμαίοιϲ].

Bauer schlägt für die Ergänzung des Textes eine Rekonstruktion vor, die in Übereinstimmung mit dem Chronicon Paschale von einer (irrigen) Krö­nung des Honorius ausgeht.26 Sein alternativer Vorschlag läuft auf einen Text hinaus, der ohne die Nachricht von der Krönung auskommt und in etwa den Nachrichten in der ursprünglichen Konstantinopolitaner Tradi­tion entspricht. Einzug und Congiarium, aber nicht die Krönung des Honorius werden in der Tat von Marcellinus Comes bezeugt (chron. II 389,1): Theodosius imperator cum Honorio filio suo Romam mense Iunio introivit, congiarium Romano populo tribuit urbeque egressus est kal. Septembris. Zu vergleichen sind damit Cons. Const. 389; Chron. Pasch. 564,8 f.27 Ein- und Auszug werden auch von den Fasti Vindobonenses priores bezeugt, denen Mom­msen hier eine Nähe zu den Consularia Constantinopolitana be­scheinigt.28

Burgess und Dijkstra gehen davon aus, dass die von Bauer vorgenom­mene Ergän­zung nach dem Chronicon Paschale unzulässig ist und eine Ergänzung nach Theophanes29 vorgenommen werden müsste. Denn: „The Chron. Pasch.’s entry is (…) for the most part a translation of the entry in the Descriptio (…) and is therefore independent of the Cons. Ital. tra­di­tions and so cannot be used as a template for this entry.“30

Selbst wenn aber die Ergänzung nach Theophanes gemacht werden sollte, ist damit in diesem Punkt noch nicht die Verwandtschaft der Ale­xan­drinischen Weltchronik mit der Consularia-Italica-Tradition nachge­wiesen. Denn Mommsen geht zwar in seinen Parallelen zum Text der Fasti Vindobonenses davon aus, dass Theophanes in irgendeiner Form von italischen Traditionen abhängt – was er später revidiert hat –, hält aber gerade das bei ihm enthaltene Detail über die Erhebung des Honorius zum Augustus für einen Zusatz aus dem Chronicon Paschale.31 Auch wenn es sonst eigentlich kein Indiz dafür gibt, dass Theophanes das Chronicon PaschaleS. 294 direkt benutzt,32 ist die Einwirkung einer östlichen Consularia-Tradition bei Theophanes jedenfalls nicht auszuschließen. Die entspre­chende Abbildung (Bild 4), die einen großen und kleinen Kaiser zeigt, hilft in der Entscheidung darüber, was den Inhalt der Notiz betrifft, letztlich nicht weiter. Denn ein Caesar wird nicht anders mit Paludamentum und Weltkugel abgebildet als ein Augustus. Honorius war, als er Rom mit seinem Vater betrat, bereits nobilissimus und auf jeden Fall für jeden als Erbe sichtbar. Einige Jahre oder Jahrzehnte später kann daher auch die kaiserliche Qualität auf den Thronerben und späteren Kaiser im Zusam­menhang auf einer Abbildung mit dem Einzug nach Rom rückprojiziert worden sein. Wenn aber die Illustration darauf hinweist, dass in der Ale­xandrinischen Weltchronik die Nachricht über die Erhebung des Honorius zum Augustus fälschlich mit der Nachricht über den Einzug des Honorius mit seinem Vater in Rom 389 verbunden war,33 würde die Ähnlichkeit mit Theophanes und dem Chronicon Paschale zeigen, dass diese Störung im Pool der Informationen aus derKonstantinopolitaner Tradition verbreitet war.

7.) Zum Jahr 391 ist im Papyrus, fol. 6 verso 12–16 wohl zu lesen:

[τούτῳ τῷ ἔτει Βαλεντινια]-

[νὸϲ ἐτελεύτηϲεν ἐν Βιέννῃ]

[πρὸ δʹ Ἰδῶν Ἰουν(ίων)] κ̣α̣ὶ̣ ἐ̣π̣ή̣ρ-

[θη εἰϲ βαϲιλέα Ε]ὐ̣γ̣ένιοϲ

[πρὸ ιαʹ Καλανδ(ῶν)] Ϲεπτ̣ε̣μ̣β(ρίων),

[ὅ] ἐ̣ϲ̣τ̣ι̣ν Θ̣[ὼθ] κγʹ.

Der Barbarus Scaligeri hat keine Parallelstelle mehr. Ergänzt wurde der Text durch den Verweis auf Marcellinus Comes, der von Burgess und Dijkstra zumindest für diesen Eintrag der Tradition der Consularia Italica zugewiesen wird:34 Valentinianus imperator apud Viennam dolo Arbogasti strangulatus interiit idibus Martiis. Eugenius Arbogasti favore confisus im­perium sibimet usurpavit.35

In den Consularia Constantinopolitana wird die gleiche Nachricht rich­tiger in das Jahr 392 gesetzt: Cons. Const: his conss. Valentinianus iuniorS. 295 apud Viennam est interfectus et levavit se Eugenius tyrannus. Was den genauen Zeitpunkt des Todes des Valentinian II. (Monat und Tag) betrifft, datieren allerdings die Fasti Vindobonenses priores IIII idus Iun. Aufgrund der Anzahl von Buchstaben ist möglicherweise auch der Papyrus in diesem Sinne zu ergänzen.36 Dass die Erhebung des Eugenius auf jeden Fall deut­lich nach dem Tode des Valentinian stattfand, ist histo­risch von großer Bedeutung und spricht möglicherweise für die Historizität des Selbstmor­des Valentinians, die den Arbogast ratlos zurückließ. Das Datum der Erhe­bung des Eugenius, nämlich der 22. August 392, lässt sich durch den ägyptischen Monatsnamen im Papyrus und durch die Parallele in den Fasti Vindobonenses festmachen. Die Frage, ob dieses Datum nur diesen beiden Quellen bekannt war und von daher auf die Zuweisung des ägyptischen Papyrus zur italischen Consularia-Tradition schließen lässt, muss aber offen bleiben. Die Tatsache, dass Eugenius erst nach dem Tode des Valentinianus zum Kaiser erhoben wurde, wird immerhin, wenn auch ohne Datum, von den gerade zitierten Passagen in den Consularia Constan­tinopolitana und von Marcellinus Comes bezeugt.

8.) Falsch datiert, nämlich in das Jahr 392, ist im Chron. Alex. (fol. 6 verso 17–22) der Tod des Eugenius, der in Wirklichkeit ins Jahr 394 gehört:

ρθʹἈρκαδίο̣[υ αὐγ(ούϲτου)] τὸ βʹ καὶ Ῥου‑

φίνου [τοῦ λαμ(προτάτου)] ἐ̣π̣ὶ̣ τ̣οῦ α̣ὐ̣‑

τοῦ Εὐα̣[γρίου αὐγο]υ̣ϲ̣τ̣α̣λ̣(ίου)

Ἀλεξ̣[ανδρείαϲ.]

