KFHist: (G 8) Gallische Chronik von 511 Skip to main content

Ein Editionsprojekt der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

HHUD Düsseldorf

(G 8) Gallische Chronik von 511



S. 179

Einleitung

I. Entstehung

Es lassen sich nur wenige sichere Aussagen zu den Umständen der Entstehung der Gallischen Chronik von 511 treffen. Dies gilt sowohl für ihre genaue Entstehungszeit als auch für den Ort, an dem der Text, der uns nur in einem einzigen Manuskript überliefert ist, kompiliert wurde. Der Urheber der Chronik ist ebenfalls unbekannt.

Geht man davon aus, dass der kompilierte Text auf einen einzigen Be-arbeiter zurückgeht, und nicht in mehreren Stufen entstanden ist, so stellt das Ende des Berichts im Jahr 511 den terminus post quem für die Zusammenstellung dar.1 Eine chronologische Einordnung zum Ende des Textes im Manuskript führt darüber hinaus ins Jahr 733, welches also den terminus ante quem zur Entstehung bezeichnet.2 Die von der Handschrift vorgenommene Zuweisung des Textes an Sulpicius Severus hilft nicht weiter, das sie zurückzuweisen ist. Positive Aussagen über den Kompilator des Textes lassen sich nur insoweit treffen, als davon auszugehen ist, dass es sich bei ihm um einen romanischen Katholiken handelte.3

Auch die Identifizierung des Abfassungsortes kann sich lediglich auf Plausibilitätsargumente stützen. Eine Entstehung in Gallien jedenfalls muss keineswegs als sicher gelten. Die Benennung des Textes als „Gallische Chronik“ ist modern und geht auf Mommsens Annahme einer gemeinsamen chronistischen Quelle für die Chronik von 511 und die zweifellos in GallienS. 180 entstandene Chronik von 452 zurück.4 Unabhängig davon, ob man ihm hierin folgen möchte, oder eher davon ausgeht, dass die Chronik von 511 direkt aus derjenigen von 452 schöpft, ist klar, dass der gallische Informationsstrang keineswegs die alleinige Hauptquelle des Textes bildet. Der Kompilator übernahm in ebenso großem Umfang Informationen aus Quellen spanischer Provenienz, vornehmlich aus der Chronik des Hydatius und aus dem Geschichtswerk des Orosius.5 Dies könnte zusammen mit der zweimaligen Verwendung der spanischen Ära (c. 27. 88) auf eine Entstehung im nordöstlichen Spanien deuten. Burgess hat sich allerdings zuletzt mit guten Gründen wieder für eine seit Holder-Egger klassische Position der Zusammenstellung der Chronik in Südgallien, konkreter wohl in der Nähe von Arles, stark gemacht. Der dort mögliche Zugang zu den zahlreichen Quellen der Kompilation, die Kombination von Indiktions- und Konsuldatierung in c. 88 sowie das Interesse des Berichts an der Stadt Arles (c. 63. 71. 72. 76. 81. 83) deuten in diese Richtung.6

II. Formale Aspekte

1. Chronologischer Rahmen

Die Datierungen stützen sich auf eine römische Herrscherchronologie. Die Herkunft der Informationen ist unbekannt, die Chronik teilt sich ihren Datierungsrahmen jedenfalls nicht mit den von ihr verwendeten Chroniken von 452 und des Hydatius.7 Dem Urheber der Chronik von 511 muss also eine uns unbekannte chronistische Quelle zur Verfügung gestanden haben, die ihn mit vergleichsweise guten Informationen versorgt hat. Der chronologische Rahmen der Chronik stellt sich daher schlüssiger dar als derjenige der Chronik von 452, was unter anderem daran liegt, dass die HerrscherS. 181-chronologie im vorliegenden Bericht konsequent dem konzisen Prinzip einer Datierung nach seniores augusti folgt8 und nach Valentinian III. darauf verzichtet, die häufig wechselnden Kaiser des Weströmischen Reichs zu Datierungszwecken heranzuziehen. Zwar werden für Petronius Maximus (c. 65), Avitus (c. 67) und Majorian (c. 70) tag- und monatsgenaue Herrschaftsdauern angegeben, für die fortlaufende Jahreszählung im Bericht besitzen diese Angaben jedoch keine Relevanz, sie sind vom chronologischen Rahmen abgekoppelt.9

Die Chronik gelangt damit insgesamt zu einer weitgehend korrekten Rahmenchronologie: Den 133 historischen Jahren von 379 bis 511 werden 131 Berichtsjahre zugeordnet. Es ergeben sich zwar hier und da Fehler in der Angabe der Länge von Herrschaftsdauern, diese sind aber zum einen meist recht geringfügig, zum anderen gleichen sie sich oft aus. So werden beispielsweise Kaiser Leo vier Herrschaftsjahre zu viel zugewiesen, dafür aber seinem direkten Nachfolger Zeno vier Jahre zu wenig. Ähnliches gilt für die geringen Differenzen bei den Kaisern von Valentinian II. bis Theodosius II., die jedoch insofern etwas stärker ins Gewicht fallen, als die Berichtsdichte für diese Zeit größer ist als in den späteren Teilen der Chronik.10 Wie im Fall der Chronik von 452 ist der Hauptfehler hierbei auf eine zu lang angesetzte Herrschaft des Honorius zurückzuführen, die auf einer falsch interpretierten Nachricht über die Feier seiner Tricennalien beruht. Hinzu kommt eine zu kurze Herrschaft des Theodosius II., die erst mit dem Tod des Usurpators Johannes einsetzt, nicht mit dem Tod des Honorius.11S. 182 Die angegebenen neunzehn Herrschaftsjahre des Anastasius schließlich reichen nur bis 509/510, nicht in das durch die Konsuldatierung in c. 88 zweifelsfrei identifizierbare letzte Berichtsjahr 511.

2. Quellen

Holder-Egger fasst in seinen Untersuchungen über die Chronik die kompilatorische Tätigkeit des Chronisten dergestalt zusammen, dass dieser dem Grundsatz gefolgt sei, „möglichst wenig aus möglichst vielen Quellen“ zu übernehmen.12 Die offensichtlichsten und zahlreichsten Übernahmen schöpfen dabei zum einen aus der Gallischen Chronik von 452 – mit Mommsen eher aus einer gemeinsamen, bis ins Jahr 450 reichenden, Quelle –, zum anderen, gerade für die Spanien betreffenden Nachrichten, aus der bis ins Jahr 468 reichenden Chronik des Hydatius von Aquae Flaviae.13 Erst ab dem Jahr 453 wird der Bericht von diesen beiden Hauptquellen unabhängig14, was aber nichts daran ändert, dass die Chronik natürlich auch in der Folge noch auf die Nutzung von Quellen angewiesen blieb, auch wenn diese im Einzelfall nicht immer bekannt und damit vereinzelt nicht identifizierbar sein mögen. Dass der Kompilator Material heute unbekannter Provenienz benutzte, ist zum einen ersichtlich aus seinem chronologischen Rahmen, der sich mit keiner der uns bekannten Quellen deckt, zum anderen aus der immer wieder begegnenden Anreicherung der sich mit Hydatius oder dem Chronisten von 452 deckenden Informationen durch zusätzliche Details, die nicht von diesen beiden stammen.15

S. 183

Andere Quellen lassen sich hingegen klar identifizieren, zumindest aber erschließen. Vergleichsweise viel Material schöpft die Chronik aus dem Geschichtswerk des Orosius. An einigen Stellen finden sich Parallelen zu Marius von Avenches, die auf eine gemeinsame Zwischenquelle schließen lassen. Das gleiche gilt für die von Burgess identifizierten Übereinstimmungen zu De origine Gothorum des Isidor von Sevilla bzw. zur teilweise parallel berichtenden Chronik von Caesaraugusta. Parallelen sieht Burgess auch zu verschiedenen Werken der italischen Fastentradition.16 Die verschiedenen Referenzen auf Arles sind mit Holder-Egger aus einer von ihm erschlossenen und als Arelater Annalen bezeichneten Quelle entnommen, deren Existenz wiederum eine Zusammenstellung der Chronik in der Nähe von Arles wahrscheinlich machen würde.17 Zu guter Letzt ist davon auszugehen, dass der Chronist die Chronik des Prosper von Aquitanien kannte, auch wenn die Nutzung dieser nur an sehr wenigen Stellen nachweisbar ist.18

3. Historischer Wert

Aufgrund des nahezu rein kompilatorischen Charakters des Textes und der möglichen Identifizierung und Erschließung zahlreicher Parallel- und Ausgangsquellen ist Holder-Eggers Urteil über den Wert der Chronik – zumindest hinsichtlich ihrer konkreten Informationen – so alt wie gültig: „Ihr historischer Wert ist gering.“19 Letztlich liefert nur c. 76 Sondergut, alle weiteren Informationen sind auch aus anderen Zusammenhängen bekannt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Chronik nicht in gleichem Maße wie die lateinischen Chroniken des fünften Jahrhunderts dazu in der Lage ist, ein inS. 184 sich geschlossenes und kohärentes Geschichtsbild zu entwerfen. Hierfür ist zum einen der Berichtzeitraum zu weit gefasst, zum anderen ist der Gehalt der Informationen, der sich in weiten Teilen auf dynastische Hinweise beschränkt, zu gering. Darüber hinaus lassen sich aufgrund der Lückenhaftigkeit des Berichts gerade in seinen späteren Passagen kaum inhaltliche Schwerpunkte ausmachen, die einschlägig genug wären, um auf eine über die bloße kompilatorische Arbeit an sich hinausgehende Konzeption der Chronik hinzudeuten.

