KFHist: (G 6) Laterculus regum Vandalorum et Alanorum Skip to main content

Ein Editionsprojekt der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

HHUD Düsseldorf

(G 6) Laterculus regum Vandalorum et Alanorum



S. 335

Einleitung

I. Handschriften und Überlieferung

Beim sogenannten Laterculus regum Vandalorum et Alanorum handelt es sich um Bruchstücke einer Chronik des Vandalenreichs.1 Diese Bruchstücke sind in folgenden Handschriften überliefert:

Rp = Parisinus 4860, 10. Jh., von Mommsen als Kopie eines als Augiensis bezeichneten Codex aus dem 9. Jh. identifiziert; Steinacher weist dies im Einklang mit der neueren Forschung zurück und verlegt die Entstehung des Parisinus selbst in die Mitte des neunten Jahrhunderts auf die Reichenau.2

Rv = Augustanus Vindelicorum 223, 15. Jh., für Mommsen eine weitere Abschrift des Augiensis, für Steinacher aus dem Parisinus stammend. Die Abweichungen zum Parisinus sind in der Tat nur gering, eindeutige Trennfehler finden sich nicht. Dasselbe gilt für die Prosper-Überlieferung in Pari-sinus und Augustanus.3 Wir folgen daher Steinacher in der Bewertung des Augustanus als descriptus und berücksichtigen ihn nicht bei der Textkons-titution. Da aber einige Lesarten des Augustanus die richtige grammatische Form bzw. Zahl bieten4, werden diese Varianten im textkritischen Apparat angeführt. Anders als Mommsen bezeichnen wir mit Augiensis im Folgenden also allein die Recensio des Parisinus.

M = Matritensis univ. 134, frühes 13. Jh. (= Z in der vorausgehenden Prosper-Edition [KFHist G 5]).

S. 336 O = Osmensis, heute verloren; einer älteren Abschrift gemäß nicht grundlegend verschieden vom Matritensis.5

Die handschriftliche Überlieferung lässt sich auf zwei Überlieferungsstränge aufteilen: Dem kürzeren Text im Matritensis steht die längere Rezension im Augiensis (Parisinus) gegenüber. Deutlich erkennbar wird da-durch, dass die den Bruchstücken zugrunde liegende vandalische Königs-chronik im Laufe der Überlieferung verschiedentlich umgestaltet wurde. Dies geschah mit einer solchen Ungleichmäßigkeit, dass sich die beiden Stränge inhaltlich erheblich voneinander unterscheiden. Dass sie aber beide Zeugen einer gemeinsamen Ursprungstradition sind, belegen jeweils kor-respondierende Einträge und Detailinformationen unzweifelhaft.6 Bereits Mommsen hat sich daher entschlossen, sie in seiner Edition einander gleichberechtigt gegenüberzustellen. Steinacher gibt ebenfalls beide Stränge; auch im vorliegenden Band soll nicht anders verfahren werden. Da die Stellenzählung in diesem Band der Zählung bei Mommsen folgt, wird die Rezension von R – hier maßgeblich der Parisinus – im Folgenden wie bei ihm als A(ugiensis), die Rezension, die durch M und O repräsentiert wird, als H(is-pani) bezeichnet.7

Der Laterculus findet sich sowohl im Codex Parisinus 4860 als auch im Codex Matritensis 134 im Kontext chronologischer Quellen im weitesten Sinne. Während der Parisinus mehrere Chroniken, naturwissenschaftliche Erörterungen und komputistische Hilfsmittel zusammenstellt, finden sich im Matritensis chronistische und theologische Werke vereint. Im Codex Augustanus werden die Chroniken von Hieronymus und Prosper zusammen mit der Fredegar-Chronik überliefert.8 Die Inhalte der Codices legen also S. 337nahe, dass es sich bei dem Text, dessen Bruchstücke der Laterculus überliefert, selbst um eine Chronik handelte.9

Im Parisinus folgt der Laterculus auf die durch fremde Zusätze bis ins Jahr 457 erweiterte Chronik Prospers (fol. 49v) und wird durch die Erwähnung des Konsuljahres der Karthago-Eroberung durch die Vandalen an die-se angeschlossen (A 2). Im Matritensis ist der Laterculus (fol. 47v) Teil einer längeren, in sich geschlossenen Chronik, die auf fol. 42r–47v hauptsächlich aus Prosper schöpft. Die Fragmente der vandalischen Königschronik folgen hierbei, abgegrenzt durch eine Komputation, wiederum der Prosper-Chronik, die diesmal in Form einer Epitome begegnet.10 Allein diese Anschlüsse an Prosper zeigen, dass der Laterculus nur schwerlich ein eigenständiges Werk darstellt. Zumindest in seiner überlieferten Form ist er nicht von der Chronik des Galliers zu trennen. Auch die dieser Überlieferung zugrunde liegende vandalische Königschronik war wahrscheinlich bereits als Fortsetzung Prospers gestaltet, will man es nicht bloßem Zufall zuschreiben, dass beide Überlieferungsstränge die Fragmente dieser Chronik direkt an Prospers Chronik anhängen.11 Augiensis und Matritensis bezeugen damit die Rezeption, Nutzung und Aneignung der Prosper-Chronik auch in Africa.12

II. Eigenständiger Wert

Der Laterculus regum Vandalorum et Alanorum ist in seiner Überlieferung nicht von Prosper zu trennen. Zumindest die Kompilatoren der Codices im S. 3389. und im 13. Jahrhundert haben den Text nicht als eigenständig aufgefasst, sondern als Fortsetzung der Prosper-Chronik, die diese durch Informationen zum vandalischen Africa ergänzte. Diese enge Verknüpfung beider Quellen zeigt sich in gemeinsamen chronologischen Rahmendaten. Dies betrifft weniger die Angabe zur Eroberung Karthagos durch die Vandalen am 19. Oktober 439, die von vielen zeitgenössischen Quellen überliefert wird und damit sicherlich nicht als Sondergut Prospers gelten kann.13 Dezidiert auf Prosper verweisen hingegen die verschiedenen Komputationen im Augi-ensis. So bezieht sich A 22 in der Datierung Adams eindeutig auf die Chronologie Prospers.14 Auch die Bezugnahme auf den Herrschaftsantritt von Kaiser Avitus 455 (A 13) und auf den Tod des Valens in der Schlacht bei Adrianopel 378 (A 14 und A 21) ist einer solchen Verknüpfung geschuldet, markieren diese beiden Daten doch Ausgangs- und Endpunkt von Prospers eigenständiger Geschichtsdarstellung.

Ähnlich eindeutig auf Prosper zu beziehende Angaben finden sich im Matritensis nicht, verweist die zu A 13 f. analoge Stelle H 13 doch lediglich auf die Eroberung Karthagos durch Geiserich. Damit gehen die Prosper-Bezüge im Augiensis (A 13 f. und A 21 f.) erst auf den Kompilator dieses Überlieferungsstranges zurück. Der Kompilator des Matritensis hingegen erreichte eine ähnliche Verknüpfung durch die Ergänzung der Prosper-Epi-tome um africanische Detailinformationen.15 Damit ist die mangelnde Eigenständigkeit auch in diesem Überlieferungsstrang ersichtlich.