τού[τῳ τῷ ἔτει ̣ ̣ ]....ιϲ ἐϲ̣φά‑

γη Εὐ̣[γένιοϲ πρὸ] η̣ʹ Ἰ̣δ̣ῶν Ἰα‑

νου̣[αρ(ίων), ὅ ἐϲτιν Θὼθ] η̣ʹ

Auch diese Notiz hat wieder ihre Parallele beim etwas ausführlicheren Marcellinus Comes 394,2: bello commisso Eugenius victus atque captus interfectus est. Allerdings hat dieser sich in seinen Formulierungen hier an Orosius gehalten, so dass er für den Vergleich ausfällt. Die Parallelstellen bei Sokrates (5,25,15 f. = G 2 fr. 48) und im Chronicon Paschale (p. 565,9 f. Bonn) halten die Tötung durch Enthauptung fest. Sokrates datiert dasS. 296 Ereignis auf den 6. September 394. Dieses dann verschriebene Datum war, wie die ägyptische Datierung zeigt, wohl auch in der Vorlage der Alexandrini­schen Weltchronik zu lesen.37 Es wird auch – aber nicht nur – in den Con­sularia Italica genannt. Was die Verschiebung in das Jahr 392 betrifft, so ist darauf zu verweisen, dass auch in den Consularia Constantinopolitana die Tötung des Eugenius bereits in die Rubrik des Jahres 392 aufgenom­men worden ist, auch wenn die Consularia deutlich machen, dass die Tö­tung erst später stattfand: his conss. Valentinianus iunior apud Viennam est interfectus et levavit se Eugenius tyrannus. postmodum Theodosius Augus­tus occidit Eugenium. Die Parallele mit den Consularia könnte den Irrtum der Alexandrinischen Weltchronik erklären.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich für jeden der vorgestellten Einzelfälle also Übereinstimmungen der Zeugen der alexandrinischen Chronistik mit dem konstantinopolitanischen Consularia-Material, d. h. mit Marcellinus Comes, den Consularia Constantinopolitana und der Fastenquelle des Sokrates, aufzeigen lassen. Der Vergleich wird dadurch erschwert, dass der Barbarus Scaligeri bereits in der Mitte der 80er Jahre abbricht und die Chronik des P. Golenischtschew extrem lückenhaft ist. Um deutlich zu machen, wie nahe sich für die Epoche der Herrschaft des Theodosius, die von den beiden Zeugen der alexandri­nischen Chro­nistik hier beleuchtet werden, italische und Kon­stantinopolitaner Tradition sind, sind noch einige Beobachtungen zum Vergleich zwischen den Fasti Vindobonenses priores und Marcellinus Comes bzw. den ande­ren Ver­tretern der Konstantinopolitaner Tradition zu machen. Aus den engen Parallelen geht deutlich hervor, dass gerade für die Ereignisse der theodosianischen Zeit, in der östliche und westliche Chroni­stik zusammen­treffen, die Fasti Vindobonenses erkennbar auf Konstanti­nopolitaner Material zurückgegriffen haben:

389 his cons. Theodosius Romam introivit cum Honorio idus Iunias et exivit inde III kl. Septemb.

Vgl. Marcell. chron. II 389,1: Theodosius imperator cum Honorio filio suo Romam mense Iunio introivit, congiarium Romano populo tribuit ur­be­que egressus est kal. Septembris.

390: His consulibus signum apparuit in caelo quasi columna pendens per dies XXX.

S. 297

Vgl. Marcell. chron. II 390,1: Signum in caelo quasi columna pendens ar­densque per dies triginta apparuit.

391: his cons. defunctus est Valentinianus Viennae IIII idus Iun.

Vgl. Marcell. chron. II 391,1: Valentinianus imperator apud Viennam interiit idibus Martiis.

391: Eo die levatus est Eugenius imp. XI kl. Sept.

Vgl. Marcell. chron. II 391,3: Eugenius Arbogasti favore confisus im­pe­rium sibimet usurpavit.

393: his cons. tenebrae factae sunt die Solis hora III.

Vgl. Marcell. chron. II 393: tunc quippe hora diei tertia tenebrae factae sunt.

393: Et levatus est Honorius imp. Constantinopoli in miliario IIII. a Theo­dosio patre suo.

Vgl. Marcell. chron. II 393: Honorium pater suus Theodosius in eodem loco quo fratrem eius Arcadium Caesarem fecit, id est septimo ab urbe re­gia miliario.

Die Gemeinsamkeiten zwischen der alexandrinischen Chronik (der Vorlage des P. Golenischtschew und des Barbarus Scaligeri) und den Fasti Vindobonenses belegen damit vor allem, dass Fasti Vindobonenses und alexandrinische Chronik einen gemeinsamen Pool von aus Konstantinopel stammenden Fastennachrichten benutzt haben. Dass es hier eine besonders große Übereinstimmung zwischen alexandrinischer und ravennatischer Tradition gibt, dürfte zwar deutlich sein. Für die theodosianische Zeit ist aber diese Übereinstimmung nicht von der Art, dass zwingend nach­weisbar ist, dass die alexandrinische Tradition von den Consularia Italica im Redaktionszustand des 6. Jh. abhängig ist.

Für die vortheodosianische Zeit gibt es dagegen eine gewisse Anzahl an Übereinstimmungen zwischen den Fasti Vindobonenses und dem Barbarus Scaligeri, die vielleicht signifikanter sind und eine spezifische Verwandt­schaft gerade zwischen diesen beiden Quellen deutlicher erkennen lassen. Bei einer genauen Betrachtung legen aber auch diese Übereinstimmungen keineswegs zwingend nahe, dass die alexandrinische Tradition erst im 6. Jh. von der italischen abgeleitet worden ist. Vielmehr genügt auch hier die Annahme, dass ein gemeinsamer Grundpool an Informationen genutzt worden ist und, soweit dies angesichts ständiger redaktioneller Vermi­schungen überhaupt erkennbar ist, sich die alexandrinisch-italische Tradition schon vor dem 6. Jh. von der Konstantino­politaner abgespalten undS. 298 dann zu voneinander unabhängig entwickelten alexandrinischen und italischen Versionen geführt hat.

Es geht dabei um die Diskussion von ganz wenigen Fällen: Bei den Nachrichten über den Tsunami von 365 bestehen große wörtliche Entspre­chungen zwischen den Fasti Vindobonenses und dem Barbarus Scaligeri, die in ähnlichen Wendungen auf das Moment der Flut und der Rückflut hinweisen.38 Beim Barbarus Scaligeri (chron. I p. 294, 271) ist zu lesen: eo anno maris ascendit et iterum recessit X k. Augustas. Die Fasti Vindobonenses priores bieten handschriftlich: his cons. maris actessa et accessa fuit XII Kl. Augustas. Die Fasti Vindobonenses posteriores his conss. maris accessa recessa fecit per omne litus XII kl. Augustas. Die Notiz der Consularia Constantinopolitana weicht deutlich ab: His conss. mare ultra terminos suos egressum est die XII kal. Aug.39 Das könnte dafür sprechen, dass hier italische und konstantinopolitanische Tradition ge­schieden werden können. Allerdings beweist ein Blick auf die von Sokra­tes benutzte Fastenquelle, dass auch dort in der Fastennotiz nach einem ersten Teil, in dem in Entsprechung mit den Consularia Constanti­nopolitana über das Verlassen der eigenen Grenzen berichtet wird, genau das Hin und Her von Flut und Rückflut betont worden ist (Socr. 4,3,4 = G 2 fr. 20): ἥ τε θάλαϲϲα τοὺϲ οἰκείουϲ ὅρουϲ ἐνήλλαξεν· ἔν τιϲι µὲν γὰρ τόποιϲ τοϲοῦτον ἐπέκλυϲεν, ὥϲτε τοὺϲ πρώην βαϲίµουϲ τόπουϲ πλεῖϲθαι, ἑτέρων δὲ τόπων τοϲοῦτον ἀπέϲτη, ὡϲ ἐν ξηρᾷ εὑρεθῆναι τοὺϲ πλέονταϲ. Es kann sich also bei der Betonung von Flut und Rückflut im Prinzip um eine Variante im Informationspool der Konstantinopolitaner Consularia-Tradition handeln, aus der die Consularia Italica-Tradition des 6. Jh. und eine alexandrinische Tradition unabhängig vonein­ander ge­schöpft haben.

Auffällig ist vor allem die Datierung der Translation der Apostel Lukas und Andreas nach Konstantinopel im Jahr 336,40 die von der in den Consu­laria Constantinopolitana und bei Hieronymus zu findenden Datierung inS. 299 das Jahr 356 abweicht.41 Für die Frage, wann sich die von den Consularia Italica und vom Barbarus Scaligeri repräsentierte Tradition von der Kon­stantinopolitaner Tradition abgespalten hat, ist diese Notiz für Mommsen von entscheidender Bedeutung. Die fehlerhafte Notiz sei auf den 556/57 verstorbenen Bischof Maximian zurückzuführen, der in der Mitte des 6. Jh. die sukzessive angewachsenen Ravennater Annalen noch einmal redigiert habe42 und dabei, durch seinen Konstanti­nopelbesuch und sein besonderes Interesse für die Reliquien des Andreas inspiriert, eine falsche chronolo­gische Einordnung vorgenommen habe.43 Der Barbarus Scaligeri muss nach dieser Deutung eine Tradition repräsentieren, die erst nach Maximian entstanden ist und direkt aus den Fasti Vindobonenses geschöpft hat.44 Demgegenüber kann darauf hingewiesen werden, dass die Nachricht, die Reliquien der Apostel Lukas und Andreas seien bereits in der Zeit Konstantins nach Konstantinopel gelangt, nicht vereinzelt ist. Zunächst findet man diese Nachricht auch in der Berliner Chronik (KFHist G 3) mit einem im Großen und Ganzen mit den Consularia Constantinopolitana überein­stimmendem Stück zur Geschichte des 4. Jh. Burgess und Dijkstra sehen hier ein Indiz dafür, dass die Berliner Chronik Nachrichten aus den Consularia mit solchen aus der im 6. Jh. geprägten Tradition der Fasti Vindobonenses zusammengeführt habe.45 Man kann das aber eben auch als Indiz dafür deuten, dass diese Variante weit verbreitet war und sich in einer Reihe von Redaktionen der Konstantinopolitaner Stadtchronik fand. Dafür spricht auch, dass das Chronicon Paschale ebenfalls nahelegen könnte, die Translation habe schon unter Constantin, nicht erst unter Constantius stattgefunden, und zwar (mit einer geringfügigen Variante gegenüber den FastiS. 300 Vindobonenses) im Jahre 337.46 Ferner belegen auch noch Philostorgios (3,1,2), der die Überführung in die 30er Jahre, unmittel­bar in die Anfangszeit der Regierung des Constantius II. datiert, und einige Verse des Paulinus von Nola eindeutig, dass es eine breite Tradition gab, die die Überführung der beiden Apostel im Zeithori­zont von 336/37 ver­an­kerte.47

