KFHist: (G 5) Prosper Tiro Skip to main content

Ein Editionsprojekt der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

HHUD Düsseldorf

(G 5) Prosper Tiro



S. 3

Einleitung

I. Prospers Leben und Wirken

Aufgrund seiner umfangreichen literarischen Hinterlassenschaft sind wir über Prosper Tiro von Aquitanien vergleichsweise gut informiert.1 Dies gilt insbesondere für seine theologischen Positionen, für seinen Kampf gegen den Pelagianismus und für sein kirchliches Wirken in Diensten Papst Leos. Einzig bezüglich seines konkreten Lebenswegs sind die Informationen eher spärlich. Einige bruchstückhafte Informationen über ihn liefern Gennadius von Marseille oder Photios von Konstantinopel.2 Alles, was darüber hinausgeht, muss aus biographischen Reflexen in Prospers Werk selbst erschlossen werden. Mit größerer Sicherheit lassen sich daher nur wenige Lebenssta-tionen des Chronisten angeben.

Einigkeit herrscht darüber, dass Prosper um das Jahr 390 im südgal-lischen Aquitanien geboren ist.3 Angesichts der literarischen Qualität seines Gesamtwerks ist ebenfalls unbestritten, dass er eine umfassende und fundierte Bildung erfahren hat. Allerdings gehen die Meinungen bereits bei der Frage auseinander, wo Prosper diese Bildung erhielt. Es ist denkbar, dass sich der spätere Chronist im Zuge der vandalischen Invasion seiner Heimat Aquitanien bereits ab 406 nicht mehr dort, sondern in Marseille aufhielt, dem geistigen Zentrum des südlichen Gallien. Sicher bezeugt ist er in dieser Stadt jedoch erst später.4 In Marseille wandte sich Prosper Mitte der 420er Jahre einem religiösen Leben zu und wurde dadurch bald in die regionalenS. 4 Streitigkeiten um die Gnadenlehre des Augustinus von Hippo hineingezogen. Gerade im monastisch geprägten südgallischen Umfeld erregte dessen deutliche Betonung der Rechtfertigung des Menschen allein aus der Gnade Gottes heraus mehrheitlich Anstoß. Prosper hingegen verteidigte Augus-tinus gegen solche in seinen Augen „pelagianischen“ Angriffe.5 Dabei wirk-te der Gallier nicht nur als Apologet, sondern auch als Interpret und damit als Popularisierer der augustinischen Auffassungen und stand in dieser Rolle auch im brieflichen Kontakt zu Augustinus selbst.6

Im Jahr 431, kurz nach dem Tod des Bischofs von Hippo, besuchte Prosper sogar Rom, um sich persönlich der Unterstützung durch Papst Coelestin zu versichern. Der Papst gewährte Prosper diese Unterstützung und sandte in der Sache ein Rundschreiben nach Gallien. Die Konflikte dort sollten sich dadurch freilich nicht beilegen lassen, auch deshalb, weil die Beschreibung der Frontlinien durch Prosper nicht dem theologischen Selbstverständnis seiner Gegner entsprochen haben dürfte und diese sich dementsprechend im Schreiben Coelestins nicht wiederzuerkennen glaubten.7 Insbesondere Johannes Cassianus, aber auch Vincentius von Lérins, wandten sich angesichts der römischen Einmischung noch entschiedener gegen die augustinische Prädestinationslehre. Prosper reagierte seinerseits auf diese Angriffe mit verschiedenen theologischen Schriften. Da er insgesamt aber eine Minderheitenposition in Südgallien vertrat, setzte er sich damit immer wieder Angriffen gegen seine Person aus. Die spätere Übersiedlung des Galliers nach Rom kann allein aus diesem Grund kaum überraschen.8 Hinzu kam, dass Prosper offensichtlich eine grundlegende ekklesiologische Orientierung am römischen Papsttum an den Tag legte, was sich spätestens 431 mit seiner Wendung an Papst Coelestin gezeigt hatte. Auch diesbezüglich war er im südgallischen Umfeld eher ein Außenseiter.S. 5

Das Datum der Übersiedlung Prospers nach Rom ist umstritten. Sicher bezeugt ist er dort erst ab dem Jahr 440. Aus guten Gründen setzt die neuere Forschung den Beginn des Rom-Aufenthalts mehrheitlich auch tatsächlich erst in diese Zeit. Wahrscheinlich gelangte Prosper im Gefolge des 440 geweihten Papstes Leo I. in die alte Hauptstadt. Möglicherweise hatten sich die beiden Männer bereits beim Rom-Besuch des Galliers 431 kennen-gelernt und waren sich dann kurz vor Wahl und Weihe Leos in Marseille abermals begegnet.9 Jetzt folgte Prosper dem Papst in dessen Bischofsstadt und wurde dort zu seinem zentralen Mitarbeiter und Berater. Schon von Zeitgenossen wurden Teile der leonischen Korrespondenz auf Prosper zurückgeführt. Welche Funktion er in der römischen Kirche jedoch konkret ausfüllte, ist nicht überliefert – mithin ist nicht einmal klar, ob Prosper dem Klerus angehörte oder ob er nicht Zeit seines Lebens Laie blieb.10 Auch über den Zeitpunkt seines Todes und damit über die Dauer seines Dienstes herrscht Unklarheit. Als Terminus post quem muss das Jahr 455 gelten, in das die letzten Berichte der Chronik fallen. Spätere Werke Prospers sind nicht bekannt, weshalb davon auszugehen ist, dass er recht bald nach diesem Zeitpunkt gestorben sein muss.S. 611

Die Bedeutung Prospers stand bereits seinen Zeitgenossen deutlich vor Augen. Sie hing nicht unwesentlich mit seinem umfangreichen Werk zu-sammen, das die Generationen nach ihm noch künstlich erweiterten, indem sie dem Gallier Schriften zuschrieben, die ursprünglich gar nicht von ihm stammten.12 Die hier herausgegebene und übersetzte Chronik nimmt in diesem Œuvre eine Sonderstellung ein, insofern sie das einzige dezidiert his-torische Werk des Autors darstellt. Die theologischen Schriften – also das Gros der literarischen Produktion Prospers – weisen zwei zeitlich deutlich voneinander geschiedene Schwerpunkte auf, die sich auch in der gerade skizzierten Vita des Chronisten und in dessen Chronik widerspiegeln: Einer gallisch-augustinischen Phase bis zur Mitte der 430er Jahre folgte eine römisch-leonische Phase ab ca. 440.

Prospers gallische Phase stand gänzlich im Zeichen der Pelagianischen, bzw. Semipelagianischen Kontroverse, in der er vergleichsweise rigoros augustinische Positionen vertrat. Seine gallischen Gegner lehnten einerseits die Gnadenlehre des Augustinus ab, erteilten andererseits aber auch den Gedanken des Pelagius eine Absage, der sich gegen Augustinus gerichtet hatte, 418 von der römischen Kirche und 431 von einem ökumenischen Konzil in Ephesus verurteilt worden war. Mit dieser differenzierenden Positionierung im dogmatischen Streit bewegten sie sich jedoch auf einem schmalen Grat. Prosper jedenfalls wollte in ihrer Abgrenzung von der Person des Pelagius offensichtlich nicht gleichzeitig auch den Bruch mit dessen Lehren erkennen. Unermüdlich verteidigte er daher die augustinische Gnadenlehre, wur-de dadurch zu einem ihrer Hauptvertreter und schuf in dieser Funktion ein in Breite und Qualität beachtliches Werk: In längeren Dichtungen und kürzeren Epigrammen, in Briefen und Prosawerken widmete sich Prosper seinem selbstgewählten theologischen Auftrag, verteidigte und popularisierte die Lehren des Augustinus, polemisierte gegen ihre Gegner und suchte nach kirchenpolitischen Verbündeten.13

Gerade im letzten Punkt, dem Schmieden kirchenpolitischer Allianzen, liegt die inhaltliche und zeitliche Verbindung zu Prospers römischer Phase. Die Wendung an Rom 431 zeigt, dass Prosper dem Papsttum eine autoritative Rolle in der dogmatischen Positionierung der Kirche zusprach. Eine damit einhergehende theologische Orientierung an Rom entwickelte sich seitS. 7 den 430er Jahren zum zweiten maßgeblichen Bezugspunkt in Prospers Denken. Dieser neue Faktor führte dazu, dass die Schärfe im Einsatz für Augus-tinus von nun an nachließ, Prosper vom unbedingten Verteidiger des Africaners zu seinem Interpreten wurde. Je mehr der Gallier im Papsttum den eigentlichen Garanten für die kirchliche Einheit und Rechtgläubigkeit zu erkennen meinte, desto mehr passte er seine eigene Augustinus-Rezeption an die eher vermittelnde Position des Papsttums in dieser Frage an.14 Prospers Übersiedlung nach Rom entsprach dieser theologischen Akzentverschiebung. Ganz generell dienten die späten Werke des Autors hauptsächlich der Darstellung und Durchsetzung römischer Primatinteressen. Dies lässt sich auch an der Chronik erkennen, die zumindest in ihren späten Redaktions-stufen mit dem Fokus auf das Papsttum im Allgemeinen und auf Papst Leo im Besonderen als dezidiert römisches Werk gelten muss.

II. Die Entstehung der Chronik

1. Entstehungszeit und Entstehungsort

Die Chronik entstand über einen längeren Zeitraum hinweg, mehrere Überarbeitungsstufen lassen sich erkennen. Eine erste Version der Chronik berichtet bis ins Jahr 433, eine zweite führt ins Jahr 445, während die Version letzter Hand 455 endet. Neben diesen drei in ihrer Existenz eindeutig belegbaren Überarbeitungsstufen kann eine vierte Version aus dem Jahr 451 mit großer Sicherheit angenommen werden.15 Prosper setzte sein Werk also über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren immer wieder fort. Da sich Überarbeitungen bereits vorhandener Teile dabei allenfalls vereinzelt nachweisen lassen, muss davon ausgegangen werden, dass der Inhalt in den verschiedenen Überarbeitungsstufen insgesamt relativ stabil war.16 Dies istS. 8 von nicht unerheblicher Bedeutung: Da die Chronik diachron zu den beiden oben skizzierten Lebensphasen Prospers – der gallisch-augustinischen und der römisch-leonischen Phase – entstand, gibt sie Einblick in die Gedankenwelt sowohl des frühen als auch des späten Prosper.

Die Existenz der ersten Überarbeitungsstufe ergibt sich in erster Linie aus der langen Komputation im Berichtjahr 433. Manuskripte, die nur diese 433er-Version bewahren, haben sich hingegen nicht erhalten, was neben biographischen (Kap. I) und inhaltlichen Gründen (s. u.) dafür spricht, dass die erste Chronikversion nicht in Rom, sondern noch in Gallien angefertigt wurde.17 Zwar warnt bereits Holder-Egger davor, allein aufgrund der Komputation eine eigenständige Redaktionsstufe anzunehmen; er muss aber gleichzeitig einräumen, dass nicht ersichtlich sei, was den Autor sonst veranlasst hätte, ausgerechnet im Jahr 433 eine erste Gesamtzählung der berichteten Jahre aufzustellen.18 Es ist also kaum zu bezweifeln, dass der Grund hierfür das (vorläufige) Ende der Chronik an dieser Stelle war. Inhaltlich wird dieser Befund durch die unterschiedlichen theologischen Schwerpunk-te der Chronikteile vor und nach 433 gestützt. Steht bis 433 die auf mehreren Schultern ruhende Abwehr des Pelagianismus im Mittelpunkt, so wird nach 433 der Schwerpunkt nach und nach immer ausschließlicher auf dem rö-mischen Papsttum liegen. Auch hinsichtlich der Protagonisten lassen sich Unterschiede ausmachen. So spielt zum Beispiel der Vandalenkönig Geiserich in der frühesten Überarbeitungsstufe der Chronik keine Rolle, während er nach 433 siebenmal namentlich erwähnt wird.

Während die 433er-Version also noch in Gallien verfasst wurde, müssen die folgenden Redaktionsstufen, wiederum aus biographischen und aus inhaltlichen Gründen, in Rom verortet werden. Die römische Provenienz er-gibt sich u. a. aus zahlreichen Details zu Verhältnissen in der Stadt Rom und aus der immer mehr auf das Papsttum zentrierten Auswahl der Berichte. Eine durch Handschriften in ihrer vorläufigen Abgeschlossenheit bezeugte erste römische Überarbeitungsstufe endet im Jahr 445. Sie ist durch die berichtlosen Jahre 445, 446 und 447 nach hinten abgegrenzt. Das in der vorliegenden Edition gegebene Incipit bezieht sich ebenfalls eindeutig auf diese Version von 445. Eine weitere Version ist durch das endgültige Ende derS. 9 Chronik im Jahr 455 gekennzeichnet. Zwar gibt es teilweise über dieses Jahr hinausgehende Ergänzungen, diese stammen aber nicht von Prosper selbst. Auch Victorius von Aquitanien, Gennadius und Cassiodorus bezeugen, dass Prosper sein Werk im Jahr 455 beendet hat.19

Weniger sicher ist eine weitere römische Stufe der Chronik aus dem Jahr 451 zu greifen. Zwar ist von dieser keine in sich abgeschlossene Handschrift überliefert, ein Manuskript aber liefert ein auf sie hindeutendes Incipit. Auch die doppelte Erwähnung des Konzils von Chalcedon, einmal im Jahr 450 und einmal im Jahr 453, deutet auf eine entsprechende Chronikversion hin.20 Die Existenz der Redaktionsstufe von 451 kann also als wahrscheinlich gelten. Die von Mommsen geäußerte Annahme einer zusätzlichen Überar-beitungsstufe aus dem Jahr 443 hingegen muss zurückgewiesen werden. Mommsen meint, diese fünfte Chronikversion sei durch die Fortsetzung der Prosper-Chronik durch Victor von Tunnuna belegbar, der seine eigenständige Geschichtsbearbeitung im Jahr 444 beginnen lässt.21 Muhlberger aber zeigt, dass Victor zwar behauptet, Prosper ab dem Jahr 444 nicht mehr zu folgen, ihn faktisch aber bis ins Jahr 455 doch benutzt. Diesen Befund erklärt Muhlberger mit den unterschiedlichen Ansichten bezüglich der Vorgänge rund um die Synode von Chalcedon: Während Prosper die Abwehr des Eutychianismus gänzlich Papst Leo, nicht aber der Synode zuschreibt, war die Autorität der Synode für Victor im Streit um die „drei Kapitel“ unter Kaiser Justinian I. von höchster Bedeutung.22

2. Chronologischer Rahmen

Während der chronologische Rahmen der Eusebius-Hieronymus-Chronik noch gänzlich auf Herrscherdatierungen aufbaut, nutzt Prosper vom Jahr 29 n. Chr. an eine Kombination aus Passionsära und Konsuldatierung. Reste der traditionellen Herrscherdatierung finden sich ab dem Jahr 378 nur noch in zwei Rudimenten. Der Chronist unterzieht sowohl die römischen Kaiser als auch die römischen Bischöfe einer fortlaufenden Zählung. Im Falle derS. 10 Kaiser gibt er darüber hinaus auch ihre jeweilige Regierungsdauer an.23 Dass für Prosper diese Reste von Herrscherchronologien aber keine Funktion mehr für den chronologischen Rahmen an sich haben, zeigt sich daran, dass der Gallier offensichtlich darauf verzichtete, nach dem Tod von Theodosius II. und Valentinian III. ihre jeweilige Herrschaftsdauer zu ergänzen. Auch die durchgehende Zählung der Kaiser bricht mit Valentinian ab.24 Die Übernahme der beiden genannten Listen in den fortgesetzten Teil der Chronik hing in erster Linie mit der Bedeutung der beiden dadurch exponierten Ämter für den Chronisten zusammen. Politisch war Prosper stark an der Legitimität des theodosianischen Hauses orientiert, theologisch fokussierte er auf den kirchlichen Primat des Papsttums.

Zählung und Benennung der Jahre stützen sich also ausschließlich auf die Passionsära und vor allem auf die zeitgleich mit dieser einsetzende Konsuldatierung. Über die genaue Herkunft der Konsulangaben herrscht in der Forschung dabei keine Einigkeit, was unter anderem daran liegt, dass die Beziehungen zwischen den einzelnen erhaltenen Konsullisten äußerst komplex sind.25 Muhlberger erkennt Ähnlichkeiten sowohl zu den Fasti Vindobonenses als auch zu den Consularia Constantinopolitana, ohne aber dass diese Listen exakt mit den Angaben bei Prosper übereinstimmen würden. Am wahrscheinlichsten ist daher, dass der Chronist mehrere Konsullisten benutzte, die zwar mit den heute greifbaren Beispielen verwandt, jedoch nicht identisch waren.26 Ab der Berichtzeit, in der Prosper aus eigenem Er-leben heraus die Geschichte schildern konnte, dürfte er dann nicht mehr auf vorhandene Listen angewiesen gewesen sein. Insofern ist unabhängig von Versuchen der Identifikation von Prospers Konsulliste für die vorliegende Untersuchung die Feststellung wichtiger, dass die verwendete Liste relativ genau ist. Im Gegensatz zur Hieronymus-Epitome finden sich größere chronologische Fehler in der Fortsetzung des Hieronymus durch Prosper nicht. Ganz im Gegenteil: Offensichtlich legte der Gallier großen Wert auf die Genauigkeit seines chronologischen Rahmens. So weiß er Abweichungen von gängigen Besetzungsschemata des Konsulamts, gerade immer wieder vorkommende Einfachbesetzungen, regelmäßig zu begründen.S. 1127

In Fragen der Chronologie muss Prosper damit insgesamt eine große Genauigkeit bescheinigt werden. Dies gilt insbesondere, wenn man sich vor Augen führt, wie wenig exakt andere zeitgenössische Chroniken datieren, gerade solche, die im Gegensatz zu Prosper ihren Berichten weiterhin eine Herrscherdatierung zugrunde legen. So zeigt sich der anonyme gallische Chronist von 452 nicht einmal dazu in der Lage, eine korrekte Anzahl von Berichtjahren in seiner Hieronymus-Fortsetzung anzulegen. 74 historischen Jahren (379–452) stehen hier 78 Berichtjahre gegenüber. Dass es auf einer solchen Grundlage fast unmöglich ist, zu einer korrekten Datierung auch von Einzelereignissen zu gelangen, dürfte einleuchtend sein.28 Bei Prosper hingegen ist sowohl die absolute als auch die relative Chronologie nahezu fehlerfrei. Durchaus vorhandene geringe Fehldatierungen von Einzelereignissen lassen sich darüber hinaus meist auf eine bewusste Entscheidung des Autors zurückführen, insbesondere dann, wenn Prosper eine als geschlossen betrachtete Ereigniskette nicht durch den Bericht über ein anderes Ereignis unterbrechen möchte.29

Prosper gelangt dadurch zu einem souveränen Umgang mit der Chronologie, die bei ihm nicht in jedem Fall absolut gesetzt wird. So fasst der Chronist mitunter mehrere Ereignisse unterschiedlicher Jahre aufgrund einer inhaltlichen Zusammengehörigkeit in einem einzelnen Bericht zusammen.30 Versuche einer allzu strikten Unterscheidung zwischen Chronistik und voll ausgestalteter Historiographie31 stoßen daher bei Prosper in gewissen Aspekten an ihre Grenzen: Prosper von Aquitanien ist der Historiograph unter den Chronisten. Stimmen, die ihm mit Vorurteilen chronologischer Natur beS. 12gegnen, sind daher eher generellen Vorbehalten gegenüber dem Wert chronistischer Literatur an sich geschuldet als der konkreten Beschäftigung mit der Quelle selbst. Mögen sie vielleicht für Prospers Hieronymus-Epitome zu einem gewissen Grad noch zutreffen, so sind sie in Bezug auf die Fortset-zung des Hieronymus durch Prosper sicherlich verfehlt.

3. Quellen

Geht man davon aus, dass Prosper etwa um das Jahr 390 geboren wurde, so war er bis in die 420er Jahre seines Berichts auf die Benutzung von Quellen angewiesen. Für die Hieronymus-Epitome sind diese Quellen vergleichsweise einfach zu identifizieren, entstammt hier das meiste Material doch schlicht der Chronik des Hieronymus. Einzelne Ergänzungen lassen sich daneben u. a. auf verschiedene Konsularannalen und im Fall von Häresiebeschreibungen auf Augustinusʼ de haeresibus zurückführen.32

Für Prospers Chronikfortsetzung hingegen ist es so gut wie unmöglich, bestimmte Quellen zu identifizieren. Eine Ausnahme bildet einerseits die Beschreibung der priscillianischen Häresie, die aus de haeresibus schöpft, andererseits die Zusammenstellung von Berichten um den Mönch Johannes, um Augustinus und um den Dichter Claudianus in c. 1201, 1204 und 1205. Die spezifische Kombination des Auftauchens dieser drei Personen in der Chronik deutet mit Trout auf die Benutzung von Augustinusʼ de civitate Dei.33 Eine solche Verwendung verschiedener Augustinus-Schriften in der frühen Chronik liegt angesichts der theologischen Orientierung Prospers am Bischof von Hippo ohnehin nahe. Vielleicht hat Prosper sogar erst durch die Geschichtssicht des Africaners unter dem Primat der Heilsgeschichte den Anstoß zu seinem Chronikprojekt erhalten.34 Die Kenntnis weiterer Augus-tinus-Werke durch den Chronisten lässt sich jedenfalls voraussetzen, beispielsweise des Briefwechsels zwischen dem Bischof und dem comes Africae Bonifatius, dem vielleicht das positive Bonifatius-Bild der Chronik geschuldet ist.

Die Nutzung von Werken anderer Autoren durch Prosper lässt sich hingegen im Einzelfall lediglich vermuten, nicht aber beweisen. Prosper verzichtet darauf, seine Quellen explizit zu benennen. Da er darüber hinaus sei-ne Vorlagen im Hinblick auf ihre inhaltliche wie stilistische KonsistenzS. 13 stark überarbeitete, lassen sich auch keine wörtlichen Übernahmen aus anderen Werken finden.35 Zwar lassen sich immer wieder inhaltliche Anknüpfungspunkte zu anderen zeitgenössischen Berichten greifen; da es sich dabei aber meist um allgemeine Parallelen einzelner Ereignisdetails handelt, kann auf Grundlage solcher Befunde nicht zwangsläufig auch auf die Benutzung einer bestimmten Vorlage geschlossen werden. Dem trägt die Forschung insofern Rechnung, als sie seit den Studien Holder-Eggers merklich zurückhaltend im Versuch der Identifikation direkter Vorlagen geworden ist.36 Es kann daher allenfalls um die Benennung von Gattungsclustern gehen, aus denen Prosper geschöpft haben könnte.

So lassen sich die kirchlichen Berichte der Jahre ab 378 wohl auf verschiedene Werke der kirchlichen Geschichtsschreibung zurückführen. Genannt werden in diesem Zusammenhang häufig Orosius, Rufinus von Aquileia oder Sulpicius Severus.37 Die politischen Informationen der frühen Chronik hingegen stammen mit einiger Sicherheit aus der Konsularannalistik. Die Nutzung solchen Materials ist allein deshalb anzunehmen, weil Prosper seinen chronologischen Rahmen aus eben dieser Quellengattung schöpfte. Der Befund wird durch die Nüchternheit politischer Notizen bis in die 410er Jahre und durch deren geographische Präzision erhärtet. Beide Charakteristika lassen sich für spätere Teile der Chronik nicht feststellen, in denen Prosper über wichtige Ereignisse zwar ohne genaue Lokalisierungen, dafür aber deutlicher wertend berichtet. Über die Zusammensetzung der annalistischen Quellen, die Prosper vorlagen, lässt sich hinausgehend über den allgemeinen Befund, dass sowohl die Fasti Vindobonenses als auch die Consularia Con-stantinopolitana im Detail Ähnlichkeiten zu einzelnen Einträgen aufweisen, nichts Definitives sagen.S. 1438

Für die Berichtzeit ab 422 verliert die Frage nach Prospers Quellen dann an Relevanz. Dass die Chronik mit einem Mal deutlich ausführlicher und deutlich meinungsfreudiger wird, ist darauf zurückzuführen, dass Prosper ab diesem Zeitpunkt seine Darstellung zumindest teilweise auf eigenes Erle-ben stützen konnte und daher gerade für Einträge politisch-militärischen Inhalts nicht mehr auf annalistische Quellen angewiesen war.39 Dies bedeutet freilich nicht, dass der Chronist bei jedem Ereignis persönlich anwesend war. Jedoch muss er externe Informationen von nun an anders generiert haben als noch für den frühen Chronikteil. Da Prosper durch sein theologisches Wirken im Reich nachweislich gut verknüpft war, dürfte ihn diese Aufgabe nicht vor unlösbare Probleme gestellt haben. Spätestens mit der Übersiedlung nach Rom befand sich der Gallier unmittelbar am Fluss der Informa-tionen, die er zum Abfassen seiner jüngeren Chronikfassungen benötigte. Dies gilt insbesondere für die kirchliche Entwicklung, die Prosper als Mitarbeiter Leos nicht nur unmittelbar beobachten konnte, sondern sogar selbst mitgestaltete. Alles in allem sind die Informationen, die Prospers Chronik nach 421 liefert, also oftmals originär.

4. Gattungsgeschichtliche Bedeutung

Prosper führte die Chronik des Hieronymus fort. Diese war ihrerseits ei-ne ins Lateinische übertragene und bis ins Jahr 378 fortgesetzte Version der Eusebius-Chronik. Prosper fügte sich mit seinem Werk also in bereits ältere Genretraditionen ein. Indem er dieser chronistischen Tradition durch die Aufnahme eines zweiten Traditionsstranges, dem der Konsularannalen, eine neue Form gab, war er zugleich maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass sich die Chronistik in der Spätantike zur typischen Gattung christlicher Geschichtsschreibung entwickeln sollte.

