KFHist: (G 7) Gallische Chronik von 452 Skip to main content

Ein Editionsprojekt der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

HHUD Düsseldorf

(G 7) Gallische Chronik von 452



S. 3

Einleitung

I. Autor, Entstehungsort und Entstehungszeit

Aufgrund der anonymen Überlieferung der Gallischen Chronik1 müssen alle Informationen zu den Rahmenbedingungen ihrer Entstehung aus dem Werk selbst hergeleitet werden. Aussagen über Autor, Entstehungsort und Entstehungszeit sind aus diesem Grund nur in sehr begrenztem Umfang und mit großer Vorsicht zu treffen.

Der chronistische Bericht legt sein geographisches Hauptaugenmerk auf das südliche Gallien. Andere Regionen des Weströmischen Reichs hingegen rücken selten in den Blick. Auch die zahlreichen chronologischen Ungenauigkeiten der Chronik betreffen zumeist Entwicklungen in außergallischen Gebieten. Angesichts dieser Fokussierung auf Südgallien herrscht Einigkeit darüber, den Chronisten als Bewohner der Septem Provinciae zu identifizieren. Die Nähe, die die Chronik bei der Darstellung hierarchischer Streitigkeiten zur Position des Bischofssitzes von Marseille aufweist (c. 60. 74), und die zahlreichen Nennungen von Vertretern des monastischen Zirkels von Lérins (c. 86. 104. 114. 121. 134) plausibilisieren diese Annahme und lassen eine weitere Eingrenzung des Wirkungsortes des Chronisten zu, der wahrscheinlich im unteren Rhonetal schrieb.2 Ob er direkt in Marseille gelebt hat, wie Mommsen in der Einleitung seiner Edition der Chronik in den Chronica minora vermutet, muss dahingestellt bleiben.3 Ebenso wenig beweist das offensichtliche Interesse des Autors an der monastischen Entwicklung seiner Heimatregion, dass er selbst ein Mönch gewesen sein muss, auch wenn dies kaum unwahrscheinlich ist. So passt sich der Anonymus mit seiner eher distanzierten Position zu Augustinus von Hippo (c. 17. 47. 81) inhaltlich jedenfalls gut in die südgallisch-monastische – in den Augen ihrer S. 4 Gegner „(semi)pelagianische“ – Kritik an der Prädestinationslehre ein.4 Diese Kontroverse stand für den Chronisten allerdings nicht im Zentrum des Interesses, war er doch viel stärker auf den Arianismus fixiert. Vor allem aber lassen sich auf Grundlage einer bloß inhaltlichen Nähe keine gesicherten Aussagen über die konkrete Einbindung des unbekannten Autors in das monastische Umfeld Südgalliens treffen.5

Ebenfalls nicht mit letzter Sicherheit zu bestimmen ist die genaue Abfassungszeit der Chronik (und damit implizit die Lebenszeit des Autors), auch wenn diese etwa mit dem Ende des Berichtzeitraums zusammenfallen muss. Anders ließe sich nur schwerlich erklären, wieso der letzte Eintrag (c. 141) zwar die Invasion Italiens durch Attila 452 erwähnt, nicht aber deren Ausgang. Auch die abnehmende Dichte chronologischer Fehler im Laufe des Werks – ab dem Jahr 447 sind sämtliche Datierungen korrekt – deutet in diese Richtung.6 Mommsens Vermutung einer der Chronik zugrunde liegenden vollständigeren Version, die nur bis ins Jahr 450 gereicht hätte, ändert angesichts der nur geringen zeitlichen Distanz von angenommenem Ursprung und angenommener Bearbeitung nichts grundsätzlich am Befund.7 So oder so wäre der Text Produkt einer Krisenzeit für das Weströmische Reich und auch für Gallien, was den insgesamt recht pessimistischen Grundtenor der Chronik erklärt.8 Diese negative Grunddisposition erweist sich am deutlichsten im Vergleich mit der etwa zeitgleich entstandenen Chronik des Prosper von Aquitanien, die im Jahr 455 den Wirren ihrer Zeit wesentlich gelassener gegenübersteht als die anonyme Chronik des Jahres 452. Ein entsprechender Vergleich der beiden Texte liegt aufgrund der biographischen S. 5Nähe ihrer Autoren durchaus nahe9 und ist darüber hinaus in der Überlieferung gewissermaßen präfiguriert, da die Chronik des gallischen Anonymus schon in den frühesten Manuskripten fälschlicherweise Prosper zugeschrieben worden ist.10

II. Formale Aspekte

1. Chronologischer Rahmen

Inhaltlich wie formal stellt die Chronik von 452 eine Fortsetzung der bis ins Jahr 378 reichenden Chronik des Hieronymus dar. Dabei folgt der gallische Anonymus dem Format seines Vorgängers strenger als andere Vertreter des Genres im fünften Jahrhundert: Ebenso wie Hieronymus baut er seine Chronologie auf den Herrschaftsjahren römischer Kaiser auf und verzeichnet jeweils auch den Beginn von Olympiaden und der zehnjährigen abrahamitischen Ära.11 Daneben gibt der Bericht eine fortlaufend nummerierte Lis-te der römischen Bischöfe (c. 24. 39. 54. 83. 122) und erwähnt an einer Stelle (c. 24) sogar die Amtsträger der großen östlichen Kirchen. Diesen Versuch, die östlichen Sukzessionsketten fortzuführen, muss die Chronik jedoch in der Folge aufgeben, zweifellos aus Mangel an Informationen.12 In den Handschriften tauchen ferner noch zwei weitere Herrscherlisten auf, die aber sicher als spätere Interpolationen zu gelten haben. Es handelt sich zum einen um eine im dritten Jahr des Theodosius I. eingefügte Liste der römischen S. 6Kaiser der Jahre 395 bis 455, zum anderen um eine mit dem vierten Herrschaftsjahr des Gratian einsetzende Liste der fränkischen Könige.13

Trotz der Vielzahl verwendeter chronologischer Methoden lag das zentrale Augenmerk des Chronisten nicht auf der Chronologie an sich.14 Dafür spricht beispielsweise, dass alle Jahre vom Tod des Theodosius I. bis zum Tod des Honorius fälschlicherweise mit einer gemeinsamen Herrschaft des Brüderpaares „Arcadius und Honorius“ datiert werden, obwohl ersterer bereits 408 gestorben war, was dem Chronisten auch bekannt war. Sodann muss auffallen, dass der chronologische Rahmen an sich fehlerhaft ist: Der Bericht umfasst 74 historische Jahre (379–452), diese werden auf 78 Berichtjahre verteilt. Dieser Fehler der Rahmenchronologie geht auf eine Übernahme falscher Herrschaftsdauern aus der Narratio de imperatoribus domus Valentinianae et Theodosianae zurück, insbesondere auf die dort um vier Jahre zu lang angesetzte Herrschaft des Honorius.15 Eine sichere und jahr-genaue Datierung von berichteten Ereignissen ist auf Grundlage der Chronik dadurch erst ab der Herrschaft des Honorius-Nachfolgers Theodosius II. im Jahr 424 möglich. Aber auch danach unterlaufen dem Autor noch teils gravierende Datierungsfehler.16 Durchgehend korrekt sind die gegebenen Daten erst ab dem Jahr 447 (c. 132).

S. 7Dass der Chronist vergleichsweise frei mit Fragen der Chronologie umgeht, zeigt sich auch in der gelegentlichen Aufteilung einzelner Einträge auf mehrere Jahre (c. 28. 50. 77. 78. 81. 88. 126), wobei umstritten ist, ob dieses Vorgehen tatsächlich auf den Autor selbst oder nicht eher auf spätere Bearbeiter des Textes zurückzuführen ist. Mommsen beispielsweise meint, dass die Chronik ursprünglich berichtleere Jahre aufgewiesen habe, die im Laufe der Überlieferung durch das Verschieben der Jahreszählung und eine daraus resultierende Aufteilung einzelner Einträge auf mehrere Jahre aufgefüllt worden seien. Er macht diesen Prozess dann in seiner Ausgabe konsequenterweise rückgängig.17 Muhlberger weist jedoch darauf hin, dass sich diese von Mommsen ausgeschlossenen Doppeldatierungen schon bei Hieronymus finden ließen, der Chronist von 452 also eine imitatio des Hieronymus vorgenommen haben könnte. Der Versuch der Vermeidung berichtleerer Jahre zugunsten eines stetigeren Darstellungsflusses bereits durch den Autor selbst sei also nicht auszuschließen. Burgess folgt dieser Argumentation und nimmt die Doppeldatierungen in seine Edition auf.18

2. Quellen und Beziehung zu anderen Chroniken

Auf Grundlage einer bloßen Nennung eines Werks durch die Chronik lassen sich keine Aussagen über den genauen Umfang der Kenntnis des Chronisten vom genannten Werk treffen. Ob es dem gallischen Anonymus von 452 vorlag, es ihm vom Inhalt her bekannt oder nur vom Titel her geläufig war, oder gegebenenfalls nicht einmal das, muss in den meisten Fällen fraglich bleiben. Dies gilt umso mehr, als eine längere direkte Übernahme von Passagen anderer Werke – und nur eine solche würde die Benutzung zweifelsfrei erweisen – in Chroniken aus formalen Gründen nicht vorge-sehen ist.19 Abgesehen von diesem Problem belegt der Bericht aber eine zumindest nominell breite Kenntnis der zeitgenössischen lateinischen kirch-lichen Literatur. Erwähnt werden die Historia monachorum des Rufinus von Aquileia, die Schriften des Ambrosius von Mailand, die Martinus-Vita des Sulpicius Severus sowie De institutis von Johannes Cassianus. Die schriftstellerische Tätigkeit von Prudentius, Augustinus und Polemius Silvius ist S. 8dem Chronisten bekannt. Die Erwähnung des Paulinus von Nola und des Martinus von Tours könnte für die Kenntnis auch ihrer Werke sprechen.20 Der erste Teil der Chronik, der sich der Herrschaft des Gratian und des Theodosius I. widmet, schöpft darüber hinaus maßgeblich aus der Kirchengeschichte des Rufinus.21

Hinsichtlich von Werken säkularer Provenienz ist eine ähnlich breite Bezeugung nicht erkennbar. Explizit erwähnt wird hier einzig der Dichter Claudianus.22 Sicher anzunehmen ist darüber hinaus die Nutzung der Narratio de imperatoribus domus Valentinianae et Theodosianae, aus der die Chronik ihre fehlerhafte Chronologie schöpft und die offensichtlich die Hauptquelle der Chronik für die Herrschaftszeit des Honorius darstellt.23 Daneben dürfte dem Autor eine nicht näher zu identifizierende Ausgabe von Konsularannalen vorgelegen haben, aus der laut Holder-Egger die Berichte zu diversen Vorzeichen stammen.24 Näheres zu Quellen und Quellennutzung lässt sich für den anonymen Autor von 452 kaum sagen.

Auch hinsichtlich der anderen lateinischen Chroniken des fünften Jahrhunderts lassen sich nur wenige Anknüpfungspunkte feststellen. Mit der zeitgleichen Chronik des Prosper und der etwas späteren des spanischen Bischofs Hydatius hat der Bericht in erster Linie nur gemein, dass sie alle als Fortsetzungen der Chronik des Hieronymus konzipiert waren, welche ihrerseits eine lateinisch übersetzende Fortführung der Weltchronik des Eusebius bis ins Jahr 378 war. Aber schon in der Ausgestaltung der Fortsetzung zeigen sich Unterschiede zu den beiden anderen Vertretern des Genres, die zu einem autonomeren Umgang mit Hieronymus gelangen als der Chronist aus S. 9Gallien: Während Prosper sich die Freiheit nimmt, den chronologischen Rahmen zu ändern, setzt sich Hydatius durch eine ausführliche Vorrede vom Text seiner Vorlage ab.25

Angesichts dieser formalen Unterschiede überrascht es nicht, dass die Gallische Chronik auch inhaltlich keine Anknüpfungspunkte an die Werke von Prosper und Hydatius aufweist. So sind dem Anonymus von 452 die frühen Versionen der Prosper-Chronik aus den Jahren 433, 445 und 451 (erstere war noch in Gallien entstanden) unbekannt, während Prospers Version letzter Hand aus dem Jahr 455 die Chronik des Galliers nicht kennt.26 Beide Werke weisen sogar erhebliche Unterschiede auf, insbesondere hinsichtlich ihrer ekklesiologischen Position: So sind kirchliche und weltliche Sphäre bei Prosper deutlich voneinander getrennt, beim Anonymus jedoch untrennbar verbunden.27 Auch das Papsttum spielt bei Prosper eine größere Rolle als bei seinem Zeitgenossen, der sich darüber hinaus durch seine Distanz zu Augustinus auszeichnet, welcher die theologische Referenzgröße des frühen Prosper war, der seinen häresiologischen Fokus daher auch auf den Pelagianismus legt, nicht wie der Chronist von 452 auf den Arianismus. Auch Hydatius, der eine bis ins Jahr 468 reichende Chronik vorlegt, nutzt die anonyme Chronik von 452 nicht.

Erst die ebenfalls anonym überlieferte Chronik von 511 wird später dann Übereinstimmungen zur Chronik von 452 aufweisen, sich aber in kaum geringerem Maße bei Hydatius bedienen. Dass Mommsen die beiden Texte von 452 und 511 zusammen ediert, liegt insofern nicht an der Quantität ihrer Übereinstimmungen sondern an Mommsens Annahme einer gemeinsamen Vorlage, aus der die beiden Chronisten von 452 (leicht kürzend) und von 511 (kompilierend) geschöpft hätten.28 Muhlberger mahnt jedoch zur Vorsicht, da es keinen Beweis für Mommsens Hauptargument gebe, dass der Chronist von 511 diejenigen Einträge, die er im Grundsatz mit der Chronik von 452 teilt, für die er aber zusätzliche Detailinformationen liefert, gänzlich aus einer Quelle habe übernehmen müssen, die dann zwangsläufig als S. 10Grundlage für beide Chroniken gelten müsse. Der spätere Autor kann zusätzliche Informationen auch einfach einer gänzlich anderen Quelle entnommen haben.29

3. Rezeption und historischer Wert

Lässt man die Möglichkeit einer Zweistufigkeit der Entstehung außer Acht (vgl. Kap. II.2. IV.1), so hat sich das unmittelbare Interesse der Zeitgenossen an der Chronik in engen Grenzen gehalten. Im Katalog christlicher Autoren, den Gennadius von Marseille Ende des fünften Jahrhunderts zusammenstellte, wird sie beispielsweise nicht erwähnt, was umso auffälliger wäre, wenn sie wirklich in Marseille entstanden sein sollte. Auch Prosper und Hydatius kennen den Text offenbar nicht. Die erste Spur einer Benutzung findet sich in der kompilierenden Verarbeitung durch den anonymen Chronisten von 511. In der Folge kam es dann aber zu einer zumindest regio-nal relativ weiten Verbreitung, die ihren Niederschlag in einer breiten handschriftlichen Überlieferung in Gallien fand.30 Hierfür lassen sich mehrere Gründe anführen: Eine Rolle mag die frühzeitige, wenn auch falsche, Identi-fizierung des Anonymus mit Prosper gespielt haben. Auch die in einigen Handschriften interpolierte Liste der Frankenkönige kann den Text mit einer größeren Autorität versehen haben, die die Chronik im Frankenreich zur Bewahrung geradezu prädestiniert hätte. Zu guter Letzt verlieh die Kürze des Berichts der Chronik von 452 im Mittelalter einen beachtlichen Gebrauchswert.31

Gerade aber die Kürze des Berichts sowie die starke Konzentration auf gallische Verhältnisse bergen, zusammen mit den massiven chronolo-gischen Problemen, bei der Nutzung der Chronik Gefahren. Es ist insofern sicherlich nicht ungerechtfertigt, anderen chronistischen Berichten der Zeit, insbesondere dem des Prosper, eine insgesamt höhere Qualität zuzusprechen. Gleichzeitig ist es aber keine neue Erkenntnis, dass der Wert einer Quelle niemals eine absolute Größe darstellt, sondern sich immer relativ zu Erkenntnisinteresse und Fragestellung bemisst. Vor diesem Hintergrund S. 11kann das Urteil über die anonyme Chronik dann ausgewogener ausfallen, weist diese doch immerhin Charakteristika auf, die eine Beschäftigung mit ihr in bestimmten Kontexten lohnenswert machen.32

So handelt es sich bei der Chronik von 452 um das älteste erhaltene gallische Geschichtswerk überhaupt, welches mit seinem dezidiert gallischen Blickwinkel einen einzigartigen Einblick in die zeitgenössische Wahrnehmung der Völkerwanderungszeit durch einen westlichen Provinzbewohner liefert. Der chronistische Bericht liefert bspw. mitunter exklusive Informationen.33 Aber auch unabhängig davon, ob einzelne Informationen zur gallischen Geschichte Sondergut darstellen – meist ist das nicht der Fall –, tragen sie in ihrer konkreten Zusammenstellung eine Aussage, die in ihrer Unmittelbarkeit nicht häufig begegnet.34 Auch hinsichtlich des Verhältnisses von Reich und Kirche ist die Chronik von Interesse, wiederum nicht deshalb, weil sie einzigartige Sachinformationen bieten würde, sondern weil sie mit ihrer gallischen Perspektive mahnt, die in der Überlieferung dominierende römische Position zum Problemkomplex nicht ohne weiteres absolut zu setzen. Eine oftmals voreilig als „byzantinisch“ gestempelte Sicht vom untrennbaren Verhältnis beider Ebenen – mit dem expliziten Wunsch nach kaiserlichem Eingreifen in kirchliche Belange – war im Westen des Reichs auch im fünften Jahrhundert keine Außenseiterposition.35