Betrachtet man schließlich die Consularia-Nachrichten der Republik und der frühen Kaiserzeit in diesen Quellen, wird man zwar bestätigt fin­den, dass spezifische Fehler eine unleugbare Verwandtschaft zwischen Barbarus Scaligeri und den Fasti Vindobonenses beweisen,48 dass aber auch hier viel dafür spricht, dass die Grundquelle von Barbarus Scaligeri und der Alexandrinischen Weltchronik bereits im 5. Jh. geformt war. Zu den Bindefehlern gehört, dass in der Königsliste, die bei beiden Quellen – den Consularia Italica (Fasti Vindobonenses priores) und der alexandrinischen Tradition – der Konsulnliste vorangestellt ist, jeweils Ancus Marcius fehlt.49 Gerade diese Königsliste, die ebenfalls im P. Gole­nischtschew enthalten war,50 ist aber auf der anderen Seite bei beiden Quel­len durchaus verschieden gestaltet. So hat der Barbarus Scaligeri den Tullus Hostilius ausgeklammert, nennt aber dafür zweimal den anschei­nend im Namen mit Tullus Hostilius verquickten Servius Tullius. Das kann man damit erklä­ren, dass hier eine Liste, die den Tullus Hostilius an fünfter Stelle nennt, mit einer solchen kontaminiert ist, die ihn an zweiter Stelle anführt, und zeigt auf jeden Fall den kompositen und komplexen Charakter dieser von derjenigen der Fasti Vindobonensis deutlich abgeho­benen Liste.51 Auch kennt der Barbarus Scaligeri den König Titus Tatius, der in den Fasti Vindobonenses nicht bekannt ist. Für die Consularia der Republik und der Kaiserzeit ist im Übrigen festzuhalten, dass bisweilen die Fasti Vindobo­nenses mit der Konstantinopolitaner Consularia-Tradition gegen die ale­xandrinische Version scheinbar zusammenfallen, was ein weiterer BelegS. 301 für starke redaktionelle Vermischungen wäre. So heißt es etwa in den Fasti Vindobonenses priores, Chron. min. 1,283, Nr. 157: his cons. Nero de imperio non comparuit. Cons. Const. Chron. min. 1,221, Nr. 68 bietet: his conss. Nero non conparuit. Dagegen hat der Barbarus, Chron. min. 1,283, Nr. 160 vielleicht aufgrund einer missverständlichen Übersetzung seiner griechischen Vorlage: hisdem consulibus Nero de imperio labefactus est.

Bilanzierend ist festzuhalten: Das bei Burgess und Dijkstra angegebene Stemma geht davon aus, dass die Alexandrinische Weltchronik unmittelbar von der ge­meinsamen Vorlage der Fasti Vindobonenses abgeleitet ist. Die Verwandtschaft zu den Fasti Vindobonenses priores und posteriores erklärt sich aber eher daraus, dass es hier um eine Familie von Redaktionen innerhalb einer breit rezipierten Konstantinopolitaner Consularia-Tradition geht. Der durch die Fasti Vindobonenses und der Alexandri­nischen Weltchronik (in den Fassungen des P. Golenischtschew und des Barbarus Scaligeri) verkörperte Strang aus diesen verschiedenen Redakti­onen eines gemeinsamen Informationspools hat sich mit aller Wahrschein­lichkeit nicht erst im 6. Jh. von der Gruppe abgespalten, die durch die Fasti Vindobonenses vertreten ist. Vielmehr kann diese Spaltung, wie gerade die selbständigen redaktionellen Erweiterungen in der Königsliste, aber auch die Varianten innerhalb des aus dem Informationspool der Konstantino­politaner Consu­laria-Materialien zeigen, durchaus zu einem früheren Zeit­punkt erfolgt sein. Damit kann man sich der Position von Bauer nähern, der zwar bereits eine größere Nähe zwischen ravennatischer und alexan­drinischer Tradition gesehen hat, beide Traditionen aber als einen gemein­samen schon im 5. Jh. abgespaltenen Zweig einer Tradition deutet, deren anderer Zweig die Konstantinopolitaner Tradition ist.52 Die Redaktions­tätigkeit des Maximianus von Ravenna ist jedenfalls ein sehr ungewisser terminus post quem für die Bildung der italisch-alexandrinischen Tradi­tionen.

Bauer hat in seinen Ausführungen zur Weltchronik die Produktion sol­cher chronographischen Bücher, wie sie durch die Fragmente des P. Gole­nischtschew repräsentiert werden, gewissermaßen als Massenphänomen aufgefasst. Dies zeigt er unter anderem daran auf, wie sehr die Herstellung dieser Übersichtswerke normiert war, etwa durch eine immer gleiche Gestaltung des Formats der Buchseiten.53 Sicher ist auch, dass in dieser sehrS. 302 routinierten Herstellung von Buchexemplaren es auch immer wieder zu redaktionellen Veränderungen kam und dass bei der Auswahl von Materialien innerhalb eines eng begrenzten Pools immer gleicher Textbau­steine gleichwohl Varianten vorgenommen wurden. In der Alexandrini­schen Weltchronik ist dies etwa darin erkennbar, dass die Liste der Agia­denkönige von derjenigen des Barbarus Scaligeri abweicht. Während der Barbarus eine Liste von elf Königen hat, kennt der P. Golenischtschew nur neun,54 wobei die Auswahl keineswegs willkürlich ist, sondern das bietet, was auch Euseb in seiner Chronik hatte. Einen anderen Fall einer willkür­lichen Auswahl von Material bietet die Liste römischer Könige des Barbarus, wo m. E. zwei Listen unglücklich miteinander verbunden wur­den. Die Existenz eines Augustalis Eusebius statt des Augustalis Florentius in der Alexandrinischen Weltchronik erklärt sich damit, dass der Weltchro­nik eben eine Liste vorlag, die nicht völlig mit derjenigen des Barbarus Scaligeri identisch war.55

Schließlich ist auf den Fall der Berliner Chronik hinzuweisen. Burgess deutet die Tatsache, dass sich diese Liste in einigen Teilen mit der italischen, in anderen mit der Konstantinopolitaner Tradi­tion in Verbin­dung bringen lässt, dahingehend, dass der Redakteur selbst zwei deutlich getrennte Traditionen miteinander verschränkt habe.56 Man kann aber, wenn man davon ausgeht, dass diese Chroniknotizen eine gewaltige Ver­breitung hatten, hierfür auch eine andere Erklärung finden: Es gab eine große Bandbreite von Varianten historischer Kurznotizen, die immer wieder neu durch­mischt wurden. Dieses Phänomen erlaubt keine scharfe quellen­kritische Scheidung mehr. Auch wenn man vom Grundsatz her eine Konstantino­politaner und eine italisch-alexandrinische Tradition voneinan­der isolieren kann, so kann diese Scheidung angesichts des ge­meinsamen Ursprungs, der ständigen gegenseitigen Beeinflussung wie auch der sehr lückenhaften Überlieferung kaum in Schärfe und Eindeutig­keit geschehen. Diese Überlegungen lassen es als berechtigt erscheinen, für die Erklärung der Entstehung der alexandrinischen Tradition gegenüber dem UmwegS. 303 über das Italien des 6. Jh. eine an sich schon wahrschein­lichere Erklärung zu bevorzugen, dass nämlich die in Konstan­tinopel festgehaltene chronis­tische Tradition mit offiziösen Nachrichten insbeson­dere zur Geschichte des 4. Jh. in der Zeit des 5. Jh. in einer besonderen Redaktion (die den Gemeinsamkeiten zwischen alexandrinischen und italischen Quellen ent­spricht) unabhängig voneinander nach Alexandria und nach Italien gelang­te. Daher ist es ge­rechtfertigt, die Alexandrinische Weltchronik für die Jahre 383 bis 394 als G 4 nach den Consularia Constantinopolitana (G 1), der Fastenquelle des Sokrates (G 2) und der Berliner Chronik (G 3) einzu­ordnen, bevor mit Prosper Tiro (G 5) auf italische Traditionen eingegangen wird. [B. B.]