Die Grundlage der Chronistik bildeten Herrscherlisten mit ursprünglich rein kalendarischer Funktion. Listen dieser Art wurden bereits im Alten Orient geführt und bereits hier wurden einzelne Herrschaftsjahre mit kurzen Er-eignisberichten von meist militärisch-politischer oder dynastischer Natur verknüpft, wodurch die Herrscherlisten bald eine Rolle für die Identitäts-bildung in einzelnen Reichen spielten. Vom Nahen Osten aus gelangte diese frühe Chronistik auch in den griechischen Raum. Je mehr Listen es gab, desS. 15to naheliegender wurde es, verschiedene Chronologien aufeinander zu beziehen, wie es etwa Eusebius noch im vierten Jahrhundert tat. Da über solche relativen Chronologien ein überlegenes Alter bestimmter Dynastien oder Völker erwiesen werden konnte, lag den entsprechenden Vergleichen nicht nur ein bloß kalendarischer Zweck zugrunde. Sie erfüllten darüber hinaus polemische oder apologetische Funktionen.40 In eine solche Tradition stellte sich auch die jüdische Chronistik, der es darum ging, in einer heidnischen Umwelt das Alter des jüdischen Monotheismus zu belegen.41 Eine ursprünglich reine Chronographie bekam also im Laufe der Zeit eine immer stärker sinnstiftende Funktion.

Auch die christliche Chronistik wies noch bis in die Spätantike hinein deutlich apologetische Grundtendenzen auf. Dies galt auch für Eusebius, dessen Chronik einen vorläufigen Höhepunkt der Gattung im christlichen Kontext darstellte. Ganz in der bereits Jahrhunderte alten östlichen Tradition stehend, verfasste der Bischof von Caesarea eine inhaltlich umfassende und in ihrem chronologischen Anspruch unerreicht detaillierte – wenn auch komplizierte – Weltchronik in griechischer Sprache.42 Ihre eigentliche Wirkung entfaltete diese Chronik freilich erst mit ihrer Übersetzung durch Hieronymus. Die spätantik-christliche Chronistik sollte ihren Durchbruch im lateinischen Westen des Reichs feiern, weshalb die Chronikversion des Hieronymus zum zentralen Anschlusspunkt für verschiedene Chronisten des frühen fünften Jahrhunderts werden sollte.43 Hieronymusʼ Chronik wurde von diesen Autoren über ihr Schlussjahr 378 hinaus fortgesetzt. Prosper war nur einer dieser Autoren, doch gebührt ihm in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung, war er doch sicherlich der chronologisch genaueste und konzep-tionell eigenständigste Hieronymus-Fortsetzer. Es ist kein Zufall, dass Prosper damit für die nächstfolgende Generation von Chronisten zum neuen Hieronymus wurde, es meist seine Chronik war, die nun ihrerseits fortgesetzt werden sollte.

Der Grund hierfür war, dass der Gallier die Chroniktradition im Gegensatz zu Hieronymus nicht nur sprachlich latinisierte. Durch eine Verknüpfung mit den Konsularannalen und durch die Überarbeitung des HieroS. 16nymus-Teils richtete Prosper die Chronistik auch chronologisch und inhaltlich verstärkt auf westliche Bedürfnisse hin aus. Dies war naheliegend, denn auch im Westen des Reichs kannte man natürlich eine eponyme Jahreszählung, auch wenn diese sich dort traditionellerweise nicht an einzelnen Herrschern, sondern an den römischen Konsuln orientierte. Die Namen dieser Jahresbeamten wurden in Fasten zusammengefasst, die wie die Herrscherlisten der östlichen Chronistik ursprünglich eine hauptsächlich kalenda-rische Funktion besaßen. Aber auch sie wurden nach und nach durch die kurze Einfügung wichtiger Ereignisse inhaltlich angereichert. Prosper nutz-te solche angefüllten Listen wahrscheinlich als Quelle für seine frühen Chronikeinträge.44 Da also die westliche Fastentradition eine gewisse Verwandtschaft zur östlichen Chroniktradition aufwies, bot es sich für den westlichen Chronisten an, beide Stränge zu verknüpfen, indem er zur Zählung der Jahre in seinem Werk eine Konsuldatierung verwendete.

Für die Rezeption seiner Chronik gerade im Westen des Reichs erwies sich dies als zentral. Zum einen verwendete Prosper als erster Autor einer „vollwertigen“ Chronik diejenige Datierungsweise, die seiner lateinischsprachigen Umwelt geläufig war.45 Zum anderen konnte er dadurch das komplizierte chronologische Geflecht des Eusebius-Hieronymus, mit den verschiedenen aufeinander bezogenen Herrscherlisten verschiedener Völker, entscheidend vereinfachen und seinen Rezipienten damit die Orientierung erleichtern. Diese Erleichterung nützte freilich auch Prosper selbst: Die vergleichsweise große chronologische Genauigkeit seines Werks hatte sicherlich auch damit zu tun, dass die von ihm verwendete Konsuldatierung weni-ger fehleranfällig war als eine Herrscherdatierung, da in seiner Methode das Amtsjahr der eponymen Konsuln mit dem Effektivjahr zusammenfiel. Kurz gesagt hatte Prosper der östlichen Chroniktradition einen kohärenten chronologischen Rahmen verschafft, der westlichen Fastentradition literarische Kraft.

Gleichzeitig spiegelt diese technische Weiterentwicklung der Chroniktradition durch Prosper auch eine veränderte theologische Grundaufgabe derS. 17 Chronistik, nämlich die – freilich bereits bei Hieronymus angelegte – Abkehr vom apologetischen Zweck des Werks. Das Ziel des Eusebius war es noch gewesen, das Alter des Christentums im Vergleich zur heidnischen Re-ligion zu erweisen. Eine ähnliche Funktion war zur Wirkungszeit Prospers obsolet. In einem weitgehend christianisierten Reich konnte und musste er das Christentum nicht mehr nach außen verteidigen. Prosper ging es, auch angesichts der politischen Desintegration gerade des Weströmischen Reichs, vielmehr darum, die Einheit der Heilsgeschichte vom Beginn der Geschichte bis in die Gegenwart in ein schlüssiges Narrativ zu gießen.46

Neben dem Umstand, dass Prosper Teile der Hieronymus-Chronik in sein Werk übernahm, belegen die Veränderungen, die er dabei zur Erstellung einer Hieronymus-Epitome an der Chronik seines Vorgängers vornahm47, dieses Bemühen deutlich. Neben der allgemeinen Kürzung des Ausgangstextes wurde dieser zumindest in zwei Aspekten substantiell ergänzt: Während die Chronik des Eusebius-Hieronymus erst mit Abraham einsetzte, da dieser als erste biblische Person galt, die schlüssig in eine umfassende Weltchronologie einzuordnen war, ergänzte Prosper seinen Bericht um die Zeit der Schöpfung.48 Eine chronologisch-apologetische Plausibilität war dem Gallier in diesem Punkt weniger wichtig als die Einheit und vor allem die Vollständigkeit der Heilsgeschichte. Daneben fügte er in den Hieronymus-Text ausführliche Exkurse über christliche Häresien ein. Die Abwehr solcher galt Prosper jeweils als Erfolg des „rechten Glaubens“, den er als heilsgeschichtlich stabil erachtete.49 Vor allem aber fällt auf, dass Prosper durch seine Datierungsmethode die christliche Heilsgeschichte mit der Geschichte des Römischen Reichs seit dem Prinzipat verknüpfte; die Konsul-datierung setzt bewusst erst mit der Passion Christi ein.50

Prosper ordnete sich also keineswegs unreflektiert in bereits vorhandene Traditionen ein. Er passte diese Traditionen vielmehr in einer spezifisch westlichen Aneignung an seine eigenen Darstellungsabsichten an, integrierS. 18te den Faktor des Römischen Reichs in die Heilsgeschichte, schied apologetische Anliegen aus und öffnete die Gattung so für eine breitere Rezeption. Das Christentum hatte sich zu Beginn des fünften Jahrhunderts unumkehrbar gegen die heidnische Religion durchgesetzt, war zu einem integralen Faktor der römischen Geschichte geworden und stand mehr und mehr in der Notwendigkeit, sich mit Bedrohungen aus seiner eigenen Mitte auseinander-zusetzen. Diesen Entwicklungen trug der Gallier Rechnung und schuf so ei-ne zeitgenössisch zeitgemäßere Form der Chronistik.

5. Rezeption und historischer Wert

Bereits in der Antike wurde das Gesamtwerk Prospers intensiv rezipiert, wobei diese Rezeption in erster Linie den theologischen Schriften galt.51 Gleichzeitig verdeutlicht aber die Vielzahl der Chronikmanuskripte, dass sich auch Prospers historisches Werk in Spätantike und Frühmittelalter großer Beliebtheit erfreute. Die Chronik verbreitete sich schnell im gesamten Mittelmeerraum, sicher auch wegen des Umstands, dass Prosper in Rom schrieb. Eine darauf fußende breite Zugänglichkeit ließ das Werk für Fortsetzer, Exzerptoren und Epitomatoren gleichermaßen attraktiv erscheinen. Damit entwickelte sich die Chronik zur chronologischen Standardreferenz und wurde in allen Teilen des Reichs – auch im vandalischen Africa – inten-siv genutzt, bearbeitet und ergänzt. Unter anderem schloss sich die Chronik des Victor von Tunnuna an Prosper an, ebenso die des Marius von Avenches. Noch im achten Jahrhundert nutzte Paulus Diaconus die Chronik des Galliers.52 So wie Prosper also mit seinen theologischen Schriften das mittel-alterliche Verständnis der Gnadenlehre prägte, so prägte er mit der Chronik das Verständnis von Geschichte und Geschichtsschreibung.

Angesichts dieser Wertschätzung, die Prosper bei Zeitgenossen und bei nachfolgenden Generationen genoss, stechen die negativen Urteile über sei-ne Chronik in der frühen modernen Forschung umso mehr ins Auge. Helm weist in seinem RE-Artikel auf solch negative Wertungen hin, wenn er feststellt, dass die Beurteilung, die Prosper gefunden habe, unter der Verdammung leide, die seiner Chronik zuteilgeworden sei.53 Worin aber gründeteS. 19 diese „Verdammung“? Teilweise wurde einfach ein Urteil über die Hieronymus-Epitome auf den genuin Prosper zuzuschreibenden Chronikteil übertragen.54 Diese Epitome ist tatsächlich nicht mit ähnlicher Sorgfalt gearbeitet wie der fortgesetzte Teil des Werks. Teilweise spiegeln sich in negativen Urteilen aber auch einfach gängige Vorurteile gegen die im Vergleich zur Historiographie angeblich minderwertige Gattung der Chronistik. Selbst ein ebenfalls bereits früh begegnendes Lob des Quellenwerts der Prosper-Chronik wird unter dieser Maßgabe relativiert: Die Feststellung, dass der Schrift ein Wert deshalb zukomme, weil Prosper über eine Zeit berichtet, über die ansonsten kaum zusammenhängende Darstellungen vorhanden sind, schreibt implizit die Voreingenommenheit gegenüber der Quelle fort.55

Dass ein besonderer Nutzen von Prospers Chronik in der Tat darin liegt, dass sie in historisch nicht übermäßig lichte Betrachtungszeiträume stößt, soll gar nicht bestritten werden. Der Wert des Werks erschöpft sich aber kei-neswegs allein darin, dass ein weströmischer Zeitgenosse über die erste Hälfte des fünften Jahrhunderts berichtet. Auch die Art und Weise des Berichts verdient Beachtung. Zum einen zeigt sich Prosper gut informiert, zum anderen zeichnet sich seine Chronik durch chronologische Sorgfalt aus. Die Darstellung ist also nicht deshalb von Bedeutung, weil sie überhaupt existiert, sondern vor allem deshalb, weil sie Qualität hat. Eine solch revidierte Wertung Prospers findet sich in der neueren Forschung, die allgemein von Vorbehalten gegenüber der Chronistik abrückt, verstärkt, sodass Cardelle de Hartmann kaum noch widersprochen werden dürfte, wenn sie feststellt: „Prosper ist unter den Chronisten derjenige mit dem gepflegtesten Stil, der seine Informationen am ausführlichsten ausbreitet und auch eigene Refle-xionen miteinfließen lässt.“56 Auch Muhlberger kommt in seiner vergleichenden Untersuchung mehrerer Chroniken zu einem ähnlich positiven Ergebnis.S. 2057

Darüber hinaus beschränkt sich der Wert der Schrift auch nicht einzig und allein auf die chronologische wie inhaltliche Präzision ihrer Einzel-informationen. Prospers Werk folgt einem klaren Darstellungsplan. Eine zusammenhängende Lektüre zeigt, dass der Chronik ein geschlossenes Geschichtsbild zugrunde liegt, dem Auswahl und Präsentation der Einzelinformationen unterworfen sind. Ohne die eigene Gegenwart allzu negativ zu bewerten, gibt Prosper als Zeitzeuge einen unmittelbaren und doch unaufgeregt reflektierten Einblick in die Entwicklungen, die zum „Untergang“ des Weströmischen Reichs führen sollten. Die Wertungen des Chronisten erfolgen dabei in einer durchaus ungewöhnlichen und für moderne Geschichtsbilder vielleicht auch unerwarteten Perspektive.

Prosper führt die Probleme des Reichs weder auf Invasionen germa-nischer Völker noch auf die strafende Intervention Gottes zurück. Im Gegenteil: Sein Barbarenbild ist neutral, göttliche Eingriffe seiner Darstellung nahezu völlig fremd. Politisch-militärische Rückschläge sind gänzlich einer internen römischen Führungsschwäche geschuldet, die aus moralischen Defiziten zentraler Akteure herrührt. Gleichzeitig scheint der politische Niedergang den Chronisten nicht zu beunruhigen. Sein Augenmerk gilt der Kirche, die sich sogar in solchen Rahmenbedingungen als gefestigt erweist und daher auch nicht auf das Reich angewiesen ist. Die Stabilität der Kirche wiederum sieht Prosper im römischen Papsttum garantiert, womit er gleichzeitig als offiziöse Stimme der römischen Kirche in den Kontroversen seiner Zeit gelten kann. Als gut informierter und verknüpfter Zeitgenosse präsentiert Prosper ein in sich geschlossenes und über die gesamte Chronik hinweg durchgehaltenes Geschichtsbild. Der historische Wert der Chronik ist daher kaum zu überschätzen.

III. Der Inhalt der Chronik

1. Die politische Geschichte

a) Kaiser und Usurpatoren

Die Chronik verzeichnet zahlreiche Usurpationen. Magnus Maximus (1183), Eugenius (1197), Konstantin III. (1232), Attalus (1238 und 1254), ein weiterer Maximus (1243), Jovinus und Sebastianus (1251) sowie Johannes (1282) geben sich gewissermaßen die Klinke in die Hand. Die jeweilige Illegitimität ihrer Herrschaft steht für Prosper außer Frage. Sie werden als tyranni bezeichnet, erlangen ihre Macht auf gewaltsamen Wegen oder durchS. 21 die Unterstützung barbarischer gentes.58 Der Chronist entwirft somit ein Bild klar zuweisbarer Legitimität und Illegitimität kaiserlicher Herrschaft, das jedoch die faktischen Verhältnisse stark vereinfacht. So wird die kurzzeitige Anerkennung des Magnus Maximus durch Theodosius I. und die des Konstantin III. durch Honorius ebenso wenig thematisiert wie die Ablehnung der für Prosper als legitim geltenden augusti Constantius III. und Marcian durch Theodosius II. einerseits und Valentinian III. andererseits. Dass Prosper hingegen Magnus Maximus zweimal als imperator betitelt (1183 und 1187), dürfte einer dem Usurpator gegenüber positiv eingestellten Quelle geschuldet sein. Die gewalttätige Machterlangung durch eine seditio seiner Soldaten und die Bezeichnung als tyrannus in c. 1191 belegen eindeutig, dass der Chronist Maximus nicht als legitim erachtete.

Explizit benennt Prosper zwar keine Maßstäbe, um zwischen Legitimität und Illegitimität zu unterscheiden, die Art und Weise der Machterlangung von Kaisern und Usurpatoren in seiner Darstellung zeigt aber, dass der Chronist eine dynastisch-legitimistische Denkweise an den Tag legt. Die augusti seines Berichts sind in erster Linie deshalb legitim, weil sie ent-weder von einem anderen legitimen Kaiser in ihr Amt eingesetzt werden und/oder Sohn eines legitimen Kaisers sind. Dies gilt in der Chronik für alle nach 378 neu ins Amt gelangten Kaiser außer Marcian, also für Theodosius I. (1170), Arcadius (1179), Honorius (implizit 1198), Theodosius II. (1235, implizit schon 1224), Constantius III. (1273) und Valentinian III. (1286 und 1289) – mithin also für die theodosianische Dynastie.59 Die Legitimität dieser Dynastie wird von Prosper als gegeben vorausgesetzt und erweist sich nicht zuletzt in der stetigen Abwehr einer Vielzahl von Usur-patoren. Auf einer technischen Ebene verdeutlicht die Chronik diese Orientierung am dynastisch legitimierten Kaisertum mit der durchlaufenden Zählung aller jeweils ranghöchsten augusti unter Angabe ihrer Regierungsdauer.60

Im Laufe der Entstehung der Chronik muss Prosper dann aber bewusst geworden sein, dass ihm das theodosianische Kaisertum zwar als eine Säule seines Narrativs diente, für sich genommen aber kein sonderlich wirkmächtiger historischer Faktor mehr war, gerade im Westen des Reichs. WährendS. 22 Theodosius I. noch als durchsetzungsstarke Persönlichkeit charakterisiert wird, liegt die politische Initiative unter seinem Sohn Honorius bereits gänzlich in den Händen einzelner magistri militum, insbesondere des Stilicho und des Constantius. Letzterer wird dementsprechend von der Chronik frühzeitig als eigentlicher Herrscher des römischen Westens präsentiert, noch bevor er 421 selbst ins Kaisertum aufsteigen sollte, aber noch im Laufe des gleichen Jahres verstarb.61 Unter Valentinian III. ist es schließlich Aëtius, der als faktischer Machthaber anstelle des Kaisers agiert und dessen Beseitigung Valentinian selbst lediglich um ein Jahr überlebt. Die mit dieser politischen Insuffizienz der Theodosius-Nachfolger einhergehende Schwächung des Reichs insgesamt, einerseits durch Rivalitäten hoher Militärs um die vakante politische Führungsrolle, andererseits durch die dadurch beförderten Einfälle barbarischer Völker, dürfte für Prosper dazu beigetragen haben, seinen Fokus verstärkt auf die zweite, stabilere Säule seiner Geschichtsdarstellung zu richten, das römische Papsttum.62

Diese Akzentverschiebung führt in dem Moment, in dem beide Ordnungsfaktoren auf der „Räubersynode“ von Ephesus II in Konflikt geraten (1358), zum Bruch des Chronisten mit dem theodosianischen Haus. Mit Marcian lobt Prosper nun einen Kaiser, der laut der Chronik vom Heer ausgerufen wurde (1361) und dem Chronisten gemäß seiner vorherigen impliziten Kriterien für die Legitimität kaiserlicher Herrschaft daher eigentlich als Usurpator hätte gelten müssen und in den Augen Valentinians III. genau dies auch war.63 Prosper verschweigt sogar die Heirat des neuen oströ-mischen Kaisers mit Pulcheria, der Schwester des verstorbenen Theodosius II., und übergeht damit eine mögliche dynastische Legitimitätsgrundlage. Darüber hinaus scheint er nachträglich seinen Bericht über die Aus-rufung Valentinians III. zum augustus der Ausrufung Marcians durch das Heer angeglichen zu haben, um so die marcianische Legitimität zu unterstreichen.64

Dieses Abrücken von der politisch schwachen und darüber hinaus auch dogmatisch unzuverlässigen theodosianischen Dynastie führt in der letzten Überarbeitungsstufe der Chronik dann dazu, dass Prosper nach dem Tod des Theodosius II. offensichtlich darauf verzichtet, dessen Regierungszeit anS. 23 der entsprechenden Stelle nachzutragen.65 Auch bricht die durchlaufende Zählung der römischen Kaiser an der Stelle der Marcian-Erhebung ab, an der eigentlich das Kaisertum des Valentinian III., des nun ranghöchsten augustus, die Reihe und Zählung der römischen Kaiser hätte fortsetzen müssen. Damit verliert das römische Kaisertum insgesamt seine Funktion für die Gliederung des Berichts. Von den zwei maßgeblichen und durchlaufend erwähnten Ämtern bleibt am Ende der Chronik allein das römische Papsttum übrig.

b) Die Rivalitäten hoher Militärs

Das zentrale Thema des politischen Berichtteils der Chronik sind die internen Spannungen hoher Funktionsträger im Weströmischen Reich. Diese Spannungen bilden in der Darstellung der Chronik einerseits die Voraussetzung für das Vordringen germanischer gentes und werden damit als eigentliche Ursache für den „Niedergang“ des Reichs identifiziert.66 Andererseits transportiert Prosper über die Darstellung interner Konflikte und ihrer Folgen eine moralische Botschaft: Das egoistische Streben nach bloß persön-lichem Vorteil ist in der Konsequenz nachteilig sowohl für den ambitionierten Akteur selbst als auch für das Gemeinwesen.

Am deutlichsten wird dies in der von Prosper zu einem „Kampf der Generäle“ um die politische Nachfolge des verstorbenen Constantius III. stilisierten Phase der Jahre 422 bis 432. Die gegeneinander gerichteten Ambi-tionen der Generäle Castinus, Bonifatius, Felix und Aëtius führen diese in den persönlichen Untergang. Castinus verschwindet mit der Niederlage des Johannes aus der Chronik, Felix wird ermordet (1303), Bonifatius stirbt während eines Feldzugs gegen Aëtius (1310). Auch Aëtius fällt letztlich seinem Machtstreben zum Opfer, als er 454 durch Kaiser Valentinian III. ermordet wird (1373). Prospers Wertung an dieser Stelle, dass statt des Hasses eigentlich die gegenseitige Zuneigung hätte gefördert werden müssen, kann damit auch als Kommentar für die Situation der Jahre 422 bis 432 gelten. Subalterne Generäle wie Sanoeces oder Litorius fügen sich nahtlos in das dergestalt entworfene Bild der Chronik ein.67 Die Folgen der dargestellten Rivalitäten haben aber nicht nur die militärischen FührungspersönlichkeitenS. 24 selbst zu tragen. Ihre Kämpfe untereinander führen zu beständigen Bürgerkriegen und zu einer Schwächung des Reichs, in deren Folge sich unter anderem die Vandalen in Africa festsetzen können. So sabotiert Bonifatius den Feldzug des Castinus gegen die Vandalen in Spanien, was in den Worten Prospers „der Beginn vieler nachfolgender Mühen und Übel“ für das Staatswesen gewesen sei (1278). Die Africainvasion der Vandalen selbst beschreibt Prosper dann als Folge des Kriegs zwischen Bonifatius und Felix (1294 f.).

In der Sicht des Chronisten schwächt die militärisch-politische Führungsriege also zugunsten persönlicher Machtinteressen das Reich und trägt damit zum „Niedergang“ Westroms bei.68 Es dürfte diese schwerwiegende Folge der wechselseitigen Rivalitäten der großen Generäle sein, die dazu führt, dass Prosper die einzelnen Beteiligten an den internen Konflikten – auch Aëtius und mit gewissen Abstrichen Bonifatius69 – tendenziell negativ beurteilt. Dies gilt insbesondere im Vergleich zu Constantius III., der einzigen weitgehend positiv gezeichneten militärischen Führungspersönlichkeit. Constantius nutzt seine Macht dazu, das vielfältig bedrohte Reich zu stabilisieren und wird in der Folge mit seiner Erhebung ins Kaisertum belohnt. An ihm müssen sich seine ihm nacheifernden Nachfolger dann messen lassen. Da sie aber das von Constantius so mühsam konsolidierte Reich durch ihre Rivalitäten wieder schwächen, halten sie dem Vergleich mit dem Vorgänger nicht stand und scheitern daher konsequenterweise auch beim Verfolgen ihrer persönlichen Ziele.

c) Das Reich und die Germanen

Die Rolle, die die barbarischen gentes bei Prosper für den „Niedergang“ des Weströmischen Reichs spielen, ist insgesamt eine passive. Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen sieht der Chronist die verschiedenen Völker in erster Linie nicht als Verursacher sondern als Profiteure eines bereits in Gang gesetzten Desintegrationsprozesses.70 Die entscheidende SchwächungS. 25 des Reichs liegt für ihn in den internen Rivalitäten der weströmischen Führungsschicht begründet. Erst auf dieser Grundlage bekommen einzelne gentes überhaupt die Möglichkeit, ins Reich zu gelangen und sich dort festzusetzten. Insofern dienen die Völker Prosper vor allem dazu, die fatalen Konsequenzen individuellen moralischen Fehlverhaltens politischer Entscheidungsträger zu verdeutlichen.