Neben diesen inhaltlichen Aspekten sollte eine weitere Sache nicht übersehen werden: Die Gallische Chronik von 452 stellt in formaler Hinsicht die wohl typischste der lateinischen Chroniken des fünften Jahrhunderts dar. Zum einen wählt sie sich eine Herrscherliste als chronologisches Gerüst und reichert dieses mit zusätzlichen chronologischen Informationen an, wodurch S. 12sie dem allgemeinen Ausgangspunkt, Hieronymus, am getreuesten folgt; zum anderen hält sie ihren Bericht äußerst knapp und verzichtet dabei gänzlich auf längere literarisierende Anteile, wie sie bei Prosper und vor allem bei Hydatius begegnen. Die Gallische Chronik von 452 kann damit als para-digmatisch für die Gattung an sich gesehen werden.36

III. Inhaltliche Grundzüge

1. Gallien und das Reich

Dass die Verortung des Chronisten, trotz seiner Anonymität, in Südgallien unstrittig ist, liegt in erster Linie an der durchgehenden Konzentration des Berichts auf diese Region. Während detailliertere Informationen der Chronik in den meisten Fällen Gallien betreffen, rücken andere Regionen des Reichs vergleichsweise selten in den Blick. Die mit zunehmender geographischer Distanz vom Entstehungsort zunehmende chronologische Ungenauigkeit stützt diesen Befund. Sogar die als Gallia Ulterior bezeichneten Gebiete Zentral- und Nordgalliens, die nicht den Septem Provinciae zugehören, finden nur dann Erwähnung, wenn die dortigen Ereignisse auch für den Süden Galliens von Relevanz sind. Ein Beispiel hierfür ist die Beschreibung des Tibatto-Aufstands, zu dem der Chronist bemerkt, dass er die „gesamte Masse an Sklaven Galliens“ in Aufruhr versetzt hätte (c. 117). Auch die berichteten Widerstände gegen die Ansiedlung der Alanen im entfernteren Gallien (c. 127) wecken das Interesse des südgallischen Autors hauptsächlich in ihrer Funktion als Teil des Berichts über den generellen Niedergang der römischen Herrschaft, der in seiner Gesamtheit eben auch die Heimatregion des Chronisten betraf.

Eine Erklärung dieser Konzentration auf Südgallien muss zunächst die schlechte Informationslage des Autors für außergallische Entwicklungen berücksichtigen.37 Der Abbruch der Kirchengeschichte des Rufinus mit dem Tod des Theodosius I., spätestens aber das Ende der Narratio de imperatoribus, stellte den Chronisten vor große Probleme, überhaupt noch reichsweite Informationen zu generieren. Die fehlerhafte Papstchronologie ist ein Indiz hierfür. Hinsichtlich der Entwicklungen im Osten des Reichs sind die S. 13Probleme noch früher noch gravierender, wie der bereits in seinem Beginn aufgegebene Versuch zeigt, die Liste der östlichen Spitzenbischöfe von Hieronymus fortzusetzen.38 Eine bloße Unkenntnis kann bei der Erklärung des regionalen Fokus der Chronik aber nur eine Seite der Medaille sein, immerhin nimmt der Chronist außergallische Ereignisse auch nach 395 und 423 durchaus noch in den Blick. Er war also sehr wohl noch dazu in der Lage, zumindest basale Informationen über die Entwicklungen in anderen Regionen des Reichs zu finden. Es fällt aber auf, dass diese Informationen immer wieder auf den vom Autor postulierten Zustand Südgalliens zurückverweisen, die berichteten Ereignisse die Entwicklung dort entweder beeinflussen oder aber spiegeln.

Verdeutlichen lässt sich dieser Befund anhand der verstreuten Informationen über die Situation in Nordafrica. Es finden hier vornehmlich solche Ereignisse Erwähnung, die zum Verlust der Region an die Vandalen beitrugen.39 Dieser Verlust, der 439 mit der Einnahme Karthagos besiegelt wurde, schwächte die Macht des Weströmischen Reichs und war damit auch ein Problem für Südgallien, das in der Sicht der Chronik seinerseits ohnehin schon am fortgesetzten Rückzug der römischen Zentralmacht litt. Diese Relevanz des Africa-Verlustes für Gallien war für den Chronisten der eigentlich interessante Aspekt. Nach dem Verlust Karthagos wird dann auch nichts mehr über Africa berichtet, auch nicht über die homöische Verfolgung katholischer Christen40, obwohl der häresiologische Schwerpunkt des Textes auf dem Arianismus liegt. Diese Häresie erscheint dem Chronisten aber hauptsächlich als gallisches Problem, welches durch die Schwächung der römischen Macht in den Provinzen des Reichs zwar geschaffen und verstärkt wurde, in seinen Auswirkungen aber maßgeblich auf Gallien bezogen bleibt. Dieses Muster lässt sich in den Informationen über Spanien und Britannien ebenfalls greifen. Auch diese beiden Regionen interessieren den S. 14Anonymus nicht per se, sondern lediglich in ihrer Rolle im Desintegrationsprozess des Reichs.41

Der südgallische Darstellungsprimat der Chronik von 452 ist also mitnichten nur aus einer Informationsnot geboren. Eine auch programmatische Komponente des regionalen Fokus der Quelle lässt sich nicht leugnen. Diese Komponente sollte jedoch nicht so verstanden werden, dass der Autor eine gallische „Nationalgeschichte“ hätte schreiben wollen. Dies wäre in der Folge des Hieronymus, der eine dezidierte Welt-Chronik vorgelegt hatte und in dessen Tradition sich der gallische Anonymus von 452 sah, auch kaum zu erwarten. In der Perspektive des anonymen Chronisten fielen aber Gallien, das Reich und damit die Welt in eins. Der Autor kann in der Beschäfti-gung mit der Reichsgeschichte seine Herkunft nicht abschütteln und setzt daher das Schicksal des Reichs immer wieder in Relation zum unmittelbar erfahrenen Schicksal seiner Heimat.42 Dass damit die Berichte aus anderen Regionen des Reichs immer unter südgallischer Perspektive ausgewählt werden, erweist die erstmals von Mommsen gewählte Bezeichnung „Gallische Chronik“ nicht nur hinsichtlich des Entstehungsorts des Textes als treffend.

2. Angeblicher Niedergang

Für die Chronik stellt die Geschichte des Reichs seit 378 sowohl in politisch-militärischer als auch in kirchlicher Hinsicht eine Geschichte des Niedergangs dar. Vor dem Hintergrund der Abfassungszeit des Textes wird dies verständlich: Ein Autor, der sich zum einen mit Invasionen der Hunnen in Gallien und Italien, zum anderen mit dem Vordringen gentiler Völker auf Reichsgebiet konfrontiert sah, konnte sich durchaus die Frage stellen, wie es zu diesen Entwicklungen hatte kommen können.43 Der Chronist macht es sich bei der Beantwortung dieser Frage nicht so einfach, einen bloß linearen Verfall des Reichs über den Berichtzeitraum hinweg zu konstatieren, sondern geht subtiler vor. Den verheerenden Zustand seiner eigenen Zeit kontrastiert er mit einer positiv gesehenen Ausgangszeit, die aber ihrerseits wiederum auf einer Erholung vorhergehender Verhältnisse aufbaute. So pes-S. 15simistisch sich die Chronik also insgesamt präsentiert, so deutlich lässt sie hier die Hoffnung auf die mögliche Restabilisierung der Zustände durch eine Rückkehr der Akteure zu den Qualitäten ihrer Vorgänger aus Zeiten größerer Stabilität.

Der Ausgangspunkt des Berichts liegt in einer Situation der Bedrohung: Hieronymus hatte seine Chronik mit dem Tod des Valens in der Schlacht von Adrianopel gegen die Goten im Jahr 378 enden lassen, weshalb es laut dem fortsetzenden Chronisten von 452 nun der vereinten Anstrengungen politischer und kirchlicher Akteure bedurfte, um die Situation zu stabilisieren.44 Diese Anstrengungen seien erfolgreich gewesen, weshalb die Herrschaft des Theodosius I. in der Chronik als Phase größtmöglicher Stabilität zu gelten hat. Diese Stabilität zeigt sich dabei zum einen auf politisch-militärischer Ebene in der Abwehr barbarischer Völker und der Wiederherstellung des „erschöpften Staatswesens“ (c. 5), zum anderen auf kirchlicher Ebene im entschlossenen Vorgehen gegen Häresien, gerade gegen diejenige der Arianer (c. 22). Ein wünschenswerter Zustand des Reichs, wie er für den Chronisten unter Theodosius I. verwirklicht war, kennzeichnet sich also durch die gleichzeitige Abwesenheit sowohl barbarischer Völker als auch christlicher Irrlehren.45

Diese zweifache Abwesenheit von Bedrohungen ist dann bereits unter den Theodosius-Nachfolgern Arcadius und Honorius Rückschlägen ausgesetzt, die Stabilität wird abermals prekär: Während von außen wieder vermehrt barbarische Völker ins Reich eindringen, kommt es im Innern des Reichs zu zahlreichen Aufständen und Usurpationen.46 Auf kirchlicher Seite berichtet die Chronik verstärkt von Häresien und vom Fehlverhalten kirchlicher Autoritäten. Zwar gelingt es Honorius, alle Usurpationen niederzuschlagen, und religionspolitisch legen die kaiserlichen Brüder, ganz in der Tradition ihres Vaters, anfangs ein energisches Vorgehen an den Tag; auch kirchlicherseits werden Häresien entweder zurückgewiesen oder aber verschwinden aus dem Bericht, was ex negativo ebenfalls eine erfolgreiche Abwehr nahelegt. Nichtsdestotrotz meistern die Verantwortlichen nicht mehr S. 16alle Herausforderungen. Die Chronik macht deutlich, dass die Regierung nicht mehr dazu in der Lage war, eingedrungene Völker vom römischen Boden zu verdrängen. Teilweise bewirkte sie sogar das Gegenteil: So sei der Einfall mehrerer Völker – gemeint ist der Rheinübergang der Vandalen, Alanen und Sueben im Winter 406/07 – einem Verrat des magister militum Stilicho anzukreiden (c. 55), während der spätere Kaiser Constantius 418 die Westgoten in Aquitanien ansiedelte (c. 73). Mit der Rückkehr barba-rischer Völker geht in der Sicht der Chronik auch eine theologisch problematische Entwicklung einher, nämlich das Wiedereindringen des Aria-nismus ins Reich, worauf erstmals das vermeintlich arianische Bekenntnis des Gotenführers Radagaisus hinweist (c. 51 mit c. 50).

Die Schlusswertung zur Herrschaft des Honorius bringt diese Rückschläge und die Verantwortlichkeit für sie in aller Deutlichkeit auf den Punkt: Der weströmische Kaiser habe ein „durch viele Rückschläge stark zerrüttetes Reich“ hinterlassen (c. 93).47 Vor dem Hintergrund der vorherigen theodosianischen Stabilität bedeutet das in erster Linie, dass die Integrität des Reichs in ethnischer und orthodoxer Hinsicht nicht mehr gegeben war. Dieser Niedergang setzt sich dann unter den Nachfolgern des Honorius noch fort, denen zunehmend auch charakterliche Qualitäten fehlen würden, um die vom Vorgänger geerbten Verwundungen des Reichs zu heilen. Eine Person, die strenuitas aufweist, wie zuvor Maximus, Dardanus und Heracli-anus, sucht man unter der Herrschaft des Theodosius II. und Valenti-nians III. jedenfalls vergeblich.48 Damit aber setzt sich der Verfallsprozess nach Honorius nicht einfach bloß fort, sondern findet spätestens dann einen neuen unrühmlichen Höhepunkt, als die Regierung in Ravenna versucht, das letztlich durch ihren selbstverschuldeten Rückzug aus den Provinzen entstandene politisch-militärische Vakuum ausgerechnet durch die Ansiedlung barbarischer Völker zu füllen (c. 124. 127. 128. 138). Die durch die Chronik konstatierte Ohnmacht des Reichs findet ihre Bestätigung schließlich in der Bedrohung durch die Hunnen (c. 139. 141).

S. 17Auch wenn der auf diese Art dargestellte Niedergang das gesamte Reich betrifft – der Autor beschreibt das Ende der römischen Herrschaft in Africa, Britannien und Spanien –, so wird der Zerfall des Reichs gänzlich durch die Brille des gallischen Provinzialen gesehen.49 Dadurch spiegelt der Bericht des anonymen Chronisten Positionen, die im Gallien des mittleren fünften Jahrhunderts ganz allgemein typisch waren. In erster Linie gilt dies für das geschwächte Vertrauen der Provinzialen in die Regierung von Ravenna, deren Politik den subjektiven Interessen Galliens im Laufe der letzten Jahrzehnte immer weniger entsprochen hatte.50 Kritik findet sich in der Chronik am angeblichen Verrat des Stilicho und an den Ansiedlungsprojekten des Aëtius. Erst vor diesem Hintergrund erhält c. 138, der Schlüsseleintrag zum Verständnis der Chronik, die über seine deskriptive Funktion hinausgehende kritische Stoßrichtung. Wenn der Chronist klagt, dass keine Provinz im Reich mehr frei von barbarischen Bewohnern sei, so hat er vornehmlich sei-ne eigenen Erfahrungen in Gallien im Blick. Und gerade hier in Gallien führt er das beklagte Vordringen der Barbaren ausdrücklich auf Fehler und Versäumnisse der Reichsregierung zurück.51

Mit dem Wissen um diese gallische Vertrauenskrise wird auch verständlich, wieso die Chronik die Herrschaft von Theodosius I. dermaßen dezidiert zur „Heldenzeit“ stilisieren kann, dass sogar das antibarbarische Wirken des Usurpators Magnus Maximus gewürdigt wird.52 Zum einen wurde die Sta-bilität unter Theodosius als derart allumfassend erinnert, dass sogar Taten eines illegitimen Herrschers in der entsprechenden Zeit in ein positives Licht S. 18getaucht werden konnten; zum anderen hatte Gallien in dieser Phase der Stabilität ja ganze fünf Jahre (383–88) unter der Waltung eben dieses illegitimen Herrschers gestanden. Eine von Muhlberger festgestellte „Nostalgie“ in der Rückschau personifizierte sich daher nicht allein in Theodosius, sondern auch in Maximus.53 Auch abseits dieser Personalie folgt die Auswahl erwähnter politischer Ereignisse und Personen in der Chronik einem gallischen Blickwinkel. Dies gilt beispielsweise für die Auswahl der Usurpationen54 oder aber für die im Hinblick auf seine tatsächliche Bedeutung mar-ginale Rolle, die der spätere Kaiser Constantius III. spielt. Da dieser verantwortlich für die erste Ansiedlung eines germanischen Volkes auf Reichsgebiet war, dürfte seine Marginalisierung ähnliche, gallisch geprägte, Gründe haben wie die spätere kritische Distanz zu Aëtius.55

3. Rolle „barbarischer“ Völker

Die Ursache für den konstatierten Niedergang des Reichs wird vom Autor nur unzureichend und einseitig reflektiert. Während Prosper die militärischen Rückschläge des Berichtzeitraums in den Zusammenhang mit Konflikten innerhalb der Führungsriege des Reichs bringt, fehlt diese Pers-pektive interner Kämpfe in der Chronik von 452 nahezu vollständig: Die Auseinandersetzungen zentraler Generäle in Folge des Todes von Constantius III. kondensiert der Chronist auf die letztliche Entscheidungsschlacht zwischen Bonifatius und Aëtius im Jahr 432.56 Das weitgehende Ausscheiden der internen Perspektive korrespondiert dabei mit einer stärkeren Konzentration auf externe Faktoren. Für den Bericht über die Desintegration der römischen Herrschaft spielen die barbarischen Völker eine wichtige Rolle. Ihr Vordringen wird dabei nicht als Folge von Bürgerkriegen begriffen, sondern als Folge des zunehmenden Verlusts von Durchsetzungsstärke bei den S. 19römischen Führern. Da sich eine solche aber erst relational zum Vordringen der Völker erweist, kommt diesen der Primat für die Erklärung der sich dynamisierenden Schwächung des Reichs zu.57 Somit sind weite Teile des Berichts als Bericht über Siege und Niederlagen Roms im Kampf gegen die Barbaren gestaltet.