Die Chronik ist also insgesamt zu inhaltsleer und unstrukturiert, über ihre Entstehung ist zu wenig bekannt, als dass sich ein heuristischer Schlüssel für ein tieferes Verständnis finden ließe. Interesse muss lediglich der breite Raum beanspruchen, den die Beschreibung der Geschichte barbarischer Völker, gerade der Westgoten, einnimmt und der zeigt, dass das beschriebene Nebeneinander von Romanen und Germanen zur Entstehungszeit der Chronik mittlerweile weitgehend entproblematisiert war. Das weitgehende Fehlen theologie- und kirchengeschichtlicher Nachrichten deutet ebenfalls in diese Richtung.20 Nichtsdestotrotz ändert dies wenig daran, dass der Forschung kaum ein Vorwurf zu machen ist, dass sie sich bis dato nur selten mit der Chronik von 511 befasst hat.21

III. Inhaltliche Grundzüge

Die Chronik von 511 setzt sich in weiten Teilen aus rein dynastischen Informationen zusammen. Diese betreffen zunächst vornehmlich das römische Kaisertum, in der Folge auch barbarische Völker, insbesondere die Westgoten. Der früheste Teil des Textes, bis zum Tod von Theodosius I. im Jahr 395, legt seinen Schwerpunkt aber noch gänzlich auf die römischen Verhältnisse. Die Berichte zur Ernennung und zum Tod einzelner Herrscher sowie zur Bedrohung ihrer Herrschaft durch die Usurpationen des Magnus Maximus und des Eugenius umfassen ganze elf der vierzehn Einträge. Ergänzt werden diese Informationen lediglich durch zwei Exkurse zu häretischenS. 185 Bedrohungen (c. 5. 9) und die Beschreibung eines Vorzeichens (c. 10).22 Hinsichtlich der römischen Sphäre ändert sich daran auch unter der Herrschaft von Arcadius und Honorius nichts. Die dynastischen Informationen erstrecken sich hier auf acht Einträge und übertreffen damit die drei kirchlichen Berichte für diese Zeit und ein Vorzeichen in ihrer Zahl deutlich.23

Während sich in diesem Punkt für die Zeit von 396 bis 423/24 kein Unterschied zum Bericht für die Zeit bis 395 ergibt, taucht erstmals ab c. 18 und dann ab c. 27 unter der Herrschaft des Honorius in größerer Dichte ein neues Element auf: Bis zum Tod des Honorius befassen sich vierzehn Einträge mit dem Ein- und Vordringen barbarischer Völker auf Reichsgebiet, mit ihren Beziehungen untereinander und zu Ravenna sowie mit ihren internen Verhältnissen.24 Gerade für die Westgoten werden, in ähnlicher Manier wie für die römischen Kaiser, dynastische Ereignisse verzeichnet, beispielsweise der Herrschaftsübergang von Alarich auf Athaulf (c. 29), die Hochzeit des Athaulf mit Placidia (c. 32), der Mord an Athaulf und die Nachfolge durch Vallia (c. 33). Aber auch im Fall anderer gentes versäumt es die Chronik nicht, einzelne Herrscher zu benennen: Radagaisus als rex der Goten (c. 23), Addac als derjenige der Alanen (c. 35) sowie Gunderich und Hermerich als Führer der Vandalen und Sueben (c. 37). Anders als die lateinischen Chroniken des fünften Jahrhunderts, die ihr Interesse an den germanischen Völkern in erster Linie aus deren Beitrag zu innerrömischen Entwicklungen schöpften, stellt die Chronik von 511 also deutlich auch eine Chronik der barbarischen Völker im Reich dar. Dies geht so weit, dass unter Honorius bis zum Herrschaftsjahr XIV überhaupt nur noch ein einziger Eintrag eindeutig und ausschließlich der römischen Sphäre zuzuordnen ist.25 Es ist alsoS. 186 festzuhalten, dass die germanischen Völker eine weitgehend gleichberechtigte Rolle im Bericht spielen, und dies gilt nicht allein hinsichtlich der bloßen Zahl der Einträge, sondern auch hinsichtlich der Qualität der gegebenen Informationen.26

Dieses gleichberechtigte Verhältnis lässt sich auch für die Herrschaft des Theodosius II. und des Valentinian III. bis 455 greifen. Der römischen Seite sind hier etwa dreizehn Einträge zuzuweisen – inklusive der beiden letzten kirchlichen Informationen –, den Aktionen barbarischer Völker neun Einträge.27 Wiederum befassen sich diese Einträge zu den Völkern nicht allein mit ihren meist kriegerischen Beziehungen zu Ravenna, sondern auch mit internen Entwicklungen. So wird weiterhin die Abfolge der Westgotenkönige verfolgt (c. 60. 63). Auch auf die Herrschaftssukzession bei Hunnen (c. 47. 64) und Vandalen (c. 45) geht die Chronik ein. Nach 455 kommt es dann in der unmittelbaren Folge des Todes von Valentinian III. zu einem letzten Höhepunkt in der Beschreibung römisch-dynastischer Entwicklungen. Sieben Einträge befassen sich mit der schnellen Abfolge ost- und weströmischer Kaiser von 455 bis 461.28 Allerdings lässt sich in der Verzahnung der entsprechenden dynastischen Berichte mit dem hierauf aufbauenden chronologischen Rahmen ein Unterschied zur Beschäftigung mit der römischen Kaisergeschichte vor 455 greifen. Zum einen richtet sich die Herrscherdatierung ab Marcian ausschließlich nach den oströmischen Kaisern. Damit zusammenhängend zeigt die Chronik zum anderen Tendenzen, das Reich als zwei Reiche zu konzeptualisieren, indem sie einzelne Kaiser dezidiert „in Rom“, andere dezidiert „in Konstantinopel“ herrschen lässt.29 Beide Befunde deuten in Richtung eines Abrückens von einer an ein ungeteiltesS. 187 Reich gebundenen Geschichtsideologie. Hierzu passt, dass sich die Chronik nach ihren drei Einträgen zu Anthemius mit keinem der folgenden west-römischen Kaiser mehr beschäftigen wird.30

Die Geschichte des Weströmischen Reichs geht in dieser Phase sukzessive in der Geschichte der germanischen Nachfolgereiche auf, ohne dass sich beide Bereiche im Bericht klar voneinander abgrenzen ließen. Dass der Unterschied römisch/germanisch in dieser Phase seine Relevanz und Trennschärfe verliert, zeigt sich unter anderem daran, das Gundobad als möglicher Mörder des Anthemius nicht dezidiert als Burgunde bezeichnet wird (c. 77), oder auch daran, dass mit Vincentius ein Römer in Diensten der Westgoten begegnet, gleichzeitig aber römisch anmutende Funktionstitel trägt (c. 79. 80).31 Klarere Aussagen zur Gestaltung des Berichts lassen sich von da an kaum noch treffen, weil die Chronik mit der Herrschaft Zenos quasi zum Ende gelangt, nur noch äußerst vereinzelt Ereignisse verzeichnet und erst ganz zum Schluss auf die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Franken, Burgunden und Goten zurückkommt.32

Wir haben es bei der Chronik von 511 inhaltlich also mit einer ganz anderen Art von Bericht zu tun als bei den Chroniken des fünften Jahrhunderts, auf die sie zwar in weiten Teilen aufbaut, deren Versatzstücke aber in abweichender Art und Weise neu kombiniert werden. So fällt auch auf, dass die Chronik so gut wie keine Informationen zur kirchlichen Entwicklung liefert und sich maßgeblich auf die Nennung einiger weniger prominenter Kirchenmänner – Ambrosius, Martinus, Augustinus, Leo – beschränkt. Offenbar war mit dem Ende Westroms, mit der damit einhergehenden Schwächung ökumenischer Bande und mit dem Wegbrechen dogmatisch-ethnischer Gegensätze durch die Katholisierung germanischer Völker auch die unmittelbare Relevanz häresiologischer Diskurse weggefallen.

Hinsichtlich der Profangeschichte fällt ins Auge, dass der Bericht zumindest auf der römischen Seite einen fast ausschließlichen Fokus auf die dyS. 188nastische Geschichte legt. Die Chronik von 511 bildet damit ein Bindeglied zwischen einer voll ausgeprägten Chronistik, wie sie in der Chronik von 452 begegnet, und reinen Herrscherlisten, wie sie zum Beispiel im Laterculus Regum Vandalorum et Alanorum zu greifen sind.33 Vor allem aber widmet sich der Bericht in einer spezifischen Weise den germanischen Völkern. Ihnen wird nicht mehr nur in ihrer Relation zum Römischen Reich Bedeutung beigemessen, sie werden nicht mehr maßgeblich negativ als Bedrohung charakterisiert und dienen nicht mehr als rein passive Objekte römischer Selbstbehauptungskämpfe. Die Germanen erscheinen in der Perspektive des späteren Autors vielmehr als ganz gewöhnliche Faktoren der Politik und als ganz normale geschichtliche Akteure. Es ist eher die römische Geschichte, die im Laufe des Berichts zunehmend aus dem Blickfeld gerät und letztlich nur noch auf den rein technischen Aspekt beschränkt wird, den chronologischen Rahmen für die Chronik zu liefern.