Ganz abgesehen davon zeigt sich Ravenna der selbstverschuldeten barbarischen Herausforderung wiederholt als nicht gewachsen. Geschwächt von Bürgerkriegen leiden Durchsetzungs- und Handlungsfähigkeit der Reichsregierung. Daneben präsentiert Prosper die Handelnden auch immer wieder als unvorbereitet und als über die Maßen arglos, wodurch die einzelnen gentes auch eine wichtige Rolle als Aufhänger für Kritik an einzelnen politischen Akteuren spielen. Gerade die meist subtile Kritik an Aëtius fußt auf solchen Vorwürfen mangelnder Umsicht in der Auseinandersetzung mit den Germanen. Im Rahmen der Eroberung Karthagos durch die Vandalen (1339) weist der Autor mehrfach darauf hin, dass der Verlust Africas zu ver-hindern gewesen wäre, wenn Ravenna die Bedrohung, die von Geiserich of-fensichtlich ausgegangen sei, ernst genommen hätte.71

Da sich die Germanenvölker in der Chronik also nicht verantwortlich für die Krise des Reichs zeigen, ergibt sich bei Prosper insgesamt ein vergleichsweise neutrales Barbarenbild. Die barbarischen Völker sind für ihn keineswegs per se schlecht. Einzig die Darstellung der Hunnen folgt maßgeblich den Linien vorgegebener Bilder zeitgenössischer Publizistik.72 Bei den germanischen Völkern der Westgoten und auch der Vandalen – explizite Kritik durch Prosper erfährt hier immer nur ihr König Geiserich, nicht aber das Volk an sich – liegt der Fall anders. Beide hielten sich seit Beginn des fünften Jahrhunderts beständig auf Reichsgebiet auf und scheinen sich dort schnell die Regeln römischer Politik und Diplomatie angeeignet zu haben, wie die Installierung des Attalus als Marionetten-Kaiser der Westgoten in Verhandlungen mit Kaiser Honorius um Siedlungsland zeigt (1238 und 1254). Goten und Vandalen stellen daher einen zwar nicht immer verläss-lichen, aber doch besser berechenbaren Faktor für die Akteure in Ravenna dar. Die foedera, die mit Goten und Vandalen geschlossen werden, deutenS. 26 darauf hin, dass die römischen Akteure, und letztlich auch Prosper, sie prinzipiell für vertragsfähig hielten.73

Dementsprechend muss sich ihr Aufenthalt auf Reichsboden in der Darstellung der Chronik auch nicht zwangsläufig desintegrativ auf das Reich auswirken, jedenfalls nicht in stärkerem Maße als das Handeln der Akteure in Ravenna selbst. Geht man davon aus, dass Prosper in Person und Handeln des magister militum Constantius ein stabilisierendes Moment für das Reich erkennen will, so dürfte der Chronist sogar in der Ansiedlung der Westgoten in seiner Heimat Aquitanien im Jahr 418 (1271 zum Jahr 419) eine tendenziell konstruktive Maßnahme erkannt haben. Zwar verschweigt der Chronist nicht, dass die Goten auch nach ihrer Ansiedlung eine latente Bedrohung für Ravenna blieben, da sie weiterhin in erster Linie eigene Interessen verfolgten (1290 und 1324). Er weist im Zusammenhang mit der Attila-Invasion Galliens 451 (1364) zugleich aber darauf hin, dass sich diese Interessen durchaus mit römischen Interessen decken konnten. Konsequenterweise präsentiert er in c. 1371 die Ebenen der „gotischen Ruhe“ und des „Friedens mit den Römern“ als zusammengehörig. Hiermit reflektiert der Chronist nicht nur mögliche innergotische Diskurse um ein adäquates Verhältnis von Tolosa und Ravenna, sondern bezieht zugleich Position in analogen rö-mischen Diskussionen. Das Bild der Westgoten bei Prosper ist also paradigmatisch für seine Stellung zu den barbarischen gentes insgesamt. Er bewertet einzelne Völker, ebenso wie einzelne Personen, anhand ihrer Taten und Motive. In dieser Perspektive können selbst Barbarenvölker als Stabilitätsfaktor für das Reich wirken.

2. Die kirchliche Geschichte

a) Häresie und Orthodoxie

Ähnlich wie das römische Kaisertum der Herausforderung durch Usurpationen unterworfen ist, so ist die katholische Kirche in der Darstellung der Chronik einer beständigen Herausforderung durch Häresien ausgesetzt. Da in heilsgeschichtlicher Perspektive die ständige Zurückweisung kirchlicher Irrlehren zugleich den Geltungsanspruch der Orthodoxie als legitim verbürgt, legt Prosper in der Hieronymus-Epitome wie im fortgesetzten Chronikteil einen deutlichen Schwerpunkt auf die Beschreibung solcher Häresien und ihrer Abwehr. S. 27

Die Exkurse zu den einzelnen Häresien sind relativ ausführlich, die Beschreibungen der fraglichen Lehren inhaltlich vergleichsweise präzise. Auch decken die thematisierten Irrlehren tatsächlich die maßgeblichen häre-tischen Herausforderungen der Berichtzeit ab. Auf den ersten Blick scheinbar vorhandene Lücken, wie die fehlende Beschäftigung mit dem Arianismus, erweisen sich bei einem Blick in die Hieronymus-Epitome als gefüllt.74 Während Prosper zu Beginn seiner Chronikfortsetzung inhaltlich noch einer gallischen Perspektive folgt und beispielsweise dem eher lokal bedeutsamen Priscillianismus (1171 und 1187) Aufmerksamkeit widmet, nimmt er später reichskirchliche Bedrohungen wie den Eutychianismus (1358) in den Blick. In gewisser Weise spiegelt sich hierin der biographische Bruch Prospers, der mit seiner Übersiedlung nach Rom als Mitarbeiter Papst Leos in unmittelbare Berührung mit der reichsweiten Kirchenpolitik kam.75

Im Zentrum der Häresiediskussion des augustinisch orientierten jungen Prosper steht fraglos noch der Pelagianismus, beziehungsweise ein von diesem nicht unterschiedener Semipelagianismus. Der Beschreibung und Abwehr dieser Irrlehre widmet der Chronist ganze acht Einträge, die sich über zwei Redaktionsstufen der Chronik hinweg erstrecken.76 Durch die Betonung der Rolle africanischer Akteure in der Zurückweisung des Pelagianismus (1261 und 1266) und durch die Deutung des Nestorianismus als dessen Schwesterhäresie (1306) weist die Chronik zugleich auf den ökumenischen Charakter dieser häretischen Herausforderung hin. Die Konzentration auf die antiaugustinische Irrlehre ist zum einen biographisch-theologisch begründet, war Prosper zu seiner gallischen Zeit doch selbst in die Kämpfe um die Lehren des Augustinus involviert. Darüber hinaus spielt die Häresie aber auch eine nicht unerhebliche Rolle für eine moralische Grundaussage der Chronik: Prosper nutzt das für ihn typisch pelagianische Charakteristikum des Hochmuts im- und explizit immer wieder zur negativen BeschreibungS. 28 einzelner Akteure auch politischer Provenienz.77 In diesem Punkt sind theologische und politische Ebene also verbunden, die jeweilige Kritik Prospers wird durch die Analogie jeweiliger charakterlicher Defizite umso deutlicher.

Allen von Prosper beschriebenen Häresien ist gemein, dass sie ihren Ausgang in der Geschichte nehmen, als „Erfindungen“ ihrer jeweiligen Häresiarchen gelten und dementsprechend auch nach diesen benannt sind. Im Gegensatz zu diesen historisch bedingten Irrlehren erweist sich die Orthodoxie als apostolisch und damit universal, sie geht auf Christus selbst zurück und ist in Folge einer apostolischen Sukzession von Bischöfen bruchlos überliefert. Damit gilt der rechte Glaube als heilsgeschichtlich stabil und kann sich, anders als die Häresie, auf seine Einsetzung durch Christus be-rufen und nicht bloß auf eine Erfindung durch Priscillian (1171), Pelagius (1252), Nestorios (1297) oder Eutyches (1358). Prospers apostolisches Glaubenskonzept wird deutlich in c. 1369, wo er die 451 in Chalcedon beschlossenen Glaubensformeln als „gemäß der Lehre der Evangelien und der Apostel“ beschreibt. Das Konzept von der apostolischen Stabilität der Orthodoxie verbindet sich bei Prosper im Laufe der Zeit dann verstärkt mit dem Papsttum. Die in die Chronik eingebundene römische Bischofsliste lässt vermuten, dass der Chronist der ungebrochenen Sukzession der rö-mischen Bischöfe schon früh eine heilsgeschichtliche Bedeutung für die apostolische Stabilität der Kirche insgesamt zubilligen wollte. Als Papst Leo dann das Konzept der Apostolizität in immer stärkerem Maße für die rö-mische Kirche monopolisierte, fielen für den späten Prosper schließlich Orthodoxie und Papsttum untrennbar in eins.78

Dieser gedankliche Prozess sich wandelnder ekklesiologischer Posi-tionen bei Prosper ist auch der Grund dafür, dass sich der Personenkreis, der sich laut der Darstellung der Chronik bei der Abwehr von Häresien hervortut, sukzessive kleiner wird. Während die Bekämpfung von Irrlehren anfangs noch von einem breiten Kollektiv kirchlicher Akteure unterschied-licher Herkunft getragen wird, verengt sich der Personenkreis im Laufe der Chronik zunehmend auf die römischen Bischöfe. Spätestens im Pontifikat des Leo ist die Orthodoxie von Prosper dann völlig im Papsttum personaS. 29lisiert, die Häresieabwehr zur ureigenen Aufgabe des römischen Pontifex geworden.79

b) Die Rolle der römischen Kirche

Allein die Einbettung der römischen Bischofsliste in den Bericht der Chronik zeigt, wie zentral die römische Kirche für Prosper und die Komposition seines Geschichtswerks war. Neben dem Kaisertum ist das Papsttum die einzige Institution, deren Amtsträger durchgehend aufgelistet werden. Gegen Ende des Berichtzeitraums, als die beiden geschichtlichen Ordnungsgrößen unter Kaiser Theodosius II. miteinander in Konflikt geraten (1358), erweist sich das Papsttum schließlich sogar als die tragende Säule der Darstellung.

Doch auch vorher lässt sich in der Bipolarität kirchlicher und politischer Entwicklung bereits eine sich verstärkende Hinwendung des Chronisten zur kirchlichen, gerade zur römisch-kirchlichen Sphäre erkennen. Während sich das Kaisertum zunehmend als schwach, das Militär zunehmend als moralisch defizitär erweist, präsentiert Prosper das Papsttum als stabil, durchsetzungsstark und integer, und zeichnet damit schon vor dem Bruch mit dem theodosianischen Haus ein kirchliches Gegenbild zur politischen Schwäche des Reichs. Unter Führung des Papsttums zeigt sich die Kirche im Gegensatz zum politischen Reich stets dazu in der Lage, die Aufrechterhaltung der eigenen Ordnung sicherzustellen.80 Nicht zuletzt dieser darstellerische Gegensatz ist der Grund dafür, dass Prospers Bild vom Papsttum nicht immer der faktischen Entwicklung entspricht. So übertreibt er in manchen Zusammenhängen die Rolle der römischen Bischöfe, beispielsweise bei der Abwehr des Nestorios (1297). Daneben thematisiert der Chronist nicht, dass der seiner Darstellung zugrunde liegende römische Primatanspruch, den insbesondere Papst Leo vehement betonte, in der reichsweiten Kirche keineswegs unumstritten war. Implizit gibt Prosper sogar Hinweise auf hierar-chische Rückschläge des apostolischen Stuhls, unter anderem in den beiden Osterterminkontroversen mit der Kirche von Alexandria (1352 und 1376).S. 30

Auf die gleiche Weise erklärt sich, wieso Prosper darauf verzichtet, die dogmatischen und hierarchischen Konflikte zu thematisieren, die das Pontifikat des Zosimus begleiteten. Dieser hatte mit seiner Verteidigung des Pela-gius einerseits die africanische Kirche gegen sich aufgebracht, durch Eingriffe in den Streit um den südgallischen Metropolitansitz andererseits Teile der gallischen Kirche von Rom entfremdet. Ebenso wenig taucht das innerrömische Schisma von 418/19 in der Chronik auf, obwohl Prosper zweifellos von ihm gewusst hat.81 Da für ihn die Grundlage für das kirchliche Stabi-lität garantierende Wirken der Päpste die Apostolizität des römischen Bistums war, Hinweise auf ein römisches Schisma oder auf die zweifelhafte Positionierung eines einzelnen Papstes aber die ungebrochene Sukzession des Papsttums von Petrus an bis hin zum aktuellen Amtsträger infrage hätte stellen können, entschied er sich, entsprechende Situationen mehr oder minder geschickt zu verschweigen oder umzudeuten. Die römische Bischofsliste in der Chronik behält damit eine ähnliche Funktion wie die erste bekannte Liste bei Irenaeus von Lyon, in der die Kontinuität der römischen Sukzession die Rechtgläubigkeit der römischen Bischöfe verbürgt.82

Diesen Gedanken fortspinnend, gelten die Päpste für Prosper dann als letztgültiger Prüfstein für Orthodoxie und Häresie – oder anders: Die Position der römischen Bischöfe gilt dem Chronisten per se als orthodox. Auf dieser Grundlage gelangt die Chronik zu einem geschlossenen Bild vom kirchlichen Handeln der Päpste, welches seinen Höhepunkt in den späten Fassungen des Berichts unter Papst Leo findet. Die Rolle des römischen Bischofs verdichtet sich dabei in c. 1350, wo die antimanichäischen Maß-nahmen Leos in Rom beschrieben werden. Indem die anderen Kirchen des Reichs, auch im Osten, dem Beispiel des „apostolischen Lenkers“ nach-geeifert hätten, habe der Einsatz des Papstes dem gesamten Erdkreis genutzt. Es ist Rom, das die Einheit sowohl der Heilsgeschichte als auch der reichsweiten Kirche verbürgt, indem es Häresien abwehrt. Nur zu Beginn der Chronik teilt sich die römische Kirche diese Häresieabwehr noch mit anderen Akteuren. Im gleichen Maße, in dem Prosper dann verstärkt die apos-tolische Qualität der Päpste betont83, monopolisieren die Päpste dann auchS. 31 jene in seinem Denken so wichtige Aufgabe. Den anderen kirchlichen Ak-teuren bleibt, der römischen Direktive zu folgen (1350 und 1369).

Während also die Eigennützigkeit der politischen Führung zu politischer Instabilität führt, begründet das Handeln der kirchlichen Führung eine umfassende kirchliche Stabilität. Die Chronik führt diesen Gegensatz so weit aus, dass sie ihn im Pontifikat des Leo schließlich auf die Spitze treiben kann: Es ist nun die Kirche, die nicht mehr nur sich selbst, sondern zunehmend auch das Reich stabilisiert. Papst Leo begegnet mehrfach in dezidiert politischer Funktion: 440 schlichtet er den Streit zwischen Aëtius und Albinus in Gallien (1341), 452 tritt er dem Hunnenkönig Attila (1364), 455 dem Vandalenkönig Geiserich (1375) in diplomatischer Mission entgegen. In allen drei Situationen vermag der kirchliche Akteur das, wozu die eigentlich dazu beauftragten politischen Akteure nicht mehr in der Lage sind. Leo wendet politisches und militärisches Unheil vom Reich und der Stadt Rom ab (am deutlichsten 1364).

All das unterstreicht, dass das Papsttum nach dem Bruch Prospers mit dem theodosianischen Kaisertum von c. 1358 für die Chronik als einziger und eigentlicher Kontinuitätsfaktor römischer Geschichte dient. Das kirchliche Rom löst mit Papst Leo das politische Rom in seiner historischen Bedeutung endgültig ab. Es ist genau diese Sicht auf das Römertum, welches also faktisch nur noch kirchlich greifbar ist, die Prosper davor bewahrt, angesichts des politischen Niedergangs des Reichs in Panik zu verfallen. Aus diesem Grund gebührt der letzte Eintrag der Chronik auch dem Einsatz des römischen Bischofs für die liturgische Einheit des gesamten Reichs (1376), nicht aber der direkt zuvor berichteten Plünderung Roms durch die Vandalen.

3. Kirchliche Macht – politische Ohnmacht

Ähnlich wie auch Papst Leo, der der Kirche von Konstantinopel nach dem Konzil von Chalcedon 451 entgegenhielt, dass die Ordnung der Kirche eine andere sei als die Ordnung der weltlichen Dinge84, steht Prosper poli-tischen Eingriffen in die Kirche kritisch gegenüber. Er geht hierbei sogar einen entscheidenden Schritt über leonische Positionen hinaus, hatte er seine eigene Position bezüglich des Verhältnisses von Reich und Kirche doch offenbar bereits sehr frühzeitig und dabei unabhängig vom Papst entwickelt. Die Chronikversion des Jahres 433 macht deutlich, dass die VorbehalteS. 32 Prospers gegenüber politisch motivierten und gestützten Eingriffen in kirchliche Sphären sogar dann Gültigkeit besitzen, wenn es sich bei diesen Eingriffen um Eingriffe zugunsten der Orthodoxie handelt.

So teilt Prosper die verbreitete Kritik am Todesurteil, das der Usurpator Maximus in Trier über Priscillian verhängte (1187 mit 1193), obwohl dieser dem Chronisten unzweifelhaft als Häretiker gilt (1171). Auch die Beschreibung der Affäre um die politisch motivierte Absetzung des Heros von Arles (1247) zeigt, dass für Prosper die dogmatische Orientierung politischen Eingreifens in die Kirche für seine Missbilligung solchen Eingreifens nicht entscheidend ist. Der Chronist kritisiert später immerhin auch den ebenfalls politisch veranlassten Mord am unkanonisch ins Amt gelangten Heros-Nachfolger Patroclus (1292). Später ist es dann der häretische Übergriff des Kaisers Theodosius II. auf die Kirche (1358), der dazu führt, dass sich die Chronik von der theodosianischen Dynastie als Faktor für die Strukturierung ihres Berichts abwendet. Das Problem, das der Chronist mit (wie auch immer motivierten) Eingriffen politischer Akteure in die Belange der Kirche hat, spricht er im Zusammenhang mit der Heros-Absetzung deutlich an: Entsprechende Eingriffe führen zu Spannungen innerhalb der Kirche.85 Eine solche discordia betrachtet Prosper, ähnlich wie auch hinsichtlich der poli-tischen Ebene, aber als Grundübel. Die drohenden desintegrativen Folgen hält Prosper aber nicht nur für problematisch, sondern darüber hinaus auch für unnötig: Im Gegensatz zum Reich war die Kirche in seinen Augen dazu in der Lage, ihre internen Konflikte selbst zu regeln. Eine Kirche, die geschlossen dem Papsttum folgte, brauchte kein regelndes Kaisertum.

Andererseits stehen sich für Prosper Kirche und Reich, religiöse und politische Ebene nicht unvereinbar gegenüber. Eine solche Position wäre zeitgenössisch untypisch, wenn nicht sogar undenkbar.86 Im Gegenteil: Der chronologische Rahmen der Prosper-Chronik mit seiner Verbindung der römischen Geschichte mit der kirchlichen Heilsgeschichte legt nahe, dass auch der Chronist die Ebenen von Reich und Kirche eng aufeinander bezogenS. 33 wissen wollte. Dass er mit seiner Kritik am eingreifenden Kaisertum nicht gänzlich konsequent sein konnte, liegt auch daran, dass Papst Leo dies ebenfalls nicht war. So erwähnt Prosper, dass Leo Kaiser Marcian in der Osterterminfrage von 455 einige Briefe schrieb (1376), offenbar in der Erwartung der Durchsetzung seiner theologisch-liturgischen Position durch Marcian. Selbst vergleichsweise kritische Päpste wie Leo konnten also einer Kooperation mit dem Kaisertum nicht gänzlich eine Absage erteilen, da es in letzter Instanz nur die Kaiser waren, die den kirchlichen Akteuren im reichsweiten Konfliktfall zur Durchsetzung verhelfen konnten.87 Die Chronik wertet das Verhalten Leos insofern zwar nicht explizit positiv, erwähnt es aber immerhin.

Es findet sich aber noch ein anderer Grund für die nicht gänzlich konsequente Trennung beider Ebenen: Eine mangelnde Abgrenzung musste sich nicht zwangsläufig nur in politischen Übergriffen auf die Kirche zeigen, sondern konnte auch zu kirchlichen Übergriffen auf politische Sphären führen. Diese Form der Transzendierung beider Ebenen aber beschreibt Prosper gerade in den späten Teilen der Chronik mehrfach (insb. 1341, 1364 und 1375). Die entsprechenden Eingriffe kirchlicher Akteure ins politische Geschehen werden dabei keinesfalls kritisiert, sondern als nutzbringend begrüßt und dadurch legitimiert. Die römischen Kaiser sind schwach, die mili-tärisch-politische Führung erweist sich als zerstritten und nicht mehr dazu in der Lage, den politischen Bedrohungen des Reichs entgegenzutreten, was beispielsweise an der Überraschung Ravennas über die Eroberung Karthagos durch Geiserich verdeutlicht wird (1339). Hier weist Prosper deutlich auf die Differenz zwischen der politischen Ohnmacht und der kirchlichen Handlungsfähigkeit hin, immerhin beschreibt die Chronik in einer analogen kirchlichen Situation kurz vor dem Verlust Karthagos die römische Kirche sehr wohl als aufmerksam, wenn sie die Wiederaufnahme des Julianus von Aeclanum in die Gemeinschaft verhindert (1336). Letztlich ist das Reich in der Sicht Prospers zur Aufrechterhaltung grundlegender politischer Stabi-lität also sogar darauf angewiesen, dass kirchliche Akteure ihrerseits die Abgrenzung beider Ebenen durchbrechen.

Während der politische Weltmachtanspruch des Reichs von Ravenna nicht mehr aufrechterhalten werden kann88, sorgt die römische Kirche für dieS. 34 Reinheit der christlichen Lehre sogar am äußersten Rand der Welt, nämlich auf den britischen Inseln (1301 und 1307). Der Weltmachtanspruch Roms geht im Laufe der Chronik also von der politischen auf die kirchliche Sphäre über. Damit findet die im chronologischen Rahmen der Chronik ausgedrückte Verbindung von Römertum und Heilsgeschichte letztlich ihre Erfüllung. Im Papsttum bündeln sich beide Orientierungspunkte und beschließen dadurch den Bericht der Chronik.

4. Die Hauptfiguren

Die gerade skizzierten Themen werden von der Chronik über die Beschreibung des Handelns einzelner Personen vermittelt. Dabei stehen verschiedene Akteure überdurchschnittlich häufig im Fokus. Constantius, Aëti-us, Geiserich und Leo sind die Protagonisten der Chronik. Ihre Charakte-risierung spiegelt Grundthemen und liefert Bilder und Gegenbilder, anhand derer Prosper seine (heils-) geschichtliche Botschaft mal offensichtlicher, mal subtiler vermittelt.

Der personale Fokus der frühen Chronikfassung von 433 liegt auf Con-stantius, der sich 421 als Constantius III. kurzzeitig zum römischen Kaiser aufschwingen sollte. Er repräsentiert Prospers legitimistische Sicht auf das theodosianische Kaisertum, in dessen Dienst sich der steile Aufstieg des Generals vollzieht. Sein erfolgreiches Handeln stabilisiert das bedrohte Reich, womit er ein Gegenbild zu Aëtius liefert, der ihn nach einer Zwischenphase des „Kampfs der Generäle“ in seiner Stellung als bestimmende Figur ablöst und dessen Agieren dann in den späteren Fassungen der Chronik nachgezeichnet wird. Vor dem Hintergrund des Constantius zeigt sich also die kriti-sche Distanz Prospers zu Aëtius. Dessen Handeln ist ambivalent, wie die Umstände seines Aufstiegs verraten, der sich unter dem Primat persönlicher Machtinteressen abspielt und damit das von seinem Vorgänger stabilisierte Reich wieder destabilisiert. In diesem Sinne verkörpert die Person des Aëti-us die negativen Effekte individuellen Machtstrebens auf den Einzelnen und auf das Gemeinwesen sowie das wechselhafte Geschick im Vertrauen auf rein menschliche Fähigkeit und Umsicht.

Einer der Gegner des Aëtius, an dessen Erfolgen sich die Schwächen des magister militum zeigen, ist der Vandalenkönig Geiserich. In dessen Kampf gegen die katholische Kirche und gegen Gott selbst (vgl. 1339) liefert dieser auch eine Kontrastfolie zu Papst Leo, mit dem er kurz vor Ende der ChronikS. 35 auch direkt zusammentrifft. Der Papst zeichnet sich hier durch sein Gottvertrauen aus, welches ihn gegenüber Geiserich umso positiver erscheinen lässt, ihn gleichzeitig aber auch in einen Gegensatz zu Aëtius bringt, der sich gänzlich auf seine eigene providentia verlässt (1364). Im Erfolg Leos liegt damit beides, eine Kritik am gottlosen Vandalenkönig und eine Kritik am letztlich an seiner eigenen Beschränktheit scheiternden römischen General. Leo steht damit stellvertretend für die Kirche und vor allem für das Papsttum, das sich zum maßgeblichen stabilisierenden Faktor sowohl für das Reich als auch für die Kirche entwickelt, weil die politische Führung nach dem Tod des Constantius hinblicklich ihrer politischen Aufgaben versagt hat.

a) Constantius III.

Die Karriere des Constantius wird von Prosper aufmerksam verfolgt und in ihren einzelnen Etappen genau beschrieben. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern in der politischen Führung des Reichs schreibt Prosper Con-stantius dabei nicht das Motiv individuellen Machtstrebens zu. Sein Aufstieg ist einzig und allein Produkt seines Dienstes für das legitime Kaisertum. Constantius ist es, der zusammen mit seinem Amtskollegen Ulfilas Konstantin III. in Arles besiegt (1243). Ihm wird wenig später Attalus ausgeliefert, nachdem dieser den Rückhalt der Goten verloren hat (1256). Es ist auch Constantius, der daraufhin einen Frieden mit den Westgoten aushandelt und als Lohn dafür durch die Heirat mit Galla Placidia Aufnahme in die kaiserliche Familie findet (1259). Dafür revanchiert er sich mit der Sicherung der theodosianischen Dynastie, indem er Valentinian zeugt, den späteren Nachfolger des kinderlosen Kaisers Honorius (1267). Constantius erscheint bei Prosper damit als der wichtigste stabilisierende Faktor für das spätestens seit 406 in deutliche Unruhe geratene Reich.