II. Beschreibung des Papyrus

Golenischtschew erwarb die Fragmente des Papyrus bei dem Antiken­händler „Scheich Ali“ in Gizeh um 1900 (Fundort unbekannt)57 und schickte sie durch Vermittlung des Kunsthistorikers J. Smirnow den Wiener Professoren A. Bauer und J. Strzygowski zur wissenschaftlichen Untersuchung und Publikation. Nach der Veröffentlichung der Edition schickten Bauer und Strzygowski die rekonstruierten und in versiegelten Glasplatten fixierten Fragmente an Golenischtschew zurück,58 der sie 1909 mit anderen Teilen seiner Sammlung dem russischen Staat weiterverkaufte. Der Papyrus befindet sich heute in den Beständen des Puschkin-Museums (inv. 310). Das Konvolut hatte ursprünglich aus 72 Bruchstücken be­standen, von denen einige bereits mit Klebestreifen richtig zusammengesetzt waren und so 49 Bruchstücke ergaben.59 Durch weitere Kombination ge­lang es Bauer, die Zahl von 49 auf 29 Bruchstücke zu reduzieren. Er stellte acht Blätter der ursprünglichen Handschrift wieder her, von denen fol. 6 als größtes erhaltenes Fragment einen Aufschluss auf das Buchformat zu­lässt (etwa 30 cm Höhe und 24 cm Breite).60

S. 304

Der Zustand der erhaltenen Fragmente war zu Beginn des 20. Jh. ge­messen am Ausmaß der Zerstückelung erstaunlich gut: Die Schrift war deutlich lesbar, die farbigen Abbildungen gut zu erkennen. Die Reproduktionen des Papyrus, welche Bauer und Strzygowski in der fotografischen Anstalt von Max Jaffé (Wien) in Auftrag gegeben hatten, wur­den daher mehrmals in anderen Veröffentlichungen wiedergegeben,61 auch in der vorliegenden Edition (s. Bildanhang). Die Reproduktionen sind für die Textkonstitution von großer Wichtigkeit, da der Papyrus selbst seit seiner Unterbringung im Moskauer Puschkin-Museum (1909) sehr gelitten hat, so dass er heute viel schlechter zu lesen ist als 1905.62

Der Text auf fol. 6 ist mit schwarzbrauner Tinte in einer einzigen Spalte pro Seite geschrieben. Die Datierungsformel hat folgendes Schema: Am linken Rand steht (abgesetzt vom bündigen Text) eine Zahl, die das Jahr der diokletianischen Ära angibt; dann folgen die Konsulnamen des Jahres, wobei der Anfangsbuchstabe des ersten Namens etwas größer geschrieben ist; schließlich kommt in einem Präpositionalausdruck ( ἐπί + Gen.) der Name des jeweiligen praefectus Augustalis. Wenn ein Konsul oder beide keinen kaiserlichen Rang hatten, folgt hinter dem bzw. den Namen der Ehrentitel τοῦ λαμπροτάτου bzw. τῶν λαμπροτάτων.63 Das besterhal­tene Beispiel steht recto 15 f.:

ρεʹ Βαλεντιν̣ι̣α̣[νοῦ α]ὐ̣γ̣(ούϲτου) τὸ εʹ καὶ Εὐτροπίου

τοῦ λαμ(προτάτου) ἐ̣π̣’ [Ἐρυθ]ρ̣ίου αὐγουϲταλίου.

Die jeweils letzte Zeile der Datierungsformel wird an der linken Seite an der Grundlinie mit einem horizontalen Strich (Paragraphos) markiert (be­sonders gut sichtbar recto 14 u. 16). Die erste Zeile der Datierungsformel und die erste Zeile der histori­schen Einträge stehen jeweils weiter links als der sonstige Text, wie z. B. recto 15–17 zu sehen ist (das Konsulnpaar in Z. 15 und der Beginn des Eintrags τούτῳ τῷ ἔτει stehen einige Millimeter weiter links).

S. 305

Die Schrift des Papyrus, von Cavallo als „maiuscola alessandrina“ klassifiziert, datiert ins späte 6. Jh.64 Sie ist gut zu lesen (vor allem auf dem besser erhaltenen recto) und sorgfältig ausgeführt. Die Grö­ße der Buch­staben und ihr Abstand schwanken indessen. Stellenweise wird die Schrift zum Zeilenende hin kleiner und gedrängter – ein Beleg dafür, dass die Bilder zuerst (vor-)gezeichnet und der Text danach geschrieben wurde.65 Die Illustrationen zu den historischen Einträgen stehen am unteren, linken und rechten Rand des Blattes; sie sind mit schwarzer Tinte gezeichnet und nachträglich bunt ausgemalt. Die Bildbeischriften sind in einer leicht geneigten, vergleichsweise kursiven, etwas kleineren Schrift als der Haupt­text geschrieben, ebenso groß wie die Zahlen der diokletianischen Ära. Da die Bildbeischriften abwechselnd in schwarzbrauner Tinte (wie der Haupttext) und in schwarzer Tinte (wie die Bilder) geschrieben sind, nahmen die bisherigen Editoren an, dass der Schreiber des Textes und der Bildbei­schriften wahrscheinlich auch die Illustrationen zeichnete.66 Freilich ist denkbar, dass es sich um zwei verschiedene Personen handelt, die lediglich dieselbe Tinte benutzt haben.

Die Schreibweise ist sehr korrekt.67 Für Abkürzungen verwendet der Schreiber ein Zeichen ähnlich dem ϟ (Koppa),68 das je nach Kontext un­terschiedlich aufzulösen ist: αὐγουϲταλ(ίου) recto 12. 14; verso 19; αὐγ(ούϲτου) recto 15; ἰνδικ(τίονοϲ) recto 21; Καλανδ(ῶν) recto 24; λαμ(προτάτων) recto 9; λαμ(προτάτου) recto 16 u. 28; Ϲεπτεμβρ(ίων) recto 26 bzw. Ϲεπτεμβ(ρίων) verso 15. An einer Stelle (verso 24), wo der Schreiber wegen der Abbildung in Platznot kam, ist ̣ ̣ ̣ρ̣ω(ν) mit einem horizontalen Strich über dem ω abgekürzt. Auch Zahlen sind mit einem horiS. 306zontalen Strich markiert. Darüber hinaus setzt der Schreiber an drei Stellen diakritische Zeichen: Über dem Relativpronomen (recto 7) einen Spiritus asper; über den bestimmten Artikeln (recto 17. 18) ein dem Gravis ähnliches Zeichen; schließlich ein Trema bei ϊνδικϟ (recto 21). Iota subscriptum und adscriptum stehen nicht im Text.69 An einigen Stellen setzt der Schreiber diakritische Zeichen an Wortgrenzen: recto 17 schreibt er τουτω̄τω (für τούτῳ τῷ) und recto 21 αντ’ (mit Eli­sionszeichen).