IV. Zur Überlieferung der Chronik

1. Die anonyme Severus Sulpitius zugeschriebene Chronik

Wann die in diesem Band abgedruckte, anonyme Chronik verfasst worden ist, kann auf Grundlage der Überlieferung nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Im einzigen erhaltenen Manuskript, dem Madrider Complutensis 134 aus dem 13. Jh., wird die gesamte Chronik, die mit Adam beginnt und bis ins Jahr 511 reicht, zu Beginn mit der Überschrift epithoma chronicorum Severi cognomento Sulpitii „Epitome der Chroniken des Severus mit dem Beinamen Sulpitius“ (fol. 34v) versehen und am Ende erneut Severus, qui et Sulpitius „Severus, der auch Sulpitius (sc. heißt)“ (fol. 40v) zugeschrieben. Doch handelt es sich bei diesem Werk natürlich nicht um die Weltchronik des Biographen des Heiligen Martinus, der mit größter Wahrscheinlichkeit bereits nach 420 gestorben ist.34 Außer Severus wird im Werk keine weitere Quelle (wie etwa Eusebius oder Hieronymus) erwähnt.

Auch die Tatsache, dass in einer von einem späteren Bearbeiter hinzu-gefügten supputatio als Datum der Abfassung dieser Abschrift das Jahr 771 der Spanischen Ära (= 733 unserer Zeitrechnung) angegeben wird, bedeutet nicht, dass die Chronik in diesem Jahr kompiliert worden ist.35 Da nach 511S. 189 keine weiteren Einträge, sondern nur chronologische Exzerpte vornehmlich aus Orosius folgen, in denen verschiedene Ereignisse aus der altorientalischen, biblischen, griechischen und karthagischen Geschichte mit der römischen ab urbe condita synchronisiert werden, die aber sonst in keinem direkten Zusammenhang mit dem Rest der Chronik stehen, liefert die supputatio lediglich ein Indiz dafür, dass dieser letzte Teil und wohl auch die Vorlage des Madrider Codex um 733 angefertigt worden sind,36 ist aber als terminus ante quem für die Abfassung der restlichen Chronik wenig aussagekräftig.

Die Chronik selbst muss also zwischen 511 und 733 in einem oder mehreren Arbeitsschritten entweder als Kompilation aus verschiedenen Quellen oder als Epitome einer uns unbekannten Chronik entstanden und entweder vom Verfasser oder von einem späteren Überarbeiter bzw. Epitomator dem berühmten Severus Sulpicius zugeschrieben worden sein.37 Auf Grund der z. T. eklatanten Diskrepanzen hinsichtlich der Gestaltung der Chronik vor und nach 455 n. Chr. erwägt Burgess die Möglichkeit, dass verschiedene – mindestens zwei – Kompilatoren am Werk waren und in mehreren Etappen die Chronici Canones des Eusebios-Hieronymus kurz nach 511 fortgesetzt haben.38

Es gibt aber gute Gründe für die Vermutung, dass diese Chronik in der überlieferten Form schon kurz nach 511 als einheitliches Werk (von Adam bis 511) konzipiert und im Jahr 733 nur leicht verändert worden ist. Erstens wird der modus operandi, die Kompilation aus verschiedenen Quellen zusammenzusetzen und mit einem minimalen chronologischen Rahmen, den Lebens- bzw. den Regierungsjahren der Herrscher, zu versehen, vom Exzerptor im Lauf der ganzen Chronik einheitlich angewendet. So wird bereits der Teil, welcher bis 378 n. Chr. reicht und hauptsächlich aus Eusebius-Hieronymus exzerpiert ist, mit weiterem Material angereichert und um Einträge, welche bis Adam zurückreichen, erweitert.39 Was sich mit dem Fortschreiten der Chronik ändert, sind natürlich die verwendeten Quellen, die nach 378 wechseln und die nach dem Ende der Gallischen Chronik von 452S. 190 und dann Hydatius nach der Jahrhundertmitte spärlicher werden.40 Anders als die Fortsetzungen der Chronik des Eusebius-Hieronymus durch Prosper, Hydatius oder die Gallische Chronik von 452, die alle durch Explicit-Incipit-Formeln nach dem Ende von Hieronymus’ Teil, in denen der Fortsetzer namentlich genannt wird, markiert sind, erfolgt in der Gallischen Chronik von 511 der Übergang zwischen diesen beiden Teilen ohne sichtbare Zäsur. Es ist nicht wahrscheinlich, dass eine solche Formel in einem späteren Arbeitsgang getilgt worden ist, da der Übergang nahtlos ist. Der interne Verweis von c. 9 auf c. 501 des von Mommsen (Chron. min. 1,644) edierten ersten Teils dieser Chronik deutet schließlich ebenfalls darauf hin, dass der Verfasser des Werks in der Gestalt, wie es uns vorliegt, die ganze Chronik von Adam bis 511 als Einheit betrachtete und beim Abbrechen einer (nie namentlich angeführten) Quelle keinen Grund sah, dies anzugeben.

Im Einklang mit der Zielsetzung des Projekts „Kleine und fragmentarische Historiker der Spätantike“, das den Fokus auf die nach-hieronymianischen Fortsetzungen legt, erscheint hier jedoch analog zur Gallischen Chronik von 452 – und auch zur Chronik des Prosper (KFHist G 5) – nur der Teil der Chronik, der die Jahre von 379 bis 511 n. Chr. abdeckt.

2. Die Handschriften

M = Madrid, Biblioteca Universidad Complutense41, ein codex descriptus aus dem späten 13. Jh.42, enthält neben dieser Chronik auch Exzerpte aus Eusebius-Hieronymus, Prosper, Victor Tunnensis, Hydatius, Isidor und anderen Chronisten. Der Codex ist die Kopie eines älteren, heute verschol-lenen Manuskripts aus dem 8. oder 9. Jh., das sich im Kloster Alcobaça (im heutigen Portugal) befand.

Die gesamte Sulpicius Severus zugeschriebene Chronik umfasst fol. 33v–40v (der nach-hieronymianische Teil fol. 38v–40v). Nach der supputatio und der Abschlussformel folgen fol. 40v chronologische Exzerpte vor allem aus Orosius’ Septem libri adversus paganos (1,4,1–1,5,10).

S. 191

Die Chronik ist im Manuskript als fortlaufender Fließtext jeweils in zwei Kolumnen geschrieben, wobei im Gegensatz zur Gallischen Chronik von 452 auch die Herrschaftsjahre in den Fließtext geraten sind und hinsichtlich der graphischen Darstellung des Texts keine gliedernde Funktion mehr haben. Die Rubrizierung des ersten Buchstabens des Namens des neuen Kaisers bei seinem Regierungsantritt, durch den der Herrscherwechsel hätte markiert werden sollen, oder anderer wichtiger Begriffe, endet im Codex bereits fol. 33r, also vor dem Jahr 379 n. Chr., weshalb jeweils eine weiße Lücke vor dem zweiten Buchstaben des rubrizierten Worts steht, und zwar c. 1 bei Gratianus, c. 4 Valentinianus, c. 12 Theodosius, c. 15 Arcadius, c. 26 Honorius, c. 58 Valentinianus, c. 66 Marcianus, c. 69 Leo, c. 82 Zenon, aber c. 85 bei regnavit. Ein weiteres Merkmal dieses Textes ist es, im Gegensatz zu den Kardinalzahlen die ebenfalls in Ziffern ausgedrückten Ordinalzahlen, in denen die Regierungsjahre stehen, mit der auf der Zahl geschriebenen Endung -o zu schreiben (z. B. Io für primo).

Der Text weist zudem viele, in mittelalterlichen Handschriften typische, orthographische Besonderheiten auf (so wird ae mit einer Ausnahme immer e geschrieben, dazu s. u.); daneben kommt auch eine Kuriosität wie transgulatus für strangulatus (c. 11) und die Verschreibungen burdiones bzw. burgurdionibus statt burgundiones bzw. burgundionibus (c. 51 und 87) vor.

Alc. = Die oben zur Hs. M erwähnte, heute verschollene Handschrift aus dem Kloster Alcobaça (Alcobaciensis) enthielt nach dem Zeugnis des Iohannes Vasaeus, der sie neben anderen Chroniken als Quelle für seine 1552 in Salamanca publizierten Chronici rerum memorabilium Hispaniae verwendete (fol. 9r),43 dieselben Werke wie ihre Kopie M. Dass Vasaeus diesen Codex eingesehen und jeweils korrekt zitiert, steht außer Zweifel. Wenn Vasaeus aus dieser Chronik zitiert, gibt er, wie auch bei den anderen verwendeten Autoren, Severus als seine Quelle an. Zitate kommen bei ihm zwischen den fol. 79v und 90r vor und betreffen die c. 27, 31, 33, 36–38, 45, 60, 63, 65, 71–74, 78 f., 86 f. Wörtlich zitiert werden dabei ganz oder teilweise die c. 33, 37, 38, 73 f., 78 f. In diesen Fällen kann man den Text von M nicht nur hinsichtlich der Orthographie verbessern, sondern sogar die ursprüngS. 192liche Fassung der Chronik rekonstruieren (etwa c. 33 oder 38).44 Bei den anderen Kapiteln, in denen Vasaeus neben Severus auch andere Quellen (meist Hydatius) zitiert, werden Satzteile aus dieser Chronik zitiert bzw. paraphrasiert, so etwa 80v, wo zusammen mit einem Zitat aus Orosius (hist. 7,40,10) auch c. 31 dieser Chronik erwähnt wird. Vasaeus paraphrasiert Orosius’ Kapitel ziemlich frei. Bei der Periode aus der Chronik ergänzt Vasaeus provinciam nach Carthaginensem, wählt insedere statt insederunt und occupavere statt sortiti sunt, lässt dafür aber et vor pars aus. Da in diesem Fall der von M überlieferte Text in sich geschlossen ist und keine Verständnisprobleme aufweist, wird ihm der Vorzug gegeben. Dasselbe gilt auch für die Einträge 82v (c. 45), 85v (c. 60), 87r (c. 71 f.) und 90r (c. 87).