Aber nicht nur die in Augiensis und Matritensis bewahrten Bruchstücke der vandalischen Königschronik müssen offensichtlich als Fortsetzung Prospers gelten, sondern – bei aller gebotenen Vorsicht – bereits die ursprüngliche Chronik selbst. Dieser Schluss liegt schon deshalb nahe, weil beide Überlieferungsstränge ihre Fragmente unabhängig voneinander an S. 339Prosper-Versionen anschließen. Vor allem aber die Komputation, die im Matritensis den Laterculus von der Prosper-Epitome abgrenzt, weist deutlich in eine solche Richtung, da sie zusammen mit H 13 in der Zeit um 523 entstanden ist und damit zum ursprünglichen Bestand der Königschronik gehören dürfte.16 Der Wechsel der Datierungsmethode von der einen zur anderen Quelle – statt der von Prosper verwendeten Konsuldatierung nutzt die vandalische Königschronik eine Herrscherdatierung –, kann nicht gegen eine solche Zusammengehörigkeit beider Texte ins Feld geführt werden, da dieser Wechsel hauptsächlich praktische Gründe gehabt haben dürfte. Da die Datierung nach Herrscherjahren im Vandalenreich die offizielle Datierungsmethode war, hätte die Verwendung einer anderen Methode den Gebrauchswert einer Chronik dieses Reichs zumindest in Africa gemindert. Der Anschluss an eine auf Konsuln aufbauende Reichschronologie wird außerdem durchaus sichergestellt. So verknüpft A 2 beide Datierungsvarianten durch die Angabe des Konsulpaars für das Jahr der Eroberung Karthagos.

Die Herrscherdatierung und die damit in Zusammenhang stehenden detaillierten Angaben zu den Regierungszeiten der einzelnen Könige – im Augiensis sogar auf den Tag genau – haben dazu geführt, dass die Forschung die vandalische Königschronik als Rest urkundlicher Überlieferung identifiziert hat und deshalb den Informationen des Laterculus ein besonderes Gewicht zugestand. Eine solche zum Beispiel von Schmidt oder Courtois postulierte Nähe zum Urkundenwesen ist zwar keineswegs auszuschließen; mit Steinacher ist aber auch nicht endgültig zu beweisen, dass das chronologische Gerüst tatsächlich unmittelbar vandalischen Kanzleien entstamm-te.17 Implizit befördert wurde eine solche Sicht nicht zuletzt durch Momm-sens Edition des Laterculus fernab der Prosper-Chronik, die den Text aus seinen literarischen Ursprungszusammenhängen löste und damit – genauso wie die für die Fragmente gewählte Bezeichnung Laterculus – eine assoziative Nähe des Texts zur dokumentarischen Quellengattung der Herrscherlisten evozierte.18 Zwar stellt eine solche Herrscherliste unbestreitbar das chronologische Grundgerüst der vandalischen Königschronik dar; dass sieS. 340 aber auch der eigentliche Zweck der Darstellung gewesen sein muss, ist damit nicht gesagt. Genauso wenig muss die Abfolge der einzelnen Könige of-fiziellen Dokumenten entnommen worden sein.

Die bloße Verwendung einer Herrscherdatierung an sich erzwingt jedenfalls nicht den Schluss, dass offizielle Quellen als Grundlage der Königs-chronik gedient haben müssen. Freilich ist es so, dass die Angaben zu Herrschaftsdauern der offiziellen Datierungsweise im vandalischen Africa entsprechen. Im Gegensatz zu anderen germanischen Königreichen wurde hier das römische Konsuljahr von vornherein nicht in die offizielle Jahreszählung übernommen. Die beiden bei Victor von Vita überlieferten Edikte Hunerichs belegen, dass der Jahresbezeichnung im Vandalenreich die Herrschaftsdauer des regierenden Königs zugrunde lag.19 Aber auch andernorts begann im fünften Jahrhundert eine entsprechende Datierungsmethode die römische Konsuldatierung abzulösen, zumindest aber ihr an die Seite zu treten.20 Insofern ist die Datierung nach Herrschaftsdauern mitnichten ein Spezifikum der vandalischen Königschronik: Bereits die anonymen gallischen Chroniken von 452 und 511 nutzten Herrscherjahre als chronologisches Grundgerüst, obwohl in ihrer Entstehungsregion weiterhin die Konsuldatierung offizielle Datierungsmethode gewesen sein dürfte. Trotz dieser Datierungsweise stehen die beiden gallischen Chroniken aber nicht im Ruf, urkundliches Material zu überliefern und dadurch exzeptionell genaue Informationen zu bieten.21

Eine faktische Nutzung von Urkunden durch die Königschronik soll damit gar nicht bestritten werden. Die detaillierte Genauigkeit der Angabe von Herrschaftsdauern gerade in der Augiensis-Variante spricht mithin sogar für die Verwendung offiziellen oder zumindest offiziösen Materials, nicht zuletzt auch deshalb, weil die einzelnen Angaben im Bezug zueinander chronologisch stimmig sind. Aus der Quelle selbst heraus ist diese Vermutung jedoch nicht zu belegen. Vor allem aber sagt eine vermutete Genauigkeit des chronologischen Rahmens nichts über die Qualität sonstiger Informationen aus, zumal angesichts der Überlieferungslage im Einzelfall unklar bleiben S. 341muss, ob diese Angaben überhaupt Teil der ursprünglichen Königschronik waren oder nicht.22

III. Entstehung

1. Entstehungszeit und Entstehungsort der Königschronik

Während über die Genese der beiden greifbaren Überlieferungsstränge zumindest hinsichtlich der konkreten Entstehungszeit Unklarheit herrschen muss23, lassen sich über Entstehungszeit und Entstehungsort der ursprüng-lichen Königschronik genauere Aussagen treffen: Es steht außer Zweifel, dass die Königschronik in zwei Stufen abgefasst wurde, einmal Mitte der 520er Jahre nach dem Tod König Thrasamunds, einmal nach dem Ende des Vandalenreichs 533. Als Entstehungsort lässt sich mit Vorsicht Karthago vermuten.

Terminus post quem für die Abfassung der zweiten und endgültigen Stu-fe der Königschronik ist das Frühjahr 534, in das die in H 19 beschriebene Gefangennahme des letzten Vandalenkönigs Gelimer durch den oströmischen Feldherrn Belisar fiel. Dieses Ereignis ist das späteste im Laterculus berichtete und dürfte mit einiger Sicherheit Teil der ursprünglichen Quelle gewesen sein.24 Ihm schloss sich dem Zeugnis des Augiensis gemäß noch eine abschließende Komputation an (A 20–22). Auch diese geht vom Ende des Vandalenreichs aus, das hier auf den Tag der Landung Belisars in Africa, den 30. August 533, datiert wird.25

Offensichtlich entstand eine erste Stufe der ursprünglichen Königschronik aber bereits nach dem Tode Thrasamunds im Jahr 523. Beide Stränge des Laterculus geben mit der vom Todesjahr Thrasamunds ausgehenden Komputation (A 13 f., H 13) einen Hinweis auf eine solche Version. Papencordt deutete diese chronistische Zwischenzählung als Abschluss einer ersten S. 342Stufe der Königschronik. Dagegen wollte Holder-Egger in ihr kein Zeichen einer abgeschlossenen Editionsstufe sehen, sondern lediglich die Kennzeichnung eines Abschnittsendes innerhalb der Chronik: Die Restituierung kirchlicher Rechte unter Hilderich sei für den katholischen Autor der Grund gewesen, innerhalb seines Werks eine neue Ära beginnen zu lassen.26 Die Komputation hätte diese neue Ära dann von der alten Ära der Katho-likenverfolgung abgegrenzt. Sowohl Papencordt als auch Holder-Egger argumentieren aber ausschließlich auf Grundlage des Augiensis-Textes. Damit wäre die Frage nach einer oder zwei Redaktionsstufen der Königschronik in der Tat kaum zu beantworten. Erst der Text des Matritensis liefert Ge-wissheit zugunsten der Überlegungen Papencordts, wird hier die Kompu-tation doch mit den Worten ac sic agitur hodie eingeleitet (H 13).27