III. Bemerkungen zur Edition

Seit der ed. pr. der Alexandrinischen Weltchronik70 von Bauer und Strzy­gowski (1905) sind drei weitere Ausgaben des Consularia-Teils (fol. 6) erschienen (Bilabel, Historikerfragmente 46–57 [1923]; Vander­sleyen, Chronologie des préfets d’Égypte 169–81 [1962, nur fol. 6]; Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ [2013]). Die Editionen von Bilabel und Vandersleyen beruhten auf den Abbildungen der Erstedition. Bilabel korrigierte 15 Stellen gegenüber Bauer; diese Änderungen stellen jedoch nicht in allen Fällen Verbesserungen dar,71 insbesondere bei der sehr un­sicheren Partie verso 24–29. Vandersleyen folgte bei der Textkonstitu­tion Bauer (mit zwei geringfügigen Änderungen). Beide, Bilabel und Van­der­sleyen, hielten sich bei ihren Editionen an papyrologische Standards, in­dem sie unsichere Buchstaben im Text mit einem Punkt markierten.72 Bauer tat dies nur in wenigen, besonderen Fällen:73 In seiner minutiösen Er­örterung der einzelnen Textstellen ging er auf die Lesbarkeit jedes einzel­nen Zeichens ein, ohne diese Befunde noch einmal im Text zu markieren. In der vorlie­genden Edition werden (wie bei Bilabel) nur die­jenigen ZeiS. 307chen mit einem Punkt versehen, deren lesbare Reste mehrere Deutungen zulassen, bei unvollständig erhaltenen, aber eindeutig identifizierbaren Buchstaben steht kein Punkt. Zur Prüfung können die Abbildun­gen des Papyrus im Bildanhang herange­zogen werden.

Die Edition von Burgess und Dijkstra stellte den Text mit großer Sorg­falt wieder her, indem sie außer den Abbildungen des Papyrus bei Bauer und Strzygowski auch Fotografien des Puschkin-Museums hinzu­zogen, die den Papyrus in seinem aktuellen Erhaltungszustand zeigen. Ihre Lesung des erhaltenen Textes (unter Berücksichtigung der Vorarbeiten von Bauer, Bilabel und Vandersleyen) ergab einen zuverlässigen Text, insbesondere hinsichtlich der Bildbeischriften und der Rekonstruktion der Lücke verso 24–29. Auch die Lesbarkeit des erhaltenen Textes ist bei ih­nen genauer und zutreffender dargestellt als bei den vorherigen Ausgaben, weshalb sich der Text der vorliegenden Edition vor allem an den Lesungen von Burgess und Dijkstra orientiert. Einige Ergänzungen wurden in Abstimmung mit dem historischen Bearbeiter des Textes B. Bleckmann geändert. Die Ab­wei­chungen wurden im kritischen Apparat vermerkt und im Kom­mentar erläutert.

Der Text wird wie bei G 3 zeilengetreu wiedergegeben. Wie bei den anderen Chroniken dieses Bandes sind die Jahreszahlen der christlichen Zeitrechnung in runden Klammern ergänzt (am rechten Rand). Der Text ist insgesamt bündig gesetzt. Platzhalter für die Illustrationen des Papyrus sind mit ihren jeweiligen Bildbeischriften (in Petitdruck) rechts neben dem Text positioniert; die korrekte Position geht aus der editorischen Notiz (marg. sinistra bzw.links) hervor. Zur tatsächlichen Position und Erstreckung der Bilder sind der philologi­sche Kommentar sowie der Bildanhang zu vergleichen. Die Konsulnamen wurden (wie bei den Consularia Con­stantinopolitana und der Berliner Chronik) in der Übersetzung in ihrer lateinischen Schreibweise wiedergegeben (außer Kaiser, für die etablierte deutsche Namensformen existieren), die Namen der alexandrinischen Bischöfe und der Augustalen dagegen in griechischer Schreibweise. [J. G.]


1 Zu Wladimir Semjonowitsch Golenischtschew (1856–1947) vgl. R. Grieshammer, DNP Suppl. 6 (2012) 480 f.

2 Bauer und Strzygowski haben dabei eine Zuweisung an Annianos bzw. Panodoros erwogen. S. auch Jacoby, Excerpta Barbari 1569 f. Eine Diskussion der Verbindung mit der Geschichte der christlichen Weltchronik seit Sextus Iulius Africanus ist hier ausgeklam­mert, da nur die sekundär in die Chronik integrierten Consularia behandelt werden. Zur Einordnung der Excerpta Barbari, die die gleiche Vorlage widerspiegeln wie die illustrierten Papyrusfragmente, in die Geschichte der christlichen Weltchronistik s. H. Inglebert, Les chrétiens et l’histoire universelle dans l’Antiquité tardive, in: Jeanjean / Lançon, Saint Jérôme, 123–36, hier 132–34.

3 Einen Vergleich zwischen beiden Chronographen bietet Burgess, Excerpta Latina Barbari 17.

4 Es wird die Länge seines Pontifikats angegeben.

5 Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 13; vgl. Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 56 f. u. Abschnitt II.

6 So auch zum Endpunkt des Barbarus Scaligeri Jacoby, Excerpta Barbari 1567 f. Von der Datierung ins 5. Jh. geht noch B. Garstadt, Barbarian Interest in the Excerpta Latina Barbari, Early Medieval Europe 19 (2011) 3–42 aus.

7 Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 56. Vgl. Mommsen, Chron. min. 1,254–58.

8 Die Fasti Vindobonenses posteriores reichen bis 539. Die Aufteilung der beiden Traditionen erfolgt nach dem Stemma von Burgess / Dijkstra 527. Zur Datierung s. auch Burgess, Excerpta Latina Barbari 18 f.: Die Datierung werde u. a. durch den paläogra­phischen Befund zur Alexandrinischen Weltchronik gestützt, die in die zweite Hälfte des 6. Jh. gehört. Das paläographische Argument kann aber nur beweisen, dass die gemeinsame Vorlage der Excerpta Barbari und der Alexandrinischen Weltchronik nicht nach dem 6. Jh. entstanden sein kann, mehr nicht.

9 Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 53 f. heben bei der Rekon­struktion der Alexandrinischen Weltchronik eine Verbindung zum Consularia-Material bei Theophanes hervor. Vgl. dies., 56 (Stemma). Die Annahme, dass Theophanes eine alexandrinische Tradition benutzt hat, die ihrerseits auf eine italische Tradition zurückgegriffen hat, wird von Mango / Scott, The Chronicle of Theophanes Confessor LXXIX f. vertreten. Die Kenntnisse westlicher Ereignisse des 5. Jh. seien dem Theophanes über diese alexandrinische Quelle vermittelt worden.

10 S. Jacoby, Excerpta Barbari 1569.

11 Jacoby, Excerpta Barbari 1569 spricht von „Reichsfasten“.

12 Mommsen, Chronica minora 1,254.

13 Die grundsätzlichen Ausführungen zur Unbestimmbarkeit Mommsen, Chronica mi­nora 1,253. Das ebd. Anm. 2 angeführte Beispiel zeigt, dass diese Unbestimmbarkeit nicht nur für die Consularia Italica, sondern für den gemeinsamen Grundstock von Consularia Italica und Constantinopolitana gilt.

14 Nacheinander werden der Text der Weltchronik (in unserer Edition), derjenige des Barbarus Scaligeri und derjenige des Marcellinus Comes aufgeführt und verglichen. Abgeglichen wird in einem zweiten Schritt die Konstantinopolitaner Tradition (Marcellinus Comes, aber auch die Consularia Constantinopolitana, sofern noch vorhanden) mit den Fasti Vindobonenses.

15 Ausschluss der Benutzung einer italischen Tradition bei Marcellinus: vgl. den Kommentar von Croke, The Chronicle of Marcellinus 58 f.

16 Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 75 zur Datierung der Geburt des Honorius in das Jahr 383. Dagegen betont Bauer (Bauer / Strzygowski, Eine alexan­drinische Weltchronik 50) hier die Gemeinsamkeiten zwischen Consularia Italica und dem Papyrus, die er dem Barbarus Scaligeri gegenüberstellt: „Der wichtigste Unterschied zwischen den Angaben des Papyrus und des Barbarus ist aber, daß dieser die beiden Notizen über Gratian und Honorius getrennt zu verschiedenen Jahre, jener sie verbunden zum Jahre 383 bringt. Diese Verbindung begegnet nur noch in den Fast. Vind. I, während alle anderen Chroniken mit dem Barbarus übereinstimmen.“

17 Möglich ist aber auch, dass dieser Fehler erst dem Übersetzer der griechischen Vor­lage unterlaufen ist, vgl. Bauer (Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 51): „Der Fehler beim Barbarus geht (…) darauf zurück, daß das richtige Tagesdatum der Ge­burt des Honorius (…) noch einmal fälschlich in der Arcadius betreffenden Notiz wieder­holt ist. Es läßt sich nicht entscheiden, ob dieses Versehen der griechischen Vorlage oder dem Übersetzer zuzuschreiben ist.“

18 R. Haberl, Zur Kenntnis des Gallischen. Zeitschrift für celtische Philologie 8 (1912) 82–101, hier 91–93.

19 H. G. Opitz, Art. Theophilos 18, RE 5A,2 (1934) 2149–65.

20 Vgl. KFHist G 2 fr. 42.

21 Aus der Form „Bauto“ oder „Baudo“ für den Konsul des Jahres 385, der auch in der Alexandriner Weltchronik begegnet, lässt sich nicht viel für die quellenkritische Zuordnung gewinnen. Die Form Baudo war im Osten weit verbreitet, vgl. die hier zitierte Sokrates-Notiz, aber auch Philost. 11,6,1 und die Fasti Heracliani (Chron. min. 3,401). Anders Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 78: „Baudo“ begegne nur in vier Quellen, die alle von ägyptischer Provenienz seien.