Schließlich erwähnt Vasaeus manchmal diese Chronik, um ein Ereignis gegen andere Quellen zu datieren; so setzt er 86r die Ermordung des Gotenkönigs Thorismund (c. 63) ins vierte Regierungsjahr des Marcianus, den Aufstand gegen Maximus am 70. Tag seiner Herrschaft (c. 65) oder 90r den Tod Alarichs (c. 86) ins 10. Jahr des Anastasios, was mit den Angaben in M übereinstimmt.

3. Die Editionen

Flórez hat im vierten Band seiner in zweiter Auflage 1756 (11749) in Madrid erschienenen España sagrada die erste vollständige Edition der Chronik von 511 aus der Handschrift M vorgelegt. Zwar vereinheitlicht Flórez die Orthographie und korrigiert stillschweigend viele orthographische Versehen von M, schlägt aber nur wenige – manchmal in Fußnoten begründete (etwa zu c. 15, 21, 27 und 88) – Verbesserungen, vor allem hinsichtlich von Jahreszahlen, vor.

Holder-Egger, der in seiner Dissertation als erster eine umfassende historische Studie dieser Chronik und ihrer Quellen unternommen hat, stellt S. 72–75 eine nahezu diplomatische Edition der Handschrift für die Jahre 379–511 n. Chr. her und schlägt ebenso Verbesserungen hinsichtlich einiger Zahlen (etwa c. 44, 54, 64, 83, 88) vor.

Sich an Holder-Eggers Untersuchung anschließend, hat Mommsen eine erste kritische Edition der Chronik gemacht. Neben der Vereinheitlichung der Orthographie hat er den Text an einigen Stellen verbessert (etwa c. 36,S. 193 77 und 88).45 Da Mommsen in demselben Band (Chron. min. 1,632–644) auch den ersten Teil der Epitome von Adam bis 378 n. Chr. publiziert und alle Sätze von Adam an gezählt hat, fängt dieser Abschnitt der Chronik mit c. 512 an und endet mit c. 696, was sich, da die Kapitelnummern leicht mit Jahreszahlen verwechselt werden können, in einer gesonderten Ausgabe der Gallischen Chronik von 511 als unpraktisch erweist. Hinzu kommt, dass Mommsen wie schon bei der Gallischen Chronik von 452 leere Herrschaftsjahre mit Kapitelnummern versieht, was ebenso problematisch ist.46

Die neueste Edition stammt von Burgess, der mit Ausnahme der Differenzierung von e und ae auf die Vereinheitlichung der Orthographie verzichtet und jede orthographische Variante von M im Apparat vermerkt.47 An einigen Stellen gelingt es ihm, den überlieferten Text zu verbessern (c. 16, 60, 72 und 76). Anstelle von Mommsens Kapitelzahlen, die mit 512 beginnen, setzt er eine neue Kapitelzählung bei 1 an und verzichtet auf leere Jahre. Bei der Einteilung in Kapitel folgen wir in der vorliegenden Ausgabe Burgess, setzen aber, ebenfalls wie er, die ursprünglichen Kapitelnummer von Mommsen in Klammern hinzu.

4. Bemerkungen zur Orthographie

In M kommen einige orthographische Varianten derselben Wörter vor, ohne dass dabei eine besondere Absicht erkennbar ist. Diese werden in dieser Edition in der Regel stillschweigend der in den modernen lateinischen Editionen üblichen Schreibweise angepasst und sind daher nicht im kritischen Apparat vermerkt, sondern werden in der folgenden Liste angeführt. Dabei handelt es sich durchgehend um Varianten, die das Resultat des Sprachgebrauchs und der Schreibpraxis der mittelalterlichen Kopisten sind und die wohl nicht auf den anonymen Verfasser der Chronik zurückgehen. Viele dieser Besonderheiten hat bereits Flórez in seiner Edition korrigiert, weitere hat Mommsen (v. a. bei den Namen) der gebräuchlichen Schreibung angepasst: Die wichtigsten sind:

e statt ae. Der Codex hat außer beim Namen Aëtius immer e anstelle von ae, etwa hereticus (c. 9), Gallecia (c. 38), Rome (passim) statt haereticus, Gallaecia, Romae.

S. 194

Ebenso kommt die Vertauschung von c und t vor, etwa bei Bonifacius (c. 40), Aecius und Aezius (c. 46 ff.), statt Bonifatius und Aëtius, sogar Actila (c. 47 und 60) statt Attila, auch ditione(m) statt dicione(m) (c. 55).

c wird oft ch geschrieben, insb. in Namen, etwa Archadius (c. 13 ff.), Marchianus (c. 59 ff.), aber auch primicherio (c. 43), statt Arcadius, Marcianus, primicerio.

Ebenso fehlt das h im Anlaut etwa bei Ispania (c. 27 ff.), Ugnorum (c. 60) statt Hispania, Hugnorum oder kommt parasitär als th statt t vor, etwa in B(a)ethica (c. 31 ff.), Tholosa (c. 36 ff.) statt Baetica, Tolosa, fehlt aber bei Eupronius (c. 61) statt Euphronius.

Theo- in Theodosius (c. 2 ff.) und Theodericus (c. 60 ff.) wird immer Theu- geschrieben.

Einzelne Wörter erscheinen im Codex ebenfalls in leicht veränderter Form Appollinaris (c. 9) statt Apollinaris, ebenso Eoric(h)us (c. 76), Anthim(i)us (c. 75), Geseleycus (c. 87) und Genserico (c. 53) statt Euricus, Anthe-mius, Geseleicus, Geserico.

Der germanische Laut w wird zwar in M mit w wiedergegeben, doch halten wir an der traditionellen lateinischen Schreibweise dieses Lautes mit v fest, also stets Vandali statt Wandali.

5. Sprache und Stil

Da es sich bei der Chronik von 511 vor allem um eine Kompilation aus anderen Quellen handelt, sind manche sprachliche Besonderheiten durch die Vorlagen (etwa des Hydatius) bedingt.48

Für das Spätlatein typisch und noch stärker sichtbar als in der Chronik von 452 ist das allmähliche Schwinden des Lokativs49 (z. B. Sirmi c. 2, Mediolani c. 14, Romae c. 54 und 57) zugunsten des bloßen Ablativs (Aquileia c. 7, Ravenna c. 39 und 41, Dertona c. 72; Tolosa c. 74 und 83, Arelate c. 83), wobei neben Städten auch Länder ohne Präposition sowohl bei der Angabe des Orts im Ablativ (z. B. Baetica c. 35, Italia c. 80) als auch der Richtung im Akkusativ (z. B. Italiam c. 6, Arelate c. 76) stehen können. Ebenso kann für den Lokativ auch eine Präposition wie apud (c. 11) oder per (c. 78) + Akk. oder sogar der bloße Akkusativ treten, so etwa Constantinopolim c. 56 und 59, wo Hydatius die Vorlage war (dagegen aber Constantinopoli c. 69).

S. 195

Im Allgemeinen zeichnet sich diese Chronik durch Kürze und Kompaktheit des Ausdrucks aus. Dies zeigt sich vor allem in der Vorliebe für – oft auch komplexe – Partizipialkonstruktionen anstelle von oder zusammen mit Nebensätzen (etwa c. 36, 37). Diese werden nicht nur einander bei-, sondern manchmal auch untergeordnet, was seit Caesar besonders für den Stil der Historiker typisch ist.50 So kann sogar ein Ablativus absolutus einem anderen bei- bzw. untergeordnet werden (so etwa c. 36 iubente Constantio intermisso bello oder c. 38 omissa Suevorum obsidione relicta Gallaecia und besonders c. 45 eversa Carthagine Spartaria et Hispali, depraedata Spania, arreptis navibus Mauritaniam petunt rege Geserico. Einmal kommt auch ein Nominativus absolutus vor (c. 71).

Ebenso häufig ist die Ellipse von esse beim Partizip Perfekt (etwa natus c. 17, passus c. 22, ingressus und capta c. 28, occisus c. 43 und 63, adeptus c. 65), einem Substantiv (c. 29 und 47 rex, c. 54 episcopus c. 65 imperator, wo aber auch fit ausgelassen worden sein kann) und einmal beim Partizip Präsens (pendens c. 10).51 Aber auch andere Verben können als Prädikate fehlen (etwa regnat c. 1 und scribit c. 9).