Der Herkunftsort der Königschronik ist eindeutig Africa. Es wäre fraglich, welches Interesse ein nichtafricanischer Autor an der Abfolge vanda-lischer Könige hätte haben sollen. Abgesehen davon weisen die Zusätze zur Prosper-Epitome im Matritensis auf die africanische Provenienz der Ursprungsquelle: Die Zusätze bieten zumeist Africa betreffende Sonderinformationen und sind damit wahrscheinlich schon beim Anschluss der Königs-chronik an Prosper in dessen Text gelangt.28 Weniger sicher hingegen ist die weitere Eingrenzung des Entstehungsortes auf die africanische Hauptstadt Karthago. Zwar sind die Hinweise auf diese Stadt im Text relativ zahlreich, im Einzelfall allerdings keineswegs sonderlich stichhaltig. Wenn beispielsweise im Matritensis bei jedem Thronwechsel explizit betont wird, dass der jeweils neue Herrscher in Karthago regierte (H 4. 7. 12. 15), so spiegelt das in erster Linie nur die zentrale Bedeutung der Hauptstadt für das vandalische Reich, nicht aber zwangsläufig auch die Herkunft der Quelle.29 Ganz ähnlich kann sich die Erwähnung der karthagischen Bischöfe Eugenius (A 5, 8 f.) S. 343und Bonifatius (A 16) aus der suprametropolitanen Bedeutung dieser Bischöfe für die gesamte africanische Kirche erklären. Hinzu kommt, dass es fraglich ist, ob die die Kirche betreffenden Informationen im Augiensis überhaupt Teil der ursprünglichen Königschronik waren, was auch die Aussagekraft der – wohl Ortskenntnis voraussetzenden – Hinweise auf die religiöse Topographie Karthagos in A 8 und vor allem in A 16 mit einem Frage-zeichen versehen muss. Nichtsdestotrotz darf von der karthagischen Provenienz der Königschronik ausgegangen werden – und sei es nur deshalb, weil die Herstellung einer solch genauen Chronologie der Vandalenkönige, wie sie im Augiensis begegnet, kaum außerhalb des Hauptverwaltungssitzes des Königreichs vorstellbar ist.30

2. Verhältnis der Überlieferungsstränge

Bei der Klärung der Entstehung der überlieferten Texte ist streng zwischen den beiden von Mommsen edierten Chronik-Resten und der ursprünglich dahinter stehenden vandalischen Königschronik zu unterscheiden. Zwar ist klar, dass die beiden Laterculus-Texte auf eine gemeinsame ältere Texttradition zurückgehen; weder über den genauen Inhalt dieser Texttradition an sich noch über die Entstehung der in Augiensis und Matritensis vorliegenden Rezensionen lässt sich jedoch Verlässliches sagen.31

Die vandalische Königschronik beinhaltete sicherlich die im Laterculus bewahrten Angaben zu Abfolge und Herrschaftsdauer der vandalischen Könige. Die Parallelität der Überlieferung dieser Informationen in beiden Rezensionen lässt keinen anderen Schluss zu (A/H 3, 4, 7, 12, 15, 17). Das gleiche gilt dementsprechend auch für die Komputation nach dem Tod des Thrasamund (A 13 f., H 13). Dass jeweils beide Stränge das Jahr 523 in einen weiten chronologischen Rahmen einbetten, legt nahe, dass die ursprüngliche Königschronik hier ebenfalls einen Bruch aufwies. Muss dieser Umstand an sich als unstrittig gelten, so ist über die konkrete Ausgestaltung dieses Bruchs in der ursprünglichen Chronik hingegen keine letztgültige Klarheit zu erlangen, da Augiensis und Matritensis nämlich nicht die gleichen chronologischen Ankerpunkte wählen. Während der Matritensis auf die Eroberung Karthagos durch Geiserich 439 zurückrechnet, verknüpft der S. 344Augiensis das Ende Thrasamunds mit den Jahren 378 und 455. Will man nicht davon ausgehen, dass beide Varianten bereits in der ursprünglichen Quelle auftauchten und von den Kompilatoren lediglich unterschiedlich gekürzt worden sind, so dürfte der Variante des Matritensis der Vorzug zu ge-ben sein, da das Jahr 439 für die vandalische Königschronologie relevanter ist als der Tod des Valens 378 oder der Herrschaftsantritt des Avitus 455. Die Wahl der beiden letzten Daten verrät deutlich das Bemühen des Augiensis, die Chronikfragmente an Prosper zu binden.32

Ganz ähnlich wäre dann davon auszugehen, dass in der abschließenden Komputation im Augiensis zumindest die Stellen A 21 und A 22 sekundär sind, da sie sich beide auf Referenzdaten beziehen, die die Quelle wiederum mit Prosper verknüpfen. A 20 hingegen nimmt den chronologischen Ankerpunkt aus H 13 auf, die Eroberung Karthagos durch Geiserich, und ist damit vermutlich Teil der ursprünglichen Königschronik.33 Allein aus Gattungsgründen wäre ein solcher Abschluss für die ursprüngliche Chronik zu erwar-ten. Ebenfalls als Teil der Ausgangsquelle darf der in H 19 überlieferte Bericht über die Eroberung des Vandalenreichs durch Belisar gelten. Dieser wird zwar nur vom Matritensis bewahrt, ist als Abschluss der vandalischen Königsgeschichte aber so eng auf die sicher aus der Königschronik stammende Herrscherliste bezogen, dass von einer abweichenden Herkunft der Information kaum ausgegangen werden kann. Dies gilt umso mehr, als die Augiensis-Variante die Eroberung Karthagos zwar nicht eigens erwähnt, sie aber zur Grundlage der Berechnung in A 20 macht.34

Mehr lässt sich über den Inhalt der gemeinsamen Texttradition kaum sagen. Über die oben genannten Informationen hinausgehende Inhalte können für die Königschronik jedenfalls nicht mit Sicherheit postuliert werden. Vielleicht erschöpfte sich der Bericht tatsächlich im bloßen Skelett einer Königschronologie. Sollte die africanische Chronik ähnlich informativ gewesenS. 345 sein wie beispielsweise die etwa zeitgleiche anonyme gallische Chronik von 511, so ist allenfalls mit wenigen Ergänzungen zu rechnen.35 Dass es sich bei möglichen Ergänzungen um diejenigen Berichte zur Katholiken-verfolgung handeln sollte, die der Königschronologie im Augiensis zur Seite gestellt sind (A 5 f. 8–10. 16), ist zumindest fraglich. Der Umstand, dass diese Berichte lediglich in einem Überlieferungsstrang begegnen, bedeutet entweder, dass sie aus dem anderen Strang herausgekürzt wurden, oder aber, dass sie erst im Laufe der Überlieferung überhaupt in den Strang des Augiensis Eingang gefunden haben. Steinachers Vergleich des Augiensis-Textes mit anderen zeitgenössischen Quellen legt letzteres zumindest für die Berichte in A 5 f. und A 16 nahe: Geht man davon aus, dass die Hauptquelle dieses Sonderguts die Chronik Victors von Tunnuna war, die nach 567 geschrieben wurde, so können diese Berichte kein genuiner Teil der Königs-chronik gewesen sein.36 Anders verhält es sich allenfalls mit den Angaben in A 8–10, die in die Herrscherchronologie der Königschronik eingebettet sind. A 10 gibt, ähnlich wie für die Herrschaft der einzelnen Könige, eine auf den Tag genau berechnete Dauer der Verfolgung an. Diese Angabe kann daher, anders als die detaillierten kirchengeschichtlichen Berichte im Augiensis, durchaus Teil der Ursprungsquelle gewesen sein.