Da das Ein- und Vordringen der Völker sowie ihre Ansiedlung auf Reichsgebiet für den Chronisten die Ursachen für den diagnostizierten Niedergang des Reichs sind, also für den Verlust von Spanien, Britannien und Africa sowie für die zunehmende Bedrohung Galliens und sogar Italiens, muss er zwangsläufig zu einem negativen Barbarenbild gelangen.58 Dieses negative Bild speist sich aber nicht lediglich aus der Rolle der Barbaren für die Desintegration des Reichs, sondern vor allem auch aus ihrer Rolle für das Wiedererstarken des schon besiegt geglaubten Arianismus, wie c. 51 und 138 deutlich machen: Die von Theodosius I. vertriebenen Häretiker hätten unter dem Schutz der barbarischen Stämme flächendeckend wieder Eingang ins Reich gefunden. Wie grundsätzlich die implizierte Gleichsetzung von Barbaren mit Arianern für den Autor ist59, zeigt sich daran, dass einige der in der Chronik erwähnten gentes mitnichten dem homöischen Glauben anhingen, sondern noch Heiden waren. Für den Chronisten ist die politisch-militärische Bedrohung durch die Barbaren aber immer auch eine dogma-tische Bedrohung, Kriege zur Abwehr beider Gefahren sind damit nicht nur notwendiges Übel, sondern ausdrücklich zu begrüßen.60

Trotz ihrer Bedeutung für den angeblichen Niedergang des Reichs hält sich das konkrete Interesse der Chronik an den meisten erwähnten Völkern in engen Grenzen, welche wieder von der südgallischen Perspektive des Autors gezogen werden. So begegnen die Vandalen nur so lange, wie sie die römische Welt mit spürbaren Konsequenzen für Gallien erschüttern. Nach ihrer Eroberung Karthagos verschwinden sie hingegen aus dem Bericht, sodass nicht einmal die Verfolgung katholischer Christen im Vandalenreich S. 20noch Würdigung erfährt.61 Dem gallischen Fokus folgend, befasst sich die Chronik hauptsächlich mit Westgoten und Hunnen, also denjenigen Völkern, deren Geschichte im Betrachtungszeitraum am engsten mit Gallien verbunden ist62, ohne dabei freilich zu einer vollständigen Würdigung relevanter Aspekte für das Verhältnis dieser Völker zum Reich und zu Gallien zu gelangen. So verschweigt der Chronist, dass sich Aëtius in den 430er Jahren hunnischer Hilfstruppen bediente, um in Gallien operierende germa-nische Völker zu bekämpfen. Auch das vollständige Fehlen von Hinweisen auf den Krieg Ravennas gegen die Westgoten von 436 bis 439 ist auffällig.

Muhlberger erklärt diese Verkürzungen mit der Entstehungssituation des Berichts im Jahr 452: Nachdem die Westgoten 451 geholfen hatten, die Invasion der Hunnen in Gallien abzuwehren, erschien die Thematisierung der beiden genannten Aspekte nicht sonderlich opportun. Eine Unterstützung des Aëtius durch die Hunnen wird daher letztmalig für seine Rückkehr 433 erwähnt, während gotische Übergriffe nach 427 verschwiegen werden. Dies sollte freilich nicht mit einer positiven Disposition des Autors gegenüber den Westgoten verwechselt werden.63 Schon aus Gründen der dogmatischen Positionierung ist eine solche eher unwahrscheinlich, handelte es sich bei den Goten doch um Homöer; angesichts der räumlichen Nähe des Volkes zum Abfassungsort der Chronik ist es wahrscheinlich, dass der Autor beim Abfassen von c. 138 auch genau dieses vor Augen hatte.

4. Kirchliche Entwicklung

Obwohl der Autor in einer nicht näher zu spezifizierenden Weise dem kirchlich-monastischen Umfeld Südgalliens zuzuordnen ist, beschäftigt sich die Mehrheit der Einträge in der Chronik mit Ereignissen profaner Natur. Hinweise zur kirchlichen Entwicklung sind in der Minderzahl, was im Sinne S. 21der Gattung jedoch nicht untypisch ist. In einer vormodern noch nicht gegebenen gedanklichen Trennung profaner und religiöser Ebenen war es ein Anliegen chronistischer Texte, über das Wirken Gottes in der Geschichte zu berichten. In diesem Wirken wiederum verbürgte sich die Einheit von allgemeiner Geschichte und Heilsgeschichte.64 So widmen auch Hieronymus, Prosper und Hydatius einen Großteil ihrer Chroniken profanen Ereignissen, ohne dass auf dieser Grundlage zu bezweifeln wäre, dass ihr maßgebliches Interesse am Gegenstand theologisch geprägt war.

Die Bedeutung der religiösen Ebene für die Chronik von 452 lässt sich bereits aus dem Aufbau des Berichts herleiten. Es fällt auf, dass die allgemeine Krise des Reichs erst ab dem Moment vollumfänglich durchgreift, in dem die Kaiser ihre religionspolitischen Maßnahmen zur Abwehr von Häre-sien und zur Bekämpfung des Heidentums einstellen. Ein entsprechendes Wirken wird für Gratian (c. 3), Magnus Maximus (c. 12) und Theodosius I. (c. 22. 28) erwähnt, also für die Zeit der grundlegenden Stabilität kirchlicher und politischer Verhältnisse. Zu Beginn der Herrschaft von Arcadius und Honorius erfolgt dann ein letzter Hinweis auf solche kaiserlichen Maßnahmen (c. 40); in der Folge fehlen sie dann völlig, die politisch-militärische Krise beginnt.65 Die allgemeine Krise des Reichs hängt also für den Chronisten eng mit dem nachlassenden Eifer der Herrscher für die Sicherstellung der Integrität des rechten Glaubens zusammen. Insofern liegt die Pointe des resümierenden Eintrags c. 138 auf der Rückkehr des Arianismus ins Reich. Die ebenfalls erwähnte Ansiedlung barbarischer Völker ist in diesem Zusammenhang eher die Voraussetzung für die problematisierte dogmatische Situation.

Richtet man den Blick nun auf die die Kirche betreffenden Berichts-anteile an sich, so erweist die Gestaltung der Informationen zur kirchlichen Entwicklung den Chronisten einmal mehr als getreuen Fortsetzer des Hiero-nymus. Der Anonymus führt dessen Liste der römischen Bischöfe fort (c. 24. 39. 54. 83. 122) und rekurriert an einer Stelle auch auf die Gewohnheit seines Vorgängers, die Bischöfe zentraler östlicher Sitze zu benennen (c. 24). Ähnlich wie in der Hieronymus-Chronik ist der Bericht von 452 da-rüber hinaus von Einträgen häresiologischer Natur durchzogen. Erwähnung finden Arianismus (c. 8 et passim) und Priscillianismus (als Manichäismus; S. 22c. 12), Apollinaristen (c. 21) und Pelagianer (c. 44), Nestorios (c. 58), die Prädestinaten (c. 81) und, ohne explizite Benennung, der Eutychianismus (c. 135). Der Chronist zählt damit sogar mehr Häresien auf als Prosper, obwohl dieser an der Abwehr von Irrlehren ungleich stärker interessiert ist.66 Abseits solcher hierarchischer und häresiologischer Informationen, die zumindest von ihrem Anspruch her ökumenisch sind, wird auch in der Darstellung kirchlicher Entwicklungen der südgallische Fokus des Chronisten deutlich. Dies betrifft zunächst die Identifizierung des Arianismus als dogmatische Hauptgefahr, die sich mit der Besorgnis um das Eindringen barbarischer Völker verbindet, welches sich durch die Ansiedlung solcher Völker in der Nachbarschaft des Chronisten als gallisches Problem erweist – über den aggressiven Arianismus der Vandalen in Nordafrica jedenfalls verliert die Chronik kein Wort. Selbst wenn zahlreiche Notizen zum Arianismus die Zeit des Theodosius I. betreffen, ist der Chronist trotzdem weit davon entfernt, ein lediglich antiquarisches Interesse an dieser Häresie zu haben.67

Vor allem aber erweist sich die südgallische Orientierung darin, dass der Autor nur wenig über kirchliche Entwicklungen außerhalb von Gallien zu berichten weiß, mit Ausnahme der frühen Zeit unter Theodosius I., für die sich die Chronik auf gut informierte Quellen stützen kann. Abseits von den ökumenischen Rudimenten der Bischofslisten und der Benennung von Häresien und Häresiarchen68, beschäftigt sich der Bericht nahezu ausschließlich mit der gallischen Kirche, es findet sich beispielsweise keine Erwähnung der Reichssynoden in der Berichtzeit, maßgebliche Entwicklungen innerhalb der westlichen Kirche werden nicht einmal gestreift. Dieser Befund ist dabei wiederum nur teilweise mit einer mangelnden Verfügbarkeit von Informationen zu erklären.69 Teilweise muss er auch dem hierarchischen S. 23Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der südgallischen Kirche entsprechen, die, gerade im latenten Konflikt von Marseille mit den Kirchen von Arles und Rom, aus diesem Selbstbewusstsein heraus mehr und mehr auch zu einer gewissen Selbstbezogenheit neigte.

In diesem Sinne ist es verständlich, dass sich der Autor bezüglich der Entwicklungen in seiner Heimatregion durch vergleichsweise gute Kenntnisse auszeichnet (c. 60. 74. 86. 114. 134), die sich auch aus seinen Ver-bindungen zu den asketischen Kreisen Südgalliens und bis hinein in die bischöfliche Hierarchie speisen. Das Wissen des Chronisten um die litera-rische Arbeit des Polemius Silvius (c. 121), der wiederum Beziehungen zu den ebenfalls bekannten Bischöfen Eucherius von Lyon und Hilarius von Arles (c. 134) pflegte, ist nur eines von mehreren Indizien für die gute Verknüpfung des Anonymus. Nichtsdestotrotz liefert die Chronik keinerlei Informationen zur gallischen Kirchengeschichte, die nicht auch aus anderen Quellen bekannt wären.70 Hinzu kommt, dass der Bericht recht unkritisch mit den kirchlichen Autoritäten umgeht und die zahlreichen hierarchischen und theologischen Skandale der 410er und 420er Jahre unterschlägt.71 Aus his-torischer Sicht am interessantesten sind daher vielleicht zwei Hinweise auf Verwicklungen im Kampf um den Primat über die südgallische Kirche (c. 60. 74), weil hier die Parteinahme des Chronisten für die Position von Marseille deutlich wird, was einen Eindruck davon ermöglicht, wie ein Zeitgenosse die lokalen kirchlichen Fragen bewertet sehen mochte.

5. Verhältnis von Reich und Kirche

Da uns die Person des Autors der Chronik unbekannt ist, erweist sich ein letztes Spezifikum des Berichts einmal mehr erst durch einen Seitenblick auf die zeitgleiche Chronik des Prosper von Aquitanien. Bereits eine oberflächliche Betrachtung beider Quellen zeigt, dass unser anonymer Chronist im Gegensatz zu Prosper vergleichsweise großen Wert auf die Erwähnung von göttlichen Vorzeichen legt.72 Diese Zeichen dienen im Bericht jeweils als Vorboten für politisch-militärisches Unheil und lassen damit Transzendenz und Immanenz in einen direkten Austausch treten. Die Einflechtung S. 24solcher Zusammenhänge in die Darstellung ist charakteristisch für den Anonymus und auch für seine Auffassung vom Verhältnis von Reich und Kirche. Anders als bei Prosper, der in Sorge vor einer Schwächung der Kirche durch die wachsende Instabilität des Reichs die Geschicke beider Ebenen weitgehend autonomisieren wollte, scheint eine Trennung von Reich und Kirche für den Chronisten von 452 weder möglich noch überhaupt denkbar. Für ihn steht offensichtlich gar nicht zur Debatte, dass die Kirche zu ihrem Schutz auf Reich und Kaisertum angewiesen ist.73 Das Lob des antihäre-tischen und antiheidnischen Wirkens der politischen Akteure zur Zeit des Theodosius I. belegt dies ebenso klar wie der Umstand, dass der rechte Glauben durch Versäumnisse der Reichsleitung am Ende des Berichts neuerlich vom Arianismus bedroht scheint. Der Chronist legt also wesentlich deut-licher als sein etwas älterer Genrekollege Prosper eine Position an den Tag, die der Forschung lange Zeit als „byzantinisch“ galt, die aber, wie die vorliegende Chronik und auch andere westliche Berichte aus dieser Zeit belegen, keineswegs auf den Osten des Reichs beschränkt war.

Der Preis dieses Gedankens einer Homologie von Reich und Kirche ist die Beunruhigung des Chronisten im Angesicht der von ihm festgestellten politisch-militärischen Rückschläge. Anders als Prosper ist es ihm nicht möglich, den beklagten Niedergang des Reichs ohne größere Aufregung einfach zu beschreiben und sich an einer nichtsdestotrotz grundlegenden Stabilität der römisch geführten Kirche zu erfreuen. Eine solche unabhängige kirchliche Stabilität kann der Chronist nicht konzeptualisieren. In der Sicht der Chronik von 452 muss der Rückzug der römischen Macht aus den Provinzen zur Bedrohung der lokalen Kirchen führen, da diese nun ihres Schutzherren, des römischen Kaisers, beraubt sind.74 Während dieser noch rund sechzig Jahre zuvor in Gestalt des Theodosius I. dafür Sorge getragen habe, die Arianer aus dem Reich zu vertreiben, so seien diese Arianer nun wieder in alle Provinzen des Reichs eingedrungen, indem sie die politisch-militärische Schwäche von Reich und Kaisertum ausgenutzt hätten. Wiederum erweist sich c. 138 als heuristischer Schlüssel zum Verständnis des S. 25Berichts: Die Schwäche der römischen Macht führt zu Infiltration und Bedrohung von Reich und Kirche durch barbarische Völker und die mit ihnen verbundenen und letztlich in eins gesetzten Häretiker.

IV. Zur Überlieferung der Chronik

1. Die anonyme Gallische Chronik und Prosper

Wie bereits erwähnt, wird diese anonyme Chronik, die wohl kein eigenständiges Werk ist, sondern zu den Fortsetzungen der Chronik des Eusebius-Hieronymus gehört, in der gesamten uns erhaltenen Tradition Prosper zugeschrieben. Sie weist indessen einen von der übrigen Prosper-Tradition gänzlich abweichenden Text auf. Während in den älteren Handschriften, die Prosper Tiros Chronik enthalten, Hieronymus’ Chronik vom Verfasser epi-tomisiert worden ist (das sogenannte Chronicon integrum), wurde diese Chronik ähnlich dem späteren Chronicon vulgatum 75 an den vollständigen Eusebius-Hieronymus-Text angehängt, wobei in allen Codices am Übergang zwischen dem Ende des Hieronymus und dem Beginn dieser Chronik eine leicht veränderte Incipit-Formel aus Prosper (c. 1166) sowie zusätzlich in B, M, in den jüngeren Codices und den neuzeitlichen Editionen ein Kapi-tel aus Prosper (c. 1167) hinzugefügt worden ist. Nach dem Jahr 452 folgen in L, der den ältesten und vollständigsten Strang der Überlieferung repräsen-tiert76 und den man mit Burgess λ nennen kann, die Einträge aus Prosper zu den Jahren 453–455 (c. 1369–75) sowie in fol. 113 eine Überleitung (usque hic Prosper; quae secuntur, Marius episcopus) zur Chronik des Marius von Avenches (Chron. min. 2,232–39), der diese Chronik bis 581 n. Chr. fortsetzt und mit einer ähnlichen Formel abschließt (usque hic Marius epis-copus). Dagegen enden die Einträge der Chronik in den Handschriften B und M, die den zweiten Überlieferungsstrang β bilden, bereits im Jahr 450, wobei die c. 138–141 fehlen. Die beiden Handschriften führen lediglich das vorgegebene chronologische Gerüst der Herrschaftsjahre mit der Angabe der Herrscher – bis zum Jahr 535 miteinander übereinstimmend – fort; dann folgen jeweils verschiedene Chroniken (so etwa die Annales Weissenburgenses in M und das Chronicum minus Isidori in B). Hingegen enthalten die jüngeren Codices CPD, die zusammen mit den neuzeitlichen Editionen einen weiteren Überlieferungsstrang ς darstellen, zu Beginn wie B und M S. 26neben der Überleitungsformel die beiden Paragraphen aus Prosper und haben am Ende dieselben Teile aus Prosper wie L, doch folgt bei diesen die Chronik des Sigebert.