Ein weiteres Merkmal dieser Chronik ist, wie schon Burgess bemerkt hat,52 der im Spätlatein häufige Gebrauch von präsentischen participia coniuncta (etwa fugiens c. 6, praeficiens oder properans in c. 13) zum Ausdruck der Vorzeitigkeit.53

Eine weiteres Charakteristikum dieser Chronik ist die Verwendung immer derselben Begriffe, die einem neutralen Sprachregister angehören, und der äußerst sparsame Einsatz von Elementen, welche die emotionale Anteilnahme des Chronisten offenbaren. Dazu gehören unpersönliche und passive Ausdrucksweisen sowie der Gebrauch immer der gleichen Verben: so wird etwa der natürliche Tod meist mit mori (c. 8, 29, 39, 41, 45, 82) und obire (c. 14, 16, 24, 37, 56, 57, 67, 75), der gewaltsame mit occidere (c. 3, 7, 33, 43, 60, 63, 64, 65, 68, 72, 73, 74, 76, 80, 84, 86), die Einnahme einer Stadt oder eines Gebiets mit (einer meist passiven Form von) capere (c. 45, 53, 71, 81, 87) bzw. (aus der Perspektive des Eroberers) mit obtinere (c. 78, 79), der feindliche Einfall mit ingredi (c. 18, 23, 24, 27, 28, 32, 65, 71, 84) ausgedrückt. Nur selten werden bildliche Ausdrücke wie rumpere (c. 18) fürS. 196 Alpes (wie in der Poesie) oder frangere für die Verwüstung einer Stadt (c. 62) gewählt.

Im Gegensatz zur Gallischen Chronik von 452 ist der Wille zur stilistischen und rhetorischen Gestaltung des Textes seitens des Chronisten bzw. Exzerptors viel weniger sichtbar. Nur selten werden stärkere Ausdrücke gewählt, etwa exstinguere „auslöschen“ (23 und 35), wo die Ausrottung eines ganzen Stammes berichtet wird. Die Todesart des Valentinianus wird mit strangulare „erwürgen“ (c. 11) und dem Zusatz dolo („infolge die Hinterlist“, ebenso per fraudem c. 3) spezifiziert. Selten werden qualifizierende Attribute oder bildliche Ausdrücke eingesetzt. Während etwa in der Chronik von 452 das Zeichen am Himmel als terribile (c. 26) bezeichnet wird, fehlt in dieser Chronik jegliches Attribut (c. 10). Hingegen wird Apollinaris mit der negativen, attributiven Bezeichnung haereticus („Häretiker“) versehen (c. 9). Der Superlativ maxima (c. 87), welcher die Größe der Niederlage des Gesalech betont, bildet eine Ausnahme. Ebenfalls emphatisch ist der Ausdruck ad Romanum solum advocare „auf römisches Gebiet rufen“ (c. 46), während mit der sonst kaum belegten bildlichen Wendung sine igne et ferro (c. 65) die besonderen Umstände der Plünderung Roms bezeichnet werden. Eine der seltenen komplexen, allerdings aus Hydatius (c. 89) übernommenen, Satzstrukturen mit Nebensatz und der bildlichen Ausdrucksweise dum impias manus in ecclesiam vellet extendere sowie mit der Angabe der Todesursache daemone correptus mortuus est findet man c. 45. Die Angabe der Gemütsstimmung der Akteure oder der Motive, die zur Handlung führen, erfolgt nur selten mit Partizipien wie videns (c. 14), volens (c. 71) oder mit Nebensätzen (c. 45, s. o.).


1   Burgess, Ausgabe (511) 86 weist zwar auf quantitative und qualitative Unterschiede in der Berichterstattung vor und nach 455 hin, kommt aber zu dem plausiblen Schluss, dass diese Unterschiede eher auf verschiedene Quellen als auf unterschiedliche Bearbeiter zurückgehen dürften. Das Schlussdatum der Chronik 511 ergibt sich aus der eindeutigen Konsuldatierung in c. 88 (Felicis et Secundini).

2  ab era usque in nostris temporibus, in quo est era DCCLXXI. Mit Burgess, Ausgabe (511) 85 stelle dieses Jahr auch den Zeitpunkt der Kompilation dar. Für eine zeitnah nach 511 erfolgte Zusammenstellung jedoch: Kap. IV.1.

3  Zur Identifizierung mit Sulpicius Severus im Manuskript: Burgess, Ausgabe (511) 85. Sulpicius Severus war aber spätestens 425 gestorben. Die katholische Abkunft des Kompilators ergibt sich aus den wenigen Stellen, in denen die Chronik Ereignisse der katholischen Kirche verzeichnet: Tod des sanctus Martinus episcopus (c. 16), Pontifikat Leos (c. 54), Bestattung des Euphronius von Autun (c. 61). Daneben wird der Arianismus in c. 5 als häretisch klassifiziert.

4  Mommsen, Chron. min. 1,627 f., gefolgt u. a. von Seeck, Chronica Gallica 2460; Scharf, Gallische Chronik 40 f.; Wood, End of Roman Britain 18. Der heute gängige Name der Chronik geht also gegen Burgess, Ausgabe (511) 87 nicht in erster Linie auf die Lokalisierung des Abfassungsortes durch Holder-Egger zurück. Vorsichtige Zweifel an Mommsens Annahme meldet Muhlberger, Chroniclers 191 f. an.

5  Zu den Quellen der Chronik grundsätzlich Kap. II.2.

6  Burgess, Ausgabe (511) 87 f. in seiner Zurückweisung einer spanischen Lokalisierung durch Gillett, Accession 36–8. Zur klassischen Lokalisierung in Arles oder auch Marseille: Holder-Egger, Weltchronik 46–8; Mommsen, Chron. min. 1,628 (gestützt auf c. 81).

7  Muhlberger, Chroniclers 143 f. zeigt, dass die Chronik von 452 bis zum Amtsantritt Marcians 76 Jahre verzeichnet, Hydatius 68 Jahre und die Chronik von 511 71. Vgl. auch Burgess, Ausgabe (511) 88–91.

8  Dies gilt zumindest bis Valentinian III. und Marcian. In der Folge ergibt sich das Problem nicht mehr, da die Datierung nun ausschließlich auf östlichen Kaisern aufbaut. Sowohl bei der Chronik von 452 als auch bei Hydatius wird ein klares Vorgehen zur Identifizierung chronologisch relevanter augusti im System der Mehrkaiserherrschaft nicht konsequent durchgehalten. Eine konsequente Zählung nach seniores augusti verwendet hingegen Prosper, der seine Chronologie jedoch nicht auf dieser aufbaut.

9  Zur Genauigkeit und Herkunft der Angaben vgl. Burgess, Ausgabe (511) 90.

10  Welche Abweichungen sich im Einzelnen ergeben, listet Burgess, Ausgabe (511) 89 auf. Seine Liste baut auf der Annahme auf, dass das erste vollständige Kalenderjahr in der Herrschaft als jeweils erstes Herrschaftsjahr eines Kaisers zu gelten habe (Burgess, Ausgabe [511] 89 Anm. 13). Bezüglich der chronologischen Ansetzung von Einzelereignissen ist der alles in allem positiven Einschätzung durch Holder-Egger, Weltchronik 33 zuzustimmen.

11  Aufbauend auf den Bericht über die Tricennalien (c. 41) dürfte die Chronik auf eine auf dreißig Jahre addierte Herrschaftsdauer von Arcadius (XII) und Honorius (XVIII) gekommen sein. Faktisch herrschten beide nach dem Tod des Theodosius I. nur 28 (Zählung von 396) bzw. 29 Jahre (Zählung von 395). Der Fehler wird durch die Zählung des Theodosius II. von 426 an – korrekt wäre 424 – ausgeglichen. Vgl. Komm. zu c. 44.

12  Holder-Egger, Weltchronik 25. Zu den Quellen: Mommsen, Chron. min. 1,626–8.

13  Mit Burgess, Ausgabe (511) 86 Anm. 2 f. stammen aus Hydatius c. 17. 22. 24. 27–29. 31–41. 43–45. 49. 51. 53. 56 f. 61. Mit Informationen der Chronik von 452 stimmen überein c. 1. 5 f. 8–10. 16. 19 f. 22. 25. 42 f. 46 f. 51–55. 62. Der hist. Komm. wird dort, wo die Chronik von 511 analoge Informationen zur Chronik von 452 liefert, für die Klärung ereignisgeschichtlicher Zusammenhänge jeweils auf den Kommentar zur entsprechenden Stelle im älteren Text verweisen. Angesichts der Textentstehung wäre es selbstverständlich konsequent, mit den aus Hydatius schöpfenden analog zu verfahren. Dessen Chronik liegt aber in der Edition der KFHist als G 9 noch nicht vor. Diese ist für das Jahr 2017 vorgesehen.

14  Mommsen, Chron. min. 1,628. Der Abbruch der Übereinstimmungen zur Chronik von 452 ist zwangsläufig. Der Abbruch der Übernahmen aus Hydatius nach c. 61 führt Burgess, Ausgabe (511) 86 Anm. 2 zu der Vermutung, der Kompilator könnte ein unvollständiges Manuskript der Hydatius-Chronik benutzt haben.

15  Burgess, Ausgabe (511) 87; Muhlberger, Chroniclers 143. Das offensichtliche Vorhandensein von solchem Material unbekannter Herkunft macht mit Muhlberger auch die Annahme einer verlorenen Chronik von 450 als Basis der Übereinstimmungen zur Chronik von 452 angreifbar, erklärt Mommsen die zusätzlichen Details doch mit einer ungleichmäßigen Kürzung des Ursprungsmaterials durch die beiden Folgechroniken.