Dieser Befund deckt sich mit der Feststellung, dass beiden Überlieferungssträngen zwar die gleiche Text-Tradition zugrunde liegt, keineswegs aber der gleiche Text. Offensichtlich haben sich beide Varianten in der Überlieferung vergleichsweise früh getrennt, wodurch sich ihre Verwandtschaft hauptsächlich auf die gemeinsame Verwendung der vandalischen Königsliste beschränkt. Somit ist auch festzuhalten, dass der Matritensis-Text keine Schwundstufe des Augiensis darstellt, nicht aus diesem geschöpft hat. Beide Varianten dürften nicht einmal direkt auf einen identischen Text zurückgehen, den sie dann in unterschiedlichem Maße verkürzten. Wahrscheinlich verwendeten beide Stränge verschiedene Vorlagen, die ihrerseits bereits nicht mehr mit der ursprünglichen Königschronik identisch waren. Ein Indiz dafür sind sowohl die unterschiedlich konstruierten Verwandtschaftsangaben in A/H 7 und 12 als auch, unter Vorbehalt, der Verzicht des S. 346Matritensis auf taggenaue Angaben einzelner Herrschaftsdauern.37 Auch die Auslassung des Berichts zur Eroberung Karthagos durch Belisar (H 19) im Augiensis legt die Verwendung zwar verwandter, aber dennoch bereits voneinander unabhängiger Zwischenquellen nahe. Genauso wie das Fehlen der Detailberichte zur Katholikenverfolgung im Matritensis erklärt sich die Summe dieser Beobachtungen am einfachsten dadurch, dass den beiden Kompilatoren von vornherein überhaupt nicht mehr die gleichen Informa-tionen vorlagen.

3. Quellen des Laterculus

Als Quelle gemein ist beiden Überlieferungssträngen die ursprüngliche vandalische Königschronik, aus der sie ihre Informationen zu Abfolge und Herrschaftsdauer der Vandalenkönige zogen. Dieser Zusammenhang erweist Teile beider Stränge als Fragmente ein- und derselben Quelle. Ob die beiden Laterculus-Traditionen dabei noch direkt aus der ursprünglichen Chronik schöpften oder ihnen die gemeinsame Königsliste bereits über andere Quellen vermittelt wurde, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, auch wenn die zweite Variante sicherlich eine größere Wahrscheinlichkeit für sich hat.38 Gleichfalls offen muss bleiben, ob die Komputationen im Text des Augiensis (A 13 f., A 20–22) aus der Königschronik stammen oder erst von einem späteren Kompilator berechnet wurden.

Als relativ sicher kann hingegen gelten, dass die Angaben des Augiensis zum Schicksal der katholischen Kirche in Africa – ausgenommen vielleicht die chronologische Einordnung dieser in A 8–10 – erst im Laufe der Überlieferung in den Text gelangt sind, da sie eine große Nähe zu den Informationen der Chronik Victors von Tunnuna aufweisen.39 Da diese Angaben zur katholischen Kirche, abgesehen von H 19 und den unterschiedlich gestalteten Komputationen, das einzige Sondergut der beiden Überlieferungsstränge bilden, widmet sich Steinacher in seinem detaillierten Vergleich des S. 347Laterculus mit anderen zeitgenössischen Quellen nur dem Augiensis. Im Ergebnis stellt er dabei fest, dass dieser ganz in der Tradition der zeitgenös-sischen kirchlichen Literatur Africas steht.40 Deutlich wird diese Verwandtschaft zu Texten kirchlicher Provenienz vor allem an der Beschreibung des Hunerich-Todes (A 6): Während sich das vom Augiensis gewählte Motiv der Bestrafung des Verfolgerkönigs durch Gott in nahezu allen kirchlichen Quellen findet, spricht der Profanhistoriker Prokop nur unspezifisch von einer „Krankheit“, der Hunerich erlegen sei.41

Eine genauere Identifikation einzelner Quellen der Augiensis-Variante wird dadurch erschwert, dass der Kompilator des Textes seine Vorlagen offensichtlich stark raffte und einzelne, ihm unwichtig erscheinende Detail-informationen ausließ. So wird beispielsweise die aus Victor von Vita bekannte Sequenz der Maßnahmen Hunerichs gegen die katholische Kirche dermaßen gekürzt, dass der eigentliche Gang der Ereignisse aus dem Augiensis selbst heraus nicht mehr verständlich ist (A 5). Mit einem solchen Vorgehen ist die Quelle keineswegs allein, wie aus dem parallelen Bericht des Victor von Tunnuna ersichtlich wird. Ob ein solcher Vorgang der Kürzung ausladender Historiographie dabei aber noch auf dieser Historiographie selbst aufbaute oder bereits auf anderen, ebenfalls verkürzenden Quellen, lässt sich im Einzelfall kaum mit letztgültiger Sicherheit entscheiden.42

In denjenigen Fällen, in denen sich noch Parallelen zu anderen zeitgenössischen Werken finden lassen, lässt sich eine deutliche Nähe zur Chronik Victors von Tunnuna feststellen. Dies gelte laut Steinacher vor allem für die Informationen rund um die Restitution der katholischen Kirche durch Hilde-rich (A 16) und die Gelimer-Usurpation (A 17 f.). Dass Victor dabei ausführlicher berichtet als der Laterculus, spricht dafür, ihn als Quelle für den S. 348Text des Augiensis anzunehmen.43 In diesem Fall hätte die ursprüngliche Königschronik selbst nicht über das Schicksal der katholischen Kirche in Afri-ca berichtet, womit der Text des Matritensis auch nicht um die entsprechenden Informationen A 5 f. und A 16 gekürzt worden wäre. Dass also diese Informationen nicht aus der ursprünglichen gemeinsamen Quelle stammen, sondern einer späteren Ergänzung dieser geschuldet sind, stützt die oben getroffene Feststellung, dass der Text des Matritensis keine Schwundstufe des Augiensis darstellt, sondern weitgehend unabhängig entstanden ist.

IV. Chronologisches Gerüst und inhaltliche Konzeption

Das chronologische Gerüst der Quelle ist präzise. Die Abfolge der Vandalenkönige ist ungebrochen und vollständig, die Darstellung ihrer Verwandtschaftsverhältnisse korrekt, die verschiedenen chronologischen Berechnungen weitgehend stimmig. Auch die angegebenen Herrschaftsdauern passen sich nahezu bruchlos in den chronologischen Gesamtrahmen ein. Dies gilt explizit auch für die Version des Matritensis, die zwar im Gegensatz zum Augiensis auf die taggenaue Angabe von Regierungszeiten verzichtet, in ihrer Addition aber zu einem nahezu identischen Zeitpunkt für das Ende des Vandalenreichs gelangt.44 Ohnehin ergibt sich bezüglich der Herrschaftsdauer einzelner Könige nur im Fall des Hilderich eine Abweichung beider Codices von mehr als zwei Monaten (A/H 15). Chronologische bzw. rechnerische Ungenauigkeiten oder Fehler finden sich damit nur an wenigen Stellen. Sie dürften zumeist erst im Laufe der Überlieferung ihren Weg in die Quelle gefunden haben, nicht aber bereits genuin aus der Königschronik stammen:

1) Die Komputation in A 14 bezieht sich nicht auf den annus XXVII Trasamundi, sondern faktisch auf dessen erstes Herrschaftsjahr. Hierbei handelt es sich schlicht um ein Versehen, wahrscheinlich vom Kompilator des Augi-ensis. A 13 jedenfalls bezieht den Herrschaftsantritt von Kaiser Avitus 455 S. 349korrekterweise auf das 27. und damit letzte Herrschaftsjahr des Thrasamund, sofern man davon ausgeht, dass das Zahlzeichen XVIII am Ende einer Lücke im Codex zu LXVIII zu ergänzen ist.45

2) Die Herrschaftsdauer Hilderichs wird in A 15 mit annos VIII dies VIII angegeben, in H 15 jedoch mit annos VII dies XIIII. Sowohl Prokop als auch Victor von Tunnuna stützen die Angabe des Matritensis. Bei der Angabe im Augiensis handelt es sich um eine Verschreibung.46