Angesichts seiner Erfolge ist es folgerichtig, dass Honorius den General 421 zum augustus ernennt (1273). Der Bericht Prospers legt nahe, dass dem neuen Kaiser dadurch eine faktisch ohnehin besessene Macht lediglich bestätigt wird. Dass nicht Honorius, sondern Constantius den Usurpator Atta-lus in Empfang nimmt und die Goten in Aquitanien ansiedelt (1271), spiegelt die Machtverhältnisse im Weströmischen Reich der 410er Jahre deutlich. Gleichzeitig verleitet das den magister militum aber nicht dazu, von sich aus zur Kaiserwürde zu streben. Die Verleihung dieser durch den amtie-renden Kaiser hebt Constantius III. deutlich von den zahlreichen UsurpaS. 36toren seiner Zeit ab und kennzeichnet ihn für Prosper unzweifelhaft als legi-timen Herrscher, auch wenn er im Osten des Reichs nie anerkannt wurde.89

Da die Chronik auf diese mangelnde Anerkennung im Osten aber nicht eingeht, bleibt Constantius der einzige politische Akteur der Chronik nach Theodosius I., der durchgehend positiv beschrieben wird. Eine Spur von Kritik finden sich lediglich im Zusammenhang mit der Absetzung des Heros von Arles, mit der sich die Bewohner der Stadt das Wohlwollen des magister militum hätten sichern wollen (1247). Prosper hütet sich aber davor, die Initiative für diesen kanonisch problematischen Vorgang tatsächlich Con-stantius selbst zuzuschreiben. Der General und spätere Kaiser bleibt der Held der 433er-Version. Dem Vorbild seines Aufstiegs werden nach seinem Tod andere politische Akteure nacheifern und damit das Reich in Konflikte stürzen, die sich nachteilig für die durch Constantius wiedererrungene Stabi-lität auswirken. Vor diesem Hintergrund ist die kurze Notiz über den Tod des Kaisers in c. 1276 inhaltlich einer der entscheidenden Wendepunkte der Chronik.

b) Aëtius

Die Person des Aëtius nimmt in der Berichterstattung Prospers breiten Raum ein, der auch ihrer historischen Bedeutung in den Jahren von 432 bis 454 entspricht. Die Chronik steht Aëtius kritisch, zumindest ambivalent gegenüber. Dass Prosper diese Kritik nicht allzu offen äußert, sollte nicht mit einer positiven Disposition gegenüber dem magister militum und späteren patricius verwechselt werden. Der Grund ist vielmehr darin zu sehen, dass Aëtius bis eben 454 der faktische Machthaber im Reich war.

Die kritische Haltung zum General erweist sich implizit bereits dadurch, dass Prosper Aëtius einen maßgeblichen Anteil an den internen Spannungen nach dem Tod des Constantius im Jahr 421 zuschreibt, die das von diesem mühevoll stabilisierte Reich unmittelbar wieder destabilisieren. So lässt Aë-tius seinen Rivalen Felix töten (1303) oder stellt sich 432 nach seiner Ab-berufung als magister militum seinem Nachfolger Bonifatius entgegen, der ihr Aufeinandertreffen nicht überlebt (1310). Als äußerst fragwürdig dürfen auch die Ressourcen gelten, derer sich Aëtius im Kampf um seine dominierende Position bedient. Während der Aufstieg des Constantius ganz auf dessen Dienst für den legitimen Kaiser gründete, nutzt sein Nachfolger die Unterstützung durch hunnische Kontingente, um sich zweimal, 425 undS. 37 432/33, gegen das Kaiserhaus zu behaupten.90 Aëtius ist in der Phase seines Aufstiegs also weniger dem Wohlergehen des Reichs verpflichtet als seinem eigenen Vorteil und seiner Selbstbehauptung gegen ähnlich ambitionierte Rivalen. Dass er 454 letztlich seinem eigenen Machtstreben zum Opfer fallen wird, als Valentinian III. ihn ermordet (1375), rundet also das Bild in der Chronik ab und schließt die letzte Chronikrevision von 455 deutlich an die erste von 433 an.

Auf der anderen Seite lassen sich die militärischen Erfolge des Generals nicht leugnen. Prosper stellt diese auch keinesfalls in Abrede: Noch 425 besiegt Aëtius die Goten vor Arles (1290), 428 schlägt er die Franken (1298), 435 die Burgunden (1322). Daraufhin besteht er in einem längeren Krieg gegen die Westgoten in Gallien (Friedenschluss c. 1338) und erreicht den Höhepunkt seines Schlachtenglücks 451, als er mit westgotischer Unterstützung die Hunnen in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern abwehren kann (1364). Genau mit diesem Triumph des Aëtius verknüpft Prosper aber zugleich auch seine deutlichste Kritik an diesem, die naturgemäß der letzten Chronikfassung von 455 vorbehalten ist, die erst nach dem Tod des patricius entstand. Wird dieser im Zusammenhang der Schlacht auf den Katalau-nischen Feldern noch explizit für seine providentia gelobt, so ist ihm diese Umsicht bereits ein Jahr später gänzlich abhandengekommen. Einem neuerlichen Einfall der Hunnen, diesmal in Italien, steht er rat- und hilflos gegenüber. In dieser Situation ist es Papst Leo, der – auf Gott und nicht auf seine persönlichen Fähigkeiten vertrauend – Italien und Rom rettet (1367). In ähnlicher Weise kritisiert Prosper Aëtius auch im Zusammenhang mit dem Verlust Karthagos, der in Perspektive der Chronik durch die Arglosigkeit des Generals gegenüber Geiserich mitverschuldet ist (1339 mit 1330 und 1342).

Das Aëtius-Bild der Chronik ist also ambivalent. Einerseits dient Aëtius als stabilisierender Faktor, dem militärisches Geschick und Handlungsstärke zugesprochen werden. Andererseits hat er zuvor durch sein persön-liches Machtstreben maßgeblich dazu beigetragen, das Reich überhaupt wieder zu destabilisieren. Hinzu kommt, dass den magister militum seine Fähigkeiten an entscheidender Stelle immer wieder im Stich lassen, wo-durch es ihm weder gelingt, den Verlust Karthagos zu verhindern, noch, ausS. 38 dem Sieg gegen Attila in Gallien Profit zu schlagen. Aëtius steht damit stellvertretend für eine politische Führungsschicht des Reichs, die immer weniger dazu in der Lage ist, mit den fatalen Konsequenzen ihres auf moralisch fragwürdiger Grundlage stehenden Handelns umzugehen. Es sind verstärkt kirchliche Akteure, die ihnen in dieser Aufgabe zur Seite springen müssen.

c) Geiserich

Vom Vandalenkönig Geiserich entwirft Prosper zweifellos das geschlossenste, zugleich aber auch das literarisch am stärksten überformte Charakterbild aller Akteure in der Chronik. So ist der Bericht über die Martyrien seiner katholischen Berater (1329) voll topischer Elemente und mutmaßlich legendarisch. Andere Episoden, deren historischer Kern nicht angezweifelt werden muss, dienen ebenfalls nicht dem Zweck, eine historische Vita des Königs darzustellen. Vielmehr will Prosper den grausamen Charakter Geiserichs beleuchten. Seine Gottlosigkeit mündet in die Verfolgung katho-lischer Christen in Africa (1327), seine Hinterlist führt zum Verlust Karthagos an die Vandalen (1339), seine Verschlagenheit bringt Sebastianus den Tod (1342), sein despotischer Hochmut und seine Angst vor Verschwörungen veranlassen ihn zu einer Dezimierung des eigenen Adels (1348). Entsprechend sind leitende Adjektive zur Beschreibung des Vandalen bar-barus, superbus oder saevus.91 Diese Charakterisierung trifft dabei jedoch immer nur ihn persönlich, nicht das Volk der Vandalen insgesamt.

Der König fungiert in der Chronik also gewissermaßen als Prototyp negativer Charakterzüge. Einzelne Aspekte dieser finden sich dementsprechend auch bei anderen Akteuren. So spiegelt sich Geiserichs Hochmut in einem kirchlichen Zusammenhang in Vorwürfen gegen Pelagianer (c. 1336 bezogen auf Julianus von Aeclanum), seine superbia und saevitia verbinden ihn mit dem Volk der Hunnen (1346, 1364 und 1367), die Verfolgungswelle innerhalb seines Adels schwächt das Volk der Vandalen auf gleiche Weise wie die internen Konflikte römischer Akteure das Reich. Eine Person hingegen hebt sich deutlich positiv von Geiserich ab, nämlich Papst Leo. Diesen Vergleich des römischen Bischofs mit dem vandalischen König legt Prosper nahe, wenn er sowohl Geiserich als auch Leo – freilich in jeweils unterschiedlicher Wertung – cura zuschreibt (1348 und 1350). Das äußerst negative Bild des Vandalenkönigs scheint also von vornherein als Kontrast zur umso positiveren Charakterisierung Leos angelegt zu sein. So ist auchS. 39 zu erklären, wieso Geiserich nach c. 1348 fast gänzlich aus der Darstellung der Chronik verschwindet: Er überlässt seinen prominenten Platz von hier an seinem positiven Gegenbild Leo. Der König selbst taucht danach nur noch einmal auf, bezeichnenderweise im direkten Aufeinandertreffen mit dem Papst (1375). Dass sich an dieser Stelle dann keinerlei negative Zuschreibung an Geiserich findet, stützt die Beobachtung, dass es Prosper hier, und damit auch zuvor, in erster Linie um Leo geht.

d) Papst Leo

Ende und Höhepunkt der Chronik – und damit auch Ende und Höhepunkt der von Prosper dargestellten (Heils-) Geschichte – stehen gänzlich im Zeichen von Papst Leo. Für das Bild, das die Chronik von Leo entwirft, gilt in zugespitztem Maße das, was bereits für die Rolle der römischen Kirche in Prospers Bericht festgestellt werden konnte: Unter dem Banner einer von Prosper mehrfach erwähnten „Apostolizität“ (1350. 1362. 1369) ist der Papst unumstrittener Führer der reichsweiten Kirche, höchster Häresie-abwehrer im Reich und damit Garant für kirchliche Stabilität schlechthin. Im Vergleich zu früheren Passagen der Chronik braucht es dafür seit Leo streng genommen auch gar keine anderen kirchlichen Akteure oder Synoden mehr, die Position des römischen Bischofs sei per se orthodox. Sofern die „Restkirche“ dem Papst folgt, wie beim von Leo noch als Diakon veranlassten Urteil gegen Julianus von Aeclanum (1336), bei der Bekämpfung des Manichäismus (1350) oder bei der Zurückweisung des Eutychianismus auf dem Konzil von Chalcedon (1369), ist sie gegen häretische und sonstige Übergriffe immun.

Dass dieses Bild unbedingter römischer Führung der reichsweiten Kirche faktisch keineswegs von allen Zeitgenossen geteilt wurde, verschweigt der Chronist weitgehend. In seiner Darstellung finden sich aber durchaus Hinweise auf hierarchische Niederlagen Leos. So entfaltet die päpstliche Apostolizität 449 keine ausreichende Wirkung, um die Bestätigung des Eutychia-nismus auf dem Konzil von Ephesus II zu verhindern (1358). Darüber hinaus unterliegt der Papst zweimal den Bischöfen von Alexandria im Ringen um den Ostertermin (1352 und 1376). Auch wenn Prosper solche Episoden zum Anlass nimmt, Standfestigkeit und ökumenischen Geist Leos zu loben, so ändert das nichts am grundsätzlichen Befund, dass Anspruch und Wirklichkeit des römischen Primatanspruchs hier weit auseinanderklaffen. Dies gilt für die Realität ebenso wie für Prospers Bericht, der eher einer rö-mischen Normativität als einer reichskirchlichen Faktizität entspricht.S. 40

Als Anhänger und Mitarbeiter Leos thematisiert Prosper diese mangeln-de Rezeption leonischer Ansprüche nicht. Im Gegenteil: Leo ist der Held der Chronik, der in sich Durchsetzungsstärke, Umsicht und Gottvertrauen vereint. In ihm erfüllt sich gewissermaßen die von Prosper beschriebene Heilsgeschichte. Damit ist der „apostolische Lenker“ (1350) nicht nur Garant kirchlicher Orthodoxie, sondern übernimmt auch politische Funktionen, die die politischen Akteure der Chronik aufgrund ihrer charakterlichen Unzulänglichkeiten nicht mehr auszuüben in der Lage sind. Noch als Diakon begegnet er daher als Vermittler zwischen Aëtius und Albinus (1341). Als Papst rettet er durch seine Fürsprache bei barbarischen Königen zweimal die Stadt Rom vor der Zerstörung (1367 und 1375). Die Verschiebung der Gewichte in der Orientierung Prospers an politischer und kirchlicher Geschichte findet unter Leo also ihren Endpunkt. Als sich der Chronist mit c. 1358 vom Kaisertum abwendet, übernimmt das Papsttum allein die geschichtsgliedernde Funktion. Das Reich befindet sich in einem langsamen Niedergang, der nur durch kirchliche Akteure retardiert wird; die Kirche aber steht nicht zuletzt dank Papst Leo weiterhin in voller Blüte.

5. Zusammenfassung: das Geschichtsbild Prospers

Prosper schreibt als unmittelbarer Zeuge des „Niedergangs“ des West-römischen Reichs. Die Schwäche des Reichs äußert sich in der Chronik durch eine Unzahl an Usurpationen und durch Verluste von Reichsgebiet an germanische gentes. Als Ursache erkennt Prosper die Rivalitäten der poli-tischen Führungsschicht, die durch die Schwäche der weströmischen Kaiser katalysiert wird. Die Akteure sind von persönlichem Machtstreben geleitet. Daraus resultierende Spannungen bilden dann die Grundlage für Bürgerkriege, Usurpationen und das Vordringen barbarischer Völker, auf das die Handelnden aufgrund individueller moralischer Defizite nicht mehr angemessen zu reagieren wissen.92

Es ist also die discordia im Streben nach Ruhm innerhalb der römischen Führungsschicht, die der Grund für die verschiedenen Niedergangssympto-me ist. So wie individuelle Fähigkeiten und Tugenden im Falle des Constantius dazu in der Lage waren, das bedrohte Reich zu stabilisieren, so ist es nach ihm das individuelle Versagen politischer Akteure, das zur dauerhaftenS. 41 Schwächung des Reichs führt. Diese moralische Personalisierung der politischen Krise führt dazu, dass Prosper im Gegensatz zu den meisten seiner Zeit- und Genregenossen auf die Darstellung direkten göttlichen Eingreifens in den Lauf der Geschichte verzichten kann und muss. Es finden sich kaum göttliche Zeichen oder Strafen in der Chronik, da solche die Rückschläge von persönlichen Verantwortlichkeiten einzelner Akteure entkoppelt hätten. Aus dem gleichen Grund wird der Niedergang des Reichs auch nicht in die Verantwortlichkeit barbarischer Völker gelegt. Der Lauf der (Heils‑) Geschichte ist hausgemacht und rein menschlich verantwortet. Auf den ersten Blick vertritt Prosper auf historischer Ebene damit gewissermaßen einen „Pelagianismus“, den er auf theologischer Ebene vehement bekämpft. Da es aber ein pelagianischer „Hochmut“ ist, den er den politischen Akteuren als zentrale moralische Verfehlung vorwirft, ist dieser Befund zu relativieren.

Der festgestellte „Niedergang“ des Reichs müsste für den Chronisten eigentlich problematisch sein, vor allem wenn man sich vor Augen hält, dass das Römische Reich zumindest anfangs eine wichtige Rolle für Prospers Ge-schichtsverständnis spielte. Der chronologische Rahmen der Chronik und die Fortführung der Kaiserliste aus der Hieronymus-Chronik zeigen deutlich, dass Reich und Kaisertum ursprünglich zentrale Ordnungsgrößen für Prospers Bericht und Denken waren. Trotzdem lassen politische Rückschlä-ge den Chronisten insgesamt auffällig kalt. Dass die über weite Teile der Darstellung festzustellende Orientierung an der theodosianischen Dynastie gegen Ende der Chronik einfach wegbricht, zeigt, dass sich die Gewichte unter dem Eindruck von politischen und militärischen Fehlschlägen frühzeitig zugunsten einer stärkeren Konzentration auf die kirchliche Ebene und das römische Papsttum verschoben haben. Diese Konzentration bewahrt Prosper nun davor, in der Geschichte seiner Zeit einen allzu großen Bruch zu erkennen oder den „Niedergang“ des Reichs zu dramatisieren. Der Krise des Reichs kommt in der nun vollkommen römisch-kirchlichen Orien-tierung keine größere Signifikanz mehr zu, da sich die Kirche letztlich als unabhängig vom Geschick des Reichs erwiesen hat.

Hiermit dürfte auch der Unwille des Chronisten gegenüber politischen Eingriffen in kirchliche Belange erklärbar sein, geht es Prosper doch um die Immunisierung der Kirchlichkeit von den desintegrativen Effekten einer zu starken Bindung an das wankende Reich. Nur wenn die Kirche für sich selbst sorgt und sorgen kann, bleibt sie von der allgemeinen politischen Schwäche unberührt. Dass sie das tatsächlich kann, ist in erster Linie dem römischen Papsttum zu verdanken, dem in Prospers Perspektive die uneinS. 42geschränkte kirchliche Führung zukommt. Die Chronik weist mehrfach explizit und implizit darauf hin, dass es der Kirche im Gegensatz zum Reich gelingt, ihren Herausforderungen Herr zu werden, i. e. alle Häresien abzuwehren. Es ist ebenfalls das Papsttum, das entscheidend dafür verantwortlich ist, dass für den Chronisten die ursprünglich an die römische (Profan‑) Geschichte gekoppelte Heilsgeschichte ungebrochen bleibt. Prospers Konzept von „Rom“ geht im Laufe der Chronik vom politischen Reich auf die vom römischen Bistum geführte kirchliche Ökumene über. Da sich diese einig zeigt, einig dem römischen Bischof folgt, der quasi qua Amt rechtgläubig und moralisch integer ist, wäre selbst der spätere „Untergang“ des Weströmischen Reichs für Prosper nicht das Ende der Geschichte gewesen. Auch wenn die Chronik das einzige dezidiert historische Werk Prospers ist, ihr Autor bleibt doch Theologe. [J.K.]

IV. Zur Überlieferung der Chronik

1. Chronicon integrum und vulgatum

Die Chronik Prospers liegt in verschiedenen Ausformungen vor, die, je nachdem welcher Auszug aus dem Werkganzen überliefert wird, variieren. Die überlieferten Versionen unterscheiden sich dabei nach Beginn und Endpunkt der chronographischen Darstellung. Prospers eigener chronistischer Bericht schließt sich an die Chronik des Hieronymus an, beginnt also im Jahr 378 und reicht in der längsten überlieferten Fassung bis ins Jahr 455. Prosper hat aber auch die Chronik des Hieronymus überarbeitet und in seinen eigenen chronologischen Rahmen eingepasst. Der von Prosper intendierte Berichtzeitraum reicht damit vom Beginn der Schöpfung bis zum Jahr 455 n. Chr. Er ist greifbar in einer Langversion, in der Prospers Chronik auf die von Prosper selbst angefertigte Epitome der Chronik des Hieronymus folgt (das sog. Chronicon integrum). Überliefert ist aber auch, und zwar viel häufiger93, eine Kurzversion, in der Prospers Eigenteil von seiner Hiero-nymus-Epitome getrennt und an einen vollständigen Text des Hieronymus angehängt ist (das sog. Chronicon vulgatum). Diese verkürzte FassungS. 43 geht auf spätere Editoren zurück, die den echten Hieronymus der Epitome vorzo-gen.94

Nicht nur der Anfang der Chronik, nämlich von Beginn der Welt an oder ab dem Jahr 379, auch der Endpunkt variiert in den Hss., teils durch die Zufälligkeit der Überlieferung95, teils weil Prosper selbst die Chronik in verschiedenen Jahren enden ließ, also unterschiedliche Redaktionen des Verfassers selbst kursierten. Bezeugt sind in den Handschriften Endpunkte für die Jahre 440, 443, 445 und 455. Für die Jahre 445 und 455 kann man von verschiedenen Editionen des Autors selbst ausgehen, inwieweit jedoch die anderen in den Hss. manifesten Versionen auch Editionen des Autors entsprechen, ist umstritten.96

Mehrere anonyme Fortsetzungen der Chronik Prospers sind in der Überlieferung mit dieser eng verbunden. Im Codex Ovetensis (O) und im sog. Reichenaviensis (R) schließen sich Nachrichten in dem von Prosper vorgegebenen chronistischen Muster ab dem Jahr 446 an, in O bis ins Jahr 451, in R bis 45797, in R folgt dann der sog. Laterculus regum Vandalorum et Alanorum. Im Codex Hauniensis (H) ist eine Fortsetzung der Chronik von 456 bis 641 überliefert. Hier ist eine italische Rezension anzunehmen (zu R und H vgl. Kap. IV.4). In allen Fällen gehen die Erweiterungen in den Codices mit Interpolationen in Prospers Text einher. Wie im Fall der Fortführung äl-terer Chroniken durch bekannte Chronisten, etwa Prosper selbst oder Victor von Tunnuna, der Prospers Chronik bis zum Jahr 567 weiterführt, geht also auch den anonymen Continuationes eine mehr oder weniger weitgehende Überarbeitung des Textes voraus.

Zusätze einer africanischen Rezension finden sich im Text in den vier Codices FPXZ: genauere Angaben, nämlich Namen und Datierungen, zu einem Frieden Ravennas mit den Vandalen und zur Eroberung Karthagos durch diese (c. 1321 und 1339) sowie die Ergänzung der Amtszeit der rö-mischen Bischöfe auf Monat und Tag genau. In XZ, Abschriften des von Mommsen vermuteten Codex Alcobaciensis, schließt sich an den Text des Chronicon vulgatum eine Erweiterung an, die eine Liste der Konsuln von 446 bis 455, Einträge dazu sowie eine Komputation umfasst.98 Der CodexS. 44 Matritensis (Z) bewahrt zusätzlich eine Continuatio bis zum Jahr 462 und eine Epitome.99 Auch hier findet sich im Anschluss an eine Chronikkom-pilation der Laterculus regum Vandalorum et Alanorum.100 Der Vaticanus reginae (V) überliefert eine Epitome des ganzen Prosper. Auch er enthält Erweiterungen zum Text, eine Liste der Kaiser von Theodosius I. bis Anas-tasius, eingeschoben zwischen die Jahre 387 und 388 (c. 1189 und 1190), sowie eine durch wenige Nachrichten erweiterte Konsulliste im Anhang, die Jahre 455 bis 466 umfassend.

2. Die Handschriften

Von der Beliebtheit der Chronik im Mittelalter zeugen über 80 Hss., von denen Mommsen nach Sichtung und Bewertung ca. 15 in seiner Ausgabe berücksichtigt hat.101

M = Mediceus, plut. 65,35, Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, 10. Jh., f. 4r–16v (Prospers Eigenteil f. 13v–16v), zwei Kolumnen mit je 50 Zeilen. Die Handschrift enthält die vollständige Chronik Prospers, davor bietet sie den letzten Teil des Laterculus pontificum, danach die Werke des Eutropius, Orosius, die Romana und die Getica des Jordanes, die Antiqui-tates des Josephus in lateinischer Übersetzung, den Jüdischen Krieg des Josephus, die Geschichte der Frankenkönige, die Epitome der Historia Apollo-nii Tyrii und die Geschichte der Langobarden des Paulus Diaconus.102 Der gallische oder germanische Schreiber wollte offensichtlich ein Corpus von Geschichtswerken anlegen. Der Schreiber hat zwei Arten von Schrift verwendet, für den Text eine größere Minuskel, für die sog. „Randnotizen“ eine kleine Schrift und verkürzte, nach rechts eingerückte Zeilen. Diese Einschü-be sind zusätzlich durch einen großen roten Buchstaben am Anfang markiert. Korrekturen stammen vom Schreiber selbst und von fremder Hand. Mommsen hält beide für gleichwertig, da der zweite Korrektor offensichtlich dieselbe Vorlage wie der Schreiber zugrunde legte. Mommsen zufolge ist die Überlieferung der Hs. M allen übrigen Hss. überlegen. Auch die Orthographie von M zeige das beste Latein, sodass Mommsen in der Regel dieser Hs. folgt.S. 45103

Y = Limogiensis 1, pars posterior, 12. Jh., Chronicon integrum. Der Codex enthält eine Lang- und ein Kurzversion der Chronik Prospers. Die Langversion (= Y) ist verstümmelt und ab dem Jahr 272 bis ins Jahr 455 vorliegend. Auf die Chronik des Hieronymus folgt zunächst das Chronicon vulgatum (f. 154–64) (= X), dann folgen auf gesondert nummerierten Quaternionen das Chronicon integrum und die Chronik Isidors, jeweils von derselben Hand geschrieben. Die vollständige Langversion benutzte de Pontac in seiner Edition, in der Mommsen vorliegenden Hs. fehlt die erste Quater-nio. Nach dem Urteil Mommsens gehört die Hs. Y zu selben Klasse wie der Mediceus und der Spirensis (L). Wo Y von M abweicht, ist M überlegen.

L = Mit L bezeichnet Mommsen den Codex Spirensis, der verloren ist, aber in der Edition von Labbé auf uns gekommen ist.104 Aegidius Bucherius bezeugt das Chronicon integrum für den Codex deperditus.105 Außer in der Ausgabe von Labbé ist der Spirensis nach Mommsen noch am Rand des Co-dex Berolinensis Phillips Nr. 1879 (Au) erhalten, in dem Labbé offensichtlich Auszüge notiert hat.106 Neben dem verlorenen Speyerer Codex hat Labbé auch den Berolinensis für seine Edition benutzt. Der Spirensis ist also nur in sehr unsicherer und unvollständiger Form in der Version Labbés überliefert. Hinzu kommt, dass Labbé für den posthieronymianischen Teil der Chronik nach eigener Auskunft auch die Ausgaben von de Pontac und Duchesne heranzieht.107 Auch mit Konjekturen seinerseits ist zu rechnen, sowohl in der Ausgabe als auch in den Extrakten im Codex Berolinensis. Mommsen setzt den verlorenen Spirensis an die Spitze der Handschriften, weil er wie sein „Zwilling“, der Mediceus, oft den besten Text biete, manchmal sogar dem Mediceus überlegen sei (z. B. zu 1249).108 Dieses Urteil muss angesichts der Überlieferungslage und der deshalb zweifelhaften Vergleichsbasis zurückgewiesen werden. Da der Wert von L ohne die Parallele von MY gering ist,S. 46 darf die nur durch die Reflexion Labbés erhaltene Vorlage zudem nur unter Vorbehalt instar codicis gewertet werden.109

A = A ist ein weiterer Codex deperditus, von dem sich aber fünf Abschriften erhalten haben. Er liefert das Chronicon integrum, und zwar bis zum Jahr 443.110

A r = Laurentianus S. Marci 638, Florenz 11. Jh., Pergament. Der Prosper-Text steht auf q. 5, f. 8–q. 9, f. 2v. Das Ende des Codex fehlt. Die Hs. enthält Schriften des Augustinus, außerdem des Gennadius und des Isidor. Prospers Chronik steht zwischen Augustinus’ Schriften De mendacio und De haeresibus. Die Randbemerkungen im Prosper-Text sind mit roter Farbe umrandet. Der erste Buchstabe jedes Abschnitts, aber auch die Passionsjahre am Rand und bestimmte christliche Inhalte sind rot markiert. Der Marcianus hat unter den Apographa von A den größten Wert. Das Siglum A ohne Zusätze bezeichnet daher die Lesart des Marcianus, wobei andere Hss. hinzukommen können.