16  Identifizierung von Quellen mit Burgess, Ausgabe (511) 86 f. Anm. 2. 4–6: Orosius in c. 2. 7. 11. 24 f. 30. 34; Marius von Avenches in c. 71–74; Isidor von Sevilla (tlw. Chronica Caesaraugustana) in c. 78. 81. 83 f. 86 f.; Fastentradition in c. 2 f. 7. 10 f. 17 f. 21. 23. 48. 50. 53. 60. 62. 65. 72. 75. 77.

17  Burgess, Ausgabe (511) 86 f. Insbesondere die Hinweise auf Arles in c. 63. 71 f. 76. 81 und 83 würden dafür sprechen, dass ein Großteil des Materials von c. 60–63 und 71–83 aus dieser Quelle stammt.

18  Insbesondere der Eintrag zum Tod Valentinians III. und zur Herrschaft des Petronius Maximus in c. 65 weist auffällige Parallelen zu Prosp. chron. 1375 auf. Mommsen, Chron. min. 1,627 f. und Holder-Egger, Weltchronik 35 weisen daneben auf den Radagaisus-Einfall in c. 23 hin.

19  Holder-Egger, Weltchronik 7. Positiver mag das Urteil ausfallen, wenn man ein historiographisches Interesse an die Chronik heranträgt; dann erweist sich ihr rein kompilatorischer Charakter sogar als Gewinn.

20  Es waren lange Zeit ja gerade Fragen des Bekenntnisses, die die germanischen Völker überhaupt von der romanischen Bevölkerung unterschieden. Im Fall der Chronik von 452 war diese dogmatische Differenz sogar einer der maßgeblichen Faktoren für das negative Barbarenbild. Dieser Gegensatz war aber im sechsten Jahrhundert mit der Katholisierung von Burgunden, Franken und Westgoten deutlich in den Hintergrund getreten.

21  Vgl. Burgess, Ausgabe (511) 86, der nur drei eigenständige Beschäftigungen mit der Chronik aufzählen kann, inklusive der Einleitung Mommsens zu seiner Edition.

22  Dabei bieten c. 5 (Arianismus der Justina) und c. 10 (Himmelszeichen als Vorausdeutung auf den Tod Valentinians II.) sogar Anknüpfungspunkte zu den ohnehin in der Überzahl befindlichen dynastischen Informationen. Als solche mögen hier gelten: c. 1–4. 6–8. 11–14.

23  Römisch-dynastische Einträge dieser Phase: c. 15. 17. 21. 25 f. 34. 39. 41. Hinzu kommen mit c. 42 f. zwei Einträge, die zeitlich in das Interregnum des Usurpators Johannes eingeordnet werden, sowie der ebenfalls die römische Seite betreffende Eintrag c. 40, der jedoch keine dynastischen Anknüpfungspunkte bietet. Die Erwähnung Placidias in c. 28 und 32 sowie diejenige des Stilicho und des Constantius in c. 23. 30. 33 und 36 gehören thematisch zur Geschichte der barbarischen Völker. Kirchliche Einträge: c. 16 (Martinus). c. 19 (Augustinus). c. 20 (Sulpicius Severus). Himmelszeichen: c. 22.

24  Es sind dies die Einträge c. 18. 23 f. 27–33. 35–38.

25  Es handelt sich um die in c. 34 berichtete Hochzeit von Placidia und Constantius. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass jegliche Hinweise auf die maßgeblich für die römische Seite wichtigen Herausforderungen der 410er Jahre fehlen, nämlich die Usurpationen des Konstantin III. und des Jovinus. Erst ab Honorius XIV (c. 39) kommt es zu einer Rückkehr zu den dynastischen Verhältnissen im Römischen Reich.

26  An diesem Punkt ist der Befund nicht allein durch die Quellen des Kompilators zu erklären. Gerade die Chronik von 452 nimmt eine solche Schwerpunktsetzung ja nicht vor. In der Auswahl kommt also tatsächlich ein Interesse der Chronik von 511 zum Vorschein.

27  Eine über jeden Zweifel erhabene Aufteilung wird aufgrund der zahlreichen Kontakte beider Sphären zueinander zunehmend schwierig; im Einzelfall kann es daher auch zu geringfügigen Verschiebungen der Verhältnisse kommen. „Römische“ Einträge: c. 44. 46. 48. 50. 52 f. 56–59. 65 (hinzu kommen die kirchlichen Hinweise auf Papst Leo [c. 54] und Euphronius von Autun [c. 61]). „Germanische“ Einträge: c. 45. 47. 49. 51. 53. 55. 60. 62 f.

28  c. 66–72.

29  Majorian (c. 70) und Anthemius (c. 75) „in Rom“, Leo (c. 69) „in Konstantinopel“. Diese Lokalisierungen finden sich bereits in c. 58 f. für Valentinian III. und Marcian – übrigens ein Indiz dafür, dass der Bericht nicht auf mehrere Bearbeiter zurückgeht (vgl. Kap. I).

30  Anthemius: c. 75–77. Burgess, Ausgabe (511) 89 möchte sich nicht entscheiden, ob das Fehlen späterer Kaiser auf mangelnden Informationen in den Quellen des Kompilators beruht oder auf einer bewussten Auslassung.

31  Da Gundobad in römischen Diensten stand, 472 sogar zum magister militum avancierte und erst später ins Burgundenreich zurückkehrte, wo er König wurde, wäre auch nicht ersichtlich, welchen heuristischen Wert eine Bezeichnung seiner Herkunft überhaupt hätte. Zu den Fragen der Karriere des Vincentius vgl. Komm. zu c. 79. 80.

32  Vgl. c. 86 f. Darüber hinaus berichtet die Chronik hier nur noch vom westgotischen Herrschaftsübergang von Eurich auf Alarich (c. 83) und von der Eroberung Italiens durch den Ostgoten Theoderich (c. 84).

33  Als KFHist G 6 Teil des vorliegenden Editionsprojekts.

34  Vgl. zu Sulpicius Severus: Eigler, Sulpicius.

35  So Holder-Egger, Weltchronik 48 f.

36  So Mommsen, Chron. min. 1,626.

37  So Burgess, Ausgabe (511) 85.

38  So Burgess, Ausgabe (511) 86.

39  Dieser Teil ist ediert in Flórez, España sagrada 431–448 und Mommsen, Chron. min. 1,632–44.

40 Diese Möglichkeiten erwägt auch Burgess, Ausgabe (511) 86, aber nur für den Teil ab 379 n. Chr.: „The obvious differences in content and coverage between various parts of the Chron. Gall. 511, particularly pre- and post- ca. 455, could be the result of two or more compilers’ each adding to their predecessors’ work and concluding finally 511, or simply of different sources and used by one compiler in 511; one cannot tell, although the latter hypothesis seems preferable.“

41  Da der Codex aus dieser Bibliothek stammt, hat ihm Mommsen die Sigle C gegeben.

42  Zur Beschreibung und Datierung des Codex vgl. Flórez, España sagrada 419; Zangemeister, Weltchronik 323; Burgess, Ausgabe (511) 85.

43  Dort zählt Vasaeus das Werk des Severus Sulpitius, qui Chronicon scripsit usque ad aeram quingentesimam quadragesimam septimam (= d. h. 509 n. Chr.), & vitam Martini als eine seiner Quellen auf.

44  Weniger zuversichtlich hinsichtlich ihres Nutzens sind Mommsen, Chron. min. 1,626, der auf die paraphrasierende Wiedergabe verbis tamen passim mutatis hinweist, und aus demselben Grund Burgess, Ausgabe (511) 91.

45  So erwähnt Mommsen, Chron. min 1,628, dass die Vertauschung von c und t, von i und y, die Verdoppelung von Buchstaben und die Verschreibung von Namen ohne Angabe im Apparat verbessert werden.

46  Vgl. dazu Einl. Chron. Gall. (452) Kap. IV.3 f.

47  Burgess, Ausgabe (511) 91 f.

48  Darauf weist Holder-Egger, Weltchronik 48 hin, für den hinsichtlich der Sprache „die Chronik … ebenso gut aus dem 8., als aus dem 6. Jh. sein“ kann.

49  Vgl. dazu die grundlegende Arbeit von Funaioli, Lokativ 301–372.

50  Vgl. dazu K.-St. 1,782 f.

51  Dies kommt häufig auch bei Orosius vor, vgl. Svennung, Orosiana 84–86.

52  So Burgess, Ausgabe (511) 91.

53  Vgl. H.-Sz. 387: „Das Spätlatein findet in dem Part. Praes. ein bequemes Mittel, das fehlende Part. Perf. Akt. zu ersetzen.“ Vgl. aber auch jeweils Komm. z. St.