3) Der in H 19 berichtete Einzug Belisars in Karthago fand nicht am 14., sondern erst am 15. September 533 statt. Mit Papencordt und Schmidt sei das Datum sub die XVIII Kal. Oct. daher in sub die XVII Kal. Oct. zu emendieren. Der Fehler rühre daher, dass der oströmische Feldherr die Stadt zwar am 14. September erreicht, sie aber erst am darauffolgenden Tag betreten hatte.47

4) Die Abschlussberechnung in A 20 errechnet für das Vandalenreich ei-ne Dauer von 93 Jahren, zehn Monaten und elf Tagen. Damit wäre das Ende des Reichs auf den 30. August 533 zu datieren. Die Addition der einzelnen Herrschaftsdauern im Augiensis jedoch ergibt eine Dauer von 94 Jahren, zehn Monaten und 27 Tagen, also ein Ende des Reichs am 15. September 534. Mit der oben vorgenommenen Emendation der Herrschaftsjahre Hilde-richs von acht auf sieben (vgl. Pkt. 2) lässt sich die gröbste Abweichung bei-der Angaben bereits bereinigen, die nun beide in den Spätsommer 533 führen. Bezüglich des Tagesdatums können dann beide Angaben eine gewisse Geltung für sich beanspruchen: Während der 15. September 533 das Datum des Einzugs Belisars in Karthago war, könnte am 30. August die Landung seiner Truppen in Africa erfolgt sein.48

S. 3505) A 21 führt vom Jahr 378 ins Jahr 532, nicht aber korrekterweise ins Jahr 533. Dies gilt ebenso für die auf Adam aufbauende Berechnung in A 22: Der chronologische Rahmen hierbei ist Prosper entnommen, der aber von Adam bis ins Jahr 433 eine Summe von 5634 Jahren errechnet, womit sich bis ins Jahr 533 eine Anzahl von 5734 Jahren ergeben müsste.49 Von wo diese Ungenauigkeit ihren Ausgang nahm, ist unklar. Nur wenn die mehr-fachen chronologischen Verknüpfungen zwischen dem Augiensis-Text und Prosper nicht bereits auf die ursprüngliche vandalische Königschronik zurückgehen, ließe sich der Fehler eindeutig dem Kompilator des Codex zuordnen.

Alle weiteren Angaben sind sowohl sachlich als auch rechnerisch weitgehend korrekt. Für spätantike Verhältnisse stellt der Laterculus damit eine chronologisch außergewöhnlich präzise Quelle dar.

Geht man von ihren im Matritensis erhaltenen Resten aus, so lag das zen-trale Augenmerk der vandalischen Königschronik auf der Geschichte der vandalischen Herrschaft in Africa. In diesem Fall standen die Abfolge der einzelnen Könige, die Dauer ihrer jeweiligen Herrschaft und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen untereinander im Mittelpunkt der Quelle und wurden allenfalls durch die chronologische Einbettung der von Hunerich initiierten Katholikenverfolgung ergänzt. Die Detailliertheit der Angaben zu Herrschaftsdauern im Augiensis spricht dafür, dass es der ursprünglichen Quelle in erster Linie um die Herstellung eines genauen Rahmens der Herrscherchronologie ging. Mehr lässt sich allein deshalb kaum sagen, weil wir nicht darüber informiert sind, inwieweit die ursprüngliche Chronik Infor-mationen lieferte, die über die bloße Herrscherliste hinausgingen. Sieht man aber den Bericht über die Eroberung des Vandalenreichs durch Belisar in H 19 als einen Rest solch zusätzlicher Informationen, so ist anzunehmen, dass diese nicht über Ereignisse hinausgingen, die in unmittelbarem Zusammenhang zur politischen Geschichte des vandalischen Regnums standen.50 Dies gilt auch für die Informationen zur Katholikenverfolgung in A 8–10, die im Ursprung wohl nicht über die rein chronologische Einbettung in diese Königsgeschichte hinausgegangen sind.

Nur in der Version des Augiensis wurde das chronologische Grundgerüst der vandalischen Könige von Geiserich bis Gelimer durch eine ausführ-lichere S. 351Narration des Schicksals der katholischen Kirche in Africa ergänzt, den chronologischen also kirchengeschichtliche Informationen beigegeben. Der Fokus liegt dabei auf der Verfolgung der Katholiken durch Hunerich (A 5 f.). Im Rahmen dieses Interesses, das der Kompilator der Kirchenpo-litik entgegenbringt, dient die Abfolge der Vandalenkönige im Augiensis der historischen Einbettung dieser Verfolgung. Die vandalische Monarchie wird mit dem konkurrierenden Ordnungsmodell der katholischen Kirche konfrontiert, oder, um es in den Worten Steinachers auszudrücken: „Einer königlichen Chronologie wird die kirchliche Chronik gegenübergestellt, die andere Organisation, die Dominanz beansprucht, will auch hier ihren Platz einnehmen.“51 Dass die katholische Kirche die Verfolgungen durch die Vandalen übersteht, während das vandalische Königreich letztlich untergeht, erweist dabei die katholische Kirche als Triumphator im Ringen der beiden widerstreitenden Institutionen.52

V. Zur Abschnittzählung

Mommsen stellt in seiner Ausgabe die Texte von Augiensis (A) und Matritensis (H) einander in jeweils eigenen Spalten gegenüber. Gleichzeitig teilt er jeder gegebenen Einzelinformation eine fortlaufende Nummer zu. In beiden Handschriften korrespondierende Informationen stehen dadurch direkt nebeneinander, während Sondergut eines Überlieferungsstrangs durch eine Lücke im jeweils anderen Strang als solches kenntlich gemacht wird. Die Einzelinformationen lassen sich also hinsichtlich ihrer Überlieferung in drei Gruppen aufteilen:

1) Einzelinformationen, die sowohl vom Matritensis als auch vom Augiensis gegeben werden: A/H 2–4, 7, 12–16.53 Hierbei handelt es sich in ersterS. 352 Linie um das chronologische Gerüst der vandalischen Königsliste. Da sich die Informationen in beiden Überlieferungssträngen jeweils entsprechen, werden sie im historischen Kommentar auch gemeinsam behandelt.

2) Einzelinformationen, die nur vom Augiensis gegeben werden: A 5 f., 8–11, 17 f., 20–22. Diese Informationen betreffen zumeist das Schicksal der katholischen Kirche im vandalischen Africa und die abschließende Kom-putation.

3) Einzelinformation, die nur vom Matritensis gegeben wird: H 19. Das Sondergut beschränkt sich auf die Eroberung des Vandalenreichs durch Be-lisar.

Die gerade skizzierte Abschnittszählung aus Mommsens Ausgabe wird hier übernommen. Von den Einträgen H 1 und H 2, die bei Mommsen nur wegen der Africa betreffenden Nachrichten Aufnahme fanden, wird H 1 ausgeschieden. Bei der von Mommsen H 16 genannten Stelle liegt offensichtlich ein Nummerierungsfehler vor: Die in H 16 gegebene Information korrespondiert zur Information aus A 17; sie ist von Mommsen auch an der entsprechenden Stelle eingeordnet worden. Mommsens H 16 firmiert hier also richtigerweise als H 17.


1  Neuere Editionen bieten Mommsen, Chron. min. 3,456–60, der auch den Namen prägt, und Steinacher, Laterculus (2004) 165 f. (nach dem Parisinus ), 167 f. (nach dem Matritensis ). Ein Vorzug der mehr oder weniger diplomatischen Editionen, die Steinacher bietet, liegt in der besseren Einbettung in den originalen Überlieferungskontext. Zu unterscheiden ist zwischen den überlieferten Bruchstücken des Laterculus einerseits und der verlorenen gemeinsamen Texttradition – im Folgenden als „vandalische Königschronik“ bezeichnet – andererseits.