Da alle erhaltenen Versionen dieser Chronik am Beginn durch die aus Prosper entnommene Überleitungsformel kontaminiert sind, wissen wir nicht, ob selbige Formel eine Leerstelle (der Fortsetzer des Hieronymus hat seine Chronik nahtlos und ohne Überleitungsformel angeschlossen) oder eine Lücke (die Formel war im Archetypus, von dem unsere Tradition abhängt, nicht mehr vorhanden) gefüllt oder eine im Originaltext stehende Einleitungsformel (vielleicht ebenfalls mit der Angabe des Namens des Verfassers) des für uns heute anonymen Chronisten ersetzt und das Werk Prosper untergeschoben hat.77

Als einziger hat bisher Burgess die Genese der Gallischen Chronik von 452 umfassend zu erklären versucht, wobei er sich nach dem Befund von L, dem ältesten erhaltenen Manuskript, richtet.78 Da die älteren Prosper-Ausgaben nur eine verkürzte Version von Eusebius-Hieronymus enthalten (s. o.), hat gemäß Burgess jemand eine fertige, im Jahr 455 oder 456 beginnende Fortsetzung von Prospers Chronik (z. B. diejenige des Marius von Avenches, die im Jahr 455 beginnt) an eine vollständige Version der Chronik von Eusebius-Hieronymus mitsamt der wohl noch anonymen Gallischen Chronik von 452 angehängt. Dazu musste er zunächst die fehlenden Jahre 453–455 aus Prosper (c. 1369–75) ergänzen und am Übergang zur Fortsetzung mit einer Explicit-Incipit-Formel abschließen. Da die Chronik des Marius von Avenches 581 endet, rechnet Burgess, dass dieser Vorgang frühestens um 590 bzw. nach 624 stattgefunden habe, wenn dieser Prozess, den Burgess „Prosperization“ nennt, erst nach Abschluss der Fortsetzung von Marius’ Werk begonnen wurde.79 Später habe eine weitere Person analog zur Überleitungsformel am Ende eine weitere Explicit-Incipit-Formel mit dem Namen des Prosper am Übergang zwischen Eusebius-Hieronymus und der Gallischen Chronik hinzugefügt. Schließlich sei die Harmonisierung dieser neuen Chronik mit Prospers Version in B und M durch die Erweiterung der S. 27Incipit-Formel (c. 1166 f. aus Prosper) und durch das Vertauschen der Konsuljahre mit den Herrschaftsjahren der Kaiser im aus Prosper übernom-menen Schlussteil (c. 1369–75) abgeschlossen worden.80 Burgess’ Rekonstruktionsversuch, der sich vor allem an L orientiert, ist insgesamt plausibel. Zwar scheint der zweite Überlieferungsstrang β (B und M) diesem Befund zu widersprechen, da in ihm ab dem Jahr 450 nach der Herrscherangabe Marcianus et Valentinianus ann. VII anstelle der Gallischen Chronik lediglich ein chronologisches Gerüst mit der Angabe der Herrscher und der Herrschaftsjahre folgt. Da aber ς, der dritte Strang der Überlieferung, der aufgrund bedeutender Bindefehler wohl mit β einen gemeinsamen Subarchetypus teilt (s. dazu unten), nicht nur am Anfang wie β eine erweiterte Incipit-Formel aus Prosper, sondern auch am Ende dieselbe Angleichung an Prosper aufweist wie λ (aber statt mit Marius von Avenches mit Sigeberts Chronik verbunden wird), kann man von einem späteren Verlust bzw. einer bewussten Auslassung des Materials ab 450 n. Chr. in β ausgehen.

Aber auch der umgekehrte Weg kann nicht ausgeschlossen werden, dass nämlich, anders als Burgess vermutet, der Prozess der „Prosperization“ schon vor der Verbindung mit Marius von Avenches stattgefunden hat. Jemand könnte schon sehr früh (vor 581) eine erweiterte Incipit-Formel aus Prosper am Anfang und die fehlenden Einträge aus Prosper (c. 1369–75) ergänzt und somit die gesamte Gallische Chronik von 452, die ja in etwa den gleichen Zeitraum wie Prosper abdeckt, dem berühmten Chronisten untergeschoben haben. Die Reduktion der Übernahme aus Prosper am Übergang von Eusebius-Hieronymus zur Gallischen Chronik von 452 in L wäre dann eine sekundäre Entwicklung von λ gegenüber dem durch β und ς reprä-sentierten Archetypus. Marius von Avenches hätte demzufolge bereits eine Hieronymus-Eusebius-(Pseudo-)Prosper zugeschriebene Chronik fortge-setzt und nur die Explizit-Incipit-Formel am Anfang seiner Fortsetzung hinzugefügt.

Während alle neuzeitlichen Editoren seit Pithou für ihre Editionen der Chronik einige jüngere Codices verwendet haben, ist Mommsen, von den Ergebnissen von Holder-Eggers Studie81 zu dieser Chronik ausgehend, von zwei Rezensionen, L auf der einen und B und M auf der anderen Seite, ausgegangen. Indessen hat er die zahlreichen jüngeren Codices, die diese Chronik der mittelalterlichen Chronik des Sigebert von Gembloux (gest. 1112) S. 28voranstellen, als deteriores bezeichnet und nur selten berücksichtigt.82 Dagegen hat Burgess überzeugend gezeigt, dass außer den beiden von Mommsen bestimmten Überlieferungssträngen, die er λ (von L bezeugt) und β (von B und M bezeugt) nennt, die vielen jüngeren Codices wohl von einem dritten Hauptstrang ς abhängen, der gleichwertig neben den beiden anderen Strängen steht.83

Alle drei Rezensionen gehen auf einen gemeinsamen Archetypus zurück, den Burgess ins frühe 7. Jh. datiert,84 und enthalten die Herrschaftsjahre, die Olympiaden, die Abrahamjahre, einige A. D.-Jahreszahlen, die Rubrizierung des ersten Buchstabens am Anfang jedes Kapitels und, noch in LBM sichtbar, vollständig rubrizierte Einträge beim Herrschaftsantritt der römischen Kaiser (c. 1. 10. 32. 94. 137) und zu Beginn von Papst Leos Pontifikat (c. 122). Mommsens Vermutung, dass dem Chronisten von 511, der wohl diese Chronik als Quelle gebraucht hat, eine vollständigere Version der Gallischen Chronik von 452 zur Verfügung stand, wird aus dem Befund der Handschriften und Editionen in keiner Weise erhärtet.

Auf den gemeinsamen Archetypus lassen auch Bindefehler aller Codices wie die Interpolation der Herrscher im dritten Herrschaftsjahr des Theodosius (c. 16), Remedi statt Remigii in c. 60, Alandi statt Alani 85 in c. 63 oder Battone statt Tibattone in c. 119 schließen.86 Während β nach dem Jahr 450 im Gegensatz zu ς und λ abbricht, haben β und ς am Anfang neben der Überleitung aus Prosper ein weiteres Kapitel aus diesem Autor, nennen zusätzlich jeweils die fränkischen Könige bei ihrem Herrschaftsantritt (mit Rubrizierung dieser Einträge in M [nach c. 83. 103. 132]) und führen in der linken Spalte alle Jahre A. D. an. M unterscheidet sich von B darin, dass er in der chronologischen Spalte analog zu den römischen Kaisern auch die Herrschaftsjahre der fränkischen Könige anführt, während B wie L fast alle Olympiaden und Abrahamjahre aufzählt, während M nur ein Abrahamjahr, allerdings ein Jahr früher als LB, (c. 8) und zwei Olympiaden, die zwei Jahre S. 29später als in LB (c. 2 und 8) verzeichnet sind, anführt.87 ς erwähnt dagegen überhaupt weder Olympiaden noch Jahreszahlen A. D., führt aber alle Abra-hamjahre, auch wenn gegenüber LB jeweils um drei Jahre verschoben, an. β und ς haben einige bessere Lesarten als λ (c. 17 Mediolani rhetoricam statt medialanatoriam in L oder c. 68 Iovini statt Iunoni in L), aber auch einige Bindefehler (wie in c. 20 erat statt erasit in L, c. 31 XI statt XVII, c. 36 Afri-canus statt Africa oder c. 120 Theodosiani statt Theodosianus).88 Aber außer dem Abbruch der Chronik im Jahr 450 in β, der sekundär sein kann, gibt es auch manche Trennfehler zwischen λβ und ς (etwa c. 16 ducens statt dicens in λβ bzw. c. 22 ecclesias statt ecclesiis). Dagegen gehen die besseren Lesarten von ς gegenüber λ und β, die oft auch in der korrigierten Fassung von M stehen (etwa c. 51 erigi statt corrigi und c. 90 relegata statt religata in λβ sowie c. 6 probatae statt probat, c. 17 omissis statt emissis und c. 30 tyrannidem statt interitum in λBMa.c.), wohl oft auf den Archetypus zurück und sind nicht gelehrte Korrekturen.89 Dass neben den drei unter ς zusammen-gefassten Codices CPD wohl alle weiteren recentiores bzw. deteriores tatsächlich auf denselben Subarchetypus zurückgehen, ist, betrachtet man die modernen Editionen, die auf jüngeren Codices dieses Strangs fußen, wahrscheinlich, da sie ebenfalls am Ende den Zusatz aus Prosper haben90 und in den meisten Fällen dieselbe Lesart von ς gegen λβ haben (etwa c. 22 gloriosi und c. 91 est et statt religiosi bzw. esset in λβ); einzelne Verbesserungen des Textes dürften bei den neuzeitlichen Editionen das Resultat von Konjek-turen der Herausgeber sein (so haben c. 23 alle Editoren insignis und c. 77 copulatur statt illustris bzw. sociatur der Handschriften; c. 126 hat Pithou laceratae statt lat(a)e in den Handschriften, während c. 19 eluit gegenüber erasit in L und erat in β und in den jüngeren Codices des ς-Stranges, welche die Editoren verwendet haben, vielleicht von Sigeberts diluit suggeriert worden ist).91

Die Tatsache, dass alle Codices an vielen Stellen korrigiert worden sind, weist auf schon sehr frühe Kontamination zwischen allen Strängen der S. 30Überlieferung hin. So kann man davon ausgehen, dass die korrigierte Fassung von M durch den Vergleich mit einem Codex des ς-Stranges verbessert worden ist, während vielleicht B von der Kenntnis von L profitiert hat (beide waren ja lange Zeit im heutigen Belgien). Aus diesem Grunde ist es unmöglich, das Verhältnis zwischen den drei Strängen (etwa durch gemeinsame Subarchetypen92) noch genauer zu bestimmen und ein in jeder Hinsicht stimmiges Stemma, das alle Phänomene zu erklären vermag, zu entwerfen.

2. Die Handschriften

Etwa 40 Handschriften überliefern die Gallische Chronik: Die meisten Codices sind jüngere Handschriften, die diese Chronik als Teil der zweiten, postumen Version der von Sigebert fortgesetzten Eusebius-Hieronymus-Prosper-Chronik überliefern.93 Diese Codices wurden allen neuzeitlichen Editionen vor Mommsen zugrunde gelegt.94 Mommsen benutzte vor allem die Stränge λ (L) und β (B und M), hat aber bisweilen auch die jüngeren Co-dices, die er deteriores nannte, eingesehen. Dagegen hat Burgess von den vielen ς zugeschriebenen Handschriften drei ältere Codices (CDP) ausgewählt und zusammen mit einigen neuzeitlichen Editionen durchgehend berücksichtigt. Seine Auswahl bildet eine solide Grundlage. Für die vorliegende kritische Edition sind wie bei Burgess deshalb folgende Codices maßgebend:

L = London, British Library, Additional 16974,95 aus dem späten 9. oder frühen 10. Jh.96, fol. 109r–110v, in zwei Kolumnen zu je 50 Zeilen. Der Perga-mentcodex befand sich ursprünglich im Kloster St. Tron bei Maastricht. Er enthält Hieronymus’ Kommentar zu Matthäus in 4 Büchern (fol. 1–56) und vor der Gallischen Chronik die lateinische Übersetzung von Eusebius’

S. 31

S. 32Chronici Canones sowie Hieronymus’ Fortsetzung. Danach folgen a) Prosper für die Jahre 453–455 und b) Marius von Avenches bis 581, der die Ereignisse nach den Konsuln und nicht den Herrschaftsjahren datiert, c) dessen Fortsetzer und d) der letzte Teil von Isidors Chronik (c. 405–418) mit-samt kurzem Appendix bis 623 n. Chr. Dann folgen die Acta des Heiligen Trudo und weitere religiöse Werke (fol. 114–129). Neben dem vollstän-digen Text bis 452 enthält L in der linken Spalte Olympiaden, Abrahamjahre und einige Jahreszahlen A. D. sowie durchgehend die Herrschaftsjahre der römischen Kaiser. Die Überschriften mit der Angabe des jeweiligen Kaisers sind (wie auch in B und M) mit roter Tinte geschrieben, wobei in L (und M) jeweils der erste Buchstabe einer Periode ebenfalls mit einer fetten und meistens rot geschriebenen Majuskel beginnt. Indessen ist dieser Codex, wie die vielen Trennfehler dokumentieren, eine ziemlich unachtsam und oberflächlich gemachte Kopie des Archetypus.

B = Bamberg, Staatsbibliothek, Patr. 62 (olim E. III 18) stammt aus dem frühen 11. Jh.97 und wurde wohl im Kloster Lobbes in der Diözese Lüttich hergestellt. Der Codex enthält ebenfalls die Chroniken des Eusebius-Hiero-nymus und die Gallische Chronik (fol. 53v–55v). Darauf folgen Listen mit den Herrschaftsjahren der byzantinischen Kaiser und der fränkischen Kö-nige bis A. D. 535 (= 529 n. Chr.) mit wenigen Einträgen, dann eine Kurzfassung von Isidors Chronik (ab 57r) sowie anderer, karolingischer Chroniken (etwa Bedas Chronicon, fol. 61–78, die Annales Lobienses und Annales Vedastini) und das fälschlich Isidor zugeschriebene Werk De ortu et obitu patrum. Die Chronik, die in der formalen Gestaltung L ähnlicher als M ist und an vielen Stellen dieselben Zeilenumbrüche wie L aufweist, hat durchgehend in der linken Spalte neben den Abrahamjahren die Olympiaden, die Herrschaftsjahre der römischen Kaiser und einige Jahreszahlen A. D. Dazu sind neben den römischen Kaisern auch die fränkischen Könige ab Priamus verzeichnet, aber ihre Herrschaftsjahre werden erst nach 450 in der linken Spalte vermerkt. Insgesamt ist das Manuskript sorgfältiger als L geschrieben worden.

M = München, Universitätsbibliothek, Signatur 2 Cod. ms. 6 (= Cim. 73), aus Schafpergament, stammt wie B aus dem frühen 11. Jh. und wurde im elsässischen Kloster Weißenburg (Wissembourg) hergestellt.98 Es enthält dieselben Chroniken ab Hieronymus wie B, aber die Herrschaftsjahre der S. 33byzantinischen Kaiser reichen bis ins Jahr 695 und haben Ergänzungen bis 714. Anders als in B stehen hier in der linken Spalte neben den Jahreszahlen A. D. und den Herrschaftsjahren der römischen Kaiser auch diejenigen der fränkischen Herrscher und werden nach 450 weitergeführt. Die Gallische Chronik (fol. 38r–40v), die jeweils 42 Zeilen je Seite umfasst, gehört zur Grundschicht, welche eine erste Hand geschrieben hat. Die meisten Korrekturen, die diese Chronik betreffen, sind wohl von der Hand, die den Text ge-schrieben hat, gemacht worden, während Randnotizen von Lesern aus dem 16./17. Jh., die anderswo im Codex gefunden werden, für die Gallische Chronik keine Rolle spielen. Nach dieser Chronik folgen die Annales Weissemburgenses und das Chronikon Laurissense.

Zusammen mit diesen drei Codices führt Mommsen 35 Handschriften an, die Sigeberts Chronik überliefern und die diese Prosper zugeschriebene Fassung der Gallischen Chronik enthalten.99 Mommsen hat nach eigener Aussage etwa die Hälfte dieser Codices, die zum ς-Strang gehören und die Bethmann für seine Edition des Sigebert verwendet hat,100 gesehen und teilweise kollationiert. Burgess hat drei der ältesten Codices aus dieser Gruppe für seine Edition berücksichtigt:

C = Cambrai, Médiathèque municipale B 965 (olim Cameracensis 863), nach Burgess aus dem 12. Jh. Er enthält ebenfalls Hieronymus’ Chronik bis 378 n. Chr. und als Fortsetzung die Gallische Chronik (fol. 52v–54v); es folgen Sigeberts Chronik und dessen Fortsetzungen bis ins Jahr 1155, was eine Abfassung des Codex im 12. Jh. wahrscheinlich macht.

P = Paris, Bibliothèque nationale, Lat. 1793, den Mommsen als einzigen weiteren Codex gesehen hat, enthält dieselben Werke wie C bis ins Jahr 1127, welche durch eine andere Hand bis in die erste Hälfte des 14. Jh. fortgesetzt werden. Dazu kommen weitere Werke des Hieronymus. Die Gal-lische Chronik steht fol. 92v–94r.

D = Douai, Bibliothèque municipale, 799 (= olim Duacensis 756), stammt wie C aus dem späten 12. Jh. und enthält im Großen und Ganzen dieselben Werke. Die Gallische Chronik steht fol. 54r–56r.