A s = Laurentianus plut. 90,42, 15. Jh.111

A t = Florentinus Riccardianus 321, 15. Jh.

A u = Berolinensis Phillipps 1879, 15. Jh.

A v = Matritensis F 63, 15. Jh.

O = Escurialensis Ovetensis, Biblioteca del Escorial R 2,18, vormals Oviedo, 7. Jh., Unzialschrift. Die Madrider Hs. enthält das Chronicon vulga-tum (bis zum Jahr 445), aber der Anfang ist durch ein Versehen des Abschreibers verloren gegangen. Der Abschreiber wollte wahrscheinlich nur den Fortsetzungsteil der Chronik kopieren, setzte aber irrtümlich im Text des Hieronymus mit dem Jahr an, in dem Hieronymus seinen eigenen Bericht an Eusebius’ Chronik anschließt. Aus der Chronik des Hieronymus lieferte der Kopist die Kapitel 1022–1048 zu den Jahren 327 bis 337, bevor er den Irrtum bemerkte und mit dem Eigenteil Prospers fortfuhr. Hier setzte er aber erst im Jahr 383 (c. 1178) an.S. 47112

R = Reichenaviensis bzw. Augiensis, identisch mit Parisinus 4860 aus dem 9. bzw. teilweise 10. Jh., bietet das Chronicon vulgatum (bis 445). Mommsen bezeichnet mit R einen Codex deperditus, dessen Existenz durch den Bibliothekskatalog des Reginbert von Reichenau bezeugt werde. Von diesem Codex seien zwei Abschriften erhalten113,

Rp = Parisinus 4860 aus dem 9. Jh.,

Rv = Augustanus Vindelicorum 223 aus dem 15. Jh.114

Steinacher dagegen hält mit der neueren Forschung den Codex Parisinus 4860 selbst für den in der Mitte des 9. Jh. auf der Reichenau entstandenen Codex, der im Katalog des Reginbert erwähnt wird.115 Entsprechend stammen für ihn die Hieronymus- und Prosper-Chroniken der Augsburger Handschrift aus dem Parisinus. Wir folgen Steinacher in der Bewertung des Codex Augustanus als descriptus und verwenden, anders als Mommsen, nicht für die Textkonstitution.116

In Rp findet sich der Prosper-Text zwischen der Chronik des Hieronymus und der des Cassiodor, f. 46v–49v. Andere Chroniken und Osterberechnungen folgen. In Rv sind die Chroniken des Hieronymus und Prosper zusammen mit bzw. im Anschluss an die Fredegar-Chronik überliefert, Prospers Text f. 263–70.117 Canisius benutzte diesen Codex für seine Ausgabe von Prosper. Die wissenschaftshistorische Bedeutung der Hs. zeigt sich darin, dass in der älteren Forschung die Kurzversion der Chronik, das Chronicon vulgatum, auch als Prosperi chronicon Augustanum kursierte.S. 48118

C = Bruxellensis 5169, 9. Jh.; hat das Chronicon integrum, aber mit einer massiven Lücke (c. 1166–1326), was den Wert für die Konstitution des eigentlichen Prosper mindert. Die Hs. weist Zusatznachrichten am Rand und im Text auf (zu den „Randnotizen“ Kap. IV.4).

X = Limogiensis 1, pars prior, 12. Jh., Chronicon vulgatum (vgl. oben zu Y). Zu den Erweiterungen Kap. IV.1.

Z = Matritensis univ. 134, 13. Jh.; enthält eine Epitome der Chronik des Hieronymus, die Chronik Prospers in der Kurzversion (f. 15v–18v) sowie die Fortsetzungen durch Victor von Tunnuna und Johannes von Biclarum. Daran schließen sich eine weitere Epitome der Chronik des Hieronymus und eine Epitome der Chronik Prospers an, die durch eine Fortsetzung bis zum Jahr 462 erweitert ist.119

Laut Mommsen liegen in den Codices X und Z Abschriften eines ver-lorenen Alcobaciensis aus dem achten Jahrhundert vor, von dem wir Zeugnisse und Zitate in der Edition von de Pontac haben. Die Nähe dieser Auszüge zu den beiden Hss. sowie die Tatsache, dass sowohl in X als auch in Z eine kurze Fortsetzung des Prosper-Textes überliefert ist,120 sprechen für die Existenz einer gemeinsamen Vorlage. Bemerkenswert sind auch die Parallelen zum Text der im Folgenden genannten Hss. F und P, die auf eine africanische Rezension schließen lassen.

F = Leidensis Freherianus Scal. 14, 9. Jh., Chronicon vulgatum.

P = Laurentianus Poggianus plut. 67,15, 15. Jh., Chronicon vulgatum.

Beide Codices gehen oft mit XZ zusammen. Sie bilden die alleinige Grundlage der ersten beiden, nur auf Prospers Eigenteil beschränkten Edi-tionen von Mombritio (um 1475) und Santritter/Ratdolt (1483).

D = Londiniensis 16974, 10. Jh. Als Anhang an gallische Chroniken, die Hieronymus fortsetzen, sind Einträge zu drei Jahren (453–55) überliefert.

H = Hauniensis 454, 12. Jh.; bietet nur den Eigenteil Prospers, dies jedoch bis zum Jahr 455. Es liegt also offensichtlich eine Kontamination der beiden antiken Rezensionen vor. Prospers Text ist interpoliert mit Material aus den sog. „Italischen Chroniken“.S. 49121

B = Bruxellensis 1794, 10. Jh. Der Codex mutilus (bis zum Jahr 440) bie-tet nur den Eigenteil Prospers ohne die Konsulnamen.

Fris. = Frisingensis, zwei Blätter eines Codex aus dem 8. Jh., die an einen Codex aus dem 12. Jh. geheftet waren (Frisingensis 21, jetzt Monacensis 29418[1]).122 Sie enthalten die Kapitel 1294 (quae uti) bis 1310 (militum dignitate) bzw. 1352 (ob cuius reveren…) bis 1364 (cogit in bellum).

Parisinus 4871, 11. Jh.; wertvoll in Hinblick auf den Titel, den die Hs. in der vollständigen Form von A bietet, aber ansonsten lückenhaft.

V = Vaticanus reginae 2077, 6. Jh., Unzialschrift, Epitome des Chroni-con integrum. Zwischen c. 1189 und 1190 eingeschoben findet sich eine Liste der Kaiser von Theodosius I. bis Anastasius, deren Annotationen teilweise aus Prosper stammen.123

3. Die Editionen

Die ersten Editionen bieten nur den die Chronik des Hieronymus fort-setzenden Eigenteil Prospers (Chronicon vulgatum) und spiegeln damit die verbreitetste handschriftliche Überlieferung. Folgt man Mommsens Urteil, beruhen die frühen Ausgaben auf eher minderen Codices: Die Editio princeps von Mombritio (um 1475) und die Ausgabe von Santritter/Ratdolt (1483) hängen von F und P ab, Canisius (1601) hat als Vorlage den Codex Augustanus (Rv), einen Codex descriptus des Reichenaviensis. Die ersten kritischen Ausgaben besorgen de Pontac (1604) und Duchesne (1636), auf deren Grundlage Labbé (1657) erstmals das Chronicon integrum ediert. Labbé benutzt, so die These Mommsens, neben dem Codex Berolin. Phill. (Au) den verlorenen Codex Spirensis, der zur MY-Familie gehört und darüber hinaus nur noch in Exzerpten Labbés erhalten ist. Die Ausgabe Labbés wird für Mommsen daher zu einem wichtigen Textzeugen (s. o.). Labbés Text wiederum findet sich im Wesentlichen abgedruckt bei Migne (PL 51; 1846). Die bis heute maßgebliche Ausgabe bietet Mommsen im ersten Band seiner Chronica minora (MGH AA 9; 1892). Mommsen zieht für die Textkonstitution erstmals den Codex Mediceus heran, dem er zugleich einen hohen Rang als Textzeugen zuweist.S. 50124

Auf Mommsens unbestrittener Leistung bei der Erstellung einer kri-tischen Edition baut die vorliegende Ausgabe auf. Sie stützt sich weitgehend auf die Beschreibung und Benennung der Hss. und auf die Klassifizierung der Hss.-Familien durch Mommsen.125 Abweichend von Mommsen wird in dieser Edition die gespaltene hss. Überlieferung bewertet. In der Konsequenz wird hier weniger Text geboten, da Mommsen nicht darin gefolgt wird, Sondergut der Hss. aufzunehmen, dessen Authentizität klar in Abrede zu stellen ist. Auch werden weniger Varianten als Autorvarianten in den Text gesetzt, was zu einer geringeren Zahl an authentischen Doppelfassungen führt, als Mommsen vorschlägt.

An Mommsens Edition ist vor allem die typographische Überfrachtung der Darstellung zu kritisieren, die zwar im hohen Maße differenziert, dies jedoch auf Kosten der Lesbarkeit. Überfordert wird der Leser durch ein auf den ersten Blick undurchsichtiges Klammersystem sowie durch zahlreiche weitere Zeichen. Doppelfassungen sind auf zwei Spalten verteilt, es finden sich unterschiedliche Zeilenlängen sowie ein zweiter apparatus testium am Rand.126 Die typographische Gestaltung ist aber nicht nur an sich verwirrend, sie spiegelt auch philologische Grundsatzentscheidungen, die irritieren. Diverse Markierungen sind nämlich nur deshalb nötig, weil Mommsen auch Zusätze von mehr oder weniger zweifelhafter Echtheit in den Text aufnimmt, die auf diese Weise sichtbar gemacht werden sollen. Auch ist das Zeichensystem nicht in sich konsequent. Durch eckige Klammern im Text markiert Mommsen beispielsweise sowohl Lesarten, die gut überliefert sind, aber in einigen Hss. fehlen, als auch offensichtliche Interpolationen, wie sie sich in einigen Hss. gehäuft finden. Verkürzte Zeilen im Text zeigen an, dass es sich um Marginalnotizen handelt, deren Herkunft aber wiederum fast zweifelsfrei auf Prosper zurückgeht. Am rechten Rand der Seite findet sich zudem eine Ergänzung zum apparatus testium und zum textkritischen Apparat, insofern Hss. angeführt werden, welche die im Text eingeklammerte Lesart bzw. den nächststehenden Chronikeintrag nicht haben, oder welche die markierten Lesarten allein haben. Auch gibt es Fälle, bei denen sich Mommsen nicht für eine der beiden jeweils in den Hss. breit überlieferten Varianten entschieden hat, sonS. 51 dern beide als Doppelfassungen nebenein-ander in den Text setzt – ein Vorgehen, das suggeriert, es handele sich um echte Autorvarianten, obwohl die Theorie einer Autorrevision andernorts von Mommsen verworfen wird.

4. Die überlieferte Textgestalt und Grundsätze dieser Edition

Mommsen unterscheidet zwei Rezensionen des Textes. Die eine wird repräsentiert durch A und den Parisinus 4871, Codices, die das Chronicon integrum bewahren, durch O und R, die nur den Eigenteil Prospers haben127, sowie durch die Hs. V, die eine Prosper-Epitome bietet. Die andere Rezension wird repräsentiert durch MY, durch L (den Spirensis, den Labbés Edition bewahrt) und das Fragment im Codex Frisingensis, allesamt Zeugen des gesamten Prosper. Eine dritte Klasse der Codices besteht aus Conta-minati: C (der das Chronicon integrum bietet), FPXZ (mit der Kurzversion), DHB (mit Verstümmelungen und Kürzungen).128

Auffallend ist, dass die Hss. AOR der ersten Rezension im Großen und Ganzen die 445er Edition bewahren, die Hss. MYL der zweiten Rezension die 455er Edition. Die beiden Hss.-Klassen divergieren jedoch nicht bloß quantitativ, sondern auch qualitativ: Es gibt, vor allem in der AOR-Rezension, aber auch vereinzelt in der MY-Rezension, mehr bzw. längere Einträ-ge, und es gibt in einigen Fällen alternative Versionen in Form von inhalt-lichen oder stilistischen Dubletten. Der naheliegende Schluss, man hätte hier mit den beiden Hss.-Klassen eine frühere und eine spätere Fassung des Autors selbst vorliegen, wird von Mommsen zurückgewiesen. Mommsen hält die Abweichungen der beiden Familien untereinander für so marginal, dass sie kaum auf redaktionelle Überarbeitung durch den Autor zurückgehen dürften. Die Editionen unterschieden sich zudem eher durch die Hinzu-fügung weiterer Einträge als durch Veränderungen des vorliegenden Textes. Die Unterschiede zwischen den beiden Hss.-Familien führt Mommsen daher nicht auf unterschiedliche Redaktionen des Autors zurück, sondern auf Eingriffe von Abschreibern.129 Mommsen stützt sich dabei auf die indirekte Überlieferung, die Prosper-Exzerptoren Cassiodor und Paulus Diaconus, die einerseits die Edition von 455 benutzt zu haben scheinen, andererseits eine gewisse Nähe zu den kontaminierten Hss. FPZX aufweisen.130 Man könnte auch den Befund derS. 52 Hs. V hinzufügen, denn auch deren Epitome basiert auf der 455er Edition, gehört aber zur AOR-Rezension, die die 445er Edition repräsentiert.131

Demgegenüber macht Muhlberger mit aller Vorsicht die These geltend, dass die beiden Hauptrezensionen, die in der Überlieferung greifbar sind, den beiden verbreitetsten Editionen des Autors selbst entsprechen könnten.132 Muhlberger stützt sich vor allem auf die Doppelfassungen, die, auf die beiden Hss.-Klassen verteilt, zu einigen Einträgen überliefert sind und deren vergleichende Analyse eine nachträgliche Revision des Textes durch Prosper selbst sinnvoll erscheinen lässt. In der MY-Rezension läge dann jeweils die spätere revidierte Fassung vor, in der AOR-Rezension die frühere ursprüngliche. Die quantitativen Unterschiede beruhten dann auf Kürzungen durch den Autor, die inhaltlichen auf authentischen Doppelfassungen.

Die vorliegende Edition und philologische Kommentierung macht sich Muhlbergers Ansatz zu eigen, indem eine Autorrevision grundsätzlich in Erwägung gezogen wird. Auch Mommsen hat, im Grunde gegen seinen eigenen editorischen Grundsatz verstoßend, Doppelfassungen als Alterna-tiven in den Text gesetzt (vgl. in Mommsens Ausgabe c. 1259. 1286. 1289. 1358. 1373. 1375).133 In der Hälfte dieser Fälle sind vielleicht tatsächlich bei-de überlieferte Fassungen Prosper zuzuweisen.134 Weiterreichende Unter-suchungen von Kürzungen bzw. Hinzufügungen in den verschiedenen Hss.-Klassen, dieS. 53 von Mommsen als wahrscheinliche Interpolationen angesehen werden135, führen zu dem Ergebnis, dass auch hier die Möglichkeit von Autor-varianten nicht auszuschließen ist (vgl. z. B. c. 1222. 1247. 1252. 1285).

Grundsätzlich sind aber auch Interpolationen im Text denkbar und nachweisbar.136 In Prospers Chronik kann man sozusagen drei Stufen der Inter-polation unterscheiden, je nach dem Grad der Evidenz: Die erste Gruppe bil-den verschiedene frühe Interpolationen, gut und breit bezeugte Zusatz- und Ersatzfassungen zum Text, die nicht unbedingt von derselben Hand stammen.137 Neben substantiellen Ergänzungen, die ein chronistisches Interesse spiegeln, stehen hier bloße Änderungen in der Wortwahl, die den Geist der spätantiken Schule atmen. Besonders im ersten Fall ist die Entscheidung über die Echtheit des Textes oft schwierig.

Überall da, wo die AOR-Rezension mehr Material aufweist als die MY-Rezension, wobei der Überhang aus einzelnen Wörtern, Satzteilen oder Sätzen, aber auch aus längeren Abschnitten und ganzen Einträgen bestehen kann, ist daher jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob der Autor selbst bei seiner Revision des Textes eine Kürzung vornahm (die sich in MY zeigt) und damit beide Texte genuin von Prosper stammen, ob ein „Epitomator“ in MY am Werk war138 oder ob ein Zusatz von fremder Hand in AOR vorliegt. Eine sichere Entscheidung ist in der Regel kaum möglich, eine Entscheidung wird aber mit der nötigen Zurückhaltung in allen Fällen angestrebt.139

Auslassungen in MY gegenüber der AOR-Rezension betreffen die Kapitel 1187. 1197. 1204. 1205 (ganz). 1222. 1243. 1247 (ganz). 1252. 1254.S. 54 1259. 1267. 1278. 1280. 1285 (ganz). 1288. 1298. 1336. 1337 (ganz). 1338. Zusätzliches Material bietet die MY-Rezension in 1191. 1278. 1282. 1312–18. 1327. 1330. 1333 (ganz). 1348. 1373.

Im Fall der meisten alternativen Versionen, der Dubletten also, in denen sich die gespaltene Überlieferung ebenfalls manifestiert, ist eine interpolatorische Bearbeitung des Prosper-Textes greifbar. Es handelt sich um Ersatzfassungen, die von fremder Hand anstelle des echten Textes eingefügt wurden.140 Vor allem in den zahlreichen Wortinterpolationen spiegelt sich das schulmeisterliche, „glossierende“ Interesse eines Bearbeiters der AOR-Klasse. Auch hier kann aber in einigen Fällen eine Überarbeitung der früheren Version durch Prosper nicht ausgeschlossen werden. Dubletten sind z. B. überliefert in 1197. 1261. 1278. 1280. 1282. 1286. 1288. 1289. 1292. 1294. 1306. 1329. 1373.

Offensichtliche und unzweifelhafte Interpolationen finden sich in der africanischen Rezension von R sowie in der langobardischen bzw. italischen Rezension von H. Beide Rezensionen sind im unmittelbaren Anschluss an die Erstpublikation der Chronik anzusetzen. Mommsen lässt das Sondergut dieser Hss. wider besseres Wissen im Prosper-Text, wie etwa die Zusammenstellung der zusätzlichen Einträge in R im Anhang seiner Ausgabe der Chronik zeigt (Chron. min. 1,488). Das africanische Sondermaterial in R wird in der vorliegenden Ausgabe stringent ausgeschieden, also die Einträge 1168. 1210. 1213. 1225. 1268. Es gibt neben den Zusätzen auch Auslassungen in R, die eine Überarbeitung des Textes im Laufe der Überlieferung spiegeln, vgl. 1243. 1282. 1332. 1333. 1335. 1341. 1348. 1350. 1353. Merkwürdig ist, dass sich darunter auch eine Africa betreffende Nachricht findet, die innervandalische Verschwörung gegen Geiserich (1348). Einen Widerspruch zum Inhalt der Interpolationen muss man hier aber nicht konsta-tieren141, denn die Zusätze beinhalten fast nur kirchliche Nachrichten (über Konzile in Karthago und den Osterzyklus des Theophilus), sodass von einer Redaktion im kirchlichen Umfeld von Karthago ausgegangen werden kann, bei der wiederum Einträge über die Goten und Hunnen, die Manichäer in Rom, selbst ein Lob des Papstes Leo (1341) wegfallen konntenS. 55, nicht aber die o. g. innervandalische Krise (1348).142

Die Kopenhagener Hs. H enthält Zusätze zu Prospers Chronik im Text und am Rand (vom Jahr 388 an). Bei den Texteinschüben wird manchmal die Quelle angegeben. Die Interpolationen korrespondieren in der Hs. H mit einer Fortsetzung der Chronik Prospers ab dem Jahr 456 bis zum Jahr 493 (bzw. 641), der sog. „Kopenhagener Fortsetzung“ (Continuatio Hauni-ensis).143 Mommsen geht mit guten Gründen von einer Abfassung der Zusätze um 625 in Italien aus, „in den letzten Jahren des Kaisers Heraclius“.144 Sowohl die Hinzufügungen zu Prospers Text als auch die Fortsetzung seiner Chronik werden von Mommsen gesondert ediert, und zwar als Additamenta ad Prosperum codicis Hauniensis sowie als Auctarium ad Prosperum codicis Hauniensis innerhalb der Edition der Consularia Italica.145 Auch die Sonderinformationen in H sind also von Prospers Text fernzuhalten, das betrifft in Mommsens Ausgabe die Einträge 1191 (fränkische Abstammung des Arbogast). 1243 (Ort der Hinrichtung des Konstantin in Oberitalien). 1364 (abermaliger Frankenzusatz).146

Auf einer dritten Stufe der Interpolation finden sich in einigen Hss. des fünfzehnten Jahrhunderts Nachrichten eingefügt zur Geschichte der Langobarden und Zusätze aus anderen Chroniken und Geschichtswerken, etwa aus der Chronik des Marcellinus Comes. Dabei handelt es sichS. 56 vor allem um Nachrichten aus dem Osten des Reichs, die bei Prosper vielleicht vermisst wurden und erst in der Neuzeit hinzugefügt wurden. Auch im Text und im Apparat bei Mommsen werden diese Interpolationen nicht berücksichtigt.147

Ursprünglich war der Text der Prosper-Chronik wahrscheinlich unterteilt in Haupttext und Randnotizen.148 Dafür spricht die gute Bezeugung der vor allem in der Hieronymus-Epitome auch quantitativ ins Gewicht fallenden Randnotizen in beiden Rezensionen, nämlich in den Hss. MCAO. In A und O stehen die Notizen am Rand, und zwar in Kleinbuchstaben, in M stehen sie im Text, sind aber durch kleinere Buchstaben und verkürzte Zeilen vom Text unterschieden, C tradiert die Notizen teils am Rand, teils im Text, wo sie durch rote Farbe markiert sind.149 In den übrigen Hss. ist der Marginaltext ohne jegliche Markierung in den Haupttext aufgenommen, wobei es sich fast ausschließlich um Hss. handelt, die das Chronicon vulgatum enthalten. Wegen der geringen Zahl der marginalen Einträge in Prospers Fortsetzung der Hieronymus-Chronik scheint sich eine Differenzierung in diesen Hss. erübrigt zu haben. Für den die vorliegende Edition betreffenden Teil der Chronik gehören zu den überlieferten Randnotizen die Einträge 1177. 1237. 1246. 1285. 1337. 1348. Wie für die Hieronymus-Epitome gilt auch hier, dass die Randbemerkungen vornehmlich nichtkirchliche Ereignisse berichten, die ersten drei Einträge bieten typisches Chronikmaterial im typischen Chronikstil: knappe Notizen zu Athanarichs Tod in Konstantinopel (1177), zur Eroberung Spaniens durch die Vandalen (1237) sowie zum Einfall der Goten in Gallien (1246). Die übrigen drei Einträge unterscheiden sich davon durch Inhalt und Stil entweder, weil wenig bekannte Personen (Exuperantius [1285] und Vitericus [1337]) im Fokus stehen oder weil eine inner-vandalische Episode relativ detailliert berichtet und beurteilt wird (1348).150 Allen Randnotizen gemeinsamS. 57 ist allerdings der nichtrömische Bezug. Abweichend von Mommsens Textgestalt werden die überlieferten Randnotizen in dieser Edition in den Text integriert und nicht durch verkürzte Zeilen kenntlich gemacht.

Wie Mommsen bietet die vorliegende Ausgabe zusätzlich zum appara-tus criticus einen apparatus testium, sodass für den Benutzer schneller ersichtlich wird, wie die einzelnen Einträge auf die Codices verteilt sind, und die verschiedenen Rezensionen der Chronik besser hervortreten.

Spätere Autoren, Chronisten und Geschichtsschreiber haben aus Prospers Chronik geschöpft. Victor von Aquitanien hat die Konsulliste in seinem Cursus paschalis benutzt, Liberatus zitiert in seinem Breviarium die Einträge 1296 und 1297. Cassiodor in seiner Chronik151 und Paulus Diaconus in seiner „Römischen Geschichte“ haben Prospers Chronik in reichem Maße ausgeschrieben.152 Auch Isidor von Sevilla macht in seiner Chronik von Prosper Gebrauch.153 Diese Werke, insbesondere die Exzerpte bei Cassiodor und Paulus Diaconus, können bei der Konstitution des Prosper-Textes herangezogen werden. Die entsprechenden Stellenangaben erscheinen deshalb ebenfalls im apparatus testium.

5. Bemerkungen zur Orthographie

Die Schreibweise der Codices wird in dieser Edition korrigiert, wenn sie nicht die zur Zeit der Abfassung übliche Form, sondern die mittelalterliche Aussprache spiegelt. Im Prinzip verfährt so auch Mommsen. Er orientiert sich aber darüber hinaus an der Schreibweise des Codex M154, sodass es zu einigen Inkonsequenzen in der Umsetzung der Regel kommt. In folgendenS. 58 Fällen wird daher von der Orthographie in der Edition Mommsens abgewichen:

1. Für den germanischen w-Laut setzt Mommsen das Graphem <w>. In den Hss. findet sich das Doppelzeichen <vv> neben <v>, wobei <v> sehr viel häufiger auftritt. Auch der Codex Mediceus hat durchgehend das Zeichen <v> in den germanischen Eigennamen Vandali und Vallia (vgl. Vandali 1230. 1237. 1278. 1295. 1304. 1321. 1327. 1344; Vallia 1257. 1259. 1271). Nun erscheint das <w> als ein aus dem Doppelzeichen <vv> entstandenes festverbundenes Zeichen in den Hss. erst ab dem elften Jahrhundert.155 Da Mommsens Lösung also in doppelter Hinsicht problematisch ist, entscheidet sich die vorliegende Edition für die übliche lateinische Graphie <v>.