2  Vgl. Mommsen, Chron. min. 3,457. Dagegen Steinacher, Laterculus (2001) 11–5. Neben dem Bibliothekskatalog des Reginbert spricht vor allem der paläographische Befund dafür, die Hs. auf die Reichenau zu lokalisieren.

3  Zur Beschreibung von R: Kap. IV.2 der Prosper-Einl. im vorliegenden Band.

4  Bspw. in A 13 f.

5  Abschrift ediert bei Villanueva, Viage 3 203. 306 (vgl. Mommsen, Chron. min. 2,8. 3,456).

6  Daneben findet sich in beiden Strängen nach der Herrschaft des Thrasamund eine Komputation. Zum Verhältnis beider Stränge zueinander und zur vandalischen Königschronik vgl. Kap. III.2.

7  Dass die von Steinacher zurückgewiesene These Mommsens vom verlorenen Augiensis (s. o.) damit Eingang in die Benennung der einzelnen Abschnitte findet, ist in Kauf zu nehmen. Zur Abschnittszählung vgl. auch Kap. V. Zur Orthographie in der Edition und zur Abkürzung der Zeichen im Apparat vgl. einerseits Kap. IV.5 der Prosper-Einl., andererseits die Siglen-Liste zu Prosper, jeweils im vorliegenden Band.

8  Zur Beschreibung der Hss.: Kap. IV.2 der Prosper-Einl. im vorliegenden Band (M dort unter der Sigle Z).

9  Ausführliche Handschriftenbeschreibungen: Steinacher, Laterculus (2001) 6–24; Steinacher, Laterculus (2004) 164 f. 166 f. Die Übergänge von reinen Königslisten und „echten“ Chroniken müssen als fließend verstanden werden, vgl. dazu Einl. zu den Consularia Con-stantinopolitana , die als KFHist G 1 Teil des vorliegenden Projekts sind. Über den Inhalt der ursprünglichen vandalischen Königschronik lässt sich über die Herrscherliste hinausgehend wenig Definitives sagen: Kap. III.2.

10  Im Falle des Matritensis ist die Anknüpfung an Prosper auch insofern enger, als das Sondergut, das hier in der Prosper-Epitome begegnet, wohl ebenfalls aus africanischem Umfeld stammt, mutmaßlich also den gleichen Überlieferungszusammenhängen entspringt wie der Laterculus . Mommsen hat dies dazu veranlasst, in seiner Edition zwei Angaben aus der Epitome (H 1 und H 2) dem Laterculus zuzuschlagen. H 2 übernehmen wir wegen der inhalt-lichen Parallelität zu A 2, H 1 scheiden wir aus.

11  Vgl. hierzu Kap. II.

12  Zu den africanischen Rezensionen von Prospers Chronik, die u. a. durch Interpolationen und Fortsetzungen in den Hss. R und M bzw. Z greifbar sind, vgl. Kap. IV.4 der Prosper-Einl. im vorliegenden Band.

13  Vgl. für das Tagesdatum u. a. Hyd. chron. 115. Das Jahr 439 mit leicht abweichendem Tagesdatum (23. Oktober) bezeugt Marcell. chron. 439,3. Das Chron. pasch. a. 439 nennt ne-ben dem Jahr den Monat. Außer in den Anschlüssen A/H 2 bezieht sich der Laterculus auch in H 13 und A 20 auf die Eroberung Karthagos am 19. Oktober 439.

14  Prosp. chron. 1318 errechnet von Adam bis ins Jahr 433 eine Summe von 5634 Jahren. Dass die in A 22 angegebenen 5733 Jahre damit nur ins Jahr 532, nicht aber korrekterweise ins Jahr 533 führen, entwertet den grundsätzlichen Befund einer mit Prosper geteilten Chronologie nicht. Vgl. hierzu unten Kap. IV.

15  Wenn die im Matritensis erhaltene Komputation zur Abgrenzung der Prosper-Epitome vom Laterculus aus der Zeit Thrasamunds stammt (vgl. S. 343 Anm. 1), können auch die Zu-sätze in der Prosper-Epitome bereits auf die ursprüngliche vandalische Königschronik zurückgehen.

16  Der Wortlaut von H 13 ( ac sic agitur hodie LXXXIIII annus ab ingressu Carthaginis ) deutet auf eine Entstehung der Stelle unmittelbar nach dem Tod des Thrasamund. Da dieser Ausgangspunkt von der einleitenden Komputation aufgenommen wird ( colliguntur a principio mundi usque ad novissimum annum Trasamundi anni VDCCVIII [Steinacher, Laterculus (2004) 167]), scheint es plausibel, diese ebenfalls als Teil der Ursprungsquelle zu sehen.

17  Steinacher, Laterculus (2004) 169. Vgl. Schmidt, Wandalen 194 und Courtois, Vandales 405.

18  So zumindest Steinacher, Laterculus (2001) 3; Steinacher, Laterculus (2004) 163. 169 f.

19  Vict. Vit. 2,39; 3,4.12. Zur ausschließlichen Verwendung des Herrscherjahrs im vandalischen Africa auch Fichtenau, Datierungen 189; 192 f.; Heuberger, Reichskanzlei 93–104.

20  Vgl. hierzu Fichtenau, Datierungen 195; Steinacher, Laterculus (2004) 170 f.; Wolfram, Reich 241 f.

21  Sowohl inhaltlich als auch chronologisch dürfte im Hinblick auf die Chroniken von 452 und 511 (Mommsen, Chron. min. 1,615–66; beide Werke als KFHist G 7 und G 8 Teil des vorliegenden Projekts) eher das Gegenteil der Fall sein. Vgl. auch Steinacher, Laterculus (2004) 170 f.

22  Vgl. hierzu unten Kap. III.2. So oder so ist mit Steinacher, Laterculus (2004) 168 f. fest-zuhalten, dass die Aufnahme präziser Daten prinzipiell auch ohne die Verwendung von Urkunden möglich ist.

23  Dies gilt insbesondere für die Passagen zur vandalischen Katholikenverfolgung in A 5 f. und A 16. Vgl. dazu unten Kap. III.2.

24  Vgl. dazu unten Kap. III.2. Falls H 19 doch erst nachträglich in die Quelle gelangt sein sollte – was nicht auszuschließen ist, da die entsprechende Stelle im Augiensis fehlt –, so würde sich der Terminus post quem um ein Jahr nach vorn auf 533 verschieben.

25  Zu den unterschiedlichen Daten für das Ende des Vandalenreichs vgl. unten Kap. IV.

26  Papencordt, Herrschaft 358; Holder-Egger, Untersuchungen 47. Die von Holder-Egger unterstellte Funktion der Zwischenzählung entspräche derjenigen in Prosp. chron. 1339 nach dem Bericht über die Eroberung Karthagos, die dort ebenfalls keinen Abschluss der Chronik kennzeichnet.

27  Auch die dem Laterculus im Matritensis vorausgehende Komputation bezieht sich auf den novissimus annus Trasamundi . Holder-Eggers Argumente werden zusätzlich dadurch ge-schwächt, dass fraglich ist, ob die Konzentration auf das Schicksal der katholischen Kirche überhaupt Teil der ursprünglichen Chronik war oder nicht vielmehr erst durch den Kompi-lator des Augiensis ins Zentrum der Darstellung gerückt ist: Kap. III.2. Vgl. insgesamt Steinacher, Laterculus (2004) 172 f.

28  Vgl. Steinacher, Laterculus (2004) 167.

29  Die Eroberung Karthagos stellte überhaupt erst den Beginn der Herrscherdatierung dar, in deren Rahmen nun im Matritensis immer wieder auch der Name der Stadt auftaucht.