22 Maximus wurde zwar in Aquileia gefangengenommen, aber außerhalb der Stadt von Theodosius nach kurzem Prozess dem Henker überlassen: Zos. 4,46,2 f.; Philost. 10,8,1 f. Dies muss vor der versammelten Armee geschehen sein, vgl. den teilweise abweichenden Bericht des Pacatus (Paneg. Lat. 2,43). Der dritte Meilenstein bezeichnet das Lager des Theodosius oder einen Versammlungsplatz in ähnlicher Form wie das Hebdomon, der siebte Meilenstein, vor Konstantinopel.

23 Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 59 f. Zustimmend Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 83: „There can be no doubt, therefore, that this is the authentic and accurate information gleaned from an otherwise unknown source.” Vgl. aber den phil. Komm. z. St.

24 Hier nimmt Croke, The Chronicle of Marcellinus 60 an: „M. expresses in the words of Oros. 7,35,2 the fact that Theodosius decided to put down the rule of the Usurper Maximus … and arrived in Italy in387.“Oros. 7,35,2 lautet: itaque iustis necessariisque causis ad bellum civile permotus, cum e duobus Augustis fratribus et ultionem unius interfecti san-guis exigeret et restitutionem miseria alterius exulantis oraret, posuit in Deo spem suam seseque ad­versus Maximum tyrannum sola fide maior, nam longe minor universa apparatus bellici con­paratione, proripuit. Die „words of Oros. 7,35,2“ sind bei Marcellinus nicht zu er­kennen.

25 Et ipso anno occiditur hostis publicus Maximus tyrannus a Theodosio Augusto in miliario III ab Aquileia die V kal Aug., sed et filius eius Victor occiditur post paucos dies in Galliis a comite Theodosii Augusti; Socr. 5,14,1 f. (= G 2 fr. 44 und 45) erwähnt neben dem Tod des Maximus nicht denje­nigen Victors, sondern des Andragathias, vgl. wiederum Marcell. Chron. II 389,1. Der Tod des Maximus wird von Sokrates in gleicher Weise wie in der Alexandrinischen Weltchronik irrig auf den 27. August datiert.

26 Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 62.

27 Zu den Parallelquellen vgl. Croke, The Chronicle of Marcellinus 60 f.

28 Mommsen, Chronica minora 1,298 Anm. 1.

29 Theophanes I p. 70,31–33 de Boor.

30 Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 85.

31 Mommsen, Chronica minora 1,298, Anm. 2: „quod addit perperam eum tum creatum esse Augustum fortasse adsumpsit ex chronico paschali“.

32 Vgl. Mango / Scott, The Chronicle of Theophanes Confessor LXXX.

33 Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 62 f.

34 Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 90.Gemeinsam mit den Fasti Vindobonenses ist hier die Datierung in das Jahr 391. Die Formulierung über den Tod Valentinians ist allerdings von Oros. 7,32,10 abhängig.

35 Marcell. chron. II 391,2 f.

36 Das Datum des Todes des Valentinian ist bei Epiphanius dagegen der 15. Mai (vgl. D. Kienast, Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie, 2. Auflage, Darmstadt 1996, 335 mit Verweis auf de mens. et pond. 20 col. 272 Migne), wobei Epiphanius gegenüber der Chroniktradition keineswegs das Richtige haben muss.

37 Vgl. Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 92 mit Verweis auf Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 68.

38 Maris im Masculinum ist, wenn man einige dieser Sätze grammatisch retten möchte, als Nebenform von mare zu lesen. Angesichts einer ganzen Reihe von Parallelen (ThLL) kann hier jedenfalls kein Spezifikum erkannt werden, das Barbarus Scaligeri und Fasti Vindobonenses miteinander verbindet. Da der Barbarus Scaligeri von einer griechischen Übersetzung eines lateinischen Originals abhängt, sind solche Beziehungen ohnehin ausgeschlossen.

39 Mommsen, Chronica minora 1,240. Zu vergleichen ist neben dem Chronicon Paschale auch Hier. chron. 244c: mare litus egreditur.

40 Chron. I p. 293, 447.

41 Cons. Const. 356,1; Hier. chron. 240d.

42 Zu der von Maximian hergestellten Chronik s. Agnellus, Liber pontificalis, c. 42. Sein Pontifikat begann 548. Zu den Reisen nach Konstantinopel s. Agnellus, Liber pontificalis, c. 74.

43 Mommsen, Chronica minora 1,258.

44 Mommsen, Chronica minora 1,272: „quod si recte quae de sancto Andrea ad a. 336 adnotantur ad Maximianum rettulimus (p. 253) defunctum a. 556/7, post hunc scripserit, necesse est.“ Gegen Mommsen Jacoby, Excerpta Barbari 1567.

45 Vgl. Burgess / Dijkstra, The Berlin ‘Chronicle’ 276: Zusammenschnitt von zwei „quite independent Latin consularia traditions“, nämlich der italischen und der Konstan­tinopolitaner. Zum Eintrag zu Lukas und Andreas s. ebd. 278 f.: Dabei soll der Kompilator zwar den Wortlaut der Notiz der Consularia Constantinopolitana, aber das Datum der italischen Tradition benutzt haben. Zu den Thesen von Lietzmann s. Einleitung zu KFHist G 3.

46 Chron. Pasch. p. 553 Bonn, wo im Zusammenhang mit der Bestattung Konstantins schon der Hinweis auf die Reliquien des Andreas, Lukas und Timotheos erfolgt.

47 Vgl. dazu den Kommentar bei Bleckmann / Stein zu Philost. 3,1,2 (KFHist E 7) mit weiterer Literatur.

48 „Geminationes male admissae“ (Mommsen, Chronica minora 1,254), nämlich für das Jahr 732, 736 und 740 ab urbe condita, sowie für die Konsulate von 14, 29 und 161.

49 Mommsen, Chronica minora 1,254.

50 Chron. Alex. fol. 4 (allerdings stark fragmentiert), vgl. Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 39–43.

51 Zu den zwei Listentypen s. Mommsen, Chronica minora 1,254 mit Anm. 1.

52 Vgl. Bauer (Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 50 f.), der die ravennatisch-alexandrinischen Chronik der Konstantinopolitaner Chronik gegenüberstellt.

53 Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 16.

54 Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 41.

55 Vgl. Kommentar zu recto 12.

56 Vgl. Burgess / Dijkstra, The Berlin ‘Chronicle’ 276. Da die Chronik im 5. Jh. ent­standen ist, wäre die Durchmischung einer Konstantinopolitaner und einer italischen Tra­dition ein Beleg dafür, dass diese italische Variante der Consularia-Notizen bereits lange vor dem Abschluss der Fasti Vindobonenses im Grunde schon fertig ausgeprägt war und dann ihrerseits bereits wieder im Osten rezipiert wurde.

57 Vgl. Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 16; Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 59.

58 Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 1–3.

59 Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 1 f. Bauer erwähnt auch ein beigelegtes Blatt mit exegetischen Notizen, das er V. Jernstedt zuschreibt.

60 Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 15 f.; vgl. Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 60.

61 Bis 1995 verzeichnet bei K. Aland / H.-U. Rosenbaum, Repertorium der griechischen christlichen Papyri. Band 2: Kirchenväter-Papyri. Teil 1: Beschreibungen, Berlin 1995, 8 f. Vgl. außerdem S. Hodjash, L’art copte en Égypte: 2000 ans de christia­nisme, Paris 2000, 40 (Nr. 10); B. Legras, Lire en Égypte d’Alexandre à l’Islam, Paris 2002, Taf. XIV; Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 112 f.