2. In einigen Fällen folgt Mommsen der Schreibweise der Hss., obwohl sie vom Standard abweicht. Wir ändern und setzen

Alani (statt Halani), vgl. 1230.

Carthag- (statt Cartag-), vgl. 1266. 1375. aber 1339. 1342.

haeresis, haeretici (statt heresis, heretici), vgl. 1171. 1266. 1301. 1306. 1336. 1358. 1362.

Hieronymus (statt Hieronimus), vgl. 1166. 1186. 1274.

3. Abweichend von Mommsen wird die Assimilation der Präfixe einheitlich hergestellt. Ausgenommen ist die Schreibung obt- statt opt- in Komposita. [M.B.]

V. Zum Sprachgebrauch und zur Textgestaltung

Die Übersetzung orientiert sich in der Wiedergabe von Funktionstiteln der reichsrömischen Zivil- und Militärverwaltung eng am lateinischen Text: Sofern die Titel als konkrete Amtsbezeichnungen dienen, werden sie in lateinischer Form belassen. Der magister militum wird also nicht mit „Heermeister“ o. ä. übersetzt. Gleiches gilt bezüglich des Titels augustus in der Kaiser-titulatur. Wo lateinische Titel jedoch nicht als Amts‑, sondern als reine Funktionsbezeichnungen dienen, werden die jeweiligen Bezeichnungen übersetzt, so zum Beispiel im Falle von dux.S. 59 156

Ferner ist zu beachten, dass Prosper in einigen Begriffsfeldern zu einem untechnischen Sprachgebrauch neigt. Aus stilistischen Gründen nutzt er zur Bezeichnung ein- und desselben Gegenstands häufig Synonyme, die im Deutschen nicht immer auch mit verschiedenen Synonymen wiedergegeben werden können. Dies ist auch nicht notwendig: Zwar weisen einzelne von Prosper verwendete Begriffe gewisse Unterschiede in ihrer konkreten Bedeutung auf, diese Unterschiede scheint der Chronist bei der Wahl einzelner Bezeichnungen aber nicht im Sinn gehabt zu haben. So erklärt sich, dass Städte in der Chronik ohne Rücksicht auf eine damit ursprünglich einher-gehende Rechtsstellung wahlweise als civitates, oppida oder municipia bezeichnet werden. Dass Prosper die Bezeichnungen in der Tat untechnisch verwendet, zeigt deutlich c. 1324, wo Narbonne sowohl als oppidum als auch als civitas bezeichnet wird. Auch die mehrfache Bezeichnung der Präfekturhauptstadt Arles als oppidum spiegelt kaum die Bedeutung dieser Stadt. Auffällig ist ferner, dass der Begriff urbs nicht der Bezeichnung Roms vorbehalten ist.157

Ähnliche Beobachtungen lassen sich bei der Bezeichnung römischer Kaiser machen. Hier nutzt Prosper, ohne dass eine Vorliebe für bestimmte Wendungen erkennbar wäre, die Begriffe imperator, augustus und princeps nebeneinander. Zwar könnte c. 1183 darauf hinweisen, dass der Chronist dem augustus einen Legitimitätsvorsprung vor dem imperator (hier der Usurpator Magnus Maximus) einräumt; in der Folge werden aber auch zweifellos legitime Kaiser als imperatores gekennzeichnet. Der Befund um Maximus geht somit entweder auf Prospers Quelle zurück oder aber auf ein noch durchscheinendes Verständnis des Titels imperator als Funktions-beschreibung.158 In der Folge jedenfalls werden Usurpatoren zeitgenössisch korrekt tyranni genannt.159 Gänzlich einer allgemein mangelnden zeitgenössischen Unterscheidung entspricht der synonyme Gebrauch von concilium und synodum.160

Mommsen hat in seiner Edition die Einträge der gesamten Chronik (also inkl. der Hieronymus-Epitome) durchgehend nummeriert und ist so zu einer Epitome und Fortsetzung verbindenden Kapitelzählung gelangt. Da seine Ausgabe seither als maßgeblich galt, soll diese Kapitelzählung auch in derS. 60 vorliegenden Ausgabe sowohl im Editions- als auch im Kommentarteil Verwendung finden. Nur so kann die Möglichkeit der Benutzung vorhandener Forschungsliteratur auch im Zusammenhang mit dieser Edition gewährleistet werden.

Das Ziel des Kommentars zur Chronik im vorliegenden Band ist nicht, einen vollständigen Überblick über sämtliche Parallelstellen zu einzelnen Berichtereignissen zu geben. Durch Prospers starke Umarbeitung seiner Vorlagen würde ein solcher Überblick ohnehin nicht viel mehr aussagen, als dass Prospers Informationen überhaupt auch an anderen Orten zu finden sind. Ebenso wenig kann es das Ziel sein, zu jedem Darstellungsdetail die gesamte Forschungsgeschichte abzubilden. In Anbetracht dessen, was bezüglich des Quellenwerts der Chronik weiter oben gesagt wurde, muss die eigentliche Aufgabe des Kommentars darin liegen, dem Benutzer eine Hilfe-stellung zu geben, um die Chronik in Aufbau und Komposition, in Grundpositionen und Aussageabsicht zu verstehen. Der Fokus liegt also letztlich weniger auf den Einzelinformationen als darauf, über die Betrachtung dieser die Chronik als Gesamtwerk in den Blick zu nehmen und zum Geschichtsbild des Autors vorzudringen. [J.K.]


1 Weiterhin klassisch als Biographie: Valentin, Saint Prosper. Kurze Überblicke: Helm, Prosper und Muhlberger, Chroniclers48–55. Eine ausführliche Verknüpfung von Vita und Werk findet sich jüngst bei Hwang, Lover. Zum Beinamen „Tiro“: Holder-Egger, Unter-suchungen 73–5; Valentin, Saint Prosper 121–4.

2 Gennad. vir. ill. 85; Phot. bibl. 54.

3 Das ungefähre Geburtsdatum ist aus der Chronik erschließbar. Vgl. dazu Helm, Prosper 880; Hwang, Lover 37; Muhlberger, Chroniclers 48 f. Die Herkunft aus Aquitanien ergibt sich aus Gennad. vir. ill. 85 und ist mit Recht nie angezweifelt worden. Valentin, Saint Prosper 127 und Helm, Prosper 880 möchten darüber hinaus Limoges als konkrete Heimat des Autors identifizieren. Dies ist aber unsicher.

4 Für eine frühe Übersiedlung nach Marseille: Humphries, Chronicle 156. Elberti, Prospero 26 möchte Prospers Ausbildung in Bordeaux ansiedeln. Sicher bezeugt ist Prosper mit Hwang 2009, Lover 37. 49 in Marseille ab 416 mit seinem Werk De providentia Dei (das mit Ebd. 17–9 authentisch ist). Ähnlich, aber vorsichtiger: Muhlberger, Chroniclers 49.

5 Zu den Schriften Prospers aus der Zeit bis 431: Hwang, Lover 66–136.

6 Die Funktion als Interpret ist titelgebend für die Analyse durch Hwang. 429 informierte Prosper Augustinus über die gallische Situation (Prosp. epist. 1) und regte den Africaner damit zu einer publizistischen Reaktion an: Es entstanden die Schriften De praedestinatione sanctorum und De dono perseverantiae , die in Gallien ihrerseits wieder Kritik hervorriefen und damit Prosper zu seinem polemischen Gedicht Carmen de ingratis veranlassten. Zum Kontakt mit Augustinus auch: Valentin, Saint Prosper 223; Helm, Prosper 888 f.

7 Brief Coelestins: Coelest. epist. 21. Prosper hielt es für geboten, eine Auslegung des Schreibens anzufertigen, den Liber contra Collatorem . Zur Prosper-Mission an Coelestin und der Reaktion des Papstes: Caspar, Papsttum 385–7; Hwang, Lover 142–6.

8 Prosper weist selbst auf seine Außenseiterrolle in Gallien hin: Prosp. epist. 2, prol.1. Zum Semipelagianischen Streit in Prospers Werk nach 431: Hwang, Lover 137–86; Mathisen, Ecclesiastical Factionalism 124–38.

9 Vgl. Hwang, Lover 189–91 in der Folge von Valentin, Saint Prosper 136: Leo hielt sich 440 in Arles auf (Prosp. chron. 1341), war dann gezwungen, für seine Weihe schnellstmöglich nach Rom zurückzukehren. Sollte er dabei den Seeweg genutzt haben, so dürfte er sich in Marseille eingeschifft haben und könnte dort auf Prosper getroffen sein. Auch Holder-Egger, Untersuchungen 58 oder Elberti, Prospero 26. 207 neigen dieser Spätdatierung zu. Insofern hat Markus, Chronicle 32 f. Unrecht, wenn er meint, dass die Mehrheit der Forschung eine Übersiedlung bereits kurz nach 433 annehmen würde.

10 Gennad. vir. ill. 85 schreibt Prosper die Briefe Leos gegen Eutyches zu. Ähnlich Phot. bibl. 54. Das genaue Ausmaß der Beteiligung Prospers am päpstlichen Briefverkehr ist aber kaum sicher anzugeben. Zum Verhältnis von Leo und Prosper: Elberti, Prospero 165–95. 221–30. Vgl. auch Hwang, Lover 193–8. Ausführliche Textevidenzen sammelt James, Leo. Mit Gewissheit lässt sich nur sagen, dass Prosper verschiedentlich im päpstlichen Schriftverkehr involviert war. So entsprechen die Hinweise der Chronik auf die „apostolische“ Qualität der römischen Kirche (vgl. Kap. III.2.b) leonischen Argumentationsformen, gehen aber kaum exklusiv auf Prosper zurück, sondern waren insgesamt Teil zeitgenössischer römischer Diskurse um die Ordnung der Kirche: Kötter, Kaiser und Apostel 152–64. Diskussion um ein mögliches Klerikeramt: Helm, Prosper 881.

11 Die Erwähnung Prospers durch Victorius von Aquitanien (Victor. pasch. 7) im Jahr 457 hat bezüglich der Frage nach dem Tod des Chronisten ebenso wenig Aussagekraft wie seine Würdigung durch Marcellinus Comes für das Jahr 463 (Marcell. chron. a. 463). Hätte Prosper jedoch das Jahr 455 längere Zeit überlebt, hätte er die Chronik vielleicht abermals fortgesetzt, zumal Leo noch bis 461 amtierte. Zur Diskussion der Datierungsansätze zusammenfassend: Hwang, Lover 233 f.

12 Zur Authentizität, Überlieferung und Edition einzelner Werke: Elberti, Prospero 27–32; Hwang, Lover 11–36.

13 Augustinische Phase: Hwang, Lover 66–136. Vgl. auch Plinval, Prosper dʼAquitaine. Zu Prospers Vorbehalten gegenüber einem Semipelagianismus vgl. c. 1336 mit Komm.

14 Hwang, Lover 235–8. So hielt Prosper die Betonung der Gnadenlehre zwar aufrecht, vermied es aber mehr und mehr, das gerade in monastischen Zirkeln Südgalliens problemati-sierte Konzept der Prädestination zu thematisieren. Diese mit Hwang schlüssig anzunehmen-de theologische Umorientierung ist jedoch umstritten. Lorenz, Augustinismus möchte Prospers Augustinismus nicht so stark relativiert sehen, da viele der angeblichen Mäßigungen be-reits auf Augustinus selbst zurückgehen würden. Insgesamt zur Frage vgl. auch Valentin, Saint Prosper 296–319.

15 Muhlberger, Chroniclers 56–60. Vgl. auch Burgess/Kulikowski, Mosaics 184 f., die nur die Versionen von 433, 445 und 455 als sicher akzeptieren.

16 Muhlberger, Chroniclers 57 f. weist auf das Problem hin, dass diese Aussage für die frühen Teile der Chronik nicht mit letztgültiger Sicherheit zu treffen ist, da sich von der 433er Version keine Manuskripte erhalten haben. Zumindest die Unterschiede der Redaktionen von 445 und 455 sind mit Holder-Egger, Untersuchungen 34 gering: „Nach Abzug der Interpola-tionen unterscheiden sich Vulgatum und Integrum nur noch quantitativ.“

17 Vgl. Kap. II.5: Ein Grund für die weite Verbreitung dürfte die Entstehung in Rom ge-wesen sein.

18 Holder-Egger, Untersuchungen 50 f.

19 Vgl. Gennad. vir. ill. 85; Victor. pasch. 7; Cassiod. inst. div. 17,2. Hierzu auch Muhlberger, Chroniclers 56. Ediert sind die nicht auf Prosper zurückgehenden Ergänzungen von Mommsen, Chron. min. 1,486–90.

20 56 f. 115. Vgl. Auch Mommsen, Chron. min. 1,345–7.

21 Mommsen, Chron. min. 1,345, gefolgt von Helm, Prosper 895. Tatsächlich behauptet Victor, Prosper ab 444 nicht mehr zu folgen: Huc usque Prosper vir religiosus ordinem praecedentium digessit annorum: cui et nos ista subiecimus (Vict. Tonn. chron. p. 184).

22 Muhlberger, Edition 243 f.

23 Kaiserliste im fortgesetzten Chronikteil: c. 1167. 1184. 1198. 1207. 1235. 1283. Rö-mische Bischofsliste: 1182. 1212. 1223. 1260. 1270. 1281. 1309. 1341.

24 Vgl. c. 1361 mit Komm.

25 Vgl. Cardelle de Hartmann, Historie 111. Erschwerend kommt hinzu, dass die heute vorliegenden Listen natürlich keineswegs alle zeitgenössischen Listen repräsentieren.

26 Vgl. Muhlberger, Chroniclers 73–5. Daneben Holder-Egger, Untersuchungen 77 f.

27 Vgl. hierzu c. 1215 f. 1239–42. 1248 f.

28 Die anonyme gallische Chronik ist ediert in Mommsen, Chron. min. 1,615–666. Sie ist als KFHist G 7 auch Teil des vorliegenden Projekts. Zur im Vergleich großen chronolo-gischen Genauigkeit Prospers, zumindest in der Chronikfortsetzung: Muhlberger, Chroniclers 73 f.

29 Bspw. schiebt Prosper das Konzil von Chalcedon ins Jahr 453 (c. 1369), um die Gallien- und Italieninvasion der Hunnen in den Jahren 451 und 452 (1364. 1367) nicht unterbrechen zu müssen. Aus einem ähnlichen Grund datiert die Chronik die von Constantius veranlasste Ansiedlung der Goten in Aquitanien um ein Jahr nach hinten (1271 zum Jahr 419), seine Kai-sererhebung hingegen um ein Jahr nach vorn (1273 zum Jahr 420), um beide Ereignisse in einen klaren Ursache-Wirkung-Zusammenhang zu bringen.

30 Bspw. in c. 1243 (Niederwerfung Konstantins III.) oder 1358 (Eutychianischer Streit).

31 Vgl. die Abgrenzung der Chronistik von einer „classicizing history“ bei Burgess/Kulikowski, Mosaics 20–35. Ähnlich Cardelle de Hartmann, Historie 109. Burgess und Kulikow-ski wollen auch zwischen Chroniken und Consularia klare Grenzen ziehen: Burgess/Kulikowski, Mosaics 35–57.

32 Vgl. Holder-Egger, Untersuchungen 60; Trout, Years 394 and 395 43 f. Auch Momm-sen weist in seiner Ausgabe auf die Übernahmen aus Aug.de haer. hin.

33 Trout, Years 394 and 395 44–6.

34 So u. a. Markus, Chronicle 40 f.

35 Vgl. Humphries, Chronicle 161; Muhlberger, Chroniclers 74. 76.

36 Trout, Years 394 and 395 43.

37 Allerdings ist eine von Holder-Egger, Untersuchungen 87 f. behauptete Nutzung von Orosius durch Muhlberger, Chroniclers 74 mit Recht als spekulativ zurückgewiesen worden. Holder-Egger erkennt darüber hinaus Hinweise auf Sulpicius Severus und Rufinus: Holder-Egger, Untersuchungen 86 f. Humphries, Chronicle 173 f. meint Spuren von Sulpicius Alex-ander zu sehen.

38 Die Nutzung der entsprechenden Gattung ist unbestritten, vgl. Burgess/Kulikowski, Mosaics 173–87, v. a. 179; Humphries, Chronicle 161. Ähnlichkeiten mit den Consularia Constantinopolitana : Muhlberger, Chroniclers 75; Fasti Vindobonenses : Muhlberger, Chroniclers 74. Solche Ähnlichkeiten sind mit Humphries, Chronicle 162–4 jedoch nicht auf eine direkte Nutzung dieser Quellen zurückzuführen, sondern auf ähnliche Vorlagen.

39 Vgl. bspw. Prospers Bewertung des gescheiterten Castinus-Zugs gegen die Vandalen in Spanien in c. 1278. Entsprechende wertende Aussagen des Chronisten lassen sich erst ab die-ser Stelle greifen.

40 Entwicklung der frühen Chronistik: Burgess/Kulikowski, Mosaics 63–98. Identitätsstiftende Funktionen: Croke, Origins 117–9; Cardelle de Hartmann, Historie 109 f.

41 Jüdische Chronistik: Croke, Origins 120 f.; Burgess/Kulikowski, Mosaics 99–110.

42 Croke, Origins 123–5; Burgess, Studies 21–109; Burgess/Kulikowski, Mosaics 99–131.

43 Burgess, Studies 113. Hieronymus-Chronik und ihre Bedeutung für die Entwicklung der christlichen lateinischen Chronistik: Burgess/Kulikowski, Mosaics 126–31.

44 Auf diesen zweiten Traditionsstrang der spätantiken Chronistik weisen hin: Burgess/ Kulikowski, Mosaics 269–74; Muhlberger, Chroniclers 23–46. Zum Genre der Consularia und zur Abgrenzung dieser von der Chronistik: Burgess/Kulikowski, Mosaics 35–57.

45 Burgess/Kulikowski, Mosaics 130: Im Westen war die Datierung nach Herrschaftsjahren niemals so üblich wie im Osten. Dass Prosper mit seiner chronologischen Methode seinen Lesern den Zugang zur Geschichtsdarstellung erleichtert, stellt auch Muhlberger, Chroniclers 45 f. fest. Zur Konsuldatierung generell: Burgess/Kulikowski, Mosaics 133–7.

46 So schon Helm, Prosper 896. Vgl. auch Burgess/Kulikowski, Mosaics 115 f.

47 Die Hieronymus-Epitome des Prosper ist ediert bei Mommsen, Chron. min. 1,385–460. Zur Epitome: Muhlberger, Chroniclers 60–73.

48 Vgl. in der Hieronymus-Epitome c. 1–25. Vgl. Muhlberger, Chroniclers 61 f.

49 Vgl. Kap. III.2.a. Für die Art und Weise häresiologischer Exkurse in der Hieronymus-Epitome: c. 856 (Novatianismus). 919 (Manichäismus). 1010 (Arianismus). 1063 (Makedonianer/Pneumatomachen).

50 Vgl. c. 388 der Hieronymus-Epitome. Der Chronist diskutiert in diesem Zusammenhang sogar abweichende Datierungsansätze für die Passion.

51 Die theologiegeschichtliche Bedeutung Prospers liegt darin, die Lehren des Augustinus ins Mittelalter vermittelt zu haben. Vgl. zum Beispiel Hwang, Lover 239.

52 Nutzung Prospers als Ausgangspunkt für Fortsetzungen: Burgess/Kulikowski, Mosaics 57; Mommsen, Chron. min. 1,373–5; Muhlberger, Chroniclers 276. Speziell zu africanischen Ergänzungen: Holder-Egger, Untersuchungen 38–40; Schmidt, Wandalen 194.

53 Helm, Prosper 897. Helm teilt diese „Verdammung“ selbst: Ebd. 895.

54 Beispielhaft dafür, wie sehr gerade die Epitome auf gelehrte Kritik stößt: Holder-Egger, Untersuchungen 79: „Dass Jemand eine so geistlose Arbeit des Epitomirens [sic!] macht, ist an sich nicht zu tadeln, wol [sic!] aber, wenn Jemand sie so schlecht macht, wie Prosper.“

55 Lobende Erwähnung hauptsächlich auf Basis ihres Berichtzeitraums u. a. durch Helm, Prosper 895; Holder-Egger, Untersuchungen 84. Auch Muhlberger, Chroniclers 2 weist auf den Umstand hin, dass sich nur wenige Quellen mit dem Weströmischen Reich der ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts befassen. Humphries, Chronicle 155 bemängelt, dass die Chronistik in der Hierarchie historiographischer Gattungen traditionellerweise einen der hinteren Plätze einnimmt. Diese Vorbehalte bauen sich erst in jüngerer Zeit ab.

56 Cardelle de Hartmann, Historie 119.

57 Vgl. Muhlberger, Chroniclers 113. 273 f. et passim.

58 Bei Magnus Maximus ist der Auslöser der Erhebung eine seditio der Soldaten (c. 1183), während Attalus von den Westgoten zum Kaiser gemacht wird (1254). tyrannus und tyrannis : c. 1191. 1203. 1232. 1243. 1254. 1288.

59 Dass Prosper auch den Vater des Theodosius I. erwähnt, quasi als Stammvater der Dynastie, stützt diesen Befund: c. 1170.

60 Vgl. c. 1167. 1184. 1198. 1207. 1235. 1283.

61 Zu Constantius Kap. III.4.a.

62 Kap. III.2.b.

63 Zumindest scheint die Anerkennung Marcians im Westen nicht vor dem 30. März 452 erfolgt zu sein, wie eine Angabe aus einer anonymen Prosper-Ergänzung nahelegt: Mommsen, Chron. min. 1,490,21.

64 Vgl. Komm. zu c. 1289. 1361.

65 Zu erwarten wäre diese Angabe in c. 1283.

66 Vgl. insbesondere das Beispiel der Vandalen: c. 1294 f. Aber auch die Goten profitieren von der römischen Schwäche. So sind es die Wirren um die Johannes-Usurpation, die ihnen 425 die Möglichkeit eröffnen, Arles anzugreifen: c. 1290.

67 Vgl. c. 1294 (Sanoeces). 1335 (Litorius). Auf kirchlicher Ebene überträgt Prosper das Motiv der discordia auf den Streit zwischen Chrysostomos und Theophilos (c. 1220).

68 Dieser Niedergang ist in der Sicht Prospers deutlich auf den politischen Bereich begrenzt. Für die kirchliche Ebene kann er nicht festgestellt werden, weshalb er vom Chronisten auch nicht allzu sehr problematisiert wird. Vgl. Kap. III.3.

69 Zum vergleichsweise positiven Bonifatius-Bild: Komm. zu c. 1278. 1294.

70 Die Frage der Rolle barbarischer Einfälle für das Ende des Westreichs spaltet auch die Forschung. Werden auf der einen Seite die gentes als ursächlich verantwortlich für das Ende des Reichs gesehen, betont eine andere Seite eher die bereits angelegten internen Probleme. Vgl. zur Kontroverse zusammenfassend Halsall, Movers and Shakers.

71 Vgl. dazu c. 1330. 1342 mit hist. Komm.

72 Vgl. die Darstellung der Hunnen in c. 1346. 1364 ( saevus ). 1370 ( ferox ).

73 Verträge mit den Vandalen: c. 1321. 1347. Im Fall der Goten sind die Hinweise weniger direkt, stehen an sich aber außer Frage: c. 1259. 1271.

74 Die häresiologische Behandlung des Arianismus erfolgt in der Epitome: c. 1010.

75 Zur Vita des Chronisten vgl. Kap. I.

76 Vgl. c. 1252. 1261. 1265. 1266. 1301. 1304. 1306. 1336. Der Schwerpunkt dieser Häre-siebetrachtung liegt auf der ersten Chronikversion von 433, nicht zuletzt deshalb, weil der Pelagianismus bereits 431 ökumenisch verurteilt worden war.

77 Hochmut: c. 1278 (Castinus). 1327 (Geiserich). 1336 (Julianus von Aeclanum). 1348 (erneut Geiserich). 1364 (Hunnen).

78 Bischofsliste in Prospers Chronikfortsetzungsteil: c. 1182. 1212. 1223. 1260. 1270. 1281. 1309. 1341.

79 Zur Rolle Leos v. a. c. 1350. 1369. In Chalcedon ist es nicht der rechte Glaube, der an-erkannt wird, sondern der von Leo verkündete Glaube. Für den Chronisten sind beide Ebenen eins. Nur zu Beginn der Chronik erwähnt Prosper noch den Beitrag anderer Akteure: c. 1266. 1297. 1304 u. a.

80 Dies zeigt sich in der Abwehr von Häresien. Dabei erweist sich die Kirche auch in entle-genen Regionen wie Britannien handlungsfähig (c. 1301), fällt nicht auf Täuschungen wie auf die des Julianus herein (1336) und ist weiterhin zu reichsumspannendem Handeln in der Lage (1350). All diese Punkte treffen für die politische Seite nicht mehr zu.

81 Hierzu jeweils Komm. zu c. 1260 f. 1265 f. 1270. 1309.

82 Vgl. Iren. adv. haer. 3,3,2 f. Bedeutung römischer Sukzession: Pietri, Roma Christiana 389–97. Problem einer häretisch/schismatisch gebrochenen Sukzession am Beispiel der Kirche von Konstantinopel an der Wende zum sechsten Jahrhundert: Kötter, Stability 44–6.