30  Zur Frage nach der Verwendung urkundlichen Materials als Quelle für den Rahmen der Königschronik: Kap. II.

31  Steinacher, Laterculus (2004) 174: „The versions from Paris and Madrid derive from the same sixth-century African textual tradition. This does not imply a canonical or fixed text.”

32  Der Matritensis hingegen stellt diesen Anschluss über die inhaltliche Verknüpfung mittels einer Komputation zwischen Prosper-Epitome und Laterculus her.

33  Dass A 21 genauso wie A 22 ins Jahr 532 führt (vgl. Kap. IV), A 20 hingegen korrekterweise ins Jahr 533, spricht ebenfalls dafür, eine unterschiedliche Herkunft von A 20 einerseits und A 21 f. andererseits anzunehmen. Bei den beiden späteren Stellen dürfte es sich also um nachträgliche Berechnungen handeln.

34  Über die Gründe des möglichen Ausfalls der Information von H 19 im Augiensis lässt sich nur spekulieren. Vielleicht ist sie bereits bei der ersten Trennung beider Stränge ver-sehentlich verloren gegangen.

35  Beide Quellen ähneln sich immerhin in ihrer Datierungsmethode, in ihrer Entstehungszeit und in ihren Entstehungskontexten. Zur gallischen Chronik von 511 vgl. S. 344 Anm. 3.

36  Zur Verwendung Victors von Tunnuna vgl. Steinacher, Laterculus (2004) 175–180, v. a. 180. Zwar muss über die genaue Abfassungszeit der Königschronik Unklarheit herrschen, sie sollte aber nicht allzu lang nach dem Ende des Vandalenreichs angesetzt werden. Im anderen Fall wäre ein chronologisches Interesse an den Königen der Vandalen kaum noch gegeben gewesen.

37  Der gröbere chronologische Rahmen im Matritensis ließe sich noch mit einer simplen Kürzung begründen; die differierenden Verwandtschaftsangaben hingegen verlangen eine Umarbeitung, die einfacher dadurch erklärbar ist, dass dem Matritensis (oder dem Augiensis ) bereits eine umgearbeitete Version zugrunde lag.

38  Vgl. oben Kap. III.2.

39  Steinacher, Laterculus (2004) 180. Vgl. darüber hinaus Kap. III.2. Dass sich die entsprechenden Hinweise im Matritensis nicht finden, liegt also nicht an einer Kürzung in diesem Überlieferungsstrang, sondern daran, dass die Sonderinformationen des Augiensis niemals Teil der gemeinsamen Texttradition waren.

40  Steinacher, Laterculus (2004) 175–180. Es ist wohl kein Zufall, dass sich Victor von Tunnuna ebenfalls an Prosper anschloss.

41  Procop. Vand. 1,8,5. Dagegen aus der kirchlichen Literatur: Vict. Vit. 3,71; Pass. mart. Carth. 2; Vict. Tonn. chron. a. 479,2; aber auch Greg. Tur. Franc. 2,3. An dieser Stelle schöpft der Augiensis aus Victor von Vita: Steinacher, Laterculus (2004) 176 f. Generell zum Motiv der Gottesstrafe: Steinacher, Würmer.

42  Vgl. Steinacher, Laterculus (2001) 52. Zur Christenverfolgung Hunerichs in den zeitgenössischen Quellen generell: Steinacher, Laterculus (2001) 49–52. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Informationen im Text Sondergut darstellen, zu dessen Herkunft keine ver-lässliche Aussagen getroffen werden können. Über die genaue Dauer der von Hunerich initi-ierten Verfolgung (A 10) beispielsweise informiert nur der Augiensis . Dass diese Information aus der ursprünglichen Chronik stammt, ist wegen der taggenauen Datierung nicht ausgeschlossen; beweisbar ist es wegen der mangelnden Absicherung der Stelle durch den Matritensis jedoch ebenfalls nicht.

43  Vgl. Vict. Tonn. chron. a. 523,2. 531. Ein Hinweis im Lib. pontif. p. 130,17 f. zeigt, dass das Verfolgungsende unter Hilderich auch überregional wahrgenommen wurde.

44  Ausgehend von der sicheren Emendation bezüglich der Herrschaftsdauer des Hilderich in A 15 variieren die Daten zwischen dem 15. September (Addition der Herrschaftsdauern im Augiensis ), dem 30. August (A 20) und Anfang Juli (Addition der Herrschaftsdauern im Matritensis ) 533.

45  Vorschlag von Courtois, Vandales 406. Dieser Ergänzung stimmt Steinacher, Later-culus (2004) 172 zu, weist aber darauf hin, dass die Lücke im Codex länger ist als das bloße Zahlzeichen L . Becker ergänzt in dieser Ausgabe daher anni sunt L .

46  Courtois, Vandales 405 f., Schmidt, Wandalen 120 Anm. 3 und Steinacher, Laterculus (2004) 173 mit Procop. Vand. 1,9,9 und Vict. Tonn. chron. a. 523,2.

47  Papencordt, Herrschaft 152 und Steinacher, Laterculus (2004) 174 mit Procop. Vand. 1,20. Generell zur Chronologie des Untergangs des Vandalenreichs: Courtois, Vandales 353.

48  Courtois, Vandales 406 nimmt mit Prokop eine Dauer der gesamten Belisar-Kampagne von der Landung bis zum Einzug in Karthago von16 Tagen an; dies würde ein Landungs-datum am 30. August mit dem Einzugsdatum 15. September in Übereinstimmung bringen. Vgl. Holder-Egger, Untersuchungen 46; Steinacher, Laterculus (2004) 174. Wieso hier beide Daten als Endpunkt des Reichs genutzt werden, muss fraglich bleiben, es sei denn, man ginge davon aus, dass neben A 21 f. (vgl. oben Kap. II) auch A 20 erst dem konkreten Anschluss des Augiensis an Prosper geschuldet ist. Dann wäre der Addition der Herrschaftszeiten der Könige der Vorzug zu geben.

49  Vgl. Prosp. chron. 1318.

50  Zur Zuordnung von H 19 zur Königschronik: Kap. III.2.

51  Steinacher, Laterculus (2001) 67 f. Die Vandalenkönige stellten nach der Eroberung Africas für die dortige katholische Kirche diejenige politische Potenz dar, die die Rahmenbedingungen für das kirchliche Handeln bestimmte.

52  Diese Darstellungsabsicht liefert ein weiteres Argument dafür, dass die kirchengeschichtlichen Anteile des Augiensis nicht Teil der ursprünglichen Chronik waren. In diesem Fall ließe sich die erste Bearbeitungsstufe nach dem Tod des Thrasamund (vgl. Kap. III.1) nicht schlüssig erklären, da die katholische Kirche schließlich erst mit dem Untergang des Vandalenreichs endgültig triumphierte.

53  Hierzu gehören auch die Komputationen zum Tod des Thrasamund (A 13 f., H 13). Diese sind in den beiden Codices zwar nicht inhaltsgleich; entscheidender ist aber, dass beide Stränge an derselben Stelle eine Berechnung vornehmen. Das ohne Widerpart im Matritensis stehende A 14 darf also nicht als Augiensis -Sondergut gelten.

    Erklärung der Siglen, Zeichen und Abkürzungen in Text und Apparat

    R, Rp cod. Reichenaviensis = cod. Parisinus 4860, 9. Jh.
    Rv cod. Augustanus Vindelicorum 223, 15. Jh., Abschrift von Rp
    M cod. Matritensis 134, 13. Jh.
    O cod. Osmensis deperditus


    Augiensis (cod. R p ; cod. R v ) recensio Hispana (codd. MO)

    (A 2) post consulatum Theodosii XVII et Festi Geisericus Vandalo­rum rex Carthaginem ingressus est die XIIII Kal. Nov. (H 2) Geisericus tribus annis Hip­pone regio exemptis Carthaginem occupat sub die XIIII Kal. Nov.