Erklärung der Siglen, Zeichen und Abkürzungen in Text und Apparat

M cod. Matritensis complutensis 135., 13. Jh.
Alc cod. Alcobacensis, 8./9. Jh. (?), von Johannes Vasaeus in seinen Chronici rerum memorabilium Hispaniae zitiert
{aaa} vom Editor getilgte Buchstaben
⟨aaa〉 vom Editor hinzugefügte Buchstaben
(aaa) vom Editor aufgelöste Abkürzungen
⟦aaa⟧ vom Schreiber oder anderer Hand getilgte Buchstaben
ạạạ unsicher erhaltene Buchstaben
[aaa] vom Editor in einer Lücke ergänzte Buchstaben
.... unleserliche Reste von Buchstaben
[ ̣ ̣ ̣] Zahl der in einer Lücke verlorengegangenen Buchstaben
* vom Schreiber freigelassener Raum im Umfang eines Buch-stabens
Aa.c. Lesart in A vor der Korrektur (ante correctionem)
Ap.c. Lesart in A nach der Korrektur (post correctionem)
Acorr. korrigierte Lesart in A (was vorher in A stand, ist unklar)
Amarg. Lesart am Rand (in margine) von A
add. addidit vel addiderunt
cf. confer
corr. correxit vel correctus, -a, -um
del. delevit
dub. dubitanter
eras. erasus, -a, -um
fort. fortasse
in marg. in margine
in ras. in rasura
om. omisit vel omiserunt
sq., sqq. sequens, -tes
transpos. transposuit vel transposuerunt
ut vid. ut videtur
v. versus, -us

(1 [512]) Gratianus post obitum patrui ann. V cum Valentiniano parvo

[ . ]ratianus M

V Ma.c. : X Mp.c.

Valentiniano Flórez : valentino M

fratre.


1 [ . ]ratianus M1 V Ma.c. : X Mp.c.1 Valentiniano Flórez : valentino M

(2 [513]) Io. Gratianus Theodosium filium Theodosii comitis electum

Sirmi Orientis praefecit imperio.

Sirmi Flórez : sirini M | imperio Flórez : imperium M

imperio Flórez : imperium M


4 Sirmi Flórez : sirini M4 imperio Flórez : imperium M

5 (3 [517]) Vo. occisus est Gratianus per fraudem Maximi tyranni Lug-

duno, quo fugerat, Andragasio duce.

Andragasio Burgess : Andra­gaiso M

6 Andragasio Burgess : Andra­gaiso M

(4 [518]) Valentinianus iunior post fratrem cum Theodosio ann. VIII.

[ . ]alentinianus M

7 [ . ]alentinianus M

(5 [519]) Io. Ambrosium Iustina Valentiniani mater pro Arriana hae-

rese oppugnat.

10 (6 [522]) IIIIo. Valentinianus ad Theodosium fugiens cum ipso ab

IV M : III Flórez

Oriente Italiam rediit.


10 IV M : III Flórez

(7 [523]) Vo. occisus est Maximus tyrannus Aquileia.

(8 [524]) Iustina mater Valentiniani mortua est.

(9 [525]) Apollinaris qui supra haereticus de anima Christi.

15 (10 [528]) VIIIo. signum in caelo columna pendens per dies XXX.

columna Flórez : columnam M

15 columna Flórez : columnam M

(11 [529]) Valentinianus apud Viennam strangulatus dolo Arbogastis

strangulatus Flórez : transgulatus M

Arbogastis Flórez : arbogastus M

comitis. Eugenius fit tyrannus.


16 strangulatus Flórez : transgulatus M16 Arbogastis Flórez : arbogastus M

(12 [530]) Theodosius post Valentinianum annis tribus.

[ .]heo­do­sius M

18 [ .]heo­do­sius M

(13 [532]) IIo. Theodosius Arcadium filium suum Orienti praeficiens

20contra Eugenium properans vicit.

(14 [533]) IIIo. Theodosius videns se in extremis Honorium alterum

filium Occidenti praefecit; ipse vero Mediolani obiit.

(15 [534]) Arcadius Orienti et Honorius Occidenti simul ann. XII.

[ . ]rchadius M

23 [ . ]rchadius M



24 ante obiit lacunam statuit Burgess, qui vel I vel II vel III add.

(17 [539]) IIIIo. natus Arcadio in Oriente filius Theodosius iunior.

III. Flórez

III. Flórez

(18 [540]) Vo. Alaricus rex Gothorum Alpes Iulias rumpens Italiam

Iulias Flórez : iulia Ma.c. : uilia Mp.c.

ingreditur.


26 Iulias Flórez : iulia Ma.c. : uilia Mp.c.

5 (19 [541]) VIo. sanctus Augustinus plurima scribit.

(20 [542]) Severus vitam sancti Martini scribit.

(21 [543]) VIIo. Theodosius iunior Augustus factus est.

VIII Flórez

VIII Flórez

(22 [544]) sol eclipsim passus.

(23 [546]) IXo. Radagaisus rex Gothorum Italiam ingressus in Tuscia

10ab Stilicone cum suis extinguitur.

Stilicone Flórez : Stelicone M

10 Stilicone Flórez : Stelicone M

(24 [547]) Xo. Alani et Vandali et Suevi Gallias ingressi sunt.

(25 [549]) XIIo. obiit Arcadius parvo filio Theodosio Orientis impe-

rium relinquens.

relinquens Flórez : derelinquens M

36 relinquens Flórez : derelinquens M

(26 [550]) Honorius post fratrem cum Theodosio iuniore nepote suo

[ . ]onorius M

15ann. XVIII.


37 [ . ]onorius M

(27 [552]) IIo. Alani, Vandali et Suevi Hispanias ingressi era

CCCCXLVII.

CCCCXLVII Alc : CCCCXLVI M

CCCCXLVII Alc : CCCCXLVI M

(28 [553]) IIIo. Alaricus Romam ingressus, capta Placidia.

(29 [554]) mortuo Alarico Ataulfus rex Gothorum.

20 (30 [555]) ante biennium inruptionis Romae excitatae gentes ab Sti-

ante Flórez : ann(um) M

licone et filio eius Eucherio.

Eucherio Flórez : eucherico M

20 ante Flórez : ann(um) M44 Eucherio Flórez : eucherico M

(31 [557]) Vo. Alani Carthaginensem et Lusitaniam sortiuntur. et

Carthaginiensem Mommsen

pars Vandalorum, qui Silingi dicebantur, Baeticam insederunt. re­li-

qui vero Vandali cum Suevis Gallaeciam sortiti sunt.


Carthaginiensem Mommsen


(32 [559]) VIIo. Gothi Narbonam ingressi, ubi Ataulfus Placidiam

ubi M : IX Flórez

duxit uxorem.


48 ubi M : IX Flórez

(33 [562]) Xo. occiso Ataulfo apud Barcinonam Valia regnat Gothis.

qui mox pace cum Constantio patricio facta Alanis et Vandalis, qui

Constantio Flórez : constantino M

patricio Flórez : patricia M

Alanis  –  infert adest Alc

5Lusitaniam et Baeticam tenebant, bellum infert.

tenebant Alc : tenebat M

51 Constantio Flórez : constantino M51 patricio Flórez : patricia M51 Alanis  –  infert adest Alc5 tenebant Alc : tenebat M

(34 [563]) XIo. Constantinus patricius redditam Placidiam duxit uxo-

rem.

(35 [564]) Valia extinguit Alanos cum rege eorum Addace et Si-

linguos, qui erant Baetica Vandali.

post Baetica graviter interpunxit M

56 post Baetica graviter interpunxit M

10 (36 [565]) iubente Constantio intermisso bello, quod intra Gallae-

Constantio Flórez : constantino M

ciam supererat, reversi Gothi ad Gallias sedes accipiunt a Tolosa in

suscepererant dub. Mommsen

Burdegalam ad oceanum versus.

versus Mommsen : versi M : usque Flórez

10 Constantio Flórez : constantino M58 suscepererant dub. Mommsen59 versus Mommsen : versi M : usque Flórez

(37 [567]) XIIIo. inter Gundericum, qui Vandalis, et Hermericum,

qui Suevis regnabant, dissensione orta Suevi a Vandalis in Erbaso-

dissensione  –  obsidentur adest Alc

in Erbaso­rum Alc : merbasorum M

15rum montibus obsidentur.


61 dissensione  –  obsidentur adest Alc61 in Erbaso­rum Alc : merbasorum M

(38 [568]) XIIIIo. Vandali omissa Suevorum obsidione relicta

Vandali  –  transierunt adest Alc

Gallaecia in Baeticam transierunt.

in Alc : ad Burgess : om. M

63 Vandali  –  transierunt adest Alc64 in Alc : ad Burgess : om. M

(39 [569–70]) Valentinianus nascitur Ravenna et Constantius in con-

sortium regni assumitur et post mensem sextum moritur.

20 (40 [571]) Bonifatius Africam invadit.

(41 [575–76]) XVIIIo. Honorius actis tricennalibus suis moritur Ra-

tricennalibus Flórez : tricennabulis M

venna.


68 tricennalibus Flórez : tricennabulis M

(42 [577]) Placidia in insidiis a fratribus deprehensa exiliatur.

(43 [578]) Iohannes ex primicerio notariorum arripit tyrannidem.

25post annum occisus.


(44 [579]) Theodosius post Honorium patruum suum cum Valentiniano

amitae filio regnat ann. XXV.

XXV Holder-Egger : XXX M

74 XXV Holder-Egger : XXX M

(45 [584]) Vo. Vandali Balearicas insulas praedantur et eversa

Carthagine Spartaria et Hispali, depraedata Spania arreptis navibus

5Mauritaniam petunt rege Geserico. nam Gundericus frater ipsius,

dum capta Hispali impias manus in ecclesiam vellet extendere, dae-

mone correptus mortuus est.

(46 [587]) VIIIo. Aëtius magister militum Hugnos in auxilium suum

ad Romanum advocat solum, quibus rex erat tunc Ruga.

10 (46 [588]) sed Aëtius in gratiam redit imperii.

(47 [589]) defuncto Ruga Attila rex.