83 apostolicus : c. 1336. 1350. 1362. 1369. Hinzu kommt ein Beleg in 1358, der aber aus einer späteren Interpolation stammt.

84 Leo M. epist 104.

85 Ähnlich auch beim Streit zwischen Theophilos und Chrysostomos (c. 1220). Auch die durch Prosper kritisierte kaiserliche Aburteilung Priscillians (1187) führte zu einem mehrjäh-rigen Konflikt innerhalb des Episkopats, dem sog. „Felicianischen Streit“. Vgl. c. 1193 mit Komm.

86 Selbst ein dem kirchlichen Engagement des Kaisertums gegenüber so kritisch eingestellter Zeitgenosse wie Papst Gelasius sprach sich später keineswegs für eine konsequente Trennung beider Ebenen aus, sondern allenfalls für eine klare Kompetenzabtrennung. Zu Gelasius und seiner Zweigewaltenlehre: Kötter, Kaiser und Apostel 107–9. 158 f.; Ullmann, Grundsatz 41–70; Ullmann, Gelasius 198–211.

87 Zur Rolle der Kaiser in der Reichskirche vgl. Kötter, Suche 8–20, v. a. 8–13.

88 Die römische Herrschaft über Britannien dürfte sich spätestens um 440 endgültig aufge-löst haben, ohne dass Prosper davon berichtet. Vgl. Chron. Gall. (452) 126. Südgallien hatte Ravenna an die Westgoten abgetreten (c. 1271), Africa an die Vandalen verloren (u. a. 1339). Auch über Spanien dürften die Verantwortlichen keine Kontrolle mehr ausgeübt haben, wie es die Chronik des Hydatius nahelegt.

89 Zur mangelnden Anerkennung des Constantius in Konstantinopel: Komm. zu c. 1276. Zu den Modi der Amtserlangung legitimer Kaiser: Kap. III.1.a.

90 Gerade in c. 1310 äußert sich Prosper deutlich zum Vorgehen des Aëtius, der mit Unter-stützung der Hunnen sein Amt zurückerlangt hätte. In c. 1288 baut seine Amnestie darauf auf, dass er die von ihm selbst ins Reich gebrachten Hunnen wieder in ihre Heimat entlässt. Implizit deutet Prosper also an beiden Stellen eine Erpressung Ravennas durch Aëtius an.

91 Die Beschreibung als barbarus ist dabei in der Chronik ausschließlich Geiserich vorbe-halten: c. 1329. 1342. Charakterisierung als superbus : 1327. 1348; saevus : 1329. 1339.

92 Dies führt in der Folge wiederum dazu, dass sich die strukturellen Probleme verfestigen. Der Prozess des „Niedergangs“ des Weströmischen Reichs, wie Prosper ihn beschreibt, un-terliegt damit einer fatalen Eigendynamik.

93 Von 80 Hss., die den Text überliefern, haben nur ca. zwölf die Chronik als Ganzes.

94 Muhlberger, Chroniclers 57. Zu den in der älteren Forschung üblichen Namen Chroni-con vulgatum und Chronicon integrum für die Kurz- und die Langversion der Chronik vgl. Holder-Egger, Untersuchungen 16. 25.

95 Das gilt wohl für den Codex Bruxellensis , C bei Mommsen, in dem die Chronik im Jahr 440 abbricht, und für A, dessen Abschriften den Text bis zum Jahr 443 bieten.

96 Vgl. auch Kap. II.1.

97 Mommsen, Chron. min. 1,488–97.

98 Text bei Mommsen, Chron. min. 1,486 f.

99 Mommsen, Chron. min. 1,491.

100 Mommsen, Chron. min. 1,493–97.

101 Vgl. zu den einzelnen Hss. Mommsen, Chron. min. 1,353–73. Die Bezeichnungen von Mommsen werden hier beibehalten.

102 Vgl. Bandini 2,752 ff.

103 Mommsen, Chron. min. 1,378 f. 381.

104 Labbé, Nova Bibliotheca 16–56.

105 Bucherius, De doctrina temporum 136. 211.

106 Mommsen unterscheidet, wenn möglich, die Varianten der Edition Labbés und der Exzerpte in der Hs. durch die Siglen L e und L s , worin wir ihm folgen. Vgl. 1216. 1261. 1266.

107 Mommsen, Chron. min. 1,354 stellt die Verweise von Labbé zusammen, z. B. zu 1199. 1205. 1363 (de Pontac). Vgl. auch Komm. zu c. 1373. Der Befund von L geht hier vielleicht auf eine Konjektur von Duchesne zurück.

108 Mommsen, Chron. min. 1,354.

109 Mommsen selbst äußert in Chron. min. 1,354 Bedenken. In 1,379 berücksichtigt er L nicht als Zeugen in der Echtheitsdiskussion.

110 Zur möglichen Verstümmelung der Vorlage s. o. Der vorzeitige Abbruch der Chronik in allen auf A zurückgehenden Codices zeugt von der realen Existenz der gemeinsamen Vorlage, die daher wie bei Mommsen durch einen Großbuchstaben bezeichnet wird.

111 Vgl. Bandini 3,574.

112 Vgl. Mommsen, Chron. min. 1,362; auch: Muhlberger, Chroniclers 56 Anm. 18.

113 Mommsen, Chron. min. 1,362–66.

114 Zu dieser Handschrift vgl. Schmidt, Reichenau 140–47.

115 Vgl. Steinacher, Laterculus (2001) 11–5; Hoffmann, Buchkunst und Königtum 253 f. Entscheidend ist vor allem der paläographische Befund, vgl. dazu das Urteil von Bischoff, das Schmidt, Reichenau 146 A. 25 zitiert.

116 Es finden sich einige Bindefehler, z. B. haben nur R p und R v in 1220 perurgetur statt pergere cogeretur , in 1309 ordinatur statt praeficitur , in 1243 Constantinum statt Constantem , in 1329 perturbari statt deturbari . Beide Hss. haben die Auslassungen in 1175–77 und 1303 f. An einigen Stellen versucht der Schreiber von R v offensichtlich den Text der Vorlage R p zu verbessern, z. B. in 1263 libere statt libare (R p ) (richtig Liparae ), in 1294 uti ignavius , dann ut in navibus statt ut in avivus (R p ) (richtig uti navibus ).

117 Zur Beschreibung der Hs. R p vgl. Hoffmann, Buchkunst und Königtum 253 f., zu R v vgl. auch Krusch, Fredegar 278. Daneben auch Papencordt, Herrschaft 357 ff.

118 Vgl. Papencordt, Herrschaft 357.

119 Vgl. Mommsen, Chron. min. 1,367. 372 f. 491; Chron. min. 2,169.

120 Text bei Mommsen, Chron. min. 1,486 f. Vgl. auch Kap. IV.1.

121 Mommsen, Chron. min. 1,362. Zu Interpolationen und Hinzufügungen in H: Kap. IV.4.

122 Vgl. Hauke, Katalog der lateinischen Fragmente 408.

123 Zur Beschreibung von V vgl. Mommsen, Chron. min. 1,371 f.; eine gesonderte Edition der Zusätze in V bietet Mommsen, Chron. min. 1,491–93.

124 Zur Beschreibung der Editionen: Mommsen, Chron. min. 1,375 f.; Valentin, Saint Prosper 216–19.

125 Digitalisate des Codex Mediceus (M), eines der wichtigsten Textzeugen, wurden bei der Textedition ständig zum Vergleich herangezogen. Eingesehen wurden auch Digitalisate des Codices A u , B, C, H, P, R sowie des Münchner Fragments (Fris.).

126 Auch Valentin, Saint Prosper 219 erhebt daher bei allem Lob für die Gesamtleistung Mommsens den Vorwurf, Mommsens Ausgabe sei zu gelehrt und zu kompliziert.

127 Das gilt für O allerdings nur mit Einschränkung.

128 Mommsen, Chron. min. 1,376.

129 Vgl. die Listen bei Mommsen, Chron. min. 1,377–79.

130 Mommsen, Chron. min. 1,376–80.

131 Muhlberger, Chroniclers 58 Anm. 25.

132 Muhlberger, Chroniclers 58–60.

133 In der Praefatio differenziert Mommsen allerdings, indem er jeweils eine der Varianten Prosper eher abspricht, so c. 1259. 1286 (zu Recht). 1289 (Chron. min. 1,379). Unverständlich ist, wieso von Mommsen in 1375 zwei Varianten aus der Epitome in V gegen den sonsti-gen editorischen Usus als Ersatzfassungen in den Text genommen werden. In der vorliegenden Ausgabe werden die Doppelvarianten nur in 1259, 1289 und 1373 gehalten.

134 Vgl. jeweils Komm. zu o. g. Stellen.

135 Vgl. Mommsen, Chron. min. 1,377–79.

136 Chroniken sind von ihrem Zweck als Gebrauchsliteratur und von ihrer additiven Struktur her per se anfällig für Interpolationen und Zusätze. Auch Muhlberger, Chroniclers 60 zieht frühe Interpolationen in Betracht.

137 Zur Theorie von der Frühphase der Textentstellung vgl. Jachmann, Ausgewählte Schriften 396; dens., Textgeschichtliche Studien 755 f.; dazu Gnilka, Philologische Streifzüge 244 f.

138 Gegen eine systematische Kürzung durch einen späteren Bearbeiter spricht die verhältnismäßig geringe Menge des wegfallenden Materials. Auch lassen sich einige der umfangreichen Kürzungen in MY dadurch erklären, dass der Autor selbst aus einer veränderten Perspektive und Zielsetzung heraus streicht. Eine Auslassung wie die in c. 1336 aber weist fast zwingend auf eine fremde Hand hin.

139 Darin unterscheidet sich diese Ausgabe von Mommsens, der so verfährt, dass er alles überlieferte und „der Sache nach“ dem authentischen Gut gleichwertige Material in den Text nimmt, also auch Verdächtiges einschließt, dieses dann allerdings durch eckige Klammern als zweifelhaft oder bedenkenswert markiert. Vgl. Mommsen, Chron. min. 1,342. 378. Auch Kap. IV.3.

140 Zu der auf die Studien von Jachmann zurückgehenden Unterscheidung von Zusatz- und Ersatzfassungen bei Interpolationen: Gnilka, Prudentiana I, Register s. v. Ersatzfassung.

141 So Holder-Egger, Untersuchungen 40, der den Widerspruch mit zwei verschiedenen Bearbeitern erklärt, dem „Schreiber“ und dem späteren „Besitzer“ des Archetypos dieser Rezension.

142 Zu den Chronik-Fortsetzungen der africanischen Rezension vgl. Kap. IV.1.

143 Auch diese Fortsetzung unterlag mehreren Rezensionen, die Einträge zu den Jahren 475–89 sind in H quasi dreifach überliefert, in einer Version am Rand (Mommsen, Chron. min. 1,266); die Jahre 458–73 wiederum fehlen ganz (Muhlberger, Copenhagen Continuation 78). Man kann innerhalb der Continuatio drei Teile unterscheiden, eine Chronikfortsetzung für die Jahre 455–93, eine Konsulliste mit sporadischen Notizen für die Jahre 494–523, eine Geschichte Italiens unter oströmischer und langobardischer Herrschaft für die Jahre 526–641.

144 Mommsen, Chron. min. 1,267.

145 Mommsen, Chron. min. 1,249–339. Mommsen zerreißt den Text der Continuatio, um eine Synopse der verschiedenen Versionen der italischen Chronik zu erstellen. Zudem unterscheidet er italisches und nichtitalisches Gut, vgl. 1,267–71 ( Additamenta minora = nicht-italisches Gut). 298–304 ( Additamenta ). 304–21 ( Auctarium ). 331–39 ( Auctarium ). Der letz-te Teil des Auctarium Hauniense (Mommsen, Chron. min. 1,337–39) ist als KFHist G 16 Teil des vorliegenden Editionsprojekts. Vgl. auch Hille, De continuatione Prosperi a. 641 Hau-niensi; Muhlberger, Copenhagen Continuation, passim.

146 Vgl. auch Komm. zu c. 1243. Bezeichnenderweise betreffen die Auslassungen in H ost-römische Nachrichten (Konsulate des Eutropius und des Stilicho [1216 f.]). Die Auslassung von c. 1365, die Muhlberger, Copenhagen Continuation 76 konstatiert, ist keine, da Momm-sen hier fälschlicherweise eine Sonderinformation aus V in den Text aufnimmt.

147 Die Interpolamente hat Mommsen gesondert ediert in seinem Anhang zur Chronikedition, vgl. Chron. min. 1,497–99. Vgl. auch Holder-Egger, Untersuchungen 31. Unzweifelhaft interpoliert sind nach diesem auch die Angaben über die Regierungszeiten der Päpste in H (ebd. 34). Darüber hinaus Mommsen, Chron. min. 1,270 f.

148 Vgl. auch Muhlberger, Chroniclers 63.

149 Mommsen, Chron. min. 1,342. 376.

150 Diese Berichte gehören in einen Zeitraum, in dem Prosper weniger aus Quellen als aus eigener Anschauung schöpft und daher zunehmend Stellung bezieht, vgl. Komm. zu c. 1278. Die Echtheit der Randnotizen zu 1285 und 1337 wird mitunter bezweifelt, nicht zuletzt wegen ihres disparaten Charakters innerhalb der Randnotizen.

151 Text bei Mommsen, Chron. min. 2,120–61. Die Chronica des Cassiodor reichen von Adam bis Eutharich (ins Jahr 519) und berücksichtigen besonders die Geschichte der Goten. Manche Veränderungen, die Cassiodor an Prospers Text vornimmt, können auf eine gotenfreundliche Haltung Cassiodors zurückgeführt werden, vgl. etwa Cassiod. chron. 1134, 1138 und 1172 mit Prosp. chron. 1173, 1177, 1222 (dazu O’Donnell, Cassiodorus 38 f.).

152 Vgl. Mommsen, Chron. min. 1,373 f.

153 Vgl. philol. Komm. zu c. 1175.

154 Vgl. Mommsen, Chron. min. 1,380–84.

155 Bischoff, Paläographie des römischen Altertums 164.

156 Vgl. c. 1218. 1240. 1278. 1294. 1344. 1367.

157 Arles als oppidum : 1243. 1247. 1290. Nicht römische urbes : 1358. 1364.

158 Imperator als Bezeichnung für legitime Kaiser: 1344. 1358. 1361. 1367. 1373.

159 Dies gilt auch für Maximus: 1191. Vgl. ferner 1201. 1232. 1288.

160 Die Synonymität wird am deutlichsten in c. 1266, wo beide Begriffe zur Bezeichnung ein- und derselben Bischofsversammlung genutzt werden.

Erklärung der Siglen, Zeichen und Abkürzungen in Text und Apparat

M cod. Mediceus plut. 65,35, 10. Jh.
Y cod. Limogiensis 1 (pars posterior), 12. Jh.
L cod. Spirensis deperditus, überliefert in der Edition von Labbé (1657) und in dessen Auszügen am Rand von Au, daher
Le = Lesart in der Version von Labbé
Ls = Spirensis am Rand von Au; wenn Ls im app. crit. allein gesetzt ist, Ls = Übereinstimmung von Ls und Le
A Codex deperditus, fünf erhaltene Abschriften = Übereinstimmung von Ar und einer oder mehrerer Lesarten der anderen Abschriften
Ar cod. Marcianus 638, 11. Jh.
As cod. Laurentianus plut. 90,42, 15. Jh.
At cod. Florentinus Riccardianus 321, 15. Jh.
Au cod. Berolinensis Phillipps 1879, 15. Jh.
Av cod. Matritensis F 63, 15. Jh.
O cod. Escurialensis Ovetensis R 2,18, 7. Jh.
R cod. Reichenaviensis = cod. Parisinus 4860, 9. Jh.
C cod. Bruxellensis 5169, 9. Jh.
F cod. Leidensis Freherianus Scal. 14, 9. Jh.
P cod. Laurentianus Poggianus plut. 67,15, 15. Jh.
X cod. Limogiensis 1 (pars prior), 12. Jh.
Z cod. Matritensis 134, 13. Jh.
D cod. Londiniensis 16974, 10. Jh.
H cod. Hauniensis 454, 12. Jh.
B cod. Bruxellensis 1794, 10. Jh.
Fris. cod. Frisingensis 21, jetzt Monacensis 29418(1, 8. Jh.
V cod. Vaticanus reginae 2077, 6. Jh.
V (epit.) epitome in V
V (ind. imp.) index imperatorum in V
Alcobac. cod. Alcobaciensis Pontaci, 8. Jh., Zitate des verlorenen Codex in der Ausgabe von de Pontac (1604)
Cassiod. Cassiodorus, Chronica
Liberatus Liberatus, Breviarium
Paul. Diac. Paulus Diaconus, Historia Romana
Vict. Victorius Aquitanus, Cursus paschalis
{aaa} vom Editor getilgte Buchstaben
⟨aaa〉 vom Editor hinzugefügte Buchstaben
(aaa) vom Editor aufgelöste Abkürzungen
⟦aaa⟧ vom Schreiber oder anderer Hand getilgte Buchstaben
ạạạ unsicher erhaltene Buchstaben
[aaa] vom Editor in einer Lücke ergänzte Buchstaben
̣ ̣ ̣ ̣ unleserliche Reste von Buchstaben
[ ̣ ̣ ̣ ̣] Zahl der in einer Lücke verlorengegangenen Buchstaben
* vom Schreiber freigelassener Raum im Umfang eines Buchstabens
[1168] in einigen Codices überlieferter, vom Editor verworfener Eintrag
A.a.c. Lesart in A vor der Korrektur (ante correctionem)
A.p.c. Lesart in A nach der Korrektur (post correctionem)
A.corr. korrigierte Lesart in A (was vorher in A stand, ist unklar)
A.s.l. über der Zeile (supra lineam) übergeschriebene(r) Buchstabe(n) in A
Amarg. Lesart am Rand (in margine) von A
add. addidit vel addiderunt
alt. alter, -a, -um
cf. confer
corr. correxit vel correctus, -a, -um
del. delevit
dub. dubitanter
eras. erasus, -a, -um
fort. fortasse
in marg. in margine
in ras. in rasura
litt. littera(e)
man. manus
om. omisit vel omiserunt
rell. reliqui
s.l. supra lineam
spat. vac. spatium vacuum
sq., sqq. sequens, -tes

incipit epitoma de chronicon, quibus et generationes ab Adam usque ad Abraham et a passione domini omnes consules et, quae consecuta sint post finem Valentis usque ad consulatum Theodosii iunioris XVIII et Valentiniani iunioris Placidiae filii VI Augustorum, adiecimus.

incipit – adiecimus om. omnes codd. praeter A

generationes : geneseos Ar

post – adiecimus Mommsen (cf. F in clausula usque in consulatum theodosi iunioris xviii et valentiniani placidiae filii iunioris sexies) : post finem valentii usque ad quintum consulatum valentiniani imperatoris adicimus A


incipit – adiecimus om. omnes codd. praeter A generationes : geneseos Ar post – adiecimus Mommsen (cf. F in clausula usque in consulatum theodosi iunioris xviii et valentiniani placidiae filii iunioris sexies) : post finem valentii usque ad quintum consulatum valentiniani imperatoris adicimus A

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(1162) CCCLI: Valente VI et Valentiniano II

...


5 hucusque – curavimus MYLAZXFP : hucusque hier. exhinc prosper (tres litt. eras.) secuta subiunxit V : hucusque hier. ordinem praecedentium digessi sunt annorum. nunc ea quae secuntur a viro religiosissimo prospero ac eruditissimo addita subponuntur pauca ex nostro adiunc­ta studio H : incipit ex chronicis tyronis prosperi chronicorum eusebii temporibus prae­termissis R5 ordinem : ordine Z5 ann. digessit X5 consecutae Artu : secuta AsX5 sunt LX

10(1167) igitur Valente a Gothis in Thracia concremato Gratianus cum fratre Valentiniano XLI regnavit annis VI.

a – Thracia plerique : in trachia a gotis M

Thracia : trachias F : tracias XZ

concremato transpos. ante in Z

gratiniano V

frate H

Valentiniano : valenti A

XLI : xxxviii R : romanorum xxxviii (xxxix Z) ante gratianus HZ : om. B

regnavit : regnat LXRBV : reg MF : om. H


10 a – Thracia plerique : in trachia a gotis M10 Thracia : trachias F : tracias XZ10 concremato transpos. ante in Z10 gratiniano V10 frate H10 Valentiniano : valenti A10 XLI : xxxviii R : romanorum xxxviii (xxxix Z) ante gratianus HZ : om. B10 regnavit : regnat LXRBV : reg MF : om. H



10 post vi add. theodosius ordinatur imperator a gratiano sirmii ad quem theofilus paschale scribit R (1168 Mommsen)

(1169) CCCLII: Ausonio et Olybrio


10 CCCLII Mommsen : i (romanorum i P) et sic numerum singulis annis praescribunt ad lxvi FP10 auxonio V10 elibrio H

(1170) Gratianus post mortem patrui Theodosium Theodosii filium in consortium assumit imperii eique regnum tradit Orientis.

Theodosium : theudos- H semper

Theodosii : theodosii comitis V

adsumpsit R

eique : eiusque A : que ei R

tradidit ZRFPV


10 Theodosium : theudos- H semper10 Theodosii : theodosii comitis V10 adsumpsit R10 eique : eiusque A : que ei R10 tradidit ZRFPV

5(1171) ea tempestate Priscillianus episcopus de Callaecia ex Maniche­orum et gnosticorum dogmate haeresim nominis sui condit.

priscilianus MH

callecia M : calletia Y : gallecia BLZP : gallecias F : galletias X : gallechia A : gallicia VH : gallis R

ex : et P

ignosticorum XH

heresem VA

nomini sui M : nomini suo Y

nominis – condit : n. condidit sui Z

condit MY : condidit rell.


5 priscilianus MH5 callecia M : calletia Y : gallecia BLZP : gallecias F : galletias X : gallechia A : gallicia VH : gallis R5 ex : et P5 ignosticorum XH5 heresem VA5 nomini sui M : nomini suo Y5 nominis – condit : n. condidit sui Z5 condit MY : condidit rell.

(1172) CCCLIII: Gratiano V et Theodosio

V : quinto F : quinties V

5 V : quinto F : quinties V


5 Ambrosius – scribit MYAs : ambr. (mediolanensis add. H) ep. pro cath. fide multa sub. scribit (scripsit XR) ArtLZXRHBV : pro cath. fide multa sub. ambr. scribit (ambr. ep. scripsit F) FP

(1174) CCCLIV: Syagrio et Eucherio

Syagrio : sysagrio R : symmacho V

Eucherio ALZRV : eucerio XF : eucaerio M : eutherio H : eleucerio P : euerio Y


5 Syagrio : sysagrio R : symmacho V5 Eucherio ALZRV : eucerio XF : eucaerio M : eutherio H : eleucerio P : euerio Y

10(1175) Martinus episcopus Turinorum Galliae civitatis {multis} clarus habetur.

Turinorum – civitatis (om. gall. civ. R) AXFPHRVLZBCassiod.M : torinorum gall. civ. : turonorum galliae civitatis : turonum gall. civ. : in galli civitatis turinorum : in gallia civitate turrinorum Y

Galliae – Gothorum om. R

multis MYLsXFPV : in multis HB : a multis A : miraculorum Z : del. Becker : multis miraculis Labbé : multis miraculorum signis Mommsen


10 Turinorum – civitatis (om. gall. civ. R) AXFPHR : torinorum gall. civ. V : turonorum galliae civitatis LZB : turonum gall. civ. Cassiod. : in galli civitatis turinorum M : in gallia civitate turrinorum Y10 Galliae – Gothorum om. R10 multis MYLsXFPV : in multis HB : a multis A : miraculorum Z : del. Becker : multis miraculis Labbé : multis miraculorum signis Mommsen

(1176) CCCLV: Antonio et Syagrio

antonino AXF | siargio H

siargio H


10 antonino AXF10 siargio H


(1177) Aithanaricus rex Gothorum apud Constantinopolim quinto deci­mo die, quam fuerat susceptus, occiditur.

Aithanaricus ABV : aitanaricus P : ahitanaricus F : athanaricus Mp.c.YLZXHp.c. Cassiod.Ha.c.M : athanarius : atharicus a.c. : ante ath. add. hoc tempore MY

Gothorum : gotos V

apud Constantinopolim post fuerat transpos. H

quinta decima die RV : quinto decimo P

quam : qua RBV : quo P

fuerat susceptus : susceptus est A


10 Aithanaricus ABV : aitanaricus P : ahitanaricus F : athanaricus Mp.c.YLZXHp.c. Cassiod. : athanarius Ha.c. : atharicus Ma.c. : ante ath. add. hoc tempore MY10 Gothorum : gotos V10 apud Constantinopolim post fuerat transpos. H10 quinta decima die RV : quinto decimo P10 quam : qua RBV : quo P10 fuerat susceptus : susceptus est A

(1178) CCCLVI: Merobaude II et Saturnino

II om. MYAu

10 II om. MYAu

(1179) Arcadius Theodosi imperatoris filius Augustus appellatur.

Theodosi : theudos- O semper

imperatoris om. OV

filius : faltus Y

agustus O

appellatur MYAsLXRHV : appellatus ArtuOZFPB


10 Theodosi : theudos- O semper10 imperatoris om. OV10 filius : faltus Y10 agustus O10 appellatur MYAsLXRHV : appellatus ArtuOZFPB

5(1180) CCCLVII: Ricomere et Clearcho

Ricomere MYOZ : ricomede XRFPHV : richemere A : ricemere Ls : ricimere Le

elearco XH : clearo O : cliarco Z


5 Ricomere MYOZ : ricomede XRFPHV : richemere A : ricemere Ls : ricimere Le5 elearco XH : clearo O : cliarco Z

(1181) Honorius Theodosi filius nascitur.

(1182) Romanae ecclesiae post Damasum XXXVI Siricius episcopus praefuit.

Romanae ecclesiae : romae ecclesiae F : romae R

Romanae – praefuit : siricius papa fit V

post Damasum post ordinatur R

Damasum : damasus Oa.c. : damascum Ma.c. : dasum Ar : damasium Ha.c.