    (A 3) qui regnavit in eadem Africa civitate annis XXXVII mensibus III diebus VI. (H 3) Geisericus regnavit in Afri­ca annos XXXVII menses II.

    links:

    in  –  civitate : eandem africam civitatem Rv

    XXXVII Mommsen (cf. Rv) : xxvii Rp

    rechts:

    regnavit O : rege M

    XXXVII : xxvii M

    (A 4) post hunc regnavit Hunerix filius eius annis VII mensibus X dies XXVIII. (H 4) Hugnericus filius eius re­gnavit Carthagine annos VII men­ses X.

    links:

    dies : diebus Rv

    XXVIII : xviii Rv

    rechts

    Hugnericus : hugneribus M

    re­gnavit O : rege M

    (A 5) qui in fine anni VII regni sui catholicae ecclesiae persecutio­nem fecit omnesque ecclesias clau­sit et cunctos domini catholi­cos sacerdotes cum Eugenio Car­thaginensi episcopo exilio rele­ga­vit.    

    (A 6) qui dei iudicio scatens ver­mibus vitam finivit.    


    links: in  –  civitate : eandem africam civitatem Rv XXXVII Mommsen (cf. Rv) : xxvii Rp rechts: regnavit O : rege M XXXVII : xxvii M links: dies : diebus Rv XXVIII : xviii Rv rechts Hugnericus : hugneribus M re­gnavit O : rege M


    (A 7) post eum regnavit Gunta­mundus, Gentunis eiusdem Hune­rici fratris filius, annos XI menses VIIII dies XI. (H 7) Gunthamundus, nepos ex filio Geiserici Gentune, regnavit Carthagine annos XI menses VIII.

    links:

    Hune­rici : regis add. Rv

    fili­um Rv

    rechts:

    guntamundus M

    geyserici O

    (A 8) qui tertio anno regni sui coe­meterium sancti martyris Agilei apud Carthaginem catholicis dare praecepit Eugenio Carthaginensis episcopo ab eodem iam de exilio revocato.

    coe­meterium Mommsen : cymeterium Rp : cymiterium Rv

    prae­cipit Rv

    carthaginensi Rv

    (A 9) decimo autem anno regni sui ecclesias catholicorum aperuit et omnes dei sacerdotes petente Eugenio Carthaginense episcopo de exilio revocavit.

    (A 10) quae ecclesiae fuerunt clausae annos X mensibus VI diebus V, hoc est ab octavo anno Hunerici, id est ex die VII Id. Febr., usque in decimum annum regis Guntamun­di in die IIII Id. Aug.; in quo completi sunt supra­dicti anni X menses VI dies V.

    X : xi Rv

    menses Rv

    dies Rv

    Hunerici Mommsen (cf. Rv) : henerici Rp

    in diem Rv

    (A 11) qui memoratus Guntamun­dus rex postmodum vixit annos II mensem I.

       

    mense Rv

    links: Hune­rici : regis add. Rv fili­um Rv rechts: guntamundus M geyserici O coe­meterium Mommsen : cymeterium Rp : cymiterium Rv prae­cipit Rv carthaginensi Rv X : xi Rv menses Rv dies Rv Hunerici Mommsen (cf. Rv) : henerici Rp in diem Rv mense Rv


    (A 12) post quem regnavit Tra­samundus, Gentunis filius, annos XXVI menses VIII dies IIII. (H 12) Trasamundus, frater Gun­thamundi, regnavit apud Carthagi­nem annos XXVI menses IX.

    rechts: transamundus O | guntamundi M | carthagine O

    guntamundi M

    carthagine O

    (A 13) ab exordio ergo imperii Aviti usque ad annum XXVII Tra­samundi [anni sunt L] XVIII. (H 13) ac sic agitur hodie LXXXIIII annus ab ingressu Car­thaginis.

    links:

    ad annum Mommsen (cf. Rv) : annum Rp

    XXVII Mommsen (cf. Rv): xxvi Rp

    anni  –  L supplevit Becker, duce Courtois

    XVIII Rp in marg. (manus prima, ut videtur)

    rechts:

    LXXXIIII Mommsen : dccciiii MO

    (A 14) a XIIII autem anno imperii et morte Valentis usque in annum XXVII Trasamundi anni sunt CXVIII.

    XXVII Mommsen (cf. Rv) : xxvi Rp

    (A 15) post quem regnavit Hiltirix, filius Hunerici, annos VII dies VIII. (H 15) deinde Hildrix, Hugnerici filius, Geiserici atque nepos, reg­navit Carthagine annos VII dies XIIII.

    links:

    hildrix Rv

    VII Becker, duce Papencordt : viii Rp (cf. Rv)

    rechts:

    deinde : dehinc O

    hildirix O

    hucnerici M

    geyserici O

    (A 16) qui in exordio regni sui Bo­nifatium episcopum apud Cartha­ginem in ecclesia sancti Agilei ordinari praecepit et omnibus ca­tholicis libertate restituit.

    Bo­nifatium Mommsen : bonifacium Rp (cf. Rv)

    libertatem Rv

    (A 17) quo regnante adsumpta ty­rannide Geilamer regnum eius in­vadit, in quo fecit annos III men­ses III. (H 17) Gheilamir tyrannide ad­sumpta Hilderico regno pulso eius­que origine truncata domi­natus est Afris annos III menses III.

    rechts: | ghegilamir O | regno : a regno O

    ghegilamir O

    regno : a regno O


    rechts: transamundus O guntamundi M carthagine O links: ad annum Mommsen (cf. Rv) : annum Rp XXVII Mommsen (cf. Rv): xxvi Rp anni  –  L supplevit Becker, duce Courtois XVIII Rp in marg. (manus prima, ut videtur) rechts: LXXXIIII Mommsen : dccciiii MO XXVII Mommsen (cf. Rv) : xxvi Rp links: hildrix Rv VII Becker, duce Papencordt : viii Rp (cf. Rv) rechts: deinde : dehinc O hildirix O hucnerici M geyserici O Bo­nifatium Mommsen : bonifacium Rp (cf. Rv) libertatem Rv rechts: ghegilamir O regno : a regno O


    (A 18) qui tanta homicidia sce­lestus commisit, ut nec paren­tibus parceret.

    nec : suis add. Rv

        

    (H 19) ingressus est Belisarius magister militiae cum exercitu Orientis Carthaginem sub die XVII Kal. Oct., Gheilamir in fugam ver­so, postea capto.

    Belisarius Mommsen : bellisarius O : belisaricus M

    carthagine O

    XVII Steinacher, duce Papencordt : xviii M : xviiii O

    geylamer O

    (A 20) fiunt ergo ab exordio regni Geiserici regis usque ad exitium Vandalorum anni XCIII menses X dies XI.

    regni om. Rv

    Geiserici Mommsen (cf. Rv) : geisirici Rp

    regis ante geiserici transpos. Rv

    (A 21) ab interitu ergo Valentis, quod erat in XIIII anno regni eius, usque ad supradictum tempus sunt anni CLIIII.

    quod erat om. Rv | sunt om. Rv

    sunt om. Rv

    (A 22) collecta ergo omnium summa annorum ab Adam usque ad Vandalorum perditionem fiunt anni V̅DCCXXXIII.

    omnis Rv

    nec : suis add. Rv Belisarius Mommsen : bellisarius O : belisaricus M carthagine O XVII Steinacher, duce Papencordt : xviii M : xviiii O geylamer O regni om. Rv Geiserici Mommsen (cf. Rv) : geisirici Rp regis ante geiserici transpos. Rv quod erat om. Rv sunt om. Rv omnis Rv