S. 34 3. Die Editionen

Als erster hat Pierre Pithou auf der Grundlage eines Codex des ς-Strangs101 1588 in Paris die Editio princeps dieser von ihm Prosper zugeschriebenen Chronik hergestellt (1609 von Labbé nachgedruckt). Pithou hat die Herrschaftsjahre wohl auf der Grundlage seiner Vorlage an den Rand geschrieben und die Struktur der Spalten weitestgehend aufgegeben. Alle modernen Editoren stützen sich auf Pithous Edition. Während einige Editoren lediglich Pithous Text abdrucken (so etwa Duchesne 1636, Marguerin de la Bigne 1677 oder Bouquet 1869), haben manche wie Labbé 1656, Scaliger 1658, Graevius 1699, Le Brun des Marettes und Urbain Mangeant 1711 oder Roncalli 1787 zusätzliche Codices des ς-Stranges (wie den Ravennater Codex Classense 294 aus dem 15. Jh.)102 kollationiert und in Anmerkungen allfällige Abweichungen von Pithous Edition dokumentiert.103

Die erste wissenschaftliche Edition, die sich hauptsächlich auf die ältesten Codices L, B und M (also den λ und den β-Strang) stützt, ist diejenige von Theodor Mommsen. Daneben hat er bisweilen einige jüngere Codices, die er deteriores nennt und die aus den von ihm eingesehenen Handschriften, die Sigeberts Chronik enthalten, stammen, berücksichtigt. Seine Ausga-be zeichnet sich durch einen der Komplexität des Textes angemessenen und verständlichen kritischen Apparat aus. Der von ihm hergestellte Text und seine Korrekturen bzw. Konjekturen sind in der Regel einleuchtend. Indessen hat sich gezeigt, dass Mommsen die Codices manchmal wohl nur flüchtig gelesen hat und seine Angaben im kritischen Apparat nicht immer zutreffend sind. Für den Leser kaum verständlich ist die Einfügung einer ei-genen Kapitelzählung, die Mommsen zwischen die Herrschaftsjahre und die Einträge der Chronik eingefügt hat und die leicht den Anschein erwecken kann, diese Kapitelnummern seien Teil des überlieferten Texts. Ebenso unglücklich ist die Einfügung von leeren Kapiteln (c. 27. 49. 79. 80), wo wir keine Einträge zu den Herrschaftsjahren haben.

Bezüglich dieser beiden Punkte ist die letzte Edition von Burgess vorzuziehen, der versucht, den Zustand der ältesten Handschrift L wiederzugeben. So verzichtet er zu Recht auf leere Kapitel und fügt Mommsens Kapitel-S. 35angaben in Klammern nach dem jeweiligen Satz hinzu. Die vorliegende Edition folgt in dieser Hinsicht Burgess, setzt aber jeweils Mommsens Kapitelnummern an den Anfang des Fließtextes. Ebenso zu begrüßen ist die Tat-sache, dass Burgess neben den drei hauptsächlich von Mommsen benutzen älteren Codices durchgehend weitere drei Handschriften (CPD) kollationiert hat, die er als repräsentativ für den dritten Überlieferungsstrang ς ansieht. Hingegen ist Burgess’ Versuch, den seiner Meinung nach von L am besten repräsentierten Subarchetypus des 7. Jh. mit all seinen orthographischen und grammatikalischen Besonderheiten zu rekonstruieren,104 nicht nur bezüglich der Textrezeption dieser Chronik im 7. Jh. höchst spekulativ, sondern verwirrt den Leser durch ungebräuchliche Formen, ohne dass dadurch der historische Gehalt besser verstanden wird. Burgess ist im Gegensatz zu Mommsen auch gegenüber Eingriffen in den vorwiegend von L überlieferten Text sehr vorsichtig und nimmt auch grammatikalische Härten und Fehler in Kauf (wie c. 134 consumant von L statt consummant der übrigen Codi-ces).105 In dieser Hinsicht schließt sich die vorliegende Edition wieder Mommsen an und normalisiert überall, wo die Abweichung von den üb-lichen Formen eindeutig und nicht missverständlich sein kann, besonders in denjenigen Fällen, in denen die anderen Codices des β- und ς-Stranges diese Formen überliefern.

4. Die überlieferte Textgestalt und Grundsätze dieser Edition

Die Manuskripte, welche die Gallische Chronik überliefern, weisen für alle Chroniken ab Eusebius-Hieronymus Ähnlichkeiten auf. So werden die verschiedenen Stränge der Chronik analog zu Hieronymus’ Praxis ab dem Jahr S. 3670 n. Chr. durchgehend auf eine Seite geschrieben, da ja mit dem Ende der hellenistischen Großreiche nur noch die römische Herrscherlinie, die eine Spalte umfasste, übrig blieb. Ebenso nahm der narrative Teil mit dem Fortschreiten der Jahre an Umfang zu, wobei die beiden Spalten, das Zeitraster links und der narrative Text rechts auf der Seite, nicht immer einfach zu koordinieren waren, was bisweilen zu Verzerrungen führte.106 Der ano-nyme Chronist hat die Gestalt, die Hieronymus selbst für die Jahre nach 70 n. Chr. vorgegeben hat, für die Jahre nach 378 n. Chr. übernommen. So ist in der Regel jedes Regierungsjahr eines Herrschers in der linken Spalte vermerkt. Wie schon im von Hieronymus bearbeiteten Teil werden hier Olympiaden- und der Abrahamjahre (alle zehn Jahre) angegeben, manchmal auch Jahreszahlen A. D. (immer etwa in M), in die linke Spalte geschrieben. Idealerweise wird zu jedem Herrschaftsjahr mindestens ein Ereignis in einem Satz im narrativen Text in der rechten Spalte vermerkt. Beim Herrschaftsantritt jedes Kaisers wird auch die Länge seiner Herrschaft in der Überschrift in der rechten Spalte vermerkt (etwa c. 1. 10. 32 etc.), während bei den Päpsten nur der Beginn des jeweiligen Pontifikats registriert wird (etwa c. 24. 39. 54. 122). So wie bereits in der überarbeiteten Fassung von Hieronymus’ Chronik in den Handschriften, welche die Gallische Chronik überliefern, einige Ereignisse über mehrere Jahre hin verteilt sind, kommt dies auch in der Gallischen Chronik selbst vor. Daher handelt es sich nicht um Korruptelen, wie Mommsen meinte,107 noch um Interpolationen, wie Miller glaubte,108 sondern um die konsequente Fortführung eines übernommenen Musters.109 Aus diesem Grund verzichten wir auf Mommsens leere Kapitel, wo dem Herrschaftsjahr eines Kaisers kein eigenständiger Satz zugewiesen werden kann. Während Muhlberger in diesen Fällen alle Ereignisse in das erste Regierungsjahr setzt, dann aber auf problematische chronologische Konsequenzen hinweist (so decken etwa die c. 101–103 die Jahre A. D. 426–428 ab, berichten aber Ereignisse, die allesamt wie schon die c. 97–100 im Jahr 425 stattfanden),110 ist eine exakte Synchronisierung zwischen den Jahresangaben der linken und den berichteten Ereignissen der rechten Spal-te, wie auch die Handschriften zeigen, nicht immer möglich. Demzufolge S. 37kann die Gallische Chronik allein nicht immer zur genauen Datierung eines Ereignisses innerhalb der Regierung eines Kaisers herangezogen werden.

Die vorliegende Edition folgt dem von den Handschriften vorgegebenen und von Burgess übernommenen Muster, die beiden Spalten in den oben beschriebenen Fällen immer strikt zu synchronisieren und auf leere Kapitel zu verzichten. Mommsens Kapitelzählung wird aber nicht ganz aufgegeben, sondern erscheint jeweils am Anfang des Fließtextes in der rechten Spalte. Durch diese Übernahme der Kapitelzählung Mommsens soll die Möglichkeit der Verwendung bereits vorhandener Forschungsliteratur auch im Zusammenhang mit der vorliegenden Neuedition gewährleistet werden.

Von den mittelalterlichen Handschriften wurden B und M kollationiert, ebenso wurden alle zitierten neuzeitlichen Editionen herangezogen. Die Angaben zu L bis c. 102 und CPD bzw. den jüngeren Codices stammen hingegen aus Mommsen und Burgess. Wenn diese in ihren Angaben zu Lesarten von L voneinander abweichen, wird dies im kritischen Apparat durch die Angabe teste Mommsen bzw. teste Burgess ausdrücklich gekennzeichnet, das hinter der Handschrift steht und durch einen Zwischenraum von den übrigen Manuskripten getrennt wird. Wenn allein ein Name in dieser Weise notiert ist, bedeutet dies, dass der jeweils andere Editor keine gesonderte Angabe dazu im app. crit. gemacht hat. Ist aus deren Ausgaben nur ein Schluss e silentio möglich, wird die Hs.-Sigle bei den jeweiligen Lesarten angegeben und mit ut vid. versehen.

5. Bemerkungen zur Orthographie

In allen Codices kommen viele orthographische Varianten derselben Wörter vor, ohne dass dabei eine besondere Absicht erkennbar ist. Diese werden in dieser Edition in der Regel stillschweigend der in den modernen lateinischen Editionen üblichen Schreibweise angepasst und daher nicht im kritischen Apparat vermerkt, sondern in der folgenden Liste angeführt. Dabei handelt es sich wohl durchgehend um Varianten, die das Resultat des Sprachgebrauchs und der Schreibpraxis der mittelalterlichen Kopisten sind und nicht auf den anonymen Verfasser der Chronik zurückgehen. Zu Recht hat schon Mommsen einige der im Folgenden exemplarisch aufgeführten orthographischen Varianten und Fehler (vor allem bei den Namen) der gebräuchlichen Schreibung angepasst:

ae statt e bzw. e statt ae wie z. B. sehr häufig aecclesia statt ecclesia (in allen Codices auf verschiedene Weisen geschrieben, einmal sogar (a)etclesiis c. 15), c. 119 caeteris statt ceteris (außer B); dagegen etwa c. 21 und 58 immer heresis statt haeresis und c. 25 hereticis statt haereticis; ebenso c. 12 S. 38und 17 Manicheus und Manichei statt Manichaeus und Manichaei, gleichfalls c. 65 und 99 depredatio statt depraedatio, c. 117 pen(a)e bzw. poen(a)e, c. 23 und 114 vite statt paene, vitae, c. 54 Celestinus in ς statt Caelestinus, c. 50 seva statt saeva bei Orten, z. B. c. 38 Mauritanie, c. 56 Utice, c. 101 Rome, c. 20 Thessalonice und c. 104 Egypto statt Mauritaniae, Uticae, Romae und Aegypto sowie c. 24, 39, 75 etc. Romane, c. 124 Valentine, c. 61 attenuate, c. 124 exacte statt Romanae, Valentinae, attenuatae, exactae.

Vertauschung von c und t etwa in c. 52 terciae statt tertiae, c. 81 inicium statt initium, c. 1–3 Gracianus LM statt Gratianus Bς, besonders in L c. 23 und 115 gracia statt gratia, c. 40 supersticio statt superstitio, c. 121 palacio statt palatio, c. 117 servicia statt servitia, c. 71 Valencia statt Valentia, c. 88 Constancio statt Constantio, c. 37 Prudencius statt Prudentius, c. 95, 109 und 111 Bonifacius bzw. Bonefacius (in CPD) statt Bonifatius sowie c. 38 und 121 milicia statt militia (auch LM), c. 100 ff. in M Aëcius statt Aëtius (einmal auch Etius) und c. 77 und 109 eciam statt etiam, während nur B c. 2, 69 und 117 sotietas statt societas sowie c. 77 sotiatur statt sociatur, c. 24 Siritius statt Siricius, c. 130 Thratia statt Thracia und Frantia statt Francia, dann c. 108 und 138 provintia statt provincia, c. 135 ff. Martianus statt Marcianus hat (ebenso in vielen Codices aus dem ς-Strang).

Der germanische Laut w wird in L immer mit v, in den jüngeren Manuskripten auch entweder mit vv oder w wiedergegeben. Aus diesem Grund halten wir in dieser Edition an der stets von L repräsentierten traditionellen lateinischen Schreibweise dieses Lautes fest, also etwa c. 63 und 107 f. Vandali (LB) statt Wandali bzw. Vuandali (MCPD).

Ebenso fehlt h bisweilen (wie in c. 17 scolis oder c. 134 Eucerius) bzw. ist parasitär (wie c. 32 und 54 Archadius statt Arcadius); dasselbe gilt für die Vertauschung von o statt u (c. 109 consolatus oder c. 37 robor statt consulatus bzw. robur), ebenso fehlt das p in c. 3 promtus oder c. 78 und 99 peremto (beide in L). Auch kommen falsche Geminierungen (wie c. 33 emminentem in L) oder c. 53 und 121 ammodum statt admodum oder c. 7 strennue statt strenue (in M) vor.

Ungewöhnlich sind auch einige Abkürzungen, die, da sie in allen Handschriften bezeugt sind, auf den Archetypus zurückgehen: So wird etwa rem publicam in c. 5 rm pm statt dem üblichen r.p. abgekürzt.111

Die geringe Qualität der Handschriften wird auch durch die hohe Zahl von teilweise bereits in den Handschriften selbst korrigierten Verschreibungen bestätigt, so etwa in L c. 2 fratem statt fratrem, c. 77 und 131 frade statt S. 39fraude, c. 15 canabantur statt canebantur, c. 88 delelicto statt derelicto, c. 98 destucta statt destructa, c. 119 princibus statt principibus, stets c. 8 ff. Agust- statt August- (also Agustinus statt Augustinus), in B c. 3, 26 und 117 omiam statt omnia und c. 50 und 61 tempemstas statt tempestas, c. 129 lacrimali statt lacrimabili, c. 89 spectacuculorum statt spectaculorum in M, c. 51 f. Radagaius statt Radagaisus in allen Handschriften außer L, c. 70 Sa-lustius statt Sallustius, c. 77 ff. Placida statt Placidia in allen Codices. Statt Britannia in c. 6, 62 und 126 kommt Britta(n)nia in L bzw. Britania in B vor, ebenso c. 24 Hierusolymis statt Hierusolimis in L und Hierosolimis in den übrigen Handschriften, sowie c. 100 Iohani statt Iohanni in La.c.B.

6. Sprache und Stil

Was den Stil dieser Chronik angeht, so sind ihre Perioden dem Genre entsprechend über weite Strecken parataktisch und weisen einfache Satzkonstruktionen nach dem Muster Subjekt-Objekt-Prädikat auf, die aber bisweilen durch Partizipialkonstruktionen (wie Participia coniuncta und absoluter Ablativ) erweitert werden. Trotz der Kürze sind die Perioden durchaus variiert und verleihen dem Text eine gewisse Lebendigkeit. Die Subordi-nation von Nebensätzen ist dagegen viel seltener (etwa ein cum-Satz in c. 17 oder Relativsätze in c. 25 und ebenso in c. 98). Ebenso für die Chroniken typisch sind die unpersönlichen Konstruktionen mit passiven Prädikaten.

Dennoch ist der Wille zur stilistischen und rhetorischen Gestaltung des Textes seitens des Chronisten an mehreren Stellen durchaus erkennbar. In dieser Beziehung steht die Gallische Chronik in keiner Weise Prosper Tiro oder Hydatius nach.

So geben die oben erwähnten partizipialen Erweiterungen oft Einsicht in die Motivation der handelnden Figuren (etwa c. 3 favens; c. 11 timens, c. 16 veritus, c. 34 non ferens bzw. c. 55 indigne ferens) und machen somit die Erzählung an manchen Stellen zu einem récit motivé.

Ebenso kann der Chronist – sofern der Wortlaut einzelner Angaben nicht aus seinen Quellen übernommen worden ist – auch durch wertende Attribute oder den Gebrauch des Superlativs seinen Text konnotieren und gegebenenfalls mit rhetorischen Figuren verstärken, etwa c. 26 terribile; c. 44 vesanus doctrina execrabili; c. 65 foedissime; c. 74 infami mercatu; c. 138 valde miserabilis; c. 8 libros … luculentissimos mit Hyperbaton112; ebenso mit Sperrung von Substantiv und Attribut c. 16 imminentem iam cervicibus suis tyrannum, wobei der bildliche Ausdruck „im Nacken sitzen“ emphatisch ist; S. 40in c. 118 bellum … memorabile exarsit und c. 20 egregio paenitentiae exemplo imperator religiosus umrahmen die attributiven Adjektive die Substantive und verleihen Emphase. Die rhetorische Ausarbeitung verstärkt dabei oft die Aussage (z. B. c. 23 ob vi tae purita tem prophe tiae gra tiam mit Parallelismus der Endungen und der Alliteration auf p; ähnlich c. 41; c. 28 antiquissimum et notissimum templum, qu od qu asi qu aedam … mit Superlativ und Alliteration auf qu-) und lässt die emotionale Anteilnahme des Chronisten beim Lob von Kirchenmännern bzw. die Abscheu gegenüber Gegnern (c. 133 Eudoxius arte medicus, pravi sed exercitati ingenii mit den stark antithetischen Begriffen arspravusingenium) und vor allem Barbaren erkennen, deren Wirken besonders mit passenden, subtil die Rezeption steuernden Metaphern aus dem Bereich der verheerenden Naturkräfte beschrieben wird (etwa c. 49 saeva Italiae barbarici motus tempestas incu-buit , wobei das Hyperbaton die Aussage noch verstärkt). Selbst in Verbindung mit einer unpersönlichen Konstruktion kann der Autor eine Wertung verknüpfen (etwa c. 57 multum inter alia rei publicae Stiliconis morte consultum est, wobei der adverbiale Akkusativ multum emphatisch an der Satzspitze steht).