62 Vgl. Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 59 f.

63 Zu diesem Ehrentitel vgl. den phil. Komm. zu KFHist A 1 test. **4.

64 Vgl. G. Cavallo, Γράμματα Ἀλεξανδρῖνα. JÖByz 24 (1975) 23–54, hier 31. 47; Ders., Per la data di P.Golenischev della “Cronaca universale alessandrina”, BAPS 49 (2012) 237–40 („seconda metà del VI secolo e con alta probabilità all’ultimo quarto“). Zu anderen Datierungsvor­schlägen vgl. O. Kurz, The Date of the Alexandrian World Chroni­cle, in: A. Rosenauer / G. Weber (Hgg.), Kunsthistorische Forschungen. Otto Pächt zu seinem 70. Geburtstag, Salzburg 1972, 17–22; von weiteren Vorschlägen berichten Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 63–66.

65 Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 12 f.

66 Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 15. Vgl. Bilabel, Historiker­fragmente 46; Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 62.

67 Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 66.Zu [Ϲα]ρά̣π̣ι̣τ̣ο̣ϲ̣ (verso 29 in marg.) vgl. phil. Komm.

68 Vgl. McNamee, Abbreviations 12. 43. 46. 53. 91.

69 Auch auf den anderen Blättern nicht; vgl. Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 12.

70 Diese Edition bleibt bei der etablierten Bezeichnung und zitiert das Gesamtwerk nach den von Bauer und Strzygowski rekonstruierten Blättern, von denen der Chronik-Anteil fol. 6 entspricht. Zu Burgess’ Versuch einer Abgrenzung verschiedener Untergattungen der antiken Chroniken vgl. M. Becker, Einl. zu G 1, S. 4 f.

71 Vgl. Burgess / Dijkstra, The ‘Alexandrian World Chronicle’ 66 f.

72 Bilabel, Historikerfragmente 2 sagt, er habe „nur wirklich unsichere Buchstaben durch Punkte bezeichnet, dagegen von der Kenntlichmachung nicht ganz erhaltener, aber sicher zu ergänzender, durch untergesetzte Striche abgesehen.“ Vandersleyen äußert sich nicht explizit zu seinem Vorgehen, scheint aber dasselbe Prinzip wie Bilabel zu befolgen.

73 Etwa Bauer / Strzygowski, Eine alexandrinische Weltchronik 74 (verso 25).

Erklärung der Siglen, Zeichen und Abkürzungen in Text und Apparat

{aaa} vom Editor getilgte Buchstaben
⟨aaa⟩ vom Editor hinzugefügte Buchstaben
(aaa) vom Editor aufgelöste Abkürzungen
[aaa] vom Editor in einer Lücke ergänzte Buchstaben
ạạạ unsicher erhaltene Buchstaben
̣ ̣ ̣ ̣ unleserliche Reste von Buchstaben
[ ̣ ̣ ̣ ̣] Zahl der in einer Lücke verlorengegangenen Buchstaben
| Zeilenende auf dem Papyrus
B. et D. Burgess et Dijkstra
dub. dubitanter
leg. legit (-erunt)
litt. littera(e)
marg. in margine
pap. papyrus
paragr. paragraphus in initio versus
restit. restitutus, -a, -um

Erklärung der Sonderzeichen in der Übersetzung

[ - ] Lücke oder einzelne Buchstaben, wodurch der Zusammenhang bzw. die Syntax nicht gestört ist.
[ - - - ] Lücke oder einzelne Buchstaben, wodurch der Zusammenhang bzw. die Syntax gestört ist.
Über die Länge dieses Bereiches geben die Zeichen keine Auskunft.

fol. 6 recto

[τούτῳ τῷ ἔτει ἐϲφάγη Γ]ρ̣[ατια]- (383)

[νὸϲ ὁ βαϲιλεὺϲ ὑπὸ] Μ̣αξίμου (imago 1)

Μ]αξίμου Bauer : Μαξίμου Bilabel

[τοῦ τυράννου ἐν Λουγδ]ούνῳ πρὸ

Λουγδ]ούνῳ Bauer : Λευδ]ούνῳ B. et D.

[ηʹ Καλ(ανδῶν) Ϲεπτεμ(βρίων), ὅ ἐϲτι]ν Θὼθ κϛʹ·

5[καὶ αὐτῷ τῷ ἔτει ἐγε]ννήθη

[λει πρὸ εʹ Ἰδῶν Ϲεπτεμ]β̣ρίων, ὅ

ἰδῶν B. et D. : εἰδῶν Bauer

[ἐϲτιν Θὼθ ιαʹ].

Θὼθ B. et D. : Φαῶφι Bauer

Μ]αξίμου Bauer : Μαξίμου Bilabel Λουγδ]ούνῳ Bauer : Λευδ]ούνῳ B. et D.5 ἐν Κωνϲταν]τινουπό[λει B. et D. : εἰϲ Κωνϲταν]τινούπο[λιν Bauer5 ἰδῶν B. et D. : εἰδῶν Bauer5 Θὼθ B. et D. : Φαῶφι Bauer

[ρβʹ Ῥιχομήδου καὶ Κλεάρχ]ο̣υ τῶν λαμ(προτάτων) (384)

Ῥιχομήδου B. et D. : Ῥιχομήρου Bauer

10[ἐπὶ τοῦ αὐτοῦ Ἀντωνίνου αὐγουϲτα]λίου.


5 Ῥιχομήδου B. et D. : Ῥιχομήρου Bauer10 ἐπὶ τοῦ αὐτοῦ Ἀντωνίνου B. et D. : ἐπὶ Ἀντωνίνου dub. Bauer

[ργʹ] Ἀρκαδίου α[ὐγ(ούϲτου) υἱοῦ Θεοδοϲίου τ]ὸ αʹ καὶ (385)

[ργʹ] B. et D. : [ρ]γʹ Bauer

Βαύδωνοϲ τ[οῦ λαμ(προτάτου) ἐπ’ Εὐϲ]ε̣β̣ί̣ο̣υ̣ α̣ὐγου[ϲτ]α̣λ(ίου).

paragr. ante Βαύδωνοϲ

Εὐϲ]ε̣β̣ί̣ο̣υ̣ Bilabel : Εὐ]ϲεβίου Bauer

α̣ὐγου[ϲτ]α̣λ(ίου) B. et D. : αὐγου[ϲτα]λ(ίου) Bauer


10 [ργʹ] B. et D. : [ρ]γʹ Bauer10 paragr. ante Βαύδωνοϲ 10 Εὐϲ]ε̣β̣ί̣ο̣υ̣ Bilabel : Εὐ]ϲεβίου Bauer10 α̣ὐγου[ϲτ]α̣λ(ίου) B. et D. : αὐγου[ϲτα]λ(ίου) Bauer

ρδʹ Ὁνωρίου ἐπ[ιφανεϲτάτου καί]ϲαροϲ τὸ αʹ καὶ (386)

ἐπ[ιφανεϲτά­του B. et D. : ἐπι[φανεϲτάτου Bauer

Εὐοδίου το̣ῦ̣ [λαμ(προτάτου)] ἐπὶ Παυλίνου αὐγουϲταλ(ίου).

paragr. ante Εὐοδίου

10 ἐπ[ιφανεϲτά­του B. et D. : ἐπι[φανεϲτάτου Bauer10 paragr. ante Εὐοδίου

ρεʹ Βαλεντιν̣ι̣α̣[νοῦ α]ὐ̣γ̣(ούϲτου) τὸ εʹ καὶ Εὐτροπίου (387)

Βαλεντιν̣ι̣α̣[νοῦ B. et D. : Βαλεντια[νοῦ Bauer

τοῦ λαμ(προτάτου) ἐ̣π̣’ [Ἐρυθ]ρ̣ίου αὐγουϲταλίου.

paragr. ante τοῦ

τούτῳ τῷ ἔ[τει Τιμό]θεοϲ ὁ ἐ- Τιμό-

τουτω̄τω pap. (τ tertium ex ε restit.)