(48 [593]) XIIo. Valentinianus Orientem vadit uxorem accepturus.

(49 [594]) Narbona a Gothis obsessa.

(50 [595]) XIIIo. Valentinianus redit.

15 (51 [596]) Burgundiones victi ab Aëtio patricio.

Burgundiones Flórez : burdiones M

15 Burgundiones Flórez : burdiones M

(52 [597]) Theodosianus liber legum editus.

(53 [598–99]) XIIIIo. Carthago capta a Ge­serico et Eudoxia Ravenna

Ge­serico Mommsen : genserico M

Eudoxia Flórez : eudaxia M

regnum accepit.


89 Ge­serico Mommsen : genserico M 89 Eudoxia Flórez : eudaxia M

(54 [600]) episcopus Romae XL Leo.

XL Hol­der-Egger : X M

91 XL Hol­der-Egger : X M

20 (55 [602]) XVIo. Britanniae a Romanis amissae in dicionem Sa­xo-

in dicionem Mommsen duce Flórez, qui inditione (M) distinxerat

Sa­xo­num Flórez : saxorum M

num cedunt.


20 in dicionem Mommsen duce Flórez, qui inditione (M) distinxerat20 Sa­xo­num Flórez : saxorum M

(56 [611]) XXVo. obiit Theodosius iunior Constantinopolim.

Constantinopoli Flórez

94 Constantinopoli Flórez

(57 [612]) obiit Placidia Romae.

(58 [613]) Valentinianus post Theodosium patruum suum regnavit Ro-

[ . ]a­lentinianus M

25mae annos alios V.


96 [ . ]a­lentinianus M

(59 [614]) Marcianus post Theodosium Constantinopolim regnat.

Constantinopoli Flórez

98 Constantinopoli Flórez


(60 [615]) Io. {anno} Aëtius patricius cum Theoderico rege Gotho-

anno del. Mommsen

rum contra Attilam regem Hugnorum Tricassis pugnat loco Mau-

Tricassis Mommsen : tricasis M | Mauriaco Burgess

Mauriaco Burgess

riacos, ubi Theodericus occisus (a quo incertum est), et Laudaricus

occisus a quo Scardino : a quo occisus M

cognatus Attilae. cadavera vero innumera.


99 anno del. Mommsen Tricassis Mommsen : tricasis M Mauriaco Burgess101 occisus a quo Scardino : a quo occisus M

5 (61 [616]) Euphronius episcopus Augustiduno sepelitur.

(62 [617–18]) Regrediens Attila Aquileiam frangit, qui et antea plus

LXX civitates Orientis vastavit.

(63 [621]) IIIIo. Thurismundus rex Gothorum Arelatem circum-

III. Flórez

spectat, qui a fratribus suis occisus.

post occisus add. est Holder-Egger

106 III. Flórez107 post occisus add. est Holder-Egger

10 (64 [622]) {ab} Attila occiditur.

ab del. Holder-Egger

10 ab del. Holder-Egger

(65 [623]) Vo. Valentinianus interficitur foris Romae. post quem

Maximus diebus LXX adeptus imperium. nam terrore Vandalorum

septuagesimo imperii die Alc

tumultu vulgi occisus est, et mox ingresso Geserico sine ferro et igne

Roma praedata est. et post Avitus imperator.


septuagesimo imperii die Alc111 Geserico Mommsen : genserico M : giserici Alc

15 (66 [624]) Marcianus post quinque annos, quibus cum Valentiniano

[ . ]archianus M :

quinque annos Flórez : quintum annum M

regnavit, aliis annis II.


15 [ . ]archianus M : 15 quinque annos Flórez : quintum annum M

(67 [625]) Avitus cum eo anno Io et ms. III.

annum Flórez

ms. M : m. Mommsen : menses Flórez : mensibus Burgess


annum Flórez ms. M : m. Mommsen : menses Flórez : mensibus Burgess

(68 [627–28]) IIo. Marcianus obiit et Avitus occisus est a Maioriano

Martinianus Flórez

comite domesticorum Placentiae.

domesticorum Mommsen : domestico M

116 Martinianus Flórez 117 domesticorum Mommsen : domestico M

20 (69 [629]) Leo Constantinopoli ann. XXI.

[ . ]leo M

20 [ . ]leo M

(70 [630]) Maiorianus Romae cum Leone regnat ann. III ms. VI.

regnat Flórez : regna M : regnavit Mommsen

ann. M : anni (sic) Holder-Egger


119 regnat Flórez : regna M : regnavit Mommsen119 ann. M : anni (sic) Holder-Egger119

(71 [633–34]) IIIo. Maiorianus ingressus Arelatem. qui volens Afri-

cam proficisci naves eius in Hispaniis a Vandalis captae sunt iuxta

Carthaginem Spartariam.


Afri­cam Flórez : affram M


(72 [635–36]) profectus autem ex Arelate ad Italiam a patricio

ante profectus IIII add. Burgess | a add. Flórez

a add. Flórez

Recimere occiditur Dertona et levatus est Severus de Lucaniis


123 ante profectus IIII add. Burgess123 a add. Flórez post consul gravius interpunxit et ann. delevit novum versum a IIII (i.e. quarto anno regni Leonis) incohans Mommsen

(73 [638]) Vo. Fredericus frater Theuderici regis pugnans cum

Fredericus Flórez : Eredicus Alc M

Fredericus  –  Ligerim adest Alc


126 Fredericus Flórez : Eredicus Alc M126 Fredericus  –  Ligerim adest Alc5 post Ligerim add. Galliae Celticae fluvium Alc vel potius Vasaeus

(74 [643]) Xo. Theodericus rex Gothorum ab Eurico fratre suo

Theodericus  –  Tolosa adest Alc

Tolosa occiditur.


128 Theodericus  –  Tolosa adest Alc

(75 [644–45]) obiit Severus imperator et levatus est Anthemius Ro-

mae ann. V.

10 (76 [649]) XIIIIo. Antimolus a patre Anthemio imperatore cum

Thorisario, Everdingo et Hermiano comite stabuli Arelate directus

comite Burgess : comes M

Arelate M : an Arelatem?

est. quibus rex Euricus trans Rhodanum occurrit occisisque ducibus

omnia vastavit.


133 comite Burgess : comes M133 Arelate M : an Arelatem?

(77 [650]) XVo. Anthemius imperator acto intra urbem civili bello a

a Ricimere Flórez : arricimere M

15Ricimere genero suo vel Gundebado extinctus est.

genero suo Mommsen : genere suo M : del. Holder-Egger

136 a Ricimere Flórez : arricimere M15 genero suo Mommsen : genere suo M : del. Holder-Egger

(78 [651]) XVIo. Gauterit comes Gothorum Hispanias per Pampi-

Gauderit Alc

Gauterit  –  obtinuit adest Alc

Pampi­lonem Flórez : Papilonem M

lonem, Caesaraugustam et vicinas urbes obtinuit.


138 Gauderit Alc138 Gauterit  –  obtinuit adest Alc138 Pampi­lonem Flórez : Papilonem M

(79 [652]) Heldefredus quoque cum Vincentio Hispaniarum duce

Heldefredus  –  Terracona adest Alc

obsessa Terracona maritimas urbes obtinuit.


Heldefredus  –  Terracona adest Alc

20 (80 [653]) Vincentius vero ab Eurico rege quasi magister militum

missus ab Alla et Sindila comitibus Italia occiditur.

(81 [657]) XXo. Arelas capta est ab Eurico cum Massilia et ceteris

Arelas Scardino : arelato M : Arelate Mommsen

castellis.


144 Arelas Scardino : arelato M : Arelate Mommsen

(82 [659]) Zenon Augustus ann. XIII.

[ . ]enon M : Zeno Flórez | XIII in ras. M

XIII in ras. M


146 [ . ]enon M : Zeno Flórez146 XIII in ras. M


(83 [666]) VIIo. mortuus est Euricus Arelate et ordinatur filius suus

ordinatur Holder-Egger : ordinate M

Alaricus Tolosa.


147 ordinatur Holder-Egger : ordinate M

(84 [670]) XIo. Theodericus expulsus a Zenone imperatore ingressus

Italiam fugato Unulfo et occiso Odofagro.

5(85 [673]) regnavit Anastasius Augustus ann. XIX.

[ . ]egnavit M

5 [ . ]egnavit M

(86 [688]) XVo. occisus Alaricus rex Gothorum a Francis.

(87 [689–91]]) Tolosa a Francis et Burgundionibus incensa et Barci-

Burgundionibus Flórez : burgurdionibus M

Barci­nona M : Narbona dub. Burgess nixus Vasaeo

maxima suorum clade ad Hispanias regressus est.


153 Burgundionibus Flórez : burgurdionibus M153 Barci­nona M : Narbona dub. Burgess nixus Vasaeo 154 rege add. Mommsen post Gundefade, Holder-Egger post Burgundionum duce Vasaeo

10 (88 [695]) XIXo Anastasi imperatoris anno consulatus fuit Felicis et

XIXo M : an XXI?

Secundini, indictio fuit IIII, era DXLVII.

Felicis et Secundini Mommsen : et felici succedit M : Felici et Secundini Holder-Egger

era DXLVII Holder-Egger : era DXVII M : del. Burgess


10 XIXo M : an XXI?157 Felicis et Secundini Mommsen : et felici succedit M : Felici et Secundini Holder-Egger157 era DXLVII Holder-Egger : era DXVII M : del. Burgess