Somit besitzt, wie schon Muhlberger bemerkt hat, diese Chronik durchaus gewisse stilistische und literarische Qualitäten.113


1  Der heute gebräuchliche Name des Textes, „Gallische Chronik von 452“ (Chronica Gallica a. CCCCLII), geht auf die Ausgabe von Mommsen zurück. Holder-Egger hat die Chronik noch Chronicon Imperiale oder nach dem ersten modernen Herausgeber Chronicon Pithoeanum genannt. Der von Mommsen gewählte Name erweist sich aber als treffend, sowohl was den Entstehungsort angeht als auch hinsichtlich der inhaltlichen Gestaltung. Vgl. Kap. III.1.

2  So schon Holder-Egger, Untersuchungen 112. 114; Mommsen, Chron. min. 1,618; Seeck, Chronica Gallica. Bezug zu Lérins: Mathisen, Ecclesiastical Factionalism 96.

3  Mommsen, Chron. min. 1,618. Dieser Vermutung schließen sich Muhlberger, Chroniclers 136 und Mathisen, Ecclesiastical Factionalism 96 an.

4  Vgl. Komm. zu den jeweiligen Stellen. Zum „Semipelagianismus“: Bonner, Pelagius/Pelagianischer Streit 180–2; Chéné, Origines 94–109; Mathisen, Ecclesiastical Factio-nalism 129–31.

5  Muhlberger, Chroniclers 160: „As in the case of Prosper, his interest in church matters cannot be taken as an infallible guide to his status within the church. He may have been a priest, a monk, or neither.“ Wie Holder-Egger, Untersuchungen 115 aber per se auszuschließen, dass der Autor Kleriker gewesen sein kann, geht ebenfalls zu weit.

6  Muhlberger, Chroniclers 146–52. Damit wäre dann ein plötzlicher Tod des Chronisten zu eben diesem Zeitpunkt wahrscheinlich. Bezüglich des Geburtsdatums des Autors vermutet Muhlberger (ebd. 148), dass dieser erheblich jünger als der um das Jahr 390 geborene Chronist Prosper von Aquitanien war, wofür die gerade für die Zeit vor 424 erheblich irrige Chronologie einen Hinweis liefert.

7  Zur Frage einer verlorenen Ausgangschronik ausführlicher Kap. II.2 und IV.1.

8  Zu den inhaltlichen Positionen der Chronik insgesamt Kap. III.

9  Prosper, dessen Version letzter Hand ins Jahr 455 datiert, stammte auch aus Südgallien und stand ebenfalls dem monastischen Milieu nahe, er war allerdings ein erklärter Anhänger des Augustinus. Seine Chronik ist ediert, übersetzt und kommentiert als KFHist G 5.

10  Zur Identifizierung der Chronik mit der Prosper-Chronik in der Überlieferung: Kap. IV.1. Dass die Zuschreibung des Werkes an Prosper nicht trägt, ist von der Forschung niemals bestritten worden. Nichtsdestotrotz erscheint es sinnvoll, in der Beschäftigung mit der Chronik von 452 immer wieder auch auf Parallelen und Unterschiede zu Prosper hinzuweisen. Zum heuristischen Wert eines solchen Vorgehens: Muhlberger, Looking Back 29.

11  Muhlberger, Chroniclers 139: Wir haben es mit einer „continuation in the strict sense“ zu tun. Hierzu passt, dass sich der Chronist im Gegensatz zu Prosper oder dem Chronisten von 511 an den echten Hieronymus anschloss, nicht an eine Epitome. Generell zum chronologischen Rahmen: Muhlberger, Chroniclers 146–52.

12  Muhlberger, Chroniclers 140. Die Reihe der Päpste offenbart jedoch eine mangelhafte Kenntnis der päpstlichen Chronologie.

13  Grundsätzlich birgt die Anonymität des Autors natürlich das Problem der sicheren Identifizierung von Interpolationen, weil der heuristische Schlüssel für solche fehlt. Bei den beiden genannten Listen dürfte der Fall aber klar sein: Im Gegensatz zum sonstigen Bericht führt die Kaiserliste den Usurpator Johannes als Kaiser auf. Die fränkische Königsliste hingegen muss allein schon deshalb Skepsis hervorrufen, als die Franken in der Chronik sonst überhaupt nicht auftauchen. Zu den Interpolationen, die schon Holder-Egger, Untersuchungen 97 und Mommsen, Chron. min. 1,619–23 als nachträglich zurückweisen, vgl. Muhlberger, Chroniclers 140 f.

14  Muhlberger, Chroniclers 152.

15  Die Narratio ist als KFHist B 7 Teil des vorliegenden Editionsprojekts. Ob sie als direk-te Vorlage der Chronik gedient hat oder ob beide Texte mit Bleckmann, Ende der römischen Herrschaft 567 Anm. 21 auf eine gemeinsame Quelle zurückgehen, verschiebt den Befund nur unwesentlich. Grundsätzlich zu Fragen der Chronologie: Burgess, Ausgabe (452) 57–60; Muhlberger, Chroniclers 147. Die Übereinstimmung mit der Narratio zeige mit Burgess, Dark Ages 188 f. ferner, dass die chronologischen Fehler des Berichts nicht erst „scribal cor-ruption“ geschuldet seien, wofür Casey/Jones, Gallic Chronicle Restored nicht sonderlich überzeugend argumentieren.

16  Bspw. Datierung der Eroberung Karthagos durch die Vandalen (439) auf das Jahr 444 (c. 129). Die Chronik eignet sich mit Muhlberger, Chroniclers 147 also nicht als unabhängige Autorität zur Datierung ansonsten unbekannter Einzelereignisse. Ähnlich: Murray, Reader 76. Mit seinem stärkeren Fokus auf der Erklärung von Abweichungen gelangt Burgess, Ausgabe (452) 58 zu einer etwas positiveren Wertung der Chronologie, was aber nichts an den o. g. Problemen ändert.

17  Muhlberger, Chroniclers 149 Anm. 23 kritisiert, dass Mommsen in seiner Edition die Annahmen nicht diskutiere.

18  Vgl. hierzu ausführlicher Kap. IV.3 f. Daneben auch Muhlberger, Chroniclers 148–52; Muhlberger, Gallic Chronicle 27–9 sowie Burgess, Ausgabe (452) 58–60.

19  Zum grundsätzlichen Problem: Kaufmann, Fasten von Constantinopel 476.

20  Zu den Quellen: Holder-Egger, Untersuchungen 102–5; Muhlberger, Chroniclers 156–60. Muhlberger überlegt ferner, ob c. 81 auf eine Kenntnis des gallischen Häresiekatalogs Praedestinatus hinweisen könnte.

21  Seeck, Chronica Gallica in der Folge von Mommsen, Chron. min. 1,619: „Für die J. 379–394 ist sie vorzugsweise aus der Kirchengeschichte des Rufinus geschöpft.“ Momm-sen führt c. 2. 3. 11. 13. 16. 19–21. 23–5. 28 auf Rufinus zurück.

22  Muhlberger, Chroniclers 157 schränkt dies sogar noch insofern ein, als die Erwähnung von Claudianus (c. 35) vor allem der Kontrastierung mit Prudentius (c. 37) geschuldet sei.

23  Parallelen zur Narratio ergeben sich in c. 61–5. 77. 93. 126. Vgl. hierzu Muhlberger, Chroniclers 153–5. Es finden sich in der konkreten Gestaltung der Berichte aber auch Unterschiede.

24  Holder-Egger, Untersuchungen 102. Ihm folgen Mommsen, Chron. min. 1,619 und Muhlberger, Chroniclers 155 f., wobei dieser den Umfang der Übernahmen aus einer entsprechenden Quelle nicht überschätzen möchte: „What we can say on these points is essentially negative: the consular annals were not the chronicler’s basic chronological source, and few of his entries show any resemblance to the annals we possess.“

25  Zum chronologischen Vorgehen Prospers: Kötter, Einl. zu Prosper (KFHist G 5) 9–12. Zur Vorrede des Hydatius vgl. die Edition Mommsens in Chron. min. 2 (= MGH AA 11), hier 13 f. Die Chronik des Hydatius ist als KFHist G 9 Teil des vorliegenden Editionsprojekts.

26  Wood, End of Roman Britain 17 hingegen meint, der Chronist hätte möglicherweise die Prosper-Chronik von 433 vorliegen gehabt. Schon Mommsen, Chron. min. 1,619 hat sich aber gegen eine Benutzung Prospers ausgesprochen.

27  Muhlberger, Chroniclers 191 f.

28  Mommsen, Chron. min. 1,627 f., gefolgt u. a. von Seeck, Chronica Gallica 2460; Scharf, Gallische Chronik 40 f.; Wood, End of Roman Britain 18.

29  Muhlberger, Chroniclers 142–4, u. a. aufbauend auf der Beobachtung, dass die Chronik von 511 ihre Chronologie weder aus der Chronik von 452 noch aus derjenigen des Hydatius schöpfe; sie nutzt also zumindest eine weitere unbekannte Quelle.

30  Der Text der Chronik hat sich in rund 40 Manuskripten bewahrt. Vgl. u. Kap. IV.2.

31  Diese relative Kürze der Chronik von 452 – sogar verglichen mit anderen Texten der Gattung – sticht z. B. bei einem Vergleich mit Prosper und Hydatius ins Auge. Dass die Chro-nik tatsächlich weiter bearbeitet wurde, zeigt sich in der Liste der Frankenkönige. Generell zur Popularität der Chronik in Gallien: Muhlberger, Chroniclers 275 f.

32  An dieser Feststellung orientiert sich der hist. Komm., dem in erster Linie daran gelegen ist, mit seinem Fokus auf Aufbau und Komposition, Auswahl, Grundpositionen und Aus-sageabsichten dem Nutzer die Grundlage für eine eigenständige weitere Beschäftigung der Chronik zu eröffnen. Das Ziel ist es nicht, zu jedem Eintrag einen vollständigen Überblick über sämtliche Parallelstellen zu geben oder zu jedem Aspekt die gesamte Forschungsgeschichte abzubilden.

33  Mit Muhlberger, Chroniclers 178 f. bspw. über Britannien in c. 7 und 126.

34  In diesem Zusammenhang dürfte es sich als vorteilhaft erweisen, dass der gallische Anonymus nicht im gleichen Maße wie Prosper dazu in der Lage ist, seine eigenen Positionen zu verbergen, trotz des abbrevierenden Chronikstils. Die getroffene Feststellung zum Status des ältesten Geschichtswerks gilt unter Außerachtlassung hagiographischer Quellen.

35  Muhlberger, Chroniclers 271. Es dürfte eher Prosper mit seinem ausgeprägten Sinn für die Trennung beider Sphären gewesen sein, der diesbezüglich die zeitgenössisch untypische Position vertrat.

36  Generell zur Entwicklung der Gattung: Burgess/Kulikowski, Mosaics 63–131. 269–74; Croke, Origins 117–25; Kötter, Einl. zu Prosper (KFHist G 5) 14–8.

37  Muhlberger, Chroniclers 148. Vgl. auch Cardelle de Hartmann, Historie und Chronographie 120.

38  Vgl. c. 24. Maenchen-Helfen, Welt der Hunnen 315 f. meint sogar, dass alle Informa-tionen über den Osten des Reichs auf Interpolationen aus einer östlichen Quelle beruhen. Dieser Schluss dürfte zu weitgehend sein, vgl. hierzu die treffende Kritik von Muhlberger, Chroniclers 144–6 bzgl. c. 139.

39  V. a. c. 98. 108. 129. Zu Africa in der Chronik auch: Muhlberger, Chroniclers 177 f.

40  Prosper hingegen weiß sehr wohl von Maßnahmen Geiserichs zu berichten: Prosp. chron. 1327. 1329. 1339.

41  Muhlberger, Chroniclers 179: „He simply invoked the name of Britain to supplement his picture of a defeated empire in the process of disintegration.“ Britannien: c. 62. 126; Spanien: c. 64. 85. 107.

42  Muhlberger, Chroniclers 178–80.

43  Dies gilt umso mehr für einen Provinzialen, der den sukzessiven Rückgang der römischen Autorität letztlich unmittelbarer erlebte als ein Autor in Italien.

44  Obwohl auch der Beitrag von Bischöfen zur Stabilitätsphase erwähnt wird (bspw. des Ambrosius von Mailand: c. 8. 13–5), schreibt der Chronist insbesondere den Kaisern Theodo-sius I., Gratian und Maximus eine wichtige Rolle zu, auch für die Abwehr kirchlicher Fehlentwicklungen: insb. c. 3. 12. 22.

45  Dass beide Ebenen im Bericht der Chronik eng zusammenhängen, sieht schon Muhlber-ger, Chroniclers 168 f.

46  Zum Zusammenhang von Usurpationen und Barbareneinfällen: Szidat, Usurpator tanti nominis 357–9.

47  Hierzu Muhlberger, Chroniclers 169–71; Muhlberger, Looking Back 32 f.

48  Vgl. c. 7 (Maximus). 69 (Dardanus). 75 (Heraclianus). Dieser Befund gilt auch für Aëtius, der im Vergleich zu seiner Darstellung in anderen Quellen eher blass bleibt. Sein Bild in der Chronik steht, ebenso wie das des Constantius III., im Gegensatz zu demjenigen bei Prosper. Muhlberger, Chroniclers 189: „The Gallic chronicler’s lack of enthusiasm for the house of Honorius seems to touch not only emperors and empresses, but Aetius as well.“ Auch der Vorwurf der mangelnden Hilfeleistung ans Ostreich im Zuge eines Hunnen-Einfalls (c. 132) muss letztlich Aëtius treffen.

49  Die Chroniken von Prosper und Hydatius legen nahe, dass die Sicht in Italien und in Spanien durchaus eine andere war.

50  Muhlberger, Looking Back 34: Die Chronik spiegele ein „growing resentment of a feeble Italian government that would lead some Gauls to proclaim Avitus emperor in 455“. Auch: Mathisen, Resistance; Muhlberger, Chroniclers 189 f. In den Quellen finden sich Hinweise zu einer solchen Position von Provinzialen zur Regierung bspw. bei Sidon. carm. 5, 353–63; Paneg. 2 (12), 23,1.

51  Erschwerend kommt in seinem Fall hinzu, dass er diese barbarische Bedrohung immer auch mit einer dogmatischen Bedrohung durch den Arianismus gleichsetzte. Vgl. Kap. III.3. Bezeichnung von c. 138 als „Schlüsseleintrag“: Muhlberger, Chroniclers 166 („key passage“).

52  Magnus Maximus begegnet in der Chronik ganze sieben Mal: c. 6. 7. 9. 11. 12. 16. 18, in c. 7 und 12 dezidiert positiv. Nur c. 11 und 16 stammen dabei zweifelsfrei aus Rufinus, womit wir in Teilen eine gallische Sondertradition vor uns haben. Positiv gegenüber Magnus Maximus eingestellt ist bspw. auch Sulp. Sev. dial. 2,6,2. Rodgers, Merobaudes 99 möchte die positiven Stimmen zu Maximus auf seine Orthodoxie zurückführen, dies dürfte aber zu kurz greifen.

53  Muhlberger, Chroniclers 190.

54  Neben Maximus begegnen als dezidiert gallische Usurpatoren Konstantin III. und Jovi-nus (c. 63. 66. 68–71). Attalus hingegen fehlt. Einschränkend weist Muhlberger, Chroniclers 171 f. aber darauf hin, dass die hauptsächlich Italien betreffende Johannes-Usurpation äußerst ausführlich geschildert wird.

55  Zur Sicht auf Constantius: Komm. zu c. 69. 73. Oost, Heraclian 238 möchte die negative Disposition der Chronik in diesem Fall auch darauf zurückführen, dass Constantius ein Anhänger des Stilicho war.

56  Muhlberger, Chroniclers 172 f.: Der Grund dieser Ausnahme liege in den dauerhaften Effekten des Abschlusskampfes, nämlich im Aufstieg des Aëtius zur alleinigen Macht. Zu den internen Auseinandersetzungen um das Constantius-Erbe vgl. Halsall, Migrations 234–42; Kötter, Einl. zu Prosper (KFHist G 5) 23 f.

57  Diese Erklärung lässt freilich den Beginn der Probleme im Dunkeln. Zur Frage, ob die Barbaren als Movers oder Shakers gewirkt haben, äußert sich die Chronik nicht. Vgl. zu dieser Frage in der Forschung: Pohl, Übergänge, insb. 49–55 und Halsall, Movers and Shakers.

58  Muhlberger, Chroniclers 175 f.: Der Chronist benutze das Wort barbarus dementsprechend in einem deutlich pejorativen Sinn. Dezidiert zum Unterschied des Barbarenbilds zu demjenigen bei Prosper: Muhlberger, Looking Back 34–6.

59  Spielvogel, Vandalen 138 weist darauf hin, dass diese Doppelidentität auch bei den betroffenen Völkern selbst greifbar ist.

60  Muhlberger, Chroniclers 269.

61  Zwar ist einzuräumen, dass systematische Verfolgungen erst in den 480er Jahren unter Hunerich einsetzten; Prosper weiß jedoch von ersten vereinzelten Maßnahmen unter Geiserich schon zur Berichtzeit der Chronik: Prosp. chron. 1327. 1329. 1339.