πίϲκοποϲ Ἀ̣[λεξανδ]ρ̣είαϲ, ὁ ἀ- θεοϲ

δελφὸϲ Πέ[τρου τοῦ ἐ]πιϲκό- (imago 2)

20που, ἐτελεύ̣[τηϲεν Ἐπ]ε̣ὶφ κϛʹ ὁ ἅγιο̣[ϲ]

Ἐπ]ε̣ὶφ B. et D. : Ἐπε]ὶφ Bauer

ἰνδικ(τίονοϲ) βʹ κ[αὶ ἐκάθιϲε]ν ἀντ’ αὐ- Θεόφ̣[ι-]

τοῦ Θεόφ[ιλοϲ ἔτη κηʹ]· καὶ αὐ- λο̣[ϲ]

τῷ τῷ ἔ[τει Μάξιμοϲ] ἐπήρθη (imago 3)

εἰϲ βαϲιλ[έα πρὸ 1–2 litt. Καλα]νδ(ῶν) Μαρ-


15 Βαλεντιν̣ι̣α̣[νοῦ B. et D. : Βαλεντια[νοῦ Bauer15 paragr. ante τοῦ 15 τουτω̄τω pap. (τ tertium ex ε restit.)20 Ἐπ]ε̣ὶφ B. et D. : Ἐπε]ὶφ Bauer


25τίων κα[ὶ ἐϲφάγη  ̣  ̣  ̣] ̣ρτω-

ἐν Κ]ο̣ρτῶνι Bauer, negavit Bleckmann | ]ο̣ vel ]ω̣ pap.

]ο̣ vel ]ω̣ pap.

νι πρὸ εʹ Καλαν[δ(ῶν) Ϲεπτ]εμβρ(ίων).


25 ἐν Κ]ο̣ρτῶνι Bauer, negavit Bleckmann25 ]ο̣ vel ]ω̣ pap.

ρϛʹ Θεοδοϲίο̣υ αὐγ[(ούϲτου) τὸ βʹ καὶ] Κυνη- (388)

[γίου] τοῦ̣ λ̣αμ(προτάτου) ἐ[π’ Ἀλεξά]ν̣δρου

τοῦ̣ λ̣αμ. leg. Bilabel : το[ῦ λ]αμ. Bauer

αὐγ]ο̣υϲ[τ]α̣λίου.


25 τοῦ̣ λ̣αμ. leg. Bilabel : το[ῦ λ]αμ. Bauer

[ρζʹ Τιμαϲίου] κ̣αὶ Π[ρομώτου τῶ]ν̣ (389)

κ̣αὶ leg. Groß : κ]αὶ Bauer

[λαμ(προτάτων) ἐπ’ Εὐα]γ̣ρί̣ο̣[υ αὐγουϲτα]λ̣ί̣[ου].

fol. 6 verso

[τούτῳ τῷ ἔτει μετὰ τοῦ υἱοῦ] (imago 4 marg. sinistra)

Ὁν[ωρίου Θεοδόϲιοϲ εἰϲῆλθε]

ἐν [Ῥώμῃ καὶ αὐτὸν εἰϲ βαϲι]-

λέ[α ἔϲτεψεν Ἰδ(οῖϲ) Ἰουν(ίαιϲ) καὶ]

ἰδ(οῖϲ) B. et D. : εἰδ(οῖϲ) Bauer

5ἔδ[ωκε κογγιάριον Ῥωμαίοιϲ].

paragr. ante ἔδ[ωκε

30 κ̣αὶ leg. Groß : κ]αὶ Bauer30 Εὐα]γ̣ρί̣ο̣[υ Groß : Εὐα]γ̣ρ̣ί̣ο̣[υ B. et D. : Εὐαγ]ρίο[υ Bauer30 ἰδ(οῖϲ) B. et D. : εἰδ(οῖϲ) Bauer5 paragr. ante ἔδ[ωκε

ρη̣ʹ Βα[λεντινιανοῦ αὐγ(ούϲτου) τὸ δʹ καὶ] (390)

Βα[λεντινιανοῦ B. et D. : Βα[λεντιανοῦ Bauer

Ν[εωτερίου τοῦ λαμ(προτάτου) ἐπὶ ..] [ὁ] ἅγιοϲ Θ̣ε̣[ό]φ̣[ι]λ̣[οϲ]

αυ[ ]


5 Βα[λεντινιανοῦ B. et D. : Βα[λεντιανοῦ Bauer5 marg. sinistra Θ̣ε̣[ό]φ̣[ι]λ̣[οϲ] Groß : Θ̣[ε]όφ̣ι̣[λοϲ] B. et D. : Θ[εό]φιλ[οϲ] Bauer

Τα̣[τιανοῦ καὶ Ϲυμμάχου τῶν] (391)

10[λαμ(προτάτων) ἐπ’ Εὐαγρίου αὐγουϲτ(αλίου)]. (imago 5

[τούτῳ τῷ ἔτει Βαλεντινια]- marg. sinistra)

Βαλεντινιανὸϲ B. et D. : Βαλεντιανὸϲ Bauer

[νὸϲ ἐτελεύτηϲεν ἐν Βιέννῃ]

[πρὸ δʹ Ἰδῶν Ἰουν(ίων)] κ̣α̣ὶ̣ ἐ̣π̣ή̣ρ- (imago 6)

ἰδῶν B. et D. : εἰδῶν Bauer

[ὅ] ἐ̣ϲ̣τ̣ι̣ν Θ̣[ὼθ] κγʹ.


10 Βαλεντινιανὸϲ B. et D. : Βαλεντιανὸϲ Bauer10 ἰδῶν B. et D. : εἰδῶν Bauer10 Ε]ὐ̣γ̣ένιοϲ B. et D. : Εὐ]γένιοϲ Bauer : Ε]ὐ̣γένιοϲ Bilabel15 marg. Βαλεν̣τ[ινιανόϲ] Groß : Βαλεν̣τ̣[ινιανόϲ] B. et D. : Βαλεν[τιανόϲ] Bauer : Βαλεντι[ανόϲ] Bilabel


ρθʹ Ἀρκαδίο̣[υ αὐγ(ούϲτου)] τὸ βʹ καὶ Ῥου- (392)

Ἀρκαδίο̣[υ B. et D. : Ἀρκαδί[ου Bauer

φίνου [τοῦ λαμ(προτάτου)] ἐ̣π̣ὶ̣ τ̣οῦ α̣ὐ̣- Εὐγέν(ιοϲ)

[τοῦ B. et D. : τ[οῦ Bauer

ἐ̣π̣ὶ̣ leg. B. et D. : ἐ]πὶ Bauer

marg. Εὐγέν(ιοϲ) Groß : Εὐγέν[ιοϲ] leg. Bilabel : Εὐγένιο[ϲ] Bauer

τοῦ Εὐα̣[γρίου αὐγο]υ̣ϲ̣τ̣α̣λ̣(ίου) (imago 7)

20Ἀλεξ̣[ανδρείαϲ].

paragr. ante Ἀλεξ̣[ανδρείαϲ]

τού[τῳ τῷ ἔτει ̣ ̣ ] ....ιϲ ἐϲ̣φά-

ἔτει ἐν ....]α̣ιϲ Bauer (ἐν] ....ιϲ leg. B. et D.)

γη Εὐ̣[γένιοϲ πρὸ] η̣ʹ Ἰ̣δ̣ῶν Ἰα-

νου̣[αρ(ίων), ὅ ἐϲτιν Θὼθ] η̣ʹ, καὶ αὐτῷ

ἐϲτιν B. et D. : ἐϲτι Bauer | Θὼθ B. et D. : Φαῶφι Bauer

Θὼθ B. et D. : Φαῶφι Bauer

τῷ [ἔτει 7–8 litt. ] .....ρ̣ω(ν)

25ε̣λ.[ 11–12 litt. ].......ρι

...[ 13–14 litt. ]...

..[ 11–12 litt. ]..... (imago 8)

30 τὸ

[ἱ]ε̣ρόν̣


15 Ἀρκαδίο̣[υ B. et D. : Ἀρκαδί[ου Bauer15 [τοῦ B. et D. : τ[οῦ Bauer15 ἐ̣π̣ὶ̣ leg. B. et D. : ἐ]πὶ Bauer15 marg. Εὐγέν(ιοϲ) Groß : Εὐγέν[ιοϲ] leg. Bilabel : Εὐγένιο[ϲ] Bauer20 paragr. ante Ἀλεξ̣[ανδρείαϲ]20 ἔτει ἐν ....]α̣ιϲ Bauer (ἐν] ....ιϲ leg. B. et D.)20 ἐϲτιν B. et D. : ἐϲτι Bauer20 Θὼθ B. et D. : Φαῶφι Bauer25 marg. τ̣α̣κ̣.....Groß : το̣κ̣..... B. et D. : Τακαρίον Bauer25 [Ϲα]ρά̣π̣ι̣τ̣ο̣ϲ̣ (lege Ϲαράπιδοϲ) | τὸ | [ἱ]ε̣ρόν̣ B. et D. : [Ϲα]ραπῖ|[ο]ν τὸ | ἱερόν Bauer