XXXVI post romanae ecclesiae L : post romae R

Siricius ALZV : syricius MYB : sericius H : seritius X : siricus O : sericus FP : ursinus R

episcopus praefuit MY : ep. pr. (pr. ep. AL, ep. om. OZXFP, pr. om. et episcopus transpos. ante sericius H) annis xiiii (xvi ZXFP) ALOZXFPHB : ordinatur p. d. annis xiiii R


5 Romanae ecclesiae : romae ecclesiae F : romae R5 Romanae – praefuit : siricius papa fit V5 post Damasum post ordinatur R5 Damasum : damasus Oa.c. : damascum Ma.c. : dasum Ar : damasium Ha.c.5 XXXVI post romanae ecclesiae L : post romae R5 Siricius ALZV : syricius MYB : sericius H : seritius X : siricus O : sericus FP : ursinus R5 episcopus praefuit MY : ep. pr. (pr. ep. AL, ep. om. OZXFP, pr. om. et episcopus transpos. ante sericius H) annis xiiii (xvi ZXFP) ALOZXFPHB : ordinatur p. d. annis xiiii R

(1183) in Brittania per seditionem militum Maximus imperator est fac-

brittaniam F | per seditione V : seditione R

per seditione V : seditione R

10tus, quo mox ad Gallias transfretante Gratianus Parisiis Merobaudis ma­gistri militum proditione superatus et fugiens Lugduni captus atque oc­ci­sus est. Maximus Victorem filium suum consortem regni facit.

quo : qui R

gaulias H

transfetante F

perisis ARV : parisius P : peridis O

merobaude R : merabaudis Oa.c.

magistro R

militum : miliciae H

et fugiens : effugiens AZF : est fugiens H : fugiens R

lucduni O

Maximus : maximinus R

Maximus – facit om. A

filium suum : s. f. Z


5 brittaniam F5 per seditione V : seditione R10 quo : qui R10 gaulias H10 transfetante F10 perisis ARV : parisius P : peridis O10 merobaude R : merabaudis Oa.c.10 magistro R10 militum : miliciae H10 et fugiens : effugiens AZF : est fugiens H : fugiens R10 lucduni O10 Maximus : maximinus R10 Maximus – facit om. A10 filium suum : s. f. Z


(1184) Valentinianus XLII regnavit cum Theodosio annis VIII.

Valentinianus – Theodosio ZR : romanorum xlii (xxxviiii H)PH: val. xl regnat cum theodosio regn. val. cum th.

XLII om. B

regnavit : reg M : regnat LOXRB

VIII RH : vi AuO : vii rell.


10 Valentinianus – Theodosio : val. xl regnat cum theodosio ZR : romanorum xlii (xxxviiii H) regn. val. cum th. PH10 XLII om. B10 regnavit : reg M : regnat LOXRB10 VIII RH : vi AuO : vii rell.

(1185) CCCLVIII: Arcadio et Bautone

baptone H : abautone Z

10 baptone H : abautone Z

(1186) hoc tempore Hieronymus presbyter in Bethleem, toto iam mundo clarus, habitabat egregio ingenio et studio universae ecclesiae

hoc – presbyter R: hieronimus presbyter hoc tempore

bethlem B : betlem O

habitat AuLH : habetur O Cassiod.

et om. P

universae : universali ZXFP : om. Ha.c.

5serviens.

serviens om. Z

10 hoc – presbyter : hieronimus presbyter hoc tempore R10 bethlem B : betlem O10 habitat AuLH : habetur O Cassiod.10 et om. P10 universae : universali ZXFP : om. Ha.c.5 serviens om. Z

(1187) Priscillianus in synodo Burdigalensi damnandum se intellegens ad imperatorem provocavit auditusque Treveris ab Euvodio praefecto praetorio Maximi gladio addictus est cum Euchrotia Delfidi rhetoris coniuge et Latroniano aliisque erroris consortibus. Burdigalae quaedam

priscilianus MP : priscillanus H

burdegalensi ZXRPV

damnandum se : se damn. P : damn. ibi se O

imperatorem MYLs : imperatorem maximum rell.

provocavit : pervolavit R : prope­ravit Z

auditusque : auditisque H : auctusque O : autusque A : om. V

Treveris LsXHP : treviris MYLe : triveris AORB : triberis FV : in triveris Z

Euvodio MYArB : eubodio Hp.c. : eubotio Ha.c. : euodio AuLZXFPV : ebodio R : eudoxio O

praefecto praetorio : -rii AR : pp V

Maximi MYLsHB : a maximo ZXFP : om. ALeORV

adductus Ha.c. : additus P

Euchrotia MYAB : eucrotia OZRFP : eucrocia LsX : eucro­thiia H : eudrotia V

Delfidi MYR : delfidii F : delfidem V : delphidi AOB : delphidii LXP : delfidis H : delfii Z

rectoris coniuge R : rhetoris coniunge Z : recthoris conivie H

latraniano AO : latrentano R : latrorvano Z

erroribus RZ

Burdigalae MYALF : bordigale HB : burdegale XP : burdigalem R : burdigali O : burdegali Z

Burdigalae – est om. V

10Priscilliani discipula nomine Urbica ob impietatis pertinaciam per sedi­tionem vulgi lapidibus extincta est.

prisciliani Mp.c.FP : prisciliana Ma.c.

Urbica : umbiga H : urbita R : usbica O


5 priscilianus MP : priscillanus H5 burdegalensi ZXRPV5 damnandum se : se damn. P : damn. ibi se O5 imperatorem MYLs : imperatorem maximum rell.5 provocavit : pervolavit R : prope­ravit Z5 auditusque : auditisque H : auctusque O : autusque A : om. V5 Treveris LsXHP : treviris MYLe : triveris AORB : triberis FV : in triveris Z5 Euvodio MYArB : eubodio Hp.c. : eubotio Ha.c. : euodio AuLZXFPV : ebodio R : eudoxio O5 praefecto praetorio : -rii AR : pp V5 Maximi MYLsHB : a maximo ZXFP : om. ALeORV5 adductus Ha.c. : additus P5 Euchrotia MYAB : eucrotia OZRFP : eucrocia LsX : eucro­thiia H : eudrotia V5 Delfidi MYR : delfidii F : delfidem V : delphidi AOB : delphidii LXP : delfidis H : delfii Z5 rectoris coniuge R : rhetoris coniunge Z : recthoris conivie H5 latraniano AO : latrentano R : latrorvano Z5 erroribus RZ5 Burdigalae MYALF : bordigale HB : burdegale XP : burdigalem R : burdigali O : burdegali Z5 Burdigalae – est om. V10 prisciliani Mp.c.FP : prisciliana Ma.c.10 Urbica : umbiga H : urbita R : usbica O

(1188) CCCLIX: Honorio nobilissimo puero et Euvodio

nobilissimo puero : np MYALOHV: nepote ZXFP : impe­ra­tore R

Euvodio MYAOp.c.HV : euodio LsZXRFPB : uvodio Oa.c.


10 nobilissimo puero : np MYALOHV: nepote ZXFP : impe­ra­tore R10 Euvodio MYAOp.c.HV : euodio LsZXRFPB : uvodio Oa.c.

(1189) CCCLX: Valentiniano III et Eutropio


(1190) CCCLXI: Theodosio II et Cynegio

Theodosio II : theodosio i V

Cynegio : cinicio H : quinegio MY


10 Theodosio II : theodosio i V10 Cynegio : cinicio H : quinegio MY

(1191) Maximus tyrannus Valentiniano et Theodosio imperatoribus in tertio ab Aquileia lapide spoliatus indumentis regiis sistitur et capite damnatur. cuius filius Victor eodem anno ab Arbogaste comite est

maximius Z

Maximus – Gallia : maximus tyrannus aquileia occiditur et filius eius ab arbogaste in galliis V

tyramnus Y

Valentiniano MYAOB : valentiano H : a valentiniano LsZXRFP

tertio : tertio miliario H

aquilegia Art

expoliatus H

regis H

damnatur : truncatur Z

arvogaste ArH : arvocaste Arst : argovaste O : arbocaste B : argogaste Ma.c.F

comite MYLHB : om. AOZXRFP : qui ex genere francorum erat add. H

est interfectus (infectus Ar) post in galliis transpos. H

5interfectus in Gallia.

Gallia : MYAORB : gallias ZXF : galliis LPHV

10 maximius Z10 Maximus – Gallia : maximus tyrannus aquileia occiditur et filius eius ab arbogaste in galliis V10 tyramnus Y10 Valentiniano MYAOB : valentiano H : a valentiniano LsZXRFP10 tertio : tertio miliario H10 aquilegia Art10 expoliatus H10 regis H10 damnatur : truncatur Z10 arvogaste ArH : arvocaste Arst : argovaste O : arbocaste B : argogaste Ma.c.F10 comite MYLHB : om. AOZXRFP : qui ex genere francorum erat add. H10 est interfectus (infectus Ar) post in galliis transpos. H5 Gallia : MYAORB : gallias ZXF : galliis LPHV

(1192) CCCLXII: Timasio et Promoto

timatio et praxomotico H

5 timatio et praxomotico H

(1193) Itacius et Ursacius episcopi ob necem Priscilliani, cuius accusa­tores fuerant, ecclesiae communione privantur.

Itacius AOZXRFP : itachius MY : ithacius LHB

Itacius – privantur : adcusatores priscilliani ob necem eius communione privantur episcopi V

Priscilliani : prisciliani MFv

fuerunt R

ecclesiae om. O


5 Itacius AOZXRFP : itachius MY : ithacius LHB5 Itacius – privantur : adcusatores priscilliani ob necem eius communione privantur episcopi V5 Priscilliani : prisciliani MFv5 fuerunt R5 ecclesiae om. O

(1194) CCCLXIII: Valentiniano IIII et Neoterio

Valentiniano : vatano Astu : vetano Ar

neuterio OZV : neotheorio XFP : necterio H


5 Valentiniano : vatano Astu : vetano Ar5 neuterio OZV : neotheorio XFP : necterio H

10(1195) CCCLXIV: Tatiano et Symmacho

tactiano H : taziano ZX : titiano FPV | simmiaco Z

simmiaco Z


10 tactiano H : taziano ZX : titiano FPV10 simmiaco Z

(1196) CCCLXV: Arcadio II et Rufino


(1197) Valentinianus ad vitae fastidium nimia Arbogastis magistri mili­tum auctoritate perductus laqueo apud Viennam periit. Arbogastes ma­gister exercitus mortuo Valentiniano Eugenium in Gallia imperatorem facit.

Valentinianus – facit V (ind. imp.)(erm : mortuo aput viennam valentiniano : valentinianus ab arbogastis autoritate laqueo perit et eugenium in gallia imp. sup­rascript.) facit arbogastes magister V (epit.)

nimia – perductus : perd. nim. austeritate arb. mag. mil. Y

arvogasti H : ergobastis O

auctoritate Ma.c.H : austoritate Mp.c. : autoritate V : austeritate (transpos. post nimia) Y ALOZXRFBP

productus O : perducitur Z

vehennam O : vienne R

perit XH

arbogastis MY : arvogastes LsH : arvogastis Ar : argovastis O : arvogastus Astu

magister exercitus mag. H

post valentiniano add. cuius exitu (-tus A) gravabatur (gravatur AX) ALOZXRFPHBV

gallias ZXFP : galliis L : galliam R

facit : imperare FP

fecit OB


10 Valentinianus – facit : mortuo aput viennam valentiniano V (ind. imp.) : valentinianus ab arbogastis autoritate laqueo perit et eugenium in gallia imp. (erm sup­rascript.) facit arbogastes magister V (epit.)10 nimia – perductus : perd. nim. austeritate arb. mag. mil. Y10 arvogasti H : ergobastis O10 auctoritate Ma.c.H : austoritate Mp.c. : autoritate V : austeritate (transpos. post nimia) Y ALOZXRFBP10 productus O : perducitur Z10 vehennam O : vienne R10 perit XH10 arbogastis MY : arvogastes LsH : arvogastis Ar : argovastis O : arvogastus Astu10 magister exercitus mag. H10 post valentiniano add. cuius exitu (-tus A) gravabatur (gravatur AX) ALOZXRFPHBV 10 gallias ZXFP : galliis L : galliam R10 facit : imperare FP10 fecit OB

5(1198) Theodosius XLIII cum iam per XIIII regnaret annos, regnat cum Arcadio et Honorio filiis annis tribus.

ante theodosius add. romanorum P

xliii theod. P : theod. xli R : xliii om. B

Theodosius – tribus : om. per et filiis V (ind. imp.) : theodosius cum Arcadio et honorio filiis regnat V (epit.) : mortuo valentiniano theudosius c. i. p. xiiii ann. r. r. c. a. et h. annis tribus romanorum xl regnavit theudosius cum filiis archadio et h. annis tribus H

cum iam om. A

per – annos : regn. per a. xiiii A : per xiiii a. regn. ZX

regnat om. O


5 ante theodosius add. romanorum P5 xliii theod. P : theod. xli R : xliii om. B5 Theodosius – tribus : om. per et filiis V (ind. imp.) : theodosius cum Arcadio et honorio filiis regnat V (epit.) : mortuo valentiniano theudosius c. i. p. xiiii ann. r. r. c. a. et h. annis tribus romanorum xl regnavit theudosius cum filiis archadio et h. annis tribus H5 cum iam om. A5 per – annos : regn. per a. xiiii A : per xiiii a. regn. ZX5 regnat om. O

(1199) CCCLXVI: Theodosio III et Abundantio

theodotio Y

III om. Z

habundantio MOX : abundantio ii R : post abundantio ex Marcellini Comitis chronico Honorium ... factae add. Ls


5 theodotio Y5 III om. Z5 habundantio MOX : abundantio ii R : post abundantio ex Marcellini Comitis chronico Honorium ... factae add. Ls

(1200) CCCLXVII: Arcadio III et Honorio II

II om. V

5 II om. V

(1201) Iohannes monachus anachorita clarus habetur, qui ornatus pro-

Iohannes – praedixit : iohannis monacus habetur (haretur Va.c.)V praedixit eugenium vincendum

anachoreta LR : anocorita O

habebatur ALe

ordinatus Ma.c.

10phetiae gratia Theodosium consulentem de eventu belli, quod adversum Eugenium movebat, victorem futurum praedixit.

Theodosium : et theod. B

theodosio consulente R : theudosio consolente O

evento O

adversus ALXP

movebat – Eugenium Mmarg. (alt. man.)

moverat Ar : movebatur O


5 Iohannes – praedixit : iohannis monacus habetur (haretur Va.c.) praedixit eugenium vincendum V5 anachoreta LR : anocorita O5 habebatur ALe5 ordinatus Ma.c.10 Theodosium : et theod. B10 theodosio consulente R : theudosio consolente O10 evento O10 adversus ALXP10 movebat – Eugenium Mmarg. (alt. man.)10 moverat Ar : movebatur O

(1202) CCCLXVIII: Olybrio et Probino

provino V : provino iii R

10 provino V : provino iii R


(1203) Theodosius Eugenium tyrannum vincit et perimit.

tyrannum om. V | vicit OZHB | peremit H

vicit OZHB

peremit H


10 tyrannum om. V10 vicit OZHB10 peremit H

(1204) Augustinus beati Ambrosii discipulus multa facundia doctri­naque excellens Hippone in Africa episcopus ordinatur.

agustinus O

Augustinus – ordinatur : augustinus ordinatur episcopus V

hyppone MY : hippone (hyppone R, ippone O) regio (regione ArR) rell. cum Cassiod. et Paul. Diac.

in Africa : africae R : affricam Z


10 agustinus O10 Augustinus – ordinatur : augustinus ordinatur episcopus V10 hyppone MY : hippone (hyppone R, ippone O) regio (regione ArR) rell. cum Cassiod. et Paul. Diac. 10 in Africa : africae R : affricam Z

(1205) hoc tempore Claudianus poeta insignis innotuit.

hoc tempore om. RV

poeta – innotuit AZXFB : ins. p. inn. P : poeta insignis habetur LRH Cassiod. : poeta claret V


10 hoc tempore om. RV10 poeta – innotuit AZXFB : ins. p. inn. P : poeta insignis habetur LRH Cassiod. : poeta claret V

5(1206) Theodosius imperator Mediolani moritur.

ante theodosius add. romanorum PH

Theodosius – moritur : quo mediolani mortuo V (ind. imp.) : theodosius moritur V (epit.)

mediolano R


5 ante theodosius add. romanorum PH5 Theodosius – moritur : quo mediolani mortuo V (ind. imp.) : theodosius moritur V (epit.)5 mediolano R

(1207) Arcadius XLIIII cum iam regnasset annis XII, regnat cum fratre Honorio annis XIII.

xliiii arc. P : arc. xliii MY : arch. xlii R : xlii arch. Z : xliiii om. BV

Arcadius – XIII : romanorum xli regnavit archadius cum fr. h. ann. xiii archadius cum iam regnasset ann. xii regnat demum cum fr. h. H

cum iam om. MY

annos R

cum‌2 om. V (ind. imp.)

fratre post honorio L : h. filio V

XIII : xiiii A : xv R


5 xliiii arc. P : arc. xliii MY : arch. xlii R : xlii arch. Z : xliiii om. BV5 Arcadius – XIII : romanorum xli regnavit archadius cum fr. h. ann. xiii archadius cum iam regnasset ann. xii regnat demum cum fr. h. H5 cum iam om. MY5 annos R5 cum‌2 om. V (ind. imp.)5 fratre post honorio L : h. filio V5 XIII : xiiii A : xv R

(1208) CCCLXIX: Arcadio IIII et Honorio III

archadio iii MY

5 archadio iii MY

(1209) CCCLXX: Caesario et Attico

actico M : catico H

5 actico M : catico H


10 post attico add. concilium carthaginis ubi hypponiensis concilii statuta firmantur et inseruntur R (1210 Mommsen)

(1211) CCCLXXI: Honorio IIII et Eutychiano

IIII : iii O | eutyciano V : eutitiano F : futiciano P

eutyciano V : eutitiano F : futiciano P


10 IIII : iii O10 eutyciano V : eutitiano F : futiciano P

(1212) Romanae ecclesiae episcopatum XXXVII tenet Anastasius.

Romanae – Anastasius : romae papa fit anastasius V

episcopatum – tenet : xxxvii episcopatum (episcopus O) tenet ALO : ep. tenet (om. xxxvii) B : xxxvii ordinatur R

Anastasius MY : anast. ann. iiii ALORHB : ann. iii dieb. xxii ZXFP


10 Romanae – Anastasius : romae papa fit anastasius V10 episcopatum – tenet : xxxvii episcopatum (episcopus O) tenet ALO : ep. tenet (om. xxxvii) B : xxxvii ordinatur R10 Anastasius MY : anast. ann. iiii ALORHB : ann. iii dieb. xxii ZXFP


10 post anastasius anno iiii add. eugenius occiditur R (1213 Mommsen)


10 post anastasius add. gildo in africa occiditur V (1214 Mommsen)


(1215) CCCLXXII: Mallio Theodoro viro clarissimo consule

Mallio OLV : manlio ZXFP : manlus MY : gallio H : mellio A : m R

Theodoro : theudoro O : et theodoro XFP : et theodorio Z : theodosio H

viro clarissimo : ut H : ii P : om. OV

conss. MYO : ss A : om. RV


10 Mallio OLV : manlio ZXFP : manlus MY : gallio H : mellio A : m R10 Theodoro : theudoro O : et theodoro XFP : et theodorio Z : theodosio H10 viro clarissimo : ut H : ii P : om. OV10 conss. MYO : ss A : om. RV

(1216) cum hoc consulatum inierat Eutropius eunuchus, qui ablato honore damnatus est.

consulatu AV : consolatu O

ingerat O

ablato – damnatus MYLs : mox honore ablato damnatus et vita exutus Le : mox et (ex O) honore et vita (et vitae R) exutus (exustus AstO, deiectus R) AOZRFPV : mox et vita et honore exutus X


10 consulatu AV : consolatu O10 ingerat O10 ablato – damnatus MYLs : mox honore ablato damnatus et vita exutus Le : mox et (ex O) honore et vita (et vitae R) exutus (exustus AstO, deiectus R) AOZRFPV : mox et vita et honore exutus X

(1217) CCCLXXIII: Stilichone et Aureliano

5(1218) Gothi Italiam Alarico et Radagaiso ducibus ingressi.

allarico Mp.c.Y : allorico Ma.c.

Radagaiso MYLsZX Cassiod. (cod. Monach.) : radagaiio F : radagaso P : radigauso A : ragaiso H : ragadaiso ORBV Cassiod. (cod. Paris.)

ingressi Le et plerique : ingressi sunt MYLs : ingresso R


5 allarico Mp.c.Y : allorico Ma.c.5 Radagaiso MYLsZX Cassiod. (cod. Monach.) : radagaiio F : radagaso P : radigauso A : ragaiso H : ragadaiso ORBV Cassiod. (cod. Paris.)5 ingressi Le et plerique : ingressi sunt MYLs : ingresso R


5 Fravito MYALOV : frauvito R : frabito XF : brabito Z : fabritio P : fausto H

(1220) Iohannes Constantinopolitanus et Theophilus Alexandrinus epis­copi sancti habentur. sed utrumque obscuravit discordia, quae eo usque processit, ut Iohannes a Theophilo oppressus Pontum in exilium pergere

Iohannes – servaverit V: iohannis constantinopolim et theofilus alexandriam epis­copi habentur clari. sed utrosque obscuravit discordia. iohannis oppressus exiliatus in­iuste

pheophilus Ar : theufilus O

epis­copi – habentur : eps (ep M) sci hab. MY : ep. habebantur Ar : episcopus habebatur As : inlustres episcopi (episcopos F, om. H) habentur OZXRFPHB : ep. habentur clari V : episcopi clari habentur AtLs : ep. clari habebantur AuLe

sed : et R

precessit O

theophile M : theophilus Z : theufilo O

exilio OZXP

pergere cogeretur : perurgetur R

10cogeretur, cum tamen communionem eius maxima pars episcoporum Romani pontificis exemplum secuta servaverit.

communicationem MY : orationem P

pars : parte AOR

romanae R

exempla H : ad exemplum O

secutus Ha.c.

servaverint Z


5 Iohannes – servaverit : iohannis constantinopolim et theofilus alexandriam epis­copi habentur clari. sed utrosque obscuravit discordia. iohannis oppressus exiliatus in­iuste V5 pheophilus Ar : theufilus O5 epis­copi – habentur : eps (ep M) sci hab. MY : ep. habebantur Ar : episcopus habebatur As : inlustres episcopi (episcopos F, om. H) habentur OZXRFPHB : ep. habentur clari V : episcopi clari habentur AtLs : ep. clari habebantur AuLe5 sed : et R5 precessit O5 theophile M : theophilus Z : theufilo O5 exilio OZXP5 pergere cogeretur : perurgetur R10 communicationem MY : orationem P10 pars : parte AOR10 romanae R10 exempla H : ad exemplum O10 secutus Ha.c.10 servaverint Z

(1221) CCCLXXV: Arcadio V et Honorio V



10 poll. adversum (adversus O) gothos vehementer utriusque partis (patris L) clade ALOZXRHB : poll. adversum gothos vehementer MY : adversum (adversus P) gothos veh. utriusque pollentiae partis clade FP : poll. ad gotos utriusque parti in clade V10 pugnatum : est add. LRB : pugnato Z

(1223) Romanae ecclesiae XXXVIII praeest episcopus Innocentius.

Romanae – Innocentius : innocentius papa fit V

XXXVIII – episcopus : pr. xxxviii ep. P : pr. ep. B : xxxviii ordinatur ep. R

Innocentius MY : inn. ann. xiiii ALORB : inn. ann. xvi H : inn. ann xv mensibus duobus diebus xxi ZXFP


10 Romanae – Innocentius : innocentius papa fit V10 XXXVIII – episcopus : pr. xxxviii ep. P : pr. ep. B : xxxviii ordinatur ep. R10 Innocentius MY : inn. ann. xiiii ALORB : inn. ann. xvi H : inn. ann xv mensibus duobus diebus xxi ZXFP

(1224) CCCLXXVI: Theodosio Augusto I et Rumorido

theodosius Y

Augusto I MYFH (cf. Cassiod.) : aug. semel ZX : i (om. aug.) A : aug. (om. i) PLe : v̄c augusto (om. i) R : om. VOLs

Rumorido : rumirido MYZX : romorido H : rumoridii O : rumiriolo Alcobac.


10 theodosius Y10 Augusto I MYFH (cf. Cassiod.) : aug. semel ZX : i (om. aug.) A : aug. (om. i) PLe : v̄c augusto (om. i) R : om. VOLs10 Rumorido : rumirido MYZX : romorido H : rumoridii O : rumiriolo Alcobac.


5 post rumorido add. carthaginense concilium habitum de donatistis R (1225 Mommsen)


5 et Aristaeneto LRPH (cf. Vict. et Cassiod.) : et aristeneto cons. FX : et aristenoto V : et aristoneto ZP : om. MYAO (cons. M, conf. Y, et conss. AO)

(1227) CCCLXXVIII: Stilichone II et Anthemio

II : i M : om. Y | anathemio H

anathemio H


5 II : i M : om. Y5 anathemio H

(1228) Radagaisus in Tuscia multis Gothorum milibus caesis ducente exercitum Stilichone superatus et captus est.

Radagaisus MYLOXHB : radagasius ZFP : raidigausus Ars : radigausus Atu : ragadaisus R : radaisus V

tusciam AP

militibus H

ducentem O

ducente – Stilichone : stilicone duce V

exercitu RFP

stilicone V


5 Radagaisus MYLOXHB : radagasius ZFP : raidigausus Ars : radigausus Atu : ragadaisus R : radaisus V5 tusciam AP5 militibus H5 ducentem O5 ducente – Stilichone : stilicone duce V5 exercitu RFP5 stilicone V

10(1229) CCCLXXIX: Arcadio VI et Probo