62  Beide Völker sind darüber hinaus miteinander über das jeweilige Verhältnis zu Rom verbunden. Dem Chronisten ist bewusst, dass sie sich in ihrer relativen Nähe zu Rom meist feindlich gegenüberstanden. Generell zu beiden gentes in der Chronik: Muhlberger, Chronic-lers 180–5.

63  Auf den Beitrag der Goten an der Abwehr der Hunnen 451 weist die Chronik bspw. nicht hin. Inwiefern die Goten für den Chronisten tatsächlich eine „tolerable alternative“ (Muhlberger, Chroniclers 183 f.) darstellen, darf – auch hinsichtlich ihrer dogmatischen Posi-tionierung – fraglich bleiben.

64  Zum theologischen Interessensprimat des Chronisten: Muhlberger, Chroniclers 160.

65  Die Unterstützung des Eutychianismus durch Theodosius II. (c. 135) bildet nur scheinbar eine Ausnahme: Der Kaiser greift in der Perspektive der Chronik hier ja gerade nicht anti-häretisch ein, sondern zugunsten einer Häresie.

66  Zu Prospers diesbezüglichem Interesse: Kötter, Einl. zu Prosper (KFHist G 5) 26–31. Zwar widmet Prosper seinen Häresien dafür jeweils eine ausführliche theologische Würdigung, aber auch hier ist es eher das Vorgehen des Chronisten von 452, das demjenigen bei Hieronymus ähnelt.

67  Die erfolgreiche Bekämpfung der Irrlehre am Ende des vierten Jahrhunderts gilt dem Chronisten vielmehr als erstrebenswerter Zustand, vor dessen Hintergrund sich die in c. 138 beschriebene gegenwärtige Situation nur umso düsterer abhebt. Bekämpfung des Arianismus in der Zeit bis Theodosius I.: c. 8. 13. 22; eher indirekt in c. 16. 19. 25.

68  Hinzu kommen lediglich eine deutlich topisch verkürzte Erwähnung des Johannes Chrysostomos (c. 42) und ein ebenfalls wenig spezifisch ausgeführtes Wunder in Konstanti-nopel (c. 33).

69  So bspw. Muhlberger, Chroniclers 162.

70  Zur Feststellung fehlenden Sondergutes: Muhlberger, Chroniclers 162 f.

71  Muhlberger, Chroniclers 165: Dem Anonymus habe die gallische Kirche seiner Zeit vor Augen gestanden, die geführt worden sei von „men who were both outstanding in piety and, by virtue of their aristocratic backgrounds, well able to defend their rights and privileges.“

72  Einträge c. 26. 30. 33. 46. 56. 72. 82. 84. 110. In der Chronik des Prosper fehlen solche Zeichen.

73  In diesem Punkt weist die Chronik eine Parallele zur Chronik des Hydatius auf: Muhlberger, Chroniclers 269. Bei Prosper findet ein Funktionsaustausch beider Ebenen hingegen nur in anderer Richtung statt, kirchliche Akteure übernehmen bei ihm mitunter profane Funktionen: Prosp. chron. 1341. 1367. 1375.

74  Spätestens an diesem Punkt löst sich auch der vorgebliche Widerspruch auf, dass der Chronist ein vorrangig kirchliches Interesse hat, aber vornehmlich profane Ereignisse berichtet. Vgl. Kap. III.4 und Muhlberger, Chroniclers 267: „The Chronicler of 452 saw the rise of barbarian peoples and the spread of religious error as two sides of the same coin.“

75  Vgl. dazu Becker, Einl. zu Prosper (KFHist G 5) 43 f.

76  Ausführlich dazu unten Kap. IV.2.

77  Muhlberger, Chroniclers 139 meint, dass „if the attribution is wrong, the simplicity of the introduction is appropriate, for the Chronicler of 452 faithfully continued the format and chronological method of his predecessor.“

78  Burgess, Ausgabe (452) 52 f.

79  So Burgess, Ausgabe (452) 53. Dies ist aber nicht zwingend. Es ist auch möglich, dass die Fortsetzung des Marius erst später der neuen Chronik hinzugefügt worden ist.

80  Burgess, Ausgabe (452) 52 f.

81  Holder-Egger, Untersuchungen 91–7.

82  Mommsen, Chron. min. 1,620. Eine vollständige Liste der Manuskripte gibt er S. 624.

83  Burgess, Ausgabe (452) 53 f.

84  Burgess, Ausgabe (452) 55.

85  Die Korrektur von M ist dabei wohl das Werk eines scriba doctus , der auch anderswo entweder durch Vergleich mit einem jüngeren Codex oder einer Edition diese Fehler verbessert hat.

86 Burgess, Ausgabe (452) 55 f., der weitere gemeinsame Bindefehler aller uns bekannter Fassungen aufzählt. Diese findet man auch im kritischen Apparat.

87  Während in B bloß die Könige im Text genannt werden, hat M auch bei der Jahreszählung den fränkischen Königen eine eigene Spalte eingeräumt.

88  Vgl. Burgess, Ausgabe (452) 56.

89  Diese gibt etwa Burgess, Ausgabe (452) 56 Anm. 12 an.

90  Dies gilt besonders auch für die wenigen jüngeren Codices, die nach dem Jahr 455 nicht mit Sigeberts Chronik verbunden sind, vgl. Holder-Egger, Untersuchungen 92 f.

91  Dies gilt wohl auch für den von Roncalli in seiner Edition kollationierten Ravennater Codex (Classense 276) aus dem 15. Jh., der etwa c. 61–63 besser als alle anderen Codices die einzelnen Perioden abtrennt.

92  Burgess, Ausgabe (452) 56 meint, dass βς einen gemeinsamen Subarchetyp haben, der „contained the complete ‘Prosperized’ text of ς, but with the chronological apparatus of β: regnal years, years AD, olympiads, years of Abraham, and the other random years AD. The fact that ς often has correct readings against λβ must, in at least some bases, be put down to sporadic collation with an earlier and better recension than λ or β, rather than a clever scribe.“

93  Dazu zuletzt Burgess, Ausgabe (452) 54.

94  Vgl. zu den einzelnen Manuskripten auch Holder-Egger, Untersuchungen 91–96; Mommsen, Chron. min. 1,620–26; Muhlberger, Chroniclers 137–146; Burgess, Ausgabe (452) 63–65.

95  Vgl. Madden, Additions 335.

96  Zur Diskussion der verschiedenen Positionen der Gelehrten bezüglich seiner Datierung vgl. Burgess, Ausgabe (452) 63 Anm. 31.

97  Vgl. Leitschuh/Fischer, Katalog 427–29.

98  Vgl. Daniel u. a., Handschriften 11 f.

99  Mommsen, Chron. min. 1,623–25.

100  Vgl. dazu MGH SS 6,287–99.

101  So hat Pithou den Codex Paris, Bibliothèque nationale, Lat. 17545 (= olim Notre Dame 94) aus dem 12. Jh. als Grundlage für seine Edition verwendet.

102  Vgl. zu diesem Codex Mazzantini 211.

103  Burgess, Ausgabe (452) 64 f. gibt eine fast vollständige Liste der modernen Editionen (erstaunlicherweise fehlt aber Scaliger), die wie er anmerkt „remained extremely close to Pit-hou’s editio princeps .“ (S. 64).

104  Burgess, Ausgabe (452) 60: „My aim has been to present that paradosis as closely as possible, even to the point of retaining such things as the interpolated supputatio after a6c, the mistakes in the chronology … and the names that are clearly corrupt, such as ‘Remedi’ for ‘Remigii’, ‘Placida’ for ‘Placidia’, ‘Battonem’ for ‘Tibattonem’, ‘Regula’ for ‘Rugila’, and ‘Archatensis’ for ‘Arelatensis’.“

105  Vgl. Komm. z. St.

106  Darauf weist besonders Muhlberger, Chroniclers 138 f. hin.

107 Mommsen, Chron. min. 1,618 f.

108  Miller, Last British Entry 317.

109  Muhlberger, Chroniclers 149–152, der S. 151 dafür plädiert, „that Mommsen’s blank years should be eliminated and certain entries redated. Jerome‘s editors have always assigned entries to the year noted at or before the first line on the entry. Given the close adherence to Jerome‘s methods manifested in the Chronicle of 452, the same standard should be adopted for this work as well.“ Als Beispiele erwähnt er etwa die Jahre 317–320 (S. 230 Helm), die von der Ernennung des Crispus und Licinius zu Caesaren handeln, aber die das Ereignis auf mehrere Jahre verteilen, oder die Jahre 328–329, in denen das Jahr 329 (es geht um die Nachfolge von Bischöfen) mitten im Satz, der mit dem Jahr 328 begonnen hat, platziert ist.

110  Muhlberger, Chroniclers 152. Er erkennt mit Recht, dass der Chronist offenbar für die Jahre 426–428 keine Informationen hatte und deshalb diejenigen, die er für das Jahr 425 (c. 97–103) besaß, auf alle Jahre verteilte, um den Eindruck leerer Jahre zu vermeiden.

111  Vgl. Cappelli, Lexicon 333.

112  Zum Hyperbaton vgl. K.-St. 2,618–20 und H.-Sz. 689–94.

113  Muhlberger, Chroniclers 166: „The chronicle is not completely without literary qualities. The author’s prose sometimes creates quite striking effects, much in the way Jerome’s had. The chronicle as a whole is rather more vivid than one might expect such a concise account to be. Many of its entries are cast in the present tense, and the reader is carried swiftly over the seven decades covered.“

Erklärung der Siglen, Zeichen und Abkürzungen in Text und Apparat

L cod. Londinensis, addit. 16974, 9./10. Jh.
B cod. Bambergensis, Patr. 62 (olim E. III 18), 11. Jh.
M cod. Monacensis, 2 Cod. ms. 6 (= Cim. 73), 11. Jh.
β consensus codicum M et B
C cod. Cambrai B 965 (olim Cameracensis 863), 12. Jh.
P cod. Parisinus Lat. 1793, 12. Jh.
D cod. Douai, Bibliothèque municipale, 799 (olim Duacensis 756), 12. Jh.
ς consensus codicum CPD
R cod. Ravvenas, Classensis 294, 15. Jh.
edd. consensus veterum editorum (Pithou, Labbé, Scaliger, Ron-calli)
{aaa} vom Editor getilgte Buchstaben
⟨aaa〉 vom Editor hinzugefügte Buchstaben
(aaa) vom Editor aufgelöste Abkürzungen
⟦aaa⟧ vom Schreiber oder anderer Hand getilgte Buchstaben
aaa unsicher erhaltene Buchstaben
[aaa] vom Editor in einer Lücke ergänzte Buchstaben
.... unleserliche Reste von Buchstaben
[ ̣ ̣ ̣] Zahl der in einer Lücke verlorengegangenen Buchstaben
* vom Schreiber freigelassener Raum im Umfang eines Buch-stabens
Aa.c. Lesart in A vor der Korrektur (ante correctionem)
Ap.c. Lesart in A nach der Korrektur (post correctionem)
Acorr. korrigierte Lesart in A (was vorher in A stand, ist unklar)
Amarg. Lesart am Rand (in margine) von A
add. addidit vel addiderunt
alt. alter, -a, -um
cf. confer
corr. correxit vel correctus, -a, -um
del. delevit
dub. dubitanter
eras. erasus, -a, -um
fort. fortasse
in marg. in margine
in ras. in rasura
om. omisit vel omiserunt
pag. pr. paginae praeeuntis
pag. sq. paginae sequentis
rell. reliqui
s. l. supra lineam
sq., sqq. sequens, -tes
suprascript. suprascriptus, -a, -um
transpos. transposuit vel transposuerunt
ut vid. ut videtur
v. versus, -us

hucusque Hieronymus presbyter ordinem praece-

hucusque  –  digessit codd. (e Prosp. chron. 1166)

presbyter  –  annorum om. L

dentium digessit annorum; quae sequuntur, Prosper

quae LMP : que BCD

digessit.

digessit LBς : adiecit M

1 hucusque  –  digessit codd. (e Prosp. chron. 1166)1 presbyter  –  annorum om. L2 quae LMP : que BCD3 digessit LBς : adiecit M


4 post VI add. igitur valente a gothis in thracia concremato Gratianus cum fratre valentiniano regnat annos VI βς (e Prosp. chron. 1167)

5 I (2) Gratianus parvulum fratrem habens

ante I add. OL. CCLXXXVIIII M

regni consortem probatae aetatis virum

probat LBMa.c.

Theodosium in societatem regni asciscit.

(3) Gratianus valde religioni favens et

ecclesiis per omnia promptus fuit. (4)

10 Martinus, Turonensium episcopus, apo­sto-

licis virtutibus insignis habetur.


5 ante I add. OL. CCLXXXVIIII M6 probat LBMa.c.

II (5) Theodosius in Orientis partibus lassam

II ante Martinus (v. 10) transpos. M

rem publicam reparavit.


12 II ante Martinus (v. 10) transpos. M

OL. CCXC III (6) Maximus tyrannus in Britannia a

OL. CCXC ante Ambrosius (v. ) transpos. M : om. ς

III ante Theodosius (v. 12) transpos. M

Maximus  –  constituitur om. Ma.c.

15 militibus imperator constituitur.

imperator ante a militibus transpos. M : om. L

constuitur (teste Burgess) vel con­struitur (teste Mommsen) L


14 OL. CCXC ante Ambrosius (v. 18) transpos. M : om. ς14 III ante Theodosius (v. 12) transpos. M14 Maximus  –  constituitur om. Ma.c.15 imperator ante a militibus transpos. M : om. L15 constuitur (teste Burgess) vel con­struitur (teste Mommsen) L


16 pictoa.c.17 post superavit add. Priamus quidam regnat in francia quantum altius colligere potuimus βς, add. Francorum regni principium Mmarg.

V (8) Ambrosius libros contra Arrianorum

perfidiam luculentissimos ad Gratianum

perfidia B

20 Augustum scribit.

agmen Ma.c.

19 perfidia B20 agmen Ma.c.


I̅I̅CCCC VI (9) Maximus in Gallias transfretavit et con-

I̅I̅CCCC ante I (v. ) transpos. M, ante III (v. ) ς

VI ante ad Gratianum (v. 19 pag. pr.) transpos. M

conflictum B

flictu contra Gratianum habito eundem

fugitantem Lugduni interfecit.

fugitandem L

21 I̅I̅CCCC ante I (v. 5) transpos. M, ante III (v. 18) ς21 VI ante ad Gratianum (v. 19 pag. pr.) transpos. M21 conflictum B23 fugitandem L

(10) THEODOSIVS annos XI

annis ς

24 annis ς

principem Theodosium cum Valentiniano

foedus iniit. (12) apud Treveros Manichaei

trevero BMa.c.

deprehensi summo Maximi studio exter-

minati.


5 OL. CCXCI LBp.c. : ante Theodosius (v. 4) transpos. Ba.c. : om. Mς27 trevero BMa.c.

10 II (13) Iustina mater Valentiniani Arrianis

valentinianis L | arriani Ma.c.

arriani Ma.c.

favens in Ambrosium et omnem Medio-

lanensem ecclesiam diversa iniuria­rum

genera congerit. (14) reliquiae Gervasii et

Protasii martyrum ab Ambrosio primum

15 Mediolani repertae. (15) hymni Ambrosii

reperta LBMa.c.

compositi, qui numquam ante in ecclesiis

Latinis modulis canebantur.

modulis mirum : an lacuna statuenda?

10 valentinianis L10 arriani Ma.c.15 reperta LBMa.c.37 modulis mirum : an lacuna statuenda?

III (16) Maximus indignum dicens contra

III ante et omnem (v. 11) transpos. M | ducens ς

ducens ς

ecclesiae statum agi locum irrumpendi,

20 quod cum Valentiniano iunxerat, foederis

invenit. Valentinianus veritus imminentem

iam cervicibus suis tyrannum ad Theo-

dosium confugit.


38 III ante et omnem (v. 11) transpos. M 38 ducens ς


{Honorius et Arcadius XXX I̅I̅·CCCC.

Honorius  –  XXV del. Mommsen

XXX I̅I̅·CCCC codd. : XXXII I̅I̅·CCCCXII Burgess

XXV}


44 Honorius  –  XXV del. Mommsen44 XXX I̅I̅·CCCC codd. : XXXII I̅I̅·CCCCXII Burgess5 XXV IXX·I̅I̅I̅ L : XXV et XXI̅I̅I̅ (XXIII C) βς : XXVII·I̅I̅CCCCXIIII Bur-gess46 I̅I̅I̅ (III L) CCCC XXV (XX V L) codd. : II I̅I̅·CCCCLXXI Burgess

(17) Augustinus Mediolani rhetoricam

Mediolani rhetoricam βς : mediolanatoriam L

adprime docens omissis scholis ad fidem

docens adprime D

omissis Mp.c.ς : emissis LBMa.c. : relictis Sigebert

10 rectam convertitur, cum ante Manichaeus

fuisset.


48 Mediolani rhetoricam βς : mediolanatoriam L49 docens adprime D49 omissis Mp.c.ς : emissis LBMa.c. : relictis Sigebert

transgrediens Maximum interfecit et Va-

interficit Mommsen

len­tinianum proprio regno reddit. (19) Ius-

regnum L | reddidit edd.

reddidit edd.

15 tina, quae ecclesias vexaverat, ne regnum

(20) immane Thessalonicae gestum facinus

extincti populi egregio paenitentiae ex-

emplo imperator religiosus erasit. (21)

erasit L : erat βς : diluit Sigebert : eluit edd.

20 haeresis Apollinaristarum ab Apollinare

Apollinare coepta ς : ap(p)ollina rec(o)epta

coepta.


52 IIII ante congerit (v. 13 pag. pr.) transpos. M, ante convertitur (v. 7) C53 interficit Mommsen54 regnum L54 reddidit edd.56 praet**venta.(teste Mommsen) La.c : prae***venta (teste Burgess) L59 erasit L : erat βς : diluit Sigebert : eluit edd.20 Apollinare coepta ς : ap(p)ollina rec(o)epta

OL. CCXCII V (22) Arriani, qui totum paene Orientem

OL. CCXCIIom. Mς

V ante haeresis transpos. (v. 17)

totam L

atque Occidentem conmaculaverant, edicto

religiosi principis ecclesiis spoliantur, quae

gloriosi ς

principes L

(a)ecclesias ς

spolianturque p.c. : spoliant quae βa.c.ς

25 catholicis deputatae sunt.


62 OL. CCXCIIom. Mς62 V ante haeresis transpos. (v. 17) 62 totam L64 gloriosi ς64 principes L64 (a)ecclesias ς64 spolianturque p.c. : spoliant quae βa.c.ς


VI (23) Iohannes Aegyptius monachus, qui ob

vitae puritatem prophetiae gratiam a do-

mino meruit, inlustris habetur.

insignis edd.

66 VI ante deputatae (v. 22 pag. pr.) transpos. D : VII B66 Iohannis L68 insignis edd.

5 regimen XXXVI Siricius suscepit. apud

Alexandriam defuncto Petro Timotheus et

post hunc Theophilus episcopi constituun-

constituun­tur : constituntur M : constitutus L

tur. Hierusolymis post Cyrillum Iohannes

ecclesiam recipit. apud Antiochiam de-

10 functo Miletio substituitur Flavianus. (25)

Miletio Pithou : Melicio LMς : melitio B

scilicet episcopi, qui ab haereticis depulsi

fuerant, nollent his ab imperatore deiectis

alios quam se substitui sacerdotes. (26)

15 terribile in caelo signum columnae per

omnia simile apparuit.


69 VII ante apud Alexandriam (v. 5) transpos. M, ante illustris habetur (v. 3) P, ante a domino (v. 2) D72 constituun­tur : constituntur M : constitutus L10 Miletio Pithou : Melicio LMς : melitio B76 oborta : obhorta Mp.c. : abhorta Ma.c. : aborta Bp.c. : abortea Ba.c.

in quis Serapis antiquissimum et notissi-

mum templum, quod quasi quaedam co-


82 VIII ante apud Antiochiam (v. 9) transpos. M : post VIII versum vacuum reliquit Mommsen

20 OL. CCXCIII VIIII lumna ruentem sustentabat idolatriam.

OL. CCXCIII om. Mς

VIIII in versum novum post idolatriam transpos. ς, ante et notissimum (v. 18) B, ante apud Alexandriam (v. 17) M

sustinebat edd.


20 OL. CCXCIII om. Mς20 VIIII in versum novum post idolatriam transpos. ς, ante et notissimum (v. 18) B, ante apud Alexandriam (v. 17) M20 sustinebat edd.

I̅I̅CCCCX X (29) Valentinianus Viennae ab Arbogaste

I̅I̅CCCCX ante II (v. 17 pag. sq.) transpos. ς : om. M

comite suo extinguitur, in cuius locum


86 I̅I̅CCCCX ante II (v. 17 pag. sq.) transpos. ς : om. M



88 CCCC om. Mς

XI (30) ad vindicandum Valentiniani interi-

XII B

5 tum et opprimendam Eugenii tyrannidem

tyrannidem Mp.cς : interitum LBMa.c.

dei favore conspirantibus in id ipsum ele-

mentis. (31) Eugenio superato Theodosius

XVII regni sui anno diem obiit.

XVII L : XII B : X Ma.c. : XI Mp.c.ς

89 XII B5 tyrannidem Mp.cς : interitum LBMa.c.91 theodosius (teste Mommsen) vel -um (teste Burgess) Lp.c. : thedosius (teste Mommsen) vel -um (teste Burgess) La.c.94 XVII L : XII B : X Ma.c. : XI Mp.c.ς

10 (32) ARCADIUS ET HONORIUS ANNOS XXXII

annis M

10 annis M

I (33) Constantinopolis eminentem dei iram

igne super nube terribiliter fulgente for­mi-

nubem

dans toto ad paenitentiam animo conversa

versa La.c.

subterfugit. (34) Rufinus Bosforitanus cum

15 ad summam militiae pervenisset, praeferri

praferre L

sibi non ferens Stiliconem ab eodem inter-

Stiliconem non ferens ς

ficitur, Chunorum quo fulciebatur prae-

sidio superato.


97 nubem 98 versa La.c.15 praferre L101 Stiliconem non ferens ς

OL. CCXCIIII II (35) Claudianus poeta admiratione dignus

OL. CCXCIIII om. Mς

20 habetur. (36) Gildo Africa in rebellionem

af(f)ricanus βς

rebellionem Scardino : rebellione codd. : an in Africa rebellione commota?

com­mota consueta Romanis stipendia sub-

traxit. (37) Prudentius, lyricus poeta noster,

Hispanus genere inlustre ingenii sui robur

illustri Pithou : an illustris?

exercet.


104 OL. CCXCIIII om. Mς20 af(f)ricanus βς20 rebellionem Scardino : rebellione codd. : an in Africa rebellione commota?108 illustri Pithou : an illustris?


5 III (38) Stilico magister militiae Gildonem

magister****** La.c.

Mauritaniae interfecit. Africa ad pristinum

post interfecit non interpunxit Mommsen

ius redacta. (39) Romanae ecclesiae

vis L

cathedram XXXVII Innocentius tenet.


5 magister****** La.c.111 post interfecit non interpunxit Mommsen112 vis L

IIII (40) toto orbe Romano antiquae super­sti-

IIII ante XXXVII (v. 4) transpos. P

10 tionis templa destructa. (41) Paulinus

Nolanus postmodum episcopus admirabili

postmodum Nolanus La.c.

admirabile LC

ex­emplo venditis omnibus, cum esset do-

minus innumerabilium praediorum, reli­gio-

nem expeditus elegit.


114 IIII ante XXXVII (v. 4) transpos. P 116 postmodum Nolanus La.c.116 admirabile LC

15 V (42) Iohannes Constantinopolites episco-

V ante religionem (v. ) transpos. C

CCCC La.c.marg.

constantinopolites : constantinopolitis L : constinopolites B

pus dictis factisque clarescit.


15 V ante religionem (v. 9) transpos. C15 CCCC La.c.marg.15 constantinopolites : constantinopolitis L : constinopolites B

CCCCVI (43) Martinus post egregie actam vitam

cor­pore exuitur.


122 CCCCVI ante V (v. 11) transpos. La.c., eras. et ante vitam Lp.c., ante actam B : om. Mς122 egriae LBp.c.

OL. CCXCV VI (44) Pelagius vesanus doctrina execrabili

OL. CCXCV om. Mς | doctrinae execrabile L

doctrinae execrabile L

20 ecclesias conmaculare conatur.


124 OL. CCXCV om. Mς124 doctrinae execrabile L

VII (45) contentio ex doctrina Origenis syn-

odum apud Alexandriam movit, cuius haec

exstitit sententia, ut extra ecclesiam fieret,

quicumque supra dicti opera probavisset.

25 VIII (46) solis facta defectio. (47) Augustinus

plurima libris innumerabilibus disserit.

I̅I̅CCCCXX VIIII (48) Severus ex disciplina sancti Martini

I̅I̅CCCCXX ante XII (v. 8 pag. sq.) transpos. ς : om. M

discipulo dub. Burgess

eiusdem vitam tribus explicat libris.

eius ς

132 I̅I̅CCCCXX ante XII (v. 8 pag. sq.) transpos. ς : om. M132 discipulo dub. Burgess133 eius ς


OL.CCXCVI X (50) saeva Italiae barbarici motus tempes-

OL.CCXCVI om. βς | post X versum vacuum reliquit Mommsen

post X versum vacuum reliquit Mommsen

5 tas incubuit,


134 OL.CCXCVI om. βς134 post X versum vacuum reliquit Mommsen

hoc Arriani, qui Romano procul fuerant

romanum L | fuerat La.c.

fuerat La.c.

orbe fugati, barbararum nationum, ad quas

10 se contulere, praesidio erigi coepere.

se om. B | corrigi

corrigi


136 XI ante Italiae (v. 4) transpos. C, ante Gothorum P, ante rex D, ante saeva (v. 1) Mommsen137 vastatu­rus ς (teste Burgess, ut vid.) L : vastatur (teste Mommsen) LB : vastatus M138 romanum L138 fuerat La.c.139 barbararum (teste Mommsen, ut vid.) LMp.cς : barbarorum L (teste Bur­gess) BMa.c.139 nationem LBMa.c.10 se om. B10 corrigi

XII (52) multis ante vastatis urbibus Rada-

XII ante coepere (v. 7) transpos. D

gaisus occubuit. cuius in tres partes per di-

versos principes divisus exercitus aliquam

aliquam aliquam L

repugnandi Romanis aperuit facultatem.

15 insigni triumpho exercitum tertiae partis

insigne L

hostium circumactis Chunorum auxilia-

auxiliatoribus P

ribus Stilico usque ad internecionem

delevit. (53) Arcadius Orientis imperium

gubernans vitam explet, parvum admodum

20 Theodosium filium imperii successorem

relinquens. (54) Caelestinus XXXVIII

Romanam ecclesiam gubernavit.


141 XII ante coepere (v. 7) transpos. D 143 aliquam aliquam L15 insigne L146 auxiliatoribus P

XIII (55) diversarum gentium rabies Gallias

XIII ante Romanam ecclesiam (v. 19) transpos. D | gallies L

gallies L

negatum.


153 XIII ante Romanam ecclesiam (v. 19) transpos. D153 gallies L154 immissu  –  Stili­conis mirum : an quam maxime post rabies transponendum?25 Stili­conis (teste Mommsen) Lβς : stilliconi* (teste Burgess) La.c. : stilliconi (teste Burgess) Lp.c.


OL. CCXCVII XIIII (56) Uticae in foro Traiani terra diebus VII

OL. CCXCVII om. Mς | troiani Ma.c.

troiani Ma.c.

mugitum dedit. (57) inter alia multum rei

publicae Stiliconis morte consultum est,

mortem Ba.c.

5 qui saluti imperatoris tendebat insidias.

(58) Nestorius Constantinopolites episco-

Nesterius LB

pus ad haeresim, quae in Christo deum ab


157 OL. CCXCVII om. Mς157 troiani Ma.c.159 mortem Ba.c.161 Nesterius LB163 separat, avertitur Mommsen : separata vertitur L : separat vertitur βς

XV (59) Iohannes comes Africae occisus a

astricae ς

10 populo est. (60) Proculus Massiliensis epi-

procusus La.c.

scopus clarus habetur. quo annuente magna

de suspecto adulterio Remedi episcopi

de suspecto Lp.c.MBς : despecto La.c.

Remedi codd. : lege Remigii

quaestio agitatur.

questio LBC

164 astricae ς10 procusus La.c.167 de suspecto Lp.c.MBς : despecto La.c.167 Remedi codd. : lege Remigii168 questio LBC

Britanniae Saxonum incursione devastatae.

devastatae Roncallimarg. : devastata L: devastatam βς

post devastatae graviter interpunxit Holder-Egger : non interpunxerunt codd.

(63) Galliarum partem Vandali atque Alani

Alani Mp.c : Alandi LBMa.c.ς

vastavere. quod reliquum fuerat, Constan-

tinus tyrannus obsidebat. (64) Hispaniarum

obsedebat L

20 partem maximam Suevi occupavere. (65)

post occupavere non interpunxerunt LB

ipsa denique orbis caput Roma deprae-

ipsaqenique L

deprae­dationi Mp.c.ς : depraedatione LBMa.c.

dationi Gothorum foedissime patuit.


169 prae valitudine codd.: prae valetudine Scaliger : prae invalitudine Labbémarg. : praeval[ente hostium mult]itudine dub. Mommsen15 post attenuatae graviter interpunxit Roncallimarg., post Britanniae (v. 15) interpunxerunt codd., non interpunxit Holder-Egger171 devastatae Roncallimarg. : devastata L: devastatam βς171 post devastatae graviter interpunxit Holder-Egger : non interpunxerunt codd.172 Alani Mp.c : Alandi LBMa.c.ς174 obsedebat L20 post occupavere non interpunxerunt LB176 ipsaqenique L176 deprae­dationi Mp.c.ς : depraedatione LBMa.c.

XVII (66) Constantinus tyrannus occiditur.

Constantius La.c.β

178 Constantius La.c.β


OL. CCXCVIII XVIII (67) rursum alia praedatio Galliarum

OL. CCXCVIII om. Mς | rursus La.c.

rursus La.c.

5 Gothis, qui Alarico duce Romam ceperant,

Alpes transgredientibus.


179 OL. CCXCVIII om. Mς179 rursus La.c.

I̅I̅CCCCXXX XVIIII (68) Iovinus tyrannidem post Constan­ti-

solus tyranno non cessit, Dardani Atavul-

dardanus M

10 phus, qui post Alaricum Gothis imperi­ta-

bat, a societate Iovini avertitur. (70)

iunoni L

Sallustius quoque et Sebastianus occi­si.

(71) Valentia, nobilissima Galliarum civi-

tas, a Gothis effringitur, ad quam se fu-

15 giens Iovinus contulerat.


182 I̅I̅CCCCXXX ante tyranno (v. 6) transpos. B, ante XXII (v. 1 pag. sq.) ς : om. M183 post invadit gravius interpunxit Scaliger, post cessit β, post Dardani ς : non interpunxit L184 dardanus M186 iunoni L

XX (72) ingens in Galliis fames. (73) Aqui-

tania Gothis tradita. (74) Patroclus, Are-

latensis episcopus, infami mercatu sa­cer-

dotia venditare ausus. (75) Heraclianus

20 comes Africae, qui in Romanae urbis re-

romani L

orbis Mommsen

reparationem βς

paratione strenuum exhibuerat ministe-

strenue Ba.c.

rium, nova quaedam molitus interimitur.


191 Gallis (teste Mommsen, ut vid.) codd.191 famis L20 romani L20 orbis Mommsen 20 reparationem βς196 strenue Ba.c.

XXI (77) Placidia soror imperatoris diu captiva,

post XXI versum vacuum reliquit Mommsen

postea etiam regis uxor, rege fraude

regi L

25 sublato Constanti conubio sociatur.

constantis βς | sociatur codd. : copulatur edd.

sociatur codd. : copulatur edd.


198 post XXI versum vacuum reliquit Mommsen199 regi L25 constantis βς 25 sociatur codd. : copulatur edd.


OL. CCXCVIIII XXII (78) Gothi, cum se iterum Atavulpho

OL. CCXCVIIII om. Mς

XXII ante Constanti (v. 22 pag. pr.) transpos. LBC, ante rege (v. 21 pag. pr.) M, ante Placidia (v. 20 pag. pr.) Mommsen

perempto movissent,


201 OL. CCXCVIIII om. Mς201 XXII ante Constanti (v. 22 pag. pr.) transpos. LBC, ante rege (v. 21 pag. pr.) M, ante Placidia (v. 20 pag. pr.) Mommsen


203 XXIII ante Gothi (v. 1) transpos. M, ante repelluntur CD : post XXIII versum vacuum reliquit Mommsen203 constantis βς

XXIIII (81) Praedestinatorum haeresis, quae ab

post XXIIII versum vacuum reliquit Mommsen

praedestinatorum MCP : praedistinatorum LBD

5 Augustino accepisse initium dicitur, his

ante initium add. dicitur C

204 post XXIIII versum vacuum reliquit Mommsen204 praedestinatorum MCP : praedistinatorum LBD5 ante initium add. dicitur C


206 XXV ante his (v. 5) transpos. MD, ante exorsa CP, ante praedestinatorum (v. 4) Mommsen

OL. CCC XXVI (82) solis hoc anno facta defectio. (83)

OL. CCC om. Mς

XXXVIIII Xystus Romanam ecclesiam

regit.

post regit add. Faramundus regnat in francia βς

207 OL. CCC om. Mς209 post regit add. Faramundus regnat in francia βς

10 XXVII (84) signum in caelo mirabile apparuit.

(85) Maximus tyrannus Hispaniarum do-

minatum vi optinet.

XXVIII (86) Honoratus Minervius Castor Iovianus

minervus M

Castor Iovianus Lp.c.Ma.cς : castorovianus La.c. : castoriovianus BMa.c.

singulorum monasteriorum patres in

15 Galliis florent.


213 minervus M213 Castor Iovianus Lp.c.Ma.cς : castorovianus La.c. : castoriovianus BMa.c.

I̅I̅·CCCCXL XXVIIII (88)